Tag: NSA (Page 1 of 2)

Am Abgrund Links – Bloodborne am Karfreitag

Nachösterliche Woche 15 des Jahres 2015. Die Menschheitsgeschichte hat viele Millionen Jahre auf dem Buckel. Trotzdem und gerade deswegen passiert jeden Tag etwas Besonderes. Hier die lesenswerten Dinge, die ihr hoffentlich noch nirgendwo sonst gelesen habt!

JOHANNES

  • Ihr habt noch nicht genug über ein hervorragendes, zwanzig Jahre altes Spiel gelesen? Dann schaut bei venturebeat vorbei, die feiern das Jubiläum von Chrono Trigger ebenfalls.
  • Der Guardian hat bisweilen einige Features zu Videospielen, was den anschein erweckt, dass man in Großbritannien in Sachen mainstreammedialer Rezeption von Videospielen etwas weiter ist als hierzulande (was nun auch weniger überraschend ist). Ein Beispiel: Dieses Interview mit Hidetaka Miyazaki, dem Kopf hinter Bloodborne, der Souls-Reihe und seit deren Erfolg auch Chef von From Software.
  • John Oliver hat den Journalismus in die Comedy gebracht, wenn man so will. Seine Sendung “Last Week Tonight” zeichnet sich durch ein bis zu 20-minütiges Themensegment aus, in welchem Oliver und sein Team sich um ein ganz bestimmtes Thema kümmern und hier fast schon investigativ vorgehen. Kürzliches Highlight: Das Interview mit Edward Snowden, inklusive dem Vorschlag, statt vom NSA-Abhörskandal doch lieber vom “Dick-Pic-Program” zu reden.

MAX

 

Featured Image via Flickr by Open Gate Farm

Am Abgrund Links – CIA, Marie Curie und LuxLeaks

Manchmal scheint das Internet eine grenzenlose Welle endloser Wiederholungen. Die Witze sind immer die gleichen nur mit neuen Gesichtern, die Weltgeschichte scheint sich ständig zu wiederholen und die Videos genau wie die Filme unserer Zeit nur das nächste Reboot.

Doch auch wenn das eine*n dazu veranlassen könnte, sich einfach nicht mehr informieren und das ganze blöde ‘Neuland’ hinter sich zu lassen, sagen wir: Nicht verzagen. Manchmal muss man Dinge dreimal sagen, bevor sie gehört werden. Und manchmal müssen Dinge hundertmal gehört werden, bis wir sie verstehen.

Für alle die selber nicht die Zeit haben, die Spreu vom Weizen zu trennen, gibt es von uns eine kleine Auswahl an Links, die wir für lesenswert halten.

Via flickr by Brian Holland

11077249385_f63d69fa2b_zVon Schnee kann man* in Trier nur Träumen.

ANNI:

  • Das Phänomen, dass Schauspielerinnen dafür gelobt werden (und in Ergänzung dazu mit Preisen überhäuft), dass sie sich für Rollen hässlich machen lassen, ist nicht neu aber problematisch. Warum? Lest hier!
  • The Newsroom ist zu Ende. Das macht mich traurig, da die Serie oft auf sehr intelligente Weise die amerikanische Medienlandschaft kommentierte. Aber auch die beste Serie ist nicht unfehlbar. Auch wenn ich es beachtlich fand, dass sie versuchte sich mit der rape culture in den USA auseinanderzusetzten muss man sagen, dass die Umsetzung nicht zu 100 % gelungen ist.
  • Alles ist irgendwie immer eine Wiederholung von schon da gewesenem. Das sieht man* sehr schön an dieser Geschichte, in der Albert Einstein Marie Curie ermutigt nicht auf die Trolle (mein Wort nicht seins) zu hören.
  • Neues aus der Welt des queer-/feministischen Pornos hat wunder2welt für euch zusammengefasst.

