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Active Time Podcast und Nostalgie of Mana

Worüber soll man im Sommer schon in Sachen Videospiele berichten? Zwar gibt es mit E3 und Gamescom große Veranstaltungen, aber diese sind eher für Ankündigungen da und richtige Releases bleiben aus. Wir können gerne über VR-Abenteuer und “No Man’s Sky” fabulieren, aber das Spekulieren ist nicht unsere Lieblingsdisziplin. Deswegen feiern wir diese Woche den Geburtstag von Adventures of Mana/Final Fantasy Gaiden/Mystic Quest/der grünen Verpackung mit dem Schwert. In dieser Rabbithole-Episode nehmen wir uns die Gamesünden von einst vor, feiern aber auch die Eigenverantwortung, die Spieler damals noch mitbringen mussten. Aber am Ende des Tages sind wir natürlich dreckige, dreckige Casuals, die nur auf der hippen Retro-Welle mitschwimmen.

Replayability: Spiel’ nochmal

“Das Spiel kannst du dir ausleihen. Einmal durchgespielt und dann war es das.”, ist ein oftmals niederschmetterndes Urteil für Videospiele. Im Gegensatz dazu versuchen die beliebten Open-World-Titel auf das Prinzip “bang for your buck” zu setzen. Auch “Fallout 4” und Co. spielen die meisten nur einmal, wenn überhaupt ganz, durch. Das klingt für “echte” Gamer nach einer dreckigen Lüge, ist aber tatsächlich so.

Johannes und ich besprechen, was uns zu Spielen zurückkehren lässt, ob wir zeitintensive Titel wie “The Witcher 3” tatsächlich mehrmals spielen wollen und kommen ganz nebenbei auf die Vorzüge des “Story Modes” zu sprechen. Wir sind gespannt, ob wir wieder nette “Fan”-Post bekommen, dass wir solcherlei Blasphemie zulassen? Wir sollten alle, wie der harte Kern der “Souls”-Community sein, die auf jegliche Hilfe spucken.

“Uncovered: Final Fantasy XV” auf einen Blick

“Final Fantasy” ist ein großer Name. Nicht nur national, sondern insbesondere international ist der Name der japanischen Videospielreihe nahezu ein Synonym für das Genre “Japano-Rollenspiel” (eher bekannt als J-RPG). Ich habe beispielsweise viele Spieler kennengelernt, die, weil sie mit einem “Final Fantasy”-Teil nicht warm wurden, das komplette Genre für sich abgetan haben. Gleichzeitig erwarten Fans der Reihe oftmals, dass alle J-RPGs den Ansprüchen der Hochglanzprodukte von Square Enix (vorher Squaresoft) entsprechen. Diesem internationalen Ruf scheint sich Square Enix mit dem fünfzehnten Teil der Reihe endlich zu stellen, sodass “Uncovered: Final Fantasy XV” ein Novum für die Reihe darstellt.

Die Tage vor der heutigen Ankündigung sind einige Details bereits durchgesickert. Das Releasedatum (30.09.2016) war ein offenes Geheimnis und Square Enix ließ es sich in Person von Herrn Tabata (Game Director) nicht nehmen, den deutschen Fans eine deutsche Sprachausgabe zu versprechen, was ebenfalls ein Debüt ist. Natürlich ist “Uncovered: Final Fantasy XV” am Ende, oder vielmehr am Anfang, diesen Tages nicht mehr als eine Presseveranstaltung. Doch wer mit dieser Ansicht an das Event herangehen möchte, der blendet aus, wie sehr Fans solche Ereignisse feiern. Die E3, mit Abstrichen die Gamescom und ähnliche “Game Show”-Ausstellungen haben für Gamer oftmals den Unterhaltungswert einer Awardshow der Marke Oscars.

final_fantasy_xv_airshipDie Jungs sehen nicht freudig überrascht aus – via finalfantasyxv.com by Square Enix (Alle Rechte liegen bei Square Enix)

Überrasch’ mich!

Die Unterhaltung kommt bei vielen Zuschauern über die Überraschung. Der “WTF”-Moment in Filmen und Spielen ist ein oft besprochener Punkt, wenn man sich heutzutage YouTuber oder Reviews anschaut. Dass Square Enix solche Momente liefern kann, haben sie mit der Ankündigung des Final Fantasy VII Remakes während der letzten E3 bewiesen. Und es gibt seit Gestern die ersten Stimmen, die sich (und lustigerweise auch Square Enix) um eine Überraschung betrogen sehen, da das Release-Datum und die Ankündigung einer zweiten Demo für “Final Fantasy XV” geleakt sind. Dass es sich dabei, um einen winzigen Prozentanteil der potenziellen Interessierten handelt, die diese Überraschung nun nicht mehr wie alle anderen haben werden, interessiert leider die wenigsten.

Trotzdem hatte die Präsentation eine Menge Überraschungen parat, die bei einem so großen Namen und den involvierten Namen durchaus Respekt abverlangen. Man hat sich bei Square Enix alle Mühe gegeben, dass nicht zu viel verraten wurde. Wer sich mit guter Werbung im Videospielbereich auskennt, der weiß allerdings auch, dass die Überraschung allein für den ersten Moment wirkt. Der größte “WTF”-Moment bringt nichts, wenn dahinter keine Substanz ist. Und genau in diesem Bereich scheint sich Square Enix ein Beispiel an Bethesdas letztjähriger E3-Vorstellung genommen zu haben, welche die Spieler mit Inhalten und nicht bloß mit Worten bombardiert haben.

