Tag: musik (Page 1 of 3)

Gute(r) Dinge – Post-Rock auf YouTube

Musikalische Genres sind schwierig. Sie sind in gewisser Weise, manchmal und auch nur vielleicht nötig, müssen zwangsweise aber sehr grob bleiben. Man nehme beispielsweise die Unterscheidung zwischen Jazz, Pop und Klassik, die drei gängigen Meta-Genres in der Musik. Dass es einen Unterschied zwischen klassischer und populärer Musik gibt, ist irgendwo noch einleuchtend – aber Jazz? Der wird zum Teil mit den gleichen Instrumenten gemacht wie Popmusik und, im engeren Sinne, auch manche klassischen Stücke (Blasinstrumente, Klavier etc.). Sobald wir aber in die Popmusik abtauchen, wird es gänzlich blöde: Da haben wir Rock, Pop im engeren Sinne, Hip-Hop (der ja mittlerweile auch viel Pop ist), wir haben Techno, vielleicht noch Indie oder Singer/Songwriter und schließlich Metal, mit seinen Myriaden an Untergenres. Kann mir jemand den signifikanten, musikalischen Unterschied zwischen Doom-, Death-, Thrash- oder Vampire- und Gothic-Metal erklären?

Das vorweg also zu Genregrenzen, bevor ich anfange über eine bestimmte Musikrichtung zu schreiben. Es geht um Post-Rock, diese mysteriöse Spielart der Instrumental-Musik. Wenn ich versuche, Leuten das Genre zu beschreiben, dann sage ich so etwas wie „Klassisches Rock-Ensemble, die lange Stücke spielen, ohne Gesang, mit Elektronik-Einflüssen“. Das beschreibt aber nur einen Teil des Spektrums der verschiedensten Bands. Gemeinsam haben aber alle Vertreter*innen von Post-Rock, dass sie eine Abwechslung vom so oft gehörten und klinisch durchproduziertem Mainstream-Pop bieten – und ich daher mehr und mehr Musik aus dieser Richtung höre, manche Alben sogar genieße. Und das schöne daran, so ein Genre entdecken zu dürfen, ist, immer wieder etwas Neues zu finden. Neue Variationen, neue Interpretationen von Bekanntem, abgefahrene Experimente, nervige Wiederholungen, ans Unhörbare grenzende Dissonanzen – all das findet sich in dieser riesigen Fundgrube des Genres. Es ist so, wie wenn man eine*n neue*n Autor*in entdeckt und vielleicht auch so, wie eine neue Beziehung zu beginnen: Am Anfang ist alles extrem aufregend und es stürzen die neuen Erfahrungen auf einen ein. Da freut man* sich, wenn es einzelne Orientierungspunkte in einem Meer aus Neuem gibt.

Deswegen finde ich es großartig, dass es YouTube-Kanäle wie den von Ahmet aus der Türkei gibt. Unter Worldhaspostrock veröffentlicht Ahmet regelmäßig Uploads von Bands aus dem Bereich Post-Rock. Meistens sind eine kleine, unbekannte Bands, die er auf Bandcamp oder per Reddit entdeckt hat. Jedes Video enthält Hinweise auf die Musiker*innen und den Aufruf, die Macher*innen zu unterstützen. Worldhaspostrock ist aber nicht der einzige Kanal, der Musik aus dem Bereich Post-Rock teilt. Da gibt es noch Wherepostrockdwells, In the woods, 9eCn3 und weitere, die sich zum Teil gegenseitig unterstützen und hochvoten. Es ist in diesen Zeiten einfach rührend und auch ganz wichtig zu sehen, wie Menschen zusammenfinden, sei es über das Internet, Musik oder beides. Ahmet bekommt in seinem Video, in der er auf Feedback seiner Hörer*innen hofft, ganz viel positive Rückmeldung und Unterstützung – eine Seltenheit in den bekanntermaßen toxischen Kommentaren bei YouTube. Ich selbst habe durch die verschiedenen Kanäle schon ein paar Bands und Musiker*innen entdeckt, die mein Leben seitdem mit viel schöner Musik angereichert haben.

Ich bin mir sicher, dass es für viele andere Genres ebenfalls entsprechende Kanäle gibt. Reddit und Bandcamp sind ebenfalls zwei wunderbare Anlaufpunkte für Leute, die sich nach neuem Ohr-Input sehnen. Und was gibt es schöneres, als eine neue Beziehung mit neuer Musik einzugehen?

Featured Image by Mikey G Ottawa

Am Abgrund Links – Analoges Exil und Analoge Videokassetten

Es ist wieder Wacky Week hier bei uns auf dem Blog. Statt Montags bringen wir diese Woche die Links am Dienstag. Wildes Weltzugrundegehen! Dafür haben wir extra Anni aus der unfreiwilligen Internet-Abstinenz geholt!

