Tag: Sony (Page 1 of 2)

No Man’s Hype

Es hätte so schön werden können: Mit dem eigenen Raumschiff durchs All jagen, Planeten entdecken, Piraten weglasern, außerirdische Ruinen erkunden und am Ende in das mystische Zentrum der Galaxie vordringen – das hat uns No Man’s Sky versprochen. Und in gewisser Weise hat das Spiel seine Versprechen auch gehalten, nur eben nicht so, wie sich viele das vorgestellt haben. Das Resultat ist eine milde Enttäuschung und Ernüchterung, dass das lang erwartete Spiel am Ende doch nicht die Erfüllung aller Träume ist. Aber mal ehrlich – wer hätte das denn erwarten können?

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Kojima!? Kojima?! KOJIIIIIMAAAAAAA!?!?!

Das nächste Assassin’s Creed findet in Indien statt. Nein, nicht “Assassin’s Creed Chronicles: India”, sondern der nächste Volltitel soll dort spielen. Das ist zumindest meine kleine Spinnerei zum Wochenende, wenn ich mir die ersten 10 Minuten des “Jack The Ripper”-DLCs angucke. Dort sehen wir nach einem hektischen Auftakt Evie Fryes Rückkehr nach London und auf ihrer Reisetruhe steht “Grand Hotel India”. Das mag ein Zufall sein, da England fröhlich vor sich hin kolonialisierte, aber es wäre auch nicht das erste Mal, dass die Macher zukünftige Spielestandorte andeuten. Leicht vorzustellen ist das Setting wohl alleine schon aufgrund des Taj Mahal, wobei Indien, ähnlich wie Hong Kong oder Japan, gerade in der Neuzeit interessante Standorte sind. Johannes und ich hoffen immer noch, dass es Deutschland wird, aber dazu ein andermal mehr.

Meta-Kojima und seine Anspielungen

Wer das erste Metal Gear Solid oder Final Fantasy VII, VIII oder IX auf der Playstation gespielt hat, der weiß, dass früher oder später ein Disc-Wechsel angesagt ist. Bei so einem massiven Spiel wie “Metal Gear Soid IV: Guns of the Patriots” hätte man wohl gleich einen 10er-Pack an DVDs besorgen müssen, doch der Blu-Ray sei Dank, passt das Spiel auf nur eine CD. Ein Fakt, der Kojima einen aggressiven In-Joke im Spiel wert ist. Es handelt sich bei der folgenden Szene nicht um eine optionale Szene, über die nur einige Spieler stolpern. Die ganze Welt durfte hören, wie toll Sony und ihre Blu-Rays sind. Eine solche Stichelei hat nach außen keine große Wirkung und ist eher ein kleiner Liebesbeweis Richtung Sony.

He talks the talk and walks the Walkman (TM!)

Hört ihr den Ritt der Walküren oder doch lieber “Take On Me”, wenn ihr euch im Helikopter in Sicherheit bringt? Ganz egal welches der vielen Lieder ihr wählt, hören wird euer Big Boss das ganze auf seinem treuen Sony Walkman. Zum ersten Mal kam der Walkman als Prototyp im PSP-Ableger “Peace Walker” zum Einsatz. Briefings, geheime Botschaften und natürlich Musik werden über euren ikonischen Begleiter abgespielt. Und auch hier darf davon ausgegangen werden, dass es sich um einen Zufall handele. Vielleicht findet Kojima Sony aber auch einfach nur cool. Und bei jemandem wie Kojima kann ich mir vorstellen, dass das schon genug ist, damit er Teil des Ganzen sein möchte. Natürlich besteht der Freigeist auf ein eigenes Studio und künstlerische Freiheit, aber es gibt ganz viel Arbeit auf finanzieller und organisatorischer Seite, die Kojima offensichtlich gestohlen bleiben kann. Hätte Konami ihn gelassen, würde Kojima wohl noch immer an “Metal Gear Solid V: The Phantom Pain” feilen.

