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Game Awards 2016 – Mehr Kommerz, weniger Mut

Geoff Keighley macht uns das Leben leicht und schwer zu gleich. Ihn und seine Arbeit als Blödsinn abzutun fällt einfach. Damit nehmen wir gleichzeitig hin, dass Videospiele sich in jeder Hinsicht als Kommerzartikel verkaufen. Die “Game Awards 2016” waren so innovativ wie der Name der Award-Show. Wir preisen jene, die vom Markt bereits gepriesen wurden. Der Circle Jerk (don’t google it) “is a thing”. Wir haben Wut im Bauch und versuchen trotzdem bei der Sache zu bleiben. Nehmt euch eine Viertelstunde Zeit und erlebt eine Achterbahn der Gefühle. Und am Ende ist alles gut, weil wir einen Award bekommen. Und wie alle “Kollegen” sind wir plötzlich ganz kleinlaut, wenn wir im Rampenlicht einer Dauerwerbesendung stehen dürfen.

Fazit: Wir brauchen einen Games-Reich-Ranicki, der sich öffentlich hinstellt und sagt: ICH NEHME DIESEN PREIS NICHT AN!

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Game Awards 2016 – Mehr Mut, weniger Kommerz

Johannes schaut sich nicht mehr die Oscars an – Max dagegen findet, die Game Awards seien auch nichts weiter als die Oscars der Videospielbranche. Mit viel Pomp und Buhei werden am 1. Dezember 2016 (in Deutschland ab dem 2. Dezember um 2.30 Uhr im Livestream) in Los Angeles die Game Awards verliehen. Bezeichnenderweise im Microsoft Theater. Ist das ganze wirklich nur eine Kommerzveranstaltung, so wie Max es sieht, oder hat Johannes nicht auch ein bisschen Recht mit dem Argument, dass es bei der Preisverleihung auch um die Anerkennung von Videospielen geht? Entscheidet selbst wer Recht hat, nominiert eurem Lieblingsvideospielepodcast zum von uns selbst verliehenen Lieblingsvideospielepodcast-Awards-Palooza und bekommt exklusiv eine Autogrammkarte von Max und Johannes! Oder hört einfach den Podcast, das macht uns auch glücklich!

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Mehr Transparenz auf Youtube

EA will, dass Youtuber bei Let’s Plays angeben, wenn sie von EA in diversen Weisen unterstützt sind. Von der Bereitstellung einer Kopie bis zum Eventbesuch inklusive Häppchen (mmmmhhh… Häppchen!) möchte EA ein Stück weit mehr Transparenz. Aus Selbstschutz? Für die Gamer, die sich fragen, ob die Influencer selbst “geinfluenced” wurden? Johannes und ich diskutieren munter, knackig und hoffen, dass Youtube nicht die Mistgabeln auspackt.

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Aufreger: Hamilton, Pence und Sprachgefühl

Bestimmt steckt keine böse Absicht hinter der Überschrift der Süddeutschen Zeitung “Broadway-Musical Hamilton Schauspieler belehren Mike Pence”, aber der Effekt ist nicht zu unterschätzen. “Jetzt reg’ dich doch nicht wegen eines kleinen Worts auf, Max”, ist eventuell ein Einwand. Dieser Einwand war schon immer und ist jetzt im Besonderen fahrlässig. In Amerika verfolgen wir eine aktive Spaltung von Bevölkerungsgruppen, die oft in “Arbeiterklasse gegen Elite” ihre Bezeichnung findet. Die Elite weiß alles besser. Die Elite beherrscht. Die Elite unterdrückt. Das ist das Verständnis jener, die nichts mit der Elite anfangen können.

