Nicht okay, AfD

In Amerika ist zur Zeit die Hölle los. Von Nazis gezähmte Dinosaurier, die regenbogenfarbene Laserstrahlen aus ihren Augen schießen, wurden zwar noch nicht gesichtet, doch das kann seit US-Präsident Barack Obamas Amtsantritt 2009 weiterhin nur eine Frage der Zeit sein. Amerika geht vor die Hunde. Das liegt nicht etwa an unnatürlich hohen Ausgaben und Steuergrauzonen für Lobbyisten, die dank weiteren Gesetzesänderungen stets ausgeweitet werden können.

Schuld sind die vermaledeiten Sozialschmarotzer. Linke Bazillen, die statt US-Präsident Obama noch viel lieber Karl Marx reanimiert hätten, um hart arbeitende Kapitalisten öffentlich hinzurichten und dabei hämisch Kuchen zu essen, weil sie sich schließlich kein Brot leisten können (macht keinen Sinn, aber 100 Miesmuschel-Punkte, wenn ihr versteht, welches „Zitat“ ich da gerade verarbeitet habe). Die Beweise für eine anstehende sozialistische Revulotion von französischem Ausmaß sind erdrückend. „FOX NEWS“ hat mit Jason Greenslate, einem Surfer-Dude aus Kalifornien, doch tatsächlich EINEN Menschen gefunden, der sich über Food Stamps mit feinen Leckereien wie frischem Hummer eindeckt.

Via Flickr by michiexile 

Fox News channel

Where the “magic” happens…

Und „FOX NEWS“ ist uns einen Schritt voraus. Sie haben eine legitime und bewiesene Statistik, die den Untergang Amerikas durch die „Takers“ (Nehmer) klar belegt. Befragt wurde 1(!) Person (Jason Greenslate… ist das überhaupt ein echter Name?). 100% der Befragten spucken auf Amerika und saugen Vater Staat schamlos aus. Heißt das nicht, dass auch alle bei FOX angestellten Menschen diese Sorte Mensch sind. Um Johannes zu zitieren: Wir schweifen ab. Statistiken sind schließlich nicht dafür gemacht um die Wahrheit ans Licht zu bringen, sondern lediglich um anderen die eigene Meinung selbstgerecht den Rachen herunter schieben zu können.

Genau dieses perfide und geniale System, welches ganz wunderbar frei von Reflexion und Wirklichkeit funktioniert, hat sich nun auch die Junge AfD zu eigen gemacht. Ganz ohne Statistiken, aber doch mindestens genauso glaubwürdig wie besprochenes amerikanisches Fernsehnetzwerk, haben diese engagierten Jung-Politiker eine grundlegende Wahrheit über den Feminismus erkannt. Viele hielten es für einen Mythos, manch andere, man möchte beinahe sagen gebildete und verständige Leute, taten es als Provokation, Polemik und bestenfalls eine weniger wünschenswerte Randerscheinung im Feminismus ab: Männerhass!

Ganz recht. Will frau eine echte Feministin sein, dann darf mann nur als Klassenfeind gelten. Wer selbst den eigenen Partner nicht schief anguckt, der hat das Endziel des „totalen Feminismus“ verraten und wird als Defätistin von amerikanischen Sozialblutegeln mit einer Food-Stamp-Banderole standesrechtlich erwürgt. Fick ja, Deutschland! Bei solch blinden Stereotypen und derer Reproduktion kann selbst ich den Sarkasmus nicht aufrecht erhalten und muss diesen Blödfug hinterfragen.

Via Facebook unzensiert einsehbar

AFD Fem

…mehr als tausend Worte.

Ich werde einen feuchten Kehricht tun und nun erklären, was den Feminismus ausmacht. Dafür haben wir mit Anni eine hauseigene Spezialistin. Die AfD hätte erwachsen auf ihre Probleme mit der Einstellung mancher selbst ernannten Feministinnen umgehen können und vielleicht ein Wörterbuch aufschlagen können. „Feminismus“ hat in erster Linie mit Gleichberechtigung zu tun. Von elitären Regeln wie resolutem Männerhass steht und stand dort nie etwas geschrieben.

Während ich nochmals auf unsere „Mythen des Antifeminismus“-Reihe verweise, möchte ich einen rhetorisch üblichen Kniff anwenden, um der Jungen AfD deutlich zu machen, warum man das nächste Mal besser nachdenkt, bevor man mit Stereotypen um sich wirft. Folgen wir diesem Schema und drehen den ideologisch stereotypischen Spieß um, dann macht es so manche einem wohl keinen Spaß mehr mit der AfD assoziiert zu werden.

Wie ging das noch gleich? Also… Ich bin kein Anhänger der AfD, weil ich Menschen, die öffentlich die vermeintliche „Schwulen-Lobby“ (Beatrix von Storch) anprangern und die „klassische“ Hetero-Ehe trotz Steuervorteile und staatlicher wie kirchlicher Akzeptanz im Gegensatz zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaft unter Beschuss sehen (Konrad Adam) für politisch fehlgeleitet und ethisch nicht vertretbar halte. Obendrein erwartet ein Herr Bernd Lucke von Thomas Hitzlsperger, dass er statt sich zu outen die „Verfallserscheinungen“ von Familie und Ehe geißeln soll.

Moment… WAS!? In einer Zeit in der Russlands Präsident und die konservativen Medien der Weltmacht USA Homosexualität regelmäßig als schädigend für Gesellschaft und insbesondere Kinder betiteln und „uns Kapitän“ Philipp Lahm von Outing in der Männerdomäne Fußball öffentlich abrät, ist es nicht mutig sich zu outen? Selbst wenn ich über diesen Punkt hinwegsehen würde, ist die „Forderung“, dass Hitzlsperger über Hetero-Familie und Hetero-Ehe herziehen soll, schlichtweg eine Frechheit.

Man muss sich vor Augen halten, was Bernd Lucke mit solch einem Ausspruch aussagt. Homosexuelle gibt es in erster Linie, weil Hetero-Standards nicht gut genug geschützt und behandelt werden. Ich versuche auf Anglizismen zu verzichten, aber hier trifft es wirklich nur noch ein „WHAT THE FUCK, Herr Lucke!?“ Thomas Hitzlsperger ist nicht homosexuell, weil Deutschland die Hetero-Ehe verkommen lässt. Und nur weil ein Thomas Hitzlsperger homosexuell ist, heißt das nicht, dass er Hetereo-Ehen und Hetero-Familien als ein Unding ansieht. Diesen Schuh ziehen sich allein die Konservativen an, die sich durch Gleichberechtigung bedroht sehen.

Via Flickr by Sarmale / OAyuso

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Denker denken sich ihren Teil und sind “not amused”

Wie pervers muss ein Mensch sein, wenn er das Streben nach Gleichberechtigung immer gleich als wütende Attacke auf bestehende Werte sehen muss? Natürlich gibt es in allen Bewegungen und Gruppen unterschiedliche Meinungen. Es gibt sogenannte Feministinnen, die tatsächlich eine Form von Männerhass nach außen tragen. Es gibt AfD-Mitglieder, die latente und aktive Homophobie in die Öffentlichkeit tragen. Aber man kann Größe zeigen. Man kann davon ausgehen, dass nicht jeder Anhänger der AfD ein Menschenrechte mit Füßen tretender Volldepp ist, genauso wie es Feministinnen und Feministen geben soll die Männer richtig dufte finden.

Wenn man in einer Demokratie leben möchte, dann muss man zusehen, dass es möglichst für alle klappt. Die Zeiten in denen wir uns ungewollten Volksgruppen entledigt haben, sind inzwischen nicht nur vorbei, sondern auch ein klein wenig verpönt. Nur weil Bundeskanzlerin Angela Merkel sich auch weiterhin „mit der völligen Gleichstellung [schwertut]“, heißt dass nicht, dass wir alle von der semantischen Brücke springen sollten. Aber die Bundeskanzlerin trifft einen guten Punkt, der uns alle angeht.

Wir tun uns schwer. Die AfD scheint sich damit schwerzutun Homosexuellen die Gleichberechtigung zuzugestehen. Homosexuelle scheinen sich hingegen schwerzutun diese Umstände der Ungleichheit hinzunehmen. Um die Feministinnen und Feministen wieder ins Spiel zu bringen, tun sich diese wiederum damit schwer, dass Frauen für gleiche Arbeit weiterhin nahezu ausnahmslos schlechter bezahlt werden und Führungspositionen artig unter Männer vergeben werden. Von Männern für Männer, wenn man so möchte.

Vielleicht würde uns eine Demokratie schon viel leichter fallen, wenn wir uns nicht dauernd nur schwer damit tun andere Glaubensvorstellungen, Ideale, Kulturen und Einstellungen in Ruhe auszuloten, anstatt nur das Schlechteste herauszupicken und andere Gruppen anzufeinden. Wenn es eine höhere Macht gibt, die am Ende tatsächlich auf Dinosauriern reitende Nazis auf die Sünder hetzt, dann wäre ich mir an Stelle der Jungen AfD nicht allzu sicher, dass man nicht auch auf der roten Liste landet. Selbst die Bibel ergießt sich in den Büchern Mose darin, dass Fremdlinge wie Ansässige behandelt werden sollen. Aber was argumentiere ich mit einer Schrift, die sich aufgrund vieler Stimmen oft selbst widerspricht.

In nomine Nuhr: Amen

Ein bisschen erinnert es an die AfD, die begreifen sollte, dass sie als „Alternative für Deutschland“ nicht eine Volksschicht, sondern GANZ Deutschland in bester Weise vertreten sollen. Das heißt, dass man sich nicht einfach hinter Parolen und Mentalitäten verstecken kann, sondern die Realität angehen muss. Bashing von Randgruppen war noch nie in Ordnung und wird es auch nicht sein. Und festhalten: Wenn irgendetwas KEINE Randgruppe in Deutschland darstellt, dann ist es die Hetero-Ehe in Familien. 2011 waren es noch 78,8% der Eltern in Deutschland, die in Ehen lebten.

Wenn es das erklärte Ziel der AfD ist, dass sie „traditionelle“ Lebensformen wieder zu über 90% vertreten sehen wollen, dann sollen sie dies deutlich sagen. Frauen gehören wieder in die Küche und haben Kinder zu erziehen, Homosexualität kommt gar nicht erst auf, weil Hetero-Ehen so unsagbar geil sind und überhaupt war früher alles besser. Will die AfD als solch eine Partei gesehen werden? Dabei ist die “Feministin”-Schablone nur einer von vielen Fehltritten. Ich hoffe nicht. Aus persönlicher Erfahrung bin ich mir allerdings auch ziemlich sicher, dass Feministinnen und Feministen nicht als Männerfeinde gesehen werden wollen. Wie eine gehaltlose Provokation seitens der AfD jedoch dafür sorgen soll, dass genau diese Stereotypen verschwinden, ist und bleibt mir ein Rätsel.

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1 Comment

  1. Marcus Kranawetter

    Boah ich danke dir für diesen geilen und absolut gut geschriebenen Artikel. Du sprichst mir aus der Seele und greifst das auf, was viele einfach nicht verstehen wollen. Und das allerbeste: Du bist ein Mann :D

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