Final Franchise

Die größte Überraschung der Veranstaltung war die Ankündigung eines CG-Films, welcher in der Welt von Final Fantasy XV spielt. Und ganz nebenbei haben Schauspieler wie Lena Headey, Sean Bean (beide u.a. “Game of Thrones”) und Aaron Paul (u.a. “Breaking Bad”) Charakteren ihre Stimmen geliehen. Spätestens bei diesem Teil der Präsentation war klar, dass man klotzt und nicht kleckert. Da gingen die Ankündigung eines kostenlosen fünfteiligen Anime und das angekündigte Pin-Ball-Minispiel, welches es im Vorab auch schon für Android und Co. geben wird, fast schon unter. Überhaupt gibt es bei derartig großen Veranstaltungen immer Punkte, die weniger wichtig sind bzw. ganz andere Interessen verfolgen.

final_fantasy_xv_kingsglaive Der Film wird in erster Linie Technik-Muskeln spielen lassen – via finalfantasyxv.com by Square Enix (Alle Rechte liegen bei Square Enix)

Der Franchise-Aspekt wird bereits genug Leuten sauer aufstoßen. Im Internet regen wir uns gerne auf und stellen in der Regel Ansprüche. Es wird genug Stimmen geben, die sich über die Implementierung eines Films und einer Mini-Serie aufregen werden. Es wird zum Einen das Geld sein, welches zumindest für den Film ausgegeben werden muss und auch bei der Serie wird eine Bonus-Episode versprochen, wenn man zur Collector’s Edition greift. Gerade der monetäre Aspekt ist hierbei ganz in der Linie von anderen Herstellern, die hier und da Zusatzeinnahmequellen in Form von DLCs und Sondereditionen zu schaffen versuchen.

Eine weitere Kritik wird sein, dass die Frage aufkommt, warum diese Inhalte nicht einfach im Spiel sind. Diese Frage wird hoffentlich erst nach Veröffentlichung der Inhalte gestellt, da sie im Vornherein doch ziemlich geladen wirkt. Natürlich hätte man aus dem Film “Kingsglaive: Final Fantasy XV” auch einen spielbaren Teil machen können. Bisher ist aus erzählerischer Sicht allerdings gut entgegenzuhalten, dass sich das Spiel um die Reise des Prinzen Noctis und nicht um seinen Vater Regis drehen soll. Eine weitere Alternative wäre die Einbindung der Ereignisse als Cutscenes, was allerdings überhaupt nicht dem Flow entspräche, den das Spiel bisher verspricht. “Kingsglaive” fühlt sich eher wie eine Mischung aus Stolz der Entwickler auf ihre Animationskünste und Fan-Service für die althergebrachten “Final Fantasy”-Fans an, denn nichts hat Spieler so zum Lechzen gebracht, wie die technisch hochwertigen CG-Sequenzen.

Kingdom Fantasy

Ich bezweifle stark, dass “Kingsglaive” einen finanziellen Erfolg verbuchen kann (Raubkopien, ahoi!) und der am Ende wahrscheinlich knapp einstündige Anime großen Einfluss auf den Einblick auf die Gruppe um Noctis hat. Ersterer wird ein technischer Augenschmaus und der Anime wird Hardcore-Fans ein paar Mini-Aspekte verraten und das Warten verkürzen. Die entscheidende, wenn auch nicht die überraschende Ankündigung des Abends war die “Platinum Demo”, deren Name in erster Linie dem Zustand des Spiels geschuldet sein sollte. Auch wenn das Kampfsystem noch auf das Wesentliche beschränkt wird, ist die Demo technisch auf dem Stand, wie auch das fertige Spiel aussehen wird.

Dass das Spiel fantastisch aussehen wird, war beim Namen “Final Fantasy” bisher schon klar und musste nach der “Episode Duscae” im Grunde nicht mehr bewiesen werden. Dafür haben nun alle Spieler Zugang zu einer Demo, um sich von der Optik überzeugen zu können. Ohne zu viel zu verraten wird dem Spieler die Möglichkeit gegeben, die Tageszeit und das Wetter eigenständig zu manipulieren, um sich wie bei einer Tech-Demo von den verschiedenen Effekten überzeugen zu können. Für unentschlossene Spieler wird das Kampfsystem allerdings viel wichtiger sein.

final_fantasy_xv_chocoboDer allseits beliebte Chocobo ist bereits ein Verkaufsgrund für sich – via finalfantasyxv.com by Square Enix (Alle Rechte liegen bei Square Enix)

Der Spieler übernimmt Protagonist Noctis im Kindesalter, während dieser sich in einem Traum befindet. Das erlaubt der Demo Orte zu wechseln und ein bisschen unrealistischer und niedlicher sein zu können, als es das fertige Ergebnis sein wird. Das mag die “erwachsenen” Fans im ersten Moment verwundern, deckt sich allerdings mit dem Kampfsystem, welches an die “Kingdom Hearts”-Reihe erinnert. Die teils sehr verspielte Musik und insbesondere der Mittelteil der Demo fühlen sich nach einem von Disney inspirierten Schauplatz an. Dass man zusätzlich ein Kind mit farbenfrohen Spielzeugwaffen und Knallbonbon-Versionen von Zaubern spielt, unterstreicht die Energie, die sonst Kingdom Hearts ausmacht.

Der Grund hierfür ist ziemlich leicht nachzuvollziehen. Es gibt nämlich auch eine große Anzahl an “Kingdom Hearts”-Spielern, die nie mit den RPG-Kämpfen der “Final Fantasy”-Spiele warm geworden sind. Die Demo vermittelt zum Einen diesen Spielern, dass sie sich problemlos mit dem Gameplay in Final Fantasy XV anfreunden können werden. Zum Andern ist der Action-RPG-Ansatz derzeit einfach viel zugänglicher für die breite Masse. Das Ende der Demo beugt auch Sorgen vor, dass das Kampfsystem zu simpel und anspruchslos geraten ist. Mehr kann ich leider nicht verraten.

