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Am Abgrund Links – Trier geht zugrunde und 4chan auch

Woche 12 des Jahres 2015. Die Menschheitsgeschichte hat viele Millionen Jahre auf dem Buckel. Trotzdem und gerade deswegen passiert jeden Tag etwas Besonderes. Hier die lesenswerten Dinge, die ihr hoffentlich noch nirgendwo sonst gelesen habt!

JOHANNES

  • m00t ist aus 4chan ausgestiegen. Wem dieser Fakt nichts sagt, kann ruhig weiterlesen. Wer allerdings schonmal von 4chan gehört hat oder – mögen die Götter seiner/ihrer Seele gnädig sein – gar dort war, der/die wird vielleicht stutzig. Immerhin ist dieser Mensch Gründer der berüchtigstens Seite im Internet. Wie Christopher Poole, so der bürgerliche Name des 4chan-Vaters, in einem Interview mit dem Rolling Stone berichtet, wurden Stress und die Anfeindungen aus der eigenen Community zuviel und Poole möchte sich zu neuen Horizonten aufmachen. Ich kann das sehr gut verstehen, wünsche ihm viel Glück und euch viel Spaß beim Lesen! (Via Nerdcore)
  • Fremde Welten lassen sich leider nur in unserer Fantasie erkunden. Neben Literatur, Film, Musik und Comics sind Videospiele ein wichtiges Tor, um fremde Welten zu besuchen. Eines der besten Beispiele für diese Möglichkeit von Videospielen ist das französische Ein-Mann-Projekt “Another World” gewesen. Robert Florence blickt in einer Video-Serie auf das Spiel zurück, welches auch ich nur empfehlen kann. Vorsicht: gnadenlos schottischer Akzent!
  • Der Tod ist immer eine traurige Angelegenheit. Vor allem, wenn er so liebenswert porträtiert wurde wie von Terry Pratchett. Ich habe viele Scheibenwelt-Romane gelesen und der größte Trost, den Pratchett-Fans wie ich haben können, ist, dass seine Geschichten auf ihre Art unsterblich sind und ihn damit ebenfalls unsterblich machen. Ein weiterer Autoren-Held meinerseits, Cory Doctorow, hat einen kurzen Nachruf geschrieben und zitiert darin Neil Gaiman, der ebenfalls Geleitworte für Herrn Pratchett verfasst hat.

MAX:

  • Nujabes? Nein, das kann man nicht essen. Der inzwischen seit 5 Jahren verstorbene Hip-Hop-Produzent aus Japan ist hierzulande wohl auch durch seinen Beitrag zum “Samurai Champloo”-Soundtrack bekannt. Mit einem Old-School-Sound ist der gute Mann auch heute noch zeitlos genießbar. Vielen Dank an meinen Kumpel Valentino, der mich an diese Musik erinnert hat.
  • Ihr mochtet XCOM und seid japanischem Zeichenstil nicht abgeneigt? Dann könnte auch für euch die Ankündigung von “Lost Dimension” aus dem Hause Atlus eine gute Nachricht sein. Ich sage nie nein zu guten Taktik-RPGs, auch wenn “Valkyria Chronicles” für meinen Gechmack ein wenig langatmig erzählt hat. Da Atlus jedoch neben RPG auf eine Visual Novel mit Entscheidungen setzt, sollte die erhöhte Einbindung des Spielers Spieler wie mich jedoch besser fesseln können.
  • Zum Abschluss leider schlechte Lokal-Nachrichten: In meinen Jahren hier in Trier ist mir zwar schon die ein oder andere gruselige Geschichte untergekommen, aber dass eine Minderjährige so nah am Bahnhof verbrannt aufgefunden wird… das ist hart. Ich will das nicht der Sensation wegen teilen, sondern weil ich hier verdammt noch mal lebe. Mir fehlen die Worte, passt auf euch auf.

Featured Image via Flickr by Kreg Steppe

Von der Kommune bis nach Europa

Demokratie ist schon Wahnsinn. Diesen Sonntag wird in Deutschland nicht nur bundesweit zur Europawahl aufgerufen, sondern auch zur Wahl der Kommunalräte in 9 Bundesländern. Die Wahlen zum neuen EU-Parlament dauern insgesamt vier Tage, kein Wunder, müssen doch die Stimmen in 28 Staaten ausgezählt werden. Das ist natürlich kein Vergleich mit den kürzlich geendeten Parlamentswahlen in Indien, die fast einen Monat in Anspruch nahmen. Wahnsinn.

Wahnsinn ist, angesichts dieser Riesenmühe, die sich viele Leute mit der Demokratie geben, nicht wählen zu gehen. Falls Ihr also schwankt, ob es sich heute lohnt, wählen zu gehen oder lieber daheim zu bleiben, dann lest doch mal, was wir vom Daran-geht-die-Welt-zugrunde-Team über das Wählen zur Europawahl denken:

Warum Max wählen geht:

Warum soll man eigentlich zur Wahl gehen? Es ändert ja doch nichts. Vielen Menschen scheint die Motivation zum Wählen gehen zu fehlen. Wer kann es solchen Leuten auch verübeln? Wählen gehen fühlt sich dieser Tage wie Lotto-Spielen an. Man investiert, im Fall der Wahl Zeit, Vertrauen und mal eben so die nächsten vier Jahre der BRD, in eine Partei und ist sich letztlich doch nicht sicher, was schließlich umgesetzt wird. Unterschiede zwischen CDU/CSU und SPD schwinden in der öffentlichen Wahrnehmung dank der großen Koalition sichtlich und überall schießen Parteien aus dem Boden, die meinen dass eine Grundidee genug sei, um Politik betreiben zu können.

GryphusR/flickr.com

democracy_2_GryphusRMan betrachte die Piraten-Partei, die mit einer faszinierenden Konsequenz am eigenen Stuhlbein sägt. Eine Partei, die unter anderem für moderne und sichere Kommunikation stehen möchte, versagt regelmäßig dabei, untereinander zu kommunizieren. Ständig tanzt jemand aus der Reihe und aus den Rittern des Gemeinguts werden plötzlich auch ganz banale Copyright-Verfechter. Im Abgeordnetenhaus des Berliner Senats brillierte so mancher Mittzwanziger damit, dass er Fäkalausdrücke aus seinem Mund rieseln ließ. All diese nicht kongruenten Aktionen haben dieser viel versprechenden Partei in den letzten Jahren viel Boden genommen. Sie wollen es vielleicht nicht hören, doch die Piraten sind längst nicht mehr so authentisch in der öffentlichen Wahrnehmung, wie sie sich gerne sähen.

Gleiches gilt für die Spaßfront der PARTEI, die es in letzter Konsequenz nur zu geben scheint, um die Idiotie unseres Wahlsystems darzustellen. Wenn die PARTEI jedoch wirklich glaubt, dass deutsche Wähler so dumm sind, dass sie jetzt dauerhaft an ihre Inkompetenz erinnert werden müssen, dann muss man sich nicht wundern, wenn diese blockieren und nicht wählen.

Aber an wem liegt es denn, das wir nicht wissen, wen wir wählen sollen? An den Anderen! Das liegt immer nur an den Anderen! Wie viele von euch informieren sich regelmäßig über die Partei-Programme? Wer von euch pflegt Kontakt zu den örtlichen Vertretern diverser Parteien? Kennt jemand von euch mehr als die ersten drei Artikel des Grundgesetzes? Sind sich alle bewusst, dass „christliche Werte“ missbraucht werden, um die Gleichstellung von Homo- und Transsexuellen, Frauen und weiteren Minoritäten zu untergraben?

Und das Argument, dass die eigene Stimme nicht zählt, ist in Anbetracht von Wahlbeteiligungen der letzte Witz! 45 Prozent aller möglichen Wähler haben sich zum Beispiel an Triers letzter Kommunalwahl beteiligt. Über die Hälfte der Stadt hat also keinerlei Ahnung von Politik. Das kann man anders nicht sagen. Würden die Leute sich tatsächlich darum scheren, wer an die Macht kommt, dann würden sie zumindest ungültig wählen und somit ihren Unmut kundtun. Nicht zur Wahl zu gehen ist kein Symbol, sondern es ist die Ablehnung von politischem Mitspracherecht. Allein die Nicht-Wähler der letzten Wahl in Trier hätten im Alleingang eine Mehrheit wählen können. Das muss man sich vor Augen führen!

Abschließend will ich darauf hinweisen, dass die Europawahl nicht minder nah an uns heran geht. Ich weiß nicht, wann einige das letzte Mal aus dem Fenster geguckt haben, doch Farbfernsehen hat sich durchgesetzt und das Commonwealth war einmal. Dieser Prozess namens Globalisierung findet jedoch tatsächlich statt und Deutschland kann nicht einfach nur als Deutschland bestehen. Wenn ihr allein im Supermarkt mal die Augen aufmacht und schaut, wo all diese Produkte herkommen, dann sollte euch auffallen, dass Deutschland nicht nur von sich selbst lebt. Die EU ist ein Miteinander und nur ein Sub-Verbund unter dieser gesamten Welt. Und wenn ihr nicht wollt, dass wir weiterhin südeuropäische Staaten aus der Grütze reiten müssen, dann informiert euch gefälligst und helft eine vernünftige Europapolitik zu kreieren!

