Tag: Microsoft

Der geschlossene Garten von Windows

Traditionell versuchen Max und ich eigentlich keine plattformspezifischen Themen für Mehr Spieler aufzugreifen, schließlich hätte einer von uns dann relativ wenig zu sagen. Das Thema Universal Windows Plattform (UWP) geht aber uns beide, und damit auch jeden von euch an. Mit UWP versucht Microsoft, ganz grob gesagt, einen ähnlichen “Walled Garden” hochzuziehen wie Apple. Das heißt also, dass alle Produkte, die man im Windows-Betriebssystem installieren können soll, in erster Linie durch den Windows Store vertrieben werden. Für Microsoft heißt das: Mehr Kontrolle über die Software, die auf Windows-Systemen installiert wird, bei gleichzeitig hohem Umsatz durch Lizenz- oder andere Gebühren für die Aufnahme in den Store.

Angefangen hat die Debatte letzte Woche, als Tim Sweeney von Epic Games (Gears of War, Unreal Engine) in einem Guardian-Artikel seinem Ärger über Microsofts Pläne Luft machte. Unterstützt wurde er vom bekannten Modder Peter “Durante” Thoman, der am besten für seinen Fix für Dark Souls bekannt ist. Er hatte eine halbe Stunde nach der offiziellen Veröffentlichung der PC-Umsetzung von Dark Souls eine Lösung für die Grafik- und Framerate-Probleme angeboten.

Daher sprechen wir über dieses aktuelle Thema, alles natürlich unter vorbehalt, dass Microsoft in dieser Sache selbst noch keinen wirklichen Standpunkt hat. Die Pläne des Software-Konzern sind übrigens gar nicht so neu: Schon vor knapp vier Jahren warnte Valve-Chef Gabe Newell vor dem damals brandneuen Windows 8 und dem Verlust des offenen Windows-Systems als Spieleplattform. Wir hoffen, wir können euch mit unserer Folge informieren und unterhalten!

 

Mehr Spieler – Mojang, Microsoft und Moneten

Microsoft kauft Minecraft. Nun, eigentlich kaufen sie den Entwickler Mojang, doch was steckt noch hinter diesem Entwickler? Wird Microsoft die Goldmine “Minecraft” verwalten oder Fortsetzungen ordern? Wie sollen diese funktionieren? Was ist Mojang noch ohne die Gründungsmitglieder, die sich absetzen? Johannes und ich setzen uns mit in weniger als einer Viertelstunde mit dem Milliardendeal und seinen möglichen Folgen auseinander. Wir haben sogar Hoffnung und Johannes sagt, ein wenig aus dem Kontext gerissen, dass er sich auf die nächste E3 freut. Wunder gibt es immer wieder…

Via Flickr by Spidergeck Pictures Productions

5746448034_429a366b6e_o

Selbst wenn Mojang noch mehr zu bieten hat… DAS ist der Grund für den Kauf

 

33 – PS Vita TV

Da sind wir schon wieder mit einem weiteren, aktuellen Thema. “PS Vita TV” scheint ein kleiner Schritt fürs Gaming zu sein, aber könnte ein entscheidener Schachzug in Sachen Multimedia-Möglichkeiten zwischen Sony und Microsoft werden. Was es mit “PS Vita TV” auf sich hat, fassen Johannes und meine Wenigkeit in knackigen 20 Minuten für euch zusammen. Neumodisches Gewäsch oder ein intelligent eingeführtes Stückwerk seitens Sony?

Via Flickr by Gustavo Devito

6756325851_31090cdd8a

 Ist “PS Vita TV” eine tolle Neuerung oder ein alter Hut?

Übersicht
00:00 – 01:15: Mehr Spieler feiert sich selbst
01:15 – 05:34: Was ist denn dieses… „PS Vita TV“?
05:34 – 09:00: Bei der Macht des Streamings! (Inspiriert von Steam?)
09:00 – 10:48: Sony lässt die Käufer entscheiden (und bezahlen), was sie haben wollen
10:48 – 14:33: Asia Only – Dominanz im asiatischen Markt statt Konkurrenzkampf weltweit
14:33 – 15:21: Gaikai und die Infrastruktur
15:21 – 17:27: Gibt es eine Zukunft für die „PS Vita“?
17:27 – 19:05: Verabschiedung (mit APPLAUS!)

P.S. Der Applaus kommt aus Eschwege und galt ursprünglich dem Chor der Eschweger Gymnasien.

Microsoft und die Bibel

[Legende: Internet = #neuland]

Sagt euch der Name Zachäus etwas? Nicht so schlimm. Ich musste auch erst das allmächtige #neuland befragen, aber ich wusste zumindest wonach ich suche. Die Geschichte von Jesus und dem Zöllner kam mir sofort in den Kopf, als Microsoft direkt nach der E3 eine „180°-Wendung“ vollführte, was ihre Digital Rights Management (DRM) Police betrifft (mehr zu den ursprünglichen Voraussetzungen der Xbox One) .

Plötzlich ist das Tauschen und Verkaufen von Spielen kein Problem mehr. Die Konsole hat auch keine #neuland-Pflicht alle 24 Stunden mehr (was ehrlich gesagt, das geringste Problem war, da man heutzutage beinahe automatisch mindestens einmal am Tag mit der Konsole online ist). Mehr Details, was Microsoft alles verbessert hat, hat das #neuland schon zur Genüge durchgekaut.

Mir geht es, obwohl ich kein sehr religiöser Mensch bin, um die Parallele zu Jesus und dem Zöllner Zachäus. Warum? Nun, plötzlich stehen überzeugte Playstation-Unterstützer als die schwachen und ungerechten Pharisäer dort. Und ja, das Bashing Microsofts nimmt hier und dort wirklich überhand und entfernt sich von jeglicher Realitätsebene. Sollten wir nicht großmütig anerkennen, dass Microsoft aus den eigenen Fehlern gelernt hat und nun Gerechtigkeit (die Bedeutung des Namens Zachäus, by the way) übt?

512px-Bad_Nauheim_St._Bonifatius_45

 Ist Microsofts Entschuldigung biblischen Ausmaßes? Via Wikimedia Commons by Reinhardhauke

Es gibt mehrere Punkte, warum man Microsoft für diese Kehrtwende nicht einfach abfeiern kann. Gleichzeitig muss man allerdings auch anerkennen, dass nach jetzigem Informationsstand „nur“ noch 100€ sicher zwischen PS4 (399€) und Xbox One (499€) stehen. Viele weitere Details zu beiden Konsolen sind weiterhin nicht offiziell bestätigt, auch wenn die Augenbrauen bei der Xbox One ein wenig höher gezogen werden.

