Rage against the film industry – Warm Bodies

So. Ich habe endlich Warm Bodies gesehen… und ihn gehasst! Und auch wenn der Film schon fast wieder aus den deutschen Kinos raus und es eigentlich nicht Wert ist, muss ich euch jetzt an meiner Meinung teilhaben lassen, denn:

1. gehörte er zu den fünf Filmen, die ich um den Jahresanfang empfohlen habe (oder zumindest als interessant einstufte),

und 2. mir reicht’s!

In diesem Sinne wird diese Kritik wohl eher ein geborgter Aufreger der Woche, aber was soll’s, der dampfende Haufen Scheiße von einem beschissenen Film, der sich Warm Bodies schimpft, hat es verdient. (Und um das richtig zu machen muss ich was zur Story erzählen, also spoiler alert!)

Zur Erinnerung: Das ‘Werk’ von Jonathan Levine beruht auf dem Buch mit dem gleichen Titel von Isaac Marion, in dem ein Zombie, der sich nur noch an den Anfangsbuchstaben seines ehemaligen Namens (R) erinnern kann, bei einer Attacke auf eine Gruppe Menschen Perry, den (festen) Freund von Julie, tötet und, nachdem er dessen Gehirn gefressen hat, nach und nach romantische Gefühle für Julie entwickelt. Was als Romanze anfängt entwickelt sich im Buch zu einer starken Metapher auf die Menschheit und die Probleme unserer Zeit und endet schließlich mit einem offenen Ende, bei dem die Grenzen zwischen Zombies und Menschen verschwimmen.

Nun wird gelegentlich an dieser Stelle eingeworfen, dass mensch sich abregen soll, weil Verfilmungen nun mal nicht das Buch eins zu eins wiedergeben können, aber darum geht es mir hier nicht. Es war von vornherein klar, dass die Story gekürzt werden muss, was ich als Bereicherung empfand, da das Buch trotz eines starken Gesamteindrucks durchaus Schwächen hat (so gibt es einen Nebenplot zu Rs ‘Zombieehefrau’ und seinen ‘Kindern’ (die er nach seiner Transformation bekommen hat), der zwar durchaus wichtige Aspekte innerhalb der Geschichte erfüllt, aber hier und da etwas ungelenk wirkt). Problematisch sind bei Verfilmungen aber nicht die Storykürzungen, sondern wenn der Geist des Buches und vor allem die Botschaft des Ganzen nicht mehr in der Adaption zu erkennen sind.

Von Anfang an war es eine Herausforderung, das Buch in ein visuelles Medium zu transferieren, denn im Buch erleben wir die Geschichte zu allen Zeiten aus der Perspektive von R und können so seinen langsamen Wandel vom Zombie zu einem neuen Wesen verfolgen. Fähigkeiten, wie Gefühle entwickeln, wieder komplexe Sätze formen oder auch das Lesen aufs Neue zu erlernen, spielen dabei eine große Rolle und natürlich sind das alles Dinge, die sich nur schwer durch Bilder zeigen lassen.

Der Film löst diese Probleme teils durch R’s Monologe, die den Film vor allem am Anfang dominieren (und sehr nah am Buch sind), aber nach den ersten zwanzig Minuten kann mensch nicht mehr nur dieses Stilmittel einsetzen und spätestens da fangen die Probleme an, denn früher oder später muss mensch im Kinofilm mit Bildern arbeiten. An dieser Stelle versagt der Film komplett! Warum muss ich noch in einer schlechten Überblende im Hintergrund zeigen, was gerade in einem Monolog erklärt wird (und die Sache, die erwähnt wird, im Film keine weitere Bedeutung hat)?! Warum müssen wir in schlechter Farballegorie noch mal in Orange die Liebe der Hauptfiguren unterstreichen? Und warum muss, nachdem sowohl Julie und R als auch M (der Zombiefreund Rs) ein Happy End bekommen haben, noch symbolisch die Mauer um die letzte Festung der Menschen gesprengt werden, die ja jetzt nicht mehr gebraucht wird, weil alles gut geworden ist?! (was übrigens auch nicht dem Buch entspricht, denn dort ist der Konflikt noch lange nicht beendet bzw. nicht alle ‘Bösen’ besiegt)

Manchmal frage ich mich, ob diese Leute, die so einen kackbeschissenen Mist produzieren, noch selbst ins Kino gehen oder mal einen guten Film gesehen haben. Denn dann wüssten sie, dass es tausend Möglichkeiten gibt die gewollte Botschaft zu transportieren.