Warum Anni wählen geht:

Warum gehst du wählen? Wenn der Durchschnittsmensch auf diese Frage antwortet, dann müsste sich die ehrliche Antwort irgendwo zwischen „weil man* das halt macht“ und „weil das meine Bürgerpflicht ist“ finden. Das impliziert auch, dass die meisten Informationen, die man* sich im Vorfeld besorgt, im Konsum der Wahlplakate begründet liegen. Denn sind wir (wieder) ehrlich, dann weiß man* ja so ungefähr wo die Grünen, die SPD, die CDU und wie sie alle heißen stehen.

Afagen/flickr.com

democracy_1_afagenLeider gilt für Wahlwerbung das Gleiche, was für jede andere Art von Bewerbung gilt – sie sagt uns nichts, was wir nicht schon wissen. Es ist nicht Inhalt, der hier transportiert wird, es ist ein Image.

Auch wenn ich mich selber in manchen Zeiten in diese Gruppe der „Durchschnittsmenschen“ zählen muss, sei es gesagt, dass diese Einstellung wahrlich nicht löblich ist. Vor allem in Zeiten, in denen durchaus neue Parteien am Horizont aufgetaucht sind. Manch eine dieser Vereinigungen hat Potenzial, doch nicht wenige sind in erster Linie gefährlich. Wer Angst und Hass in der Gesellschaft schürt, um selber eine Machtposition zu erlangen, geht definitiv den falschen Weg.

Es ist ohne Zweifel ein ehrenvolles Ziel, seine Stimme abzugeben um solche Kräfte von (zu viel) Einfluss abzuhalten. Leider zeigt die Wahlbeteiligung der letzten Jahrzehnte aber, dass diese Motivation oft nur bis zur Bundestagswahl reicht. Egal ob wir auf die kleinste (Kommune) oder die größte Ebene (Europa) gehen – das Privileg des Wählens scheint seine Attraktivität verloren zu haben.

Schaut man in die Geschichte, dann zeigt es sich, dass gerade hier der Hund begraben liegt. Das Private ist nicht ohne Grund politisch. Veränderung, Fortschritt und Gesellschaft beginnen immer bei jeder*m einzelnen. Gesellschaft ist letztendlich von Menschen gemacht.

Die Vergangenheit lehrt uns aber auch, dass wir froh über unser heutiges Europa sein sollten. Nicht weil es toller ist als andere Kontinente, sondern weil ein funktionierendes friedliches Europa, das Leben jedes*r einzelnen hier verbessert. Damit das so bleibt, müssen wir unsere Stimme hören lassen, in einen Dialog treten und Kompromisse eingehen.

Warum gehe ich also wählen? Weil es meine Bürgerpflicht ist. Damit Parteien wie die AfD keinen Einfluss nehmen können. Damit sich vor Ort die Dinge zum Besseren verändern und damit Europa sich weiterhin daran erinnert, dass gemeinsam besser ist als gegeneinander. Kurzum: Weil man das so macht.

Warum Johannes wählen  geht:

Noch nie in seinen 19 Lebensjahren war Mattis Koszlowski so angespannt. Schweiß tropfte ihm von der Stirn, als er angestrengt in den dunklen Tunnel blickte, an dessen schwach beleuchteter Kreuzung irgendwann ein Schemen auftauchen würde. Mattis versuchte, sich zu konzentrieren, so wie es ihm viele Male zuvor auch gelungen war. Aber irgendwas pochte da in seinem Hinterkopf. Er hatte etwas vergessen. Aber was?

Pryere/flickr.com

democarcy_3_PryereMit der Mission hatte es nichts zu tun. Er kannte die Umgebung. Wusste, dass der Tunnel zu einem quadratischen Raum führt, von dem Gänge in drei Richtungen abführen. Zusätzlich gab es eine kurzen Gang im langen Tunnelabschnitt, aber den hatte Mattis ebenfalls abgedeckt. Seine Kameraden warteten an einem Ausgang des Tunnels auf dem Balkon und schützten diesen Bereich ebenfalls. Alle Ausgänge waren abgedeckt. Gleich müsste der Kontakt kommen. Dann brauchte Mattis jedes bisschen an Denkkraft, die er hatte. Die ganze Zeit aber, schon vor Beginn der Mission, hatte er dieses nagende Gefühl. Was hatte er vergessen?

Die Stimme in seinem Ohr meldete sich: „Kontakt! Sofort schoss das Adrenalin in Mattis Körper. „Scheiße, die haben AK’s! Fuck!“ Sturmgewehre! Woher hatte der Gegner die Mittel? Es konnten nicht viele Gewehre sein, maximal eins oder zwei. Aus der Entfernung hörte Mattis die Schüsse der Pistolen und Gewehre. Er sah kurz auf seine eigene Waffe hinab. Eine Maschinenpistole, Typ MP5. Nicht spektakulär, aber vielleicht konnte ihre Feuerkraft die fehlende Wirkung wettmachen.

„Shit, uns hat es erwischt, wir sind raus!“ Mattis Kameraden waren gefallen. Nun war nur noch er übrig. Ein Mann, gegen drei oder vier Männer. Wie konnte er sich gegen sie behaupten.

Da erschien kurz ein Schemen im Tunnel. Krachend schlugen drei Kugeln in der Mauer neben ihm ein. Mattis feuerte einen kurzen Stoß aus seiner Waffe, traf aber nicht. Dann hörte er, wie etwas metallisches auf dem Steinboden aufschlug und vernahm ein leises Zischen. Sofort drehte sich Mattis vom Tunneleingang fort, hin zum Torbogen zu seiner linken. Von dort würde der Gegner kommen, der Tunnel war nur ein Ablenkungsmanöver. Tatsächlich nahm er eine Bewegung auf der Rampe, die von einer Unterführung zu einer T-Kreuzung führte, war. Er visiert an und feuerte. Treffer, aber der Gegner war nur verletzt. Gerade als Mattis ein zweites Mal zum Feuern ansetzte, hörte er das schmatzende Geräusch einer Klinge, die in sein Fleisch eindrang. „Nein!“ schoss es ihm durch den Kopf, als er zu Boden sank, seine nutzlose Waffe neben sich im staubigen Boden. Das letzte, was er hörte, war eine blecherne Stimme in seinen Ohren. „Terrorists Win“.

Mattis Koszlowski riss sich das Headset vom Kopf und schmetterte es auf die Tastatur. „Fuck!“ brüllte er. Seine Teamkollegen saßen mit verbitterten Gesichtern neben ihm. T34m Dom1n4nc3 hatte gegen Kraut’n’Strike verloren, das Preisgeld war dahin, der Clan konnte vom Turnier abreisen. Und dass auf de_dust, einer Karte, die sie stundenlang geübt hatten! „Fuck!“ wiederholte sich Mattis, diesmal leise. Sein Kollege klopfte ihm auf die Schulter. „Nächstes Mal…“ versuchte er Mattis erfolglos zu trösten.

Als Mattis Aufstand, um kurz Luft zu schnappen, hatte sich eine Menschenmenge vor einem Fernseher versammelt. Neugierig und um sich von der Niederlage abzulenken, schaute Mattis nach, was der Grund für den Auflauf war. Auf dem Fernseher liefen Nachrichten.

„… demokratischen Parteien herbe Verluste eingefahren. Die euro-skeptischen und – man muss es so sagen – rechten Parteien werden somit im neuen EU-Parlament die Mehrheit haben. Und auch die Kommunalwahlen in den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen, Baden-Württemberg, in Hamburg und im Saarland liefern erschreckende Ergebnisse: Eine Koalition aus NPD und den verschiedenen Pro-Parteien haben große Teile der Rathäuser erobert. Schuld daran ist die historisch niedrige Wahlbeteiligung von durchschnittlich knapp 25 Prozent.“

Mattis kramte sein Smartphone hervor. Wie stand es um Trier? Nach kurzer Suche musste er sich zunächst setzen. Die NPD würde den nächsten Bürgermeister stellen.

Jetzt fiel ihm auch ein was er vergessen hatte. Statt an diesem Sonntag wählen zu gehen oder wenigstens Briefwahl zu beantragen, hatte er sein demokratisches Recht und seine bürgerliche Pflicht schlicht vergessen. Er war mit seinem Kollegen lieber auf ein Counter-Strike-Turnier gefahren, als Europa und seine Heimatstadt vor den neuen Faschisten zu schützen. Eine neue Nachricht erschien in seinem Feed. Eine Bombe war im Asylbewerberheim in Trier explodiert, mehrere Tote, die Feuerwehr und Polizeit waren durch einen bereits vorher ausgebrochenen Brand in einem Wahllokal in Trier-Süd beschäftigt.

Mattis schluckte, legte das Smartphone auf den Boden und legte den Kopf in die Hände. Dann hörte er wieder diese blecherne Stimme, als verfolge sie ihn über das Spiel hinaus.

Terrorists win.

V für Verachtung

Sucht man nach Parteien, die mit ihren Wahlplakaten tatsächlich noch Aufsehen erregen, dann muss man sich auch weiterhin links und rechts des politischen Zentrums umschauen. Selbst die Piraten haben ordentliche, fast schon zahme Wahlplakate auf denen eine Forderung (z.B. „kein Überwachungsstaat“) neben einem unbekannten, lächelnden Gesicht auftaucht. Das tut keinem weh, macht bei genauerem Nachdenken strukturell aber fast genauso wenig Sinn wie das CDU-Bashing der Grünen oder das ALLE-Bashing der AfD.