Schließlich ist das #neuland der perfekte Ort für Paranoia und nicht wenige sehen es als wahrscheinlich an, das Microsofts angekündigte Besserungen einen Haken haben. Zum Beispiel werden die Spiele weiterhin auf der Festplatte installiert und es sind weiterhin externe Festplatten nötig, wenn der Speicherplatz nicht ausreicht. Ersterer Punkt ist dabei der wichtigere, da man das Spiel also auf seine Festplatte installieren muss. Aber das Spiel soll an die Disc gebunden sein… wäre es nicht sinnvoller, die Spiele deshalb nicht unbedingt installieren zu müssen? Die Stolpersteine sind noch klar zu erkennen, aber man sollte Microsoft das technische Know-How zugestehen, dass sie bis November einen fertigen Plan haben.

Zurück zu Jesus, Zachäus dem Zöllner und den Pharisäern. Microsoft bedarf einer zweiten Chance. Das steht ganz außer Frage. Zumindest von einem technischen Standpunkt aus gesehen. Die großen Nachteile in Sachen Benutzerfreundlichkeit scheinen bereinigt. Es gibt jedoch mehr als nur gute Gründe, warum es absolut unangebracht ist, die Geschichte vom Zöllner so einseitig zu verwenden.

Seit Veröffentlichung der Playstation 3 hat sich ebenfalls viel getan. Das außerhalb von Japan zu Beginn so gut wie überhaupt nicht unterstützte Stück Hardware, war so unbrauchbar, wie die Xbox One vor einer Woche noch erschien. Der amerikanische Markt (vom europäischen möchte ich in Bezug auf beide Konsolen gar nicht erst anfangen) war stets und zurecht irritiert vom weitaus weniger verständlich erscheinenden Support der Japaner. Erst 2009 erreichte der Service seitens Sony ein Niveau, welches wettbewerbsfähig erschien. Seitdem hat sich stetig etwas getan und die bisherige Präsentation der PS4 ist ein „Beweis“ (man sollte vorsichtig mit solchen Worten sein), dass man bei Sony darum bemüht ist zumindest gerecht zu erscheinen.

Kazuo_Hirai_with_Playstation_Vita

Auch Sony ist nicht fehlerfrei, wenn es um Vermarktung geht. Die PS Vita ist seit Release ein kommerzieller Komapatient. Via Wikimedia Commons by Tokyoship

Genau hier sind wir beim aktuellen Problem der Vermarktung. Es gibt keinerlei Entschuldigung für die an jeder Ecke ausbleibende Etikette, die Microsoft in Form von Swag und ungerechtfertigtem Selbstvertrauen und -verständnis vortrug. #neuland-Größen wie Angry Joe wurde mitten ins Gesicht gelogen. Auf die Behauptung Joes hin, dass man die DRM-Police problemlos ändern könnte, wurde Joe verbal zurechtgewiesen. Und es handelt sich bei dieser Episode um keine Ausnahme. Selbst der sonst sehr unkritisch fragende Geoff Keighley (Gametrailers.com) konnte die Verkaufsstrategie des amerikanischen Großkonzerns nicht nachvollziehen.

Microsoft hat eine große Fanbase. Diese Fanbase hätte ihnen so ziemlich alles vergeben. Fakt ist, dass sie auch jetzt vergeben und – schlimmer – zu vergeben scheinen. Einen guten Monat lang hat Microsoft der Gamercommunity ins Gesicht gelogen. Das Schlimme ist, dass wir es alle gewusst haben. Und da reibt man sich als Journalist und aktiver Teilnehmer der Szene natürlich schon mal die Hände und übt sich in Schadenfreude, wenn man erfährt, dass die Xbox One im ganzen #neuland zerrissen wird und die Vorverkaufszahlen klar für den japanischen Magnaten sprechen.

Man kann nur hoffen, dass auf beiden Seiten der Fanlager die Pubertät bald hinter sich gelassen wird. Die Konsolen haben noch gute vier Monate, um uns mit tollen Gimmicks und fürchterlichen Einschränkungen zu überraschen. Man kann nur hoffen, dass Microsoft das Vertrauen seiner Käufer nicht abermals enttäuscht und Restriktionen in der Hinterhand behält. Gleichzeitig muss Sony den Versprechen Taten folgen lassen.

Die Gesamtsituation zeigt eigentlich nur, dass die Gamesbranche sich leider von nahezu allen Seiten wie ein großer Kindergarten anstellt. Sein wir ehrlich: den Status des Zachäus hat keiner der beiden Großkonzerne verdient. Es handelt sich hier nicht um die Armen und Schwachen. Die Konzerne, wie auch der Großteil der Kunden ist viel besser mit den privilegierten und voreingenommenen Pharisäern zu vergleichen. Steine werden dabei sowieso geworfen und da niemand ohne Schuld ist, wirft einfach der zuerst, der sich als unschuldig sieht. Den daraus folgenden Clusterfuck dürfen wir wohl noch mindestens bis in den November beobachten.

Aufreger der Woche – PR-Blah

Namen für irgendwas selbstgemachtes finden ist scheiße. Jede*r, der*die mal angefangen hat, selbst etwas Kreatives zu schreiben oder gerne Pen & Paper-Rollenspiele spielt, kennt dieses Problem. Ständig stellt mensch seine eigene Entscheidung für den Namen in Frage, schließlich klingt das ganze irgendwann doof und peinlich. Deshalb bin ich sehr froh, dass die Entscheidung für den Namen „Mehr Spieler“ zwischen Max und mir relativ schnell gefallen ist. Bis heute bin ich ein großer Fan, nicht nur des Namens, sondern auch unseres eigenen kleinen Formates. „Klar“, mögen viele jetzt denken, „du machst ja auch den Podcast und die Blogeinträge, natürlich findest du das gut“, aber wenn ich mit dem Format nicht zu neunzig Prozent zufrieden wäre, dann würde ich das nicht auch so sagen. Selbskritik ist schon was feines und nützliches, wenn mensch sie denn anwenden kann.

film critic_groening_Matt Groening. Bereits 1985 latent zynisch. By cineorly, via Flickr.com

Jedenfalls war die letzte Woche sehr arbeitsreich, da in Los Angeles die E3 stattfand, eine große Messe für elektronische Unterhaltung, und damit: Videospiele. Max, Walde und ich haben die Berichterstattung gespannt verfolgt und Walde war sogar so bekloppt, sich die Liveübertragungen der verschiedenen Pressekonferenzen anzutun, teilweise um vier Uhr morgens. Ich selbst kann mir diese Konferenzen aber nur selten antun. Denn dort stehen Leute auf der Bühne, die teilweise ganz genau wissen, dass ihr Produkt die ganzen Erwartungen, die sie zu schüren versuchen, nicht erfüllen wird, aber trotzdem versuchen, uns zu begeistern. Prinzipiell ist dagegen nichts zu sagen. Aber statt auf eventuelle Schwachpunkte einzugehen, sie gegen die möglichen Einwände abzuwägen und schließlich die speziellen Designentscheidungen des Produkts zu erläutern, um das Produkt klar und offen zu präsentieren heißt es oft genug: WIR SIND SUPER, WEIL WIR GIMMICK XY HABEN, NUR BEI UNS! KAUFEN!