JOHANNES:

Am Abgrund Links – Überwachung, GamerGate und Lena Dunham

Es gibt keine Tage an denen nichts passiert. Ständig passieren interessante Dinge, die man nur nicht mitbekommt. Dem Internet sei Dank können spannende Inhalte jedoch leicht geteilt werden. Wer von euch also meint, dass gerade NICHTS mehr im Internet euer Interesse wecken kann, den können wir hoffentlich umstimmen.

Via Flickr.com, by Calsidyrose

Map and compass_CalsidyroseVielleicht hilft euch das ja bei der Orientierung!

ANNI:

  • Lena Dunhams Autobiographie “Not that kind of girl” hat für einige Aufregung im Internet gesorgt. Unter anderem wird ihr Kindesmissbrauch vorgeworfen. Warum dieser Vorwurf bei einer Siebenjährigen nicht greift, könnt ihr in diesem Artikel nachlesen.

JOHANNES:

  • Ich habe am Wochenende “Citizenfour” gesehen, den Film über Edward Snowden und die Enthüllung der Totalüberwachung von NSA, GCHQ, BND und anderen westlichen Geheimdiensten. Sehr zu empfehlen, um sich nochmal die Dimension der Überwachung klar zu machen. Verschlüsselungsprogramme spielten bei der Kommunikation zwischen Filmemacherin Laura Poitras, Journalist Glenn Greenwald und Snowden eine zentrale Rolle. Deshalb hat Netzpolitik einen kleinen Überblick über die genutzten Systeme erstellt.
  • Der amerikansiche “New Yorker” berichtet über Dungeons&Dragons und dessen Auswirkungen auf Heranwachsende. Okay, das klingt etwas hochgestochen. Ein Mensch reflektiert über die Bedeutung von D&D von seiner Kindheit bis heute. Lesenswert ist’s allemal.
  • Haben “Die Ärzte” eigentlich ein neues Album rausgebracht und ich hab’s mal wieder nicht mitbekommen? Oder darf ich mit Spannung auf das nächste warten? Wie dem auch sei: Farin Urlaub hat sich mit Johnny Häusler von FluxFM (Berliner Webradio) unterhalten. Amüsant. Ich finde es ja immernoch bemerkenswert, dass Urlaub und Bela B. die fünfzig bereits hinter sich haben, aber trotzdem noch so großartig sind. Rod darf übrigens noch vier Jahre auf sein halbes Jahrhunder warten.

MAX:

  • Studio Trigger lässt sich Zeit mit der Kickstarter-Herzensangelegenheit “Little Witch Academia 2”. Da das Supernatural-Slice-Of-Life “When Supernatural Battles Became Commonplace” nicht jedermanns Sache sein wird, kann man nur empfehlen, dass inzwischen (teils) in Deutschland veröffentlichte “Kill La Kill” zu schauen. Wer irgendwie in Sachen Aktualität japanisches Fernsehen genießt, der könnte sich an “Rage Of Bahamut” versuchen, da Keiichi Sato als Director von “Tiger & Bunny” einen Platz in meinem Herzen erobern konnte.
  • Lebt die PS Vita zumindest in Japan weiter? Hierzulande hat es das kleine Wunder immer noch schwer, da wir Europäer mit den Flash-Games auf unseren Handys ganz glücklich zu sein scheinen. Wenn wir nur auf dieselben Strukturen wie die Japaner abfahren würden, dann wäre die Vita auch eine nie endende Goldgrube. Der Grund dafür ist das “Monster Hunter”-Prinzip für unterwegs. An diese heilige Formel hat sich Sony mit “Freedom Wars” noch etwas näher getraut als noch mit “Soul Sacrifice”. Stilistisch liegt das Loot&Level-Spiel mit seiner Dystopie voll im Trend und auch die meisten Tester lassen sich von dem Prinzip überzeugen.
  • Ich traue mich nicht so recht an GamerGate heran. Warum? Weil es sich um einen bipolaren Streit zu handeln scheint, in welchen man nur eindringen kann, wenn sich für eine Front entschieden wird. Worum es ursprünglich ging und wie das Thema zu dem heutigen geworden ist, bleibt den meisten Menschen verborgen. Deswegen bin ich froh, dass ich zumindest einen recht neutral geschriebenen Artikel mit einer klaren und verständlichen Linie gefunden habe. Aber es wird noch einige mehr dieser Art brauchen, bis ich wirklich verstehe, was die Ausmaße dieser “Affäre” sind.