Anstatt dem Wähler politische Botschaften mit visueller Untermalung zu präsentieren, bleibt es am Ende oft dabei, dass man versucht andere durch den Kakao zu ziehen oder zu wichtigen Themen nicht mehr zu bieten, als charmant in die Linse zu glotzen. „Nicht mit uns“, mag sich die Linke gedacht haben, die auf Wahlplakate mit deutlichen Forderungen setzt. Wie diese zu bewerkstelligen sind, bleibt dahingestellt. Aber immerhin wird in diesem Fall klar ausgesprochen, warum man die Partei wählen sollte. Ob die Versprechen eingehalten werden, ist natürlich wie immer ohne Gewähr. Es geht gerade lediglich um das Prinzip, bevor einige Leser schon jetzt Heugabeln und Fackeln auspacken, um einen vermeintlichen Pro-Linke-Artikel wie eine Sau durchs Dorf zu treiben.

Für das eigentliche Thema dieses Artikels sollten wir zunächst zurück ins Jahr 2011 gehen, als die NPD sich mit linguistischer – nennen wir es euphemistisch – Raffinesse um eine Klage wegen Volksverhetzung (Strafgesetzbuch, §130) wand. Mit Wahlsprüchen wie „Gas geben!“ fing der Spaß erst an. Das unbestrittene Meisterwerk der Wahlplakate 2011 war das Stück „Guten Heimflug“. Ohne Zweifel haben die zuständigen Tüftler dieses Wahlplakats sich Gedanken gemacht, wie man mit Stereotypen und Zynismus ausländerfeindlich sein kann, sodass es jeder versteht, aber niemand aufgrund der Rechtsgrundlage offiziell klagen kann.

Via endstation-rechts.de

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Ohne Worte…

Diese rhetorisch und sprachlich nicht unbedingt anspruchsvolle Schlagfertigkeit hat die NPD auch dieses Jahr wieder zu Tage gefördert. Das Plakat „Maria statt Scharia“ prangt mit aschblonder junger Frau über dem Namen Maria und daneben einer vermummten Frau. Damit auch jeder versteht, was die großteils wahrscheinlich nicht mal blonden NPD-Mitglieder sich in Deutschland wünschen, ist dieses Plakat genau das Richtige. Aber trotz dieses kleinen Stolpersteins muss man aus rechtlicher Perspektive abermals sagen: „Chapeau!“ Obwohl einige Städte die NPD aufgefordert haben Wahlplakate abzuhängen, sind rechtliche Konsequenzen wohl auszuschließen.

Warum? Nun, dass jeder normal denkende Mensch die Ausländerfeindlichkeit in besagten „Maria“- oder auch „Geld für Oma, statt für Sinti und Roma“-Plakaten erkennen kann, reicht für einen Rechtsstaat nicht. Wir haben nun einmal Redefreiheit. Und leider reicht es zu behaupten, dass man ja nur aussagen wollte, dass man den Namen Maria und blonde Mädels hübscher findet und dass die arme Oma eher Geld bekommen sollte als die Zigeuner. Das sei doch bloß die eigene Meinung, die nichts mit zufällig übereinstimmenden Rassismus-Gedanken zu tun hat.

Die Schlingel von der NPD könnten sich am Ende sogar hinstellen und aus juristischer Sicht mit Recht sagen, dass es erst die ganzen Gegner der NPD seien, die das rechtsradikale Gedankengut in ihren Botschaften suchen und so unter die Leute bringen. Dieser Gedanke muss erst einmal gut verarbeitet werden, wenn man weiterhin die Hoffnung hegt, dass die NPD verboten werden könnte. Solange sie auf diesem Niveau arbeiten, gibt es keinen rechtlichen Grund sie zu verbieten. Es bleibt beim mahnenden Zeigefinger und der Aufforderung, die einer Bitte(!) gleichkommt, dass man doch bitte seine Plakate wieder abhänge.

Via Facebook

maria statt scharia

Sind das die Weltbilder, die wir in unserer Gesellschaft zeichnen möchten?

Seit einigen Tagen stehen die Wahlplakate der NPD allerdings im Schatten einer moralisch noch fragwürdigeren Kampagne. Kondome mit der Aufschrift „Für Ausländer und ausgewählte Deutsche“ wurden zusammen mit einem Schreiben landesweit verteilt (ähnlich wie die Plastik-Embryos des katholischen Vereins „Durchblick“). Dank des nichtssagenden Slogans „Hose runter, Gummi drauf!“ und der letztlich unausgesprochenen Aufforderung sich nicht weiter zu vermehren, wird auch diese Kampagne in der Grauzone unseres Rechtssystems verebben. Tatsache ist, dass im vorliegenden Fall kein Straftatbestand erfüllt wird.

V für Verantwortung

Aber wo wollen wir mit solchen Feststellungen hin? Sollen wir den Rechtsstaat absetzen? Auch wenn (konstruktive) Kritik immer gern gesehen ist, fehlt es weiterhin an brauchbaren Alternativen. Rede- und Meinungsfreiheit sind ein schmaler Grat, der nicht vorsichtig genug angefasst werden kann. Wenn man die – zugegebenermaßen unmöglichen – Standpunkte der NPD verbietet, dann lädt der Staat sich selbst dazu ein, die Einschränkung jeglicher von der Norm abweichenden Meinungen voranzutreiben.

Das heißt jedoch nicht, dass man solche Kampagnen, wenn sie unseren moralischen und ethischen Verständnissen klar widersprechen, einfach hinnehmen soll. Vielmehr soll die dargelegte Tatsache, dass man nicht einfach auf einen Rechtsspruch des Staates warten kann, ermutigen selbst zur Tat zu schreiten und Toleranz, Normen und Werte in seinem Umkreis zu leben und zu fördern. Damit ist keine Selbstjustiz gemeint, sondern seine eigenen Standpunkte deutlich zu vertreten.

Genau dies ist es schließlich, was die NPD auf ihre Weise tut. Lautstark tun Menschen – wenn auch hinter der sicher erscheinenden Maskerade einer Partei – kund, was sie von Ausländern halten. Das einzig Produktive, was Gegner dieser Ansichten tun können, ist mit eigenen Idealen dagegen vorzugehen. Die Mitmenschen davon zu überzeugen, dass Dinge wie Herkunft, Kultur und Sexualität keine unumstößlichen Gründe sind, um sich voneinander Abzugrenzen und somit überhaupt erst ein hierarchisches Denken zuzulassen, ist die fortbestehende Aufgabe unserer Gesellschaft.

Via Flickr by Alexander Svensson

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Strikte Trennung von Menschen gehört in Zeiten der Globalisierung in die Tonne getreten

Was hilft es, wenn wir Artikel verfassen, die selbst mehr auf den Hass gegen solche Kampagnen und Weltansichten konzentriert sind, als die Leser dazu anzuhalten, das Gesellschaftsbild selbst in die Hand zu nehmen und zu formen. Was in den Wochen vor der Bundestagswahl wie eine von vielen Floskeln klingt, ist und bleibt genau eine solche, wenn der Einzelne sich weiterhin hinter dem Staat versteckt, anstatt selbst etwas für die öffentliche Wahrnehmung zu tun.

Gerade jetzt, wenn Fragen um Datenschutz und Überwachung wieder mehr in den Mittelpunkt der allgemeinen Interesse rücken, wäre es das absolut falsche Signal vom Staat zu fordern, dass er uns unsere Möglichkeit der freien Meinungsentfaltung nehmen soll. Wenn wir – das Volk, die Bürger oder wie man sich selbst gerne betitelt – weiterhin mit erdrückender Mehrheit solchen Kampagnen und damit in Verbindung stehenden Weltansichten wie „Hose runter, Gummi drauf!“ mit Verstand und Gewissenhaftigkeit entgegentreten, können wir solche Situationen souverän meistern.

Die Provokation seitens kleinerer Gruppen und extreme Ansichten wird es immer geben und es liegt in unserer Verantwortung uns immer wieder konstruktiv damit auseinanderzusetzen. Blinde Gegenprovokation darf uns nicht verleiten die Basis unserer fundierten Ideen einer gesunden Gesellschaft zu verlassen und – wie vor Wahlkämpfen leider allzu oft üblich – aus einer möglichen Diskussion eine Schlammschlacht zu machen, welche die wirklichen Probleme politisch fragwürdiger Botschaften überdeckt.

Karl-Marx-Universität Trier

Und da haben wir sie wieder, die gleiche Diskussion, die alle zwei bis drei Jahre Trier ‚aufrüttelt’. Da kommt der Gregor Gysi nach Trier und denkt sich nichts Böses, wenn er darauf hinweist, dass die Moselmetropole stolz auf den guten Rauschebart Marx sein soll und schon sterben die Liberalen und die Konservativen fast an einem Herzinfarkt, nur weil das Gespenst des neuen Uni Namens in den geschichtsträchtigen Gassen umgeht.

Die Diskussion ist so alt wie die Uni selbst und wird wohl auch in zwanzig Jahren noch die Gemüter erhitzen. Jede*r, der*die mal ein oder zwei Wochen in den Büros der Verfassten Studierendenschaft verbracht hat, schüttelte in den letzten Tagen wahrscheinlich nur ermüdet den Kopf, weil so manch ein Volldepp meint, er*sie müsste seinen*ihren politisch nur halb verdauten Mist von sich geben. Wenn nicht hier und da doch noch ein Wuttränchen kullern würde, dann hätte sich auch schon längst eine gelangweilte Müdigkeit auf den Sofas und an den Bibliotheksschreibtischen ausgebreitet. Denn seien wir ehrlich, wie oft mussten wir uns das Gebrüll jetzt schon anhören?

