Tag: Werbung

Mehr Spieler: Award- und PR-Blödsinn

Awards sind großer Käse und im Rahmen von Videospielen handelt es sich letztlich noch viel aggressiver um eine Werbeveranstaltung. Das wissen wir seit Jahren, aber es ist schwer sich damit abzufinden und laut Johannes rege ich mich auch einfach gerne auf. Glücklicherweise kann diese Energie auch auf die PR-Großtaten um “Deus Ex: Mankind Divided” und “Rise of the Tomb Raider” angewendet werden, die unsere berufliche Zukunft sichern. Denn es zeigt sich erneut, dass es hilfreich ist, wenn man weiß, wie man mit Menschen redet und auf ihre Bedürfnisse eingeht. Am Ende finden wir uns sonst alle nur in der Position des besorgten Gamers wieder…

Am Abgrund Links – 24.02.2014

Jede Woche verbringen wir viel zu viel Zeit im Internet. Doch egal wie oft wir alle durch die Weiten des Netzes surfen, man kann nicht immer alles wahrnehmen.

Deswegen gibt es von uns für euch eine Linksammlung zu den Themen, die uns in der letzten Woche fasziniert haben. Ob Filme oder Games, ob Feminismus oder Politik unser Blog ist so unterschiedlich, wie die Menschen die ihn betreiben – Hier erfahrt ihr, was uns im Kopf geblieben ist.

Via flickr by Kevan

left Das Gefühl, wenn man* mit dem Rücken zur Ecke steht.

ANNI:

  • Wie früh die Sexualisierung von Mädchen und der absolute Fokus auf das Aussehen von Frauen anfängt, zeigt dieser Link.
  • Und wo wir schon beim Thema sind: in einem Beitrag von Being Feminist wird sehr schön zusammengefasst warum es in der Werbung eben nicht um ‘sex sells’, sondern um genormte weibliche Körper geht.
  • Überraschung, Überraschung, sexistische Witze sorgen für eine sexistische Gesellschaft, wer hätt’s gedacht!

JOHANNES:

  • Eine EU-Vorlage könnte die Netzneutralität aushebeln. Informiert euch hier, warum das schlimm ist und war ihr tun könnt. Weitersagen!
  • Irrational Games (zuletzt Bioshock Infinite) hat seine Auflösung bekannt gegeben. Im Gegensatz zu manch anderen Studios, bei denen das Ende selten überraschend kommt, traf viele die Aufgabe von Irrational Games ziemlich unvorbereitet. Wie die Stimmung in der einstigen Spieleschmiede von Ken Levine kurz vor Veröffentlichung von Bioshock Infinte war, könnt ihr hier nachlesen
  • Sex in Videospielen. Noch immer ein Thema, das wenig erwachsen behandelt wird. Umso erstaunlicher nun, dass ihr über vodo.net ein “erotisches” Bundle erstehen könnt. Mit Comics, Musik, Filmen und eben Videospielen. Wer traut sich?

MAX:

Am Abgrund Links – 04.02.2014

Jede Woche verbringen wir viel zu viel Zeit im Internet. Doch egal wie oft wir alle durch die Weiten des Netzes surfen, man kann nicht immer alles wahrnehmen.

Deswegen gibt es von uns für euch eine Linksammlung zu den Themen, die uns in der letzten Woche fasziniert haben. Ob Filme oder Games, ob Feminismus oder Politik unser Blog ist so unterschiedlich, wie die Menschen die ihn betreiben – Hier erfahrt ihr, was uns im Kopf geblieben ist.

Via flickr by Jackie Kever

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Das mit dem Winter üben wir noch einmal, Trier!

ANNI:

JOHANNES:

  • Kampfkunst ist, beispielsweise in Form von sogenannten Katas, ein ästethisches Vergnügen. Gute Katas haben etwas von einem seltsamen Tanz. Mixed Martial Arts (oder Ultimate Fighting usw.) hat nichts von einem Tanz. Sondern etwas von modernen Gladiator-Kämpfen. Ich muss gestehen, ich bin mir nicht ganz sicher ob ich nicht für ein Verbot dieses Un-Sports bin.
  • Die beste Form des Wetterberichts.
  • Eine deutsche Band, die aus der Skinhead-Szene entstammte, sich dann davon distanzierte, zur Beruhing vieler ihre Auflösung bekannt gab und nun wohl wieder zusammen spielen will. Die Rede ist von den Böhsen Onkelz, vermutlich verantwortlich für Orthographieschäden ganzer Generationen. Warum gibt es eigentlich keinen guten deutschen Politpop?

MAX:

Am Abgrund Links – 20.01.2014

Jede Woche verbringen wir viel zu viel Zeit im Internet. Doch egal wie oft wir alle durch die Weiten des Netzes surfen, man kann nicht immer alles wahrnehmen.

Deswegen gibt es von uns für euch eine Linksammlung zu den Themen, die uns in der letzten Woche fasziniert haben. Ob Filme oder Games, ob Feminismus oder Politik unser Blog ist so unterschiedlich, wie die Menschen die ihn betreiben – Hier erfahrt ihr, was uns im Kopf geblieben ist.

Via flickr by psd

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Äh… ja… Keep them und so.

ANNI:

JOHANNES:

  • Viele dachte sich bei den Enthüllungen über die Spionageprogramme der NSA: “Ach, das haben wir doch alle gewusst.” Sascha Lobo war zumindest zusätzlich empört (wie leider viel zu wenige). Seit neuestem ist er auch gekränkt, wie er der FAZ mitteilt. Lesenswert weil: Man nicht oft genug über die riesigen Ausmaße der Datensammelwut westlicher Geheimdienste und deren Auswirkungen auf uns Bürger*innen einer Demokratie hat.
  • Wie ist das, “berühmt” zu sein? Jack Glesson (Joffrey Baratheon in der HBO-Serie Game of Thrones) hat sich einige Gedanken dazu gemacht und teilt diese nicht nur mit der Oxford Union, sondern über diese auch mit der Welt. Sehenswert weil: Gleeson versucht, eine Aussenperspektive auf den Starkult einzunehmen und diesen kritisch betrachtet.
  • Wer schon einmal etwas vom Bildblog gehört hat, dem ist Stefan Niggemeier kein Unbekannter. Immer wieder setzt sich Niggemeier mit Fehltritten in der Medienlandschaft auseinander. So auch mit einem ziemlich homophoben Interview im Deutschlandfunk, dass sich nur mit ziemlich viel redaktioneller Unaufmerksamkeit erklären lässt. Lesenswert weil: Wir uns immer wieder darüber klar machen sollten, dass Medien stets kritisch hinterfragt gehören.

MAX:

Journalismus zum Abgewöhnen

Walter Lippmann war sich 1922 hoffentlich schon im Klaren darüber, wie sehr viele Journalisten und Redaktionen sich an seine Ursprungsidee des Nachrichtenwerts halten würden. Lippmann teilte den Nachrichtenwert in vier Bereiche ein: Nähe, Prominenz, Überraschung und Konflikt. Wenn ein Journalist sich bei Interviews zu Themen von Interesse jedoch bezüglich seines Partner allein zu Konfliktthemen äußert, dann ist das leicht voraussagbare Ergebnis ein unnötig unangenehmes Gespräch, welches Journalisten abermals als informationsgeile und menschlich nicht voll ausgereifte Lebewesen porträtiert.

Die “Zeit” hat sich vor einigen Tagen mit fragwürdigem Ruhm bekleckert, als sie ein gehaltloses und schlichtweg provokantes Interview zur Frauenfußball-EM in Schweden mit Nationalspielerin Annike Krahn veröffentlichte. Die Stimmung seitens der deutschen Medien gegenüber der Frauenfußballnationalmannschaft Deutschlands war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung  nach “mäßiger” Vorrunde ebenfalls nicht gerade als berauschend zu bezeichnen. Auch deswegen erscheint es vielleicht als ganz normal, dass Sören Maunz sich darauf konzentriert hat ein möglichst unangenehmes Gespräch mit Frau Krahn zu führen.

Zum Hintergrund: die Fußballnationalmannschaft der Frauen ist seit 1989 bereits sieben mal Europameister geworden. Seit 1995 hat man den Titel fünf mal in Folge gewinnen können. Allein 1993 in Italien ging der Titel an die Norwegerinnen. Deutschland ist in Europa dementsprechend das Maß aller Dinge. Aber die Konkurrenz schläft nicht. Frauenfußball ist weltweit professioneller geworden. Die skandinavischen Vertreter Dänemark, Norwegen und Schweden, sowie Frankreich sind spätestens seit 2010 ebenbürtige Gegner für die Deutsche Nationalmannschaft. Von den US-Amerikanerinnen und Japanerinnen mal ganz abgesehen.

Und weil es jetzt nicht so gut aussieht, spricht man nur darüber, wie schlecht doch alles läuft, warum alles falsch gemacht wird und die anderen besser sind. Wenn uns zum Sachlichen oder mit der Mannschaft direkt in Verbindung stehendes nichts mehr einfällt, dann reiten wir auf der ZDF-Sexismus-Werbung-Debatte herum, obwohl Frau Krahn sich nicht dazu äußern möchte.

Via Flickr by miguel

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Am Anfang war die Waschmaschine…

Und sollte sich die Mannschaft in Anbetracht der “schlechten” Leistungen der Mannschaft, doch sowieso nicht besser auf Fußball konzentrieren, Herr Maunz? Wie wäre es mit etwas Konstanz in der Art Ihrer Fragestellungen? Und, ja. Ein klein wenig Patriotismus darf man im Sport schon beweisen. Zumindest ein wenig Glück darf man der Mannschaft wünschen, wenn schon alles so schlecht ist, dass die einzig nicht negativ konnotierte Frage lautet: “Wie hat sich der Frauenfußball verändert?”.

In solchen Momenten fragt man sich ernsthaft, ob ein deutscher Journalist vor einem K.O.-Spiel einer EM/WM der Männer einen Spieler  krampfhaft nach seiner Sexualität und etwaigen Problemen mit dieser konfrontieren würde. Zumindest kann man das herablassende Wort “herumalbern” gebrauchen, wenn man von Frauen und Fußball spricht, wie es scheint und andeuten, dass mal wieder die Ernsthaftigkeit fehlen könnte. Mal ehrlich: wer wäre denn bei solchen Vorwürfen nicht genervt?

Fußballdeutschland würde wohl diesen Journalisten bei einem Ausscheiden (wahrscheinlich aber auch schon so) ganz modern im Stil des 21. Jahrhunderts mit brennenden Fackeln und Mistgabeln erwarten. Nochmals: die Frage selbst ist legitim, da Aktualität, Nähe und Konflikt bestehen, aber als sich selbst auszeichnender Sportfan sollte man wissen, was man Spieler wann fragen kann, wenn man sie nicht aus dem Gleichgewicht bringen möchte.

Wer immer noch nicht glaubt, dass es sich bei Sören Maunz’ Interview mit Annike Krahn um ein Beispiel an Konfliktgeilheit und fehlender Menschlichkeit während eines “Gesprächs” (ich nenne es nur widerwillig so, da es schlichtweg ein pessimistischer Fragenkatalog ist, der hier abgehandelt wird) handelt, der kann jetzt noch die kommentierten Fragen Maunz’ lesen. Anbei sei auch der “Deutschen Akademie für Fußball-Kultur” hämisch gedankt, dass man Mehmet Scholls absolut unnötig respektloses Kommentar gegenüber Mario Gomez als Fußballspruch des Jahres kürte. So lassen wir Anstand, Höflichkeit und Fingerspitzengefühl schön im Morast des Konflikts versickern.

Bam!

Aus einer Präsentation von Dr. Heinz Gerhard (Stellvertretender Leiter der ZDF-Medienforschung) 

Fragenkatalog des Zeit-Interviews mit Annike Krahn (negative Ausdrücke sind hervorgehoben):

ZEIT ONLINE: Frau Krahn, die Vorbereitung lief super, das EM-Turnier bislang nicht. Ein Sieg, ein Unentschieden, eine Niederlage – warum klappt es schon wieder nicht? 

DARANGEHTDIEWELTZUGRUNDE: Das Turnier verlief nicht optimal, aber man war nach zwei Spielen vorzeitig für die Endrunde qualifiziert. Das Spiel gegen Norwegen wurde mit Umstellungen bestritten und hatte keinen sportlichen Wert.

ZEIT ONLINE: Was genau haben Sie denn noch nicht abgerufen?

ZEIT ONLINE: War die Mannschaft verkrampft?

ZEIT ONLINE: Also war es ein Nachteil, schon vor dem Spiel zu wissen, sicher im Viertelfinale zu sein?

ZEIT ONLINE: Können Sie an einer Beobachtung festmachen, dass die Ernsthaftigkeit gefehlt hat?

DGDWZ: Können Sie an diesem Interview festmachen, dass jegliche Sympathie gefehlt hat, Herr Maunz?