PoliTicker – Orwell hatte Unrecht

Eigentlich sollte dieser Text ein Aufreger werden. Sarkastisch aber informativ, beobachtend und kommentierend, alles in allem aber leichte Kost bei diesem heißen Wetter. Aber dann musste ich feststellen, dass mir das Thema einfach zu sehr am Herzen liegt. Die Überwachung unseres alltäglichen Lebens durch die Geheimdienste, die uns ja eigentlich beschützen und nicht bespitzeln sollen, ist dermaßen totalitär, dass eigentlich keine Witze mehr möglich sind. Denn die absurden Geschichten werden durch die immer neuen Enthüllungen nur zahlreicher und teilweise so absurd, dass mensch es sich nicht ausdenken könnte. Deswegen ist dieser Text auch kein Aufreger geworden. Sonder ein PolitTicker.

George Orwell hat ein großartiges Buch geschrieben. Es geht darum um menschlichen Anstand und den verzweifelten Versuch, sich diesen Anstand angesichts von Krieg und Totalitarismus zu bewahren. Es handelt aber auch von der Zerreibung der republikanischen Linken zwischen der äußeren Front gegen die Faschisten einerseits und der inneren Front zwischen Republikanern und Stalinisten andererseits. Das Buch heißt übrigens „Mein Katalonien“ und ist ein hervorragendes Buch über den Spanischen Bürgerkrieg. Seine Erfahrungen sind insofern wichtig für diesen PoliTicker, als dass der britische Autor hier erstmals Erfahrungen mit den faschistischen und stalinistischen Ausprägungen von Totalitarismus machte.

In seinem anderen, bekannteren Buch – 1984 – beschreibt Orwell plastisch und mit angemessenen Farbtönen zwischen Dunkelweiß und Fastschwarzgrau einen totalitären Überwachungsstaat. So totalitär, dass auf den letzten Seiten den Leser*inne*n nur ein Gefühl bleibt: Hoffnungslosigkeit. Denn nichts wird die miserablen Lebensumstände der Bewohner von Ozeanien je verbessern, nichts wird diesen Staat je stürzen, nichts den ewigen Krieg beenden. Und was ist ein Leben ohne Hoffnung außer sinnlos?

Via Flickr.com, by Robert Huffstutter

burnig wood_roberthuffstutter Ähnlich sinnlos wie Wildfeuer bisweilen erscheinen. Aber schön.

Unsere Zukunft: Grau oder doch schwarz?
Steht uns diese Zukunft also bevor? Wohl kaum. Verfolgt mensch aber die Berichterstattung über die anlasslose Totalüberwachung der Bürgerinnen und Bürger, so erinnern manche Praktiken der Geheimdienste doch arg an die Orwellsche Dystopie. Mehr noch, angesichts der in den späten 1940er Jahren nicht vorhersehbaren technischen Möglichkeiten bleibt die Erkenntnis: Orwell hatte Unrecht. Denn eigentlich ist es viel schlimmer.