Overkill, Overhype oder “nur” Over-The-Top

Square Enix hat die Spieler am heutigen Morgen mit Inhalten bombardiert und es ist schwierig alles auf einmal zu verdauen. Die amerikanischen Schauspieler im CG-Film, Florence + The Machine mit einer Coverversion von “Stand By Me” als vermeintliches Titel-, sprich, Abspannlied, zwei Versionen von sehr eindrucksvollen Trailern, Gameplayvideos, die sich den Kämpfen, Schauplätzen und den allseits beliebten Chocobos widmen und die stilistisch gelungene Demo sind eine ganze Menge zu verdauen. Ohne Frage werden ein paar zynische Stimmen Verzweiflung in dieses Entertainment-Porpourri hineinlesen, während andere einen Hype aufbauen werden, der nur schwer zu erreichen sein wird.

Wenn jemand den Hype verstehen kann, dann bin ich es. Ich war nach der Ankündigung und den fehl leitenden Trailern eines “Final Fantasy XIII” genauso skeptisch über das knapp 10 Jahre alte Projekt, welches nun als “Final Fantasy XV” neu überarbeitet wurde. Bis zur Demo wollte ich mich auch nicht detaillierter zum Spiel äußern. Die Demo hat dann aber tatsächlich geliefert, auch wenn die Designer selbst noch von vielen Ausbaumöglichkeiten gesprochen haben. Das kennt man nicht anders. Nur hat sich das Final Fantasy XV-Team bisher tatsächlich an alles gehalten. Das neue Kampfsystem ist im fertigen Zustand anspruchsvoll und erfordert je nach Gegner eure volle Aufmerksamkeit. Kaum wiegt man sich in Sicherheit, weil kleine Mobs keine Herausforderung sind, geht man gegen einen schwierigen Gegner zu leichtsinnig vor und ist ganz schnell mehr als die Hälfte der Lebensleiste los.


Fahruntersätze steuern sich gut und fühlen sich nicht so an, als solle man als Spieler stets nur den Autopiloten ranlassen. Die Magie sieht schon im “niedlichen” Zustand toll aus und auch die Chocobo-Videos sehen gut aus. Dazu kommen Details, die manche Spieler eventuell schon vergessen haben. Hajime Tabata hat vor Monaten darüber gesprochen, dass das Auto ein Radio haben soll, auch wenn noch nicht sicher ist, welche Musik abgespielt werden kann, da richtige Musik mit Lizenzen teuer ist. Nur gut, dass “Final Fantasy” mit die beste Musik der Videospielgeschichte selbst in Petto hat, sodass man als Spieler auf Erkundungstour Lieder aus alten Teilen hören kann. Es bleibt zu hoffen, dass Square Enix nicht knausert, da mir allein genug Titel einfallen, zu denen ich ein neues Gebiet erkunden möchte.

Das ist nur ein winziger Aspekt, mit dem ich gerade einen kompletten Absatz “verschwendet” habe. Und der heutige Morgen gibt genug für noch viele weitere her. Ich möchte nur sagen, dass “Final Fantasy Versus XIII”, wie der Titel früher hieß, seit seiner Umbennung in “Final Fantasy XV” ein hervorragendes Beispiel für einen modernen Entwicklungsprozess ist. Natürlich hätte Square Enix “Final Fantasy XV” einfach jetzt aus dem Nichts ankündigen können, doch dann wäre da diese Unsicherheit, die wir alle seit dem dreizehnten Teil verspüren. Jetzt ist es das Ergebnis eines, zumindest seit 2013, nachvollziehbaren Prozesses, der bisher tatsächlich nur immer besser wurde. Und nein, dafür bekomme ich kein Geld, liebes Internet. Daran möchte ich einfach glauben, weil ich Fan und weil ich Gamer bin.

Feature Image via finalfantasyxv.com by Square Enix (Alle Rechte liegen bei Square Enix)

Am Abgrund Links – Erster Mai und letzte Symphonien

19 Wochen sind im Jahr 2015 bereits vergangen. Die Menschheitsgeschichte hat viele Millionen Jahre auf dem Buckel. Trotzdem und gerade deswegen passiert jeden Tag etwas Besonderes. Hier die lesenswerten Dinge, die ihr hoffentlich noch nirgendwo sonst gelesen habt!

JOHANNES

  • Puh, das Flagschiff des deutschen Print-Spielejournalismus segelt demnächst unter französischer Flagge: Die GameStar wurde als Teil der “IDG Entertainment Media GmbH” (unter anderem auch GamePro, Moviepilot, Filmstarts, Onlinewelten) an das französische Medienunternehmen Webedia gekauft. Ich verlinke die Pressemeldung der Gamestar, die ausführlicher als andere Kurzmeldungen ist.
    Als “Flagschiff” bezeichne ich die Gamestar, weil sie, soweit ich weiß, die meistverkaufte Zeitschrift in Deutschland ist (was nicht unbedingt etwas über die Qualität aussagt). Die Konsequenz aus dem Verkauf ist wahrscheinlich, dass der Onlineanteil der Gamestar noch weiter hochgefahren (Teil des Deals war beispielsweise auch das Allyance-YouTube-Netzwerk) und – auf lange Sicht – die Printausgabe eingestampft wird. Das wäre meine Prognose, da Webedia hauptsächlich im Onlinebereich aktiv ist. Grund für den Verkauf ist womöglich das anhaltend schlechte Printgeschäft von IDG (“Printsterben” und all das) und insbesondere der GameStar, die sich zusammen mit der PC-Games überhaupt noch eine Printausgabe leistete. Ausserdem lassen die Umbildungen in der GameStar-Redaktion in den letzen Jahren, inklusive des Abgangs der “alten Garde” wie Gunnar Lott und Christian Schmidt, darauf schließen, dass es intern arge Kürzungen gab. Aber das sind nur Vermutungen meinerseits. Was bleibt ist viel PR-Gewäsch und wahrscheinlich härtere Zeiten für die Redakteur*innen. Es lebe der freie Markt! /Ironie
  • Dann wäre da noch dieser lange Artikel der Zeit und die Frage an Politiker*innen, warum diese nicht Klartext reden und die prekäre Lage in Europa schildern, statt immer alles schön zu malen. Das Politiker*innen von Natur aus nicht “die Wahrheit” sagen können, weil sie sonst ihren Job verlören (Politiker als Beruf und all das), erwähnt der Text leider nur am Rande. Trotzdem lesenswert für den Montagmittag, weil mein Einwand nur Haarspalterei ist, gewissermaßen.
  • Der Erste Mai ist vorbei (Reime und all das). Leider muss mensch ja immer wieder darauf aufmerksam machen, dass dieser Tag irgendwie ja mal einen Sinn hatte. Der ist bei Wikipedia oder von mir aus auch beim DGB zu lesen. Ich verweise aber lieber (obwohl ich mich eigentlich sträube, Sachen doppelt zu posten) wieder auf dieses anti-kapitalistische FAQ von den Schweizer*innen von überzeit.ch. Weil es einfach immer so gut passt.

