Tag: Kapitalismus (Page 1 of 2)

Aufreger – Der Podcast! Die Schwarze Magie der Suchmaschinenoptimierung

„Was? Warum reden die Jungs von Mehr Spieler plötzlich über Suchmaschinenoptimierung? Ich will wieder Videospiele!“

Wir auch, lieber, ein Stück weit zu sehr echauffierter Hörer und Leser oder hoch verehrte Hörerin oder Leserin! Nur: Wenn das wahre, richtige, harte Leben zuschlägt und einem kaum Luft zum Atmen lässt, dann muss man die Gelegenheiten ergreifen, die sich bieten.

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Ein langer Aufreger über Millionengehälter

Vorbemerkung: Das Thema “Hohe Gehälter” beschäftigt mich schon lange und ich habe eine sich bietende Gelegenheit genutzt, meine Gedanken dazu nieder zu schreiben. Der Komplexität dieses Themas wird auch mein Text nicht gerecht, aber ich habe versucht in lesbarer Kürze darzulegen, warum Millionengehälter keinen Sinn machen. Gerne können wir in den Kommentaren dazu zivilisiert (unter Betrachtung unserer Nettiquette) diskutieren und noch weitere Argumente für oder gegen hohe Gehälter finden.

Gehalt in Deutschland ist eine seltsame Sache. “Über Geld redet man nicht” und “Bei Geld hört die Freundschaft auf”, so lauten die landläufigen Weisheiten zu diesem Thema. Nicht unüblich sind zudem diverse Klauseln in Arbeitsverträgen, die das Diskutieren des eigenen Gehalts mit dem der Arbeitskolleg*innen verboten wird. Aber darum soll es heute nicht gehen, sondern um die Höhe von Gehältern und die Paradoxien, die sich daraus ergeben.

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Mehr Spieler – … und das Ende von Gametrailers

Eigentlich wollten Max und ich über unsere geniale Idee für Assassin’s Creed reden, vor allem jetzt, da die Serie in eine kleine Pause geht. Aber dann kamen uns Aktualitäten dazwischen stattdessen reden wir über etwas ganz anderes: Das Ende von GameTrailers.

Dabei geht es nicht um die unsägliche Flut von Rendertrailern für Spiele, sondern die Webseite gametrailers.com. Die war lange Jahre die wichtigste Anlaufstelle für besagte Rendertrailer (und mehr), bis ihr Anfang dieser Woche der Stecker herausgezogen wurde. Relativ überraschend, wie es scheint, sowohl für die Angestellten als auch die restliche Gaming-Öffentlichkeit. Max und ich hatten deswegen etwas Gesprächsbedarf. Und nicht nur wir: Auch Jim Sterling, der selbst das Geschäft mit dem Spielejournalismus (oder “Journalismus”, wie es Max schreiben würde) sehr gut kennt, hat einen äußerst informativen Artikel geschrieben. Auf den beziehen wir uns in dieser topaktuellen Ausgabe von Mehr Spieler immer mal wieder. Also, lesen, verstehen, hören, freuen!

Am Abgrund Links – Sternenhimmel und Late Night TV

Es gibt so viel zu berichten. So viel. Aber als geübte Medienwissenschaftler*innen und Historiker*innen wissen wir um unsere Gatekeeper-Allmacht und präsentieren euch heute unser Best-Of-Links der letzten Woche. Greifen wir nach den Sternen!

Johannes

  • Neues Material von No Man’s Sky – quasi. Der Chefentwickler von Hello Games, Sean Murray, war zu Gast in Stephen Colbert’s Sendung The Late Show und hat den Moderator, sich und das Publikum durch die Welten des Spiels geführt. Wir erfahren wenig Neues, aber ich freue mich vielmehr darüber, dass das “Nerdthema” Videospiele in einer so populären Sendung vorkommt. Go Videogames! Einziger Wermutstropfen: Vom (bestimmt) genialen Soundtrack der großartigen Band 65daysofstatic war kaum etwas zu hören. Als kleine Entschädigung von mir für euch: Der Auftritt von 65dos auf der “Playstation Experience” aus dem letzen Jahr.
  • Es gibt bereits diverse kurze Videos zu Kuriositäten des türkischen Kinos. Dort wurden in den 1970er Jahren relativ unverblümt die gängigen Hollywood Blockbuster kopiert oder gleich ganz neugedreht – natürlich mit grausigen “Spezialeffekten” und in magenverdrehender Bildqualität. Bereits im letzten Jahr wurde ein Dokumentarfilm veröffentlicht, welcher sich mit eben dieser Ära der türkischen Filmwirtschaft beschäftigt. Die Inflation der Kopien und Rip-Offs hatte dabei auch politische Gründe: In den 1970er und früher 1980er Jahren wurde die Türkei immer wieder vom Militär regiert und unterlag deshalb beispielsweise einer verschärften Zensur.
  • Ich liebe Bilder aus dem Weltall. Galaxien, Planeten, vor allem aber Sternennebel – ich könne stundenlang darauf schauen. Umso mehr freut es mich, dass die NASA viele ihrer Bilder als Public Domain beispielsweise auf Flickr freigibt; zuletzt die zahlreichen Bilder aus den Apollo-Missionen von 1969 bis 1972. Ich glaube, ich werde in Zukunft mal öfter darauf zurückgreifen.
  • Konrad Lischka hat angeregt durch einen Post bei The Awl einen Vergleich für Medienhäuser und Verlage in Deutschland angefertigt. Verglichen wird der Umsatz pro Mitarbeiter*in. Der Post zeigt: Auch mit 30 000 oder 50 000 Euro im Jahr erwirtschaften die Mitarbeiter*innen wesentlich mehr Umsatz, als sie Lohn bekommen. Ein notwendiges Übel? Nicht unbedingt, aber zumindest ein weiterer Beweis, dass “Leistung” sich nie lohnen kann, solange die eigene Arbeit ausgebeutet wird. (Und ja, vor allem bei den großen Verlagen wie dem Axel-Springer-Verlag wird viel Umsatz durch Nebengeschäft wie Grundbesitz usw. erwirtschaftet. Trotzdem bleibt das Ungleichgewicht zwischen Kapital und Arbeit.)

Max

  • Dieser Linkspam ist jetzt schon seinem Namen gerecht und absoluter Müll. Warum? Johannes war schneller als ich und hat euch bereits von Stephen Colberts Vorstellung von No Man’s Sky berichtet. Toll, was bleibt da noch? So kann ich euch nur mit einem Beitrag “verwöhnen”, der ungefähr dieselbe Note verdient, die er verteilt. Indiewires Liz Shannon Miller bewertet die erste Woche der Daily Show mit Trevor Noah (bzw. ohne Jon Stewart). Natürlich ist eine solche Einschätzung ebenso sinnfrei wie die Einschätzungen zu Colberts erster Show. Wie Noah und Colbert bereits verkündeten, formen solche Sendungen sich mit der Zeit. Colberts Worte zu Oregon und auch Noahs Abstinenz zu diesem Ereignis  zeigen, dass es noch eine Weile brauchen wird, bis sich diese Namen und Marken wieder in ihrer Haut wohl fühlen. Ausgerechnet im Angesicht der Tragödie zeigte gerade Colbert wieder den Geist, der seine Arbeit bei der Daily Show und im Colbert Report so wertvoll gemacht hat. Im Mantel einer traditionellen Feierabend-Late-Show muss der Entertainer dabei natürlich ganz anders wirken. Und im Bezug zu Oregon hat Stephen Colbert für mich das erste Mal gezeigt, wie er seine Rolle als “traditioneller” Late-Show-Host und seine politische Natur vereinen kann. Wenn es so weitergeht, bekommen wir einen viel breiteren, wenngleich subtileren Colbert Report, der nach den bekannten 15 Minuten auf Interviews für den Feierabend setzt. Das klingt nach einem faulen Kompromiss, wäre derzeit allerdings ein großer Schritt für eine eingestaubte Fernsehlandschaft.

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Am Abgrund links – Fremdenhass, Kapitalismuskritik und Hoffnungsschimmer

Eine neue Woche ist wie ein neues Leben… na na na na na naaah! Für euren viel zu heißen Wochenstart sind wir hoffentlich nicht verantwortlich. Neben ein paar interessanten und ausnahmsweise nicht nur nieder schmetternden Links gibt es ein paar Tipps: Eincremen nicht vergessen, viel Trinken und gute Musik dabei haben. Ich verrate lieber nicht, was Max derzeit hört. Sonst kommt der Mob an und jagt ihn einmal quer durchs Land.

Anni

Johannes

  • Angeblich hat sich das Team von Resident Evil für die Gestaltung seiner Zombies durch Fotos von Unfallopfern inspirieren lassen. Stellt euch mal vor: Ihr klickt euch auch nur ein paar Stunden durch Bilder von (verstümmelten) Toten. Was für einen Effekt hat das auf euch? Diese Frage hat sich auch Gamasutra gestellt und drei Designer interviewt. Spurlos sind diese Erfahrungen nicht an ihnen vorbeigegangen.
  • Da sich ja der Bundespräsident zu dieser schrecklichen Bezeichnung “Dunkeldeutschland” hat hinreißen lassen (der Depp!), sei an dieser Stelle daran erinnert, dass die Ausfälle und Anschläge gegen Flüchtlinge in ganz Deutschland stattfinden, nicht nur im Osten. Deshalb ist es doppelt schön, dass am Samstag knapp 5 000 Menschen in Dresden gegen die Flüchtlings(un)politik der Landesregierung und für mehr Offenheit und Toleranz in unserer Gesellschaft demonstriert haben. Denn was leider in den Berichten über die ekelhaften Ausschreitungen von Rassisten und Nationalisten untergeht, ist die große Solidarität, die Flüchtlinge teilweise erfahren.
  • Schließlich sei hier noch auf die neue Ausgabe der Zeitschrift “Aus Politik und Zeitgeschichte” (APuZ) hingewiesen. Dieses mal thematisiert das Heft ein ganz besonders interessantes und wichtiges Gebiet: Kapitalismus und seine Alternativen. Auch wenn die Autoren keine revolutionären Thesen vertreten, ist es doch ganz wunderbar, dass dieses Thema von der bpb behandelt wird. Alle Ausgaben der APuZ gibt es übrigens, ganz anti-kapitalistisch, umsonst.

Max

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Die Extreme der Mitte

Ich habe schon länger nichts mehr geschrieben. Die Gründe sind vielfältig. Abschlussarbeiten mussten geschrieben werden und Lebensabschnitte sind dabei zu Ende zu gehen. Zu großen Teilen liegt es aber auch darin begründet, dass sich Resignation bei mir breit gemacht hat. Von da ist es leider nicht mehr weit bis zum Zynismus und dieser kann zu oft und zu schnell Aktivismus blockieren. Denn wie kann man* weiterkämpfen, wenn der Kampf hoffnungslos erscheint? Ein überraschendes Gegenmittel gegen dieses Dilemma ist nicht selten die Wut.

Doch „Wut […] ist eine sehr heftige Emotion und häufig eine impulsive und aggressive Reaktion (Affekt), ausgelöst durch eine als unangenehm empfundene Situation oder Bemerkung.“ (Wikipedia)

Die positive Folge dieses Gefühls kann ein Aufrütteln sein – der Anstoß dafür, die Dinge nicht mehr hinzunehmen. Die negative Konsequenz wiederum kann schreckliche Formen annehmen. Ob Gewalt gegen Einzelne oder gegen Gruppen, zurzeit sehen wir in Deutschland sehr konkret was Wut zusammen mit einer ideologischen Filterblase und rechtem Fanatismus hervorbringt.

Jede*r, der*die von diesen Entwicklungen überrascht ist, hat lange Zeit weggesehen. Denn die schrecklichen Terroraktionen der Neonazis in Sachsen, in Baden-Württemberg und Brandenburg, sind das Ergebnis von Prozessen, die lange ignoriert wurden. Sicherlich gehören dazu die sozialen Probleme des Ostens und damit der Neuen Bundesländer, aber wer es auf dieses Thema reduzieren möchte, ist zu kurzsichtig.

Auch wenn mit den Vorfällen der letzten Tage in Heidenau ein neuer Höhepunkt des Fremdenhasses erreicht ist, muss festgehalten werden, dass Sachsen kein isoliertes Problem darstellt. Auch in Baden-Württemberg und Bayern steigt die Anzahl der Übergriffe – darüber reden nur leider viel zu wenige; Vielmehr noch, es wird nicht in einen gemeinsamen Kontext gesetzt.

An dieser Stelle scheitert die Politik genauso wie die sogenannten Leitmedien. Die etablierten Parteien nehmen politische Strömungen wie die AfD nicht wirklich ernst, die entschieden dazubetragen, dass rechtes Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft ankommt und als normal gillt. Die Medien wiederum ziehen die AfD und Pegida ins Lächerliche, geben ihr aber gleichzeitig so viel mediale Präsenz, dass sich etablierte konservative Parteien genötigt sehen, die rechten Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Gleichzeitig werden die rechten Äußerungen und Aktionen lediglich auf konkrete Probleme des Ostens geschoben, anstatt das Gesamtbild zu betrachten.

Überraschend sind diese Mechanismen nicht. Denn auch wenn wir alle mittlerweile in einer “glücklich vereinten” Bundesrepublik leben, so sind die Zeiten des Ost-West-Konflikts noch nicht so lange her. Und im Zweifelsfall ist es immer leichter den Anderen die Schuld zu geben. Das “Andere” ist dabei austauschbar, für die einen sind es die Flüchtlinge, für die anderen der Osten, aber letztendlich greift hier das gleiche Prinzip. Solange die Anderen Schuld sind, kann man* sich selbst einreden: An uns liegt es nicht, dass wir Probleme haben.

Doch dass wir eine der schlimmsten Konzentrationen von rechter Gewalt seit den 1990er Jahren erleben, kommt nicht von ungefähr. Nicht erst die AfD und Pegida haben aber rechtes Gedankengut gesellschaftfähig gemacht. Vielmehr stelten sie einen Katalysator für das dar, was schon länger in der Mitte brodelt. Sicherlich werden diese Themen von öffentlicher Kritik begleitet, aber zu oft versteckt sich hinter einem vermeintlich objektiven journalistischen Anspruch – auf dessen Grundlage auch Flüchtlingskritiker*inn*en ein medialer Raum gegeben wird – eine Verharmlosungsstrategie, die dazu führt, dass sich Rassist*inn*en unbescholten Asylkritikerinn*en nennen können.

Zudem wird seit Jahrzehnten die Extremismustheorie bemüht, die den rechten und den linken radikalen Rand gleichzusetzen versucht, auch wenn sich die politischen Überzeugungen grundlegend unterscheiden. Ein weiteres Erbe deutsch-deutscher Geschichte, denn zu Zeiten von DDR und BRD war eins klar: Linke Ideen sind gefährlich, denn von ihnen ist es nicht weit bis zum Sozialismus und der Sowjetunion. Zugleich glorifiziert die Theorie die vermeintliche politische Mitte der Gesellschaft, welche von den radikalen Rändern abgegrenzt wird. Dabei entsteht eine gefährliches Gefühl der Sicherheit. Doch am Ende des Tages macht es einen gewaltigen Unterschied, ob Steine auf Menschen oder auf Autos geworfen werden. Wie tiefgreifend und subjektiv die unterschiedliche Bewertung von Linken und Rechten in Deutschland noch immer ist, zeigt uns gerade Heidenau, wenn die Antifa versucht die Polizist*inn*en zu unterstützen und sich am Ende gegen die Rechten und die Staatsdiener verteidigen muss.

Doch wenn fremdenfeindliche “besorgte” Bürger sich unbescholten als “Asylkritiker” bezeichnen können, sollte mehr als eine Alarmglocke läuten. Besonders in Deutschland. Denn die Geschichte hat in einer grausamen Lektion bewiesen, welch explosive Mischung Verzweiflung, Wut und rechte Ideologie sein kann. Spätestens seit Heidenau sollte klar sein, dass wir es mit einem gesamtgesellschaftlichen Problem zu tun haben, welches bei der Diffamierung von “Wirtschaftflüchtlingen” beginnt und bei gewalttätigen Übergriffen endet. Fakt bleibt: Die Medien, die jetzt die Übergriffe auf Flüchtlinge verteufeln, haben mit ihrer Berichterstattung über Flüchtlingswellen, Wirtschaftflüchtlinge und selektiven Informationen zu deutschen Steuerausgaben (Stichworte: Waffenexporte und Hermesbürgschaften) dazu beigetragen, eine Stimmung der Angst vor Überfremdung zu erzeugen. Das macht sie in erster Linie zu schlechten Journalisten, die jeglichen Anspruch von Objektivität vermissen lassen. Sicherlich kann niemand rein objektiv Berichten, aber indem das Klischee des Wirtschaftflüchtlings und des Migrationsschmarotzers bemüht wird – sei es noch so intellektuell verpackt – kann eine Mitverantwortung für die sich zuspitzenden Ereignisse nicht komplett abgesprochen werden.

Diese Mitverantwortung trifft aber nicht nur die Medien, sondern auch die Politiker*inn*en und vor allem die deutschen Bürger*inn*en. Nicht die Menschen, die bei uns Hilfe suchen, sind das Problem, sondern Menschen, denen jegliche Emphatie abhanden gekommen zu sein scheint und die in ihrer Blase von Wohlstand und selektiver Information nicht über den eigenen Tellerrand schauen wollen. Wir leben in einer globalisierten, kapitalistischen Welt von der die Deutschen in erster Linie profitieren. Natürlich sollen hier nicht die Armutsprobleme Deutschlands negiert werden, aber im Vergleich zu so vielen Ländern dieser Erde, können die Deutschen von einem funktionierenden Sozialstaat zehren.

Der Luxus unseres Alltags aber – Obst und Gemüse aus aller Welt, zu jeder Zeit oder auch billige Klamotten – sind die Früchte eines globalen Kapitalismus auf die Kosten anderer. Doch nicht nur bei Nahrungsmitteln und Bekleidung greifen kapitalistische Mechanismen.

Krieg war und ist immer ein Geschäft – ein grausames Geschäft, durch das Hunderte, Tausende oder Millionen sterben und von dem andere profitieren. Und Deutschland profitiert nicht nur mit den steigenden Rüstungsexporten. Die traurige Wahrheit ist, dass es leichter ist ein Land auszubeuten, wenn es politisch instabil ist und innenpolitisch aufgewühlt, denn wie kann sich die Wirtschaft behaupten wenn sie am Boden liegt, weil Krieg oder vom Westen finanzierte Terrorregime das Land in ihrer Hand haben? Können wir es also Menschen vorwerfen, wenn sie diese vom Krieg gezeichneten Gebiete verlassen wollen und sich ein besseres Leben in Europa erhoffen, wenn doch unsere Politik diejenige ist, die Kriesensituationen zu selten bekämpft?

Spätestens mit dem Erfolg des Internets und den immer neuen Kommunikationswegen des 21. Jahrhunderts lösen sich die statischen Grenzen der letzten Jahrhunderte auf. Es wird Zeit, dass wir aufhören diese Entwicklungen als Problem zu begreifen und sie als Fakt akzeptieren. Flüchtlinge dürfen nicht als Bedrohung verstanden oder als Problem behandelt werden. Vielmehr stellen sie eine Chance dar – eine Chance Menschlichkeit zu beweisen und unserer Zeit gerecht zu werden. Statt Hass und Angst zu schüren und damit den Rechten in die Hände zu spielen, gilt es, Rassismus und Fremdenhass als das zu benennen was es ist und ihren Vertreter*inn*en keinen Raum zu geben. Dafür muss das Gesamtbild erkannt und über den deutschen Osten hinaus diskutiert werden. Nur dann haben wir eine realistische Chance  Übergriffe wie in Heidenau als ein Relikt der Vergangenheit benennen zu können.

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Am Abgrund Links – Berliner Töne, Stillstand und Show me a Hero

So, ihr Lieben! Der Sommer neigt sich dem Ende, die Ferien haben vielfach bereits geendet oder dauern zumindest nicht mehr lang und wir vom Zugrunde-Team spitzeln hinter der Hitzeschutzverdunkelung hervor. Was wir sehen, präsentieren wir euch wie immer in unseren Links:

ANNI

  • HBO hat eine neue Miniserie, die viel Politik und Drama verspricht. Show me a Hero bezieht sich auf das berühmte Zitat von Fitzgarald “Zeig mir einen Helden und ich schreibe dir ein Tragödie”, schon allein diese Prämisse hat die Serie ganz nach oben auf meine Liste gepusht.

JOHANNES

  • Schon vor zwei Wochen habe ich hier einen Artikel geteilt, wie ihr die Angewohnheit von Windows 10, extensiv eure Daten an Microsoft weiterzuleiten, abschalten könnt. Naja, oder zumindest eindämmen. Umso wichtiger ist es, sich klar zu machen, dass die Nutzung unserer Daten für was auch immer die neue Normalität für Software ist. Seit langem ist ja bekannt, dass Apples iTunes Nutzerdaten nach Cupertino lilefert. Da sich Microsoft zunehmend am “Walled Garden”-Konzept von Apple orientiert, verwundert es nicht, wenn der Software-Riese aus Redmond nun fleißig Daten sammelt. Sich dagegen zu wehren ist nicht immer einfach, aber ein erster Schritt wäre beispielsweise, die kleinen Schalter von Windows 10 umzulegen, mit denen die Sammelwut eingeschränkt wird. Der nächste Schritt wäre die Nutzung freier Software, wie LibreOffice oder den VLC-Player, genau wie alternative Suchmaschinen, zum Beispiel Startpage oder DuckDuckGo. Wer noch etwas weiter gehen will, setzt am besten gleich auf Linux als Betriebssystem. Aber dieses Level habe ich auch noch erst vor mir.
  • Kleine Nachlese zur Gamescom: Im letzten Podcast habe ich gesagt, dass ich mich über die Existenz von Mafia III freue. Kotaku hat ein paar Befürchtungen, nachdem sie 30 Minuten Gameplay des Titels gesehen haben. Alles deutet darauf hin, dass Mafia III wahrscheinlich ein sehr solider Open-World-Titel werden könnte und das, finde ich, ist an sich auch völlig in Ordnung. Ein bisschen mehr bahnbrechendes hatte ich mir da eher von Quantum Break erwartet, entwickelt von Remedy Entertainment, deren Vorgänger Max Payne (1 und 2) ich wunderbar fand. Der neueste Titel des finnischen Studios sollte nun die Brücke zwischen Spiel und Fernsehserie schlagen, sah auf der Gamescom aber wenig innovativ oder sogar spannend aus. Schade.
  • Wohlig eingelullt in der warmen Kuscheldecke einer sicheren finanziellen Existenz geht es den meisten Menschen dort draußen im sommerlichen Deutschland ganz gut. Daher wohl auch das Unverständnis, die Feindseligkeit, aber auch Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen. Gleichzeitig versperrt diese “Uns geht’s doch gut”-Mentalität den Blick für die Problematiken unserer derzeitigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation. Woher kommt denn noch der Wachtsum, sowohl materiall als auch gesellschaftlich? Wie weit kann sich die westliche (Post-)Industrielle Gesellschaft noch ausdehnen, bevor sie implodiert? Umar Haique bezieht sich in seinem Blogpost für den Harvard Business Manager zwar hauptsächlich auf die us-amerikanische Situation, vieles erinnert mich aber auch an Deutschland. Vor allem die Kritik an (wirtschaftlicher) Stagnation, die man in der BRD dank der Großen Koalition auch auf  die Gesellschaft beziehen kann. Der große Stillstand aber kostet uns alle unsere Zukunft.

MAX

Featured Image via Flickr by harrypope

Am Abgrund Links – Erster Mai und letzte Symphonien

19 Wochen sind im Jahr 2015 bereits vergangen. Die Menschheitsgeschichte hat viele Millionen Jahre auf dem Buckel. Trotzdem und gerade deswegen passiert jeden Tag etwas Besonderes. Hier die lesenswerten Dinge, die ihr hoffentlich noch nirgendwo sonst gelesen habt!

JOHANNES

  • Puh, das Flagschiff des deutschen Print-Spielejournalismus segelt demnächst unter französischer Flagge: Die GameStar wurde als Teil der “IDG Entertainment Media GmbH” (unter anderem auch GamePro, Moviepilot, Filmstarts, Onlinewelten) an das französische Medienunternehmen Webedia gekauft. Ich verlinke die Pressemeldung der Gamestar, die ausführlicher als andere Kurzmeldungen ist.
    Als “Flagschiff” bezeichne ich die Gamestar, weil sie, soweit ich weiß, die meistverkaufte Zeitschrift in Deutschland ist (was nicht unbedingt etwas über die Qualität aussagt). Die Konsequenz aus dem Verkauf ist wahrscheinlich, dass der Onlineanteil der Gamestar noch weiter hochgefahren (Teil des Deals war beispielsweise auch das Allyance-YouTube-Netzwerk) und – auf lange Sicht – die Printausgabe eingestampft wird. Das wäre meine Prognose, da Webedia hauptsächlich im Onlinebereich aktiv ist. Grund für den Verkauf ist womöglich das anhaltend schlechte Printgeschäft von IDG (“Printsterben” und all das) und insbesondere der GameStar, die sich zusammen mit der PC-Games überhaupt noch eine Printausgabe leistete. Ausserdem lassen die Umbildungen in der GameStar-Redaktion in den letzen Jahren, inklusive des Abgangs der “alten Garde” wie Gunnar Lott und Christian Schmidt, darauf schließen, dass es intern arge Kürzungen gab. Aber das sind nur Vermutungen meinerseits. Was bleibt ist viel PR-Gewäsch und wahrscheinlich härtere Zeiten für die Redakteur*innen. Es lebe der freie Markt! /Ironie
  • Dann wäre da noch dieser lange Artikel der Zeit und die Frage an Politiker*innen, warum diese nicht Klartext reden und die prekäre Lage in Europa schildern, statt immer alles schön zu malen. Das Politiker*innen von Natur aus nicht “die Wahrheit” sagen können, weil sie sonst ihren Job verlören (Politiker als Beruf und all das), erwähnt der Text leider nur am Rande. Trotzdem lesenswert für den Montagmittag, weil mein Einwand nur Haarspalterei ist, gewissermaßen.
  • Der Erste Mai ist vorbei (Reime und all das). Leider muss mensch ja immer wieder darauf aufmerksam machen, dass dieser Tag irgendwie ja mal einen Sinn hatte. Der ist bei Wikipedia oder von mir aus auch beim DGB zu lesen. Ich verweise aber lieber (obwohl ich mich eigentlich sträube, Sachen doppelt zu posten) wieder auf dieses anti-kapitalistische FAQ von den Schweizer*innen von überzeit.ch. Weil es einfach immer so gut passt.

MAX

  • Eine Frage, die vielen schon zum Hals raushängt: Brauchen wir den Feminismus noch? Die Anstalt hat sich an das Thema heran gewagt und zeigt, wie schwer das Ganze ist. Wer sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt hat, der wird wenig Neues lernen. Aber wir müssen eben auch immer wieder die Grundlagen predigen. Und das geht auch durch Humor.
  • Wir bekommen eine Vorweltpremiere! Klingt merkwürdig, findet in Bonn statt und kann aber zumindest in den Grundlagen überzeugen. “Final Symphony 2” kommt am 29.August zu einer Erstaufführung und wird u.a. das sonst so vernachlässigte Final Fantasy IX und weitere Teile (V,VIII und XIII) orchestral aufbereiten. Ich kann es nur empfehlen.

 

Featured Image by Taran Rampersad

Am Abgrund Links – Videospielekapitalismus, Buffy und starke Frauen

Woche 14 des Jahres 2015. Die Menschheitsgeschichte hat viele Millionen Jahre auf dem Buckel. Trotzdem und gerade deswegen passiert jeden Tag etwas Besonderes. Hier die lesenswerten Dinge, die ihr hoffentlich noch nirgendwo sonst gelesen habt!

ANNI

  • Falls ihr schon immer mal jedes Argument, das das Internet über Buffy produziert hat, wissen wolltet, dann könnt ihr das jetzt hier nachlesen.

JOHANNES

  • Beim Thema Kapitalismus sind wir uns in der Zugrunde-Crew einig: Eher nicht so gut. Das denkt auch der Schöpfer von Abe’s Oddysee, Lorne Lanning, und wünscht sich, dass Entwickler mit dem ganzen AAA-Kram aufhören. Die Budgets der großen Titel schrauben sich in unglaubliche Höhen, während der gesamte Mittelbau der Spieleindustrie flöten geht. Statt also mit Millionenverkäufe zu planen, sollten die Enticklerstudios lieber auf Nachhaltigkeit setzen und sich freuen, wenn sie ihre Investition doppelt aus einem Spiel herausholen können, so Lanning. Diese Lösung wäre natürlich ganz schön, wenn da alle mitmachen würden. Ist nur leider beim Kapitalismus selten der Fall. Trotzdem sind Stimmen wie die von Lanning wichtig, um der Industrie einen Spiegel vorzuhalten.
  • Ätzend finden die Damen und Herren von Superlevel das ganze Exklusivität-Gezanke von Microsoft, Sony und Nintendo (wir von Mehr Spieler übrigens auch) und regen sich darüber auf. Um zu demonstrieren, wie sinnlos das alles ist, machen sie ihren Artikel nur für Nutzer*innen des Firefox-Browsers lesbar. Sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt.
  • House of Cards ist eine erfolgreiche Serie und zeigt Videospiele als Teil einer Gegenwartskultur, als Normalität eines politischen Machtmenschen. Rainer Sigl von Videogametourism nimmt deshalb die Serie unter diesem Aspekt mal etwas genauer unter die Lupe.

MAX

  • Das neue Asian Kung-Fu Generation-Album hat ein Veröffentlichungsdatum! Am 27.Mai kommen wir, voraussichtlich weltweit, in den Genuss des neuen Albums. Support, damn you!
  • Wie sexy darf eine Frau sein? Dieser Streit allein ist schon komplex genug. Reduzieren wir die Debatte auf Videospiele wird sich weiterhin gestritten und Debatten und Diskurse sind auch gut, solange sie noch irgendwie produktiv sind. Ich hatte selbst lange Zeit Probleme mit “Bayonetta”. Ich mag sie vom Design immer noch nicht und halte ihre übersexualisierten Posen für überflüssig und unlustig, doch der Charakter an sich in seinem sonstigen Verhalten hat einen starken Grundcharakter wie Jim Sterling durchaus zurecht aufwirft. Mit diesem Hintergrund finde ich es wichtig bei weiblichen Charakteren darauf zu achten, ob sie reaktionär sind oder eben doch eine eigene Initiative haben. Über Kleidung kann, wie derzeit beispielsweise bei Cidney/Cindy aus Final Fantasy XV, gestritten werden. Verboten werden kann es allerdings nicht. Und wenn eine starke Frau sich wie eine starke Frau verhält, dann darf sie in meiner Welt tragen was sie will. “Natürlich blond” lässt grüßen.

Featured Image by Anne Marie Cunningham

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