Nach den bekannten Geschichten um Hideo Kojima ist davon auszugehen, dass Sony genau weiß, womit sie sich bei ihrem “Fan” einlassen. Wir können stark davon ausgehen, dass Kojima mit den meisten seiner persönlich geleiteten Projekte keinen Gewinn einfahren muss. Was ein Quentin Tarantino für Filme ist, ist ein Hideo Kojima im Bereich der Videospiele. Die Menschen wollen seine Spiele bestaunen oder können schlichtweg nichts damit anfangen. Das wird auch so bleiben, da Kojima die nächsten 10 Jahre sehr wahrscheinlich seine Ruhe hat. In dieser Zeit wird er der Regel nach schließlich nicht mehr als 2 Projekte zu Ende führen. Hideo Kojima ist für viele ein Repräsentant und vielleicht sogar ein Sinnbild davon, was sie sich vorstellen, wenn sie an klassische Videospiele denken. Die Idee ist nach außen hin erstmal gerettet und es ist fürs Erste wahrscheinlich sogar egal, was dabei herauskommt. Ganz egal, ob Kojima und Sony wirklich voneinander angetan sind. Ich sage ja nur, dass das finanzielle Zusammenspiel bereits recht flüssig über die Bühne zu gehen scheint.

Featured Image via Flicky by Videogame Photography

Mehr Spieler – Crowdfunding mit Feigen

Es kann nicht oft genug gesagt werden: Crowdfunding ist eine tolle Sache und gleichzeitig eine wichtige Entwicklung, auch gesellschaftlich, insbesondere aber für Videospiele. Denn in einer Zeit, die geprägt war (und noch immer ist) von Fortsetzungen und sich immer mehr gleichendend “Open World Action Adventure”-Spielen (ein mittlerweile sehr generisch benutzter Terminus), haben Spiele wie Wasteland 2, Pillars of Eternity oder FTL bewiesen, dass auch ein Leben jenseits der drei As möglich ist. Leider hat Crowdfunding aber auch ein Problem: Fairness.

Dazu müssen wir uns nochmal das Prinzip Crowdfunding für Videospiele aus der Nähe ansehen: Der Deal ist, dass ich jetzt Geld ausgebe, um später (vielleicht) ein Spiel billiger zu bekommen (und eventuell noch irgendwie in’s Spiel integriert werde, wenn ich eine unsinnige Summe Geld dafür ausgebe).
Jede*r Unterstützer*in geht dabei aber eine Art unternehmerisches Risiko ein. Denn welche Sicherheit habe ich, dass die Entwickler ihre Versprechen halten und die angekündigten Features ins Spiel einbauen? Wer garantiert mir, dass ich am Ende überhaupt ein Spiel erhalte?

Zwo – eins – Risiko!

Nun könnte mensch argumentieren: Das Risiko ist dadurch abgegolten, das ich ja gegenüber dem Ladenpreis spare. Aber was ist mit den Leuten, die mehr als zwanzig oder dreißig Euro ausgeben? Die sparen ja nicht und haben dabei trotzdem das Endprodukt ermöglicht. Speziell bei einem großen Erfolg nach der Fertigstellung ergibt sich die Frage: Wenn das Spiel soviel Geld macht, dann liegt das ja auch an meiner Unterstützung; sollte ich daher nicht auch “ein Stück vom Kuchen” abbekommen, obwohl ich nur ein paar Gramm Mehl in den Teig gemischt habe?

Und dann gibt es da noch den Fall “Investor”. Bekanntestes Beispiel ist Oculus Rift und Facebook: Nachdem Oculus mit vielen Millionen Dollar einen Erfolg auf Kickstarter feiern konnte, stieg bald Facebook als Investor ein. Deren Geld wurde durch den Kauf von Facebook fast entwertet, auch wenn weiterhin behauptet wurde, dass die Unterstützerinnen ihre Gegenleistung erhalten werden. Nur ändert solch eine Investition das Ziel eines Crowdfunding-Projektes grundlegend: Geht es vorher in erster Linie um die Umsetzung (und dann den Profit), steht nach einer Investition der Profit im Fokus. Das ändert zwar nichts am Ziel der Umsetzung, aber diese könnte durch Anpassungen an einen Massenmarkt (Mehr Profit!) herausgezögert oder noch schlimmer: Das Produkt könnte in einigen Bereichen grundlegend geändert werden.