MAX

  • Eine Frage, die vielen schon zum Hals raushängt: Brauchen wir den Feminismus noch? Die Anstalt hat sich an das Thema heran gewagt und zeigt, wie schwer das Ganze ist. Wer sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt hat, der wird wenig Neues lernen. Aber wir müssen eben auch immer wieder die Grundlagen predigen. Und das geht auch durch Humor.
  • Wir bekommen eine Vorweltpremiere! Klingt merkwürdig, findet in Bonn statt und kann aber zumindest in den Grundlagen überzeugen. “Final Symphony 2” kommt am 29.August zu einer Erstaufführung und wird u.a. das sonst so vernachlässigte Final Fantasy IX und weitere Teile (V,VIII und XIII) orchestral aufbereiten. Ich kann es nur empfehlen.

 

Featured Image by Taran Rampersad

Kontextualisierte Fantasy

Oh, wie sie mir auf die Nerven gehen. Diese ganzen Leute, die damit beschäftigt sind an der Diskussions-Glut herumzupusten, damit sie das nächste Feuer entfachen können. Und letzten Endes wollen sie als Held hervorgehen, dass sie etwas gegen das selbst gelegte Problem getan haben oder zumindest nur darauf aufmerksam gemacht haben. Denn, Überraschung, nur selten gibt es Antworten für künstliche Probleme. Vielleicht sollten einige dieser falschen und falsch informierten “Helden” den Film Backdraft gucken. Viel Spaß dabei sich darin wiederzufinden.

Ich lasse gleich zu Beginn gelten, dass ich zumeist offener Verteidiger der “Final Fantasy”-Reihe bin. Ich bin jedoch der Meinung, dass ich durchaus Grund dazu haben kann, wenn es um die Behandlung weiblicher Charaktere in dieser Serie geht. Final Fantasy hat, wie ich bereits erwähnte, mehr starke und interessante weibliche Charaktere hervorgebracht, die reihenweise als Vorbilder dienen können. Besonders, dass mit dem “Princess”-Trope immer wieder klug gespielt wird, muss der Serie seit Jahren angerechnet werden.

Spätestens mit Terra aus Final Fantasy VI (1994!) hat Square eine 20jährige Tradition des weiblichen Protagonisten gestartet. Fälschlicherweise wurde lange Zeit Locke als Protagonist des Spiels gehalten, doch ähnlich wie Vaan in “Final Fantasy XII” ist er mehr Knotenpunkt für das Zusammenkommen der Gruppe. Folgt mir auf eine kleine, mit Spoilern gespickte Reise. Eine Reise, die zentral, wie auch am Rande mit interessanten Charakteren gespickt ist.

Via Flickr by Kate0

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Ist das Oettinger im Hintergrund? Immer dieses böse “Product Placement”. Ein Thema für sich…

Final Fantasy VI: Terra und Celes

Terra und Celes sind nicht nur zwei der stärksten Party-Mitglieder im Spiel, sondern auch die wichtigsten und interessantesten Figuren des Spiels. Beide beginnen das Spiel unter Kontrolle des Imperiums und sind ganz klar in eine Opferrolle gesteckt. Diese muss jedoch reflektiert betrachtet werden. Denkt an “Gladiator”, wenn Maximus als Sklave in der Arena kämpfen muss. Genau wie Maximus können die beiden Damen dem Imperium entkommen. Nur dass sie beide Hilfe von der Gruppe benötigen. Warum das in einem Rollenspiel so ist, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Zur Verdeutlichung beobachte man bitte “Mass Effect 2”, wo wirklich jedes einzelne Gruppenmitglied bei Gott Shepard zu Kreuze kriecht, weil sie es alleine nicht schaffen können. Das hat nichts damit zu tun, dass die Charaktere im Kern schwach sind, sondern dass das Spiel einen Grund für das Bestehen der Party haben muss.

Terra entpuppt sich als Überwesen aus einer anderen Welt mit so viel Kraft, die ihr Geist kaum zu kontrollieren vermag und ist ergo das mächtigste Wesen im ganzen Spiel. Es liegt letztendlich allein an ihr die Welt der Menschen und die Welt der Magie in Frieden zu einen. Dass sie dabei moralische Unterstützung braucht, mögen ihr jetzt manche (merkwürdige) Menschen als Schwäche unterstellen, doch da sind wir schon beim elendigen Auslassen des Kontexts. Die männlichen Helden funktionieren in Final Fantasy-Spielen nach genau dem gleichen Schema.