ZEIT ONLINE: Zeigt sich bei dieser EM umso klarer, dass die anderen Nationen besser geworden sind?

Krahn: Ja, natürlich ist die Leistungsdichte viel enger geworden. Aber das ist eine Tatsache, die erzählen wir schon seit fünf Jahren. Und irgendwie wurden wir da nie so ganz ernst genommen. (Frau Krahns Antwort sagt alles.)

ZEIT ONLINE: Ist die Ära des deutschen Kraftfußballs endgültig vorbei?

ZEIT ONLINE: Wie hat sich der Frauenfußball verändert?

DGDWZ: Die erste Frage ohne eine negative Konnotation. Aber das einseitige Spracherlebnis geht weiter.

ZEIT ONLINE: Das erste Spiel gegen die Niederlande guckten rund sechs Millionen Deutsche, was wohl auch mit dem Werbespot des ZDF zusammenhing. Der hat hierzulande für Wirbel gesorgt. Was haben Sie davon mitbekommen?

DGDWZ: Also wollen Sie damit sagen, dass niemand das Spiel der Frauenfußballnationalmannschaft geguckt hätte und sich niemand dafür interessiert? Dumm nur, dass die Fakten gegen diese Vermutung sprechen. 2011 waren (Zahlen beruhen auf einer Präsentation von Dr. Heinz Gerhard) fünf der sechs meist gesehenen Fernsehereignisse in Deutschland Spiele der Frauenfußballweltmeisterschaft. Die Zuschauerzahlen schwankten damals zwischen 15,41 und 17,01 Mio. Wenn überhaupt wird nicht genug (positive) Werbung für den Frauenfußball betrieben, um abermals solches Interesse zu erzeugen (siehe oben).

Krahn: Das habe ich nur nebenbei mitbekommen und mich nicht damit beschäftigt. Ich konzentriere mich hier aufs Fußballspielen und alles andere interessiert mich in sehr geringen Maßen.

DGDWZ: Damit könnte man das Thema abhaken, da sich die Spielerinnen schließlich auf das wichtige Spiel gegen Italien vorbereiten sollten… aber nein!

ZEIT ONLINE: Fällt es unter solchen Umständen nicht umso schwerer, sich auf die Spiele zu konzentrieren?

ZEIT ONLINE: Auch nicht, wenn wieder auf dem Rücken der DFB-Frauen eine Sexismus-Debatte ausgetragen wird?

Krahn: Das liegt ja an Ihnen und Ihren Kollegen, die uns immer wieder versuchen, darauf anzusprechen. Mich interessiert es nicht.

ZEIT ONLINE: Also sind Sie genervt?

Krahn: Es nervt mich, wenn Sie mich jetzt weiter danach fragen.

DGDWZ: Und dann hat man bei der “Zeit” noch den Nerv diese Aussage als “Überschrift” zu wählen.

ZEIT ONLINE: Ist die gute Stimmung, die Lockerheit nach der schwierigen Gruppenphase jetzt dahin?

ZEIT ONLINE: Fürchten Sie nach den bisherigen Spielen, dass die Mannschaft der nervlichen Belastung eines Alles-oder-nichts-Spiels nicht standhält?

ZEIT ONLINE: Obwohl Sie so viele junge Spielerinnen haben?

DGDWZ: Wirklich? Das ist die letzte Frage?

Via Flicker by Thomas Rodenbücher

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Wenn man Annike Krahn als echten Gesprächspartner behandelt, kann sie auch freundlich und informativ. Zu einem Interview gehören allerdings immer mindestens zwei…

Wir fassen zusammen: Die jungen Spielerinnen haben allesamt ein schwaches Nervenkostüm, die gute Laune könnte dahin sein, die VON DEN MEDIEN auf die Mannschaft gezwungene Sexismusdebatte sorgt für Konzentrationsschwierigkeiten, die anderen sind besser geworden und in Deutschland ist eine Ära zu Ende gegangen, man ist verkrampft, ruft nicht alles ab und als Sahnehäubchen könnte man meinen, dass die Ernsthaftigkeit fehlt.

Da kann man ja nur noch zum Strick greifen und dem Trauerspiel ein Ende machen! Wenn ein Interview ein solch negatives Bild auf die Frauennationalmannschaft wirft, dann ist es vielleicht ganz gut, dass das temporäre Interesse der Medien an der Frauennationalmannschaft sich auf die Sommerlöcher beschränkt. Kaum auszudenken, wie viele negativ konnotierte Fragen die Sören Maunzes dieser Nation noch für die Mannschaft parat hätten, ohne auch nur eine menschliche oder freundliche Frage einzuschieben. Manch einer mag diese hier dargestellte Form von Journalismus effizient nennen. Ich empfinde sie als takt- und respektlos gegenüber dem jeweiligen Gesprächspartner.

 

 

EA Star Wars: The Clusterfuck Wars

 Eine halbe Stunde unseres Lebens diskutieren die Grand Monsieurs der Spielebranche (Walde, Jojo et Moi) unter anderem darüber, dass es eine Chance sein kann, dass LucasArts nicht mehr selbst Star-Wars-Games entwickeln wird. Wir haben darauf hingewiesen, dass inzwischen sowieso die meisten Titel außer Haus zusammengestellt worden sind. Man wundert sich also schon kaum mehr, dass ein Kanon nirgends in Sicht ist und sich ein echtes Frankenstein-Monster-Bild ergibt, wenn man nach Konstanz in Star Wars Titeln sucht.

 Aber Konstanz soll dem Spieler jetzt garantiert werden, da mit EA ein großer, Profit orientierter und dabei auf Risiken verzichtender Konzern gewählt wurde. Das passt ins Schema von Mutterkonzern Disney und soll überhaupt kein Vorwurf sein. Wenn man Star Wars für viel Geld kauft, dann will man damit natürlich noch mehr Geld einspielen. So funktioniert Kapitalismus.

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 So schaut’s aus! By Dekuwa

 Die gute Nachricht ist hierbei natürlich, dass EA wiederum selbst gefühlt nichts entwickelt. Anstatt dessen werden talentierte Studios wie Dice und Visceral gefördert… und kreativ in den Ruin getrieben. Dice wurde eine Fortsetzung zum viel versprechenden „Mirror’s Edge“ versagt und wer Visceral nach dem Generik-Shooter namens „Dead Space 3“ noch ernst nehmen will, der weiß wo die Tür ist.