Aber kommen wir noch Mal zur Story: Zentrales Moment der ursprünglichen Geschichte ist, dass R sich zwar schon vorher durch seine Eigenheiten von den anderen Zombies unterscheidet, aber erst durch das Vertilgen von Perrys Gehirn (und das Sehen seiner Erinnerungen – Der eigentliche Grund warum Zombies so sehr auf Gehirne aus sind, ermöglicht das Fressen von menschlichen Gehirnzellen ihnen doch einen Traum ähnlichen Zustand) entsteht die besondere Beziehung zu Julie (und zu Perry, da R weiter dessen Erinnerungen erlebt). Nur durch diese Tatsache und das wachsende Vertrauen zwischen den beiden beginnen die Veränderungen zu etwas Neuem in R, dass auch später die Veränderungen in einigen anderen Zombies nach sich zieht, aber nicht bei allen. Denn nicht alle Zombies sind gleich im Universum von Warm Bodies. Neben R gibt es auch solche die langsam ‘aufgeben’ und jeglichen Bezug zum ehemaligen Menschen in sich verlieren. Dabei existieren außerdem die sogenannten Bonies, Wesen die zunächst Zombies waren, aber irgendwann zu etwas Dunklerem und endgültig Bösen wurden und jeglichen Funken Menschlichkeit verloren haben (wobei sich R da nicht sicher ist und das nur vermutet).

Und damit kommen wir zur wichtigsten Regel in Warm Bodies (Buch): Zombies sind keine gefühllosen Wesen, sie haben weiterhin Gedanken und Empfindungen, wobei R das Extrem darstellt. Dem gegenüber stehen die Menschen, die eigentlich nur überleben wollen. In der menschlichen Welt gibt es einen genauso starken Grundkonflikt wie zwischen den Bonies und Zombies. Mit Julie (und ursprünglich auch Perry, wobei durch seine Erinnerungen klar wird, dass er irgendwann die Hoffnung verloren hat) wird eine Figur eingeführt, die nach vorn blickt und eine neue Zukunft aufbauen will. Daneben steht ihr Vater, der der Anführer des letzten Widerstandes in der Stadt ist und sich mit seiner Truppe in einem alten Stadion verschanzt hat. Er ist nur am Überleben interessiert und an reinen Kosten-Nutzen-Rechnungen. Kunst, Kreativität oder auch so simple Dinge wie Pflanzen züchten sind für ihn überflüssig, denn sie bringen nichts im Kampf gegen die Untoten, die für ihn alle gleich sind.

Erkennt ihr, wohin das Buch euch führen will?

(Wenn ihr hier immer noch lest; seid euch gewiss, jetzt kommt der Wutteil des Textes.)