Von einer “Belehrung” zu sprechen, ist nicht nur inhaltlich mehr als fragwürdig, sondern verstärkt das typische Bild. In den Augen der erzkonservativen Wähler sind die Schauspieler des Musicals natürlich linke Elite. Mit ihrer geschnörkelten Sprache, den hübschen Kostümen und extravaganten Gesten sind sie aufgrund der aktuellen (Fehl-)Kommunikation zwischen den Bevölkerungsteilen eine Personifizierung der linken Elite, der Social Justice Warrior, der Gutmenschen. Und diese Menschen “belehren” den demokratisch gewählten, zukünftigen Vize-Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika? Natürlich geht Menschen da der Hut hoch. Der zukünftige Präsident Donald Trump hat bereits per Twitter verlauten lassen, dass der Cast sich für den respektlosen Umgang mit Mike Pence entschuldigen soll. Wahrscheinlich, weil Donald Trump so wenig Geduld und Auffassungsgabe wie die meisten von uns mitbringt und lediglich Überschriften wie “Broadway-Musical Hamilton Schauspieler belehren Mike Pence” liest.

Das Problem ist, dass die Schauspieler des Hamilton-Musicals Mike Pence in keiner Weise belehren. Hier versammeln sich Künstler, die sich für Diversität einsetzen. Menschen, die anhand der Aussagen von Donald Trump ernsthaft besorgt sind, was die Präsidentschaft dieses Mannes für ihre und die Rechte ihrer Freunde bedeutet. Für Schwule, Lesben, Schwarze, Latinos, Transgenders, Frauen und weitere Bevölkerungsgruppen, die sich vor Trumps Aussagen und angekündigten Policen fürchten. Lest die Aussage selbst, die ich auf die Schnelle transkribiert habe. Wer eine grobe Übersetzung wünscht, guckt das Video beispielsweise bei der Süddeutschen.

You know we had a guest in the audience this evening. Vice-President elect Mike Pence, I see you walking out, but I hope you will hear us just a few more moments. There is nothing to boo here, ladies and gentlemen, nothing to boo. We are all here sharing a story of love. We have a message to you, sir, and we hope that you will hear us out. And I approach everyone to put out your phones and tweet and post so this message is being spread far and wide, okay? Vice-President elect Pence, we welcome you and we truly thank you for joining us here at ‘Hamilton – an American Musical”, we really do. We, sir, we are the diverse America who are alarmed and anxious that your new administration will not protect us, our planet, our children, our parents or defend us and uphold our inalienable rights, sir. But we truly hope our show has inspired you to uphold our American values and work on behalf of all of us, all of us. We thank you truly for [inaudible] this show. This wonderful American Story told by a diverse group of men and women of different colors creeds and orientations…

Habt ihr euch die Zeit genommen, den kompletten Ausschnitt zu lesen? Vielen Dank. Das ist nicht ironisch gemeint. Das ist bitter nötig, denn nur so ist ersichtlich, dass hier eine Gruppe von Menschen den angesprochenen Mike Pence bitten, ihren Lebensweg zu akzeptieren. Mehr als alles andere ist diese Ansprache ein “plea”, eine Bitte. Eine Bitte, zu akzeptieren, dass jeder Mensch ein produktiver und gewinnbringender Teil der Gesellschaft sein kann. Eine Bitte, zu versprechen, dass alle Menschen, die in Amerika leben, den Schutz der Regierung genießen. Die Aussagen Trumps lassen die Schauspieler zweifeln und deswegen bitten sie im Namen ihrer Gleichgesinnten, dass Mike Pence eine weltoffene und progressive Gesellschaft duldet und stärkt.

Du musst etwas Anderes tun. Du bist dumm und naiv, wenn du nicht machst, was wir dir sagen. Das sind Belehrungen. Jemanden zu sagen, dass zwei plus zwei vier sind, ist durchaus eine Belehrung, aber diese bezieht sich auf Fakten. Der Streit um Menschenrechte ist in Amerika und in nahezu allen Ländern der Erde aber eine Glaubenssache, weswegen Fakten oft außen vor bleiben. Unsere Bundeskanzlerin “tut sich schwer [mit der rechtlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare bei der Adoption von Kindern]”, weil Sie, aus welchen Gründen auch immer, es nicht für richtig hält. Das sei ein “kontroverses” Thema und ist am Ende ein Themenfeld, das bei Entscheidungen weitestgehend frei von Fakten bleibt. Der Hamilton-Cast belehrt nicht, sondern setzt sich für die Gleichheit gewisser Gruppen ein.

Der Journalismus steht in der besonderen Pflicht, dass Inhalte vernünftig, reflektiert und verständlich wiedergegeben werden. Wir haben in Deutschland genug Blätter, die sich aus offensichtlichen Gründen dagegen wehren. Der kommerzielle Erfolg gibt diesen Verlagen und Blättern recht, auch darüber müssen wir im Bilde sein. Wer glaubt, dass Überschriften wie “Broadway-Musical Hamilton Schauspieler belehren Mike Pence” keine Auswirkung auf die Außendarstellung haben, hat den berüchtigten Schuss nicht gehört. Dass die gebildete und meist als links bezeichnete Elite auf konservative Werte herabschaut, ist ein fest bestehendes Vorurteil. Ein Vorurteil, dass auch die weise gewählten Worte des Hamilton-Casts nicht umkehren, wenn wir schreiben, sie “belehren”.

Ich hingegen stehe dazu, dass ich mit diesem Beitrag belehren möchte. Ich versuche darauf hinzuweisen, dass die Wortwahl durchaus eine Rolle spielt. Ich streite oft und leidenschaftlich über die Entwicklung von Sprache und auch intern im Team herrschen große Differenzen. Das liegt bei mir daran, dass ich das Gefühl habe, dass viele Menschen ihre eigene Muttersprache in den Grundfesten nicht verstehen und unabsichtlich schaden anrichten. Während wir sprechen, passiert das. Uns fehlen die Worte, wir verhaspeln und versprechen uns. Das ist menschlich. Doch wer seine Gedanken in Schriftform zum Ausdruck bringt, hat eine besondere Verpflichtung. Journalisten verdienen ihren Unterhalt mit dem geschriebenen Wort und bei all ihrer Übung ist es wichtig, dass sie ihre Erfahrung mit dem Umgang mit der Sprache Lesern zur Verfügung stellen.

Allein die Überschrift “Broadway-Musical Hamilton Schauspieler belehren Mike Pence” ist eine völlige Verfehlung dieses Qualitätsanspruchs. Wir lesen eine Überschrift, die an eine Falschaussage grenzt. Wir versagen mit solchen Botschaften auf den einfachsten Ebenen der Kommunikation. Wenn der nächste Konservative ruft, dass die vermeintlichen Linken und die vermeintliche Elite und die vermeintlichen Besserwisser, weiß wieder keiner, woran das liegt. Niemand ist perfekt, auch ich hätte mich eloquenter ausdrücken können, hätte effektiver zum Punkt kommen können. Ich möchte das versuchen. Ich möchte meine Fehler minimieren. Die Frage ist, Süddeutsche Zeitung, macht ihr mit? Die Frage ist, Journalisten, macht ihr mit? Die Frage ist, lieber Leser, machst du mit?

Featured Image via Flickr by Tina Saey

 

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Krach, Bumm, Pewpewpew – Die Zukunft der First-Person-Shooter

Es herrscht Nachrichtenflaute auf dem Videospieleozean. Nicht etwa, weil nichts passiert, ein paar große Titel sind ja durchaus rausgekommen. Doch keines dieser Spiele wie Dishonored 2 (Probleme bei der PC-Version), Battlefield 1 (Twitter-Fauxpax von EA), Watchdogs 2 (Vorbesteller brauchen Excel-Tabelle) oder eben Call of Duty (Call of Duty) bringt etwas wirklich bemerkenswertes mit auf das Segelboot MS Mehr Spieler.

Also überlegen Max und Johannes, welche Settings wir in Zukunft bei First-Person-Shooter bespielen könnten. Das bietet sich schließlich an, da die beiden großen Shooter-Serien unterschiedliche Richtungen einschlagen: Battlefield geht zurück zum Ersten Weltkrieg, Call of Duty reist in den Weltraum und setzt seinen Marsch Richtung Sci-Fi fort. Bei den beiden Moderatoren gestaltet sich das ähnlich: Johannes findet, es sollte ein Revival der Zweiten-Weltkriegs-Shooter geben, Max hat dabei zuviel Angst vor den immer gleichen Klischees und wünscht sich mehr Sci-Fi in Zukunftsszenarios.

Viel Spaß bei unserer neuen Ausgabe des Mehr-Spieler-Podcasts!

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Red Dead No Homo

Bei dem Titel ist klar, dass es hoch her geht. Im Podcast fallen Schimpfwörter, mit denen wir uns auseinandersetzen. Die Frage ist schließlich: warum all die Beleidigungen unter und zwischen (sogenannten) Fans? Kommen wir auf die Pluralität der Gesellschaft nicht klar? Ist alles schlecht, was nicht genau so ist, wie wir es wollen? Was wollen wir eigentlich? Johannes und ich überlegen viel, sind auf mehreren Spuren und haben am Ende Vorschläge, was besser laufen kann. Ob das die Antwort ist? Keine Ahnung. Ein erster Schritt ist in unseren Augen allerdings überhaupt erst mal reflektiert über das Problem nachzudenken, um es bewältigen zu können.

Mehr Spieler für Liebe und Frieden in Videospielen,

eure Gutmensch Social Justice Warrior

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Reviewen oder nicht Reviewen, das ist hier die Frage

Warum lesen wir Spieletests? Um zu wissen, ob es sich lohnt, ein Spiel zu kaufen oder nicht, ist doch klar. Oder zumindest um zu wissen, ob dieses Spiel, über das seit Monaten berichtet wird, wirklich so gut ist, wie es geschienen hat. Vielleicht spielt auch Schadenfreude eine Rolle, nichts lesen die Menschen ja lieber als einen ordentlichen Verriss. Nur, zum Spieletesten braucht man eben auch – Spiele.

Das könnte in Zukunft schwer werden. Publisher – zuletzt Bethesda – geben Reviewkopien ihrer Spiele zunehmend erst kurz vor dem Verkaufsstart heraus. Bethesda sagt: ein Tag vorher muss reichen. Tut es aber nicht, vor allem nicht für die Open-World-Sandbox-Epen, die Bethesda für gewöhnlich rausbringt. Wie also sollen wir als Konsument’innen damit umgehen? Was bedeutet das für den Spielejournalismus? Und hat das ganze auch etwas Gutes?

Das fragen sich Max und Johannes in dieser Ausgabe des Mehr-Spieler-Podcasts. Viel Spaß beim Zuhören!

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Mehr Spieler – der/die/das Nintendo, Switch!

Nintendo hat seiner neuen Konsole(?) einen Namen gegeben. Nintendo Switch heißt das gute Stück und ist dem Namen entsprechend wandlungsfähig. Zu Hause, unterwegs, alleine oder mit Freunden: Nintendo will den Spielern die Wahl überlassen. Wir denken, dass der/die/das Switch die konsequent zu Ende gedachte Version des WiiU-Prinzips ist. Schaut den Trailer, hört die neue Podcast-Episode und diskutiert mit!

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Wann ist ein Mann ein Videospiel?

Wie sieht ein typischer Videospielheld aus? Dreitagebart, breite Schultern, entweder einen lockeren Spruch auf den Lippen oder eine tiefe Grabesstimme, die seinen harten Leder-Look (Mantel optional) unterstreicht. Wie oft habt ihr sowas schon gesehen? Max und ich jedenfalls ziemlich oft, und wir sind der männlichen Helden müde. Nicht weil sie Männer sind, sondern weil sie langweilige Männer sind. Abziehbilder von Männlichkeit, die so oft wiedergekäut wurden, dass man Geralt nicht mehr von Booker DeWitt unterscheiden kann. Dabei bieten Videospiele so viele wunderbare Möglichkeiten, mit Klischees und Erwartungen an Geschlechter zu spielen! Aber nö, wir bekommen immer die gleichen Kerle vorgesetzt. Und der einzige, der kein ehemaliger Soldat/Polizist/Abenteurer mit dunkler Vergangenheit ist, sondern theoretischer Physiker, muss natürlich stumm sein – Danke, Gordon Freeman!

Deswegen fordern Max und ich: Mehr Mut zu märchenhafter Männlichkeit! Oder so ähnlich.

Viel Spaß mit der neuen Folge von Mehrspieler!

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