Fick den unantastbaren Helden

Cloud aus “Final Fantasy VII” sitzt irgendwann nur noch sabbernd im Rollstuhl (echt, jetzt!), während seine Party ihn umsorgt. Squall ist der Prototyp des Emos, der ein ganzes Spiel lang seine Versagensängste und soziale Inkompetenz überwinden muss und dabei regelmäßig emotional zugrunde geht. Und selbst Strahlemann Zidane aus “Final Fantasy IX” muss von seiner Gruppe aus einer Identitätskrise gerissen werden, nachdem er all die selbst gepredigten Tugenden von Freundschaft und Zusammenhalt über Bord geworfen hat.

Final Fantasy war noch nie eine Reihe die unverletzliche Helden zeigen wollte. Das ist aus dem einfach Grund so, dass solche Charaktere sich letztlich immer ein wenig hohl anfühlen (looking at you, “Good Guy Shepard”). Nicht umsonst ist der “angsty character” ein typisch japanisches Phänomen. Celes ist am Wendepunkt von “Final Fantasy VI” derart am Boden zerstört, dass sie den Freitod wählen möchte. Sie scheitert zum Glück und nach der Herz zerreißenden Szene findet sie in der Unterstützung und Freundschaft ihrer alten Kameraden den Antrieb weiterzumachen. Sie macht sich ganz allein auf den Weg durch eine völlig verwüstete Welt und trommelt die Gang wieder zusammen. Ohne Celes’ Charakterentwicklung von der unsicheren Gefangenen zur entschlossenen und auf ihre Freunde vertrauenden Frau, hätte die Truppe nie die Welt vor dem besten Hofnarr aller Zeiten retten können. Sorry, Son und Zon. Es tut mir auch wirklich leid, zag’ ich!

Via Flickr by Giuliano Garau

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Ha! Die Dose mit Kefka drauf hatte ich selbst! Viel wichtiger: TERRA IST BLOND?

Royales und heiliges Blut

Oftmals sind die zentralen Figuren der Spiele Märtyrer (Lightning, Serah, Aerith/Aeris, Yuna), die trotz des Wissens um ihr zukünftiges Verderben zum Wohl der Gruppe ihr Opfer riskieren. Gerade bei Aerith, Yuna und Lightning, in “Lightning Returns”, lässt sich sehr leicht eine Jesus-Symbolik ausmachen, da für die Sünden anderer der Tod in Kauf genommen wird, um alle retten zu können. Diese Narrative muss niemand mehr mögen als Tifas und Cindys Charakterdesign, doch es ändert nichts daran, dass wir es mit selbstbestimmten Frauen zu tun haben.

Doch auch die Prinzessinnen haben es stets in sich. Zwar bin ich kein großer Freund von “Final Fantasy XII”, doch Ashe nimmt nach dem Tod ihres Vaters und ihres Ehemanns alle Mühen auf sich, um ihr Land zurückzuerobern. Eine ähnliche Geschichte findet sich bei Prinzessin Garnet wieder, die allerdings im Laufe der Geschichte sogar zur Königin wird und immer wieder lernt, dass es aus den scheinbar vorgeschriebenen Bahnen köngilicher Abstammung auszubrechen gilt, wenn das Leben etwas wert sein soll.

Beste Nebendarstellerinnen

Yuffie aus “Final Fantasy VII” trägt die Last mit sich ein ganzes Reich wieder zu Blüte zu verhelfen und macht dabei nicht einmal vor der eigenen Party halt. Rikku (“Final Fantasy X”) macht sich bewusst zu einer offenen Gegnerin der vorherrschenden Kirche, um Menschenleben zu retten. Lulu (ebenfalls “X”) und Quistis (“VIII”) sind oftmals das Hirn der Truppe und wenn gar nichts mehr geht, bekommt die Party noch eine eiskalte Kampfamazone (Fang aus “XIII” und Fran aus “XII”). Wer sich nach Vorbildern oder positiven Beispielen sehnt, kommt hier nicht zu kurz.

Und der Clou am Rollenspielgenre ist, dass die Spielbarkeit dieser Charaktere nur Nebensächlich ist. Oft sind sie nur Avatar für eure Position auf der Karte. Die Kämpfe haben keinen Charakter und gerade bei Final Fantasy sind die Zwischensequenzen oftmals bezeichnender als die Fähigkeiten in Zufallskämpfen. Außerdem handelt es sich bei Final Fantasy-Geschichten um streng lineare Erzählungen. Zwar gibt es manchmal verschiedene Reihenfolgen von Quests, aber ihr habt nie eine Wahl, die das Verhalten eurer Charaktere verändert. Wenn sich nun jemand beschwert, dass in “Final Fantasy XV” keine Frau dadurch, dass man sie steuern kann, frei gestaltet werden kann, hat man entweder noch nie Final Fantasy gespielt oder hat keine Ahnung wovon man redet.

Die Charaktere in Final Fantasy werden ganz allein von der Story entwickelt. Natürlich macht es zusätzlich Spaß seine Lieblingscharaktere ebenfalls nutzen zu können, doch gerade das hohe Ansehen der Bösewichte in dieser Reihe zeigt, dass die Spielbarkeit höchstens an zweiter Stelle steht.

Via Flickr by Jonathan Smith

Lightning_XIII

An einem Fakt lässt sich bei aller Kritik nicht rütteln. Lightning ist der in Japan beliebteste weibliche Charakter

Freiheit und Kontext

Und jetzt ist das Geschrei groß. Ein “Final Fantasy” nur mit männlichen spielbaren Charakteren. Allein dieser Satz ist schon falsch, da ihr nur einen Charakter steuert. Abgesehen davon stimmt es natürlich, dass eure regelmäßigen Begleiter alles Männer sind. Die Macher stehen offen dazu, dass sie einmal eine Story nur mit Männern ausprobieren wollten. Und plötzlich wird eine Kontroverse geschaffen. Eine Kontroverse, die die vorangegangenen Zeilen einfach zur Seite wischt. Es gibt keinen guten Grund eine Story allein mit Männern per se anzugreifen sowie eine Story nur mit weiblichen “Protagonisten” (wie “Final Fantasy X-2”) nicht von sich aus schlecht ist.