Anni

  • Mein Leben im analogen Exil nervt, aber in den letzten Wochen wollten weder mein Computer noch mein Internet funktionieren. Ersteres ist mittlerweile wieder fit, zweiteres wiederum… Wie dem auch sei, es wird Zeit, dass auch ich wieder etwas zu den Links beisteuere, denn das ist eine andere Lektion der letzten Wochen. Die Welt hört sich nicht auf zu drehen, nur weil man* keine Möglichkeit hat immer informiert zu sein.
  • Der Freitag (eine Wochenzeitung, die konstant mein Herz erobert) fast noch einmal schön zusammen, was das Problem mit Xavier Naidoo und dem ESC ist. Außerdem waren noch  einige Überlegungen zu Sozialismus, Innovationen und neoliberalen Gedanken zufinden. Absolut lesenswert.
  • Über Pinkstinks habe ich ein cooles Projekt entdeckt. Diese Seite erzählt die Märchen der Gebürder Grimm neu und versucht damit die Wirkung von Narrativen auf Kinder zu verdeutlichen.
  • Für den Abschluss noch was schönes. Das Internet hat neben seiner Schattenseiten auch immer wieder nette kleine Überrraschungen zu bieten. Zum Beispiel Bilder von gealterten Superheld*inn*en. Enjoy.

Johannes

  • Kennt ihr sie noch? Videotheken? Wo man gaaaaaaaaaaaaaaaa-ha-hanz früher VHS-Kassetten geliehen hat, später dann DVDs? Und heute gar nichts mehr leiht, weil die Dinger fast alle zumachen? Der Grund dafür ist ganz einfach: Dank Internet, Streaming, Video-on-Demand und nicht zuletzt den Übernacht-Services von Amazon und Co. haben sich Sehgewohnheiten und Konsumverhalten von Filmen geändert. Wie sich das auf eine kleine Videothek in den USA auswirkt, schildert dieser Text von Dennis Perkins. In den Vereinigten Staaten sieht die Situation nochmal ein bisschen anders aus als hier in Deutschland, da es dort große Verleihketten wie Blockbuster gab, die nach und nach kleinere Läden aufkauften – nur um dann selbst pleite zu gehen. Die Ketten gibt es auch in Deutschland, beispielsweise Bari-Videofuchs-Videotheken in NRW, sind allerdings wesentlich kleiner als ihr nordamerikanisches Pendant.
  • Auch sehr US-zentriert ist diese Aufzählung von 28 verbreiteten Rassismen und die Möglichkeiten, ihnen argumentativ zu begegnen. Was wir ja oft ausblenden ist, dass in den USA das Thema viel offensichtlichter ist und daher auch offensiver behandelt wird. Das führt natürlich zum einen zu mehr offenen Rassismus in der US-Gesellschaft, zum anderen aber auch zu einer im Prinzip größeren Sensibilität diesem Thema gegenüber. Anders in Deutschland: Hier gilt ein Mensch erst als Rassist, wenn sie oder er Juden vergasen und farbige Menschen mit dem N-Wort bezeichnet (das mit dem dopelten G, das mit dem einfachen G entzündete ja vor ein paar Jahren eine wunderbar absurde Diskussion über die Daseinsberechtigung von rassistischen Begriffen in Kinderbüchern). Hier gibt es kein Bewusstsein für die gängisten Formen von Rassismus, weshalb in Dresden und ich viel zu vielen anderen Städten jeden Montag ein Haufen Rassisten durch die Straßen stolzieren darf, ihre xenophobe Scheiße in die unbeleuchtete Dezembernacht herausbrüllen darf und dabei sich zu sagen erdreistet “Ich? Ich bin doch kein Rassist!”. Wo wir da gerade beim Thema sind…
  • Neben all den anderen schrecklichen Dingen (s.o.), für die PEGIDA und die AfD so verantwortlich sind, ist das Wiedererscheinen des Begriffes “Volk” eines der schlimmsten. Der von den neurechten so oft bemühte Spruch “Wir sind das Volk” knüpft dabei nur für uninformierte an die Tradition der Wende-Demonstrationen an. Viel näher liegt der Spruch leider am Volksbegriff der Nationalsozialisten und Rassenkundler des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Da helfen auch alle falschen “Nazis raus!”-Rufe bei PEGIDA nicht. Denn, wie Michael Bittner feststellt, ist das ohnehin eine brechreizerregende Verdrehung des Begriffes. Sagen wir also doch bitte, wie es ist: Da laufen, bei AfD und PEGIDA insbesondere, Nazis mit. Scheißegal, ob sie sich selbst so identifizieren oder nicht, ihre offenbarten Taten und Positionen sprechen da deutlich genug.

Featured Image by Calgary Reviews

Am Abgrund Links – Miracle Of Sound und viel Schönes dabei

Es gibt so viel zu berichten. So viel. Aber als geübte Medienwissenschaftler*innen und Historiker*innen wissen wir um unsere Gatekeeper-Allmacht und präsentieren euch heute unser Best-Of-Links der letzten Woche. Viel Schönes dabei, hoffentlich.