 Natürlich ist EA nicht allein damit, aber sie sind einer der Vorreiter, wenn es darum geht Spiele für jedermann und niemanden in Auftrag zu geben. Das zeigte sich wohl am eindrucksvollsten anhand der Mass Effect Reihe von Bioware, die wie Visceral und Dice inzwischen EA gehören. Aus einem Rollenspiel mit Action-Anteilen wurde immer mehr ein Korridor-Shooter mit einem seichten Level-System und Waffen-Konfiguration.

 Und warum wird man sich überhaupt an Mass Effect erinnern? Weil das Gameplay so unglaublich knackig war? Ich hoffe, ihr habt gerade keine Milch getrunken, die euch wieder zur Nase herausgekommen ist. An den unendlichen Clipping-Fehlern auf allen Plattformen (aber besonders auf Konsolen) liegt es auch nicht, dass wir Mass Effect einen rechtmäßigen Platz an der Sonne geben. Mass Effect hat uns die Illusion gegeben, dass wir eine Geschichte mitgestalten.

 Und Tatsache: In Teil 1 haben wir über Leben und Tod entschieden. Die Krogans haben Shepherd bis in den dritten Teil hinein nicht vergeben und man muss Kaiden oder Ashley zurücklassen. Das hat gesessen! Und was passiert in Teil 2? Abgesehen davon, dass eine sehr gute, aber völlig isolierte Story erzählt wird, kann man jeden retten und wenn nicht, dann ist das auch nicht schlimm. Schließlich spielt die Party aus Teil 2 im nächsten Teil nur eine bedingte Rolle.


Wenn selbst die Werbung etwas Neues probiert, anstatt immer nur den gleichen Cinematic-Schmarn

 Damit auch ja jeder das Spiel genießen kann und nicht für Fehler bestraft werden will, wurde das Spielprinzip der gewichtigen Entscheidungen so abgestumpft, dass man gute und schlechte Entscheidungen nur noch der Paradigmen zu Liebe traf. Der Tiefpunkt der Narration wurde erreicht, als man sich im dritten Teil entscheiden muss, ob man einen potenziellen Verbündeten rettet oder mit einem alten Kameraden in Sicherheit flieht. Entscheidet man sich für den Verbündeten, dann opfert sich der Kamerad. Endlich wieder Emotion, Tiefgang und Konsequenzen? Von wegen! Fünf Minuten später steht euer Kamerad blutüberströmt bei euch und natürlich kommt er durch. ZUM KOTZEN!

 Anhand dieses Beispiels werden mehrere Dinge deutlich, die wir bereits in Podcasts besprochen haben. Zu viele Fortsetzungen laufen selten darauf hinaus das Spielsystem zu verbessern (wie es z.B. „Dark Souls“, „XCOM: Enemy Unknown“ und „Infamous 2“). Es wird eher darauf geachtet, wie man möglichst effektiv noch mehr Einheiten als vorher verkaufen kann, was zu schwammigen Erlebnissen führt, die am Ende kaum noch eigene Identität bewahren.

 Ich bestreite nicht, dass ich glaube, dass wir einige gute Star Wars Spiele bekommen werden. Ich gehe aber auch fest davon aus, dass EA Reihen herausbringen wird, sowie unsägliche Spiele zum Film. Man muss bei den guten Spielen allerdings nicht gleich ausrasten, denn EA hat bewiesen, dass sie Reihen qualitativ in den Ruin treiben. Im besten Fall wird es ein ewiges Auf und Ab, wie es im Sport-Sektor zu beobachten ist (so macht FIFA z.B. nur alle drei Jahre einen echten Schritt nach vorne und liefert sonst nur Patches, die zum Vollpreis verkauft werden).

 Das größte Problem an diesem Clusterfuck ist allerdings nicht EA. Es ist auch nicht ihre Entscheidung so abgestumpfte Spiele zu produzieren, denn die Verkaufszahlen geben ihnen recht. Und das sollten sie nicht! Es kann doch nicht so schwer sein, ein beschissenes Spiel NICHT zu kaufen. Wenn wir nicht aufhören, diese Spiele zu unterstützen, dann werden wir auch immer seltener Spiele bekommen, die tatsächlich eine eigene Idee und ein eigenes Gefühl vermitteln wollen.

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Als Ideen noch nicht alle Mainstream waren… By Library Of Congress 

Der letzte „Watch Dogs“ Trailer hat ziemlich deutlich gezeigt, dass es wohl doch nur auf eine Mischung aus „Assassin’s Creed” und „GTA“ herausläuft (und einer Prise “Arkham City”… GADGETS!). Ein Open-World-Game ohne Ballerei? Wo kommen wir denn da hin? Aber das ist konsequent und richtig, da ein Gameplay, das rein auf Stealth und Hacking ausgelegt ist, anscheinend nicht genug Einheiten verkauft.

 Fasst euch bitte selbst an die Nase und bringt euch ein. Schreibt Developern und tut euren Unmut kund. Selbst so weltfremde Riesen wie Square Enix scheinen ansatzweise aus ihren Fehlern zu lernen, wenn man die Entwicklung der FF-XIII-Reihe und Final Fantasy XIV beobachtet. Wenn niemand ihre Produkte kauft/sie weit hinter den Erwartungen zurückbleiben, dann muss gehandelt werden. Wenn ihr nicht wollt, dass irgendwelche Marketing-Heinis diesen Prozess vorantreiben, dann müsst ihr selbst Hand anlegen.

 Wenn nicht, dann dürft ihr euch auch nicht wundern, wenn Star Wars eine der vielen Reihen wird, die in einem gesichtslosen Clusterfuck aus Profit und Stromlinien endet, weil es niemanden mehr interessiert, was man mit einem Spiel eigentlich aussagen und wenn man damit erreichen möchte.

Vom Mädchenflohmarkt und Biologismus

Irgendwann am Anfang dieser Kolumne habe ich mal was zu einer blöden Schimpansenreferenz geschrieben, die ich im Zusammenhang mit einer Party gehört hatte. In besagter Referenz versuchte jemand mit dem Verweis auf eine Studie zu Menschenaffen argumentativ zu bestätigen, dass Männer* und Frauen* biologisch unterschiedliche Hobbys und Interessen haben. Da männliche Affenbabys eher nach Autos und weibliche nach Puppen greifen, sei es doch klar, warum Frauen und Männer unterschiedliche Berufe bevorzugen… Dazu fällt mir eigentlich mittlerweile nur großes Augenrollen ein.

by Frans de Waal via Wikimedia Commons

705px-Young_male_chimpSo sehen sie aus, unsere Verwandten.

Obwohl Äußerungen wie diese mich am Meisten ärgern und (ja) auch aufregen, bin ich hier nie konkreter darauf eingegangen – andere Themen hatten bisher einfach Vorrang. Nichtsdestotrotz kam mir vorgestern Abend als erstes diese Schimpansenkacke (verzeiht meine Sprache) in den Sinn, als ich auf die Facebook-Seite des Mädchenflohmarktes in Trier stieß. Auch wenn die Illusion, dass wir in unserem ach so tollen Land heute alle gleichberechtigten sind, bei mir schon lange gestorben ist, bin ich immer wieder fasziniert bis tief schockiert, was tagtäglich passiert in unserer vermeintlich aufgeklärten Republik.

Natürlich werden schon jetzt einige Aufschreien und sagen: „Warum schreibst du denn bitte zu diesem Thema? Gibt es nicht grad wichtigere Sachen, die diskutiert werden müssen?“ Und mein erster Impuls ist zu sagen, ja es gibt andere Themen, die mir noch mehr Bauchschmerzen bereiten, z.B. das schreckliche Beispiel für rape culture in den amerikanischen Medien zur Zeit oder die noch nicht so weit entfernte (in vielen Aspekten total indiskutable) Diskussion um Sexismus in Deutschland vor einigen Wochen. Nichtsdestotrotz möchte ich diesen Post dazwischen schieben. Denn auch so ‚harmlose‘ Veranstaltungen wie der Mädchenflohmarkt sind Teil des Problems.

Sie verhärten Geschlechterklischees und zementieren nicht nur das binäre Geschlechtersystem, sondern tragen einen großen Anteil daran, dass die Vorstellung von geschlechterspezifischen Interessen weiter bestehen bleibt. Gerade, weil sie so vermeintlich harmlos sind und es doch nur um Spaß und einen tollen Tag gehen soll.

Hier also der Text, der mich zusammen mit dem Titel und der konkreten Ankündigung einer ‚Jungsecke‘ mehr als stutzen ließ:

Hast du Fehlkäufe oder Klamotten im Schrank, die dir nicht mehr passen, aber zu schade sind um nur da zu hängen? Machst du selber schöne Dinge, die du gerne einem größeren Publikum zeigen und verkaufen möchtest? Brauchst du neue Schmuckstücke und Vintageschätze für deinen Kleiderschrank?

[…]

Kaffee, Kuchen und schöne Musik gibt es auch. Eine gemütliche Jungsecke für die mitgebrachten Boys wird auch eingerichtet.

Bevor ich detailliert auf meine Bauchschmerzen eingehen will, eine klare Ansage vorne weg. Ich liebe Flohmärkte, gehe seit dem ich mich zurück erinnern kann auf diese und finde die Idee einen solchen Markt mit dem Schwerpunkt auf Klamotten und Selbstgemachtem zu veranstalten herrlich, vor allem in einer kleinen Stadt wie Trier, wo die Auswahl an guten Flohmärkten beschränkt ist.

ABER!

Erstens: Was soll der Titel?

Mein erster Gedanke war: Klar das ist vielleicht eine empowerment Geschichte. Eine Art Schutzraum für Mädchen vielleicht? Oder eine Möglichkeit Kreativität zu fördern und anzuregen? Auch dann hätte ich Einwände, aber zumindest würde ich die Idee des Titels verstehen. Dann recherchierte ich aber ein bisschen, schaute mir die Seite genauer an und stellte fest, dass es sich bei dem Mädchenflohmarkt um eine Veranstaltung handelt, die schon in verschiedenen Städten stattgefunden hat und stattfindet. Und zwar immer mit dem gleichen Tenor, zwar geht es eigentlich um einen Kleider/Designerflohmarkt, aber aus irgendwelchen Gründen benennen die Organisator*innen das Ganze mit dem erwähnten Substantiv. In Erfurt wird zumindest darauf hingewiesen, dass nur Frauen* verkaufen/tauschen dürfen. Vielleicht spielt dort empowerment doch eine Rolle. Aber ansonsten wird dies nicht weiter thematisiert.

Ich frage mich ernsthaft warum mensch unter dieser Prämisse eine solche Veranstaltung auf diese Art und Weise bewirbt? Klar, jetzt wird schnell das Argument Zielgruppe kommen, aber das finde ich nicht überzeugend. Was ist mit Mode begeisterten Männern* oder mit Trans*menschen? Diese werden mit diesem Titel der Veranstaltung eindeutig ausgeschlossen. Und wieso muss wiedermal ganz klar kommuniziert werden: Shoppen? Pff, das ist was für Mädchen!

Womit wir zum zweiten Punkt kommen: Mädchen? Wirklich?!

Von dem Publikum, das auf den Bildern einiger dieser Veranstaltungen in anderen Städten zu sehen ist, handelt es sich weniger um Mädchen (Kinder und Teenager), die das Ganze betreiben, an den Ständen stehen und die Veranstaltung besuchen, sondern um Frauen*! Also erwachsene Menschen. Was ist es mit unserer Gesellschaft, die das Bedürfnis hat Frauen als Mädchen zu bezeichnen? Mensch sollte sich bewusst machen, dass diese Tradition nicht von ungefähr kommt. Es gehört zum Kern der Problematik, dass Frauen historisch nicht als vollwertige Menschen gesehen wurden. Sie wurden bevormundet, Kindern gleichgesetzt und als nicht fähig bezeichnet ihr eigenes Leben zu bestimmen.

by Bundesarchiv via Wikimedia Commons

WahlkampfIch bin sehr froh, dass sich unsere Urgroßmütter (und auch einige -väter) das nicht haben gefallen lassen!

Dem Universum sei Dank, ist seitdem einiges passiert, aber auch heute lebt dieser Geist fort. Beispielsweise in der Art und Weise wie Frauen* in der Werbung gezeigt werden. Mädchen werden übersexualisiert, Frauen verniedlicht und in kindlichen Posen fotografiert. Im Gegensatz zu Männern, die stets als stark dargestellt werden und die Dinge ‚im Griff‘ zu haben scheinen, also ihr Leben in die Hand nehmen und erwachsen sind, wird die Grenze zum erwachsenen Alter bei der Darstellungen von weiblichen Kindern und Frauen* verwischt. Und auch heute kommen in Diskussionen um Beruf oder andere Lebenssituationen noch Äußerungen wie: „Frauen, die können das einfach nicht, also biologisch“.

Und drittens: Die Jungsecke!?

Anscheinend ist das die Art und Weise, wie mit dem Konflikt aus dem ersten Punkt umgegangen wird. Aber das macht es wahrlich nicht besser. Denn wenn ich vorher Unbehagen hatten, dann wird damit endgültig der Heteronormativitätshammer geschwungen. Bier und Videospiele für Jungs und Kleider für Mädchen? Sind wir wieder in den 50ern? Da wird im Internet darüber diskutiert wie eindimensional und sexistisch die Darstellung von Frauen in Videospielen ist und genug Frauen* (und Männer*) erheben ihre Stimme um endlich einen gleichberechtigten Umgang in dieser Kultur pflegen und leben zu können und das passiert in Trier.

An dieser Stelle ist es wohl immer noch wichtig zu sagen: Geschlecht hat mit Interessen nichts, REIN GAR NICHTS zu tun!! Aber Sozialisation schon und Traditionen, die diese Vorstellungen aufrechterhalten. Wo wir übrigens wieder bei den Schimpansen wären bzw. biologistischen Erklärungsmustern zu unterschiedlichen Interessenfeldern. Erstens: Tiere haben bei dieser Diskussion rein gar nichts verloren, denn auch wenn die Übertragung solcher Ergebnisse von Affen auf den Menschen vielleicht noch Sinn machen könnte (weil nächste Verwandte), wird es spätestens bei Insekten und Vögeln mehr als kritisch. Tiere haben ihre eigene soziale Dynamik und diese zu untersuchen ist legitim, aber wenn wir über Menschen sprechen wollen, dann sollten wir uns Menschen anschauen und den Androzentrismus zu Hause lassen.

Werfen wir einen Blick in die Gesellschaft. Die Biologie hat wirklich eine beindruckende Geschichte von ‚wissenschaftlichen Untersuchungen‘, die beweisen, dass Frauen minderwertig gegenüber dem Mann sind. Und nein ich rede hier nicht nur über das 19. Jhrd. Werft mal einen Blick in die Werke von Anne Fausto-Sterling und seht euch an, was in den 80ern in den USA noch wissenschaftliche ‚Wahrheit‘ war.

Die Einstellungen, die hinter diesen ‚Forschungen‘ stehen, sind leider immer noch nicht verschwunden. Jede*r wird das Buch Warum Männer nicht zu hören und Frauen schlecht einparken kennen. Alles totaler Blödsinn! Warum ich das schreibe? Weil sich Dutzende Forschende hinsetzten und diesen Mist auseinander genommen haben, aber diese Bücher und Aufsätze kennen eben nicht alle. Weil es auch noch heute populärer ist geschlechtliche Unterschiede zu publizieren, als darauf hinzuweisen, dass es keinen signifikanten Unterschied zwischen Fähigkeiten bei Männern und Frauen gibt. Denn DAS entspricht den anerzogenen Erwartungen. Das Hauptproblem bei all diesen Untersuchungen (zur Zeit besonders verbreitet in den Neurowissenschaften) ist, dass davon ausgegangen wird, dass das biologische Geschlecht untersucht werden kann, als würde es in einem Vakuum existieren und als würden sich Wissenschaftler*innen komplett davon distanzieren können. Geschlecht gehört aber zu den Kategorien, die uns so nah sind wie nur wenige, weil sie unser Leben bestimmen. Jede*r von uns ist tagtäglich mit Geschlecht konfrontiert, wenn wir Menschen kennen lernen, im Gebrauch von Sprache, in medialen Diskursen usw. Niemand kann sich von dieser Kategorie frei machen und unvoreingenommen Forschen. So beginnt schon bei der Konzeption einer biologischen Untersuchung der Einfluss von Sozialisation und Erwartungshaltungen auf diese, indem es z.B. in einem Fragebogen nur möglich ist zwischen zwei Geschlechtern zu wählen. Und wieder: Was ist mit Trans*menschen, mit Intersexuellen und mit Menschen, die sich einer Zuordnung verweigern wollen?

Bisher zeigt die Auswertung unterschiedlichster biologischer Untersuchungen der vergangenen Jahrzehnte, dass je gleichberechtigter eine Gesellschaft ist, desto mehr verschwinden vermeintliche Unterschiede. Denn wenn alle den gleichen Zugang und die gleiche Förderung bei den unterschiedlichsten Interessen und Tätigkeiten erfahren, dann lässt sich eine klare Tendenz abzeichnen. Statistisch sind alle Geschlechter gleich gut.

„Da wird aber wieder eine Menge Krawall gemacht, bei einer total harmlosen Veranstaltung“, wird der*die ein oder andere sagen und natürlich haben die Organisator*innen des Mädchenflohmarkts (ob in Trier oder Graz) an diesen Fakten keine Schuld! Aber sie haben sich entschieden, diese Rhetorik zu wählen und sie haben sich entschieden ihre für mich eigentlich tolle Idee so zu bewerben und das zeigt leider, dass diese Vorstellungen und Annahmen anscheinend immer noch als normal empfunden werden. Und das finde ich mehr als problematisch, denn die Unterscheidung in zwei Geschlechter und die biologistische Annahme, dass Frauen eben lieber shoppen und Männer lieber Bier trinken ist der Anfang allen Übels. Wieder einmal wird eher der einfache, heteronormative und damit problematische Weg gewählt, als das ein interessantes Projekt als das beworben wird, was es nach der Beschreibung sein soll: ein cooler, junger Kleiderflohmarkt der jungen Designer*innen und DIY-Menschen den Raum gibt schöne Dinge an den Menschen zu bringen.

(Update: hier geht´s übrigens weiter zu einem Artikel, der ein Statement der Organisatorin enthält)

via purpi_purp

Aber, ich als Frau…

Ich finde ja Diskussionskultur und Mediendiskurse spannend. Es ist faszinierend zu beobachten, wie Menschen mit einander reden, streiten und argumentieren. Und das Tollste ist, dass das Thema eigentlich egal ist, denn bestimmte Muster wiederholen sich immer wieder. Oft wird egal wie toll mensch für seine*ihre Sache spricht, nicht die ganze Argumentationskette gehört, sondern, eh man sich versieht, wird sich ein Glied der Kette herausgepickt und darauf herumgehackt (meist das bemühte Beispiel mit dem ein Zusammenhang erklärt werden sollte) und die Kette selbst verliert an Bedeutung und wird unsichtbar.

Sehr spannend werden solche Beobachtungen aber bei emotional aufgeladenen Themen, denn egal wie rational wir alle zu sein versuchen, sprechen wir über Politik, Religion oder auch Gleichberechtigung, dann beschreibt/diskutiert/analysiert mensch nicht nur eine Struktur, sondern einen Bereich, der jede*n irgendwie betrifft. Die nächste Steuererhöhung? Trifft auch deinen Geldbeutel (oder eben nicht). Die total inakzeptable Bemerkung eines*r Fraktionsvorsitzenden*in? Beleidigt deine Religion oder hebt sie hervor. Weibliche Menschen bekommen im Schnitt weniger Geld als männliche? Entweder du profitierst davon oder nicht.

Der Grund warum ich das hier lang und breit wiedergebe ist, dass mich eine Sache besonders aufregt, wenn mir der alltägliche Wahnsinn von Sexismus und Antifeminismus entgegenschlägt. Ein kleiner aber sehr sehr bedeutender Satz, der stets jegliches (noch so gute, wissenschaftlich untersuchte und verifizierte oder logisch durchdachte) Argument aushebelt.

„Ich als Frau finde aber nicht, dass…“

 Die drei Punkte könnt ihr beliebig ersetzen. Z.B. mit „… mich der generische Maskulin diskriminiert“, oder auch „… Werbung mit nackten übersexualisierten Frauen eine sexistische Gesellschaft schafft“. Die Liste ist endlos, oft begegnen einem*r auch Äußerungen wie „… es eine Quote geben sollte; Ich schaffe das auch allein, wenn ich mich genug anstrenge.“

Ich möchte hier niemandem absprechen Zweifel an bestimmten Fakten/Meinungen/Ideen usw. zu äußern und es ist natürlich total ok, wenn Frauen konkrete Probleme mit bestimmten feministischen Strategien haben, ABER:

  1. Es wird über Strukturen gesprochen. Auch wenn es natürlich nachvollziehbar ist, dass wir in solchen Auseinandersetzungen mit subjektiven Eindrücken argumentieren, sie spiegeln nun einmal eine von der entsprechenden Person gefilterte Realität wieder, bei der bestimmte Erfahrungen hervorgehoben werden und andere aus dem Gedächtnis verschwinden.
  2. Mit der Vorrede „Ich als Frau finde nicht…“, signalisiert man in Bezug auf Feminismus ganz klar: „Ich als Teil der diskriminierten Gruppe widerspreche dem Geäußerten“. Damit gibt frau der eigenen Aussage unglaublich viel Gewicht, da frau ja eine Betroffene ist, auch wenn eine subjektive Äußerung (also eine persönliche Erfahrung/Meinung oder ein Gefühlszustand) folgt. Jeder sexistische Blödmesch wird daraus aber den Schluss ziehen, dass jede*r der*die sich für Gleichberechtigung einsetzt, nur eine radikale Randgruppe darstellt, die nicht für die Masse der sich weiblich definierenden Menschen steht und dass das Alles ja nicht stimmen kann, wenn Frauen das nicht so schlimm finden, egal wie viel Relevanz die eben gefällte Aussage für die Diskussion hatte. Das ist sehr schade, denn immerhin versucht diese ‘radikale Randgruppe’ dafür zu sorgen, dass es Frauen, Männern, allen dazwischen oder außerhalb besser geht und das wir in einer gerechteren, selbstbestimmten und gleichberechtigten Welt leben. Besonders traurig wird die Sache aber, wenn diese Äußerung von Menschen geäußert wird, die zwar Teil dieser benachteiligten Gruppe sind, sich aber noch nie intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben.

    Katzen und Feminismus? Klar!
    via purpi_purp

  3.  An dieser Stelle wird nicht nur von mir, sondern auch von vielen anderen, die sich mit Gleichberechtigung beschäftigen, auf ‘gefühlte’ und ‘faktische’ Diskriminierung verwiesen. Es ist wirklich schön, wenn es da draußen ganz viele Frauen gibt, die sich gleichberechtigt und nicht-diskriminiert fühlen. Ich wünsche das niemandem und hoffe, dass kein Mensch egal ob männlich, weiblich oder keins von beidem sich jemals so fühlt! Ich als Mitzwanziger-Studierende fühle mich auch nicht jede Sekunde und Minute eines jeden Tages mit jeder Faser meines Körpers benachteiligt. Aber egal wie ich mich fühle, es ist irrelevant, wenn mensch sich die FAKTEN anschaut. Z.B. dass Frauen in Deutschland im Schnitt 23 % weniger verdienen, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Frauen sehr viel öfter von (sexueller) Gewalt betroffen sind, weibliche Olympiateilnehmerinnen anders behandelt werden als männlich oder von Frauen gesellschaftlich erwartet wird, dass sie die Kinder erziehen und/oder den Haushalt schmeißen, ganz zu schweigen von den negativen Reaktion, die immer noch folgen, wenn sich jemand offensichtlich keinem der beiden Geschlechter zu ordnen will/kann.

Und das ist nur ein Bruchteil einer langen, langen Liste an Fakten und Problemen, die noch immer unbestritten Teil dieser Gesellschaft sind.

Dieser kleine Satz, den ich da oben beschrieben habe, kann unter Umständen zu einer ziemlich beschissenen Legitimationsstrategie werden, die immer dann zum Greifen kommt, wenn es darum geht Sexismus zu rechtfertigen. Besonders offensichtlich wird diese, wenn mensch sich abermals dem leidigen Thema Werbung zuwendet. Auch wenn wir heute in einer gleichberechtigteren Welt leben, die zumindest in vielerlei Hinsicht sensibilisierter ist für Sexismus (dank der bösen ‘radikalen Randgruppe’), gehört Sexismus in der Werbung zum Alltag (siehe den Post von letztem Monat). Erfreulicher Weise beschweren sich sehr oft Menschen darüber. Unglücklicher Weise bekommt mensch nicht immer Antwort und wenn Antwort kommt, dann enthält sie oft Variationen dieses Satzes:

„Aber es waren doch ganz viele Frauen an der Kampagne beteiligt“

Ähh… und welche Relevanz hat das jetzt? Keine! Frauen sind nicht automatisch bessere Menschen und auch nicht automatisch antisexistisch oder für Sexismus in jeder Ausprägung sensibilisiert, vor allem wenn sie an äußere Zwänge gebunden sind wie z.B. ihr finanzielles Überleben, denn – Überraschung – in der Regel kommt es nicht gut an, wenn mensch darauf hinweist, dass die tolle Idee des*der Kolleg*in diskriminierend ist. Die Information, welche Person, welchen Geschlechts an einem/r Bild/Spot/Website beteiligt war ist unbedeutend, wenn es darum geht welchen Grad an Diskriminierung besagte Sache hat.

Zum Ende möchte ich noch eine Sache deutlich machen, dieser Post dient nicht dazu Frauen die Schuld an Sexismus zu geben. Diskriminierung wird von den privilegierten Unterdrückern reproduziert, aber eben auch von denen die sich unterdrücken lassen, indem sie nicht dagegen aufbegehren, indem sie es nicht thematisieren oder es verdrängen – kurz um, indem sie sich zu Mittäterinnen machen lassen. Hier geht es aber eben nicht um eine Schuldfrage, sondern darum zu sagen:

Bitte liebe Menschen Frauen da draußen, denkt nach bevor ihr diese (oder ähnliche) Floskel(n) benutzt und lasst euch nicht zu Komplizinnen sexistischer Kackscheiße machen.

via purpi_purp

“They know, that I know, that they know…”

Lasst uns über Werbung sprechen. Sie ist überall. Im Kino, im Fernsehen, auf dem Laptop, in den Straßen und in unseren Zeitungen. Und trotzdem, wenn man sich anmaß Kritik zu üben, vor allem an den unzähligen Beispielen für sexistische oder rassistische Werbung, hört man oft nur das hier:

„Das ist doch nur Werbung. Das hat doch keinen Einfluss auf uns.“

Voll darauf eingestellt mich tief in die Materie über Tieruntersuchungen und Rückschlüsse auf den Menschen einzuarbeiten (da ich das ja das letztes Mal angesprochen hatte), wurde ich letzte Woche auf dieses Bild von Triumph und SAP aufmerksam. Das liegt nämlich an der Uni Trier zum Mitnehmen aus (und wenn es an einer anderen Universität noch nicht ist, dann kann man laut der Internetseite von Triumph den Zuständigen einen E-Mail schreiben und somit dafür sorgen, dass es das gibt). Also ließ ich die Schimpansen Schimpansen sein, sortierte meine Wut und nahm den eingangs wiedergegebenen, bis zum Erbrechen gehörten Satz in den Blick. Denn was wir auf diesem Plakat sehen, ist sexistisch. Abermals sehen wir eine Frau ohne Kopf. Der Blick wird ausschließlich auf den Körper gerichtet, der wenig bekleidet ist. Wir sehen kein Subjekt – Wir sehen ein Objekt in Unterwäsche. Manch eine*r wird vielleicht aufschreien wollen und sagen: ‚Och nö, nicht schon wieder die radikale Feministin, das ist doch Unterwäschewerbung, da muss man doch die Unterwäsche zeigen!‘ Nix da! Um das klar zu machen, es geht nicht um BHs und Höschen, sondern um Positionen in der Softwarebranche, z.B. Berufe wie SAP ABAP Developer oder Intern for Project Management Office (PMO) Administration (und auch bei Unterwäsche kann man sich darüber streiten, ob die von Triumph auch in anderen Beispielen gewählte Darstellung die richtige ist). Nun könnte angemerkt werden, dass in der Werbekampagne die Partnerschaft der beiden Unternehmen deutlich gemacht werden sollen, aber ganz ehrlich, haben sie nicht mehr zu sagen? Ist es nicht besser mit Inhalten, den eigentlichen Berufen oder den Firmen selbst zu werben, anstatt wieder eine nackte Frau aufs Bild zu packen und sie komplett auf ihren Körper zu reduzieren?! Sieht man genauer hin, wird auch deutlich, dass die Reduzierung nicht nur auf ihren Körper, sondern hauptsächlich auf ihre Oberweite erfolgt.

Aber kommen wir zu der gängigen Reaktion auf Kritiken wie meine zurück. Zunächst, wer glaubt, dass Werbung keinen Einfluss auf uns hat, ist naiv und/oder blind, denn wie ich schon angedeutet habe, Werbung ist überall. Sie verkauft Dinge über Emotionen und über „Wünsche“, über das Versprechen glücklich zu werden mit diesem oder jenem Produkt. Aber darum geht und nur darum, um das Verkaufen! Dafür erzeugen die Werbefirmen diser Erde  Bilder und Stereotype. All das sehen wir tagtäglich. In Bezug auf Frauen ist das besonders krass, denn sie werden viel häufiger als Männer außerhalb eines Kontextes (z.B. Arbeit) gezeigt, sexualisiert und objektiviert. Dies erzeugt nicht nur ein Klima, in dem Frauen beständig über ihr Aussehen definiert werden, sondern auch eine Gesellschaft, in der Gewalt gegen Frauen zu Realität gehört. In dem sie zum Objekt werden, werden sie dehumanisiert. Natürlich kann nicht abgesprochen werden, dass es mittlerweile auch unzählige Beispiele für sexualisierte Männer in Werbekampagnen gibt, allerdings muss hier differenziert werden. Frauen erfahren eine passive Darstellung. Es lassen sich Ästhetisierung von Gewalt gegen Frauen finden oder Bilder, die klar signalisieren, dass die Frau immer ‚bereit ist‘ oder ‚bereit zu sein hat‘. Männer hingegen werden noch immer eher in dominanten und Stärke demonstrierenden Posen gezeigt. Natürlich muss der Fakt, dass Männer weiblich konnotierte Positionen verwehrt werden, thematisiert und kritisiert werden, aber nichtsdestotrotz gesteht man ihnen Stärke und Kontrolle zu, was Frauen in vergleichbaren Bildern verwehrt wird. Und ja, diese Zusammenhänge haben sich nicht irgendwelche bösen Feminist*innen ausgedacht, Studien belegen, das sexistische Werbung eine frauenfeindliche Gesellschaft befördern. Werbung reproduziert diese Gesellschaft und hat Anteil an vielen genderbasierten Problemen.

Grade im Zusammenhang mit Bildern, wie dem von Dolce und Gabbana, das ich oben verlinkt habe, kommen gern so Einwürfe wie: ‚Aber das ist doch nicht ernst gemeint‘ oder ‚Hier wird doch mit dem Klischee ironisch gebrochen‘. Ähm, nein?! Denn Ironie ist ja nur dann gut, wenn sie verstanden wird und leider in der Werbung zu oft eine Ausrede um einfach weiter sexistische Bilder zu verwenden. Aber zur Ironie und Retrosexismus in der Werbung hat Anita Sarkeesian von Feminist Frequency alles gesagt was gesagt werden muss.

In diesem Sinne. Ein Schweigeeinhorn für die Leute in der Werbebranche, die immer noch nicht gerafft haben, dass die Zeiten der Mad Men endgültig vorbei sind und nicht verstehen, dass sexistische (und genauso rassistische und homophobe) Werbung einfach nicht ok ist, nirgendwo und nirgendwann, auch nicht wenn es doch gar nicht ernst gemeint ist.

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