Tag: Nazis (Page 1 of 2)

Gemeinsamkeit statt Egoismus

Sonntag war ein schwarzer Tag in der deutschen Geschichte. Das werden nach diesem Schrecken noch viele Schreiben. Egal wie positiv man die Wahlergebnisse in Rheinland-Pfalz, Baden Württemberg und Sachsen-Anhalt interpretieren will, eines bleibt Fakt: Die AfD ist jetzt schon in vier Bundesländern auf zweistellige Prozentzahlen gekommen. Nicht nur im Osten, auch im Westen. Nicht nur Sonntag, auch schon vor einigen Wochen in Hessen.

Die traurige Wahrheit ist, das sollte keine*n überraschen. Nicht nach der Berichterstattung über die ‘Flüchtlingskrise’, nicht nach wöchentlichen Pegida-Demonstrationen, nach brenndenden Flüchtlingsheimen und nach Rechtspopulist*inn*en, die ‘ernst’ genommen werden müssen. Und dennoch sitzen viele fassungslos vor den Medien unserer Zeit. Wie kann so etwas passieren? Im Jahr 2016, ein Jahr dessen bloßer Name nach Zukunft und Science- Fiction klingt.

Die Vergangenheit in der Zukunft

Vor hundert Jahren ist der 1. Weltkrieg noch im Gange und wird wichtige Grundlagen für die große Katastrophe des 20. Jahrhunderts legen. Der 2. Weltkrieg, in seiner Konzentration von Grausamkeit bis heute so einzigartig, dass ein einziges Wort Synonym für seine Unmenschlichkeit geworden ist: Auschwitz. Auschwitz ist zum Schlagwort geworden für den menschlichen Abgrund der Konzentrationslager, für den Holocaust und die sechs Millionen Menschen, denen das Leben genommen wurde, weil Hass den Alltag regierte. Und wie nach dem 1. Weltkrieg, als die vor dem Krieg begeisterten Überlebenden: ‘Nie wieder Krieg’ riefen, hieß es ein halbes Jahrhundert lang, in Deutschland und Europa: Nie wieder Auschwitz.

Der Vergleich mit dem Nationalsozialismus wirkt fast schon inflationär, wenn heute über die AfD gesprochen wird, aber er verliert trotzdem nicht an Wahrheit. Die moderne Demokratie ist ein empfindliches Gebilde, das hart erkämpft wurde und von Idealen zusammen geschweißt wird. Doch der Kampf um ein gerechteres politisches System hat uns auch gelehrt, wie leicht es von menschenverachtenden Kräften missbraucht werden kann. Ob die NSDAP 1933 oder die AfD 2016, hier spielen von Macht besessene ‘besorgte’ Bürger*inn*en die individuellen Ängste von Menschen aus, um ihre rigiden und verstaubten Ansichten zu propagieren.

Die traurige Realität ist, dass die AfD aus einem Grund so viele Stimmen bekommen hat: Rassismus. Rassismus, der nicht nur aus bloßem Hass herrührt, sondern aus fehlenden Informationen und einem fehlenden, konstruktiven Umgang mit realen Problemen. Es sind nicht nur die Massen- oder Leitmedien, die hier versagt haben, sondern auch eine Politik, die in einer Zeit des gesellschaftlichen Umgangs lediglich moralisch argumentiert.

Till Reines hat sehr schön auf den Punkt gemacht, wie man mit der Angst der ‘besorgten’ Bürger*inn*en umgehen soll.

Natürlich sollte das reichen. Natürlich sollte Mitgefühl, Menschlichkeit und Solidarität reichen, um die Bürgerinnen* und Bürger* dieses Landes von einer offenen Flüchtlingspolitik zu überzeugen. Aber Fakt ist, dass Moral nichts Greifbares ist. Ideale kann man* nicht essen oder verheizen. Und wer eine Zeit lang arbeitslos in diesem Land war, der weiß wie sehr es einen psychisch belasten kann, stigmatisiert zu werden. Oder was es bedeutet, plötzlich Ämtergänge oder Bescheide auszufüllen, die einem niemand so wirklich erklärt. Der*die weiß: auf dieser Basis ist es leicht Hass zu säen. Es ist keine Ausrede deshalb Rassist*in zu werden, aber es ist ein Mechanismus der weder neu noch unbekannt ist.

Fakten und Emotionen

Letztendlich gibt es nicht nur moralische Gründe Flüchtlinge aufzunehmen. Deutschland integriert im internationalen Vergleich sehr erfolgreich Migrant*inn*en in die deutsche Gesellschaft, eine Gesellschaft die am vergreisen ist und dringend mehr junge Menschen braucht. Rein wirtschaftlich gesehen profitiert Deutschland von Migration. Und auch die anderen Vorwürfe lassen sich entkräftigen. Weder hat irgendein Flüchtling einem*r Deutschen den Job weggenommen, noch sind Steuern erhöht worden. Deutschland geht es gesellschaftlich so gut wie nie. Die Arbeitslosenzahlen sind verhältnismäßig niedrig und der wirtschaftliche Profit steigt. Was ist dann das Problem?

Denn diese Liste lässt sich fortführen. Diese Fakten sind bekannt und sind oft gesagt worden. Von den Medien, der Wissenschaft und manchmal sogar den Politiker*inn*en, aber die harte Realität ist, dass diese Message in den Köpfen vieler nicht ankommt.

Die Arroganz der Schlauen

Wer jetzt mit Dummheit argumentiert, macht es sich zu leicht. Auch wenn eine fehlende Bildung zu rassistischen Vorurteilen beitragen kann, heißt das nicht, dass nur Leute ohne Uni-Abschluss Rassist*inn*en sind. Die Spitzenpolitiker der AfD und die Sprecher*inn*en auf den Pegida-Demonstrationen sind weit davon entfernt ‘dumm’ zu sein. Es ist die Mitte, die Angst hat ihren Status zu verlieren. Und sowieso: Was ist Dummheit überhaupt? Nur weil jemand besser oder schlechter Wissen lernen kann, macht das ihn*sie nicht zu einer schlaueren oder dümmeren Person.

Und hier liegt der Hund begraben: Feindbilder. So wie die AfD das Feindbild des schmarotzenden, Frauen verachtenden Flüchtlings hat, so haben besonders Intellektuelle das Feindbild, des dummen Nazis. Doch die traurige Realität ist, dass die Menschen, die AfD wählen, nicht dumm, aber letztendlich genauso schlimm sind, wie die Schläger*inn*en, die Flüchtlingsheime anstecken.

Auch wenn mein Optimismus an diesem Sonntagabend ins Wanken gekommen ist, glaube ich fest daran, dass die Wähler*inn*en nicht zu hundert Prozent hinter dem Wahlprogramm dieser schrecklichen Partei stehen. Denn wer einen Blick in das Papier wirft, dem stellen sich die Haare auf. Doch die Rechtspopulisten unserer Zeit verfolgen wie die NSDAP vor knapp hundert Jahren eine einfache Strategie: Die politische Debatte mit einem Thema zu dominieren. Einem Thema, das sich Schwarz-Weiß zeichnen lässt. Ein Thema das emotional stark und begrifflich greifbar ist. Die grausame Ironie: Die deutsche Politik und die Medien machen mit.