JOHANNES

  • Dadaismus ist eine Kunstform, die durch Sinnlosigkeit den gängigen Formalismus verschiedener Kunstarten aufbrechen möchte und hat seinen Ursprung in den 1920er Jahren. Somit ist Dadaismus eigentlich längst antiquiert, aber entsteht mehr oder weniger unfreiwillig durch Projekte wie Twitch-Plays. Das beweisen die Leute von Superlevel, wenn sie vom Twitch-Chat ein Review über Metal Gear Solid V verfassen lassen. Und mit diesem herrlichen sinnlosen Artikel-Link gebe ich bekannt, nichts mehr über MGSV zu posten. Es war einfach zuviel in letzter Zeit. Am Ende wirft mensch uns noch vor, wir wären gekauft (wenn’s mal so wäre)!
  • Das Thema Sandbox bzw. Open World treibt mich spätestens wieder seit den gemischten Reviews zu Mad Max (dem Spiel) um. Ich habe mit der spontanten Deinstallation von AssCreed IV das klassische AAA-Open-World über Bord geworfen. Ähnlich skeptisch sieht es auch das Team von Rock, Paper, Shotgun, die in einem kooperativen Artikel ihre Meinungen zum derzeitigen Stand von Sandbox-Spielen kundtun.
  • In München hat an diesem Wochenende das Oktoberfest angefangen. Das gibt mir Gelegenheit, mal wieder auf die wunderbare Webseite von München kotzt zu verweisen. Das Team dokumentiert jedes Jahr den Exzess um Bier, Bratwurst und Bumsen in Fotos und zeigt, wie würdelos es ist, sich die Hucke mal so massiv zuzusaufen. Falls ihr also vorhabt, jemals irgendwann auf diese überdimensionierte Kirmes zu fahren: Schaut euch vorher diese Bildergalerie an. So wollt ihr nicht enden.
  • Und schließlich hat 3Sat einen Auftritt der Gruppe “Viel Schönes dabei” aufgezeichnet, den ihr noch bis zur De-Publikation in der Mediathek anschauen könnt. Die Band stellt momentan quasi das Dream-Team des deutschen Kabaretts (oder der Kleinkunst) dar, mit Michael Krebs (Jazzpianist), Julius Fischer (The Fuckhornisschen Orchestra) und Marc-Uwe Kling (der mit dem Känguruh). Ein bisschen Musik, viel melancholische Revolutionssehnsucht und insgesamt, nun ja, viel Schönes dabei.

MAX

Featured Image by Phil Whitehouse

Am Abgrund Links – NSA, Grafikhuren und die Trinkgeldfrage

24 Wochen sind im Jahr 2015 bereits vergangen, zum Glück ist noch kein Ende in Sicht. Weil jeden Tag so viele spannende Dinge passieren, wir Menschen aber leider nur begrenzt Zeit haben, können wir nicht all die wichtigen Sachen wahrnehmen, die wir lesen, hören und sehen wollen. Hier nun die Dinge, die wir wichtig fanden und mit euch teilen wollen.

ANNI

  • An dieser Stelle wird noch einmal sehr schön zusammengefasst, wieso Iggy Azalea so problematisch ist.
  • Nachdem ein Artikel im Daily Beast erschienen ist, welcher Paul Nungesser als unschuldig angeklagt darstellt, ist es abermals wichtig darauf hinzuweisen, dass tendenziell in den Medien der Vergewaltiger eher verteidigt wird, als das Opfer geschützt.
  • Über das Trinkgeld am Ende des Abends streiten sich bekanntlich die Geister. Manch eine*r rundet auf, der*die andere gibt immer 10 %. Als Mensch der in der Gastro gearbeitet hat, tendiere ich immer zu zweiterem oder mehr. Das Grundproblem hat der Fluter sehr schön auf den Punkt gebracht.

JOHANNES

MAX

Featured Image by Michael Dawes

Mit Magengeschwüren Musik machen – Chrono Trigger

Nostalgie ist ein zweischneidiges Schwert. Sie erlaubt es uns, Erlebnisse mit unseren Freunden zu erinnern und mit Fremden über gleichartige Erfahrungen Bekanntschaft zu schließen. Aber sie verklärt auch die Vergangenheit und lässt uns nicht mehr kritisch betrachten, was früher war. Ein Beispiel: Leih-Videotheken. Heute gibt es sie nicht mehr so zahlreich wie in den 90ern, weil die digitale Distribution vieles einfacher gemacht hat. Filme leiht man sich heute nicht mehr, man streamt sie (natürlich legal). Will mensch wissen, ob ein Videospiel gut ist, dann leiht mensch es sich nicht aus, sondern schaut Let’s Plays (Demos gibt’s ja nicht mehr). Deswegen hat auch “meine” Stammvideothek von damals zugemacht, an ihrer Stelle steht dort nun eine Spielhalle – leider keine von der guten Sorte.

Leih-Videotheken waren damals ein Segen für Filmfreund*innen und Spielefans. Aber irgendwie auch immer etwas zwielichtig. Es trieben sich alle möglichen Arten von Menschen in diesen Videotheken rum, es wurde geraucht (das ging damals noch) und dort wanderten alle Arten von Filmen über die Theke. Es gab den Begriff “Internet-Porno” ja noch gar nicht – in meiner Kleinstadt gab es vor 1996 wahrscheinlich noch nicht einmal den Begriff “Internet”. Die Damen und Herren hinter der Theke schienen mir als Kind eine eingeschworene Gemeinschaft, die jeden Tag und jede Nacht in den filmgeschmacklichen Abgrund der menschlichen Existenz schauen mussten. Aber, und hier ist meine Nostalgie absolut angebracht, durch sie durfte ich in zahlreiche Videospielwelten schauen. Vor allen Dingen in eine, die mir danach nie wieder aus dem Kopf ging: Chrono Trigger. In diesem Sinne ein kleines Dankeschön an dich, Leih-Videothek von damals.