Via Flickr, by Victoriafee

cat prank glasses_victoriafeeSo könnte sich Facebook entscheiden, dass Oculus mehr Katzencontent braucht.

Dieses Fairness-Problem zwischen großen und kleinem Kapital versucht nun eine neue Crowdfunding-Plattform zu adressieren. Bei “Fig” handelt es sich um ein Projekt des ehemaligen Geschäftsleiters von Double Fine, Justin Bailey. Der hat auch gleiche einige andere bekannte Namen in’s Boot geholt: Tim Schafer, Feargus Urquhart und Brian Fargo bringen die Erfahrungen aus ihren jeweiligen, sehr erfolgreichen Kickstarter-Kampagnen mit. Bei Fig geht es einerseits darum, eine Plattform speziell zum Crowdfunding für Videospiele zu erstellen, andererseits soll aber jede*r Ünterstützer*in die Möglichkeit haben, eine “Investition” zu leisten. Dadurch soll jede*r Backer*in auch am späteren finanziellen Erfolg des Spiels teilhaben können. Bisher geht das nur für zertifizierte Investoren mit jeder Menge Kohle in der Hinterhand, man arbeite aber daran, so Bailey, dass jede*r Mensch eine Investition leisten und später ausbezahlt werden könne.

Somit könnte Fig also zu mehr Innovation durch besseres und gezielteres Crowdfunding von Videospielen führen – die Projekte werden vor ihrer Freischaltung streng kuratiert -, gleichzeitig aber auch das inhärente Fairnessproblem im Crowdfunding mildern. Vor allem dann, wenn wie bei Ritual of the Night oder Shenmue III, die Kampagnen weniger als Realisierungsprojekt, sondern vielmehr als Machbarkeitsstudie seitens der AAA-Publisher verstanden werden. Denn damit kommen wir wieder zum Investoren-Problem, das ich oben beschrieben habe. Kickstarter ist somit zu einem weiteren Spielball der Industrie-Magnaten (EA, Sony, Mircosoft, Ubisoft etc.) verkommen.

Fokusgruppe Kickstarter

(Kurzer Exkurs am Rande: Die Tatsache, dass große AAA-Firmen Kickstarter-Projekte unterstützen, um ihre Investitionen abzusichern, lässt in mir die Frage aufkommen, wozu die AAA-Publisher dann noch diese verdammten Fokusgruppen-Tests machen? So könnte Sony beispielsweise genauso gut einen Fokusgruppentest durchführen lassen, bei dem bestimmt herauskommen würde, dass Shenmue unbedingt einen amerikanischen, weißen, heterosexuellen Helden mit tiefer Stimme und Militärvergangenheit braucht, um Erfolg zu haben. Anders gesagt: Wenn von Fokusgruppen auf Kickstarer umgeschwenkt wird, was sagt das über die Effektivität von Fokusgruppen-Test? Und vor allem: Was sagt das über die Entscheidungsfindungsstrukturen bei Sony?)

Ist Fig also die Lösung der Fairness-Probleme? Nein, sicher nicht. Aber es ist ein wichtiger Versuch, dieses Ungleichgewicht zu adressieren und in eine konkrete Plattform umzuwandeln. Egal ob Fig Erfolg hat oder nicht, es zeigt, welche massiven Schwierigkeiten beim Crowdfunding gerade herrschen. Und deshalb ist die Entstehung dieser Plattform wichtig.

Featured Image by Walde

1080 Gründe für die Playstation 4

Taschentücher bereit? Ihr wisst was kommt, oder? Die Wissenden unter euch haben es immer noch vor Augen. Die langen, beharrten Beine unter der Strumpfhose und dieser pralle Hintern den Simon Krätschmer uns als „Grafikhure“ einst präsentierte. Eine so flache, wie treffende Bezeichnung für den Durchschnittsgamer. Denn seien wir ehrlich: den visuellen Unterschied inmitten der Konsolen-Zankerei bemerkt sowieso fast keiner.