Zwei Seiten einer Medaille

Das schreckliche an Geschichte kann sein, zu sehen wozu wir Menschen fähig sind. Das gute ist, dass wir aus unseren Fehlern lernen können. Und wenn wir eine Lehre aus den Grausamkeiten des Nationalsozialismus ziehen können, dann, dass die Opposition zusammen stehen muss. Die Reaktion auf die Wahlerfolge darf nicht sein, dass die CDU die Wähler vom rechten Rand wieder einsammeln muss. Denn das bedeutet, dass Menschen in der CDU die Positionen der AfD vertreten müssen. Positionen die NIEMALS unterstützenswert sind.

Es gibt nur eine richtige Reaktion: dass die Parteien, die für eine mitfühlende, menschliche und solidarische Gesellschaft stehen sich partei- und meinungsübergreifend zusammen gegen Hass und Gewalt stellen. Das bedeutet Kompromisse schließen und schwierige Diskussionen führen. Das bedeutet aber auch an die eigenen Wähler*inn*en und Positionen zu glauben. Rassismus ist immer egoistisch motiviert, viel zu oft ist es die Angst des Einzelnen davor, dass ihm etwas weggenommen werden kann. Egoismus kann nur mit Gemeinschaft bekämpft werden. Mit Mitgefühl und Ausdauer und Geduld. Erst wenn wir uns gemeinsam gegen den Hass stellen wird sich etwas ändern.

Dafür müssen wir aber nicht nur mit Moral argumentieren, sondern mit den faktischen Realitäten. Erst wenn wir es schaffen, die unmittelbare materielle Angst auszuhebeln, kann Moral zum Tragen kommen. Das klingt zwar hart, aber Menschen sind nicht immer logisch. Und wenn Pragmatismus, das Ruder rumreißen kann, sollten wir bereit sein den Schritt zu wagen. Damit 2016 NUR nach Science-Fiction klingt und nicht nach der schrecklichen Dystopie, die viel zu greifbar erscheint.

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Am Abgrund Links – Landtagswahlen, Deadpool und Charleys Tante

Huch? Ist etwa schon wieder eine Woche rum? Das geht ja schnell dieses Jahr – wie jedes Jahr. Damit ihr nicht den Überblick verliert, findet ihr unsere Links für die letzte Februarwoche!

Anni

  • Auch wenn der Artikel schon etwas älter ist (im Universum des Internets bedeutet das ein paar Wochen), hat er für mich noch nichts an seiner Brisanz verloren. In Zeiten von Clausnitz, von rassitischen Spekulationen um Köln und brennenden Flüchtlingsheimen, kann man* nicht oft genug auf unsere Menschlichkeit verweisen. Dafür sind Vergleiche ein gutes Mittel. Zum Beispiel, wenn man* sieht das Anne Frank heute eine nette Dame in Amerika sein könnte, hätten die USA dem Antrag ihres Vaters auf Asyl stattgegeben hätte.
  • Als Pornodarsteller*in ist man* vielen Vorurteilen ausgesetzt. Eines der schlimmsten ist, dass man* sie gar nicht vergewaltigen kann. Mit dieser schrecklichen Relativierung ihres Leids sieht sich zur Zeit Stoya konfrontiert (Triggerwarnung). Die Situation verschärft sich dadurch, dass der Vergewaltiger jenseits der Branche einen fast schon feministischen Ruf hat, da er nicht den Aussehensstereotypen der Szene entspricht.
  • Wie so viele zurzeit bin auch ich dem Hype um Deadpool verfallen. Die Gründe reichen von der Ästhetik des Films bishin zu einem humorvollen, aber dennoch nich-relativierenden Umgang mit schwierigen Themen wie Traumata in der Vergangenheit der Charaktere. Interessante Gedanken zum homoerotischen Subtext bei Deadpool, der positive und negative Folgen haben kann, findet ihr bei The Mary Sue.
  • Und zum Abschluss noch etwas für die Geschichts- und Sprachinteressierten. Im Guardian hat sich Gedanken über sexitische Wurzeln in der englischen Sprache gemacht. An acht Worten kann man nachvollziehen, wie sich die Bedeutungen ins Negative verschoben haben. Ich finde sowas ja sehr spannend.

Johannes

  • Das Topos “Mann verkleidet sich als Frau” wurde schon einige Male im Film behandelt, beispielsweise mit “Charleys Tante” schon 1915 als Stummfilm mit Heinz Rühmann in der deutscehn Verfilmung von 1956. Immer waren diese Filme, entsprechend der dramatischen Vorlage, als Komödie angelegt. So auch “Tootsie” von 1982, mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle. Für den Schauspieler war dieser Film nie wirklich als Komödie angelegt, wie er in einem bewegenden Interview preisgibt. Viel eher ist er sich dann der unfairen Erwartungen an Frauen in unserer Gesellschaft klargeworden.
  • Polygon hat vor ein paar Wochen zwei wunderbare Features veröffentlicht. Zum einen ein Blick auf die wachsende Spieleindustrie in Südafrika (dem Staat). Das ist insofern ziemlich interessant, da Videospiele entweder vom asiatischen oder westlichen Kulturkreis (vereinfacht: Japan oder den USA) dominiert sind. Deswegen ist es auch ganz spannend zu sehen, ob es so etwas wie “afrikanische” Videospiele geben kann. Viele Personen, die in der Reportage vorkommen, wollen ihren spezifischen, kulturellen Hintergrund nämlich verarbeiten. Im Prinzip kann dies erstmal nur eine Bereicherung für die Spieleindustrie sein.
    Das andere Feature dreht sich um die (tragische) Geschichte von Segas Maskottchen, Sonic. Einst eine ziemlich populäre Figur, litt sie in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht nur unter Segas Rückzug aus dem Konsolenmarkt, sondern auch unter eher durchwachsenen Spielen. So ist Sonic mittlerweile eher eine Randerscheinung für Videospielenostalgiker*innen, statt eine ähnlich populäre Figur wie Nathan Drake, Lara Croft oder der Master Chief. Obwohl Sonic nun wesentlich mehr Charakter besaß.
  • Und auch was aktuelles (leider): Clausnitz hat die Bundesrepublik mal wieder mit leicht offenem Mund dastehen lassen – und die anschließende Rechtfertigung von Sachsen Innenminister und des Polizeichef hat das Kinn der einen oder des anderen noch weiter Richtung Boden sinken lassen. Es ist zu befürchten, dass diese Form der scheinbar “spontanen” Aktion von besorgten Bürgern Nazis gar nicht so ungeplant war. Die Autorin Liane Bednarz warnt davor, dass sich hier Spuren einer rechten Gegenkultur und organisierten, politischen Aktion finden lassen. Wir müssen uns eingestehen: Deutschland hat ein verdammtes Problem mit seinen “besorgten Bürgern” – nämlich ein Problem mit tief sitzendem Rassismus. Die politische Mitte ist eine Lüge und die Politik muss sich darauf konzentrieren, den Rechtsextremismus nicht kleinzureden, sondern zu bekämpfen!