Via Flickr, by Daniel

Crono_Lucca_cosplay_DanielCrono und Lucca als Cosplayer auf der PAX East 2010

Das Spiel erschien am 11. März 1995 in Japan und ist damit nun 20 Jahre alt. Ich könnte Zeile über Zeile darüber füllen, warum Chrono Trigger so großartig ist. Genau das aber wäre ein rein nostalgischer Rückblick, eine egozentrische Nabelschau ohne Mehrwert für die geneigten Leserinnen und Leser.
Deswegen möchte ich mich in meinem kurzen Ruckblick auf einen Aspekt von Chrono Trigger konzentrieren, der auf mich bis heute nachwirkt: die Musik.

Für Yasunori Mitsuda (westliche Schreibweise) war Chrono Trigger sowohl der erste große Auftrag als Komponist, als auch sein Durchbruch. Fairerweise muss aber erwähnt werden, dass sein Mentor Nobuo Uematsu (Komponist der Final-Fantasy-Musik) ihm bei einigen Stücken geholfen hat, da sich Mitsuda während der Arbeit an Chrono Trigger Magengeschwüre zuzog. Mitsudas Ziel war es angeblich, die Spieler*innen mit seinen Melodien in eine fremde, fantastische Welt zu führen. Und das ist ihm auch gelungen.

Die Musik in Chrono Trigger ist ungemein vielfältig. Sie enthält eine große Menge an Einflüßen: Während Cronos Thema hervorragend für ein Orchester geeignet ist, sind manche Stücke kleine Jazzkompositionen. Was die piepsigen Emulationen aus den Soundschips des SNES da herausgeholt haben, waren keine synthetischen Klänge. Es waren teilweise einzigartige Kompositionen, aus denen mensch die einzelnen Instrumente heraushören konnte. Für mich damals war die Musik von Chrono Trigger, anders als viele anderen Videospielmusiken, nicht eine Trip durch Synthesizer-Dschungel, sondern ein Spaziergang durch fröhliche Klangwelten.

Via Flickr, by Fabio Santana

Chrono miniature_Fabio SantanaEine kleine Miniatur von Chrono Triggers stummen Helden

Chrono Triggers Welten werden erst durch ihre Musik fassbar und lebendig. So wirkt das schwebende Königreich Zeal mit seinen ätherischen Klängen zwar magisch, die Bongo-Trommeln im Hintergrund erinnern aber daran, dass wir uns noch in grauer Vorzeit befinden. Nicht zuletzt die Themen der einzelnen Charaktere geben ihnen den letzten Schliff. Magus’ Thema unterstreicht seine dunkle Aura, Frogs flötenlastige Musik ist angemessen mittelalterlich und heldenhaft. Robos Thema schließlich ist ein kurzer Ausflug in den industriellen Elektro-Pop (wenn man so will) und dabei so verdammt eingägig, dass ich diese Melodie rauf und runter hören könnte.

Es gibt fraglos viel gute Musik, die auf Videospiele geschrieben wurde. Sehr zu empfehlen ist beispielsweise die Musik von Terranigma. Aber auch neuere Spiele, wie Endless Legend oder Transistor, haben einen wirklich hervorragenden Soundtrack. Jedoch ist mir noch kein Spiel begegnet, dessen Musik mich derart berührt hat wie die von Chrono Trigger. Natürlich ist da viel Nostalgie im Spiel. Andere Musiken aus dieser Zeit, zum Beispiel von Shining Force, Secret of Mana oder Mega Man, sind mir ähnlich vertraut wie Chrono Trigger. Keiner dieser Titel hat sich allerdings so in mein Hirn gebrannt wie der Erstling von Yasunori Mitsuda.

Zum Glück bin ich da anscheinend nicht allein. Denn immerhin werden Medleys vom Chrono Trigger Soundtrack immer wieder bei diversen Spielemusikkonzerten gespielt und es gibt einen Haufen orchestraler Interpretationen von Cronos Thema. Es gibt sogar eine ziemlich abgefahrene Acid-Jazz-Version von Chrono-Trigger-Stücken.

Tröstlich ist, dass durch die Beliebtheit des Chrono Trigger Soundtracks diese Musik auch weiter in die Welt und durch die Zeit getragen wird. Ziemlich passend für ein Spiel, in dem es um Zeitreisen geht. Nostalgie hin oder her.

Mehr Meta-Liebe: Skalier’ mich nicht, Schatz!

Die folgenden Zeilen sagen sehr viel über eure Selbstachtung aus. Und in Konsequenz dessen über die Achtung eurer Mitmenschen und was sie sagen. Schnallt euch an, ich reite wieder auf einem meiner Lieblingsthemen herum. Punktevergabe. Der Blödsinn der in der Schule mit mündlichen Noten bereits mehr mit der stereotypischen Vorstellung eines orientalischen Bazars zu tun hat als mit einer ordentlichen Bewertung von Leistung. Anstatt auf der alten Schulkamelle herumzureiten, möchte ich über ein nicht weniger verbreitetes Phänomen sprechen und werde dabei den ‘ollen G’vatter Haneke aus der Röhre schauen lassen. Die Absurdität der Punkte und Skalen macht auch vor Liebe nicht halt.