Was zu den lächerlichen Äußerungen der üblichen verdächtigten, konservativen Möchtegern-Politiker*innen gesagt werden musste, wurde hier schon ausreichend besprochen. Aber mal ernsthaft. So unabhängig von Kalle und seinen ‘gefährlichen’ Theorien. Das mit der Namensänderung wäre wirklich was. Max hat das ja auch gestern schon in seinem als CD-Kritik getarnten Kommentar gesagt. Daher mal die mich brennend interessierende Frage:

Warum nicht Jenny-Marx-Universität?

Sie ist hier zwar nicht geboren, aber immerhin hat sie hier ein bisschen Zeit verbracht und war sowas wie eine Ballkönigin, wenn das nicht reicht! Viel wichtiger aber ist, dass sie eine ziemlich beeindruckende Persönlichkeit war, die wahrlich kein einfaches Leben hatte. Außerdem wäre ihr Karl wohl ohne sie nicht annähernd so weit gekommen und hätte nicht die Bedeutung erreicht, die er jetzt hat. Damit steht sie exemplarisch für ganze Generationen von Frauen, denen die Gesellschaft eine eigenständige politische und/oder kreative Stellung verwehrte. Sie war hochgebildet und hat Karls Texte nicht nur kopiert, sondern auch mit ihm diskutiert und jede*r, der*die schon mal einen schwierigen Text geschrieben hat (habt ihr mal nen Blick in Das Kapital geworfen? Das ist scheiße schwer zu lesen), weiß, dass mensch ohne seine*ihre Lektor*innen und andere Vertraute der Text nie das geworden wäre, was er am Ende ist. Außerdem sind die großen Frauen der Geschichte bei Würdigungen aller Art noch immer unterrepräsentiert. Jenny-Marx-Universität: Das wäre doch mal ein Statement!

by Stefan Kühn via Wikimedia Commons

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Ich find’ sie toll!

Zusätzlich hätten wir immerhin Marx im Namen und wer Jenny die Schuld an der Sowjetunion gibt, der*die hat wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank, wobei sie es ja regelmäßig gewagt hat, den guten Karl in seiner Philosophiererei zu unterstützen und auch noch selbst produktiv dazu beizutragen. Vielleicht also nicht die Schuld an der UdSSR, aber Cuba oder die DDR sind bestimmt drin. Karl ist da sicherlich großzügig.

Und wo wir schon dabei sind neue Wege einzuschlagen: Finden nicht noch mehr Leute die blöden Buchstabenbezeichnungen der verschieden Unigebäude doof? Die Hauptgebäude sind irgendwie nach dem Alphabet und die anderen dann doch nach der Funktion (z.B. V für Verwaltung) benannt. Ich finde das alles viel zu inkonsequent. Trier – mensch mag es kaum glauben – hat so viele wichtige Menschen auf die Welt gebracht, da können wir denen doch auch noch einmal ein bisschen Würdigung zukommen lassen. Und weil ich großherzig bin, dürfen die Konservativen auch ihr Otto-von-Bismarck-Gebäude haben (der ist zwar keine Trierer, aber wurde immerhin Ehrenbürger). Dann haben sie einen Ort, wo sie ihre Wunden lecken können, wenn wieder mal alle ihre ‚innovativen’ Onlinekampagne nicht so überzeugend fanden. Von mir aus kann Jennys Ehemann ein Gebäude bekommen, was etwas abseits liegt (immerhin ist seine Familie ja schon repräsentiert), dann ist das auch nicht so anstrengend im ehemaligen A- und B-Gebäude, wenn die Touristen aus Holland und China einfallen um Fotos zu machen. Die Germanist*innen kriegen dann Clara Viebig und für die anderen Fachbereiche oder Fächer finden wir auch noch was. Selbst der Guildo kriegt seinen Ehrenplatz, was haltet ihr von Guildo-Horn-Mensa? Wenn das nicht Zukunftsmusik ist.

By Nicola Perscheid via Wikimedia Commons

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Wobei ich immer noch der Meinung bin, dass Viebig auch deshalb berühmt ist, weil sie als eine der Wenigen über die Eifel geschrieben hat… Aber der Spannungsbogen in Das Weiberdorf ist einfach nicht  wirklich existent.

Ich meine, rein ökonomisch wäre das doch der Hammer! Alle finanziellen Probleme wären gelöst, wir erheben einfach eine Besucher*innenpauschale. Dann kann sich der*die gemeine Studierende auch wieder für Zertifikate einschreiben und diese Zusatzqualifikation auch nach dem Studium noch nachholen. Eine 24-Stunden-Bibliothek wäre auch noch locker drin und dann können wir auch all die nervigen und fächerbedrohenden Stellenkürzungen wieder zurücknehmen. Welch‘ ungeahnte Möglichkeiten sich da auftun würden! Der Guildo gibt auch bestimmt ein Spendenkonzert, dann muss auch unser Präsi keine Kritik mehr wegen seinem Weinberg hören.

Ja, stimmt, die Gänge wären noch verstopfter, aber dann stellen wir einfach ein paar arbeitslose Geisteswissenschaftler*innen ein, um den Verkehr zu regeln. Die können dann ihren Familien wenigstens noch sagen: „Ich arbeite an der Uni“. Klar, wir könnten auch einfach mal anerkennen, dass unsere gesellschaftliche Ausrichtung und das Wirtschaftssystem langsam und stetig kulturelle und bildungstechnische Einrichtungen zerstören und deshalb vor allem die ‚wirtschaftlich nicht profitablen‘ Berufe leiden… aber: Psst, das wäre ja kommunistisch, das geht ja nicht (fragt mal den Karl!).

Und überhaupt: Ich finde Gregors Vorschlag mit dem Lehrstuhl ja richtig toll. Ich meine, die Philosoph*innen dieser Universität müssen Kant doch eh schon über haben, das wäre doch mal was Neues. Das Ganze könnte mensch dann auch interdisziplinär angehen, dann kriegen auch die Soziolog*innen und Ökonom*innen was ab. Das Einzige, was besagter Mensch vielleicht ertragen muss, sind die Touristenströme zu seinem Büro. Aber hey, das ist doch ein geringer Preis für eine der heißumkämpften Professuren in Deutschland.

Aber ja, ja, ich weiß, das sind alles nur Utopien. Wahrscheinlich müssen noch ein paar deutsche Generationen zu Staub zerfallen, bis das alles so klappt. Daher machen wir hier bei DgWzG einfach einen Kompromiss. Wir rufen die Marx-Woche aus; über ihn und die Diskussion darum haben wir ja sowieso schon viel gepostet. Und feierlich begehen können wir das Ganze ja, indem Johannes und ich seinen heiß ersehnten Karl-Marx-Fanclub gründen. Vielleicht wird ja Gregor Gysi erstes Mitglied.

In diesem Sinne: Prost und mögen die Festtage beginnen!

Musik, die Körper und Geist vernichtet

In Trier passieren zur Zeit mehrere Dinge, die absolut nicht okay sind. Rentner und Kinder trauen sich nicht mehr vor die Porta, weil sie dort oft unfreiwillig auf Urlaubsfotos aus und für Fernost landen. Im schlimmsten Fall verirrt sich auch schon mal eine bräunlich gefärbte Pappnase zwischen die roten Kunst-Stolpersteine, die der deutschen Sprache sowie ihrer Geschichte und Außendarstellung nicht viel Gutes tun, wenn sie Sinn entleerte Wortaneinanderreihungen von sich geben.

Ach ja und die Junge Union (JU) musste auch wieder deutlich machen, dass die Universität bloß nicht Karl-Marx-Universität heißen sollte. Mir soll es so gleich sein wie der Sack Reis in China und die Axt im Wald, aber da ich auch gerne das Streitgespräch suche und noch lieber Recht habe, verstehe ich zu gut, wenn man Vorwände braucht, um verbal den Anstand aus dem Gegenüber zu prügeln.

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 Der AStA der “Universität Trier” hat schon seit Jahren Initiative ergriffen. Via Universität Trier

Wie wäre es denn mit einem Kompromiss? Wir könnten die Universität nach Peter Marx (Architekt) benennen oder eben gleich Karl von Trier (16. Hochmeister des Deutschen Ordens). Schon haben wir einen Namen, der die scheinbare Brisanz um den Marx sein Karl aus dem Spiel nimmt und die Jünger trotzdem mit einem verschmitzten Lächeln vom Platz gehen lässt.

Wenn es nach mir ginge, würde die Uni nach Generalfeldmarschall Max von Bock und Polach benannt werden! Warum? Er hieß Max und wer hat schon ein von und zu im Namen! Warum niemand auf die Idee kommt, die Universität einer Frau, wie zum Beispiel Gabriele Strecker zu widmen, ist für mich ähnlich unverständlich. Auch wenn man mit Frau Strecker nicht einer Meinung gewesen sein muss, stand sie als Ärztin, Journalistin, Frauenpolitikerin und verheiratete Mutter für so ziemlich alles, was das 20. Jahrhundert Frauen versprochen hat.

Aber sein wir doch ehrlich. Eher wird die Universität Trier nach Gildo Horn benannt, wenn wir nicht gleich den modernen Weg gehen, den die Fußballvereine vorgezeichnet haben. Freut euch auf die “City Radio Uni 88.4: Die Universität für Trier!” Da gibt’s fette Schecks und Schuluniformen mit kapitalistischen Leitsprüchen wie “Ich liebe es!” und dann hätten wir tatsächlich mal einen Grund uns über etwas aufzuregen.

Zum Glück hat die JU darauf hingewiesen, dass der Name der Universität Trier mit “Bedacht und Weitsicht” gewählt wurde. Das ist so, als würde man seinem Kind absichtlich den Namen geben, der ganz oben auf der Liste der meist gegebenen Namen des letzten Jahres steht, damit das Kind auch ja nicht auffällt. Ich bin ein Maximilian Alexander und kann darüber urteilen, denke ich.

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Da kann man nur noch Prost zu sagen. By Jeff Hester

Musik? Stimmt. Ich habe euch ja Ohrenvergewaltigung vom Feinsten versprochen. Oh Junge und da hab ich ein echtes Reibeisen im Audioformat, welches euch die Gehörgänge zersetzen wird. Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres haben sich The D.O.T. zusammengetan um uns mit ihrer wahrlich einzigartigen Mischung aus Pop, Hip-Hop und konzentriertem Kuhmist zu beglücken. Im Ernst: Ihr neues Album “Diary” kann bei sanfteren Gemütern zu Durchfall führen. Bei Risiken und Nebenwirkungen stoppen sie das Album und nutzen den nächstbesten Mülleimer.

Von schiefem Gesang, der einem das Rückenmark gefrieren lässt (z.B. “Under The Ladder”) und halbgarer Produktion (z.B. das GESAMTE ALBUM!) hat das Album bei mir ungelogen Kopfschmerzen und Unwohlsein in der Magengegend hervorgerufen. LASST DIE FINGER VON DIESEM ALBUM, WENN EUCH EURE GESUNDHEIT LIEB IST! Ich bitte euch inständig. Und ich habe schon über DSDS-Platten geschrieben, die mich weniger nah an die nächste Intensivstation gebracht haben.

Aber nochmal zurück zur Universität Trier. Falls ein eher konservativer, aber klangvoller Name gesucht wird, dann stelle ich Maximilian Alexander Nitzke gerne zur Verfügung. Da bin ich nicht so. Creative Commons und so. Im gleichen Denkvorgang und mit weniger (absolut berechtigter) Arroganz spreche ich, so denke ich, fürs gesamte Team, wenn ich zudem die “Daran Geht Die Welt Zugrunde Universität Trier” propagiere, liebe Genossinen und Genossen!

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 Aus Berlin für Trier: Der Mann fürs Volk! By Julia Boudreaux

Aufreger der Woche – Karl-Marx-Gartenzwerge

Ein kleiner Blick hinter die Kulissen eures Nummer-1-Weblogs über Popkultur, Videospiele, hippes Fotographenzeug und Magengeschwüre: Als Blog mit der Tagline “Ein Blog aus, über, für und zeitweilig auch gegen Trier” haben wir natürlich einen direkten Lokalbezug. Für mich war aber klar, dass meine Beiträge diesen Lokalbezug nicht wirklich hergeben und ein Einzwängen in dieses enge Korsett Triers stand für mich damals ausser Frage und wäre ein harscher Eingriff in meine künstlerische Freiheit. Im Geiste Kasimir S. Malewitsch (über den es, sollte das mit der Filmkarriere klappen, einen coolen Agentenfilm im Leipzig der 1970er Jahre geben wird) schrieb ich also meine Texte, nur um festzustellen, dass sich Trier mehr oder weniger unabsichtlich in meine Werke geschlichen hat. Und auch heute, siehe Überschrift, komme ich nicht um unseren Wohnort herum.

roman trier_pilar torresIch wollte auf ein Bild der Porta verzichten. Stattdessen: ein Modell des römischen Trier! By Pilar Torres, via Flickr.com

Schließlich ist die Moselmetropole Trier nicht nur die Geburtsstadt Karl Marx’, sondern auch Ort einer künstlerischen Open-Air-Installation von 500 rotschattierten Karl-Marx-Kunststofffiguren, aufgestellt quasi vor meiner Tür bei der Porta Nigra. Nun kann mensch über Kunst extrem gut, wenn auch sinnlos und am Ende meist mit viel Geschrei verbunden, streiten, aber für mich sind die Figuren ein weiterer Beweis dafür, wie verkrampft das Verhältnis Deutschlands zu Karl Marx ist. Abgesehen davon erinnern die Figuren frappierend an Gartenzwerge, wie auch Spiegel Online herausfand. Verkrampft deshalb, weil beispielsweise Trier viel Geld mit Karl Marx macht und eine Straße nach ihm benennt, letztere aber  im Rotlicht-Viertel liegt und mensch zwar das Geburtshaus von K. M. finanziell fördert, im eigentlich wichtigeren Wohnhaus aber einen Ein-Euro-Shop einquartiert hat. Und nichts zeugt eigentlich von einer größeren Paradoxität als die Tatsache, dass ein solches Fanal der kapitalistischen Logik (ein Produkt zum kleinstmöglichen Preis mit der geringsten Qualität herstellen und zum höchstmöglichen Preis verkaufen) gerade im Wohnhaus desjenigen liegt, welcher ebendiese Logik und ihre Implikationen dekonstruiert hat.

Am schwersten tun sich natürlich konservative Kräfte mit Karl Marx, rütteln dessen Theorien doch an deren Grundüberzeugung, dass unser Wirtschaftssystem im Großen und Ganzen gerecht sei und uns überwiegend Wohlstand beschere. Feiert mensch dann auch noch besagten deutschen Denker und Philosophen, so können diese Konservativen nicht umhin, auch Kritik an der Figur zu üben. Kritik an Marx und seinen Ideen zu üben ist mehr als legitim, sogar sehr nötig. Wenn sie aber so extrem platt daherkommt wie von Bernhard Kaster und Ulrich Dempfle (beide CDU Trier), dann möchte ich mich spontan erbrechen. Die beiden verweisen darauf, dass in Marx’ Namen viel Unheil verrichtet worden sei. Dankeschön. Mit demselben Argument können wir dann bitteschön auch das Christentum verbieten und alle Muslime ausweisen, soviel Unheil wie im Namen ihrer jeweiligen Religion (Kreuzzüge, Attentate, Massaker an sogenannten „Heiden“) verübt wurde (ein Vorwurf, den sich übrigens alle Religionen machen müssen). Vielleicht sollte man auch darauf hinweisen, dass in den letzten zwölf Jahren zwei Kriege explizit im Namen der Demokratie und Freiheit geführt wurden. Wie hoch ist da der Bodycount? Sollten wir deshalb besser nicht zu viel Gutes über die Demokratie sagen? Immerhin wurde in ihrem Namen auch viel Unheil angerichtet.

occupy_sterneckZum Beispiel ziviler Ungehorsam, welcher uns auf unbequeme Art und Weise zu sagen versucht: Es ist vielleicht doch nicht alles gut. By Sterneck, via Flickr.com

Zudem: Was kann die Person von Karl Marx dafür, wenn bestimmte Leute zu blöd oder verblendet waren, um seine Theorien richtig zu verstehen oder überhaupt vernünftig zu lesen? Aber der Vorwurf an Marx, implizit Schuld an jeglicher Form von Autokratie in Russland, China, der DDR oder sonstwo verantwortlich zu sein, wird auf irgendeine Art, siehe oben, ja immer wieder gebracht. Im Zusammenhang mit der Eröffnung der Installation entblödeten sich die JuLis, auch sonst ja Meister*innen in herrlich unpassender Öffentlichkeitsarbeit, eine “Online-Kampagne” zu starten, welche mit Plakaten von autoritären Herrschern wie Stalin oder Mao, inklusive der durch sie verursachten Toten, so etwas wie die dunkle Seite des Marxismus zeigen wollen. Aber diese Penner*innen sagen selbst, dass dort Personen gezeigt werden, die Karl Marx (ZITAT!) “wissentlich oder willentlich missinterpretiert und zum eigenen Zwecke instrumentalisiert” (ZITAT ENDE!) haben. Und wollen somit gleichzeitig gegen die “Glorifizierung” von Karl Marx vorgehen. JA WIE BLÖD SEID IHR DENN! Es ist doch immer die selbe Scheiße mit den selben Kackargumenten (s. o.), welche von den Restopfern des Kalten Krieges da herbeigeschleift wird. An eine Stringenz der Sachargumente wird sich da nicht gehalten, sondern gleich mit den “Opfern  des Marxismus” gewunken. Aber wie verdammt pietätlos es ist, einen Bodycount Sozialismus vs. Kapitalismus oder ähnliches aufzumachen, davon haben diese Leute (alle, welche solche Argumente bringen!) keine Ahnung. Geschweige denn von einer ordentlichen Diskussion. MANN EY!

Wann legt (West-)Deutschland endlich seine antikommunistische Konditionierung, die es noch aus Zeiten des Kalten Krieges mit sich herumschleppt, ab? Wann erkennen die Menschen hier, dass Kommunismus eine mehr oder weniger gleichberechtigte politische Ansicht ist zu Liberalismus, Sozialdemokratie, grüner Demokratie und allen sonstigen Schattierungen, welche die pluralistische Politik so hergibt? Ich selbst würde nie sagen, dass ich Kommunist bin, auch weil ich solche Schubladen für veraltet und obendrein gefährlich halte. Hier aber geht es um Toleranz von anderen Meinungen, um Diskussion und Austausch, um eine Vielfalt von Ideen, welche unser Leben, politisch wie zivil, im Grunde bereichern. Außer Nazis. Die sind scheiße.

Ganz klar: Ich will keine Menschenrechtsverletzung von kommunistischen Regimen verteidigen (auch wenn ich mich dazu hinreißen lassen muss festzuhalten, dass diese Regime selten irgendwas ernsthaft mit dem eigentlichen Kommunismus zu tun haben). Der Zweck, so gut er auch sein mag, heiligt nie die Mittel, wenn die Mittel selbst nicht „gut“ sind, also Menschen schaden. Da hält Mensch es am einfachsten mit dem guten alten Immanuel Kant, der in seiner “Metaphysik der Sitten” folgenden alternativen kategorischen Imperativ vorschlug:

“Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als auch in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.” – Menschheitszweckformel, in: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785), BA 67

Nach diesem großen Klugschiss wieder zurück zum Thema. Statt sich beständig vor Marx zu fürchten, sollte mensch viel eher dazu übergehen, ein positives Verhältnis zu diesem Mann zu entwickeln. Immerhin sind seine Überlegungen mehr oder weniger der Ursprung so wichtiger politischer Gruppen wie der Arbeiterbewegung, ohne die der auch von Konservativen so hoch verteidigte Sozialstaat nie das Licht der politischen Bühne betreten hätte. Zu Schade, dass das Licht des Sozialstaats heutzutage nicht mehr so hell scheint wie noch vor knapp sechzig Jahren (um eine westdeutsche Sicht einzunehmen, denn für viele Ostdeutsche stellte sich nie Frage nach einem Sozialstaat: der war einfach Fakt). Besonders in Zeiten der politisch erklärten „Alternativlosigkeit“ von Entscheidungen sollten wir auf Marx’ Analyse unseres Wirtschaftssystems immer wieder zurückgreifen. Sie ist quasi das Gewissen, welches uns immer wieder fragt, ob wir den Scheiß, den wir da kaufen, wirklich brauchen oder ob dieser nicht wieder nur ein Fetischobjekt für unser gesellschaftliches Sein darstellt.

Marx_oldEs ist mir herzlich egal, ob so ein Bart nun ein Fetischobjekt der kapitalistischen Marktlogik ist oder nicht: Ich will auch so einen Rauschebart! Via Wikimedia Commons

Weil Marx bis heute wichtig ist, wichtiger als Goethe und Schiller, wichtiger als Bach und Beethoven, wichtiger als Bismarck und Adenauer, genau deswegen sollten wir uns mehr mit Marx auseinander setzen und zu dieser Person und seinem Denken eine Meinung entwickeln, anstatt eine unbegründete, weil gesellschaftlich geförderte Angst empfinden. Mensch muss Marx ja nicht mögen, aber mensch sollte wenigstens wissen, was Marx so geschrieben hat. Ob Karl-Marx-Gartenzwerge dazu führen, da habe ich allerdings meine Zweifel dran.

Aufreger der Woche – Segways

Gäbe es einen Fanklub von Karl Marx, ich würde ihm beitreten. Tatsächlich gibt es aber keinen, was mich etwas schockiert hat, als ich diesen Fakt gerade im Internet nachschlug. Wie dem auch sei, ich finde Karl Marx ist eine faszinierende Figur, nicht nur durch seine sozioökonomischen Theorien und sein politisches Engagement, sondern auch in Form der Geschichte, die sein Menschenleben erzählt. Bis auf zwei starben alle Kinder vor Marx’ eigenem Tod, die überlebenden Damen brachten sich selbst um. Die Familie lebte im Londoner Exil in bitterster Armut. Obwohl er Jenny von Westphalen/Marx wahrscheinlich wirklich geliebt hat, zeugte er mit der langjährigen Haushälterin (einer Saarländerin…) ein Kind. Bereits mit sechzehn Jahren begann Marx das Jurastudium und schloss sechs Jahre und drei Universitäten später mit dem Doktor der Philosophie an. Ein wortgewaltiger Theoretiker des Kapitalismus, musste er sein ganzes Leben von Friedrich Engels Unterhalt beziehen. Und so weiter. Marx hatte ein unglaublich bewegtes und deshalb faszinierendes Leben. Natürlich ist Marx eine polarisierende Ikone geworden. Gerade mit der Geschichte von Marx’ Bildern, also wie mit dem Bild Karl Marx’ speziell nach seinem Tod umgegangen wurde, setzt sich die durchaus empfehlenswerte Ausstellung im Stadtmuseum Trier auseinander, die dort derzeit gezeigt wird und welche ich vor kurzem besuchen konnte. Und als ich nach dem Besuch der Ausstellung wieder in einen sonnigen Spätnachmittag im frühlingshaft warmen Trier trat, da fiel mir eine der verhassten Maschinen auf, gleich vor der Touristeninformation.

karl marx wohnhaus_bernhard wernerGegenüber der Touristeninformation steht übrigens auch das Wohnhaus der Familie Marx. Ja, dort ist jetzt ein Ein-Euro-Shop drin. Manchmal ist die Welt so unheimlich zynisch, dass ich weinen möchte. By Bernhard Werner, via Wikimedia Commons

Segways… Oh, Segways… (ihr müsst euch übrigens vorstellen, dass, wann immer ihr Segways lest, ich das in der selben Betonung und Stimmungslage mache wie dereinst Lord Helmchen in Spaceballs den Namen seines Erzfeindes Lonestar intoniert)
Ich verstehe Segways nicht. Ich verstehe ihren Nutzen nicht, ich verstehe nicht, wie jemand glauben kann, dass so ein Segways ein ernsthaftes Geschäftskonzept sein kann und ich verstehe nicht, warum sich irgendjemand überhaupt einen Segway zulegen kann. Oder überhaupt sollte. Meine Abneigung rührt nicht nur aus prinzipiellen Sachüberlegungen her, nein, ich finde Segways sind auch eine ästhetische Zumutung. Mensch sieht einfach saudämlich aus, auf diesem motorisierten Einrad mit zwei Rädern und einer Lenkstange. Dazu noch der Fahrradhelm, der bei keinem Menschen auf dieser Welt jemals irgendwie ästhetisch auch nur befriedigend aussehen kann. Nein, jede*r sieht auf einem Segway affig und scheiße aus, egal wie gut gebaut oder hübsch anzusehen die Person sonst ist. Und trotzdem: Segways finden sich sogar hier in Trier. Regelmäßig. Wahrscheinlich sind diese Segway-Touren auch noch ständig ausgebucht.

Geht einfach mal auf die Webseite der Touristeninformation Trier und schaut euch die Bilder an, die dort von diesen fröhlich lächelnden Segway-Fahrer*inne*n zu sehen sind. Wollt ihr so bescheuert aussehen? Wollt ihr auf diesen Dingern stehen und den Eindruck machen, als müsstet ihr euch gerade einen fiesen Diarrhö-Anfall verkneifen? Dann lasst eure Patschehändchen von Segways! Aber mein Unverständnis geht noch weiter, hat handfeste Gründe. Der Segway füllt für mich keine Marktnische aus, die nicht schon anderweitig besetzt wäre. Entweder von unseren Füßen oder von einem alten, aber immernoch coolen Fortbewegungsmittel: Dem Fahrrad.

bikes and trees_sven cipidoHa! Versucht das mal mit einem Segway! Die Dinger wiegen knapp fünfzig Kilo! By Sven Cipido, via Flickr.com

Gut, mensch kann mir hier Befangenheit vorwerfen. Ich habe ja bereits einmal meine Zuneigung zum Fahrrad bekundet. Aber ernsthaft: Ein Fahrrad bringt viel mehr als ein Segway. Die Reichweite ist beispielsweise höher. Eine Akkuladung bringt einen durchschnittlichen Segway knapp 38 Kilometer weit. Ein Fahrrad fährt den ganzen Tag über, ohne dass es aufgeladen werden muss. Ein Segway fährt maximal 20 km/h, das macht selbst ein*e ungeübte*r Fahrradfahrer*in ohne Probleme im dritten Gang mit links ohne ins Schwitzen zu geraten. Mehr noch, 20 km/h ist eigentlich gemütliches dahinradeln, während ein Segway da schon abriegelt. Und schließlich hält Fahrradfahren fit und ist gesund, während mensch auf einem Segway steht, keine Kalorien verbrennt und nebenbei scheiße aussieht. Wer will das denn? Ausserdem kann ich auf einem Fahrrad Sachen mitnehmen oder meine Einkäufe im Rucksack transportieren, während das bei einem Segway diese Gleichgewichtssteuerung stört und man wahrscheinlich bei unglaublichen 20 km/h Spitzengeschwindigkeit einen tödlichen Unfall hat, wie 2010 der damals frischgebackene Besitzer von Segway Inc.

Natürlich kann ich mir vorstellen, warum Leute so ein Gerät interessant finden. Es ist neu, ungewöhnlich und es macht wahrscheinlich auch Spaß, damit zu fahren. Es ist sogar so neu und ungewöhnlich, dass eine neue Fahrzeugklasse in die us-amerikanische Straßenverkehrsordnung eingeführt werden musste: das Electric Personal Assistive Mobility Device (EPAMD). Der Fahrspaß rührt aus der ungewöhnlichen, aber gleichzeitig intuitiven Gleichgewichtssteuerung her, obwohl ich das nicht wirklich beurteilen kann, da ich noch nie auf so einem Teil stand. Aber wie alle Spielzeuge, zum Beispiel iPads, verliert es nach einiger Zeit seinen Reiz. Vor allem wenn es so verdammt unpraktisch ist wie ein Segway, zumindest im Vergleich zum Fahrrad. Und deshalb will es mir partout nicht in den Kopf, wieso teilweise ganze Polizeistreifen mit Segways durchgeführt werden. Die Polizist*inn*en sehen doch total lächerlich aus auf ihren fahrenden Besenstielen! Wer nimmt die denn Ernst? Wie überkompetent wirkten denn bitteschön im Gegensatz dazu die fahrradfahrenden kalifornischen Cops aus der Fernsehserie „Pacific Blue“ (1996 – 2000 und nicht besonders gut, aber hey, immerhin besser als Segway-Polizisten)! Aber wahrscheinlich passen Segways besser zur eher behäbigen und humorlosen deutschen Polizei als wilde Fahrräder.

west german police 1952_thardy1Motorradpolizisten sind dabei ja bis heute berüchtigt. Seht ihr, wie keiner von denen lacht? Unglaublich! By thardy1, via Flickr.com

Ich bin mir sicher: Würde Karl Marx heute noch leben, er würde Fahrrad fahren und Segways für einen weiteren Fetisch des Kapitalismus halten. Aber eines ist genauso sicher: Egal ob Segways oder Fahrräder, einen Helm muss mensch eigentlich bei beiden Gefährten aufziehen. Und in einem Fahrradhelm sähe auch Karl Marx eher doof aus.

Aufreger der Woche – Pferdefleisch

Manchmal ekelt es mich an, ein Mensch zu sein. Oder zumindest zur selben Spezies zu gehören wie manch andere Exemplare der Gattung Homo Sapiens Sapiens. Ich war zugleich amüsiert und geschockt, als Menschen in Großbritannien anlässlich des Todes der ehemaligen Premierministerin Margaret Thatcher auf die Straße gingen und feierten. Es ist nicht so, dass ich nicht verstehen könnte, dass die Briten und Briteninnen froh sind, den Monolithen Thatcher und alles schlimme, was sie verkörpert, nun auch physisch los zu sein. Aber ich finde es geschmacklos, den Tod eines Menschen zu feiern. Man kann die Taten eines Menschen kritisch hinterfragen oder anprangern, aber zu sagen „Gut, dass dieser Mensch tot ist“, nein, das zeugt von Gehässigkeit und Zynismus. Ich habe mich auch gefragt, warum niemand Angela Merkel, Vorsitzende einer Partei, die das Attribut „christlich“ im Namen trägt, ausführlich dafür gescholten hat, dass sie dereinst sagte, sie sei froh gewesen, dass Osama Bin Laden tot sei. Bin Laden war mit Sicherheit ein Arschloch und sein Tod stellt fraglos keinen Verlust für die Menschheit dar, aber dort wurde jemand von Staats wegen her umgebracht, ohne auch nur ansatzweise ein demokratisches Verfahren zur Urteilsfindung über einen Verbrecher zu bemühen. Und das findet die deutsche Bundeskanzlerin gut? Wir Deutsche haben die Demokratie nicht gerade mit Löffeln gefressen und haben in der Vergangenheit selbst nicht vor drastischen Lösungen für ungestellte Fragen zurückgesteckt. Aber müssten wir als erste nicht deshalb darauf hinweisen, dass man den Tod eines Menschen nicht feiert? Ich find’s einfach geschmacklos.

yuppie handbook_dinoboyOhne die Reagan-Jahre oder den Thatcherismus hätten wir immerhin ein Feindbild weniger! Via Flickr.com, by dinoboy

Genauso geschmacklos übrigens, wie Supermarkt-Tortellonis (Tortellinis?) mit Fleischfüllung. Hat sich jemand ernsthaft mal die Mühe gemacht herauszufinden, ob es einen geschmacklichen Unterschied zwischen einer sogenannten „Fleischfüllung“, der Käse-Füllung und der Spinat-Ricotta-Füllung gibt? Ich nehme stark an, dass dies nicht der Fall ist. Aber warum kaufen wir dann trotzdem wie blöde Fleischfüllungen? Warum gibt es keine Tiefkühl-Tofu-Lasagne und wie schwer kann es bitte sein, eine Tiefkühlpizza zu entwickeln, die keinen Fleischbelag hat und trotzdem schmeckt? Mensch verstehe mich bitte nicht falsch, ich bin kein Vegetarier, aber das hält mich nicht davon ab, mal stark zu hinterfragen, warum unser Speisezettel heutzutage so verdammt fleischzentriert ist.

Mein Mitbewohner Jens (Veganer) kaufte sich dereinst etwas Apfelrotkohl (aus der Kühltruhe) mit Röstis, nur um anschließend daheim festzustellen, dass die Produkte Schinken- oder Schinkenaroma enthielten. Beide waren wir darüber sehr verdutzt und verärgert. Schließlich sind die zwei Produkte eigentlich vegetarisch und können ohne viel Aufwand vegetarisch hergestellt werden. Und trotzdem: Fleisch wohin mensch schaut. Nochmal: Ich esse Fleisch. Gerne sogar. Aber ich mache einen größtmöglichen Bogen um alle Nahrungsmittelindustriefleischprodukte (beispielsweise die mittlerweile berühmte Gammel- oder Pferdefleischlasagne), weil ich die massenhafte Verarbeitung von Lebewesen zu kleinen geschmacklosen Klümpchen eklig finde. Und obendrein ist das auch Verschwendung. Was mich immer wieder am meisten ärgert ist dabei einfach, dass diese Fleischzutaten teilweise ohne wirklichen Mehrwert im Produkt sind: Tortellinis schmecken nicht viel anders, die Röstis würden vielleicht weniger nach Salz schmecken und eine Vier-Käse-Pizza könnte mit ordentlichem Käse darauf genauso gut sein, wie eine Schinkenpizza.

cheese pizza_miriamwilcoxIch glaube, ich bekomme gerade Hunger.Via Flickr.com, by miriamwilcox

Wenn in irgendeinem Produkt eine Fleischfüllung Sinn machen würde, dann hätte ich weniger Probleme, diese zu essen. Aber in der derzeitigen Situation profitiert von der Fleischflut in der Nahrungsmittelindustrie nur eine*r: Der Zwischenhändler oder die Zwischenhändlerin. Denn die kaufen die Fleischmengen an und verkaufen sie weiter, haben also ein großes Interesse daran, dass die Industrie ganz viel Fleisch verarbeitet. Natürlich muss dieses Fleisch aber billig sein, was also massenhaften Ankauf Fleisch und seinen Resten zur Folge hat. Da dies meisten innerhalb kurzer Zeit und europaweit geschieht, gibt es kaum Möglichkeiten zur qualitativen Kontrolle der Erzeugnisse und

BÄ-BÄM!

Fleischskandal!

In der ganzen Berichterstattung über Gammelfleisch, falsch deklarierte Nicht-Bio-Bio-Eier oder die gute alte Pferdelasagne fehlt mir dieser Aspekt am dringendsten: Die ganze Funktionsweise der Lebensmittelindustrie fördert derartige Skandale (und das nicht erst seit gestern!). Es geht um möglichst weitreichende Produktion möglichst billiger Waren, die zu möglichst hohen Preisen verkauft werden sollen, indem den Kundinnen und Kunden eingeredet werden soll, er/sie kaufe ein hochwertiges Produkt. Und wir dummen Idioten von Kund*inn*en spielen das Drecksspiel noch mit und kaufen den Scheiß, weil wir zu faul (ja! Faul!) sind, uns um unser eigenes Essen zu kümmern. Klar, nicht jeder ist faul, manche haben auch schlicht keine Zeit. Aber warum haben wir keine Zeit? Weil unser Arbeitsleben uns unter Druck setzt, möglichst viel und gewinnbringend zu arbeiten und möglichst wenig Zeit mit anderen Sachen wie Nahrungszubereitung und -aufnahme zuzubringen. Statt also etwas an der Funktionsweise des ganzen Nahrungsmittelindustriesystems zu ändern, schreien Politik und Bürgerinnen und Bürger ceter et mordio, tönen laut nach Reformen, stärkeren Kontrollen und härteren Strafen, rennen dann aber in den nächsten Supermarkt und machen Hamsterkäufe von Fertighamburgern.

Wir selbst sind die Verursacher von Lebensmittelskandalen. Indem wir durch unser Konsumverhalten der Industrie fortwährend bestätigen: Ja, wir wollen billig und nein, wir interessieren uns kein bisschen dafür, was wir da eigentlich in uns hineinschaufeln. Würden wir mehr darauf achten, was und wie wir essen, dann müsste auch die Industrie auf die geänderte Nachfrage am Markt reagieren und ihr Angebot entsprechend anpassen. Aber da niemand daran Interesse hat, da damit weniger Geld zu machen ist (Mehr Arbeit = Mehr Geld, auch für die Konsumentinnen und Konsumenten), dreht sich die Knochenmühle der Fleischindustrie immer weiter, bis wir irgendwann nur noch künstliches Gen-Fleisch vorgesetzt bekommen und uns dann wundern, warum alle Welt plötzlich krank wird. Und ignorieren weiterhin den offensichtlich verrückten Menschen in der Fußgängerzone, der lauthals verkündet: „Soilent Grün ist Menschenfleisch! MENSCHENFLEISCH!“

Im Ernst: Wir sollten hinterfragen, wo unser Essen herkommt. Deswegen finde es auch so gut, wenn Restaurants oder Imbisse sich selbst bestimmte Standards setzen, wie auf biologische und/oder regionale Waren zurückzugreifen. Wie beispielsweise das Café MoMo oder der neue japanische Imbiss „Chibi-ya“. Und da mich das ganze Geschreibe über Essen hungrig gemacht hat, pilger ich jetzt mal dorthin. Guten Appetit!

Aufreger der Woche – Arbeitsagenturwahnsinn

Diese Kolumne ist für mich immer wieder eine kleine Gratwanderung. Zum einen soll sie ja durchaus persönlich gestaltet sein, immerhin rege ich mich hier ja auf und nicht jemand anders. Aber wie mich die ersten Ausflüge ins Internet gelehrt haben, ist es nicht immer toll, persönliches von sich preiszugeben, schon gar nicht auf einer öffentlich zugänglichen Webseite wie unserer hier. Der Knackpunkt ist also: Wieviel erzähle ich von mir, wieviel halte ich versteckt? Und interessiert das, was ich erzähle, die Menschen überhaupt? Dann wiederum: Wenn’s daraus ein guter Aufhänger entsteht, dann erörtere ich gerne Details aus meinem Leben!

Ich bin arbeitslos. Meine letzten Prüfungen schloss ich im November 2012 ab und bin seitdem auf Jobsuche. Solange das Wintersemester lief, war’s irgendwie noch okay, aber nun kommt das Sommersemester und aufgrund einer fehlenden Rückmeldung meinerseits (und dem Exmatrikulationsantrag, den ich noch abgegeben muss) werde ich bald kein Student mehr sein. Stattdessen bin ich arbeitslos. Das ist erstmal Scheiße. Scheiße auch deswegen, weil Arbeitslosigkeit natürlich ein gewisses Stigma in unserer Gesellschaft ist. Aber auch, weil mensch ziemlich viele Behördengänge in Angriff nehmen muss, um nicht mehr arbeitslos zu sein. Wie jeder ordentliche Arbeitslose bin auch ich im Arbeitsamt in der Arbeitsagentur vorstellig geworden. Dort sagte fragte die liebe Frau hinter dem Schalter mich erstmal, warum ich überhaupt in die Arbeitsagentur gekommen sei, wenn ich in einem Zeitraum von zwei Jahren vor heute nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen sei. Ohne eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stünde einem nämlich kein Arbeitslosengeld zur Verfügung und ich hätte besser im Jobcenter in Trier-West (das vor kurzem dort errichtet wurde) nachgefragt. Dafür war ich also früh aufgestanden und hatte mich bei diesem scheißkalten Wetter aufs Rad geschwungen, um in Trier-Nord (hinterm Nells Park, das ist schon fast nicht mehr Trier!) der Arbeitsagenturbürokratie meine Aufwartung zu machen. Hurrah. Gerade noch konnte ich also die drohende Sinnlosigkeit meines Tuns abwenden, indem ich auf meine Beschäftigung als Hilfswissenschaftler an der Uni hinwies. Meine Hoffnung: Bitte lass es keinen Minijob gewesen sein! Aber eigentlich wusste ich es besser.

434px-Peter_HartzDanke, Peter Hartz! Via Wikimedia Commons

Ich durfte in der Wartehalle platznehmen und war froh, mir ein Buch mitgenommen zu haben. Denn die angebotenen Lesestoffe bestanden aus einer fragwürdigen Lokalpostille, die im Familienbetrieb entstand und kostenlos verteilt wurde, sowie aus einer kulturellen Umschau in der Region, die sich mangels kultureller Umschauung auf Saarbrücken und Luxemburg beschränkte. Während also verschiedene Einkommensschichten und Nationalitäten an mir vorbeidefilierten und ich mich über das pseudoalternative Aussehen eines jungen Sachbearbeiters wunderte (er trug ein kleines blondes Bärtchen und eine Strickmütze), fiel mir auf, wie völlig entwürdigend diese Situation war. Ich bin doch ein gut ausgebildeter junger Mann und habe Praktika gemacht, habe mich ausserhalb der Uni engagiert, schreibe einen hippen Blog, mache dieses Social Media-Gedöns mit, kann fehlerfrei Deutsch sprechen und schreiben, andere Fremdsprachen klappen auch, und nun sitze ich hier und bettle quasi den Staat um Almosen an. Dankeschön! Bevor ich aber völlig in die Spirale dieses Wahnsinns hinabschlittern konnte, rief mich der Klang meines Nachnamens zur Ordnung. Ich legte meiner Sachbearbeiterin meine Situation und meinen Lebenslauf vor und sie musste mich leider enttäuschen. Nein, Arbeitslosengeld bekäme ich nicht, der HiWi-Job zähle nicht, aber ich könne Hilfe bei der Vermittlung einfordern. Während sie mich also in das Arbeitsagentur-System einpflegte mussten wir zusammen feststellen, dass das System meinen Abschluss nicht anerkennt. Einen Magister Artium in Politikwissenschaften oder auch in Medienwissenschaften könne sie nicht finden. Aber dass das System meinen Abschluss nicht anerkennt, hatte ich ja schon durch die vielen Absagen in meinem Papierkorb und der frustrierenden Suche nach Stellenanzeigen für Geisteswissenschaftler erahnt. Irgendwie konnte sie mich doch eintragen und verabschiedete mich mit zwei Broschüren, die mir den Unterschied zwischen arbeitssuchend und arbeitslos zu erklären versuchten und dem Hinweis auf das Jobcenter. Allerdings „hole“ mensch dort nur bis 12 Uhr „an“ und ich sollte es doch anderntags probieren. Wieder fiel mir ein, dass mein erstklassiges Deutsch doch ein wesentlicher Pluspunkt auf meiner Bewerbung war.

german beer drinking_mattsabo17Ach, Deutschland. Das Land in dem wir Leuten sagen müssen, dass sie bitte nicht die Gläser stehlen sollen. By Mattsabo17, via Flickr.com

Während ich dann anderntags ein weiteres Mal durch den kalten Trierer Frühlingsmorgen radeln durfte, wurde mir bewusst, wie bekloppt diese Aufteilung eigentlich ist. Ich gehe in die Arbeitsagentur, um einen Job vermittelt zu bekommen, kriege aber kein Geld. Dafür muss ich in das Jobcenter, welches mir keine Arbeit, aber immerhin Geld zuteilt. Was sollte die Umbenennung nochmal bringen? Ein besseres Image? Zu mehr Transparenz im Behördenwahn trug sie anscheinend nicht bei, vielen Dank. Im Jobcenter zieht mensch übrigens klassisch noch eine Nummer, allerdings bestellt mensch die per Touchscreen und nicht per Knopfdruck. High-Tech für das Trierer Low-End. Wieder war ich froh, ein Buch dabei zu haben und nicht den Erläuterungen eines Vaters lauschen zu müssen, welcher seiner erwachsenen Tochter erklärte, auf welche Nummer sie zu warten und welchen Bildschirm sie zu betrachten habe. Meine Nummer wurde aufgerufen, aber am Schalter sagte man mir, ohne Exmatrikulationsbescheinigung könnte mensch mich dort nicht „anholen“ und ich müsste mit einer entsprechenden Bescheinigung wiederkommen, bevor man mich irgendwie beraten könnte. Immerhin war ich um zwei Broschüren über das Arbeitslosengeld II (vulgo: Hartz IV) reicher und konnte mit dem zufriedenen Gefühl wieder heimradeln, wenigstens ein bisschen Sport gemacht haben zu können.

Das Schlimme an der ganzen Sache: Ich habe ja erst die Spitze des Eisbergs kennengelernt. Weiter- oder Fortbildungsprogramme, Bewerbungstraining, Finanzdurchleuchtung, von all dem bin ich (noch) verschont. Wieviele Termine sowohl im Jobcenter als auch in der Arbeitsagentur stehen mir bevor? Muss ich erstmal mein mickriges Erspartes hergeben, bis der Staat einsieht, mir mein Recht als Staatsbürger zuzugestehen? Denn die Tatsache, dass ich in der Arbeitsagentur eine Kundennummer bekomme oder dass ich das dort nur per kostenpflichtiger Nummer anrufen darf zeigt doch: Arbeitslosenunterstützung ist kein Recht mehr, sondern eine Dienstleistung. Arbeitslose sind Kunden, keine Bürgerinnen oder Bürger. Die Denkweise dahinter aber ist pervers: Rechte muss der Staat gewähren, Dienstleistungen aber kann mensch einfach entziehen oder verweigern. Pervers ist auch die Tatsache, dass Lohnarbeit zentrales Überlebensmittel und gesellschaftliche Erwartung, gleichzeitig aber nicht für jeden gewährleistet ist. Denn im Arbeitsmarkt stehen die Menschen nicht in friedlicher Koexistenz oder in Kooperation miteinander, sondern im Konflikt und Wettbewerb um eine begrenzte Anzahl an Stellen. Aber wie soll die Erwartung von Lohnarbeit erfüllt werden, wenn per Marktgesetz das Angebot an Arbeitsstellen begrenzt ist? Lohnarbeit wird somit zur Zwangsmaßnahme und zum Luxus zugleich, aber nur für diejenigen, die sich eine Lohnarbeit auch, nun ja, leisten können, qua Ausbildung oder besonderer Fähigkeit. Und vor allem ist der Arbeitsmarkt derart volatil, dass selbst gut ausgebildeten jungen Männern eine Arbeitsstelle nicht garantiert werden kann, obwohl doch eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung die Voraussetzung für fast alle anderen Boni der Staatsbürger*innen*schaft ist. Überhaupt stellt sich dann einfach die Frage: Warum muss Lohnarbeit als zentrale Lebensressource durch einen völlig unkontrollierbaren Markt verteilt werden, warum gibt es kein alternatives System? Oder warum denkt anscheinend niemand zumindest darüber nach? Das ist doch alles völlig bescheuert und widersprüchlich.

Gerne würde ich jetzt wieder den Bogen zum Anfang schlagen oder auf einer positiven Note enden. Aber weil die beste Zeit in meinem Leben sehr bald auch rein formal zu Ende geht und meine Zukunft, auch dank Markt und Lohnarbeitszwang, nicht unbedingt in den freundlichsten Farben gemalt ist, kann ich das leider nicht tun. Ich hoffe nur, das alles am Ende gut wird. Wie immer also.

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