Der 1.FC Watch Dogs gegen 1933 Wolfenstein

So bekloppt ist die Spielewelt. Ähnlich wahnsinnig wie bei Filmen machen es sich viele Games-Journalisten zur Aufgabe aus Trailern den Stein der Weisen herauszusehen und hypen bis die Gamer aller Geschlechter schon bei 20sekündigen Teasern feuchte Höschen bekommen. Dieser Effekt kommt besonders Ubisofts “Assassin’s Creed”-Reihe zugute, da diese Reihe stilistisch beim Gros der Spieleschreiberlinge zu greifen scheint.

Es verwundert demnach kaum, dass das sehr ähnlich, wenn auch moderner stilisierte “Watch Dogs” einen ähnlichen Hype erfahren hat. Schon schnell wurde klar, dass die lebendig beschriebene, weil dynamisch nutzbare Stadt per Hacking situationsbedingt ausfallen wird. Inzwischen spielt dieses Element in einigen größeren Previews überhaupt gar keine Rolle mehr. Stattdessen liegt das Augenmerk jetzt darauf, dass man beim Autofahren den Motor abstellen und den Kopf runter machen kann… wem’s gefällt.

Die Presse wird das Spiel lieben. Aber was ist mit Spielern, die nicht einfach “Assassin’s Creed” mit Autos und Schnellfeuerwaffen haben wollen? Nun, diese können sich mit einer guten Portion “Grand Theft Auto”-Open-World anfreunden. Wenn die Sucht es nur reintreibt, dann wird man wohl auch nicht enttäuscht. Dafür sind bei Ubisoft zu viele Spezialisten, die wissen was sie tun. Die Frage ist allerdings, ob es dem Spiel gelingt wie eben dem Gottvater “GTA” und auch “Sleeping Dogs” gelingt etwas Eigenes mitzubringen, das uns vor den Bildschirm lockt. Denn wenn der erste Gedanke “warum spiele ich gerade nicht GTA?” ist, dann wird “Watch Dogs” ganz schnell ein Spiel von vielen…

Johannes würde sagen: “Fucking Nazis!”

Ein neues “Wolfenstein” ist ein ungefähr gleich dummes Unterfangen wie das letzte “Duke Nukem”. Es ist der weit entfernte an die Jugend als man noch dachte, dass “A Boy And His Blob” und Laura (für andere von euch war es vielleicht Peter?) aus der Parallelklasse die nicht zu übertreffenden Höhepunkte des Lebens sind. Nun, beides ist sehr wahrscheinlich nicht mehr ganz so der Bringer. Natürlich gibt es jene, die mit Laura/Peter glücklich geworden sind und auch heute noch die Optik alter Godzilla-Filme über allem sehen, doch es gibt auch noch den Rest.

Via Flickr by benjibot

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“Wolfenstein New Order” sieht nicht besonders toll aus und der Stil erinnert an eine weniger eigenständige Version von “Dishonored”. Bisherige Demos sahen nach dermaßen schlauchigen Leveln aus, dass “Mass Effect 2” sich wie Open World anfühlt. Wir machen zwar gerne Witze die Nazis beinhalten und Amerika liebt es ein Deutsch zu schreien, das eher nach Niederländisch klingt, aber reizt uns dieser Pausenwitz ein ganzes Spiel lang?

Wer sich empört und meint, dass “Wolfenstein” auf jeden Fall richtig spaßig wird, der hat “Duke Nukem Forever” entweder nicht gespielt oder mitbekommen. Natürlich hängt an “Wolfenstein New Order” keine ewige Entwicklungsgeschichte, doch wer sich das Material anschaut, der sollte schnell an hochklassigem Spaß über mehrere Stunden zweifeln. 2 Stunden für 10€? Warum nicht? Ein Download-Titel, der keinem wehtut, wäre ein netter Spaß für alte Fans gewesen. Die alten Uniformen für ein scheinbares Vollpaket zu entstauben fühlt sich bisher allerdings ordentlich nach Betrug an. Mal sehen, ob der Mai uns eines Besseren belehren kann.

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1 Comment

  1. Till

    Das Original-Wolfenstein muss man eben im Kontext seiner Zeit sehen, nach heutigen Standards wärs schon am Release was für die Wühlkiste. Die Studios, die alte Klassiker neu auflegen oder ihnen moderne Fortsetzungen verpassen, stehen deswegen immer vor dem Dilemma sich entscheiden zu müssen zwischen einer Neu-Auflage, die “nur” das altbekannte in eine neue Hülle packt und somit auf Profit durch nostalgische Fans setzt, oder einem aufwändigen neuen Teil, der der Rolle des Spiels in der Games-Historie gerecht wird. Warum sich die Studios für ersteres entscheiden, zeigt der (nicht nur zeitliche) Aufwand den Valve sich (hoffentlich) mit HL3 macht. Und selbst diese Mühe ist ja kein Garant für Erfolg, wie Duke Nukem tragisch beweist.

    Als profit-gelenkte Industrie ist somit Option 1 die vielversprechendere Variante eine alte IP wiederzubeleben. Das bringt aber eben auch mit sich, dass abgesehen von der Grafik, das “neue” Spiel, tatsächlich nichts neues bringt (gegenüber dem alten Teil) und (gegenüber aktuellen Standards) im Gegenteil eher altbacken wirkt.

    Man sollte es einfach sein lassen. “Die Vögel” wird ja auch nicht neu verfilmt…

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