Wie macht ihr das so in der Liebe? Ein ganz gewöhnlicher Abend mit Lieblingsserie, Fertigessen und gemeinsamem “Internetten”, Chillen und Lesen ist ein solider Abend. Also ist der Abend… hmm… 7/10. Nichts Herausragendes, aber irgendwie mag man die auf Kohlenstoff basierende Lebensform neben sich doch ein wenig. Ansonsten hätten es wohl auch 6/10 getan. Für den Alltag ist das auch absolut okay. Aber meine Fresse, wenn Valentinstag vor der Tür steht, dann müssen wir an unserem Meta-Liebe-Score arbeiten. Für den Partner muss es mindestens eine 9 sein. Gut, dass wir hoffentlich auch den Bonus haben, den wir so großzügig für pupsnormale Abende mit Maggie Geilenhaal und Kit Sexington vor der Mattscheibe vergeben.

Und unsere Freunde und teilweise auch die Familien gehören schließlich auch überzeugt. Was ist es schließlich wert, wenn unser Partner als einzige Quelle den “Editor’s Choice”-Stempel vergibt. Mama und Papa können mit einer gelangweilt generischen 6/10 ganz schnell dafür sorgen, dass die 9 weit entfernt scheint. Und meine Nicht-Single-Freunde geben bestimmt gewollt schlechtere Punkte, weil sie ihre eigenen Valentinstags-Ideen als ach so großartig verkaufen wollen. Wartet nur auf meine Kritik, ihr Fickfische!

Ich stimme dir 7/10 zu!

Aber gehen wir doch weg vom Valentinstag! Das ist doch ein absoluter Ausnahmezustand! Alles nur von den Medien und Großkonzernen erstunken und erlogen, damit wir noch ein bisschen mehr Asche aus der Urne namens Portemonnaie klopfen! Also begeben wir uns in den Alltag. An den Esstisch, zu einem Plausch vorm Schlafengehen oder zu einer spontan entsprungenen Diskussion. Euer Partner hat sein Argument zu was-auch-immer getätigt und jetzt sitzt ihr da. “Was du mir damit sagen willst… ist 4/10, richtig? Du scheinst unzufrieden und erkennst klare Mängel, die das von dir benannte Thema qualitativ herunterziehen. Kann ich gut nachvollziehen. Ich sehe das nicht ganz so und würde schon eher auf 5/10 gehen, aber 4/10, 5/10… jeder hat da so seine Meinung.”

Via Flickr By Ana Sofia Guerreirinho

15603939749_062c9b2e10_z

10/10. Bedarf doch keiner Erklärung… und erst recht keiner Widerrede!

Das wirkt abstrus und ist es für die meisten von euch hoffentlich. Denn es obliegt euch nicht in erster Linie mit einer Punktzahl vergebens zusammenzufassen, was euer Partner gesagt hat. Oder auch was ihr selbst sagt. Es geht darum zuzuhören. Immer nur zu sagen, dass der Partner stets gute Meinungen hat, bringt nicht viel, wenn ihr überhaupt nicht wisst, was diese Meinungen sind. Eine Meinung und eine Lebenseinstellung ist vielschichtig und komplex und durch unsere Natur auch immer perspektivisch gefärbt. In einfachen Worten: Wenn jemand sich mit modernen Gender-Diskursen auseinandersetzt, dann ist die knapp dreistündige Brunft-und-Bumms-Parade “The Wolf of Wall Street” sehr wahrscheinlich in dessen Augen ein überflüssiges Stück Dreck.

Das ist nur ein Teil einer Komplettaussage, wird diesen Menschen jedoch wichtig genug sein, dass sie den Punkt ausführlich in eine eigene Kritik einbringen. Es kann wiederum sein, dass diese Menschen gleichzeitig sagen, dass sie dies nicht davon abhält dem Film eventuelle filmische Qualität in Form von Erzählung, Technik und Schauspiel abzusprechen und wenn sie dann dumm genug sind dem Film eine gute Note zu verpassen, müssen sie damit rechnen, dass viele Rezipienten sich nicht die Mühe machen, alle Punkte aufzunehmen. Es wird gespannt auf das Fazit und die Punktzahl gewartet. 8/10, wow, dann sollte ich mir das Produkt vielleicht doch geben, 6 und niedriger: na, dafür muss ich wirklich kein Geld ausgeben.

Gib’ mir deine Nummer

Die Punktzahl sorgt in einer Aussuch-Gesellschaft mit einer Vielzahl von Quellen zu Produkten aller Art zu lediglich einer Sache: der Entwertung des Wortes und der Kritik an sich. Ich könnte mit euch wetten, dass wir problemlos in die meisten Reviews über 500 Worten ähnlich wie Wikipedia-Artikel mit Schimpfwörtern, Kuchenrezepten und politisch aufgeladenen Botschaften füllen könnten… und kaum jemand bemerkt es.Wie oft redet ihr mit anderen Menschen über Filme, Bücher, Games und eine Person im Raum fragt, wie das jetzt in Punkten zu bewerten sei. Oder ob das nicht besser/schlechter als dieser und jener Titel sei.