Nehmen wir die Televisoren oder Teleschirme, je nach Übersetzung. Mit diesen fernsehartigen Bildschirmen überwacht der Große Bruder in 1984 seine Untertanen und hält sie zugleich ruhig. Denn die Schirme sind Sender und Empfänger in einem, sowohl in Bild als auch in Ton. Das kommt der aufmerksamen News-Leserin doch bekannt vor: Im November letzten Jahres kam heraus, dass die Smart-TVs von LG mehr oder weniger heimlich Nutzerdaten über das Internet an die Mutterfirma schicken. Und wen hat es im Februar wirklich überrascht, dass der britische Geheimdienst GCHQ die Videodaten des Yahoo-Webcam-Chats abgreift und alle fünf Minuten ein Bild der beteiligten Personen (oder was auch immer) schießt? In dem Zusammenhang wäre die Speicherung von Audiodaten dieser Chats kein allzu großer Schritt mehr. Apropos Audio…

Via Flickr.com, by -mtnoxx-

surveillance drone_-mtnoxx-Überwachungsdrohnen. Bald auch in ihrem unmittelbaren Luftraum.

Die Gefahr aus der Hosentasche
Um die eigene Bevölkerung auch außerhalb ihrer Wohnungen und großer Städte angemessen ausspionieren zu können, hat der Große Bruder in der freien Natur Aufnahmegeräte installiert. Heutzutage tragen wir diese versteckten Abhörinstrumente mit uns herum. Im August 2013 berichtete das Wall Street Journal, dass das FBI die Mikrofone von Android-Geräten fernsteuern und somit nach eigenem Gutdünken ein- und ausschalten kann. Wir bekommen davon nichts mit. Und da in den meisten (Post-)Industrienationen der Mobilfunkempfang quasi flächendeckend ist, gibt es kein Entkommen vor den spitzen Ohren der Geheimdienste. Denn seien wir ehrlich: Wenn das FBI diese Technik beherrscht, dann wohl auch die NSA und andere.

In einem Punkt aber überschreitet die heutige Situation noch die von Orwell heraufbeschworene Totalität der Überwachung: Alles, wirklich alles was wir im Internet machen, wird von den Geheimdiensten aufgezeichnet und als Metadaten abgelegt. NSA, BND, GCHQ und alle anderen wissen, welche Nachrichten wir lesen, welche Spiele wir spielen, wo wir wann welche Kleidung bestellen, welche Krankheiten wir googeln, welche Artikel wir auf Wikipedia anschauen, mit welchen Leuten wir auf Facebook Kontakt haben und aus unseren Porno-Vorlieben basteln sie Fetisch-Profile. Wer sich dagegen wehrt, gilt als Extremist.

Via Flickr.com, by NeilllP

sandals in chains_NeilllPNichts ist mehr sicher.

Superdupermegahyper-Grundrecht Sicherheit
Bleibt die Propaganda in Orwells Ozeanien. Der Große Bruder ist allgegenwärtig und beobachtet jeden immer und überall. Der nicht endende Krieg geht mal gegen Eurasien, dann wieder gegen Ostasien. Hauptsache, es wird immer gekämpft, es gibt immer einen Grund für Mangel und Bedrohung.

Zum Glück stecken wir nicht in einem Krieg. Obwohl, wie war das nochmal mit dem Krieg gegen den Terrorismus? Wo wurde Deutschland nochmal verteidigt? Laut Peter Struck ja am Hindukusch. Ziel des ganzen soll die Sicherheit der Bevölkerung sein, die der damalige Innenminsiter Hans-Peter Friedrich im Juli 2013 zum Supergrundrecht erhob. Dem hätten sich dann alle anderen Grundrechte unterzuordnen. Also die gesamten sogenannten „bürgerlichen“ Freiheiten, für die Menschen seit knapp 300 Jahren kämpfen. Zum Glück ist der Mann nicht mehr bundespolitisch aktiv.

Sicherheit ist die Universalantwort für alle Bedenken gegen die Totalüberwachung. Sicherheit ist der fortwährende Krieg gegen Eurasien und Ostasien, dem sich unsere Gesellschaften entgegen sehen. Das wunderbare an Sicherheit ist doch: Sie ist durch den ominösen Terrorismus ständig in Gefahr. Ein Krieg fängt an und hört wieder auf. Aber Terrorismus endet nie, denn er findet in der Mitte der Gesellschaften statt und kann partout nicht verhindert werden.