Das schlaucht beim Zuhören und nervt beim Zusehen. Denn wir als Konsument*inn*en sind ja nicht dumm, wir wissen, dass ein Produkt nicht einmal halb so perfekt ist, wie es uns präsentiert wird. Wir wissen, dass jedes Superfeature meist auch einen Haken hat, und statt uns zu ärgern, dass es tatsächlich einen gibt fragen wir uns stattdessen, wie sehr uns dieser Haken denn ins Fleisch schneidet. Dies führt nicht nur zu einem unschönen Zynismus seitens der Verbraucher*innen, sondern auch zu einem gestörten Vertrauensverhältnis zwischen Anbieter*in und Kundin oder Kunde. Dabei ist doch Vertrauen in eine Marke, ein Produkt, eine Firma so ziemlich das Beste was so einer*m Anbieter*in eines Verkaufsdings so passieren kann, denn das stärkt die Bindung und sorgt für einen sicheren Umsatz. Das einzige Problem: Vertrauen muss mensch sich erarbeiten und nicht mit Geld erkaufen, was in unserem kapitalistischen System heißt, dass Vertrauen letztlich nicht genug Gewinn abwirft.

Deshalb sind solche Produktvorstellung auch unglaublich anstrengend und vor allem entwürdigend für die Menschen, welche diese Präsentation durchziehen müssen. Dann stehen die dort auf einer großen Bühne, reden sich den Mund mit unglaublich leeren Phrasen fusselig und geraten ins Stottern oder, noch schlimmer, reden ziemlichen Stuss, wenn irgendjemand mal kritisch nachfragt. Das tut mir beim Zuschauen weh und ich möchte nicht, dass diese Leute das machen müssen, ja, ich möchte nicht, dass irgendjemand jemals ein defizitäres Produkt hochjubeln muss, auf Kosten ihrer oder seiner Würde.

mens bathing costume_nekosoftWenigstens macht er das aus Überzeugung. Wahrscheinlich. By Nekosoft, via Flickr.com

Stattdessen würde ich mir mehr Offenheit und Transparenz wünschen. Mehr Erläuterungen darüber, weshalb mensch sich für die Möglichkeiten A, B und C entschieden hat, obwohl es hätten auch D, E, und F sein können. Warum beispielsweise setzt Microsoft auf TV und Always On, während Sony weiterhin eine Spielekonsole herstellt? Ich glaube, die Menschen und Verbraucher*innen würden es verstehen, wenn ein Pressesprecher aufläuft und sagt: „Wir haben uns bewusst dazu entschieden, unser Produkt auf diese Art zu gestalten, weil wir finden, dass Gründe G, H und I die besten Entscheidungen für uns waren. Wir konzentrieren uns auf diese Entscheidungen und wollen, dass unser Produkt in diesen Bereichen hervorragend wird. Natürlich hätten wir auch Entscheidung J, K und L treffen können, fanden aber die Ausrichtung auf G, H und I besser.“ Wenn mensch den Zuhörer*innen bei solchen Konferenzen einfach endlich mal offen erklären würde, warum die Dinge so gemacht wurden, wie sie sind, dann können sich doch alle viel besser mit den Zuständen anfreunden. Ansonsten bricht sich nämlich der Zynismus bahn und wir werden grundsätzlich von allem zunächst enttäuscht sein, statt erfreut.

Transparenz und Offenheit hilft nicht nur den Firmen, sondern auch der Politik. Deshalb sollte überall damit angefangen werden, zu erklären, statt zu entscheiden. Dann müssen wir von Mehr Spieler beispielsweise nicht mehr rumragen, weil wir als Kundinnen und Kunden für blöd verkauft werden sollen.

27 – Auch wir können E3! Teil 1: Microsoft & die XBox One

e3 version 1 teil 1W – eine Podcast-Crew kennt ihren Künstler

Die E3 ist zu ende! Endlich kann man sich wieder um wichtige Dine wie Schlaf, Freunde oder Podcasten kümmern. Da die E3 die wohl größte Messe für elektronische Unterhaltungsmedien ist, widmen auch wir uns diesem Event. Knapp zwei Stunden haben Max, Walde und Johannes für euch ihre Stimmbänder strapaziert und geraged. Da wir euch das aber nicht guten Gewissen an einem Stück antun können (und das alles auch tierisch lange dauert zu schneiden) veröffentlichen wir unseren Podcast in drei Teilen (und hoffen, dass das nicht zur Regel wird). Heute gibt’s Teil eins für euch, in der wir uns total objektiv und erwachsen mit der XBox One beschäftigen und völlig neutral die kommenden Spiele sowie natürlich die Microsoft-Präsentation auf der E3 Revue passieren lassen.

Dienstag geht’s dann weiter mit der Vorstellung der PS4, deren Lineup sowie der gesamten Konferenz von Sony. Im Laufe der übernächsten Woche dann könnt ihr euch an Teil drei erfreuen, in welchem es um Nintedos Präsenz auf der E3, die großen Publisher wie EA, Ubisoft und Square Enix sowie schließlich um die Überlegenheit des PC gegenüber den Konsolen geht. Letzteres ist natürlich eine völlig objektive und professionelle Analyse meinerseits (/irony).

 
Und die Zündschnur wird kürzer… BOOM!

Eine Präsentation zum Vergessen

Diese Woche schon einen Tag früher und von unserem Gastdozent Dr. game. Waldemar Witt verfasst, gibt es einen Blick auf eine sehr durchwachsene Präsentation der neuen “Xbox One”. Man merke sich bitte, dass Walde in erster Linie die Art der Präsentation bewertet und nicht allein die vorgestellten Ergebnisse. Wie wurde Gaming behandelt? Hat man aus den Fehlern Sonys PS4-Konferenz gelernt? Was für Titel wurden vorgestellt und warum zur Hölle heißt das Ding “One”?

Auf all diese Fragen gibt es Antworten, dazu Bilder zur neuen Konsole und einige der schönsten Videos der Xbox-Geschichte. Alles in unserem Blog. Alles in einem. Vorhang auf für eine Sonderausgabe von “Mehr Spieler One”!