Es ist für euch das, was ihr vor dieser bescheuerten Frage gesagt habt, dass es ist. Und wenn euch eure Meinung wichtig ist, dann zwängt ihr eure Meinung nicht in eine Zahl. Nur damit euch dieselbe Person 10 Minuten später erklärt, dass die 8/10 für “12 Years A Slave” nicht mit den 8/10 für “Dumm und Dümmer” verglichen werden können. Und selbst an diesem Punkt merken viele noch nicht, dass sie die Meinungen so vieler Menschen schlichtweg ausradieren und durch Nummerncodes ersetzen. Ich hätte dazu noch eine höchst anstößige Zeile, aber hoffe einfach mal, dass das hier genug Hirnfutter ist. Und wer glaubt, dass ich hier ein Nischenkonzept anspreche, der fragt einfach mal männliche Freunde, ob sie schon mal Frauen auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet haben… und wenn es nur “im Scherz” war.

Featured Image by Betsy Weber

Am Abgrund Links – AfD Reloaded, Gamergate und Rape Culture

Es gibt keine Tage an denen nichts passiert. Ständig passieren interessante Dinge, die man nur nicht mitbekommt. Dem Internet sei Dank können spannende Inhalte jedoch leicht geteilt werden. Wer von euch also meint, dass gerade NICHTS mehr im Internet euer Interesse wecken kann, den können wir hoffentlich umstimmen.

BlogFFXV Schaut doch auch mal vorbei! Mit freundlicher Genehmigung des FFXV-Teams, Copyright SqareEnix

ANNI:

  • Rape culture ist leider überall. Wie sehr die Popkultur dazu beiträgt, eine sexistische Gesellschaft zu erhalten kann man hier nachlesen.
  • Das Frauen* im Internet eine andere Dimension von Belästigung erfahren, wird gerne abgestritten oder mit einem ‘das darf man nicht ernst nehmen’ abgetan. Nicht nur der Fall von Tropes vs. Women in Videogames zeigt aber leider, dass es sich hier um ein ernstes Problem handelt. Dieser Artikel hier ist zwar nicht neu, untermauert aber beindruckend mit Zahlen das eigentliche Problem.

JOHANNES:

MAX: 

Aufreger der Woche – Musikfestivals

(Featured Image by Oolong via Flickr.com)

Seltsamerweise beschleicht mich bisweilen der Eindruck, als Arbeitsloser hätte ich wesentlich mehr zu tun als noch als Student. Ständige Besuche im Jobcenter, Recherche nach mehr oder weniger geeigneten Arbeitsstellen, Bewerbungen schreiben, drucken und abschicken, nicht zuletzt die – in meinem Fall – über ganz Deutschland verteilten Bewerbungsgespräche fressen Zeit und Motivation. Ich hoffe also, ihr wundert euch nicht, ob es den Aufreger nun noch gibt oder nicht (eine berechtigte Frage angesichts der Tatsache, dass wohl knapp 95% der Blogs in Deutschland nach knapp sechs Monaten meist tot sind). Der Aufreger der Woche lebt, aber manchmal muss ich mein Zeitbudget in andere Dinge investieren.

Neben vielen, anderen Dingen investieren zahlreiche, vor allem junge, Menschen im Sommer ihre Zeit in Musikfestivals. Ohnehin schon stark verwurzelt in Jugendkulturen, kulminieren viele Festivals dabei zu Epizentren bestimmter musikalischer Szenen. Voranging im Bereich Rock und Pop spielen da die größten Festivals wie Rock am Ring oder Hurricane, womit diese wohl am massenkompatibelsten sind. Dann gibt es noch dieses riesige Festival namens „Wacken“, einmal im Jahr ein Ort des Schreckens: Lange Haare, schwarze Band-T-Shirts, Nietenapplikationen. Metaller soweit das Auge blickt und wohin auch immer der Wind den Gestank verfilzter Bärte und mäßig shampoonierter Haare trägt. Wer es noch dunkler mag, der verzieht sich zu Pfingsten nach Leipzig zum Wave-Gotik-Treffen, wohl in der Hoffnung, durch soviel Leder, Samt und allgemein viel Schwarz einem Sonnenbrand zu entgehen (wohl denen, welche um meinen Hang zur Ironie wissen)

Country Joe and the Fish auf der Tochter der Mutter aller Musikfestivals: Woodstock ’69

Oder eben in die Niederlande. Dort fand dieses Jahr zum ersten Mal das „Best Kept Secret“-Festival statt, welches sich auch eher in der Richtung Rock und Pop verorten lässt und wo ich ganz nebenbei Gast sein durfte. Gänzlich unoffiziell und so zu meinem eigenen Vergnügen. Dazu muss ich sagen, dass ich nur einmal auf dem Southside war, also Festivalerfahrung habe, diese aber eher ausbaubar ist. Aber spätestens nach meiner Erfahrung in Holland frage ich mich: Will ich das überhaupt?

Denn soviel ist mir bewusst geworden: Ich verstehe Festivals nicht so ganz. Mir entzieht sich gänzlich die Faszination des Campings auf einem Campingsplatz, gefüllt mit lauter betrunkenen und daher sehr lauten jungen Menschen, wenn nicht gar Jugendlichen. Mir entgleitet der Spaß beim Zuhören von Musik, wenn ich ein Konzert nicht zu Ende hören kann, um beim nachfolgenden Konzert noch einen guten Platz zu ergattern. Auch kann ich Musik nur schwer wertschätzen, wenn sie aus zwar lauten, aber klirrenden und polternden Boxen kommt. Zudem ist die Bewunderung, die*den Künstler*in bzw. die Künstler*innengruppe einmal aus der Nähe zu sehen relativ gering, wenn vor der Bühne kein Platz ist und mensch lediglich eine daumengroße Figur, seinem Instrument sexuelle Avancen machend, wahrnehmen kann, da erst knapp sechzig Meter hinter der Bühne die Sicht- und Atmungsverhältnisse ein ertragbares Niveau erreicht haben. Schließlich ist der Genuss unbeschwerter Festivaltage relativ unmöglich, wenn mensch nicht einmal in Ruhe scheißen kann und die Duschen kalt sind.

Wo also besteht der Reiz an Festivals? Klar, oft ist es die Gelegenheit, viele geliebte Bands und Musiker*innen auf einmal zu sehen (wenn auch mit den erwähnten Nachteilen). Für viele steht auch der „Spaß“ mit anderen Menschen (meist Bekannte) im Vordergrund, vom gemeinsamen Grillen bis hin zum eventuellen Sex. Und sonst? Oft ist es nass, wenn nicht, dann zu heiß, überall stinkt’s nach Pipi (weil Männer im Zweifel einfach ÜBERALL UND IN ALLES hin- bzw. hineinpinkeln), das Essen kostet zuviel, genau wie die Getränke. Aber das schlimmste an Festivals ist nicht dieses defizitäre Drumherum. Es sind die Menschen. Menschen die mir den Platz vor der Bühne wegnehmen, Menschen welche meine Klobrille mit ihrem Hintern vorgewärmt haben, Menschen die nachts durch die Zeltplätze stapfen und über meine Spannseile fallen, Menschen die betrunken herumgrölen (egal wann, aber besonders nachts!), Menschen die mich komisch anschauen weil ich zwei rote Klappmatratzen auf dem Kopf des Autos zum Zelt transportiere. Okay, letzteres war lustig. Aber es ist einfach dieser fiese Mix aus Alkohol, Drogen und der Unberechenbarkeit der Jugend (und Pipi), welcher Festivals für mich einfach eher suspekt erscheinen lässt.

Werte Damen und Herren: Arlo Guthrie im zarten Alter von 22 Jahren. Ein gut aussehender junger Mann!

Trotzdem freut es mich natürlich, dass es auch in Nähe des mir sehr vertrauten Viersens ein Musikfestival gibt. Wie zu erwarten haben sich die gepflegt katholisch-konservativen Anwohner*innen des ca. zwei Kilometer von ihnen entfernt gelegenen Festivageländes beschwert, dass trotz der immensen Zahl an Bäumen zuviel Musik an ihre achsoempfindlichen Ohren dringen würde und dies ja Lärmbelästigung sei. Froh war ich deshalb über die Reaktion der Stadt Viersen, das Festival nicht zu verbieten, sondern nur den Lautstärkepegel senken zu lassen. Trotzdem gehören die gesetzespedantischen Anwohner*innen heftig mit dem Klammerbeuten gepudert, dass sie Jugendlichen Menschen nicht ihren Spaß gönnen können. Wahrscheinlich werden sie bei soviel Lasterhaftigkeit vom Steuerhinterziehen oder Rechtsverdrehen abgehalten.

Nach meinem kurzen Ausfall oben: Festivals sind mit Sicherheit etwas Tolles für diejenigen, die mehr Humor haben als ich und Dinge viel weniger Ernst nehmen als meine alte Seele. Aber ich muss momentan nun mal meinen Kopf freihaben, um mich mit dem deutschen Sozialsystem auseinanderzusetzen. Oder eher, um mich damit nicht mehr auseinandersetzten zu müssen. Übrigens: Das „Best Kept Secret“-Festival hat trotz allem viel Spaß gemacht und ein tolles Line-Up gehabt, ich kann es interessierten Menschen nur empfehlen.

Aufreger der Woche – Wonderwall

Irgendwann will ich mal in die Wüste. Egal welche. Ich wünsche mir das, nicht weil ich suizidale Tendenzen habe, sondern weil ich Sterne gucken will. Nachts will ich dann in den Himmel schauen und dieses Meer an Sternen sehen, das uns die gesamte Menschheitsgeschichte über inspiriert und orientiert hat.

Zwar kann man mit etwas Glück auch in Deutschland Sterne sehen, sollte es nicht gerade bewölkt sein und mensch sich abseits großer Städte befindet, aber es wäre nicht das gleiche. In der Wüste, ohne Wolken und störende Lichter, tut sich ein Ozean an Lichtpunkten auf und endlich könnte ich dann die Milchstraße bewundern, dieses Band aus Milliarden an Sternen, zauberhaft drapiert an den dunkelblauen Nachthimmel.

Während ich dann also nachts in der Wüste sitze, in der Nähe irgendeiner romantischen Oase und den Blick gen Himmel richte, wird irgendein Kackdepp wahrscheinlich seine Gitarre dabei haben und mit einem schüchternen und/oder verschmitzten Blick in die Runde die ersten Takte eines Liedes anstimmen. Dann werde ich stinkwütend vor dieser Person stehen (mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Mann) und ihr in das Schallloch der Gitarre reiern, weil ich die Kombination Konzertgitarre und Wonderwall einfach nicht mehr ertragen kann!

bad campfire music_over the top of NY Genau wie extrem schlechte Kulissen. By Over the top of NY, via Flickr.com

Wieder muss ich darum bitten, mich nicht falsch zu verstehen: Ich liebe Musik. Für mich ist sie die höchste aller Künste, schafft doch nur sie es, Menschen auf eine Weise zu berühren, wie es Bilder oder Worte nur schwerlich können. Musik ist mir sehr, sehr wichtig. Ich spiele selbst ein Instrument und habe ein kleines bisschen Erfahrung mit Bands. Daher weiß ich, dass Musik ihre Magie auch entfaltet, wenn mensch sie selbst macht und vor allem mit anderen Menschen zusammen.

Nichts ist vergleichbar mit der Euphorie, welche durch das harmonische Zusammenspiel verschiedener Instrumente entsteht. In einer Band kann es dann diese Momente geben, in denen es „Klick!“ macht und ein musikalischer Flow entsteht. Dann transzendiert Musik die eigenen Sinne und übernimmt die Kontrolle über den eigenen Körper, Reflektion sollte tunlichst vermieden werden und die Anima übernimmt die Kontrolle, die Ratio tritt in den Hintergrund. Gerade weil also Musik ein so hohes Gut ist, schmerzt es mich zutiefst, wenn sie rein instrumentell gebraucht wird.

Natürlich will ich niemandem unterstellen, Wonderwall nur zu spielen, um potentielle Geschlechtspartner aufzutun. Aber wann immer mehr oder weniger junge Menschen zusammen sitzen und irgendjemand eine Gitarre dabei hat, dann wird meistens auf diesen und eine erkleckliche Anzahl an bekannten Popsongs zurückgegriffen. Die Beatles werde dabei genauso gerne beschmutzt wie Die Ärzte, Simon and Garfunkel oder Sternstunden des Deutschen Schlagers (der, zugegeben, allerdings nicht wirklich beschmutzt werden kann).

Was ist aus der unbändigen Kreativität geworden, welche Musik freisetzen kann? Was ist mit Improvisation, was mit Harmonie? All diese göttlichen Gaben der Kunst werden zugunsten eines schnöden Nachspielens und -singens von bereits tausendmal gehörten Werken ignoriert, die bereits in einer Version vorliegen, die künstlerisch wertvoller ist als das oft halb betrunkene Gekrächze junger Kehlen, denen obendrein auch noch jegliche gesangliche Ausbildung abgeht. Selbstverständlich kann ich nicht verlangen, aus jedem Abend mit Musik einen einzigartigen Moment musikalischer Epiphanie zu gestalten. Aber müssen es denn immer dieselben bekackten fünf Lieder sein?

Headphones cat_Pete ProdoehlDie genervt-traurige Mimik der Katze spiegelt recht gut meinen Gemütszustand beim Schreiben dieses Artikels wieder. By Pete Prodhoel, via Flickr.com

Immerhin, es gibt ja einen Grund, warum Musik in E-, U-, und F-Musik unterteilt ist. E-Musik ist dabei die „ernste“, künstlerisch wertvolle Musik (z.B. Klassik in ihren vielfältigen Formen), U-Musik bezeichnet die gängige Unterhaltungsmusik (also alles, was unter Popmusik etc. fällt) sowie die Funktions-Musik, wie mensch sie aus Fahrstühlen, Kaufhäusern oder Telefonwarteschleifen kennt.

Diese Unterscheidung ist mithin etwas künstlich und obendrein fragwürdig, aber sie entspringt der Verwertungslogik der großen Musikgesellschaften. Gerade dieser künstlerisch entwürdigenden Logik unterwerfen wir uns, wenn wir Musik durch stumpfes Nachspielen herabwürdigen – zu reiner Unterhaltung oder Funktion. Musik, vor allem selbst gemacht und erlebt mit anderen Menschen, ist mehr als nur Wonderwall und Westerland.

Also bitte: Hören wir auf, immer dieselben Lieder hören und spielen zu wollen, sobald jemand eine Gitarre dabei hat. Wagen wir etwas Neues und Aufregendes und verkriechen uns nicht im Erdloch des Altbekannten. Denn vollgereierte Schalllöcher sind für niemanden angenehm. Außerdem zieht das ins Holz der Gitarre und versaut den Klang. Aber da braucht es ja auch nicht mehr viel, wenn jemand so bescheuert ist, eine Akustikgitarre mit in die Wüste zu nehmen.

Page 1 of 3

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén