Zelda: Die Ocarina als Verbindung zum Atem der Vergangenheit

Wir sind wieder da! Oder zumindest haben wir es geschafft, einen Podcast aufzunehmen. Unser Thema: Zelda. Die Reihe. Die Spiele. Die überhypten Wertungen. Ist es Nostalgie, die manche Menschen blind gegenüber manchen Schnitzer im Design dieser langlebigen und heißgeliebten Serie macht? Wie bescheuert ist Meta-Kritik wirklich? Und warum klingelt da die GEMA an unserer Tür? Fragen, die wir versuchen, wenigstens ein bisschen zu beantworten, bevor uns der Stecker gezogen wird. Viel Spaß bei der neuen Folge Mehr Spieler!

Informieren leicht gemacht

Nie hätte ich mir erträumt, dass eine Schulweisheit meiner Deutschlehrerin an der Oberstufe einmal ein Credo meines Lebens wird. “Belegen Sie am Text”, ist nicht nur ein Mittel, um gute Noten durch Wischi-Waschi-Aussagen zu verhindern. “Belegen Sie am Text” ist auch im Alltag eine Berufung auf Feststehendes. Nun stellen wir dieser Tage endgültig fest, dass jeder einfach schreiben kann, was er möchte. Deshalb können wir nicht jeden davon überzeugen, dass das Geschriebene Wort stimmt oder frei erfunden ist.

Wir möchten uns dennoch ein paar, sagen wir freundlich, kontroversen Kommentaren, die uns im Alltag begegnen, widmen. Gibt es Antworten auf Thesen und Fragen, die durchs Netz geistern und unter einigen Menschen für Entrüstung sorgen? Wir helfen, wo wir können. So sind wir, freundlich und zuvorkommend.

Das heutige Hilfegesuch ist von einem Twitter Nutzer und beschäftigt sich mit der Kunstinstallation “Monument” von Manaf Halbouni. Die Busse sind, wie viele Kunstwerke, umstritten. Die Gründe sind vielfältig und in keiner Weise stichhaltig. Wer sich über ein paar Punkte hierzu informieren möchte, kann die BILD Dresden (ja, wirklich, kein Scherz) lesen und auch der Tagesspiegel nimmt zu Gerüchten um den Ursprung der Idee der aufgestellten Busse Bezug. Wer glaubt, dass das alles nur Teil einer riesigen Verschwörung ist, dem können wir nicht helfen. Das sind die Informationen, die wir haben. Mit Aussagen von mehreren Quellen vor Ort und in Verbindung mit diesen Menschen.

Der heutige Punkt ist ein anderer. Ein ganz kleiner, bei dem wir dennoch helfen können.

Folgender Twitter-Nutzer fragt, ob das Monument (hier: Schrottbusse) “bis zum jüngsten Tag” in Dresden bleibt.

Klasse, das ist eine sachliche Frage, bei der wir gerne weiterhelfen! Laut der bereits verlinkten Seite www.museen-dresden.de ist die Installation temporär und bis zum 26.März geplant. Wie jemand an diese Information herankommt? Ein Guide in wenigen, einfachen Schritten:

  1. Suchmaschine Google oder ähnliche bemühen (Internet ist bekanntlich vorhanden, sonst geht das mit dem Twitter-Zugang auch nicht) =)
  2. Was interessiert mich? Wann ist die Kunstinstallation “Monument” in “Dresden” zu “Ende”. Probieren wir “Monument Dresden Ende” zu suchen.
  3. Gleich der erste Eintrag ist von den Museen der Stadt Dresden mit den gesuchten Informationen.

Aber beißt sich das nicht mit der Berichterstattung der BILD? Die BILD berichtet im ebenfalls verlinkten Artikel, dass die Installation nach dem 3. April 2017 und nicht bereits am 26. März 2017 abgebaut wird. Was ergeben sich hierdurch für Möglichkeiten?

  1. Das “Monument” wird entweder am 26. März oder am 4. April oder dazwischen abgebaut.

Aber wenn sich diese beiden Quellen nicht auf einen Termin einigen können, vielleicht stimmt beides nicht? Das großartige an unserer modernen Gesellschaft ist, dass Menschen wie der obige Twitter-Nutzer ganz einfach Verantwortliche der Stadt oder das Kunsthaus Dresden anrufen können und um eine definitive Information bitten können. Auch die BILD Dresden reagiert bestimmt gerne auf Nachfragen zu dieser Information.

Falls erneut jemand nicht informiert werden möchte, können wir natürlich nicht helfen. Dann kommen unreflektierte Aussagen zustande, die sich zum Beispiel so lesen:

Zwei der User geben bereits Aufschluss über den ungefähren Abbautermin. Wir konnten mit ein paar Quellen und Hilfevorschlägen hoffentlich helfen. Dann steht man als Twitter-Nutzer das nächste Mal besser informiert da und hat die Fakten gleich alle parat. Vielleicht verliert man sich dann nicht mehr in haltlosen Anschuldigungen und Verschwörungstheorien. Hoffen dürfen wir und geholfen haben wir gerne.

Mehr Offenheit

Das vor einigen Tagen auferlegte Reiseverbot betrifft Videospielentwickler und deren Angehörige in betroffenen Ländern. Sind das viele, sind das wenige? Geht es nicht viel mehr ums Prinzip? Johannes und ich unterhalten uns darüber und versuchen nicht zu bedrückend zu sein. Ein paar Witze sind drin. Versprochen. Durchhalten, nicht die Augen verschließen und für das Einstehen, was euch wichtig ist. Hoffentlich kommt die Botschaft durch.

Hier noch das im Podcast erwähnte Video von Insomniac Games:

Wir haben die Switch befummelt – nur für euch

Mit natürlich völlig ungeplanter Verzögerung steht die Mehr-Spieler-Crew jetzt wieder für euch bereit mit einer neuen Folge im neuen Jahr und mit nur ganz wenig neuer Verzweiflung (denn viel Verzweiflung ist noch von 2016)!

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Die Mehr-Spieler-Vorschau auf 2017

So ein bisschen ist dieses leicht wehleidige „2016 war soooo schlimm!“ ja ein bisschen nervig. Weil schulterzuckend zu sagen „war halt ein Scheißjahr“ eliminiert in gewisser Weise den Blick für zweierlei Sachen: Erstens die schönen Dinge, die 2016 passiert sind (und, zugegeben, soviele sind das nicht und spontan kommen da auch wenige in den Sinn – aber hey, Deadpool war ein guter Film?) und zweitens bleibt irgendwie auch die individuelle Verantwortung auf der Strecke, es eben „anders“ zu machen und seinen eigenen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten. Ganz nach Adornos zeitloser Feststellung: Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Bleibt also die Hoffnung auf einen gnädigeren Weltgeist im kommenden Jahr. Darf man an dieser Stelle aber kurz daran erinnern, dass das neue Jahr quasi mit einem Paukenschlag anfängt – nämlich der Vereidigung von Donald Trump als Präsident der USA?

Nun gut, konzentrieren wir uns aber auf die schönen Dinge – zum Beispiel Videospiele. Da stehen ja einige spannende Titel ins Haus: Nioh allen voran, aber auch Mass Effect: Andromeda, Yakuza 0 oder vielleicht Persona 5. Über das kommende Spielejahr orakeln Max und Johannes und freuen sich in Gedanken schon auf ein paar Tage Ruhe vor dieser seltsamen, turbulenten und manchmal auch traurigen Welt dort draußen. Möge es 2017 besser werden – insgesamt.

Bis dahin könnt ihr ja auch unsere Gaiden-Folge hören :)

Game Awards 2016 – Mehr Kommerz, weniger Mut

Geoff Keighley macht uns das Leben leicht und schwer zu gleich. Ihn und seine Arbeit als Blödsinn abzutun fällt einfach. Damit nehmen wir gleichzeitig hin, dass Videospiele sich in jeder Hinsicht als Kommerzartikel verkaufen. Die “Game Awards 2016” waren so innovativ wie der Name der Award-Show. Wir preisen jene, die vom Markt bereits gepriesen wurden. Der Circle Jerk (don’t google it) “is a thing”. Wir haben Wut im Bauch und versuchen trotzdem bei der Sache zu bleiben. Nehmt euch eine Viertelstunde Zeit und erlebt eine Achterbahn der Gefühle. Und am Ende ist alles gut, weil wir einen Award bekommen. Und wie alle “Kollegen” sind wir plötzlich ganz kleinlaut, wenn wir im Rampenlicht einer Dauerwerbesendung stehen dürfen.

Fazit: Wir brauchen einen Games-Reich-Ranicki, der sich öffentlich hinstellt und sagt: ICH NEHME DIESEN PREIS NICHT AN!

Game Awards 2016 – Mehr Mut, weniger Kommerz

Johannes schaut sich nicht mehr die Oscars an – Max dagegen findet, die Game Awards seien auch nichts weiter als die Oscars der Videospielbranche. Mit viel Pomp und Buhei werden am 1. Dezember 2016 (in Deutschland ab dem 2. Dezember um 2.30 Uhr im Livestream) in Los Angeles die Game Awards verliehen. Bezeichnenderweise im Microsoft Theater. Ist das ganze wirklich nur eine Kommerzveranstaltung, so wie Max es sieht, oder hat Johannes nicht auch ein bisschen Recht mit dem Argument, dass es bei der Preisverleihung auch um die Anerkennung von Videospielen geht? Entscheidet selbst wer Recht hat, nominiert eurem Lieblingsvideospielepodcast zum von uns selbst verliehenen Lieblingsvideospielepodcast-Awards-Palooza und bekommt exklusiv eine Autogrammkarte von Max und Johannes! Oder hört einfach den Podcast, das macht uns auch glücklich!

Mehr Transparenz auf Youtube

EA will, dass Youtuber bei Let’s Plays angeben, wenn sie von EA in diversen Weisen unterstützt sind. Von der Bereitstellung einer Kopie bis zum Eventbesuch inklusive Häppchen (mmmmhhh… Häppchen!) möchte EA ein Stück weit mehr Transparenz. Aus Selbstschutz? Für die Gamer, die sich fragen, ob die Influencer selbst “geinfluenced” wurden? Johannes und ich diskutieren munter, knackig und hoffen, dass Youtube nicht die Mistgabeln auspackt.

Aufreger: Hamilton, Pence und Sprachgefühl

Bestimmt steckt keine böse Absicht hinter der Überschrift der Süddeutschen Zeitung “Broadway-Musical Hamilton Schauspieler belehren Mike Pence”, aber der Effekt ist nicht zu unterschätzen. “Jetzt reg’ dich doch nicht wegen eines kleinen Worts auf, Max”, ist eventuell ein Einwand. Dieser Einwand war schon immer und ist jetzt im Besonderen fahrlässig. In Amerika verfolgen wir eine aktive Spaltung von Bevölkerungsgruppen, die oft in “Arbeiterklasse gegen Elite” ihre Bezeichnung findet. Die Elite weiß alles besser. Die Elite beherrscht. Die Elite unterdrückt. Das ist das Verständnis jener, die nichts mit der Elite anfangen können.

Von einer “Belehrung” zu sprechen, ist nicht nur inhaltlich mehr als fragwürdig, sondern verstärkt das typische Bild. In den Augen der erzkonservativen Wähler sind die Schauspieler des Musicals natürlich linke Elite. Mit ihrer geschnörkelten Sprache, den hübschen Kostümen und extravaganten Gesten sind sie aufgrund der aktuellen (Fehl-)Kommunikation zwischen den Bevölkerungsteilen eine Personifizierung der linken Elite, der Social Justice Warrior, der Gutmenschen. Und diese Menschen “belehren” den demokratisch gewählten, zukünftigen Vize-Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika? Natürlich geht Menschen da der Hut hoch. Der zukünftige Präsident Donald Trump hat bereits per Twitter verlauten lassen, dass der Cast sich für den respektlosen Umgang mit Mike Pence entschuldigen soll. Wahrscheinlich, weil Donald Trump so wenig Geduld und Auffassungsgabe wie die meisten von uns mitbringt und lediglich Überschriften wie “Broadway-Musical Hamilton Schauspieler belehren Mike Pence” liest.

Das Problem ist, dass die Schauspieler des Hamilton-Musicals Mike Pence in keiner Weise belehren. Hier versammeln sich Künstler, die sich für Diversität einsetzen. Menschen, die anhand der Aussagen von Donald Trump ernsthaft besorgt sind, was die Präsidentschaft dieses Mannes für ihre und die Rechte ihrer Freunde bedeutet. Für Schwule, Lesben, Schwarze, Latinos, Transgenders, Frauen und weitere Bevölkerungsgruppen, die sich vor Trumps Aussagen und angekündigten Policen fürchten. Lest die Aussage selbst, die ich auf die Schnelle transkribiert habe. Wer eine grobe Übersetzung wünscht, guckt das Video beispielsweise bei der Süddeutschen.

You know we had a guest in the audience this evening. Vice-President elect Mike Pence, I see you walking out, but I hope you will hear us just a few more moments. There is nothing to boo here, ladies and gentlemen, nothing to boo. We are all here sharing a story of love. We have a message to you, sir, and we hope that you will hear us out. And I approach everyone to put out your phones and tweet and post so this message is being spread far and wide, okay? Vice-President elect Pence, we welcome you and we truly thank you for joining us here at ‘Hamilton – an American Musical”, we really do. We, sir, we are the diverse America who are alarmed and anxious that your new administration will not protect us, our planet, our children, our parents or defend us and uphold our inalienable rights, sir. But we truly hope our show has inspired you to uphold our American values and work on behalf of all of us, all of us. We thank you truly for [inaudible] this show. This wonderful American Story told by a diverse group of men and women of different colors creeds and orientations…

Habt ihr euch die Zeit genommen, den kompletten Ausschnitt zu lesen? Vielen Dank. Das ist nicht ironisch gemeint. Das ist bitter nötig, denn nur so ist ersichtlich, dass hier eine Gruppe von Menschen den angesprochenen Mike Pence bitten, ihren Lebensweg zu akzeptieren. Mehr als alles andere ist diese Ansprache ein “plea”, eine Bitte. Eine Bitte, zu akzeptieren, dass jeder Mensch ein produktiver und gewinnbringender Teil der Gesellschaft sein kann. Eine Bitte, zu versprechen, dass alle Menschen, die in Amerika leben, den Schutz der Regierung genießen. Die Aussagen Trumps lassen die Schauspieler zweifeln und deswegen bitten sie im Namen ihrer Gleichgesinnten, dass Mike Pence eine weltoffene und progressive Gesellschaft duldet und stärkt.

Du musst etwas Anderes tun. Du bist dumm und naiv, wenn du nicht machst, was wir dir sagen. Das sind Belehrungen. Jemanden zu sagen, dass zwei plus zwei vier sind, ist durchaus eine Belehrung, aber diese bezieht sich auf Fakten. Der Streit um Menschenrechte ist in Amerika und in nahezu allen Ländern der Erde aber eine Glaubenssache, weswegen Fakten oft außen vor bleiben. Unsere Bundeskanzlerin “tut sich schwer [mit der rechtlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare bei der Adoption von Kindern]”, weil Sie, aus welchen Gründen auch immer, es nicht für richtig hält. Das sei ein “kontroverses” Thema und ist am Ende ein Themenfeld, das bei Entscheidungen weitestgehend frei von Fakten bleibt. Der Hamilton-Cast belehrt nicht, sondern setzt sich für die Gleichheit gewisser Gruppen ein.

Der Journalismus steht in der besonderen Pflicht, dass Inhalte vernünftig, reflektiert und verständlich wiedergegeben werden. Wir haben in Deutschland genug Blätter, die sich aus offensichtlichen Gründen dagegen wehren. Der kommerzielle Erfolg gibt diesen Verlagen und Blättern recht, auch darüber müssen wir im Bilde sein. Wer glaubt, dass Überschriften wie “Broadway-Musical Hamilton Schauspieler belehren Mike Pence” keine Auswirkung auf die Außendarstellung haben, hat den berüchtigten Schuss nicht gehört. Dass die gebildete und meist als links bezeichnete Elite auf konservative Werte herabschaut, ist ein fest bestehendes Vorurteil. Ein Vorurteil, dass auch die weise gewählten Worte des Hamilton-Casts nicht umkehren, wenn wir schreiben, sie “belehren”.

Ich hingegen stehe dazu, dass ich mit diesem Beitrag belehren möchte. Ich versuche darauf hinzuweisen, dass die Wortwahl durchaus eine Rolle spielt. Ich streite oft und leidenschaftlich über die Entwicklung von Sprache und auch intern im Team herrschen große Differenzen. Das liegt bei mir daran, dass ich das Gefühl habe, dass viele Menschen ihre eigene Muttersprache in den Grundfesten nicht verstehen und unabsichtlich schaden anrichten. Während wir sprechen, passiert das. Uns fehlen die Worte, wir verhaspeln und versprechen uns. Das ist menschlich. Doch wer seine Gedanken in Schriftform zum Ausdruck bringt, hat eine besondere Verpflichtung. Journalisten verdienen ihren Unterhalt mit dem geschriebenen Wort und bei all ihrer Übung ist es wichtig, dass sie ihre Erfahrung mit dem Umgang mit der Sprache Lesern zur Verfügung stellen.

Allein die Überschrift “Broadway-Musical Hamilton Schauspieler belehren Mike Pence” ist eine völlige Verfehlung dieses Qualitätsanspruchs. Wir lesen eine Überschrift, die an eine Falschaussage grenzt. Wir versagen mit solchen Botschaften auf den einfachsten Ebenen der Kommunikation. Wenn der nächste Konservative ruft, dass die vermeintlichen Linken und die vermeintliche Elite und die vermeintlichen Besserwisser, weiß wieder keiner, woran das liegt. Niemand ist perfekt, auch ich hätte mich eloquenter ausdrücken können, hätte effektiver zum Punkt kommen können. Ich möchte das versuchen. Ich möchte meine Fehler minimieren. Die Frage ist, Süddeutsche Zeitung, macht ihr mit? Die Frage ist, Journalisten, macht ihr mit? Die Frage ist, lieber Leser, machst du mit?

Featured Image via Flickr by Tina Saey

 

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