Max

  • Kann uns bitte endlich jemand erklären, wer die Zielgruppe für VR-Brillen sein soll? HTC lacht mal kurz ganz laut über Facebooks “Oculus Rift” erklärten Preis von 600 US Dollar und erhöht mit “Vive” aller Voraussicht nach auf 800. Bei Sonys VR-Variante wird bisher von 400 bis 500 Dollarn ausgegangen.
  •  “Feel The Bern” ist das derzeitige Flagschiff europäischer Hoffnungen, wenn man sich bei Facebook im Freundeskreis umguckt. Und es ist auf den ersten Blick erstaunlich, dass auch viele (junge) Frauen Sanders einer Frau Clinton vorziehen. Die ersten Vorwahlen wurden fast schon als Siegessturm Sanders dargestellt, doch so mancher Artikel gibt Bernie-Sympathisanten zu denken. Denn am Ende entscheidet nicht das Volk, sondern die Partei, wer zur Wahl aufgestellt wird. Sollte Clinton nicht einen Haufen Niederlagen einstecken, dann sollte allein ihre starke Lobby bei den Demokraten genügen. Nun wurde mir berichtet, dass einige “Superdelegierte” bereit sein zu Bernie zu wechseln, aber Fakt ist, dass die Vorwahlen dieses Mal äußerst wenig Aussagekraft haben. Ein Sanders kann auf Seiten der Demokraten letztlich genau wie ein Trump auf der Gegenseite allein durch die Partei ausgehebelt werden.
  • Einige Landeswahlen stehen wieder an. Wenn ihr schon keinen Bock habt, auf Anhieb die ganzen Parteiprogramme durchzulesen, dann gönnt euch doch eine Runde der beliebten Spiele-App (kein Scheiß, checkt das mal im Google Store) “Wahl-O-Mat” (im Link wird auf die Rheinland-Pfalz-Version verwiesen). Natürlich ist der Wahl-O-Mat nicht wasserdicht, aber zumindest bringt es einige dazu, sich dann doch mal mit den Wahlprogrammen auseinanderzusetzen. Andere wollen einfach nur sehen, wie (hoffentlich) niedrig die Übereinstimmung mit der NPD ist. Viel Spaß und denkt bitte ein wenig über die Ergebnisse nach und recherchiert im Bestfall.

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Am Abgrund Links – Pluto, Nazis und Integration

Riecht ihr das auch? Zimt und geschmolzenes Wachs in der Luft? Wenn ich nur wüßte, wo das herkommt… Kann mir da jemand weiterhelfen? Ausserdem ist es in letzter Zeit nervig kalt geworden und es wird verdammt früh dunkel. Hach, ich werde alt und bekomme einfach nichts mehr mit. Aber immerhin haben wir wieder ein paar Lesehinweise für euch.

Johannes

  • Das hier ist sehr bedenklich. Um nicht zu sagen – Scheiße. Aber machen wir uns nichts vor: Würde Deutschland von zwei Terrorangriffen in so kurzer Zeit erfasst werden, die AfD und andere Parteien vom xenophoben, volkstümelnden Rand wären schneller im Bundestag, als wir “Nazis!” rufen könnten. Hoffen wir, dass die Rechten nicht weiter in die Demokratie vordringen können. Wir wissen ja, wie das endet.
  • Ebenso bedenklich ist es, wenn in einer Demokratie ein sinnvoller Diskurs nicht mehr möglich ist. In den USA wird dies durch den Umgang mit den Amokschießereien mehr als deutlich – und dem Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, der Politik jenseits aller politischen Kultur macht. Können wir alle mal bitte tief durchatmen und wieder versuchen, rational zu argumentieren?
  • Die Kollegen von Videogametourism.at kümmern sich um das Thema Open World. Weil das momentan der (bereits wieder abflauende?) Trend der Branche ist und es mittlerweile genug Beispiele für nicht funktionierende, offene Spielewelten gibt. Die Müdigkeit, die aus den Wörtern des Textes spricht, kennen Max und ich auch zu Genüge (zum Beispiel hier).
  • Bilder von fremden Planeten sind unheimlich faszinierend für mich. Da draußen lauern Milliarden an Welten mit ihrer ganz eigenen Geographie – und trotzdem sehen die Bilder vom Pluto ein bisschen so aus, als seien sie auf der Erde geschossen worden, nur eben in Schwarzweiß. Hach, der Weltraum! Unendliche Weiten!

Max:

  • Integration geht nicht von Heute auf Morgen. Das stimmt. Daran gibt es nichts zu rütteln. Deutschland ist aber nicht erst seit Heute ein Integrationsland. Wir profitieren von von außen kommenden Menschen in Form ihrer Arbeitskraft und ihrer Menschlichkeit seit Jahrzehnten. Wir schleppen allerdings auch Altlasten mit uns herum, die die Gesellschaft bis Heute vor Probleme stellen, wie die Schulbildung. Diese Probleme werden weiterhin nur mäßig angegangen, aber vielleicht können gerade aus einer Krise heraus Schlüsse gezogen werden, die Deutschland noch besser im Integrieren machen. Das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft und das betrifft alle Parteien, die immer weiter an sich arbeiten müssen, wenn ein friedliches Zusammenleben funktionieren soll.
  • Ihr wollt in Sachen Musikgeschmack ein wenig rumhipstern? Dann kommt die NPR-Bestenliste doch bestimmt wie gerufen für euch, oder?
  • Das Remake von “Final Fantasy VII” soll mehrteilig werden. Was das genau heißt, weiß keiner so genau. Ich habe mich vor knapp zwei Jahren schon mit der Idee von Episoden-Spielen auseinandergesetzt. So ein Vorhaben erfordert eine gute Planung und einen strikten Zeitplan. Mit einem fairen Preissystem und der Einbindung von Feedback ist das System gar nicht so abwegig, aber bisher kann ich es mir lediglich für lineare Geschichten vorstellen. Wie der “Overworld”-Aspekt eines Rollenspiels in ein solches System passt, ist, freundlich ausgedrückt, zumindest schwer vorstellbar.

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Am Abgrund Links – Hurra DEUTSCHland, Nazi Sommercamps und Waffen in Sachsen

Ach, die Links! Hauptsache, sie kommen irgendwann! Denn niemand von euch hat je ausgelesen, was da so im Internet steht. Aber Achtung! Denn dort steht bekanntermaßen ganz viel, nur ob es stimmt, weiß niemand. Deswegen hier unsere Links,  die sind alle ganz doll wahr. Versprochen!

Johannes

  • Die Polizei hat in modernen Demokratien das alleinige Gewaltmonopol. Sie schützt die Bürgerinnen und Bürger vor Verbrechen und hilft, diese aufzuklären. Auch ich fühle mich nicht wirklich sicher, wenn ich irgendwo Polizist*innen mit offen getragenen Maschinenpistolen patroullieren sehe. Aber ich bin trotzdem froh, dass diese Menschen da sind. Deshalb sollten bei allen Bürgerinnen und Bürgern die Alarmglocken sehr laut schrillen, wenn sich die Anzahl an (kleinen) Waffenscheinen erhöht, wie dieses Jahr in Sachsen. Dort sind die Beantragungen an kleinen Waffenscheinen auf mehr als das doppelte des Vorjahres geklettert. Offensichtlich haben die Sächsinnen und Sachsen Angst und glauben, sich selbst beschützen zu müssen. Aber wovor? Ich befürchte, dass die Menschen sich dort weniger vor Nazis, als vor dem minimalen Anteil an Flüchtenden, die in Sachsen landen. Der Kommentar von Sachsen Innenminister Markus Ulbig lässt dabei soviel an Feingefühl vermissen, das es wehtut: Das subjektive Sicherheitsgefühl sei durch “die Menschen, die zu uns kommen” untergraben, sagt dieser Mensch. Was ist das eigentlich für ein Idiot? Mal ganz ehrlich? Wenn meine Mitmenschen sich selbst bewaffnen, weil sie der Polizei offensichtlich nicht zutrauen, für Schutz zu sorgen, und ich gleichzeitig jeden Montag einen Mob von Fremdenfeind*innen habe, der durch die Landeshauptstadt stapft; JA, DA FANGE ICH DOCH NICHT AN, DEN “AUSLÄNDERN” DIE SCHULD ZU GEBEN! WAS IST DAS DENN FÜR EINE RASSISTISCHE SCHEIßE! MERKT DER KERL NICHT, DASS ETWAS ARG FALSCH LÄUFT IN SEINEM BUNDESLAND? AAAAAHHHHHHH!!!
  • So, geht wieder. Erinnert ihr euch noch an Internetcafé? So diese zwei, drei Jahre, in denen der Internetanschluss noch nicht so weit verbreitet war, dass ihn jede*r daheim hatte und man* auf diese öffentlichen Cafés angewiesen war? Und die heute zu einem Anlaufpunkt sehr obskurer Menschen geworden sind? Wusstet ihr, dass es in Japan einen Trend gibt, sich in Internetcafés quasi häuslich einzurichten, weil das billiger ist, als eine Wohnung zu finden? Diese kuriosen Geschichten rund um diese Institutionen des frühen Digitalzeitalters hat gizmodo in einem wunderbaren Rückblick gesammelt.

Max

  • Zuerst haben uns die Amerikaner alles weggenommen. Dann die Russen. Dann haben uns die Griechen ganz viel weggenommen und uns auch noch beschimpft. Ach, wir Deutschen haben es wirklich nicht leicht. Es müssten doch nur alle wie wir sein, nur dass sie dafür bitte nicht hierher kommen. Und unsere Werte nachleben sollen sie so dann auch eigentlich nicht… denn es sind schließlich unsere! Unsere Kultur, die als Einwanderungsland und früherer Herzogtumsquilt (der Deutsche sagt natürlich: ZIERDECKE!) schon immer unglaublich einheitlich war, ist unser ganzer Stolz. Wir sind so stolz darauf, dass wir mal eben vergessen, welche Einflüsse sich auf die “deutsche” Kultur im Lauf der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte ausgewirkt haben. Ist ja auch nicht so wichtig, da “wir” im christlichen Geiste hart missioniert haben. Das ist jetzt alles uns! Mit hochgestochenen, aber treffenden Worten setzt sich Armin Nassehi (Süddeutsche) mit dieser merkwürdigen Denkart auseinander. Hoffen wir nur, dass genug Leute den Artikel verstehen und auch über den Namen des Autors hinwegkommen. Ich meine, nur so unter uns, Nassehi… das ist doch kein Deutscher… Name… Gut, dass es keinen Rassismus und keine Fremdenfeindlichkeit gibt, sondern müsste man ernsthaft darüber nachdenken, wenn Menschen solche geistreichen Aussagen von sich geben.
  • Ach, und wer gerne die Zeit von vor circa 25 Jahren verdrängt hat, der sollte sich mal (wieder) “Hurra, Deutschland” geben. Das Original von 1991, als ein paar Gummipuppen die deutsche Politik so sehr durch den Kakao gezogen haben, dass man Bundeskanzler Kohl auch für einen Schokoweihnachtsmann hätte halten können. Ich lache immer noch Tränen, aber an manchen Stellen fragt man sich, ob das aktuelle Folgen sind… Aber dass wir nicht aus unseren Fehlern lernen, wissen wir alle bereits aus dem Geschichtsunterricht nicht wahr?
  • Und abschließend eine richtig bedrückende Folge zum Thema Rassismus. Ich bin mir recht sicher, dass ich die “Nazi Summer Camp”-Folge von Radiolab bereits verlinkt habe, aber man lernt bekanntlich auch durch Wiederholung. In Amerika zur Zeit des zweiten Weltkriegs gab es in Amerika einige Gefangenenlager mit deutschen Insassen. Im Gegensatz zu den Japanern hatten es die Deutschen vergleichsweise leicht. Der Grund dafür ist so banal wie einleuchtend: Die Deutschen sehen den Amerikanern nun einmal zum Verwechseln ähnlich.

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Am Abgrund Links – Zuviel Rassismus in diesem Land

Einsam halte ich diese Woche die graue Fahne unseres Blogs hoch, während Anni ihren Laptop verarztet und Max “unterwegs” ist. Deswegen müsst ihr mit meinen hochpolitischen Links leben – aber hey, es gibt schlimmeres. Beispielsweise Montags in Dresden den Pegidist*innen beim Rumschreien und Panikmachen zuschauen.

Johannes

  • Auch in dieser Woche (vor allem am Montag) müssen wir uns wieder den Tatsachen stellen: Es gibt einen rechten Terror in Deutschland, es wird nicht besser, es werden immer mehr Leute miteinbezogen, es gibt Angriffe auf Flüchtende und Migrant*innen. Statt allerdings gegen diese Verbrecher*innen vorzugehen und die Stimmung im Land umzukehren, heizt die Regierung die xenophobe Stimmung mit ihrer zunehmenden Abschottungspolitik noch weiter an. Es ist einfach eklig.
  • Klar deutlich wird auch, welcher Zusammenhang zwischen den geistigen und realen Brandstifter*innen besteht: Wenn ein Gymnasiallehrer sich Gedanken darüber macht, dass junge (zwölfjährige) Mädchen von jungen, männlichen, testosterongeladenen und zivilisatorisch natürlich völlig ungehemmten muslimischen Männer angezogen sein könnten, dann läuft etwas schief. Zum einen, weil der Leitartikel in der Zeitschrift des Sachsen-Anhalter Philologenverbandes aus feministischer Sicht bedenklich ist, weil hier ein männlicher Lehrer ausschließlich um seine weiblichen Schülerinnen besorgt ist, die von ausschließlich männlichen Muslimen verführt werden könnten. Zum anderen, weil dieser Artikel auch zeigt, welch antiquierten und rassistischen Vorstellungen noch in weiten (und gut gebildeten) Kreisen Deutschlands vorherrschen. Das Bild der barbarischen Horden die unschuldige Frauen und Töchter schänden, ist buchstäblich antik! Und kein anderes Bild malt der Leitartikel! Zum Glück hat ein sehr erboster offener Brief/Blogbeitrag einen Kontrapunkt gesetzt.
    Es ist zudem wunderbar, wie sehr der Text das Täter-Opfer-Verhältnis umkehrt: Die Flüchtenden sind Kriegsopfer (nicht zuletzt, weil die deutsche Außenpolitik inklusive der Waffenexporte an der Destabiliserung der Region beigetragen hat) und fliehen nun nach Deutschland. Hier werden diese Opfer nun zu potentiellen Tätern gemacht, da sie “unsere” Regeln nicht akzeptieren können oder wollen, und nebenbei auch noch unsere Frauen und Töchter bedrohen. Wo leben wir eigentlich?
    Vielleicht sei hier mal eine gängige Rassismusdefinition vorgestellt:
    Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen (Nach Albert Memmi)
    Zu beachten ist hierbei: Es geht nicht vordergründig um ethnische Zugehörigkeit, sondern um Diskriminierungsmechanismen. Das sollte jede*r verstehen, der*die Sätze beginnt mit “Ich bin kein Rassist, aber…” Und von denen gibt es leider noch immer zuviele.
  • In other News: ActivisionBlizzard hat King Entertainment gekauft, die mit Candy Crush einen der beliebtesten Free-2-Play-Titel erschaffen haben. Für das Team von Superlevel ist dies allerdings nicht der Höhepunkt des F2P-Booms, sondern eher der Anfang vom Ende.

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Am Abgrund Links – Rechte Jugend und… Fußball?

Kaffee, Tee, Guarana – egal, hauptsache es macht wach und ist warm. Und wenn euer Hirn sich dann auf Betriebstemperatur erwärmt hat, bekommt es auch gleich neuen Input. Von uns, mit den Links aus dieser Woche.

Johannes:

  • In seinem 1941 verfassten Stück “Der unaufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui” schrieb Berthold Brecht: “Es ist der Schoß fruchtbar noch, aus dem das kroch” und meinte damit Nazi-Deutschland. Schaue ich heute (mit Grauen) nach Deutschland, so muss ich feststellen: Dieser Schoß ist nie ausgetrocknet! Die Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte häufen sich derzeit wieder und ein AfD-Politiker beschwört Goebbels-Rhetorik herauf, indem er von tausendjähriger Geschichte schwafelt – er könnte genauso gut vom tausendjährigen Reich palavern, die Leute merkten’s nicht und applaudierten trotzdem. Wen wundert es bei einem offensichtlich rechtslastigen Geheimdienst, dass Neonazis seit Beginn der Bundesrepublik im Geheimen, aber auch Öffentlichen, ihre sogenannte Politik betreiben konnten. Und dass sie sich mehr oder weniger ungehindert seit der Wende in Ostdeutschland ausbreiten und die Provinzen infiltrieren konnten. Und nun haben wir eine braune Generation, die in Lagern mit militärischen und rassitischen Drill herangezogen wurde.
    Die Zeit hat in einer ausführlichen Reportage mit einer Aussteigerin aus der modernen Neonazi-Szene gesprochen. Für viele ist es wahrscheinlich erschreckend, wie gut vernetzt der braune Mob in Deutschland und Europa ist. Und welche wahnwitzigen Ideen diese kranken Geister verfolgen (“Wir besiedeln Ostpreußen neu!”). Ein sehr langer, aber sehr aufschlussreicher Text.
  • In die ähnliche Kerbe schlägt Dunya Hayalis Ausflug zur AfD-Demo in Erfurt. Nach dem unvermeidlichen Vorwurf der Manipulation hat das ZDF das gesamte Interviewmaterial veröffentlicht. Wenig überraschend: Die Leute faseln alle von Überfremdung, drogendealenden Balkan-Migranten und – natürlich – einem Herz für Kriegsflüchtlinge. Angesichts dieses Materials und zudem noch vieler weiterer, offen zugänglichen Zeugnisse über die Fremdenfeindlichkeit und den unverhohlenen Rassismus weiter Teile der deutschen Gesellschaft, stellt sich die Frage: Wann lernen die Menschen in diesem Land endlich, was Rassismus wirklich bedeutet? Wann wird niemand mehr sagen: “Ich hab nichts gegen Ausländer, aber…”, sondern lieber schweigen?
  • Das Team von Superlevel glänzt wieder mit einem hervorragenden Essay über die zunehmende Diversität auch in Sportspielen, dem althergebrachten Metier des Gamebro-Archetypen. Denn die werden plötzlich mit ethnischer Vielfalt und – oh Schreck! – Frauenfußball konfrontiert, auch wenn solche Kleinigkeiten eher ein nettes Gimmick als Spielinhalt sind. Trotzdem: Ein Schritt nach vorn geht in die richtige Richtung und es wird interessant werden, wie sich diese Entwicklung in Zukunft vollzieht.
  • Und dann noch etwas Netzpolitik: Kaum hat das Europäische Parlament in einem bemerkenswerten Akt unbeabsichtigter Dialektik gleichzeitig FÜR und GEGEN Netzneutralität gestimmt, da haut der Telekom-Chef gleich mal ein Statement raus, wie er die neue Regelung zu Nutzen gedenkt: Für mehr als “Normalgeschwindigkeit” sollen die Kunden doch bitte auch mehr zahlen. Vor allem Start-Ups seien auf seine “Spezialdienste” angewiesen und könnten ja eine Umsatzbeteiligung locker machen. Was ein Scheißverein! Vodafone ist übrigens wenig besser. Die sagen sinngemäß: Wir planen momentan nichts dergleichen, finden den Vorstoß der Telekom klasse! Selten zuvor wurden alle Befürchtungen, die im Vorfeld in den Raum geworfen wurden, so schnell bestätigt. Herzallerliebst!

Max

  • Fußball. Ja, wirklich: Fußball. Am Anfang war der “Kaffeeklatsch mit Eierschegge und en Schälschen Heesn” nur der Off-Topic-Bereich des Unterforums für Dynamo Dresden Anhänger auf Transfermarkt.de. Wer sich allerdings tatsächlich mit Dresden beschäftigt und vielleicht auch noch im “Elbflorenz” wohnt, an dem geht auch die Außendarstellung der Stadt und des Vereins sowie die politische Situation nicht vorbei. Inzwischen gibt es sehr erbauliche, interessante und auch spannende Einträge, wie die Fans ihre Situation neben dem Platz einschätzen. Und manchmal hat es zur Erleichterung von Menschen wie Johannes auch gar nichts mit Fußball zu tun. Findet ihr auch ein paar Idioten, wenn ihr lange genug sucht? Das ist wohl eher eine rhetorische Frage, wenn man sich im Internet nach Meinungen umschaut. Mich hat der Thread die letzten Tage und Wochen immer wieder in verschiedener Hinsicht unterhalten. Ein freundliches “DY! NA! MO!” an den Tabellenführer der 3.Liga und eine Erinnerung daran, dass nicht gleich jeder Fußballfreund auch ein gewaltbereiter Depp ist. An alle Fans, die an der Rekord-Choreo mitgearbeitet haben: “RESCHBÄGGT!”
  • Full Disclosure: Aus Respekt und Höflichkeit verlinke ich meine Arbeit außerhalb des Blogs normalerweise nicht, aber es lohnt sich nun mal wirklich. Ja, den Artikel habe ich geschrieben. Nein, ich habe von niemandem Geld dafür bekommen. Es ist schlichtweg leichter und fairer gegenüber den Seitenbetreibern die es mir ermöglichen über all diese Musik zu schreiben, dass ich einen Artikel hier verlinke. Will Varley ist ein sehr spannender Liedermacher (wir coolen Menschen sagen heutzutage aus irgendeinem Grund “Singer/Songwriter”), der sehr nachdenklich und sehr politisch mit “Postcards From Ursa Minor” ein wirklich fantastisches Album veröffentlicht hat. Wer es genauer wissen will, der liest meine Kritik. Es liegt mir einfach nur am Herzen, dass mehr Menschen von Will Varley wissen, weil ich nicht einfach nur aus Spaß an der Freude Höchstbewertungen vergebe. Aber wenn wir schon beim Thema sind: Bitte, bitte, bitte lest Kritiken, anstatt euch nur auf irgendwelche Zahlen/Noten/Bewertungen zu verlassen. Vielen Dank, ein Schreiberling.

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Die Extreme der Mitte

Ich habe schon länger nichts mehr geschrieben. Die Gründe sind vielfältig. Abschlussarbeiten mussten geschrieben werden und Lebensabschnitte sind dabei zu Ende zu gehen. Zu großen Teilen liegt es aber auch darin begründet, dass sich Resignation bei mir breit gemacht hat. Von da ist es leider nicht mehr weit bis zum Zynismus und dieser kann zu oft und zu schnell Aktivismus blockieren. Denn wie kann man* weiterkämpfen, wenn der Kampf hoffnungslos erscheint? Ein überraschendes Gegenmittel gegen dieses Dilemma ist nicht selten die Wut.

Doch „Wut […] ist eine sehr heftige Emotion und häufig eine impulsive und aggressive Reaktion (Affekt), ausgelöst durch eine als unangenehm empfundene Situation oder Bemerkung.“ (Wikipedia)

Die positive Folge dieses Gefühls kann ein Aufrütteln sein – der Anstoß dafür, die Dinge nicht mehr hinzunehmen. Die negative Konsequenz wiederum kann schreckliche Formen annehmen. Ob Gewalt gegen Einzelne oder gegen Gruppen, zurzeit sehen wir in Deutschland sehr konkret was Wut zusammen mit einer ideologischen Filterblase und rechtem Fanatismus hervorbringt.

Jede*r, der*die von diesen Entwicklungen überrascht ist, hat lange Zeit weggesehen. Denn die schrecklichen Terroraktionen der Neonazis in Sachsen, in Baden-Württemberg und Brandenburg, sind das Ergebnis von Prozessen, die lange ignoriert wurden. Sicherlich gehören dazu die sozialen Probleme des Ostens und damit der Neuen Bundesländer, aber wer es auf dieses Thema reduzieren möchte, ist zu kurzsichtig.

Auch wenn mit den Vorfällen der letzten Tage in Heidenau ein neuer Höhepunkt des Fremdenhasses erreicht ist, muss festgehalten werden, dass Sachsen kein isoliertes Problem darstellt. Auch in Baden-Württemberg und Bayern steigt die Anzahl der Übergriffe – darüber reden nur leider viel zu wenige; Vielmehr noch, es wird nicht in einen gemeinsamen Kontext gesetzt.

An dieser Stelle scheitert die Politik genauso wie die sogenannten Leitmedien. Die etablierten Parteien nehmen politische Strömungen wie die AfD nicht wirklich ernst, die entschieden dazubetragen, dass rechtes Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft ankommt und als normal gillt. Die Medien wiederum ziehen die AfD und Pegida ins Lächerliche, geben ihr aber gleichzeitig so viel mediale Präsenz, dass sich etablierte konservative Parteien genötigt sehen, die rechten Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Gleichzeitig werden die rechten Äußerungen und Aktionen lediglich auf konkrete Probleme des Ostens geschoben, anstatt das Gesamtbild zu betrachten.

Überraschend sind diese Mechanismen nicht. Denn auch wenn wir alle mittlerweile in einer “glücklich vereinten” Bundesrepublik leben, so sind die Zeiten des Ost-West-Konflikts noch nicht so lange her. Und im Zweifelsfall ist es immer leichter den Anderen die Schuld zu geben. Das “Andere” ist dabei austauschbar, für die einen sind es die Flüchtlinge, für die anderen der Osten, aber letztendlich greift hier das gleiche Prinzip. Solange die Anderen Schuld sind, kann man* sich selbst einreden: An uns liegt es nicht, dass wir Probleme haben.

Doch dass wir eine der schlimmsten Konzentrationen von rechter Gewalt seit den 1990er Jahren erleben, kommt nicht von ungefähr. Nicht erst die AfD und Pegida haben aber rechtes Gedankengut gesellschaftfähig gemacht. Vielmehr stelten sie einen Katalysator für das dar, was schon länger in der Mitte brodelt. Sicherlich werden diese Themen von öffentlicher Kritik begleitet, aber zu oft versteckt sich hinter einem vermeintlich objektiven journalistischen Anspruch – auf dessen Grundlage auch Flüchtlingskritiker*inn*en ein medialer Raum gegeben wird – eine Verharmlosungsstrategie, die dazu führt, dass sich Rassist*inn*en unbescholten Asylkritikerinn*en nennen können.

Zudem wird seit Jahrzehnten die Extremismustheorie bemüht, die den rechten und den linken radikalen Rand gleichzusetzen versucht, auch wenn sich die politischen Überzeugungen grundlegend unterscheiden. Ein weiteres Erbe deutsch-deutscher Geschichte, denn zu Zeiten von DDR und BRD war eins klar: Linke Ideen sind gefährlich, denn von ihnen ist es nicht weit bis zum Sozialismus und der Sowjetunion. Zugleich glorifiziert die Theorie die vermeintliche politische Mitte der Gesellschaft, welche von den radikalen Rändern abgegrenzt wird. Dabei entsteht eine gefährliches Gefühl der Sicherheit. Doch am Ende des Tages macht es einen gewaltigen Unterschied, ob Steine auf Menschen oder auf Autos geworfen werden. Wie tiefgreifend und subjektiv die unterschiedliche Bewertung von Linken und Rechten in Deutschland noch immer ist, zeigt uns gerade Heidenau, wenn die Antifa versucht die Polizist*inn*en zu unterstützen und sich am Ende gegen die Rechten und die Staatsdiener verteidigen muss.

Doch wenn fremdenfeindliche “besorgte” Bürger sich unbescholten als “Asylkritiker” bezeichnen können, sollte mehr als eine Alarmglocke läuten. Besonders in Deutschland. Denn die Geschichte hat in einer grausamen Lektion bewiesen, welch explosive Mischung Verzweiflung, Wut und rechte Ideologie sein kann. Spätestens seit Heidenau sollte klar sein, dass wir es mit einem gesamtgesellschaftlichen Problem zu tun haben, welches bei der Diffamierung von “Wirtschaftflüchtlingen” beginnt und bei gewalttätigen Übergriffen endet. Fakt bleibt: Die Medien, die jetzt die Übergriffe auf Flüchtlinge verteufeln, haben mit ihrer Berichterstattung über Flüchtlingswellen, Wirtschaftflüchtlinge und selektiven Informationen zu deutschen Steuerausgaben (Stichworte: Waffenexporte und Hermesbürgschaften) dazu beigetragen, eine Stimmung der Angst vor Überfremdung zu erzeugen. Das macht sie in erster Linie zu schlechten Journalisten, die jeglichen Anspruch von Objektivität vermissen lassen. Sicherlich kann niemand rein objektiv Berichten, aber indem das Klischee des Wirtschaftflüchtlings und des Migrationsschmarotzers bemüht wird – sei es noch so intellektuell verpackt – kann eine Mitverantwortung für die sich zuspitzenden Ereignisse nicht komplett abgesprochen werden.

Diese Mitverantwortung trifft aber nicht nur die Medien, sondern auch die Politiker*inn*en und vor allem die deutschen Bürger*inn*en. Nicht die Menschen, die bei uns Hilfe suchen, sind das Problem, sondern Menschen, denen jegliche Emphatie abhanden gekommen zu sein scheint und die in ihrer Blase von Wohlstand und selektiver Information nicht über den eigenen Tellerrand schauen wollen. Wir leben in einer globalisierten, kapitalistischen Welt von der die Deutschen in erster Linie profitieren. Natürlich sollen hier nicht die Armutsprobleme Deutschlands negiert werden, aber im Vergleich zu so vielen Ländern dieser Erde, können die Deutschen von einem funktionierenden Sozialstaat zehren.

Der Luxus unseres Alltags aber – Obst und Gemüse aus aller Welt, zu jeder Zeit oder auch billige Klamotten – sind die Früchte eines globalen Kapitalismus auf die Kosten anderer. Doch nicht nur bei Nahrungsmitteln und Bekleidung greifen kapitalistische Mechanismen.

Krieg war und ist immer ein Geschäft – ein grausames Geschäft, durch das Hunderte, Tausende oder Millionen sterben und von dem andere profitieren. Und Deutschland profitiert nicht nur mit den steigenden Rüstungsexporten. Die traurige Wahrheit ist, dass es leichter ist ein Land auszubeuten, wenn es politisch instabil ist und innenpolitisch aufgewühlt, denn wie kann sich die Wirtschaft behaupten wenn sie am Boden liegt, weil Krieg oder vom Westen finanzierte Terrorregime das Land in ihrer Hand haben? Können wir es also Menschen vorwerfen, wenn sie diese vom Krieg gezeichneten Gebiete verlassen wollen und sich ein besseres Leben in Europa erhoffen, wenn doch unsere Politik diejenige ist, die Kriesensituationen zu selten bekämpft?

Spätestens mit dem Erfolg des Internets und den immer neuen Kommunikationswegen des 21. Jahrhunderts lösen sich die statischen Grenzen der letzten Jahrhunderte auf. Es wird Zeit, dass wir aufhören diese Entwicklungen als Problem zu begreifen und sie als Fakt akzeptieren. Flüchtlinge dürfen nicht als Bedrohung verstanden oder als Problem behandelt werden. Vielmehr stellen sie eine Chance dar – eine Chance Menschlichkeit zu beweisen und unserer Zeit gerecht zu werden. Statt Hass und Angst zu schüren und damit den Rechten in die Hände zu spielen, gilt es, Rassismus und Fremdenhass als das zu benennen was es ist und ihren Vertreter*inn*en keinen Raum zu geben. Dafür muss das Gesamtbild erkannt und über den deutschen Osten hinaus diskutiert werden. Nur dann haben wir eine realistische Chance  Übergriffe wie in Heidenau als ein Relikt der Vergangenheit benennen zu können.

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Am Abgrund Links – Transparenz, Sexualaufklärung und Menschlichkeit

So, ihr Lieben! Der Sommer neigt sich dem Ende, die Ferien haben vielfach bereits geendet oder dauern zumindest nicht mehr lang und wir vom Zugrunde-Team spitzeln hinter der Hitzeschutzverdunkelung hervor. Was wir sehen, präsentieren wir euch wie immer in unseren Links:

ANNI

  • Lange Zeit habe ich mit John Oliver gekämpft, nicht weil ich ihn und seine Sendung Last Week Tonight nicht gut finde, sondern weil er mit ein bisschen überhyped vorkam. Diese Meinung muss ich revidieren. Spätestens nachdem er sich Trans*themen gewidmet und sich intensiv mit Online Harassment auseinandergesetzt hat, hat er sich meinen Respekt verdient. Diese Woche überzeugte er auf ein Neues mit einer wichtigen Kritik an der Sexualaufklärung in den USA.
  • Außerdem: Ein unglaublich unterhaltsames Lied über (besonders religiös motivierten) Sexismus. Gut informiert und sehr witzig, daher, schaut es euch an!

JOHANNES:

  • Max freut sich unheimlich auf Metal Gear Solid V, wie er ja immer und immer wieder betont. Da ich die Serie so gut wie nicht kenne, frage ich mich bein Schauen des Trailermaterials natürlich, was da so abgeht, warum Snake (?) eine mechanische Hand hat und Dinge in seiner Stirn stecken. Zum Glück hat GameTrailers versucht, die Hintergrundgeschichte der Metal-Gear-Serie aufzudröseln. Meine Fragen bezüglich Snakes körperlicher Deformation sind zwar nicht beantwortet, aber immerhin war ich unterhalten.
  • Polygon berichtet, dass einige YouTuber in die Entwicklung eines Spiels involviert waren, welches sie nun über ihre Games-Kanäle über den Klee loben. Ich finde es nicht schlimm, wenn Leute über Werke berichten, an denen sie beteiligt waren, aber Transparenz sollte in diesem Zusammenhang selbstverständlich sein. Und das zeigt ebenfalls mal wieder, wie wichtig es ist, dass sich diese “authentischen” YouTube-Menschen als Medienmacher*innen begreifen und sich deswegen an selbst gesteckte Kodizes halten. Es muss ja nicht gleich alles in Regeln und Gesetze gegossen werden, aber zumindest eine gewisse Transparenz sollte Standard werden. Eine Situation wie bei vielen Beatuy- oder Livestyle-Vlogs will ja niemand.
  • Für die Otto-Brenner-Stiftung der IG Metall wurde eine sogenannte Kurzstudie zu rechten Mediennetzwerken erstellt. Obwohl sie nur eine bedingt wissenschaftliche Aussagekraft hat, zeigt sie doch, dass in diesen Mediennetzwerken, zu denen unter anderem Ken Jebsen und der Kopp-Verlag, ein gefährlicher Schleimbrei aus Anti-Israelismus, Volkstümelei und Angst vor der Moderne vor sich hinbrodelt. Ein schönes Zitat:
    In dem Maße, wie sich durch die mediale Dynamik Information gleichsam totalisiert und potenziell jeder und jede zum medialen Informationskanal werden kann, verschwindet die Öffentlichkeit, weil jeder seinen diffusen Meinungskosmos als Öffentlichkeit präsentiert oder schlicht auf jene vertraut, die ihn umwerben. Kontroverse Debatten und Quellenüberprüfungen sind in solchen Pseudoöffentlichkeiten nicht mehr vorgesehen.
    Die Diskussion in einer Demokratie zu vernachlässigen, ist unheimlich gefährlich. Umso trauriger, dass in unserer Gesellschaft der Diskurs einen immer geringeren Stellenwert einnimmt.

MAX

  • Das erste Metal Gear Solid V-Review ist (auf Englisch) draußen. Johannes hat oben glücklicherweise schon etwas Nachhilfe gepostet. Fast schon wie erwartet hat das neueste Kojima-Spiel eine Top-Wertung abgesahnt. Wie wir in Mehr Spieler immer wieder erklären, geben wir jedoch nicht allzu viel auf nackte Zahlen. Tut euch selbst einen Gefallen und lest den Text. Quiet ist “glücklicherweise” noch ein interessanter Charakter geworden, auch wenn der Beigeschmack der Wichsvorlage leider erhalten bleibt. Die Story ist nicht mehr so ausladend und “groß”, was mich als eher neutralen Beobachter im Angesicht der Gameplay-Möglichkeiten allerdings ebenfalls nicht zu sehr stört. Ich bin auf weitere Meinungen gespannt und kann es kaum erwarten irgendwann selbst Hand anzulegen.
  • Erst dieser Tage hat ein Freund wieder ausführlich gepostet, dass er unüberlegte und meistens schlichtweg dumme Kommentare zur Asylsituation durch Entfreunden quittiert. Da fühlen sich dann wieder ganz viele Leute persönlich angegriffen und sehen sich im Mittelpunkt. Genau das ist aber sowieso schon längst das Problem, da jeder nur durch seine Mini-Linse guckt und sich in theoretischen Denkspielen aufhält, während die Menschlichkeit vor die Hunde geht. Wir haben ernsthafte Probleme in Deutschland, die noch weit über finanzielle und wirtschaftliche Aspekte hinausragen. Es mangelt einigen an der Fähigkeit zur Menschlichkeit und nicht informiert zu sein, ist für ein solches Verhalten eine miserable Ausrede. Also auch diese Woche wieder ein Artikel zum drüber nachdenken. Bis die Scheiße aufhört.

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Am Abgrund Links – Feministische Promis, Terry Pratchett und Titanen

17 Wochen ist das Jahr 2015 alt, noch kein Ende in Sicht. Die Menschheitsgeschichte hat viele Millionen Jahre auf dem Buckel. Trotzdem und gerade deswegen passiert jeden Tag etwas Besonderes. Hier die lesenswerten Dinge, die ihr hoffentlich noch nirgendwo sonst gelesen habt!

ANNI:

  • Auch wenn ich selber kein Fan der Game-of-Thrones-Reihe bin, muss ich sagen, dass mir George R. R. Martin immer mehr ans Herz wächst. Nicht nur, weil er den Anspruch hat gute Frauencharatere zu schreiben, sondern weil er sich jetzt auch zu Gamergate und Ausschlussmechanismen geäußert hat. Und… es gibt so etwas wie Puppygate. Das Internet, Mensch, das Internet.
  • Brauchen wir feministische Promis? Ja? Nein? Vielleicht?
  • Rassismus ist vorbei? Nicht wirklich, zeigt dieser Artikel mit Zahlen zu unserer heutigen Generation, die immer noch weit davon entfernt ist, den Rassismus hinter sich zu lassen.

JOHANNES

  • Abteilung “Buntes & Vermischtes”: Zwei Männer haben sich in den USA darüber gestritten, ob ein iPhone oder ein Android-Handy das bessere Smartphone sei. Inklusive abgebrochener Bierflaschen als Waffe, blutige Schnittwunden und ein Autodiebstahl. Hurra für die Technik!
  • Thema Videospiele: Ein kurzer, aber interessanter Bericht über die spanische Indie-Szene. Ich hatte die bisher vor allem für Adventures wie Runaway auf dem Schirm, aber vor allem in letzter Zeit kamen einige Indie-Spiele aus Spanien, beispielsweise Gods Will Be Watching. Spanien sollte mensch in Europa also im Auge behalten.
  • Stefan Gärtner ist ein wortgewaltiger Kolumnist und einer der entscheidenden Gründe, regelmäßig die Titanic zu kaufen. Ich verlinke ihn hier immer gerne. Besonders, wenn er auf bedenkliche Tendenzen der Geschichtsvergessenheit hinweist, wie zuletzt anlässlich der Befreiung des KZ Buchenwald.
  • Attack on Titan hat mich traumatisiert. Ein spannender Anime, fraglos, aber – verdammte Hacke! – manche Episoden sind absolute Füller-Episoden ohne die Story wirklich voranzubringen Das Resultat: Man erwartet spannende Enthüllungen, bekommt stattdessen 25 Minuten inhaltsleeres Gelaber. Es werden Fragen und Plotstränge aufgeworfen, ohne diese zu beantworten oder weiterzuführen. Argh! Und jetzt gibt es davon auch noch einen Live-Action-Film! Brauchen wir das? Ja? Nein? Vielleicht?

MAX:

  • Ja, nein, vielleicht? Auch ich stelle diese Frage diese Woche. Allerdings geht es mir um die ausbleibende Bestätigung der Fortsetzung von “Ni No Kuni”. Ich würde mich freuen, auch wenn der niedrige Preis für das Spiel im PSN darauf hinweist, dass viel zu viele von euch dieses wunderschöne Spiel NICHT gekauft haben. #schlechtemenschen
  • Wer sich ein paar Insider-Infos zu Terry Pratchett anhören möchte, dem kann ich nur dieses Interview mit Neil Gaiman empfehlen. Geführt wird es von seinem guten Freund Michael Chabon (woooooo, Michael!).
  • Ich bin ein wenig enttäuscht, dass die Visual Novel immer noch nicht hardcore für Tablets im Westen programmiert wird. Liebesromane zum Mitbestimmen sollten sich doch verkaufen wie geschnitten Brot! Sie sind für den Nutzer sehr leicht zu bedienen und der anhaltende Boom seichter “Liebes”-Romane lädt geradezu dazu ein. Nicht spannend für Core-Gamer, doch der Casual-Markt könnte das interaktive Buch mit Gefallen aufnehmen.

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