DAS WAR GUT:

Keine Idee, sondern eine Konsole

Der wohl offensichtlichste Unterschied zwischen Microsofts Reveal und dem von Sony ist die Tatsache, dass die Xbox One Hardware offiziell „gezeigt“ wurde. Natürlich denkt man sich „Es ist doch egal wie die Konsole aussieht, solange sie was leisten kann!“. Auch wenn dieser Gedanke selbstverständlich richtig ist, verkauft sich ein Produkt auch durch sein Design (Apple-Syndrom). Microsoft hat aus den Fehlern Sonys gelernt und gemerkt wie wichtig es ist, den Kunden etwas Visuelles zu präsentieren, damit Gamer ihre Vorfreude auf das existierende Produkt fokussieren können und es tatsächlich „real“ wirkt und nicht wie eine Idee.

Klar, Sony hatte sich einfach bis zum Reveal der PS4 noch nicht für ein finales Design entschieden, trotzdem unterschätzte Sony diesen wichtigen Aspekt ihres PS4 Reveals wohl sehr. Microsoft trat nicht in dieses Fettnäpfchen und präsentierte stolz live das schwarze Dreiergespann: den neuen Controller, die neue Kinect Sensor-Bar und die Xbox One selbst.

XBox One

“Da ist das Ding!”, by Xbox Germany

Kinect sucks…less

Ja, ja, wir wissen alle, dass Kinect quasi der Jar Jar Binks der Xbox ist, der wie ein Klassenclown versucht mehr Blicke der Massen auf sich zu reißen, indem er an den Casual Market appelliert. Doch die unzuverlässige Funktionalität und vor allem die Tatsache, dass Kinect bis heute über keinen definitiven System-Seller (Kinect-Seller) verfügt, stampfte es in den verhassten Abgrund.

Trotzdem lässt Microsoft nicht locker. Kinect ist immer noch da, und nun ein wichtiger Bestandteil der Xbox One… doch mit einem anderen Fokus: Statt diverse Spiele mit der dämlichen Tagline „Better with Kinect“ zu verunstalten, wird die Funktion der Kinect auf den Home Entertainment Aspekt gerichtet.

Menünavigation zählt bis dato zu einem der wenigen positiven und funktionierenden Features der Kinect und wurde auf dem Xbox One Reveal sehr detailliert zur Schau gestellt. Menünavigation funktioniert nun scheinbar flüssiger, intuitiver und besitzt mehr markante Einzelheiten die das Wohnzimmer noch mehr in eine Szene aus Minority Report verwandeln.

Hinzu kommt der Voice Control Aspekt des Kinect, welches nun als Fernbedienung für den Fernseher dient. Mithilfe der Xbox One wird die Stimme allein genutzt, um der Xbox One Befehle zu erteilen wie: Was läuft auf HBO? Welcher Basketballspieler hat in diesem Spiel die meisten Körbe? Wechsle zu Musik, Spiel, Radio, etc. Alles unter dem Motto „You and your TV are going to have a relationship.“ (…if you know what I mean ;D).

Die Kinect hat nun scheinbar ein zu Hause gefunden – als Fernbedienung des Xbox Interfaces. Solange es dort bleibt ist alles gut…doch wir wissen alle, dass sich die Kinect trotzdem immer wieder auch in der Next Gen in Games schleichen wird wie Fußpilz in eine Jungenumkleide.

Spielberg goes Halo

Der Reveal eines Next-Gen Halo ist ein No-Brainer. Jedoch wäre die Enthüllung eines Halo 5 so kurz vor der E3 strategisch sehr schlecht durchdacht, da die Asse einfach zu früh ausgespielt würden.

Als nun auf dem Xbox One Reveal das Halo Logo groß über der Bühne prangerte, dachte jeder er wüsste was kommt. Zur Überraschung aller wurde jedoch angekündigt, dass Hollywood-Schwergewicht Steven Spielberg persönlich eine Halo TV Serie produzieren würde. Nach der erfolgreichen Halo Mini-Series „Forward Unto Dawn“ ist eine solche Ankündigung ohne Bedenken eine freudige Neuigkeit. Vor allem aber, weil dadurch womöglich das Serienpotenzial diverser anderer Game-Franchises mehr in den Vordergrund gerückt wird (siehe „Mortal Kombat: Legacy“).


Schon seit geraumer Zeit setzt Microsoft auf Real-Life-Action-Trailer für Halo. Auf einen Film (oder eben eine Serie) warteten Fans bisher vergebens. Feiner Zug! (Hoffentlich ohne Mehrkosten…)

Gewinne Fans durch Exclusives

Sony und Nintendo hatten in Sachen Software Lineup schon immer die Nase vorne. Wovon ich spreche sind Exclusives. Spiele, die NUR auf einer ganz bestimmten Konsole spielbar sind. Dies sind System-Seller, denen es Microsoft schon immer mangelte. Sony ist sich der Wichtigkeit von Exclusives bewusst („Only on Playstation“) und kaufte schlichtweg der Konkurrenz die Studios weg (Naughty Dog, Sucker Punch, etc.).

Außer Halo, Gears of War und Forza hatte Microsoft Exklusives-technisch sehr wenig vorzubringen. Dies soll sich nun mit der Xbox One ändern: 15 Exclusive-Titel von denen 8 neue Franchises sind wurden angekündigt. Um welche neuen Franchises es sich handelt und ob diese was taugen wird wohl frühestens während der E3 gelüftet werden. Doch immerhin scheint Microsoft nun Willens zu sein ihr exklusives Lineup zu verstärken und sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen.

Ein „ehrliches“ Call of Duty-Team

Viele hassen es, viele lieben es. Doch Infinity Wards Ehrlichkeit und Selbstbewusstsein während der Präsentation von Call of Duty: Ghosts will gelobt sein. Die Entwickler CODs schienen eingesehen zu haben, dass es WIRKLICH mal an der Zeit wäre eine neue Engine zu benutzen (mit der ganzen verdienten Kohle müsste das ein Kinderspiel sein). Die neue Engine wurde sogar sehr selbstbewusst in einem Comparison Video mit der alten Modern Warfare 3 Engine verglichen, um so Hatern anscheinend das Flamingmaterial zu nehmen. Dass Call of Duty: Ghosts trotz der Next-Gen Engine aussieht wie ein 60FPS Battlefield 3.5 und das Gameplay immer noch aussieht wie ein Modern Warfare 4 ist dabei eher Nebensache.

Die Präsentation des Pseudo-Xbox-Exclusives Call of Duty: Ghosts ist wahrlich nichts sehr Großes, aber stach trotzdem in einer generell sehr schwachen Reveal-Konferenz positiv heraus. Vor allem, weil es das einzige Spiel war, welchem genug Präsentationszeit gegeben wurde, was uns zum spaßigen Teil dieses Blogs bringt…


Eine der kontroversesten, aber auch schönsten Werbungen für Konsolen der letzten Generation

DAS WAR SCHLECHT:

 Home Entertainment ohne Games

Jede Konsole ist heutzutage ein „Home Entertainment System“. Jedes Unterhaltungsmedium des Wohnzimmers findet zumeist in der Konsole ihr Zentrum.

Mit der verbesserten Voice Control und Kinect Funktionalität brachte Microsoft all dies mit der Xbox One einen winzigen Schritt weiter…doch wo sind die Spiele?

Sage und Schreibe über die Hälfte der gesamten Konferenz (ca. 38 Min von 60 Min) verwendete Microsoft ausschließlich dafür, die Bedienung des Xbox One Interfaces vorzuführen und zu präsentieren. Das Wort „Games“ fiel zwar hin und wieder, aber der größte Fokus lag eindeutig auf der Bedienung des Heimfernsehers und des Webbrowsers mit der Xbox One. Oft fühlte es sich an, als ob Microsoft vergaß, dass sie hier eine Konsole verkaufen wollen (wobei die Konsole sowieso schon aussieht wie ein Receiver oder Blu-Ray Player).

Es ist ein absolutes No-Go, dass gerade Gamer bei einem Konsolen-Reveal den Kürzeren ziehen.

„Sport ist Mord“ oder „Partnerships, die niemand braucht“

Ich habe nichts gegen Sport und auch nicht gegen Sport-Games (ein bissel schon), aber das Thema „Sport“ durchzog sich durch die Konferenz wie eine Krankheit. Unsagbar viel Zeit wurde der Ankündigung diverser nutzloser Partnerschaften zwischen Microsoft und beispielsweise der NFL oder EA Sports gewidmet. Sportspiele mögen zwar eine große Fanbase haben, sind aber nicht gerade System-Seller, da es sich meist um Multiplattformtitel handelt.

Sogut wie kein Kunde wird durch eine „Partnerschaft“ zweier Firmen dazu verführt werden ein Produkt zu kaufen (außer es wäre eine Apple-Microsoft Fusion). Es ging mehr um fehlgeleitetes, langweiliges Marketing als um Games. Es waren endlos viele Werbespots über die NFL, NBA, EA Sports, welche die Warterei auf Gameplay von neuen Xbox Titeln in die Länge zogen.

Es war viel zu viel verschwendete Zeit, die für Besseres hätte verwendet werden können.


Hier das offizielle Bewerbungssschreiben eures neuen Herzblattes

Lasst doch einfach Taten sprechen!

Games bekamen ihren Platz in der zweiten Hälfte der Konferenz. Jedoch nicht in der Form wie erwartet. Sony setzte die Latte durch das PS4 Reveal erstaunlich hoch. Diverse exklusive Titel wurden angekündigt und live vorgeführt und gefühlt nur die wenigsten lediglich geteast (Anm. von Max: Final FUCKING Fantasy!). Alles in allem war es mehr als man einer bloßen Reveal Konferenz so kurz vor der E3 zugetraut hätte.

Xbox One wurde ein perfektes Muster gegeben, was es zeigen MUSSTE, um der Konkurrenz das Rampenlicht zu stehlen…doch Microsoft hat‘s verkackt!

Auch wenn quasi jeder Trailer damit angekündigt wurde, nun zu zeigen was die Xbox One grafisch leisten kann, handelte es sich IMMER um CG Trailer. Mit Ausnahme von COD: Ghosts war nicht ein bisschen klar zu definierendes Gameplay zu sehen.

Nicht nur, dass Games durch das Thema „Home Entertainment“ total in den Hintergrund gerückt worden sind, ist die Taktik nur Trailer zu zeigen und keine einzige Live Demo oder Gameplay marketingtechnischer Selbstmord (E3 hin oder her). Nichts von dem, was gezeigt wurde, gab dem Betrachter Ansatzweise das Gefühl, dass die Next-Gen in Gaming erreicht worden ist. Und auch, wenn vieles für die E3 aufgehoben worden ist, bleibt hier zu sagen, dass Sonys PS4 Reveal eindeutig mehr dafür tat, Kunden für sich zu gewinnen, sogar ohne die Hardware zu zeigen.

Es wurde seeeehr viel geredet und seeeehr wenig gezeigt. Ob hinter den Versprechungen und dem Gelaber etwas wahrlich Beeindruckendes steckt, bleibt leider immer noch abzuwarten.

Gamer spielten, wie bereits erwähnt, bei Microsofts Xbox One Reveal ganz klar die zweite Geige.

How Sony stole Microsoft’s thunder

Abgesehen von dem großen Fokus auf den Home Entertainment Aspekt, guckte sich die Xbox One einiges von der PS4 ab, was dazu führte, dass der gewollte „WOW“-Effekt schon lange von Sonys neuer Konsole gestohlen wurde. „You can instantly share your game videos!“ – kenn ich. „It has 8GB RAM!“ – wie die PS4. “You can store things in your cloud!” – kenn ich. „It has a Blu-Ray Drive.“ – hatte sogar die PS3 schon. Und so weiter…

Was ich hiermit sagen will ist NICHT, dass die Xbox One eine schlechte oder gar schwache Konsole ist, sondern dass die Wucht der System Specs und Fähigkeiten der Konsole nach der Ankündigung der PS4 keine große Innovation gegenüber der Konkurrenz mehr darstellt. Unterschiede zwischen beiden Konsolen verschwimmen immer mehr. Die Xbox One fühlt sich aber besonders nach dem geklauten Hype durch Sony umso mehr nicht wie ein sehr großer Schritt nach vorne an (jedenfalls NOCH nicht).

Die Frage beim Entscheiden, welche Konsole man kaufen will, ist jetzt eher, welche Exclusives mehr reizen und ob man vor dem Fernseher rumwedeln will oder nicht?

Nichts was die Xbox One versprach gab einem das Gefühl, dass die Next-Gen des Gamings beginnt. Sogar die leicht verbesserten Home Entertainment Aspekte könnten hierbei nur wenige Leute überzeugen, ihr Xbox 360 Home Entertainment System mit dem der Xbox One auszutauschen.


Woran man merkt, dass man nerdig wird? Ihr erkennt Hideo Kojima auf Anhieb!

Der Name „Xbox One“

Selbstverständlich sind der Name und das Design einer Konsole Geschmackssache. Jedoch muss ich wirklich sagen, dass von allen Namen aus der Gerüchteküche so gut wie ALLE besser waren als Xbox One (meine Meinung).

„It is Music, TV, Movies, Games all in ONE device!“ JA, ICH HABS KAPIERT! Aber ist euch denn nicht bewusst, dass Missverständnisse zwischen der Xbox One und der ersten Xbox nun quasi vorprogrammiert sind? Wieso dann nicht einfach XBOX FUSION?!?!

Ein Vorschlag für die Zukunft: Macht ein offizielles Voting auf der Microsoft Page mit von euch vorgeschlagenen Namen für die Konsole und nehmt dann einfach den, für den am meisten gevotet wurde und jeder ist glücklich TADA!…ihr Deppen!

Persönlich finde ich immer noch, dass die Xbox One aussieht wie ein Receiver oder ein Blu-Ray Player und weniger wie eine Konsole aber über darüber kann man nun wirklich nicht streiten (eigentlich schon).

——————————————————————————————————————————

FAZIT

Zusammengefasst war das Xbox Reveal, vor allem im Vergleich zum PS4 Reveal, extrem schwach. Bedenke man, dass Sony Microsoft quasi ein Handbuch dafür gab, wie man eine zumindest solide Reveal Konferenz hält, ist es geradezu atemberaubend erschreckend wie viel Microsoft sich hat durch die Lappen gehen lassen bzw. vergeigt hat. Damit beziehe ich mich nicht auf die Xbox One selbst, sondern komplett auf die lächerliche Weise, wie Microsoft versucht ihr Xbox Marketing zu führen. Dass die Xbox One ein klasse Home Entertainment System ist, ist nicht zu bezweifeln. Allerdings ist es ebenso offensichtlich, dass Microsoft komplett vergaß, dass es eine SPIELEKONSOLE ankündigt. Wie kann es sein, dass es sich anfühlt als wäre der größte Konkurrent der Xbox One Apple und nicht Sony?

Keine live Demos, kein definitives Gameplay, sehr vage CG Trailer, ein exzessiver Fokus auf Sport und vor allem auf die „Relationship with your TV“ zeichnen die Reveal-Konferenz aus. Beachte man die Wichtigkeit dieses wichtigen Events, muss leider gesagt werden, dass Microsoft es verhunzt hat ihre zweifellos beachtliche und starke Konsole ins richtige Licht zu Rücken.

Zwar wurde versprochen, dass die richtigen Game-Reveals auf der E3 präsentiert werden, doch nach diesem außerordentlich schwachen Reveal und dem mangelnden Respekt gegenüber dem eigentlichen Kunden – dem Gamer(!) – ist Sony Microsoft mit der PS4 jetzt schon Meilenweit voraus.

Die Xbox One und die PS4 werden beide im selben Quartal dieses Jahres veröffentlicht. Es bedeutet, dass die E3 ein Schlachtfeld wird… und Microsoft hat sich soeben ins Bein geschossen.

Der Share-Knopf

Nintendo hat es getan, die Playstation 4 wird es tun und es ist mit dem Start von Windows 8 klar, dass auch Microsoft nicht darum herum kommen wird: Videospiele zu spielen wird zu einem Social-Networking-Erlebnis. Wo Nintendo das MiiVerse geschaffen hat, da versucht Sony mit dem Share-Knopf und den ausgeweiteten Internetfunktionen ihrer kommenden Konsole ebenfalls ihr Netz auszuwerfen und hofft, sich nicht schon wieder böse Hacker einzufangen. Microsoft hat mit Windows 8 ja bereits gezeigt, dass sie Xbox-Live mit den PC-Spieler*innen enger verknüpfen möchten. Aber welchen Mehrwert bringt dieses ganze Social-Media-Gedöns und warum ist das Internet „The Next Big Thing“, zumindest für die Konsolen?

 großkatze_DrGaz
Tiger, Löwen und so weiter gehören übrigens zu den Großkatzen. By DrGaz

Mir wird ja nachgesagt, ein Misanthrop zu sein. Natürlich stimmt das nicht, ich mag Menschen. Leider werde ich nur viel zu oft intellektuell von ihnen unterfordert und bin deshalb froh, wenn ich ein Videospiel anwerfen kann, um mich nicht mit der Dumpfheit meiner Mitmenschen herumschlagen zu müssen. Ihr merkt, Multiplayer ist nicht mein Metier und ich sitze sehr gerne alleine vor einem Spiel. Genauso geht es mir mit dem zunehmenden Exhibitionismus und Aufmerksamkeitswettbewerb, dem mensch sich in sozialen Netzwerken stellen muss. Und deshalb bin ich natürlich auch sehr skeptisch gegenüber diesem neuen Netzwerk-Gedöns, dem sich die drei großen Konsolenhersteller da verschrieben haben. Das MiiVerse erlaubt es, zu Spielen Kommentare abzugeben, seien es Hilfestellungen oder Spoiler. Die PS4 wird es ermöglichen, per Share-Knopf bestimmte Erlebnisse direkt ins Internet hochzuladen, das Zuschauen bei Spielen anderer Leute soll möglich sein, sogar bis hin zur Kontrollübernahme von Freunden oder Freundinnen. Microsoft wird wahrscheinlich ganz ähnliche Funktionen in die neue Xbox-Konsole packen. Die drei Fragezeichen der Spielebranche wollen damit ganz klar Phänomene wie LiveStreams (z.B. bei Star Craft II) oder Let’s Plays auf ihre jeweiligen Konsolen bündeln und damit von anderen Medien wie YouTube weglocken. Dabei stelle ich mir natürlich die Frage, warum man in Redmond, Kyoto und Tokio sich das Geld für die entsprechende Softwaregerüste und Hardware nicht gespart und in eine günstigere Konsole gesteckt hat. Die Angebote sind doch da, nur eben nicht über das eigene Netzwerk, sondern über Fremdanbieter. Oder geht es dem Trio Infernale eher um Kontrolle? Um die Aufsicht darüber, was mit den Konsolen angestellt wird, nun, nachdem man dank nach Hause telefonierender Konsolen ein Hacken der Plattformen fast nicht mehr (oder nur unter großen Einbußen) möglich ist? Oder betreiben die drei Firmen schlicht und ergreifend Kundenbindung und wollen die Spielerinnen und Spieler einfach an das Netzwerk binden durch die Möglichkeiten zur Einbindung in soziale Netzwerke et cetera?

 cat conspiracy_Tjflex2
Ich finde: Sozial nervt. By Tjflex2

Die Antwort liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte dort draußen zwischen diesen Polen an Möglichkeiten, die ich gerade aufwarf. Aber trotzdem verstehe ich nicht, wo der Reiz darin liegen soll, allen meinen Freunden zu erzählen, dass ich gerade einen Endgegner besiegt habe, oder ganz spektakulär den ersten Platz beim neuen Ridge Racer belegt habe. Noch viel weniger aber kann ich die Übernahmefunktion verstehen, welche die PS 4 wohl anbieten wird. Wo ist da der Reiz im Sieg? Warum soll ich mein Spiel plötzlich andere Leute spielen lassen, nur weil eine Stelle etwas haarig ist? Warum spiele ich das das Spiel dann überhaupt?

Klar, letztlich wollen alle drei Kupferstecher ihre Konsolen zu Multimedia-Zentralen für das Wohnzimmer verkaufen und da gehören mehr Funktionen dazu als nur das Abspielen von Spiele-DVDs (obwohl Nintendos Wii ja noch nicht einmal eine Audio-CD erkannt hat, was schon der Saturn drauf hatte…). Deshalb fungiert die PS 3 ja bei vielen gleichzeitig auch als Blu-Ray-Player, und deshalb hat die nächste Konsolengeneration auch dieses besprochene Social-Media-Gekröse.

 Und hinzu kommt dann schließlich die Tatsache, dass diese ganzen Dienste für die Konsolen Unmengen an Bandbreite schlucken. Die aber ist teuer und selbst in hochentwickelten Ländern nicht immer und überall zu haben. Ganz zu schweigen davon, dass man potenziell etwas exotischere Märkte dadurch völlig vernachlässigt. Was ist mit Südamerika? Was mit Afrika? Wie steht es mit der Umsetzbarkeit all der tollen Streaming-Ideen in Indien, beispielsweise? Dies alles sind immerhin mehr oder weniger aufstrebende Märkte und damit für diejenigen Firmen attraktiv, welche die Märkte dort ansprechen können (wie seinerzeit beispielsweise SEGA, dessen Master System in Brasilien wohl besser lief als Nintendos NES). Die ganzen schicken Internetfunktionen sind dort aber wahrscheinlich recht nutzlos.

bored cat_Tabbymom Jen
So nutzlos wie Katzenspielzeug. By Tabbymomjen

Natürlich, am Ende ist es jedem selbst überlassen, das ganze soziale Brimborium rund ums Spielen mitzumachen oder nicht. Fraglich ist aber, ob das die Entwickler*innen auch so sehen. Werden wir demnächst beim Spielen ständig unterbrochen und gefragt, ob wir unser Erlebnis nicht gleich twittern wollen? Wird der Drop-In jetzt serienmäßig, wie schon jetzt bei Dark Souls, wo das Ganze zwar nett umgesetzt, aber hin und wieder auch nervig ist (blödes PvP)? Und werden alle Publisher so bekloppt sein wie EA und demnächst ganz verstärkt auf Mikro-Transaktionen setzen, auch im Singleplayer? Mir fanatischem Vertreter des Singleplayererlebnisses breitet sich ein Horrorszenario von Free to Play-Titeln aus, in denen man sich Level einzeln kaufen muss, um am Ende mehr zu bezahlen als heutzutage für einen Vollpreistitel. Lasst uns alle hoffen, dass dies nie passiert. Und wenn doch, dass dabei wenigstens der PC als Spieleplattform verschont bleibt!

Die Wiederentdeckung des Spielspaßes

Mein Großvater – möge er in Frieden ruhen – war ein berechnend komplizierter Mann im Alter. Er hatte eine Eigenschaft, die nicht wenige unter uns ihr Eigen nennen. Es ist die Gabe immer das haben zu wollen, was gerade nicht da ist. Genau diese Sorte Mensch ist auch der gemeine Videospieler. Zwar brüllt er immer hinaus dass PC/XBox 360/Playstation 3/Wii die jeweils beste Option sei, aber die Wahrheit ist, dass man immer jemanden um die Fähigkeit eines anderen beneidet.

 So können Microsoft und Sony sich um Innovation in Sachen Control noch so bemühen, Nintendo wird mit der Wii und dem (3)DS immer den Ruf haben, als erstes mit neuen Ideen bei den Spielern anzukommen. Es ist völlig gleichgültig, dass 90% der Nicht-Party-Spiele (also jene mit Gehalt und Mehrwert für die Spielebranche) mit dem Game-Cube-Controller viel besser funktionieren und großteils sogar ursprünglich auf Classic-Control ausgerichtet worden sind.

Jeder Legend Of Zelda Spieler muss sich eingestehen, dass bis auf wenige Gimmicks die klassische Steuerung handlicher und benutzerfreundlicher ist. In einer Zeit, in der die Menschheit wie wandelndes Gemüse blind auf die Einfachheit Apples schwört, ist die Verumständlichung durch Motion-Control ein Widerspruch der modernen Gamernatur an sich.

Wenn mir auch nur ein Shlemiel (jiddisch: Idiot) kommt und behauptet, dass Mario Kart auf der Wii mit diesem Momzer (jiddisch: Bastard) Kartwheel besser zu steuern ist, dem gehört das Spielen bis ans Lebensende verboten.

Ja, ich höre mich an wie jemand, der den letzten Krieg noch miterlebt hat, aber für meine Gamergeneration (Jahrgang 1989 und älter) trifft es nach Erfahrungswerten bisher durchgehend zu, dass Motion-Control von Sixx Axis über Wii, Move und Kinect ein Gimmick ist.

Wer weiß, was die Zukunft bereit hält. Vielleicht lachen Menschen die mit dieser Steuerung aufgewachsen jetzt schon über uns alte Säcke und kommen wunderbar damit zurecht. Vielleicht wird der Endorphin-Ausstoß beim Nintendo-Wheel (meist ausgelöst durch blanke Wut und puren Hass) bei jüngeren ein Gefühl der Einbindung in die virtuelle Welt. Ich wünsche es ihnen, aber halte es wie der gute Herr Simon Krätschmer von GameOne: Bewegungssteuerung bedeutet oft mehr Frust statt Lust!

Simon auf der Gamescom 2011. Ein richtig netter Mensch, wenn ihn die wunderbare Welt der Motion-Control nicht gerade vor Wut in die Elbe springen lässt!

Für eine neue Art der Steuerung lohnt es sich also nicht eine neue Konsolengeneration auf den Markt zu werfen. Die Controller von Microsoft und Sony bringen durch meist präzises Gameplay ein Spielerlebnis, dass den Spieler einsaugt. Wie viele von euch haben den Master Chief schon in hektischen Situationen abermals zum Held werden lassen? Ist dabei eure Körpertemperatur nicht angestiegen? War das keine Genugtuung, als man sich geradeso hinter eine Barrikade flüchten konnte, um den Gegenangriff einzuleiten? Ist einem von euch nicht die Luft weggeblieben, als Drake aus Uncharted sich über einen fahrenden Zug durch den Dschungel und das Himalaya-Gebirge kämpft und letztendlich einen Raketen feuernden Hubschrauber vom Himmel holt?

Boom! Die Spiele, die mich bisher am meisten fesseln konnten, punkteten durch ihre superb umgesetzte Steuerung und ihre Cojones in Sachen Inszenierung. Es sind die kleinen Dinge. Ich bin zum Beispiel ein riesiger Fan der Infamous Spiele für die PS3. Meine Lieblingsattacke ist dabei recht unnütz. Man springt von einem möglichst hohen Punkt herunter auf ein paar Schergen (ja, Schergen. Ich mag auch solche Worte) und BOOM! Ein elektrischer Impuls haut die Spacken meterweit bis an die nächste Häuserwand. Das bringt selten jemanden um, aber selten habe ich so den Impakt auf mich aus einem Spiel gespürt. Diese Momente sind es, die interaktive Erlebnisse für mich ausmachen. Dies ist es, was Avatar für viele zu einem guten Filmerlebnis gemacht hat. Nicht die Luftmensch-Storyline, sondern das Gefühl mittendrin zu sein. Und dieses Gefühl bekommt man nur selten, wenn man wie ein an den Nerven geschädigter Mensch Plastikgeräte in seiner Hand (oder gleich den ganzen Körper) herum fuchtelt.

Bewegungssteuerung ist ein lustiges Gimmick. Besonders für jene, die dem Spieler und nicht dem Spiel zuschauen. Mehr Hass gegen Motion Control für Core-Gamer gibt es auch wieder bei Yahtzee
(Quelle: http://www.flickr.com/photos/miyukiz4/7176121841/)

 Innovation in Steuerung ist also eine große Illusion, die den Mehrspielwert nur in lächerlichem Maße hebt (bisher) und Spielspaß entsteht (Achtung: große Überraschung!) über gutes Game Design. Und jetzt kurbelt euer Gedächtnis an, warum es die PS3 und die Xbox (360) überhaupt gab. Es ging nicht um revolutionäre Steuerung oder In-Game-Mechaniken, die mit der alten CPU nicht zu erreichen waren. Es ging um den guten, alten Genitallängenvergleich mit PC-Spielern. Wie oft und breit man sich auf Pausenhöfen anhören musste, dass der PC die eine Spieleplattform TO RULE THEM ALL sei, da immer brandaktuelle Grafik möglich sei (Viel Spaß beim dauerhaften Aufrüsten, liebe Lannister-Kinder. Ich hätte auch gerne einen Berg aus Gold!).

Thus the Next-Gen was born. So wie die spätere Einführung der Motion-Control eine Reaktion auf Nintendos Wii war, ist die Grafik seitens der PC-Industrie der Grund für die letzte Next-Gen gewesen.

Halo-Stammentwickler Bungee hat erst unlängst bekannt gegeben, dass man an die Grenzen der Hardware gestoßen sei und weil ich mich gerade nicht an den letzten Macher erinnere, der meint, dass er Halo: Kinect – Eternal Idiot auf dem imaginären Wunschzettel hatte, geht es einfach nur darum, dass man die technischen Möglichkeiten umsetzen will. Das ist alles. Man geht mit der Zeit.

Videospielkonsolen sind auch nicht mehr als andere mediale Wiedergabegeräte. Versucht ihr die Musikindustrie zu überreden, dass euer nächster mp3Player Facebook- und Twitter-Zugang ermöglicht? Ach, Moment! Das ist ja schon längst so! Und wenn ich so einen hippen Maven (jiddisch: Guru) erwische, der meint dass er mit seinem E-Reader kurz seinen E-Mail-Account überprüfen muss, weil er das ja nicht mit den anderen drei elektronischen Geräten direkt an seinem Körper tun kann, dann gibt es sehr wahrscheinlich unnötige Kommentare über die Erzeuger dieser Person, direkte, körperliche Gewalt und eine gute Portion Hass.

Niemand hasst so schön wie Katzen!
(Quelle: http://www.flickr.com/photos/poenaru/1304953088/)

Natürlich gibt ist das Home-Entertainment-Prinzip seitens PS3 und auch Xbox 360 lobenswert, aber die Wahrheit ist, dass wir alle so viele Geräte um uns haben, dass es doppelt und dreifach möglich ist, auf die jeweiligen Medien zuzugreifen. Dass ich DVDs und Blu-Rays auf meiner PS3 gucken kann und CDs abspielen kann usw. ist ein super netter Bonus, aber NICHT der Grund, warum ich mir eine Videospielkonsole zugelegt habe. Ich will das Ding anknipsen und Spaß haben. Das will ich von einer Videospielkonsole. Das war der Grund, warum ich meinen SNES und meine Playstation so geliebt habe. Zack, sofort ging es los. Das ist es was ich als Spieler will.

Ich will nicht 300 € mehr berappen müssen, nur weil meine Konsole meint mir zusätzliche Möglichkeiten zu bieten, die ich so gut wie nie nutzen werde. Aber das wird passieren, einfach weil Videospielkonsolen sich einen Ruf als Home-Entertainment aufgebaut haben (daher auch der Handlungsbedarf auf Seiten der Wii). Die klassische Videospielkonsole ist tot. Wir werden nicht mehr dahin zurückkehren, dass man auf einer Heimkonsole NUR Videospiele spielt.

 Vergesst bitte einfach nicht, warum ihr eigentlich eine Konsole oder einen Gamer-PC bei euch im Haushalt habt. Es ist ein Medium mit dem ihr Spaß haben wollt und das euch unterhalten soll und das passiert in erster Linie über Spielspaß. Es geht um die Spiele an sich. Sie sind das Hauptaugenmerk.

So sollte Unterhaltungselektronik funktionieren. Das muss die nächste Generation wieder fertig bringen. Bessere Grafik ist so sicher wie der Schmarotzer auf der Hochzeit am Büffet und eine logische Weiterentwicklung, aber bitte hört auf euch einzureden, dass Hologramme, Motion-Control und Konsorten euer Videospielleben verändern werden. Der gescheiterte 3D-Effekt bei 3DS und PS3 und Xbox 360 ist beweis genug für die Überflüssigkeit dieser Elemente. Ich sage es ein letztes Mal in der Hoffnung, dass es in eure Schädel geht:

Was man sich für die nächste Generation der Videospielkonsolen wünschen sollte ist, dass der Spielspaß erhalten bleibt.

 Mehr Spieler aus.

Nintendo-Fans können bei solchen Vorzeichen nur hoffen, dass die Wii U nicht schon zum Launch im Regen steht.
(Quelle: http://www.flickr.com/photos/85107706@N00/660586963/)

Greased Lightbox

+

Bild wird geladen

Zum Abbrechen irgendwo klicken

Bild nicht verfügbar

Greased Lightbox

+

Bild wird geladen

Zum Abbrechen irgendwo klicken

Bild nicht verfügbar

Greased Lightbox

+

Bild wird geladen

Zum Abbrechen irgendwo klicken

Bild nicht verfügbar

Greased Lightbox

+

Bild wird geladen

Zum Abbrechen irgendwo klicken

Bild nicht verfügbar

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén