Month: April 2017

“Vapiano” – Grundhass’ Appell an die Menschlichkeit

Ich will nicht die hässliche Fresse seh’n, die mir mein Essen zubereitet.

Ich will nicht die hässliche Fresse seh’n, die das kocht, was ich wieder ausscheiße.

“Vapiano” von Grundhass

Der Notenblätterwald rauscht gewaltig seit der Nachwuchskünstler Grundhass Akustik-Punkrock mit der kommerziellen Strahlkraft einer Madonna zurückbrachte. Seine sozialkritischen Beobachtungen dringen in ungewohnte Tiefen der menschlichen Psyche und erlauben Hörern aller Bildungsschichten Zugang zu komplett fremden Lebenswelten. Kaum ein Song bringt die nachdenkliche Dichterader des Neuzeitbarden derartig präzise aud den Punkt wie „Vapiano“.

Was Grundhass in wenigen Sekunden und Worten erzählt, pressen gestandene Liedermacher im besten Fall auf einen gesamten Longplayer. Scheinbar mühelos legt Grundhass unsere Oberflächlichkeit gegenüber fremden Kulturen die eigene Vergänglichkeit als Entschuldigung für fehlende Moralität offen. Die „hässliche Fresse“ ist eine Darlegung der Reduktion auf die äußere Erscheinung. Das lyrische Ich verfällt dem Instinkt der sofortigen Kategorisierung des Anderen allein aufgrund der Äußerlichkeiten. Weitere, mögliche Qualitäten und Vorzüge des Gegenüber bleiben allein aufgrund des fehlenden Aussehens außen vor, eine Problematik, die uns auch in modernen Gesellschaften begegnet.

Die Erklärung für dieses amoralische Verhalten begründet Grundhass in der schließenden Zeile „die das kocht, was ich wieder ausscheiße“. Das Kochen ist Synonym für interpersonale Interaktionen, die heutzutage wie Dienstleistungen aufgefasst werden. Wir erwarten uns ein für uns produktives Ergebnis von einer Interaktion mit anderen, wobei die harte Wortwahl „ausscheißen“ die fehlende Wertschätzung der Interaktionen ausdrückt. Gleichzeitig steht das Ausscheißen für die Vergänglichkeit der interpersonalen Interaktionen. Grundhass prangert hiermit die Wegwerfattitüde der Gesellschaft an, die Menschen nach einem Blick abtut und vor lauter Auswahl an Informationen und Mehrwehrt letztlich alles vergisst und nichts wertschätzt.

Die nihilistische Ansicht und der geistlose Konsum materieller und geistiger Güter trifft Hörer des Stücks „Vapiano“ ins Mark und stimmt zum Nachdenken an. Beim nächsten Aufeinandertreffen mit Fremdem und Neuem bleibt zu hoffen, dass Grundhass’ Worte uns mit voller Wucht treffen und uns daran erinnern: hinter jedem Gesicht steckt ein Mensch, der uns unabhängig von Beruf, Hautfarbe, Geschlecht und Idealen im Grunde gänzlich gleich ist.

Featured Image mit Genehmigung von Grundhass via ihm sein Facebook

Aufreger – der Podcast! Wo sind die guten Nachrichten hin?

Schlechte Nachrichten, wohin ihr auch schaut. Flugzeuge stürzen ab, Länder werden bombardiert und Rechte werden entzogen. Die Nachrichten geben uns so manches Mal das Gefühl, dass alles schlecht ist. Wir suchen in unserer ersten Folge des Aufreger-Podcasts nach guten Nachrichten und warum sie hinten anstehen.

Wir geben keine feststehenden Antworten, sondern geben unsere Ansichten aus unserem Studium und unseren Berufen wieder. Wir möchten euch einen Einblick in ein paar Themen geben, ohne euch “Richtig” und “Falsch” vorzuschreiben. Im Bestfall tretet ihr mit uns in Kontakt oder kommt auf neue Themen, die ihr noch nicht auf dem Radar hattet. Also:

Good news, everyone!

Der Titelsong ist übrigens “Proof” von Glory of Joann, die uns freundlicherweise ihre Musik nutzen lassen.

Full Disclosure: Der Podcast wurde ursprünglich am 10.04.2017 aufgenommen. Nur falls sich jemand fragt, warum wir die Beispiele wie den Anschlag in Schweden nehmen.

Featured image via Flickr by Ray Bouknight

Ein langer Aufreger über Millionengehälter

Vorbemerkung: Das Thema “Hohe Gehälter” beschäftigt mich schon lange und ich habe eine sich bietende Gelegenheit genutzt, meine Gedanken dazu nieder zu schreiben. Der Komplexität dieses Themas wird auch mein Text nicht gerecht, aber ich habe versucht in lesbarer Kürze darzulegen, warum Millionengehälter keinen Sinn machen. Gerne können wir in den Kommentaren dazu zivilisiert (unter Betrachtung unserer Nettiquette) diskutieren und noch weitere Argumente für oder gegen hohe Gehälter finden.

Gehalt in Deutschland ist eine seltsame Sache. “Über Geld redet man nicht” und “Bei Geld hört die Freundschaft auf”, so lauten die landläufigen Weisheiten zu diesem Thema. Nicht unüblich sind zudem diverse Klauseln in Arbeitsverträgen, die das Diskutieren des eigenen Gehalts mit dem der Arbeitskolleg*innen verboten wird. Aber darum soll es heute nicht gehen, sondern um die Höhe von Gehältern und die Paradoxien, die sich daraus ergeben.

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