Via flickr.com, by Zigazou76

SONY DSCAuch nicht mit allen Kameras der Welt.

Sicherheit hilft nicht gegen Bomben
Denn auch die größte Überwachung und die höchsten Sicherheitsvorkehrungen konnte die beiden Bombenattentäter beim Boston-Marathon 2013 nicht aufhalten. Auch nicht die zahlreichen Amokläufer danach. Und es sei daran erinnert, dass 2012 eine Bombe am Hauptbahnhof in Bonn gefunden wurde, die nur deswegen nicht hochgegangen ist, weil der Zünder vergessen wurde. Zum Glück. Aber auch das Supergrundrecht Sicherheit hätte das nicht verhindern können.

Was bringt uns diese allgegenwärtige Paranoia? Wir betrachten unser Gegenüber nicht mehr als Menschen, sondern nur noch als Gefahr. Nicht mehr als eine eigene Person, sondern beziehen diese Person nur noch auf uns: Wie könnte dieser Mensch mir gefährlich werden?

Dabei ist doch aber das Vertrauen, dass wir gegenüber Anderen haben, gegenüber Mitmenschen und Freunden, das wichtigste Gut was wir besitzen. Wie soll eine Gesellschaft funktionieren, in der sich die einzelnen Bürger*innen nicht mehr gegenseitig über den Weg trauen? Und wie soll unter diesen Umständen noch ernsthaft Demokratie betrieben werden? Die Sicherheitsparanoia, die immer wieder heraufbeschworen wird, höhlt die Fundamente unseres Gemeinwesens aus.

Via flickr.com, by timtom.ch

hollow library_timtom.chAm Ende bleibt nur Leere.

TORe in die Zukunft
Die von Orwell beschriebenen Zustände sind bei weitem nicht wünschenswert, aber wenn wir ehrlich sind unterscheidet sich unsere Situation nicht mehr allzu sehr von der in 1984. Was können wir also tun, um diese massive Verletzung unserer Privatsphäre und damit unserer verfassungsrechtlichen Privilegien gegenüber dem Staat zu schützen?

Der erste Schritt ist die Benutzung von TOR. Der TOR Browser leitet eure Suchanfragen über mehrere Proxy-Server um, so dass euer Surfverhalten nicht mehr eindeutig auf euch zurückgeführt werden kann. Und je mehr Leute TOR nutzen, desto schwieriger wird es, die Datenströme Nutzer*innen zuzuordnen und sorgt somit für mehr Anonymität.

Der zweite Schritt: Nicht einlullen lassen. Klar, Sicherheit ist uns allen wichtig, aber sie kann nicht garantiert werden. Wer Sicherheit als Argument für die Einschränkung unserer Rechte anführt, der versucht Angst zu machen. Absolute Sicherheit gibt es nicht, auch nicht mit Totalüberwachung. Viel wichtiger ist gegenseitiges Vertrauen und Offenheit. Die Gründe für Terrorismus sind übrigens nicht unbedingt religiöser Natur. Terrorismus entsteht oft genug aus purer Perspektivlosigkeit. Dort sollte der Krieg gegen den Terror ansetzen.

Der dritte Schritt: Information. Seiten wie Netzpolitik.org und Abgeordnetenwatch.de informieren uns kritisch und erlauben es, Fragen zu stellen. Eine kritische Öffentlichkeit, die Maßnahmen hinterfragt und ein gesundes Misstrauen den Herrschenden gegenüber an den Tag legt, sorgt wahrscheinlich für mehr Sicherheit als alle Überwachungskameras der Welt.

Der vierte Schritt: Demokratie. Genauso wie wir uns nicht einlullen lassen dürfen von den Sicherheitsextremisten, dürfen wir auch nicht die Leute wählen, welche diese Politik erst ermöglichen. Also achtet auf die netzpolitischen und datenschutzrechtlichen Aussagen in den Programmen der Parteien. Und um aller Götter willen: Verhindert die nächste Große Koalition.

Via flickr.com, by PVBroadz

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Meine Damen und Herren: George Orwell

Vor allem aber gilt: Redet miteinander. Redet mit euren Arbeitskolleg*innen, euren Kommiliton*innen, euren Freund*innen und Geschwistern. Wann immer jemand die Sicherheitsfahne schwenkt sagt „Nein!“, denn die Grenze zwischen berechtigter Sorge und maßloser Überwachung wurde schon lange überschritten. Nicht zuletzt schafft Kommunikation auch Vertrauen. Und in einer Welt, in der wir alle potentiell verdächtig sind, ist Vertrauen aufeinander die beste Waffe, die wir haben.

BackTrack – Ein bisschen Entertainment

Das sportliche Großereignis ist vorbei, es wurde gejubelt, alles gesagt, weiter im Text. SPON war so nett, alles was im Tunnelblick verloren gegangen sein könnte, in Kürze zusammenzufassen. Nette Geste, aber ziemlich witzlos, weil die Dinge unhinterfragt wiedergegeben wurden, als wäre es vollkommen ok, sie verpasst zu haben. Aber der Spiegel säße bei Kritik zur einseitigen Berichterstattung sowieso im Glashaus. Aber Rückblicke auf Politik und Gesellschaft können wir bekanntermaßen auch: ein bisschen NSA, allgemeine Idiotie und Gerüchte um Merkels (hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft *hust*) Rücktritt.

Via Flickr by Jason Rogers

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WM ist aus, der Euphorie folgt hoffentlich nicht Leere.

Aber auch Entertainment kommt bei uns selbstverständlich nicht zu kurz: ein bisschen Geradlinigkeit im Pelz der Entscheidungsfreiheit, ein bisschen erwartete Enttäuschung (True Blood) und viel erwartbare Nostalgie (Sailor Moon Reboot) im letzten Max-Anni-Wasglotztnso-Podcast. Hilft vielleicht auch dabei euch im Fernseh-Limbo (Feierabend 18 Uhr, wie kein Fußball?) neu zu orientieren. Angenommen ihr habt sonst keine Hobbies.

Ich fand zuerst Porcupine Trees “Fear of a Blank Planet” als sehr passenden Track zum massenmedialen Agenda-Setting (auch wenn das nicht das eigentliche Anliegen des Tracks ist), aber dann hab ich mich an Oneohtrix Point Nevers Track hier erinnert, der auf ganz andere Art und Weise zeigt, wie speziell das Internet zwar individuelle Persönlichkeiten ausprägt, aber zeitgleich vereinsamt und Blicke auf kollektive Probleme zerstreut. Den Autoren nach geht es um obsessives Verlangen, aber das schließt die Interpretation oben ja nicht aus, im Gegenteil. Huxley’scher Informationsüberfluss. Hurrah!

An dieser Stelle: ernst gemeinte Trigger-Warnung, NSFW und kann vermutlich auch epileptische Anfälle verursachen. Spaß damit.

Still Life (Betamale), Jon Rafman + Oneohtrix Point Never, 2013 from jonrafman on Vimeo.

Am Abgrund Links – 14.07.2014

Jede Woche verbringen wir viel zu viel Zeit im Internet. Doch egal wie oft wir alle durch die Weiten des Netzes surfen, man kann nicht immer alles wahrnehmen.

Deswegen gibt es von uns für euch eine Linksammlung zu den Themen, die uns in der letzten Woche fasziniert haben. Ob Filme oder Games, ob Feminismus oder Politik unser Blog ist so unterschiedlich, wie die Menschen die ihn betreiben – Hier erfahrt ihr, was uns im Kopf geblieben ist.

Via Flickr.com, by Gabriel Borda

down-lefT_gabriel bordaMensch beachte das etwas verwirrt wirkende Laubblatt am unteren linken Bildrand.

JOHANNES:

  • Im Zuge der Enttarnung der US-Spione in Deutschland (kann mensch das anders ausdrücken) sowie der Offenbarung des TOR-Netzwerks als “Extremisten”, hier ein längerer Artikel (auf englisch) über XKeyScore und dessen Nutzung in Deutschland. Schnell lesen, bevor es depubliziert werden muss.
  • Ich hatte mich bereits in einem Aufreger über das Verständnis mancher Idioten von Meinungsfreiheit ausgelassen. Es stellt sich heraus, mensch braucht nicht unbedingt fast 1000 Worte, um zu sagen: “Ihr seid Idioten!”. Es reicht auch ein Comic-Strip.
  • Die Electronic Frontier Foundation aus den USA hat ein Foto unter Public Domain (also urheberrechtsfrei) veröffentlicht. Darauf ist das Datenzentrum der NSA in Utah zu sehen. Dort werden alle unsere Daten (ja, wer auch immer das gerade liest: auch deine Daten. Ob du’s willst oder nicht. Egal, ob du was zu verbergen hast oder nicht. Egal, wie sinnvoll das ist. Es wird gemacht.) gespeichert, um in Programmen wie XKeyScore ausgelesen werden zu können. Verbreitet das Photo, um den Spieß zur Abwechslung mal umzukehren.

Max:

BackTrack – Aufregung

Ach, die Welt und die auf ihr internierten Bewohner. Sie dreht sich um sich selbst, wir drehen uns im Kreis. Irgendwie bezeichnend, denn noch nicht mal ist TTIP vom Tisch, wird hinter verschlossenen Türen schon über das nächste Abkommen verhandelt, während Deutschland und der restliche Großteil der EU in die Röhre guckt (oder den Flat). Macht schon Spaß dabei zuzusehen, wie alte Fehler wiederholt werden. Das Auftreten von Truppen wie ISIS hat ja schon beinahe Tradition, aber um Demokratie geht es in der Region schon lange nicht mehr. Vielleicht bei der Bevölkerung aber die muss man ja nicht fragen.

Via flickr by Mike Mozart

Slinky

Abwärts immer, aufwärts nimmer.

Themen mit Konfliktpotential sind inzwischen so komplex geworden sind, dass sich Entscheidungsprozesse bis in die Irrelevanz derselbigen verschieben, weil es an Ideologie mangelt. Statt einer grundsätzlich vernünftigen Idee zu folgen wird heute erstmal abgewogen, was für Konsequenzen dieses oder jenes Handeln hat und macht die Merkelraute (warum auch immer es offiziell keiner als “die Hände in den Schoß legen” interpretiert). Den einen mag es nerven, dass Herr Lobo kein anderes Thema als den Spionageskandal mehr kennt, aber die Realität gibt ihm Recht.

Der NSA-Skandal ist noch Thema? BND involviert? Doppelagent im Untersuchungsausschuss? Merkel ist “empört” und Gauck rügt die USA wie der Elternteil, der sich nicht mehr gegen das eigenwillige Kind durchsetzen kann: “Jetzt reichts aber auch mal.”  Toll, dass Johannes’ und meine Reaktion unabhängig voneinander dieselbe ist: ein nervöses Lachen. Schön auch, wie naiv-vorsichtig sich Gaucks Antwort gestaltet: “[…] wenn sich tatsächlich es so darstellen sollte, dass möglicherweise […]”. Das verleiht den anschließenden Worten (s.o.) doch gleich mehr Kraft. … Meine Fresse, Gauck! Ein bisschen mehr Aufregung!

Vieles läuft anders als man es gerne hätte, nicht nur in der Politik. Doch immerhin können Max und Johannes der letzten Zeit etwas Gutes abgewinnen, trotz sehr kritischem Start in das E3-Review! Für den ganzen anderen Mist, der schief läuft: Gesaffelstein, Meister abgefahrener Musikvideos und schön düsterem, metallischenen Techno.