Es kann eine andere Dynamik erzeugt werden. Niemand kann behaupten, dass Männer wie Frauen sich nicht auch durchaus anders verhalten, wenn sie unter sich sind. Ob dieser Ansatz einen jetzt interessiert, ist erstmal völlig außen vor. Tatsache ist, dass es ein nachvollziehbares Argument ist. Und natürlich sollte nicht das Argument “künstlerische Freiheit” für “tradierten Sexismus” missbraucht werden. Aber es gibt bei der Marke “Final Fantasy” wirklich kaum Anhaltspunkte, warum die Story um vier Männer gelebte Ablehnung von Frauen ist.

Seit den ersten Trailern ist klar, dass es wieder für die Story zentrale Charaktere geben wird. Zudem ist es das erste Mal, dass wir einen Prinzen als Protagonist haben und ich lehne mich ein wenig aus dem Fenster und behaupte, dass er während der Story auch ein paar Mal gerettet und aufgemuntert werden muss. So funktioniert eine gute Gruppendynamik in RPGs. Ansonsten braucht es keine Gruppe. Und wenn diese Gruppe einmal alle 30 Jahre nur aus Männern (“XV”) oder aus Frauen (“X-2”) besteht, dann ist mir das eine im Grunde willkommene Abwechslung. Über die Ausführung lässt sich gerne streiten, nicht aber über das Prinzip.

Featured Image via Flickr by Charlie

Mehr Spieler – Chrono Trigger wird 20 Jahre alt

Chrono Trigger ist einer der Big Three. Die Big Three sind natürlich nichts Anderes als Johannes’ liebste Lieblingsspiele. Ich behaupte, dass die anderen Plätze an Tropico oder Civilization und Dark Souls vergeben sind. Wahrscheinlich klagt Johannes mich nach Erscheinen dieses Posts des Rufmords wegen an. Deswegen genießt unser Palaver zu einem der ganz großen und hierzulande leider recht unbekannten J-RPG-Klassiker der 16-Bit-Ära.

Falls ihr euch von der Musik selbst Gehör verschaffen wollt, kann ich nur das Medley aus Symphonic Fantasies des WDR Rundfunkorchesters empfehlen. Zum Vergleich das oft gehörte Battle Theme aus dem Original.

Das Jazz-Stück geht auf Robert Kovariks Kappe.

Featured Image via Flickr by n0cturbulous

Am Abgrund Links – Final Fantasy, Fan-Filme und Feminst Easter Eggs

Der Hyperlink ist einer der revolutionärsten Erfindungen der modernen Menschheit. Zeit also, ihn im Rahmen unserer Möglichkeit zu würdigen. Unsere Sammlung der interessantesten Hyperlinks dieser Woche, verlinkt als Link. Hyper, Hyper!

ANNI

  • Ha, ich poste auch mal was zu Spielen! Portal 1 und haben mich damals total begeistert und daher hat mir diese feministische Analyse (ja, so kann man* das schon fast nennen) gestern den Tag versüßt.
  • Reaktionäre – was an denen nervt hat der Spiegel sehr schön und pointiert auf den Punkt gebracht.
  • Kinderbereuung ist auch deshalb ein so großes Streitthema, weil wir einen Mutterkult haben – nicht erst seit den Nazis. Wo der herkommt und wie er aussieht kann man* hier nachlesen. Vielleicht nicht neu, aber dafür immer noch aktuell.

JOHANNES

  • Als großer Fan von Civilization und Konsorten möchte ich den Interessierten unter euch diese ausführliche Reportage von Gamasutra über die Entstehung des ersten Civilization empfehlen. Nehmt euch ein bisschen Zeit und ich wette, am Ende juckt es euch genau wie mir in den Fingern, mal wieder stundenlang ein Reich aufzubauen.
  • Fan-Filme, vor allem im Fantasy-Bereich, haben aufgrund niedrigen Budgets, Laiendarstellern und schlechter CGI oft einen gewissen Fremdschämfaktor. Moderne Digital-Kameras, Selbstverlag über das Internet und nicht zuletzt Finanzierungsmöglichkeiten wie Kickstartet lassen mittlerweile Indie-Regisseure Filme drehen, die nicht mehr ganz so “billig” wirken. Sind Fan-Filme also die große Hoffnung für Nischengenres wie den Fantasy-Film?
  • Gestern war Weltfrauentag, deshalb hier eine kleine kurze Aufzählung von wichtigen Frauen in der Physik.

MAX

  • Hype… blah, blah. Unrealistische Vorstellung… blah… warum nur männliche Charaktere… blah… hate… Es sieht super aus und Genaueres werde ich noch schreiben… Ich möchte es einfach mögen und entgegen mancher Grafik-Fetischisten, die da ein zwei Pixel weniger als zuvor sehen freue ich mich mit jedem neuen Video mehr.
  • Und anlässlich zum gestrigen Weltfrauentag ein Kommentar, den ich höchst hoffnungsvoll und optimistisch geschrieben finde. “Not all men” muss kein Totschlagargument sein. Nur anstatt zu jammern und in Abwehrhaltung zu gehen, muss jeder etwas für eine gleichberechtigte Gesellschaft tun. Und das geht in einer Gesellschaft nun einmal IMMER über die eigene Nase hinaus.
  • In diesem Zusammenhang auch gleich ein wenig Werbung für einen meiner Lieblingsautoren. Michael Chabon hat 2009 mit “Manhood for Amateurs” Erfahrungen seines Kind-, Mann- und Vaterseins in Essays verarbeitet. Mehr oder minder passend dazu hat seine Frau Ayelet Waldman “Bad Mother” veröffentlicht, welches das Bild der Mutter und des Selbstverständnisses dieser Rolle behandelt. Mein Tipp: Wenn ihr nur ein Buch lesen wollt, dann lest dasjenige über das andere Geschlecht. Da gibt es bestimmt noch mehr zu erfahren. Als Gedankenanstoß taugen diese kurzweiligen Bücher allemal.

Featured image by Rennet Stowe

1080 Gründe für die Playstation 4

Taschentücher bereit? Ihr wisst was kommt, oder? Die Wissenden unter euch haben es immer noch vor Augen. Die langen, beharrten Beine unter der Strumpfhose und dieser pralle Hintern den Simon Krätschmer uns als „Grafikhure“ einst präsentierte. Eine so flache, wie treffende Bezeichnung für den Durchschnittsgamer. Denn seien wir ehrlich: den visuellen Unterschied inmitten der Konsolen-Zankerei bemerkt sowieso fast keiner.

Wenn sich jemand aufspielen darf, dann sind es wie immer die PC-Spieler. Feucht fröhlich drehen sie mit der richtigen Hardware die Regler bei Spielen wie „Far Cry“ auf 10 und freuen sich, das alles noch ein bisschen detaillierter aussieht. Das ist schon beeindruckend, mindert jedoch zu keinem Zeitpunkt den Spielspaß von Konsolentiteln. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage stellt sogar fest, dass die ausgewiesene Spielspaß-Konsole dieser Generation, wie könnte es anders sein, die Nintendo Wii U ist.

Genau die Konsole über die wir so gerne Witzchen machen, dass sie wie die Playstation Vita nur eine Handvoll Besitzer vorweisen kann. Aber ganz so abwegig ist der Vorwurf anhand der eben nicht so berauschenden Zahlen der Wii U auch wieder nicht. Und das, so lässt unter anderem die Umfrage vermuten, liegt am Grafikwahnsinn. Der meist genannte Grund von Playstation 4-Käufern ist laut der Umfrage nämlich die hohe Auflösung.

Die Auflösung, die in der Regel für keinerlei Grafikunterschiede auf handelsüblichen Fernsehern sorgt. Es bräuchte wahrscheinlich ein ausgewachsenes Zimmer für den Fernseher allein, damit die Größe und Auflösung tatsächlich einen Unterschied macht. Und gleichzeitig ist bei einem 4k-Fernseher sowieso wieder egal, ob die Auflösung nun unzulänglich oder nicht ganz so unzulänglich ist.

Und auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis stoße ich immer wieder auf diese Einstellung. Selbst bei Spielern, die immer wieder betonen, dass Grafik zweitrangig ist, wird diese zuerst genannt, wenn sie besonders gut oder schlecht ist. Da halte ich es mit Anni, die gerne auf das zweifelhafte Lob für Filme „Also die Maske war gut“ zurückgreift. Wenn etwas derartig Unwichtiges das erste und wichtigste Merkmal zu sein scheint, dann kann es mit dem Spiel nicht weit gekommen sein.

Via Flickr by Raúl

Cloud

Jeder erfreut sich an Grafikupdates. Der Inhalt macht jedoch meist den Klassiker aus.

Es gibt keine Grafik, die ein Spiel kaputt machen kann. Spätestens „Final Fantasy VII“ ist eine Ode an diese Weisheit und auch Spiele wie „Grim Fandango“ und die originalen „Monkey Island“-Teile machen trotz staubtrockener Grafik immer noch einen Heidenspaß. Und mit „Counter Strike“ will ich gar nicht erst anfangen. Und doch fallen wir immer in gleiche Muster zurück und streiten uns (ähnlich wie bei Autos) um Dinge, die wir gar nicht richtig nachvollziehen können. Wir hören „mehr PS/mehr Pixel, desto besser“ und reden uns an Millisekunden oder hanebüchenen Frame-to-Frame-Vergleichen ein Unterschiede zu erkennen.

Die Wahrheit liegt auch nicht irgendwo dazwischen. Wenn ein Spiel gravierende, technische Probleme hat, dann hat dies so gut wie nie etwas mit der Grafik-Power, sondern der Programmierung für die spezifische Hardware zu tun. Tearing, Pop-Ups und Co. suchen selbst die teuersten Titel auf High-End-Geräten heim, wenn die Programme nicht überhaupt erst daraufhin ausgelegt worden sind. Für „GTA“ gehören Pop-Ups zu den Erbkrankheiten und es ist in jeder Kritik nicht mehr als ein Schönheitsfleck.

Ich wünschte, dass ein solcher Artikel komplett überflüssig ist. Verkaufszahlen, Kommentarbereiche und nicht endend wollende Games-Berichterstattungen zu Grafikvergleichen offenbaren jedoch eine andere Wahrheit. Dass sich am Ende lediglich die Konsumenten ein Bein stellen, wenn sie auf eine der aufgebauschten Nebensächlichkeiten achten, werden die wenigsten einsehen wollen. Dann müsste man sich nämlich eingestehen, dass man leider ziemlich oberflächlich war.

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Finale Linearität

Vor einigen Monaten kam auch hierzulande die Remaster Version von “Final Fantasy X” auf den Markt. Mit aufgehübschten Farben und ein paar neuen Gesichtsanimationen hat Sqare Enix ähnlich wie schon mit “Kingdom Hearts 1.5 HD Remix” die Erinnerungen an ein Spiel aufrecht erhalten. Man weiß genau, dass die Spiele nicht so gut aussehen können wie neue Titel, doch anstatt sich an Pixeln satt sehen zu müssen, wirkt das Spiel auch ohne Nostalgiebrille so knackig wie noch zu PS2-Zeiten.

Aber es geht natürlich nicht um die Grafik eines leicht überarbeiteten Spiels. Es geht um das Gerüst dahinter und die Lügen mit welchen sich Reviewer ihre Abneigung gegen das 2009 folgende “Final Fantasy XIII” erklären wollten. Der zehnte Teil der Serie um die Beschwörerin Yuna und den in der ihm fremden Welt Spira gestrandeten Tidus war der erste Final Fantasy Teil, der auf die klassische Weltkarte verzichtete. Auf der PSOne musste man sich über mittelhübsche Karten durch die Welten der jeweiligen Helden schlagen und so gerne man über die Zufallskämpfe in Final Fantasy lästert, war die Erkundung der Weltkarte ein wichtiger Punkt des Spiels.

Aber die meisten Spieler lieben ihre Grafik doch sehr…

Wo bitte geht’s nach Zanarkand?

Wutai, die Forschungsinsel und Daguerro sind nur drei Beispiele von lebendigen Orten in Final Fantasy Teilen mit einer Story, die jedoch komplett optional gehalten sind. Auch der sechste Teil der Reihe bietet in Verbindung mit optionalen Charakteren eine Reihe an Sidequests, die sich nur durch eigene Erkundung ausfindig machen lassen. “Final Fantasy X” verzichtete auf diesen Erkundungsfaktor, aber gestört hat das im Grunde nur wenige. Dabei hat der zehnte Teil die Korridor-Schläuche in die Reihe gebracht, die in “Final Fantasy XIII” als so verhasst dargestellt werden.

Die Wahrheit liegt aber an einer ganz anderen Stelle. Und das ist im Fall von Final Fantasy die Geschichte. Wo der 13. Teil vergaß den Spielern eine belebte Welt zum Erkunden zu geben und man sich von einem Monsterhort zum Nächsten zu arbeiten scheint, erkundet man in Spira noch immer eine neue Welt. Yunas Welt hat eine ausgeklügelte Historie, die sich um religiöse Motive von Schuld und Sühne, Wiedergeburt, Träumen und letztlich der Unausweichlichkeit eines festen Schicksals dreht.

Zwar hat auch “Final Fantasy XIII” eine solche Geschichte, doch diese vergisst sich mit der gezeigten und bespielbaren Welt zu vereinen. Zwischen 20 und 30 Stunden vergehen auch in “Final Fantasy X” bis man die Gruppe tatsächlich eigenständig bewegen kann. Und wirklich neue Orte gibt es nur wenige zu erkunden vor dem finalen Kampf. Der Weg ist dabei jedoch so gut strukturiert und erzählt, dass man als Spieler nur selten auf die Idee kommt den Weg zu verlassen.

“Sin” als stetige Bedrohung und als Anstoß für die Reise wird regelmäßig in die Story eingeflochten um dem Spieler deutlich zu machen, wie groß und unbezwingbar die strafende Entität zu sein scheint. Die Welt-Religion “Yevon” spielt immer wieder neue idealistische Bilder ein und letztlich stehen Yuna und Tidus im Schatten ihrer jeweiligen Eltern, die ihnen ein schweres Erbe hinterlassen haben. Und dazu gesellen sich fünf weitere Charaktere, die ausnahmslos gut in diese Welt integriert sind.

Via Flickr by otts

Cactaur

NAILED IT!

Wie frei ist eine gute Geschichte?

Aber was will ich euch eigentlich mit einer solchen Beschreibung erzählen? Nun, in gewissermaßen geht es mir um “Final Fantasy XV”. Viele Spieler haben weiterhin gewisse Erwartungen mal wieder ein “echtes” Final Fantasy zu bekommen, was auch immer sie damit meinen. Ich möchte darauf vorbereiten, dass auch der nächste Teil ohne Weltkarte auskommen wird, da sich die vielen Details in einer HD-Generation nicht in diesem Maße verwirklichen lassen. “Final Fantasy XV” wird aus Set Pieces bestehen und das ist für ein Story getriebenes Spiel auch gut so.

Ich habe die Freiheit in “Lightning Returns: Final Fantasy XIII” sehr genossen, doch damit einhergehend wurde auch die Story ausgebremst. Optionale Wege sind gut und beleben den Erkundungsgeist der Spieler, doch wenn nicht auch eine fokussierte Geschichte dahinter steht, dann verläuft sich die Lust auf Mehr schnell. “Far Cry 3” und “Skyrim” funktionieren zum Beispiel nahezu nur über die Erkundung und bieten kaum eine gehaltvolle Story. Bei “Final Fantasy XV” sollte hingegen ein Trailer reichen um zu verdeutlichen, dass die protzig vorgetragene Geschichte der Stolz des Spiels sein soll.

Aber genau deswegen sollen Spieler nicht verzagen, die meinen, dass den Spielen die Freiheit genommen wurde. Die klassische Weltkarte ist zwar ein Relikt auf den HD-Konsolen, aber schon “Lightning Returns” hat spielerisch angedeutet, dass RPGs nicht immer nach dem Schema F ablaufen müssen. Wer RPGs mit Freiheit verbindet, der wurde noch nie wirklich mit einem Final Fantasy glücklich. Das geht gar nicht. Was hingegen möglich war und auch weiterhin sein kann, ist es die Welten selbst zu entdecken und das Bedürfnis zu verspüren mit nahezu jedem NPC zu reden und sich die Welten zu erschließen. Und wenn ein bewohntes Dorf oder gleich eine ganze Stadt über diese Erkundung optional gefunden werden können, dann befriedigt das viele Spieler ungemein, aber wie “Final Fantasy X” zeigt, kann eine gute Geschichte auch linear erzählt und gespielt werden.

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