Wenn sich jemand aufspielen darf, dann sind es wie immer die PC-Spieler. Feucht fröhlich drehen sie mit der richtigen Hardware die Regler bei Spielen wie „Far Cry“ auf 10 und freuen sich, das alles noch ein bisschen detaillierter aussieht. Das ist schon beeindruckend, mindert jedoch zu keinem Zeitpunkt den Spielspaß von Konsolentiteln. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage stellt sogar fest, dass die ausgewiesene Spielspaß-Konsole dieser Generation, wie könnte es anders sein, die Nintendo Wii U ist.

Genau die Konsole über die wir so gerne Witzchen machen, dass sie wie die Playstation Vita nur eine Handvoll Besitzer vorweisen kann. Aber ganz so abwegig ist der Vorwurf anhand der eben nicht so berauschenden Zahlen der Wii U auch wieder nicht. Und das, so lässt unter anderem die Umfrage vermuten, liegt am Grafikwahnsinn. Der meist genannte Grund von Playstation 4-Käufern ist laut der Umfrage nämlich die hohe Auflösung.

Die Auflösung, die in der Regel für keinerlei Grafikunterschiede auf handelsüblichen Fernsehern sorgt. Es bräuchte wahrscheinlich ein ausgewachsenes Zimmer für den Fernseher allein, damit die Größe und Auflösung tatsächlich einen Unterschied macht. Und gleichzeitig ist bei einem 4k-Fernseher sowieso wieder egal, ob die Auflösung nun unzulänglich oder nicht ganz so unzulänglich ist.

Und auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis stoße ich immer wieder auf diese Einstellung. Selbst bei Spielern, die immer wieder betonen, dass Grafik zweitrangig ist, wird diese zuerst genannt, wenn sie besonders gut oder schlecht ist. Da halte ich es mit Anni, die gerne auf das zweifelhafte Lob für Filme „Also die Maske war gut“ zurückgreift. Wenn etwas derartig Unwichtiges das erste und wichtigste Merkmal zu sein scheint, dann kann es mit dem Spiel nicht weit gekommen sein.

Via Flickr by Raúl

Cloud

Jeder erfreut sich an Grafikupdates. Der Inhalt macht jedoch meist den Klassiker aus.

Es gibt keine Grafik, die ein Spiel kaputt machen kann. Spätestens „Final Fantasy VII“ ist eine Ode an diese Weisheit und auch Spiele wie „Grim Fandango“ und die originalen „Monkey Island“-Teile machen trotz staubtrockener Grafik immer noch einen Heidenspaß. Und mit „Counter Strike“ will ich gar nicht erst anfangen. Und doch fallen wir immer in gleiche Muster zurück und streiten uns (ähnlich wie bei Autos) um Dinge, die wir gar nicht richtig nachvollziehen können. Wir hören „mehr PS/mehr Pixel, desto besser“ und reden uns an Millisekunden oder hanebüchenen Frame-to-Frame-Vergleichen ein Unterschiede zu erkennen.

Die Wahrheit liegt auch nicht irgendwo dazwischen. Wenn ein Spiel gravierende, technische Probleme hat, dann hat dies so gut wie nie etwas mit der Grafik-Power, sondern der Programmierung für die spezifische Hardware zu tun. Tearing, Pop-Ups und Co. suchen selbst die teuersten Titel auf High-End-Geräten heim, wenn die Programme nicht überhaupt erst daraufhin ausgelegt worden sind. Für „GTA“ gehören Pop-Ups zu den Erbkrankheiten und es ist in jeder Kritik nicht mehr als ein Schönheitsfleck.

Ich wünschte, dass ein solcher Artikel komplett überflüssig ist. Verkaufszahlen, Kommentarbereiche und nicht endend wollende Games-Berichterstattungen zu Grafikvergleichen offenbaren jedoch eine andere Wahrheit. Dass sich am Ende lediglich die Konsumenten ein Bein stellen, wenn sie auf eine der aufgebauschten Nebensächlichkeiten achten, werden die wenigsten einsehen wollen. Dann müsste man sich nämlich eingestehen, dass man leider ziemlich oberflächlich war.

Featured Image via Flickr by download.net.pl

33 – PS Vita TV

Da sind wir schon wieder mit einem weiteren, aktuellen Thema. “PS Vita TV” scheint ein kleiner Schritt fürs Gaming zu sein, aber könnte ein entscheidener Schachzug in Sachen Multimedia-Möglichkeiten zwischen Sony und Microsoft werden. Was es mit “PS Vita TV” auf sich hat, fassen Johannes und meine Wenigkeit in knackigen 20 Minuten für euch zusammen. Neumodisches Gewäsch oder ein intelligent eingeführtes Stückwerk seitens Sony?

Via Flickr by Gustavo Devito

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 Ist “PS Vita TV” eine tolle Neuerung oder ein alter Hut?

Übersicht
00:00 – 01:15: Mehr Spieler feiert sich selbst
01:15 – 05:34: Was ist denn dieses… „PS Vita TV“?
05:34 – 09:00: Bei der Macht des Streamings! (Inspiriert von Steam?)
09:00 – 10:48: Sony lässt die Käufer entscheiden (und bezahlen), was sie haben wollen
10:48 – 14:33: Asia Only – Dominanz im asiatischen Markt statt Konkurrenzkampf weltweit
14:33 – 15:21: Gaikai und die Infrastruktur
15:21 – 17:27: Gibt es eine Zukunft für die „PS Vita“?
17:27 – 19:05: Verabschiedung (mit APPLAUS!)

P.S. Der Applaus kommt aus Eschwege und galt ursprünglich dem Chor der Eschweger Gymnasien.

Microsoft und die Bibel

[Legende: Internet = #neuland]

Sagt euch der Name Zachäus etwas? Nicht so schlimm. Ich musste auch erst das allmächtige #neuland befragen, aber ich wusste zumindest wonach ich suche. Die Geschichte von Jesus und dem Zöllner kam mir sofort in den Kopf, als Microsoft direkt nach der E3 eine „180°-Wendung“ vollführte, was ihre Digital Rights Management (DRM) Police betrifft (mehr zu den ursprünglichen Voraussetzungen der Xbox One) .

Plötzlich ist das Tauschen und Verkaufen von Spielen kein Problem mehr. Die Konsole hat auch keine #neuland-Pflicht alle 24 Stunden mehr (was ehrlich gesagt, das geringste Problem war, da man heutzutage beinahe automatisch mindestens einmal am Tag mit der Konsole online ist). Mehr Details, was Microsoft alles verbessert hat, hat das #neuland schon zur Genüge durchgekaut.

Mir geht es, obwohl ich kein sehr religiöser Mensch bin, um die Parallele zu Jesus und dem Zöllner Zachäus. Warum? Nun, plötzlich stehen überzeugte Playstation-Unterstützer als die schwachen und ungerechten Pharisäer dort. Und ja, das Bashing Microsofts nimmt hier und dort wirklich überhand und entfernt sich von jeglicher Realitätsebene. Sollten wir nicht großmütig anerkennen, dass Microsoft aus den eigenen Fehlern gelernt hat und nun Gerechtigkeit (die Bedeutung des Namens Zachäus, by the way) übt?

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 Ist Microsofts Entschuldigung biblischen Ausmaßes? Via Wikimedia Commons by Reinhardhauke

Es gibt mehrere Punkte, warum man Microsoft für diese Kehrtwende nicht einfach abfeiern kann. Gleichzeitig muss man allerdings auch anerkennen, dass nach jetzigem Informationsstand „nur“ noch 100€ sicher zwischen PS4 (399€) und Xbox One (499€) stehen. Viele weitere Details zu beiden Konsolen sind weiterhin nicht offiziell bestätigt, auch wenn die Augenbrauen bei der Xbox One ein wenig höher gezogen werden.

Schließlich ist das #neuland der perfekte Ort für Paranoia und nicht wenige sehen es als wahrscheinlich an, das Microsofts angekündigte Besserungen einen Haken haben. Zum Beispiel werden die Spiele weiterhin auf der Festplatte installiert und es sind weiterhin externe Festplatten nötig, wenn der Speicherplatz nicht ausreicht. Ersterer Punkt ist dabei der wichtigere, da man das Spiel also auf seine Festplatte installieren muss. Aber das Spiel soll an die Disc gebunden sein… wäre es nicht sinnvoller, die Spiele deshalb nicht unbedingt installieren zu müssen? Die Stolpersteine sind noch klar zu erkennen, aber man sollte Microsoft das technische Know-How zugestehen, dass sie bis November einen fertigen Plan haben.

Zurück zu Jesus, Zachäus dem Zöllner und den Pharisäern. Microsoft bedarf einer zweiten Chance. Das steht ganz außer Frage. Zumindest von einem technischen Standpunkt aus gesehen. Die großen Nachteile in Sachen Benutzerfreundlichkeit scheinen bereinigt. Es gibt jedoch mehr als nur gute Gründe, warum es absolut unangebracht ist, die Geschichte vom Zöllner so einseitig zu verwenden.

Seit Veröffentlichung der Playstation 3 hat sich ebenfalls viel getan. Das außerhalb von Japan zu Beginn so gut wie überhaupt nicht unterstützte Stück Hardware, war so unbrauchbar, wie die Xbox One vor einer Woche noch erschien. Der amerikanische Markt (vom europäischen möchte ich in Bezug auf beide Konsolen gar nicht erst anfangen) war stets und zurecht irritiert vom weitaus weniger verständlich erscheinenden Support der Japaner. Erst 2009 erreichte der Service seitens Sony ein Niveau, welches wettbewerbsfähig erschien. Seitdem hat sich stetig etwas getan und die bisherige Präsentation der PS4 ist ein „Beweis“ (man sollte vorsichtig mit solchen Worten sein), dass man bei Sony darum bemüht ist zumindest gerecht zu erscheinen.

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Auch Sony ist nicht fehlerfrei, wenn es um Vermarktung geht. Die PS Vita ist seit Release ein kommerzieller Komapatient. Via Wikimedia Commons by Tokyoship

Genau hier sind wir beim aktuellen Problem der Vermarktung. Es gibt keinerlei Entschuldigung für die an jeder Ecke ausbleibende Etikette, die Microsoft in Form von Swag und ungerechtfertigtem Selbstvertrauen und -verständnis vortrug. #neuland-Größen wie Angry Joe wurde mitten ins Gesicht gelogen. Auf die Behauptung Joes hin, dass man die DRM-Police problemlos ändern könnte, wurde Joe verbal zurechtgewiesen. Und es handelt sich bei dieser Episode um keine Ausnahme. Selbst der sonst sehr unkritisch fragende Geoff Keighley (Gametrailers.com) konnte die Verkaufsstrategie des amerikanischen Großkonzerns nicht nachvollziehen.

Microsoft hat eine große Fanbase. Diese Fanbase hätte ihnen so ziemlich alles vergeben. Fakt ist, dass sie auch jetzt vergeben und – schlimmer – zu vergeben scheinen. Einen guten Monat lang hat Microsoft der Gamercommunity ins Gesicht gelogen. Das Schlimme ist, dass wir es alle gewusst haben. Und da reibt man sich als Journalist und aktiver Teilnehmer der Szene natürlich schon mal die Hände und übt sich in Schadenfreude, wenn man erfährt, dass die Xbox One im ganzen #neuland zerrissen wird und die Vorverkaufszahlen klar für den japanischen Magnaten sprechen.

Man kann nur hoffen, dass auf beiden Seiten der Fanlager die Pubertät bald hinter sich gelassen wird. Die Konsolen haben noch gute vier Monate, um uns mit tollen Gimmicks und fürchterlichen Einschränkungen zu überraschen. Man kann nur hoffen, dass Microsoft das Vertrauen seiner Käufer nicht abermals enttäuscht und Restriktionen in der Hinterhand behält. Gleichzeitig muss Sony den Versprechen Taten folgen lassen.

Die Gesamtsituation zeigt eigentlich nur, dass die Gamesbranche sich leider von nahezu allen Seiten wie ein großer Kindergarten anstellt. Sein wir ehrlich: den Status des Zachäus hat keiner der beiden Großkonzerne verdient. Es handelt sich hier nicht um die Armen und Schwachen. Die Konzerne, wie auch der Großteil der Kunden ist viel besser mit den privilegierten und voreingenommenen Pharisäern zu vergleichen. Steine werden dabei sowieso geworfen und da niemand ohne Schuld ist, wirft einfach der zuerst, der sich als unschuldig sieht. Den daraus folgenden Clusterfuck dürfen wir wohl noch mindestens bis in den November beobachten.

30 – Auch wir können E3! Teil 4: Der endgültige Rest

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In Wirklichkeit haben wir eine Fabrik voller Waldes, die unter schlimmen Bedingungen  zeichnen

Tja, Kommunikation ist schon unschlagbar: Da habe ich im letzten Podcast vollmündig vom “Rest” geschrieben, nur um dann von Max zu erfahren, dass der arme Kerl einen vierten Teil zusammenschnippelt. Den könnt ihr euch natürlich gerne unten anhören, wenn ihr von unseren scharfen Analysen, wahnsinnigen Wortgefechten und unserem Schmatzen, Räuspern sowie den “Ähhs” (verdammte Ähhs!) nicht genug habt.

Und ein großes Dankeschön an Max, der die zwei Stunden Audio-Material geschnitten und dafür wertvolle Zeit mit der Bachelorarbeit geopfert hat.

28 – Auch wir können E3! Teil 2: Sony & PS4

e3 teil 2Wir waren nicht auf der E3, aber laut Waldes Malkünsten sah’s da ungefähr so aus!

Heute geht es weiter mit unserem großen Powwow zur E3! Heute im Menü: Die Sony-Pressekonferenz, inklusive des Exklusiv-Lineups von Sony. Wie beim ersten Teil gehen wir die Konferenz sowie die angekündigten Spiele durch und bewerten in unserer gewohnt objektiven und unvoreingenommenen Art das ganze Geschehen. Teil 3, kommende Woche, kümmert sich um Nintendos Präsenz in Los Angeles sowie die Konferenzen der großen Publisher. Bis dahin: Aloha ‘oe!

Aufreger der Woche – PR-Blah

Namen für irgendwas selbstgemachtes finden ist scheiße. Jede*r, der*die mal angefangen hat, selbst etwas Kreatives zu schreiben oder gerne Pen & Paper-Rollenspiele spielt, kennt dieses Problem. Ständig stellt mensch seine eigene Entscheidung für den Namen in Frage, schließlich klingt das ganze irgendwann doof und peinlich. Deshalb bin ich sehr froh, dass die Entscheidung für den Namen „Mehr Spieler“ zwischen Max und mir relativ schnell gefallen ist. Bis heute bin ich ein großer Fan, nicht nur des Namens, sondern auch unseres eigenen kleinen Formates. „Klar“, mögen viele jetzt denken, „du machst ja auch den Podcast und die Blogeinträge, natürlich findest du das gut“, aber wenn ich mit dem Format nicht zu neunzig Prozent zufrieden wäre, dann würde ich das nicht auch so sagen. Selbskritik ist schon was feines und nützliches, wenn mensch sie denn anwenden kann.

film critic_groening_Matt Groening. Bereits 1985 latent zynisch. By cineorly, via Flickr.com

Jedenfalls war die letzte Woche sehr arbeitsreich, da in Los Angeles die E3 stattfand, eine große Messe für elektronische Unterhaltung, und damit: Videospiele. Max, Walde und ich haben die Berichterstattung gespannt verfolgt und Walde war sogar so bekloppt, sich die Liveübertragungen der verschiedenen Pressekonferenzen anzutun, teilweise um vier Uhr morgens. Ich selbst kann mir diese Konferenzen aber nur selten antun. Denn dort stehen Leute auf der Bühne, die teilweise ganz genau wissen, dass ihr Produkt die ganzen Erwartungen, die sie zu schüren versuchen, nicht erfüllen wird, aber trotzdem versuchen, uns zu begeistern. Prinzipiell ist dagegen nichts zu sagen. Aber statt auf eventuelle Schwachpunkte einzugehen, sie gegen die möglichen Einwände abzuwägen und schließlich die speziellen Designentscheidungen des Produkts zu erläutern, um das Produkt klar und offen zu präsentieren heißt es oft genug: WIR SIND SUPER, WEIL WIR GIMMICK XY HABEN, NUR BEI UNS! KAUFEN!

Das schlaucht beim Zuhören und nervt beim Zusehen. Denn wir als Konsument*inn*en sind ja nicht dumm, wir wissen, dass ein Produkt nicht einmal halb so perfekt ist, wie es uns präsentiert wird. Wir wissen, dass jedes Superfeature meist auch einen Haken hat, und statt uns zu ärgern, dass es tatsächlich einen gibt fragen wir uns stattdessen, wie sehr uns dieser Haken denn ins Fleisch schneidet. Dies führt nicht nur zu einem unschönen Zynismus seitens der Verbraucher*innen, sondern auch zu einem gestörten Vertrauensverhältnis zwischen Anbieter*in und Kundin oder Kunde. Dabei ist doch Vertrauen in eine Marke, ein Produkt, eine Firma so ziemlich das Beste was so einer*m Anbieter*in eines Verkaufsdings so passieren kann, denn das stärkt die Bindung und sorgt für einen sicheren Umsatz. Das einzige Problem: Vertrauen muss mensch sich erarbeiten und nicht mit Geld erkaufen, was in unserem kapitalistischen System heißt, dass Vertrauen letztlich nicht genug Gewinn abwirft.

Deshalb sind solche Produktvorstellung auch unglaublich anstrengend und vor allem entwürdigend für die Menschen, welche diese Präsentation durchziehen müssen. Dann stehen die dort auf einer großen Bühne, reden sich den Mund mit unglaublich leeren Phrasen fusselig und geraten ins Stottern oder, noch schlimmer, reden ziemlichen Stuss, wenn irgendjemand mal kritisch nachfragt. Das tut mir beim Zuschauen weh und ich möchte nicht, dass diese Leute das machen müssen, ja, ich möchte nicht, dass irgendjemand jemals ein defizitäres Produkt hochjubeln muss, auf Kosten ihrer oder seiner Würde.

mens bathing costume_nekosoftWenigstens macht er das aus Überzeugung. Wahrscheinlich. By Nekosoft, via Flickr.com

Stattdessen würde ich mir mehr Offenheit und Transparenz wünschen. Mehr Erläuterungen darüber, weshalb mensch sich für die Möglichkeiten A, B und C entschieden hat, obwohl es hätten auch D, E, und F sein können. Warum beispielsweise setzt Microsoft auf TV und Always On, während Sony weiterhin eine Spielekonsole herstellt? Ich glaube, die Menschen und Verbraucher*innen würden es verstehen, wenn ein Pressesprecher aufläuft und sagt: „Wir haben uns bewusst dazu entschieden, unser Produkt auf diese Art zu gestalten, weil wir finden, dass Gründe G, H und I die besten Entscheidungen für uns waren. Wir konzentrieren uns auf diese Entscheidungen und wollen, dass unser Produkt in diesen Bereichen hervorragend wird. Natürlich hätten wir auch Entscheidung J, K und L treffen können, fanden aber die Ausrichtung auf G, H und I besser.“ Wenn mensch den Zuhörer*innen bei solchen Konferenzen einfach endlich mal offen erklären würde, warum die Dinge so gemacht wurden, wie sie sind, dann können sich doch alle viel besser mit den Zuständen anfreunden. Ansonsten bricht sich nämlich der Zynismus bahn und wir werden grundsätzlich von allem zunächst enttäuscht sein, statt erfreut.

Transparenz und Offenheit hilft nicht nur den Firmen, sondern auch der Politik. Deshalb sollte überall damit angefangen werden, zu erklären, statt zu entscheiden. Dann müssen wir von Mehr Spieler beispielsweise nicht mehr rumragen, weil wir als Kundinnen und Kunden für blöd verkauft werden sollen.

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