Am Abgrund Links – 07.07.2014

Jede Woche verbringen wir viel zu viel Zeit im Internet. Doch egal wie oft wir alle durch die Weiten des Netzes surfen, man kann nicht immer alles wahrnehmen.

Deswegen gibt es von uns für euch eine Linksammlung zu den Themen, die uns in der letzten Woche fasziniert haben. Ob Filme oder Games, ob Feminismus oder Politik unser Blog ist so unterschiedlich, wie die Menschen die ihn betreiben – Hier erfahrt ihr, was uns im Kopf geblieben ist.

Via flickr by Ben McLeod

leftIm Zweifelsfall immer in Richtung (Weiter)bildung!

ANNI:

  • Wie man* nicht auf Sexismus reagieren sollte, hat cracked.com netter Weise noch einmal für uns zusammen gefasst. “And here you have by far the worst response to sexism: nothing.”
  • Die USA ist leider auf ein Neues nicht für gute Nachrichten zuständig. Nachdem der surpreme court sich zu Gunsten von Hobby Lobby entschieden hat schwanken nicht wenige zwschen Ungläubig- und Fassungslosigkeit. In erster Linie beweist der Fall aber auf ein neues, dass es nicht um Gesundheit oder Religion geht, sondern um das Bedürfnis weibliche Sexualität zu regulieren.
  • Wie sexistisch Casting Aufrufe in den USA sein können (und wie sehr es um ein junges Alter und Schönheit geht) kann man trauriger Weise hier sehen.

JOHANNES:

BackTrack – Rückblick auf Rückblicke

Wir blicken ja schon ganz schön viel zurück: mit unseren Links am Abgrund sammeln wir Lesenswertes unserer wöchentlichen Browser-Historie und mit dem letzten Mehr Spieler fassen Max und Johannes das vergangene Quartal der Gamer- und Gameswelt zusammen, soweit das in 39 Minuten möglich ist. Eigentlich verrückt, dass ich dann noch zusätzlich die Funktion habe, darauf erneut zurückzublicken. Ohne den Track in jedem Post käme ich mir ganz schön unnütz vor, vor allem weil ein übergreifendes Motiv rückwirkend immer schwer zu finden ist. Man hat ja auch einen Strukturanspruch an sich selbst.

Van_Eyck_-_Arnolfini_Portrait

Die wohl berühmteste Selbstreflektion der Welt. Van Eyck’s “Arnolfini-Hochzeit”, 1434. Via Wikimedia Commons.

Immerhin, auch Anni schaut mal wieder vorbei und räumt nachdem sie nochmal kurz über ihre früheren Posts sinniert (Oha, Rückblick!) mit bewussten und unbewussten Entgleisungen der Feminimuskritik auf. Aufräumen will auch so manch anderer, die größten Aufräum-Aktionen haben aber wohl letzte Woche im ewigen Krisengebiet Israel/Palästina stattgefunden – mit bekanntlich schlechtem Ausgang. Aber aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, das ist gerade in der Politik die Stärke von wenigen. Leider auch keine von dem sonst so gefeierten ehemaligen Präsidenten Brasiliens Lula da Silva, der die WM 2007 in sein Land holte. Und was wären Nachrichten ohne den größten, bekanntermaßen dem Allgemeinwohl verpflichteten Informationsdienst überhaupt: die NSA.

Musikalisch wird jetzt auch zurückgeblickt. Mit “Rival Dealer” versetzte Burial Ende letzten Jahres seinen charakteristisch-melancholischen, knarzenden Sound zurück zu den Wurzeln seiner Inspiration: Jungle. Gleichzeitig versetzen die Voice-Samples den Track in die moderne Debatte um sexuelle Identität und machen ihn zu einem Stück, das doch im Hier und Jetzt verankert ist.

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