Und was macht der Film aus diesem Bild und diesen Konflikten zwischen Hoffnung und Abstumpfung, Überleben und Leben? Auch wenn sich R und Julie weiterhin treffen, auch wenn sie sich kennen und schätzen lernen und auch wenn das eine Veränderung in ihm hervorruft, die Logik des Films macht keinen Sinn, denn die anderen Zombies verändern sich fast genauso schnell wie R (obwohl ursprünglich R der Funke ist, der das Feuer erst langsam zum Brennen bringt). Und R, der Julie erst kurz kennt, lernt in Null-Komma-Nix wieder Auto fahren. Aber das und andere Lücken in der (Film)Story (wie z.B. die Tatsache, dass ein Soldat nicht sofort auf einen (mittlerweile guten) Zombie schießt, obwohl er seit JAHREN nichts anderes gelernt hat) sind nichts im Vergleich zum Ende diese ‘tollen’ Werks. Denn am Ende wird R nicht etwa zusammen mit Julie (was die Botschaft des Buches ist, denn nur gemeinsam können sie nach vorne blicken) zu etwas neuem, nein er wird wieder zum Menschen, als wär’ nichts gewesen!  Daneben wird die Beziehung zwischen R und Perry total vernachlässigt, die aber elementar ist um diese Grundbotschaft zu kommunizieren: Denn das ist der Clou des Ganzen, Zombies sind auch nur Menschen, die irgendwann aufgeben haben und die Hoffnung auf Weiterleben, die Hoffnung auf etwas Neues ist die ‘Heilung’ für die Epidemie. Wenn du all das verlierst, dann wirst du irgendwann zu etwas Dunklem, das dich dann zum Zombie (und später zum Bonie) werden lässt.

by Jo Naylor via Flickr

wall

Der Moment, wenn du im Kino sitzt und Angst hast, dass sie es wirklich tun und ja natürlich machen sie es! Erinnert ihr euch an die letzte halbe Stunde von Herr der Ringe, die ihr nur ertragen habt, weil ihr traurig ward, dass es nie wieder einen neuen Teil im Kino zu sehen geben wird? So ist das Ende von Warm Bodies, nur war der Film scheiße!

Was ist bloß aus dem Popcorn-Kino geworden, frage ich mich zum hundertsten Mal? Wann konnte mensch z.B. den letzten guten Actionfilm sehen oder die letzte einigermaßen gut geschriebene romantische Komödie? Es scheint, dass es mit dem Kino seit Jahren einfach nur bergab geht. Seit dem ersten Twilight-Film sehen wir in Fantasy (und zum Teil auch SiFi) die fast immer gleiche Geschichte. Der Dreieckskonflikt ist in fast jedem Film zu finden und bis auf einige Comicverfilmungen sind alle Werke in denen es Bum macht oder viel geschossen wird einfach nur Dreck. Wo sind die glorreichen 90er hin? Mit  Die drei Musketiere und Robin Hood, mit Last Boy Scout und Matrix?

Klar, in den meisten Fällen sind das auch keine unglaublich tiefen Filme, aber immerhin hatten sie eine Botschaft, eine Moral oder eine starke Geschichte, die sie erzählen wollten. Sie hatten interessante Figuren. Frauencharaktere durften sogar mal selber schießen, anstatt nur gerettet zu werden und in Robin Hood war es sogar möglich einen Charakter durch einen Man of Color darzustellen. In Warm Bodies hingegen besetzten die Zuständigen die Rolle der besten Freundin Julies, die im Buch ganz eindeutig als Woman of Color gekennzeichnet war, mit einer Weißen – wieso auch nicht, die Weißen sind ja auch wirklich unterrepräsentiert in unserer Filmlandschaft (/irony off).

by grmisiti via Flickr

Zombie

Achja, Zombies sind in dem Film auch hauptsächlich Männer, ist ja klar, Frauen und so (/irony off)

Der Film Warm Bodies hat nichts mit dem Zombiegenre zu tun, weder mit dem Goreaspekt noch mit der Gesellschaftskritik, die vielen der Zombiefilme eigen sind. Es ist eine weitere leidige Liebesgeschichte auf der Folie einer Urbanfantasy. Und der Witz ist, es müsste ja nicht diese schlecht erzählte Story sein, DENN ES GIBT JA EINE GUTE VORLAGE! Als ich das Buch das erste Mal gelesen habe, hatte ich Angst, dass ich zwischendurch aufhöre und denke: ‘Jetzt habt ihr es geschafft, auch die Zombies sind an die Twilightfans verloren gegangen’, stattdessen wurde ich von einer sensiblen und gut geschriebenen Geschichte um die Liebe zum Leben überrascht. Danke liebes Filmteam, dass ihr dafür gesorgt habt, dass meine Ängste doch noch Wirklichkeit wurden. Am Besten produziert ihr noch ein Sequel.

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