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Mehr Spieler – … und die Kurzsichtigkeit des Spielejournalismus

Max und ich verstehen uns ja auch ein klitzekleines bisschen als Journalisten. Für Videospiele. Die über andere Journalistinnen und Journalisten reden. Die wiederum über Videospiele reden. Max und ich verstehen uns seit fast vier Jahren so gut, dass ich es nicht länger aushielt und ich mich mit ihm streiten wollte. Über Journalisten, die über Videospiele reden und schreiben. Denn Max hat zuletzt in unserem Podcast zum Ende von Gametrailers angedeutet, dass er den aktuellen Spielejournalismus nicht für völlig voll nimmt. Und ich frage mich warum. Deshalb habt ihr jetzt die ganz exklusive Gelegenheit, unserer angeregten Diskussion zu lauschen. Spoiler: Am Ende haben wir uns wieder lieb.

Viel Spaß bei unserer neuen Folge des Mehr-Spieler-Podcasts!

Am Abgrund Links – Künstlerische Freiheit, Flüchtlingsverdrängung und Polit-Stars

31 Wochen sind im Jahr 2015 schon vergangen, die Hälfte des Jahres ist rum, der Sommer hat begonnen. Weil wir gehört haben, dass Menschen im Sommer normalerweise raus gehen und so Sachen machen wie “in den Park legen”, “grillen” oder “die Sonne genießen”, versuchen wir euch mit unseren Links aktuell zu informieren. Es muss ja jemand zuhause bleiben und Nachrichten lesen. Hier nun die Dinge, die wir wichtig fanden und mit euch teilen wollen.

ANNI

  • Gregor Gysi war und ist eine der wichtigsten Figuren der Linkspartei. Jetzt hat er ein weiteres Mal seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. In Reaktion auf seinen Rückzug widmete ihm der Freitag einen Artikel, der zeigt warum der Politiker wahre Größe bewiesen hat.
  • Eine beeindruckende Sammlung von Erfahrungsberichten lieferte letzte Woche die Aljazeera. Aus der Perspektive von Prostuierten, Freiern und Zuhältern offenbahrt sich die Schrecklichkeit dieses Gewerbes. Daher Triggerwarnung!
  • Franz Josef Strauß ist ohne Zweifel eine der populärsten Figuren konservativer Politik. In diesem Sinne überrascht seine reaktionäre Haltung zu staatlicher Gewalt nicht, die sich in dieser Zitatesammlung widerspiegelt.

JOHANNES

  • Wir brauchen mehr Rollenspiel in unserem Leben. Deswegen schaue ich bisweilen Menschen gerne beim Spielen von Pen&Paper-RPGs zu, nicht nur, weil es lustig ist, sondern um mir vielleicht ein paar Tricks als Spielleiter abzuschauen. Wenn es euch genauso geht oder ihr am Hobby interessiert seit, schaut mal bei dieser kleinen Webserie vorbei.
  • Seit langem störe ich mich an der Behauptung “Der Kunde ist König”. Dem halte ich immer ein “Der Kunde ist auch nur ein Mensch” entgegen und meine oft genug “Der Kunde hat keine Ahnung”. Vor allem in der Spieleindustrie herrscht da ein ziemliches Paradox: Zum einen wird behauptet, sich rein an Kundeninteressen zu orientieren (“We love games! And we love gamers!”), zum anderen sehen wir anhand von Micro-Transactions, Day-One-Patches und Always-On-Debakeln, wie sehr wir als Kund*innen eigentlich verarscht werden. Deswegen ist eine Stimme wie die des Indie-Entwicklers Rami Ismail, vom Vlambeer-Team, auch so erfrischend: Zwar müsse mensch als Entwickler*in seine Fans pflegen, aber auch klare Grenzen ziehen.
  • René Walter vom Nerdcore-Blog geht drei Monate auf Pause (mehr oder weniger), hat zuvor aber noch einen längeren, reichlich kulturpessimistischen Text veröffentlicht. Der alleine ist schon ganz interessant, auch wenn ich weder seinen Optimismus, noch seinen Kulturpessimismus teilen kann. Das Highlight des Textes sind die vier Zukunftsprognosen über den Online-Journalismus, die der Dutch Journalism Fund entworfen hat. Es sind interessante Szenarien und während ich auf Nr. 1 und 3 hoffe, befürchte ich, dass Nr. 2 eintreten wird.

MAX

Featured Image by 55Laney69

Mehr Spieler – Podcast in Progress

Leider konnte dieser Podcast nicht vor Ausstrahlung gegengehört werden. Vom bisher Gehörten scheint die Folge eine klare Steigerung zum Vorgänger zu sein, doch alteingesessene Fans werden den Drei- und auch Vierspieler-Modus vermissen. Johannes und Max bekommen ein vernünftiges Gleichgewicht aus Unterhaltung, Meinung und Information auf die Reihe und sind dabei sogar irgendwie ganz lustig. Zumindest für die ersten 73 Sekunden, denn weiter haben wir die Episode noch nicht hören können. Ein vollständiges Review folgt in Kürze… eventuell.

 

Featured Image via Flicky By Chesapeake Bay Programm

Mehr Spieler – Balance ohne Gleichgewicht

Die Bürde der Medienwissenschaftler: Wann immer es um Journalismus geht, müssen wir unseren Senf dazugeben. Und mit tollen Wörtern wie “Gatekeeper” um uns werfen. Wenn dann auch noch interessante Ereignisse geschehen, zum Beispiel wenn sich ein bekannter Journalist aus dem institutionalisierten System verabschiedet und auf eigene Faust weiter schreibt, dann sind wir Feuer und Flamme, um diese Entwicklung zu kommentieren. Welch ein Glück (?) also, dass Jim Sterling, seines Zeichens langjähriger Spieletester, zuletzt bei Destructoid und dann bei The Escapist, seinem letzten Arbeitsgeber den Rücken gekehrt hat. Nun veröffentlicht er Tests, Podcasts und Videos auf www.thejimquisition.com.

Max und ich nehmen das zum Anlass, uns mit dem Stand des Videospielejournalismus zu beschäftigen. Warum die Abhängigkeit zwischen Magazinen und Publishern sowie Entwicklern sehr delikat ist und weshalb diese Balance in den letzten Jahren zunehmend in die Schräglage geriet, hört ihr bei uns.

Via Flickr.com, by Renee Navarro

Cat Doritos_Renee NavarroDoritos! Auch wir sind von PepsiCo eingekauft worden, nur um mit diesem Bild Werbung für Doritos zu machen.

Unter diesen Links findet ihr auch weiteren Lesestoff zu dem Thema:

Am Abgrund Links – 06.10.2014

Jede Woche verbringen wir viel zu viel Zeit im Internet. Doch egal wie oft wir alle durch die Weiten des Netzes surfen, man kann nicht immer alles wahrnehmen.

Deswegen gibt es von uns für euch eine Linksammlung zu den Themen, die uns in der letzten Woche fasziniert haben. Ob Filme oder Games, ob Feminismus oder Politik unser Blog ist so unterschiedlich, wie die Menschen die ihn betreiben – Hier erfahrt ihr, was uns im Kopf geblieben ist.

Via flickr.com, by Igor Vtornick

cat arrow_Igor VtornickIm Zweifel der Katze folgen

Johannes:

Am Abgrund Links – 23.06.2014

Jede Woche verbringen wir viel zu viel Zeit im Internet. Doch egal wie oft wir alle durch die Weiten des Netzes surfen, man kann nicht immer alles wahrnehmen.

Deswegen gibt es von uns für euch eine Linksammlung zu den Themen, die uns in der letzten Woche fasziniert haben. Ob Filme oder Games, ob Feminismus oder Politik unser Blog ist so unterschiedlich, wie die Menschen die ihn betreiben – Hier erfahrt ihr, was uns im Kopf geblieben ist.

Via flickr by Neal J. Wilson

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ANNI:

  • Es ist immer schön zu sehen, dass noch  ein richtiger Dialog über Dinge die im Internet schief laufen stattfindet und nicht nur Trolle rumschreien. Danke an Tom Bramwell und seinen ehrlichen Text über sexistische Strukturen nicht nur in Games, sondern auch im Rest unserer Gesellschaft.
  • Was interdependenter Queer-Feminismus bedeutet und was Interdisziplinarität ist, könnt ihr hier sehr schön nachlesen. Nicht nur für Einsteigende ein sehr informativer Text.

JOHANNES:

  • Redaktionelle Inhalte, die von PR-Firmen für einzelne Kunden erstellt werden: Neulich machte ein solcher Fall die Runde in den Schweizer Medien. Leider ist das aber gängige Praxis, woran die Medien aber vielfach auch selbst Schuld sind. Aus meinen persönlichen Erfahrungen kann ich den Sachverhalt (nicht aber die Argumentation) der Autorin der Schweizer Medienwoche bestätigen.
  • Aufbauend auf einem Artikel aus The Observer recherchierte Zeit-Autor Malte Henk tiefer zu Japans perspektivloser Jugend. Ist ein von Konsum und Kommunikation derart gesättigtes Leben auch die Zukunft in Europa?
  • Eine Sammlung von Twitter-Nachrichten zum zurückliegenden Spiel der deutschen Herrennationalmanschaft gegen das Dependant aus Ghana macht erneut deutlich, warum ich vom ganzen Fahnen-Getue der Fußball-WM nicht viel halte. Denn Rassismus ist in unserer sogenannten “Mitte” wesentlich tiefer verankert, als viele wahrhaben wollen.

MAX:

Am Abgrund Links – 26.05.2014

Jede Woche verbringen wir viel zu viel Zeit im Internet. Doch egal wie oft wir alle durch die Weiten des Netzes surfen, man kann nicht immer alles wahrnehmen.

Deswegen gibt es von uns für euch eine Linksammlung zu den Themen, die uns in der letzten Woche fasziniert haben. Ob Filme oder Games, ob Feminismus oder Politik unser Blog ist so unterschiedlich, wie die Menschen die ihn betreiben – Hier erfahrt ihr, was uns im Kopf geblieben ist.

Via flickr by SameHoosier

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Und zweitens anders als man* denkt.

ANNI:

  • Feminist*inn*en werden immer wieder (und ich meine immer und überall), bescheuerte Fragen gefragt. Gut das sich geduldigere Menschen da mal hingesetzt haben und die Erklärmieze rausgelassen haben.

JOHANNES:

MAX:
  • Mal wieder etwas Neues zu einem meiner liebsten Themen: Bewertungen von Videospielen (und anderen Unterhaltungsmedien). Auch wenn ich das Konzept von Rev3Games nicht perfekt finde, stimme ich absolut zu, dass die Vergabe von Punkten in diesem Bereich unnötig und irreführend ist. Ich selbst versuche immer wieder privat mit Punktevergaben zu experimentieren, doch die Ergebnisse sind nie zu meiner Zufriedenheit.

Journalismus zum Abgewöhnen

Walter Lippmann war sich 1922 hoffentlich schon im Klaren darüber, wie sehr viele Journalisten und Redaktionen sich an seine Ursprungsidee des Nachrichtenwerts halten würden. Lippmann teilte den Nachrichtenwert in vier Bereiche ein: Nähe, Prominenz, Überraschung und Konflikt. Wenn ein Journalist sich bei Interviews zu Themen von Interesse jedoch bezüglich seines Partner allein zu Konfliktthemen äußert, dann ist das leicht voraussagbare Ergebnis ein unnötig unangenehmes Gespräch, welches Journalisten abermals als informationsgeile und menschlich nicht voll ausgereifte Lebewesen porträtiert.

Die “Zeit” hat sich vor einigen Tagen mit fragwürdigem Ruhm bekleckert, als sie ein gehaltloses und schlichtweg provokantes Interview zur Frauenfußball-EM in Schweden mit Nationalspielerin Annike Krahn veröffentlichte. Die Stimmung seitens der deutschen Medien gegenüber der Frauenfußballnationalmannschaft Deutschlands war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung  nach “mäßiger” Vorrunde ebenfalls nicht gerade als berauschend zu bezeichnen. Auch deswegen erscheint es vielleicht als ganz normal, dass Sören Maunz sich darauf konzentriert hat ein möglichst unangenehmes Gespräch mit Frau Krahn zu führen.

Zum Hintergrund: die Fußballnationalmannschaft der Frauen ist seit 1989 bereits sieben mal Europameister geworden. Seit 1995 hat man den Titel fünf mal in Folge gewinnen können. Allein 1993 in Italien ging der Titel an die Norwegerinnen. Deutschland ist in Europa dementsprechend das Maß aller Dinge. Aber die Konkurrenz schläft nicht. Frauenfußball ist weltweit professioneller geworden. Die skandinavischen Vertreter Dänemark, Norwegen und Schweden, sowie Frankreich sind spätestens seit 2010 ebenbürtige Gegner für die Deutsche Nationalmannschaft. Von den US-Amerikanerinnen und Japanerinnen mal ganz abgesehen.

Und weil es jetzt nicht so gut aussieht, spricht man nur darüber, wie schlecht doch alles läuft, warum alles falsch gemacht wird und die anderen besser sind. Wenn uns zum Sachlichen oder mit der Mannschaft direkt in Verbindung stehendes nichts mehr einfällt, dann reiten wir auf der ZDF-Sexismus-Werbung-Debatte herum, obwohl Frau Krahn sich nicht dazu äußern möchte.

Via Flickr by miguel

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Am Anfang war die Waschmaschine…

Und sollte sich die Mannschaft in Anbetracht der “schlechten” Leistungen der Mannschaft, doch sowieso nicht besser auf Fußball konzentrieren, Herr Maunz? Wie wäre es mit etwas Konstanz in der Art Ihrer Fragestellungen? Und, ja. Ein klein wenig Patriotismus darf man im Sport schon beweisen. Zumindest ein wenig Glück darf man der Mannschaft wünschen, wenn schon alles so schlecht ist, dass die einzig nicht negativ konnotierte Frage lautet: “Wie hat sich der Frauenfußball verändert?”.

In solchen Momenten fragt man sich ernsthaft, ob ein deutscher Journalist vor einem K.O.-Spiel einer EM/WM der Männer einen Spieler  krampfhaft nach seiner Sexualität und etwaigen Problemen mit dieser konfrontieren würde. Zumindest kann man das herablassende Wort “herumalbern” gebrauchen, wenn man von Frauen und Fußball spricht, wie es scheint und andeuten, dass mal wieder die Ernsthaftigkeit fehlen könnte. Mal ehrlich: wer wäre denn bei solchen Vorwürfen nicht genervt?

Fußballdeutschland würde wohl diesen Journalisten bei einem Ausscheiden (wahrscheinlich aber auch schon so) ganz modern im Stil des 21. Jahrhunderts mit brennenden Fackeln und Mistgabeln erwarten. Nochmals: die Frage selbst ist legitim, da Aktualität, Nähe und Konflikt bestehen, aber als sich selbst auszeichnender Sportfan sollte man wissen, was man Spieler wann fragen kann, wenn man sie nicht aus dem Gleichgewicht bringen möchte.

Wer immer noch nicht glaubt, dass es sich bei Sören Maunz’ Interview mit Annike Krahn um ein Beispiel an Konfliktgeilheit und fehlender Menschlichkeit während eines “Gesprächs” (ich nenne es nur widerwillig so, da es schlichtweg ein pessimistischer Fragenkatalog ist, der hier abgehandelt wird) handelt, der kann jetzt noch die kommentierten Fragen Maunz’ lesen. Anbei sei auch der “Deutschen Akademie für Fußball-Kultur” hämisch gedankt, dass man Mehmet Scholls absolut unnötig respektloses Kommentar gegenüber Mario Gomez als Fußballspruch des Jahres kürte. So lassen wir Anstand, Höflichkeit und Fingerspitzengefühl schön im Morast des Konflikts versickern.

Bam!

Aus einer Präsentation von Dr. Heinz Gerhard (Stellvertretender Leiter der ZDF-Medienforschung) 

Fragenkatalog des Zeit-Interviews mit Annike Krahn (negative Ausdrücke sind hervorgehoben):

ZEIT ONLINE: Frau Krahn, die Vorbereitung lief super, das EM-Turnier bislang nicht. Ein Sieg, ein Unentschieden, eine Niederlage – warum klappt es schon wieder nicht? 

DARANGEHTDIEWELTZUGRUNDE: Das Turnier verlief nicht optimal, aber man war nach zwei Spielen vorzeitig für die Endrunde qualifiziert. Das Spiel gegen Norwegen wurde mit Umstellungen bestritten und hatte keinen sportlichen Wert.

ZEIT ONLINE: Was genau haben Sie denn noch nicht abgerufen?

ZEIT ONLINE: War die Mannschaft verkrampft?

ZEIT ONLINE: Also war es ein Nachteil, schon vor dem Spiel zu wissen, sicher im Viertelfinale zu sein?

ZEIT ONLINE: Können Sie an einer Beobachtung festmachen, dass die Ernsthaftigkeit gefehlt hat?

DGDWZ: Können Sie an diesem Interview festmachen, dass jegliche Sympathie gefehlt hat, Herr Maunz?

ZEIT ONLINE: Zeigt sich bei dieser EM umso klarer, dass die anderen Nationen besser geworden sind?

Krahn: Ja, natürlich ist die Leistungsdichte viel enger geworden. Aber das ist eine Tatsache, die erzählen wir schon seit fünf Jahren. Und irgendwie wurden wir da nie so ganz ernst genommen. (Frau Krahns Antwort sagt alles.)

ZEIT ONLINE: Ist die Ära des deutschen Kraftfußballs endgültig vorbei?

ZEIT ONLINE: Wie hat sich der Frauenfußball verändert?

DGDWZ: Die erste Frage ohne eine negative Konnotation. Aber das einseitige Spracherlebnis geht weiter.

ZEIT ONLINE: Das erste Spiel gegen die Niederlande guckten rund sechs Millionen Deutsche, was wohl auch mit dem Werbespot des ZDF zusammenhing. Der hat hierzulande für Wirbel gesorgt. Was haben Sie davon mitbekommen?

DGDWZ: Also wollen Sie damit sagen, dass niemand das Spiel der Frauenfußballnationalmannschaft geguckt hätte und sich niemand dafür interessiert? Dumm nur, dass die Fakten gegen diese Vermutung sprechen. 2011 waren (Zahlen beruhen auf einer Präsentation von Dr. Heinz Gerhard) fünf der sechs meist gesehenen Fernsehereignisse in Deutschland Spiele der Frauenfußballweltmeisterschaft. Die Zuschauerzahlen schwankten damals zwischen 15,41 und 17,01 Mio. Wenn überhaupt wird nicht genug (positive) Werbung für den Frauenfußball betrieben, um abermals solches Interesse zu erzeugen (siehe oben).

Krahn: Das habe ich nur nebenbei mitbekommen und mich nicht damit beschäftigt. Ich konzentriere mich hier aufs Fußballspielen und alles andere interessiert mich in sehr geringen Maßen.

DGDWZ: Damit könnte man das Thema abhaken, da sich die Spielerinnen schließlich auf das wichtige Spiel gegen Italien vorbereiten sollten… aber nein!

ZEIT ONLINE: Fällt es unter solchen Umständen nicht umso schwerer, sich auf die Spiele zu konzentrieren?

ZEIT ONLINE: Auch nicht, wenn wieder auf dem Rücken der DFB-Frauen eine Sexismus-Debatte ausgetragen wird?

Krahn: Das liegt ja an Ihnen und Ihren Kollegen, die uns immer wieder versuchen, darauf anzusprechen. Mich interessiert es nicht.

ZEIT ONLINE: Also sind Sie genervt?

Krahn: Es nervt mich, wenn Sie mich jetzt weiter danach fragen.

DGDWZ: Und dann hat man bei der “Zeit” noch den Nerv diese Aussage als “Überschrift” zu wählen.

ZEIT ONLINE: Ist die gute Stimmung, die Lockerheit nach der schwierigen Gruppenphase jetzt dahin?

ZEIT ONLINE: Fürchten Sie nach den bisherigen Spielen, dass die Mannschaft der nervlichen Belastung eines Alles-oder-nichts-Spiels nicht standhält?

ZEIT ONLINE: Obwohl Sie so viele junge Spielerinnen haben?

DGDWZ: Wirklich? Das ist die letzte Frage?

Via Flicker by Thomas Rodenbücher

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Wenn man Annike Krahn als echten Gesprächspartner behandelt, kann sie auch freundlich und informativ. Zu einem Interview gehören allerdings immer mindestens zwei…

Wir fassen zusammen: Die jungen Spielerinnen haben allesamt ein schwaches Nervenkostüm, die gute Laune könnte dahin sein, die VON DEN MEDIEN auf die Mannschaft gezwungene Sexismusdebatte sorgt für Konzentrationsschwierigkeiten, die anderen sind besser geworden und in Deutschland ist eine Ära zu Ende gegangen, man ist verkrampft, ruft nicht alles ab und als Sahnehäubchen könnte man meinen, dass die Ernsthaftigkeit fehlt.

Da kann man ja nur noch zum Strick greifen und dem Trauerspiel ein Ende machen! Wenn ein Interview ein solch negatives Bild auf die Frauennationalmannschaft wirft, dann ist es vielleicht ganz gut, dass das temporäre Interesse der Medien an der Frauennationalmannschaft sich auf die Sommerlöcher beschränkt. Kaum auszudenken, wie viele negativ konnotierte Fragen die Sören Maunzes dieser Nation noch für die Mannschaft parat hätten, ohne auch nur eine menschliche oder freundliche Frage einzuschieben. Manch einer mag diese hier dargestellte Form von Journalismus effizient nennen. Ich empfinde sie als takt- und respektlos gegenüber dem jeweiligen Gesprächspartner.

 

 

Wenn dumme Hypes sinnlos walten….

Was ist denn hier los? Ist das etwa der lang befürchtete Hiatus? Jetzt gibt es “Mehr Spieler” und “daran geht die Welt zugrunde” und alles soll einfach so vorbei sein? Pustekuchen! Getreu der von uns behandelten Branche sind die Entwicklungszeiten eben nicht immer die kürzesten. Dazu kommen jede Menge Sidequests, die sich für uns Schreiberlinge und Podcaster ergeben.

Walde und meine Wenigkeit “feiern” unser dreijähriges Jubiläum in Trier mit der obligatorischen Bachelor-Arbeit und Johannes hat all das geistige Leiden eines Akademikers bereits hinter sich und kann sich endlich in die Wonnen des 16-Stunden-Arbeitstages stürzen. Da bleibt nicht allzu viel Zeit, um die ganz großen Analysen und Meinungen zu verfassen. Und nach dem wahren Infromationstornado der E3, dem fast schon olympischen Rückrudern Microsofts auf allen Ebenen, des verpatzten Ouya-Starts und Ryan Davis’ unerwartetem Tod ist uns ein wenig die Puste ausgegangen.

Was bietet sich jetzt aber auch noch an? Seit der Ankündigung der neuen Konsolengeneration ist es still um die jetzige geworden. Dass “The Last of Us” hohe Wellen schlagen konnte, war fast schon Voraussetzung des neuen Naughty Dog Titels und “The Walking Dead: 400 Days” ist genau das tolle, aber eben durch die kurze Dauer nicht so emotional berührende Bonbon, das die Spieler vom Lückenfüller zu Staffel 2 erwartet haben. Die anstehende Generation wirft jetzt schon ihre Schatten. Allein GTA V könnte genug Zugkraft aufweisen, um noch mal für ehrliche Euphorie zu sorgen, besonders weil es sich um keinen Exklusiv- sondern einen Multiplattformtitel handelt.

 
Die Frauenstimme aus den Hitman-Trailern war stimmungsvoller, aber das sind doch mal Neuerungen!

Aber ein Hühnchen haben wir immer zu rupfen. Und zwar mit der großen Hype-Maschine aus den USA. Wir wären nicht die Gamer, die wir heute sind, wenn es nicht Kotaku, Rock, Paper, Shotgun, IGN und Co. gäbe, aber abgesehen von oft wirklich peinlichen Standards was Sexualität in Videospielen angeht (Ich spreche auch von euch, Jungs bei Bioware!), ist es in Amerika Brauch alles zu hypen, was Oma schon gezockt hat.

Ja, die ollen Kamellen wieder. 2/3 der Mehr Spieler Jungs sind nur mäßig am Jubeln, wenn die xte-Fortsetzung angekündigt wird. Aber es sind nicht nur Fortsetzungen. Es sind auch Spiele, die sich offensichtlich als etwas Neues verkleiden wollen, dabei ihr Gewand aber aus bereits vorhandenen Kleidern zusammenschneidern. Der Angeklagte der heutigen Sitzung ist Ubisofts Jetzt-Schon-Dank-Vorbestellern-Auf-Der-Ganzen-Welt-KASSENSCHLAGER “Watch Dogs”.

Woher unsere Skepsis, wenn es um “Watch Dogs” geht? Vorneweg sollte klargestellt werden, dass “Watch Dogs” hier nicht als Flop hingestellt werden soll. Das Spiel hat eine sehr schöne Grafik (für Open-World-Standards bisher spitze, doch GTA V könnte da noch in die Parade fahren), utopische Überwachungsszenarien sind spätestens seit der Komplettverkabelung Londons total in (schon das britische Studio Ninja Theory gab ja DEZENTE Hinweise auf die Überwachungsstadt London) und wenn man solides Third-Person-Cover-Shooting à la GTA IV mit vielen Gadgets verbindet, dann scheint die Grundlage für ein wirklich gutes, großes Open-World-Erlebnis gelegt zu sein.

Was ist das Problem? Die Ankündigung “Watch Dogs” 2012 war für viele umwerfend, was aber rückblickend nur daran lag, dass das Spiel gut geheim gehalten wurde. Gleiches gilt für diesjähriges “The Division”. Spätestens nächstes Jahr wird man die jährliche Überraschung aus dem Hause Ubisoft erwarten und fest einplanen. Das ist natürlich auch ein Zeichen für Produktivität. Und hier soll deutlich werden, dass die Kritik in erster Linie an die Presse und nicht an Ubisoft geht.

Via flickr by Karan J

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Es ist zum aus der Haut fahren: RrrrRrRRaAAAaaaGGgGeeeeeEE!

Natürlich will der Publisher/Entwickler sein Spiel anpreisen. Aber die Presse sollte ein Interesse gegenüber dem Rezipienten haben. Blindes Gesabber über eine inzwischen absolut entfremdete Franchise (Assassin’s Creed IV: Black Flag heißt nur noch Assassin’s Creed, weil die Marke die Sucht und das damit verbundene Geld reintreibt) regt schon genug auf. Dass man dagegen komplett ignoriert, dass die sogenannten Eigenheiten, die “Watch Dogs” von GTA abheben sollen, nichts Anderes als Jetztzeit-Assassin’s-Creed-Mechaniken sind, die Parcour und Stealth in einer Stadt der nahen Zukunft verfrachten, hat mit ernsthaftem Gamesjournalismus nichts mehr zu tun.

Vom Interface und Design der meisten Anzeigen (z.B. wenn ihr euch die persönlichen Daten eines Bürgers zeigen lasst), sowie dem Gefühl, dass die Verfolgungsjagden vermitteln, schreit das Spiel seine Wurzeln in den Spielmechaniken Assassin’s Creeds lauthals heraus. Allein dass Protagonist Aiden nicht geschwind an Häuserfassaden hochkrabbelt fehlt neben dem coolen Assassinen-Hoodie in diesem Bild.

Ubisoft. Ernsthaft. Die Spiele haben keine eigene Identität mehr. Man spürt geradezu, wie eure Fokus-Gruppen reagieren und euch diktieren. Ihr wollt ein Piratenspiel machen, das bisher keinerlei ursprüngliche Stärken der Asassin-Reihe in sich vereint. Dann nennt es einfach “Black Flag” oder wie auch immer. Und “Watch Dogs” könntet ihr ehrlicherweise “Assassin’s Creed IV” nennen. Aber utopische Überwachsungsszenarien sind wahrscheinlich schon so bei der Zielgruppe en mode, dass ihr eine neue und “innovative” IP starten könnt, wogegen die letzten drei “Fluch der Karibik”-Filme dem Piraten-Genre (erneut) das Blut ausgesaugt haben und man ohne die Assassinen-Lizenz Angst ums eigene Portemonnaie haben müsste.

Und ich werde mich weiter aufregen. Der jährliche Hype um Abzock-Titel wie sämtliche Titel der EA-Sports-Reihe und der heiligen Dreieinigkeit der Shooter Call of Duty/Battlefield/Medal of Honor ist ein Beispiel dafür, dass es vielen Menschen viel zu gut geht. Selbst die DLC-Könige von Capcom bieten ihr “Ultra Street Fighter IV” als 20€ Upgrade-Version oder für “nur” 40€ an, anstatt für das im Grunde gleiche Spiel abermals mindestens 60€ zu verlangen. Das ganze Internet macht sich lustig darüber, dass Call of Duty jetzt Hunde als einzige Neuerung zu bieten scheint. Die vielen Millionen Vorbesteller sorgen dafür, dass solch schlechte Scherze auch in der Zukunft weiterhin bestehen werden.


Das sieht gut aus… aber revolutionär? Ein wenig professionelle Distanz wäre nett

Ein abschließender Satz zu “Watch Dogs”. Ich hoffe, dass das Spiel gut wird. Ja, ich meckere viel, aber ich hoffe immer, dass wir – die Gamer – am Ende ein weiteres, tolles Spiel erhalten. Ich wünschte mir nur, dass Ubisoft seinen Spielen eine Identität verleiht. Das hat im eigenen Hause bisher nur Rayman geschafft. Dagegen hat man aus Assassin’s Creed eine Legehenne gemacht und der Prinz aus Persien hat inzwischen so viele neue Gesichter, dass er verständlicherweise in der Identitätskrise steckt. Zumindest hat Ubisoft noch keinen Shooter mit ihm geplant.

Also, liebe Kollegen der Branche. Sagt uns endlich, was ihr an “Watch Dogs” so toll findet. Was sind die Gadgets und wie wirken sie sich aufs Spiel aus? Stehe ich nur herum und hacke etwas oder bin ich tatsächlich gefordert? Wie vereinbart sich Stealth und Hacken mit den Schusswechseln? Ihr müsst beschreiben, wie sich ein Spiel anfühlt, anstatt nur ein milchiges Bild von einem ach so geilen Spiel wiederzugeben. Wer den Fan und Amateur aus der Freizeit nicht vom Beruf trennen kann, der ist genau der Grund dafür, dass Gamesjournalismus auch weiterhin nicht über den Status der Apothekenzeitschrift hinausgeht.

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