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Am Abgrund Links – Hurra DEUTSCHland, Nazi Sommercamps und Waffen in Sachsen

Ach, die Links! Hauptsache, sie kommen irgendwann! Denn niemand von euch hat je ausgelesen, was da so im Internet steht. Aber Achtung! Denn dort steht bekanntermaßen ganz viel, nur ob es stimmt, weiß niemand. Deswegen hier unsere Links,  die sind alle ganz doll wahr. Versprochen!

Johannes

  • Die Polizei hat in modernen Demokratien das alleinige Gewaltmonopol. Sie schützt die Bürgerinnen und Bürger vor Verbrechen und hilft, diese aufzuklären. Auch ich fühle mich nicht wirklich sicher, wenn ich irgendwo Polizist*innen mit offen getragenen Maschinenpistolen patroullieren sehe. Aber ich bin trotzdem froh, dass diese Menschen da sind. Deshalb sollten bei allen Bürgerinnen und Bürgern die Alarmglocken sehr laut schrillen, wenn sich die Anzahl an (kleinen) Waffenscheinen erhöht, wie dieses Jahr in Sachsen. Dort sind die Beantragungen an kleinen Waffenscheinen auf mehr als das doppelte des Vorjahres geklettert. Offensichtlich haben die Sächsinnen und Sachsen Angst und glauben, sich selbst beschützen zu müssen. Aber wovor? Ich befürchte, dass die Menschen sich dort weniger vor Nazis, als vor dem minimalen Anteil an Flüchtenden, die in Sachsen landen. Der Kommentar von Sachsen Innenminister Markus Ulbig lässt dabei soviel an Feingefühl vermissen, das es wehtut: Das subjektive Sicherheitsgefühl sei durch “die Menschen, die zu uns kommen” untergraben, sagt dieser Mensch. Was ist das eigentlich für ein Idiot? Mal ganz ehrlich? Wenn meine Mitmenschen sich selbst bewaffnen, weil sie der Polizei offensichtlich nicht zutrauen, für Schutz zu sorgen, und ich gleichzeitig jeden Montag einen Mob von Fremdenfeind*innen habe, der durch die Landeshauptstadt stapft; JA, DA FANGE ICH DOCH NICHT AN, DEN “AUSLÄNDERN” DIE SCHULD ZU GEBEN! WAS IST DAS DENN FÜR EINE RASSISTISCHE SCHEIßE! MERKT DER KERL NICHT, DASS ETWAS ARG FALSCH LÄUFT IN SEINEM BUNDESLAND? AAAAAHHHHHHH!!!
  • So, geht wieder. Erinnert ihr euch noch an Internetcafé? So diese zwei, drei Jahre, in denen der Internetanschluss noch nicht so weit verbreitet war, dass ihn jede*r daheim hatte und man* auf diese öffentlichen Cafés angewiesen war? Und die heute zu einem Anlaufpunkt sehr obskurer Menschen geworden sind? Wusstet ihr, dass es in Japan einen Trend gibt, sich in Internetcafés quasi häuslich einzurichten, weil das billiger ist, als eine Wohnung zu finden? Diese kuriosen Geschichten rund um diese Institutionen des frühen Digitalzeitalters hat gizmodo in einem wunderbaren Rückblick gesammelt.

Max

  • Zuerst haben uns die Amerikaner alles weggenommen. Dann die Russen. Dann haben uns die Griechen ganz viel weggenommen und uns auch noch beschimpft. Ach, wir Deutschen haben es wirklich nicht leicht. Es müssten doch nur alle wie wir sein, nur dass sie dafür bitte nicht hierher kommen. Und unsere Werte nachleben sollen sie so dann auch eigentlich nicht… denn es sind schließlich unsere! Unsere Kultur, die als Einwanderungsland und früherer Herzogtumsquilt (der Deutsche sagt natürlich: ZIERDECKE!) schon immer unglaublich einheitlich war, ist unser ganzer Stolz. Wir sind so stolz darauf, dass wir mal eben vergessen, welche Einflüsse sich auf die “deutsche” Kultur im Lauf der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte ausgewirkt haben. Ist ja auch nicht so wichtig, da “wir” im christlichen Geiste hart missioniert haben. Das ist jetzt alles uns! Mit hochgestochenen, aber treffenden Worten setzt sich Armin Nassehi (Süddeutsche) mit dieser merkwürdigen Denkart auseinander. Hoffen wir nur, dass genug Leute den Artikel verstehen und auch über den Namen des Autors hinwegkommen. Ich meine, nur so unter uns, Nassehi… das ist doch kein Deutscher… Name… Gut, dass es keinen Rassismus und keine Fremdenfeindlichkeit gibt, sondern müsste man ernsthaft darüber nachdenken, wenn Menschen solche geistreichen Aussagen von sich geben.
  • Ach, und wer gerne die Zeit von vor circa 25 Jahren verdrängt hat, der sollte sich mal (wieder) “Hurra, Deutschland” geben. Das Original von 1991, als ein paar Gummipuppen die deutsche Politik so sehr durch den Kakao gezogen haben, dass man Bundeskanzler Kohl auch für einen Schokoweihnachtsmann hätte halten können. Ich lache immer noch Tränen, aber an manchen Stellen fragt man sich, ob das aktuelle Folgen sind… Aber dass wir nicht aus unseren Fehlern lernen, wissen wir alle bereits aus dem Geschichtsunterricht nicht wahr?
  • Und abschließend eine richtig bedrückende Folge zum Thema Rassismus. Ich bin mir recht sicher, dass ich die “Nazi Summer Camp”-Folge von Radiolab bereits verlinkt habe, aber man lernt bekanntlich auch durch Wiederholung. In Amerika zur Zeit des zweiten Weltkriegs gab es in Amerika einige Gefangenenlager mit deutschen Insassen. Im Gegensatz zu den Japanern hatten es die Deutschen vergleichsweise leicht. Der Grund dafür ist so banal wie einleuchtend: Die Deutschen sehen den Amerikanern nun einmal zum Verwechseln ähnlich.

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Mehr Spieler – Zum Spielen freigegeben

Gratis Videospiele spielen? Klingt eigentlich super. Wenn die meisten “Gratis”-Spiele denn auch gratis wären. Oft genug sind allerdings die sogenannten Paywalls, also die Mechanismen im Spiel, die eine*n dazu fast zwingen, für bestimmte Dinge zu bezahlen, ziemlich hoch und treten auch eher plötzlich auf. Trotzdem erwirtschaften Spiele wie “Forge of Empires” fast 100 Millionen Dollar Umsatz seit ihrer Veröffentlichung. Und auch in Japan und Südkorea gewinnen Free-to-Play-Spiele (F2P) mehr und mehr an Popularität. Soviel sogar, dass sie dort mehr Umsatz machen als Konsolenspiele. Max und ich haben über dieses Phänomen nochmal ausführlicher gesprochen, nachdem wir es bereits in unserer Konami-Episode angerissen haben.

Viel Spaß bei diesem erneuten Hörgenuß!

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Am Abgrund Links – Indie-Spiele, Josh Duggar und Irland

22 Wochen sind im Jahr 2015 bereits vergangen. Die Menschheitsgeschichte hat viele Millionen Jahre auf dem Buckel. Trotzdem und gerade deswegen passiert jeden Tag etwas Besonderes. Hier die lesenswerten Dinge, die ihr hoffentlich noch nirgendwo sonst gelesen habt!

ANNI:

JOHANNES:

  • Die Indie-Spieleszenen in Europa und den USA blühen auf, auch dank alternativer Finanzierungsmodelle wie Kickstarter oder Early Access (auch wenn diese Modelle natürlich kritisch gesehen werden sollten). Nur im “Land der Videospiele”, Japan, trauen sich wenige unabhängige Entwickler*innen ins Rampenlicht des Marktes. Gut, dass es dafür das Tokyo Indie Fest gibt, ein Treffen, auf dem Indie-Entwickler*innen ihre Spiele vorstellen können. Für alle, die nicht vor Ort sein können, hat Rob Fahey für gamesindustry.bit einen langen und informativen Artikel geschrieben.
  • Diesen Sonntag waren in Spanien Kommunalwahlen, im Dezember stehen dann die Parlamentswahlen an. Auch wenn Kommunalwahlen nicht unbedingt ausschlaggebend sein müssen, ist es doch interessant, wie die kleinen und neuen (Protest-)Parteien in Spanien abschneiden. Schließlich sind diese – ähnlich wie in Griechenland – ein Ausdruck der anhaltenden Unzufriedenheit über die Sparpolitik ihrer Regierung. Telepolis hat eine Analyse der politischen Lage bereits am Freitag eine Analyse veröffentlicht.

MAX:

  • Wer hätte es gedacht und für möglich gehalten? Ein Amazon-Link wird geteilt. Für die zwei Seelen, die sich außer mir noch auf das baldige Erscheinen der neuen Asian Kung-Fu Generation Scheibe “Wonder Future” freuen. Die japanische Amazon-Präsenz hat die Clips zum Album schon parat. Grauenhafte Quali, aber mein Herz klopft, als wäre ich wieder ein Teenager.
  • Die Podquisition von Jim Sterling dürfte für viele Hörer wie Judge John Hodgman funktionieren. Wer nicht absoluter Fan der Hosts ist, der wird sich immer überlegen, ob er sich diese Podcasts in voller Länge antun möchte. Bei der Podquisition wurde letzte Woche nicht nur über “Witcher 3” gesprochen, sondern auch über die gleichgeschlechtliche Ehe in Irland. Zwar ist das Ergebnis schon durch, doch die kurz angeschnittenen Meinungen von Laura, Gavin und Jim haben mich trotzdem sehr glücklich gemacht. Gerade für alle, die unter Gamern immer gleich Spaggos verstehen, die Vergewaltigungsnachrichten auf Twitter hinterlassen, ist die Folge hörenswert. Und ja, die Folge heißt “Hot Unicorn Sex Coffee”.

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Mehr Spieler – Was geht ab bei Konami?

Eigentlich wollten wir ja nur über Konami reden. Warum sich der Konzern von der New Yorker Börse zurückgezogen hat. Was eigentlich los ist, da, bei dieser traditionellen Spielefirma aus Akasaka, Tokio. Weil aber Konamis vermeintliche Misere Teil einer größeren Entwicklung auf dem Videospielemarkt ist, artete unser Podcast etwas aus. Dafür findet ihr ganz viele Informationen dicht gepackt auf unter 30 Minuten. Inklusive ein bisschen was zum Lachen. Viel Spaß!

Featured Image aus diesem Video von Jim Sterling (Fair Use und so weiter bittenichtverklagen)

Le Video Game, c’est moi!

Nein, dies ist nicht das Credo vieler Videospielkonzernbosse, sondern ein Kulturphänomen. Als wir noch grün hinter den Ohren und nach dem Podcast auch an den Hosen waren, haben Johannes, Walde und ich uns im Palastgarten über Rollenspiele aus Japan (JRPG) unterhalten. Das Gespräch war unsagbar unstrukturiert und die Moral von der Geschichte ist, dass wir das Abgedrehte und die Risikobereitschaft der Japaner mögen. Es hat viel öfter den Anschein, dass japanische Entwickler „einfach mal machen“ und hinterher schauen, ob und wie sich das Ganze vermarkten lässt. Wie sonst erklären wir uns Titel wie „Catherine“, „Ico“ und „Tokyo Jungle“?

Schau mir in die Augen, Gamer!

Mir ist aber ein tatsächlicher Unterschied zwischen japanischen und „westlichen“ Videospielen aufgefallen, der sich nicht in erster Linie auf Kreativität zurückführen lässt, sondern eventuell sogar auf eine Lebenseinstellung. Schon frühe, erfolgreiche Videospiele aus nicht-japanischen Spieleschmieden setzten auf die Ego-Perspektive. Man denke nur an Doom. Und später setzte sich dieses Genre seinen Siegeszug zu den heutigen Verkaufszahlen der „Call of Duty“-Reihe fort. Das First-Person-Prinzip wird jedoch auch für Nicht-Shooter genutzt und ist beliebt in Stealth („Deus Ex“, „Thief“ und Horrorspielen („Amnesia“), aber auch interaktiven Erzählungen wie „Gone Home“). Selbst „Grand Theft Auto V“ wagt sich auf dem PC-Port an eine First-Person-Option heran.

Dabei wird oftmals assoziiert, dass ihr der Held der Geschichte seit. Es gibt keinen sichtbaren Avatar, der in der Videospielwelt zu sehen ist. Zwar gibt es viele First-Person-Charaktere denen ein Charakter zugeschrieben wird, aber letztendlich scheint vielen eine Identifikation leichter zu fallen, wenn der sichtbare Charakter nicht vorhanden ist. Natürlich kann diese Herangehensweise aber auch lediglich aus Gameplay technischen Gründen gewählt worden sein. Doch aus eigener Erfahrung stelle ich fest, dass ein Jason Brody („Far Cry 3“) und Booker DeWitt („Bioshock Infinite“) viel eher mit dem Satz verbunden werden: „Das will ICH (doch aber gar nicht) machen!“

Via Flickr by Pikawil

Cloud vs. Sephiroth

Veni veni venias! Manchmal versetzen wir uns bei guten Geschichten auch lieber in den Antagonisten

Ethan Mars („Heavy Rain“) hingegen ist ein Charakter in einem Spiel, welches durchgängig von Moral-Choice und Konsequenzen aus den Spielerhandlungen lebt. Trotzdem ist es die Geschichte von Ethan Mars, die ihr lediglich bestimmt habt. Er wird zum besagten Avatar, zur Spielfigur eurer Geschicke. Und genau diese Herangehensweise Gang und Gebe. Statt scheinbar Teil der Geschichte zu sein, werdet ihr in Geschichten geworfen, die es zu erleben gilt.

First-Person-What? (Nani desu-ka!?!?!?!?*)

Japan scheint sich dem Prinzip des First-Person-Charakters gänzlich zu entziehen. Aus dem Stehgreif fällt mir nur eine „echte“ Spielsituation in First-Person-Perspektive ein und dabei handelt es sich um „The Legend of Zelda“… beim Angeln! Selbst wenn ihr ganz eindeutig euch in den Protagonisten einfühlen sollt, bekommt ihr einen Avatar gestellt. Dieser lässt sich häufig wie bei „Freedom Wars“ oder gängigen Online-RPGs individuell gestalten, doch DASS ein Avatar, der im Spiel jederzeit sichtbar ist, vorhanden ist, steht außer Frage (z.B. „Persona 3“).

Ich kann noch so weit in mein Gamerwissen vordringen, doch First-Person scheint kein gängiges Modell für Japaner darzustellen. Jetzt kann man argumentieren, dass dies daran liegt, dass PC-Spiele in Japan nicht so groß wären wie im Westen, doch spätestens seit dem Release der Playstation 3 bzw. der Xbox 360 sind Shooter auf der Konsole zur Regel geworden. Und überhaupt ist der Videospielmarkt global, was zwar bedeutet, dass das westliche Charakterdesign für Japaner wenig ansprechend bleibt, die Spiele jedoch auf jeden Fall zugänglich sind.

Via Flickr by Chi (in Oz)

Ni No Kuni Jutebeutel

Wir müssen auch nach Japan! Ich muss diesen Jutebeutel BESITZEN!!1!elf

Gelebter Eskapismus oder Es war einmal Johannes

Einige von euch erinnern sich vielleicht an Johannes’ Beiträge zu Videospielen in Bezug auf Eskapismus. Das klingt jetzt anstrengend und wissenschaftlich, doch wenn ihr Johannes’ Artikel und auch diese Zeilen lest, sollte klar werden, dass einfach nur ein wenig graue Masse angestrengt werden muss. Natürlich sind Videospiele dafür da, um dem Alltag zu entfliehen. Anhand der Trends lassen sich dabei ganz unterschiedliche Neigungen ausmachen. Wir im Westen wären gerne selbst der Held. Wir wollen oft scheinbar gar nicht Chrono (nur für dich, Johannes) oder Yuna sein, sondern viel lieber selbst Dragonborn oder Vault Hunter werden. Zwar nennen wir diese Charaktere anders und geben ihnen (wenn möglich und meist trotzdem nicht relevant) ein von uns verschiedenes Aussehen, doch sie sind meist ein Stück von uns.

In japanischen Spielen können wir oftmals lediglich Dinge aus uns in den vorgegebenen Charakteren wiederfinden. Natürlich gibt es mit „Freedom Wars“ und dem dazugehörigen Über-Vorbild „Monster Hunter“ auch von Story großteils freie Spiele, doch diese setzen eben gar nicht erst darauf, dass wir in irgendeiner Weise außer „Leveln & Looten“ zu Handlungen angetrieben werden. Ansonsten stürzen wir uns oft in die (linearen) Geschichten von Helden, deren Geschichte es zu erleben gilt. Vielleicht herrscht in Japan schlichtweg ein höherer Bedarf nach Eskapismus, dass das Selbst keine so große Rolle wie bei uns spielen soll. Vielleicht liegt es auch an einer höher angesehenen Tradition der Charakterdesigns oder auch kulturelle Hintergründe, welche die Erzählung einer Geschichte in dieser Form vorsehen. Macht euch einfach das nächste Mal bewusst, wie viele Dinge je nach Entwicklungsland anders laufen können. Wenn euch also mal wieder nach „etwas Anderem“ ist, dann bietet sich vielleicht mal wieder ein japanischer Titel an.

*Ich habe keine Ahnung, ob das tatsächlich Sinn ergibt.

Featured Image via Flickr by Spreng Ben

Ubisoft bestätigt sich mal wieder selbst, Assassinen-Style!

“Das ist so dumm, ich hätte mir es selbst gar nicht erst ausdenken können”, ist ein Satz, der jedem Comedian schon über die Lippen gehuscht ist. Zu Zeiten eines George W. Bush feixten US-Comedians gerne, dass die einzige Arbeit darin bestand die Zeitungen zu lesen. Die Groteske geschieht in der Realität. In der Games-Szene ist es ähnlich, wenn selbst in Deutschland Youtube-Größen wie LeFloid sich zu der perversen Vorgehensweise der “Hatred”-Macher (den Scheiß werd’ ich bestimmt nicht verlinken, also Hatred, nicht LeFloid und seine LeNews) mit ordentlichen Rezipientenzahlen austoben dürfen.

Wo “Hatred” allerdings noch wie echte Anfänger mit der Dampfwalze drauf halten müssen, hat Ubisoft die Zeichen der Zeit erkannt und versagt professionell auf ALLEN Ebenen. Es ist wirklich nicht so, als würde Ubisoft damit alleine dastehen. Wie richtigerweise bemerkt wird, gibt es in der AAA-Industrie keine Heiligen und keine Helden. Trotzdem schafft Ubisoft es regelmäßig sich noch vor EA zu mogeln, wenn es darum geht, die eigene Inkompetenz in den oberen Reihen offenzulegen. Die einzige Hoffnung für Ubisoft kann nur sein, dass EA die Star-Wars-Marke derartig vergewaltigt und mit EA Origins weitere Tiefpunkte der Marke “Sim City” setzt, dass wir Spieler all den Schrott aus dem Hause Ubisoft nicht mehr wahrnehmen.

Und was ist diesmal passiert? Nichts Großartiges. Ich sage es gleich vorweg und könnte eine breite Palette aus Jimquisition-Videos zusammenstellen, da Menschen wie Jim Sterling die großen Entwicklungshäuser unter der Lupe behalten. Das heutige Thema ist nur ein paar kurze Absätze wert und zeigt, dass mal wieder die falschen Leute am Hebel sitzen. In der heutigen Ausgabe widmen wir uns Alex Hutchinson, der als Creative Director von “Assassin’s Creed III” und “Far Cry 4” offenlegt, warum der durchschnittliche Gamer nicht den nötigen Grips und die Kreativität hat, um richtig geile Ideen zu haben.

Via Flickr by Seth Werkheiser

Ninja

Viel Weiter scheint Hutchinsons Gedankengang nicht zu gehen, wenn er das Wort Ninja hört.

Angesprochen auf die Frage nach einem “Assassin’s Creed” in Japan machte Hutchinson leider den Mund auf ohne an die aktuellen Ereignisse oder mögliche kreative Abänderungen zu denken. Dass mit “Assassin’s Creed Chronicles China” ein Spiel im feudalen China herauskommt (das ist etwas total Anderes als Japan… da liegen WELTEN dazwischen! *Ironie*), ist geschenkt. Eh nur ein DLC der von Drittherstellern entworfen wird. Pfft, warum sollte man sich damit auseinandersetzen? Wir spielen einfach die umgedrehte Race-Karte und sagen zu solchen Leuten: “Aha, China und Japan sind also das Gleiche für euch?”

Was wirklich zu denken gibt, ist allerdings Hutchinson unmotivierte Antwort, dass das “feudale” Japan für ein AssCreed zu “langweilig” sei. Das stimmt so, wenn man wie Hutchinson argumentiert, dass das kein außergewöhnliches Setting ist. Assassinen, Japan… man kennt das ja. Warum aber ein Creative Director nicht zumindest in einem Nebensatz erwähnt, dass Japan auch noch andere Epochen zu bieten hat, zeigt die kleine Schaumstoffwelt in der sich Ubisoft mit ihren festgefahrenen Reihen befindet.

Ein Japan im 20. Jahrhundert bietet allein mit Tokyo in der Nachkriegszeit einen der interessantesten Schauplätze weltweit zu diesem Zeitpunkt. Im Gegensatz zu den Hausansammlungen aus “Assassin’s Creed III” ließe sich endlich wieder ein urbanes Gelände erkunden, welches auf den neueren Konsolen die Tiefe einer solchen Spielwelt ermöglichen sollte, die in Teil II + Sequels keine Chance hatte. Aber nein, ein CREATIVE DIRECTOR hört die Wortkombination “feudales Japan” und schon schaltet alles ab. Ein einfaches Nein und ein Hinweis darauf, dass Indien viel spannender wäre. Und natürlich wäre Indien eine Überlegung wert… wenn ein Mensch mit Vorstellungskraft das Szenario schreibt.

Am Abgrund Links – 23.06.2014

Jede Woche verbringen wir viel zu viel Zeit im Internet. Doch egal wie oft wir alle durch die Weiten des Netzes surfen, man kann nicht immer alles wahrnehmen.

Deswegen gibt es von uns für euch eine Linksammlung zu den Themen, die uns in der letzten Woche fasziniert haben. Ob Filme oder Games, ob Feminismus oder Politik unser Blog ist so unterschiedlich, wie die Menschen die ihn betreiben – Hier erfahrt ihr, was uns im Kopf geblieben ist.

Via flickr by Neal J. Wilson

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ANNI:

  • Es ist immer schön zu sehen, dass noch  ein richtiger Dialog über Dinge die im Internet schief laufen stattfindet und nicht nur Trolle rumschreien. Danke an Tom Bramwell und seinen ehrlichen Text über sexistische Strukturen nicht nur in Games, sondern auch im Rest unserer Gesellschaft.
  • Was interdependenter Queer-Feminismus bedeutet und was Interdisziplinarität ist, könnt ihr hier sehr schön nachlesen. Nicht nur für Einsteigende ein sehr informativer Text.

JOHANNES:

  • Redaktionelle Inhalte, die von PR-Firmen für einzelne Kunden erstellt werden: Neulich machte ein solcher Fall die Runde in den Schweizer Medien. Leider ist das aber gängige Praxis, woran die Medien aber vielfach auch selbst Schuld sind. Aus meinen persönlichen Erfahrungen kann ich den Sachverhalt (nicht aber die Argumentation) der Autorin der Schweizer Medienwoche bestätigen.
  • Aufbauend auf einem Artikel aus The Observer recherchierte Zeit-Autor Malte Henk tiefer zu Japans perspektivloser Jugend. Ist ein von Konsum und Kommunikation derart gesättigtes Leben auch die Zukunft in Europa?
  • Eine Sammlung von Twitter-Nachrichten zum zurückliegenden Spiel der deutschen Herrennationalmanschaft gegen das Dependant aus Ghana macht erneut deutlich, warum ich vom ganzen Fahnen-Getue der Fußball-WM nicht viel halte. Denn Rassismus ist in unserer sogenannten “Mitte” wesentlich tiefer verankert, als viele wahrhaben wollen.

MAX:

“Wolverine: Weg des Kriegers” – Doppelt gemoppelt

Endlich haben wir es geschafft! Ein Doppel-Feature aus dem Hause DGDWZ! Anni und ich haben den neuen Wolverine unabhängig voneinander geguckt und auseinander genommen. Das Ergebnis ist überraschend kongruent und für den Kinobesucher mehr recht als schlecht. Eine Zusammenfassung des Inhalts bleibt aus. Anstattdessen versuchen wir euch kurz und knackig, wenn auch nicht 100% Spoiler frei Wolverines neuestes Abenteuer zu präsentieren. Ohne weitere Umschweife unsere Reviews und abschließende Meinungen.

Film-Späzies

Ja, ja. Wir brauchen ein neues Bild. Sei’s drum! Die Film-Späzies sind zurück! ©Michel Thiel

MAX’ Review:

Schreck lass nach! „Wolverine: Weg des Kriegers“ ist nicht der Film des Jahres und ganz nebenbei Wegweiser für das inzwischen arg aufgeplusterte Comic-Genre. Aber haben wir das wirklich erwartet? Regisseure wurden gewechselt (ursprünglich war „Black Swan“ Regisseur Darren Aronofsky im Gespräch), Drehbücher immer wieder leicht umgeschrieben und die Hypothek des zum Glück nicht einbezogenen „X-Men Origins: Wolverine“ wog ebenfalls schwer.

„Wolverine: Weg des Kriegers“ bezieht sich direkt auf die Ereignisse des dritten Teils der X-Men-Saga. Jean Grey alias Dark Phoenix (Famke Janssen) ist durch Logans (Hugh Jackman) Hände bzw. Krallen umgekommen und seitdem plagen ihn jede Nacht Albträume. Dieses Element wird erstaunlich konsequent durchgezogen, sodass es knapp ein halbes Dutzend dieser Traumsequenzen gibt, die besonders zu Beginn des Films als Traum im Traum („Inception“ lässt grüßen) und nach einer Liebesnacht zwischen Logan und Mariko (Tao Okamoto) glänzen. Das hat man alles schon mal gesehen, aber „The Wolverine“ – so der Originaltitel des Films – zeigt, dass der Film nicht blind Ideen klaut, sondern handwerklich sauber Elemente wie Traumsequenzen und Rückblicke einzusetzen weiß.

Wer die Trailer zum Film bereits gesehen hat, der weiß, dass Logan/Wolverine seine Regenerationsfähigkeiten genommen werden bzw. stark eingeschränkt werden. Was sich nach einer interessanten Idee anhört, wird leider gerade in Sachen Action etwas inkonsequent erzählt. Logan fängt sich immer noch die ein oder andere Kugel ein und kämpft mit übermenschlicher Stärke, doch die Kräfte verlassen die sonst so unaufhaltsame Kampfmaschine immer wieder, damit Sidekick Yukio (Rila Fukushima) oder auch der zwielichtige Harada (Will Yun Lee) unseren kratzbürstigen Helden retten dürfen.

Viel effizienter ist die ruhige Episode des Films in der Nähe von Nagasaki. Wo Wolverine einst Marikos Großvater vor der Explosion der Atombombe im zweiten Weltkrieg rettete, verstecken sich Mariko und Wolverine. Neben viel Zeit, um die Nähe zwischen den Charakteren aufzubauen und typisch japanische Folklore einzubinden, gibt es eine Szene in welcher Logan hilft einen Baum von der Straße zu entfernen. Nach getaner Arbeit ist der sonst nimmermüde Held ausgelaugt und braucht eine Pause. Das ist die Art von Menschlichkeit, die man sich vom sonst so unantastbaren Wolverine erhofft. Davon hätte es gerne mehr geben dürfen, doch natürlich ist das Tempo bei einem Action-Film wie „The Wolverine“ oberstes Gebot.


Hugh Jackman und sein Oberkörper… ein starkes Team!

Das Tempo ist hierbei auch großteils gut gelungen. Von der stimmungsvollen Eröffnungsszene in Nagasaki über Logan als zurückgezogenen Waldmensch, der seinen Gerechtigkeitssinn vergebens zu unterdrücken versucht bis zu all den typischen Fernost-Klischees und Martial-Arts-Kämpfen, die uns in Japan erwarten, weiß der Film genau in welcher Geschwindigkeit er seine geradlinige Story erzählen möchte. Erst in der zweiten Hälfte ist man einmal zu viel im Anwesen von Marikos Familie, um Logan seine Kräfte wiederzugeben und ihn den titelgebenden Satz „Ich bin Wolverine“ sagen zu lassen, der genauso käsig herüberkommt, wie es sich hier liest.

Die Action des Films ist kernig und tut durchgehend beim Zusehen weh. Allein die sehr verrüttelte Begräbnis-Szene sorgt für Übelkeit statt Adrenalin. Ansonsten gibt es den durchweg erwünschten „Autsch-Effekt“ bei so ziemlich jedem Hieb, den Logan oder seine Widersacher einstecken müssen. Über allem thronend steht die irrwitzig dargestellte Zug-Szene, die sämtlichen Gesetzen der Schwerkraft ins Gesicht spuckt. Wer dabei nicht grinst und es genießt, sollte keine Action-Filme gucken.

Auch der Humor ist gut eingestreut und entspricht dem jugendlichen Stil, der schon die Wortgefechte zwischen Wolverine und Cyclops geprägt hat. Ein widerwillig geschrubbter Zottel-Logan, kernige One-Liner und Humor in Gewalt verpackt sind die routiniert eingestreuten Streiche des Films. Allein die eins zu eins Comic-Zitate und -Dialoge erwirken hier und da Fremdscham. Dies passiert bei durchgängig sehr zweidimensionalen Nebencharakteren leider öfters.

 „The Wolverine“ ist ein solider und unterhaltsamer Film, der sich nicht in Grundideen („Pacific Rim“) oder zu hohen Ansprüchen („Man of Steel“) verstrickt und mit einer guten Mischung aus Action und Humor punktet. Allein die Story, sowie die leider recht seichten Charakterzeichnungen können sich nicht vom schlichten Mittelmaß befreien. Als Füller bis zum nächsten Jahr erscheinenden „X-Men: Days of Future Past“ macht der Film jedoch eine gute Figur und krönt sich mit der bislang wohl besten After-Credit-Szene, die man bisher gesehen hat, um Erwartungen zu schüren.

Via flickr by Francois Planche

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“Love interest”: Tao “Mariko” Okamoto auf der Commuun Spring-Summer 2009 Collection

ANNIS Review:

Mit “Wolverine – Der Weg des Kriegers” beginnt wohl endgültig die große Zeit der Sommerblockbuster. Und wenn mensch diesen Film des X-Men-Universums als Ausgangspunkt nimmt, dann ist zumindest Hoffnung da, dass nicht alles vor die Hunde geht. Denn zu meiner Überraschung ist der Film kein kompletter Reinfall, was dieses Jahr leider keine Seltenheit ist (Ja “Pacific Rim”, ich schaue in deine Richtung).

Nachdem wir uns im ersten Film um den Klauenhelden mit seiner Vorgeschichte vertraut machen durften, rückt der zweite Teil die Ereignisse nach der X-Men-Trilogie in den Mittelpunkt und konzentriert sich – genauso wie dieses Jahr schon “Iron Man 3” – auf die Abgründe unseres Helden. Mit klassischen Filmmotiven, konsequenter Symbolik und solider Filmkunst dürfen wir also ein weiteres Mal Hugh Jackman in seiner Lieblingsrolle auf der Leinwand hacken, springen und leiden sehen.

Überraschend ist, dass, obwohl der Film nichts Neues bietet, trotzdem keine Langweile aufkommt. Der Plot bleibt vorhersehbar und den Nebencharakteren fehlt es an Tiefe, dennoch gelingt es dem Film Interesse beim*der Zuschauer*in zu wecken. Das mag auch daran liegen, dass es zwar viele Actionszenen gibt, diese aber in der Regel kurz und knackig bleiben und mensch sich deshalb nicht fühlt wie bei “Matrix Revolutions”, was dieses Jahr leider auch schon des Öfteren vorgekommen ist (Schande über dich, “Star Trek – Into Darkness”). Action und Story wechseln sich regelmäßig ab und wie bei den Schichten einer Zwiebel entdecken wir nach und nach die Gründe und Ursachen für die Ereignisse des Films. Dabei setzt er nicht auf große Twist-Momente, sondern lässt den*die Zuschauer*in erst langsam das volle Bild sehen.

Angenehm ist, wie Symboliken immer wieder aufgegriffen werden. So ist ein vergifteter Pfeil am Anfang und am Ende des Films von großer Bedeutung oder auch die richtige Handhabe eines Katana wird zu einem ebenso wiederkehrenden Thema. Auch wenn diese Momente eine*n zuweilen an das Einmaleins der Filmkunst denken lassen, ist es erfrischend einen Film zusehen, der nicht mehr sein will als er eigentlich ist – ein unterhaltsamer Actionfilm für Wolverinefans.

Via flickr by Max

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Ein Mann, ein Markenzeichen. Was er auch spielt, an Wolverine denkt man bei Hugh Jackman immer

Positiv erwähnt werden muss, dass wir endlich mehr als zwei ‘bedeutende’ Frauenfiguren in einer Comicverfilmung sehen, die eine angemessene Screentime bekommen und dabei nicht nur auf bloße Klischees verringert werden. Von bahnbrechenden Charakteren zusprechen wäre wahrlich zu viel, aber die damsel in distress darf selber ab und zu kämpfen und der sidekick ist nicht der love interest. Im Vergleich dazu stellt Viper (‚Die Böse‘) den oberflächlichsten Charakter dar, dessen Motivation der*die Zuschauer*in einfach akzeptieren muss und nicht hinterfragen sollte, denn auf Erklärungen oder Begründungen wartet man vergeblich.

Die Nebencharaktere sind letztendlich aber egal, denn der Film lebt – wie auch schon in andere Filme des X-Men-Universums – von Wolverine oder besser der Interpretation dieser Figur durch Hugh Jackman. Die Charakterentwicklung von Logan und die Konflikte, die der dritte Teil der X-Men-Trilogie losgetreten hat, werden überzeugend verarbeitet und lediglich die (verhältnismäßig zurückhaltende) Liebesgeschichte erscheint etwas gezwungen. Angenehm ist aber, dass wir nicht die große Liebe erzählt bekommen, sondern dass wir zwei Menschen sehen, die in Zeiten von Leid und Not Nähe bei einander suchen. Alles andere wäre auch nicht überzeugend gewesen, nachdem Logans Beziehung zu Jean (Dark Phoenix) in den X-Men-Filmen und auch in diesem Film als existenziell inszeniert wurde/wird.

Dieser Einblick in die Details der Charaktere steht letztendlich symbolisch für einen Film, der sich hauptsächlich dadurch auszeichnet nicht schlecht zu sein. Die traurige Wahrheit ist aber, dass das Prädikat ‚nicht schlecht‘ 2013 viel wert ist, denn wenigstens was die Blockbusterlandschaft betrifft ist mensch für jeden Lichtstrahl, der die düstere Wolkenfront des Kinos durchbricht, dankbar. Wie auch Max anmerkte ist es die Szene nach dem Credit, die so manch eine*n überraschen wird. Auch wenn sie Hoffnung auf mehr macht, zeigt sie uns aber gleichzeitig die negativen Folgen von “The Avengers”. Jedes Studio will diesen bombastischen Erfolg und so erscheint es, dass die Damen und Herren in den Führungsetagen auch mit diesem Film eine Reihe anstoßen wollen, die viele Zuschauer*innen zu vielen Filmen in die Kinos locken wird. Ob das gut ist? Wahrscheinlich nicht. Dennoch ist diese Szene das einzigartige Dessert nach einem durchschnittlichen 3-Gänge-Menü und für manch eine*n wird das reichen, das Restaurant noch einmal zu besuchen.

Max meint: Wolverine-Fans können bedenkenlos zugreifen. Solide Action und typischer Comic-Humor tragen den Film weitestgehend unterhaltsam durch seine zwei Stunden. Allein mehr Tiefe in Sachen Charaktere hätte man sich gewünscht.

Anni meint: Es ist nicht der beste, aber auch nicht der schlechteste Film des Jahres. Was Robert Downey Jr. für Ironman ist, das wird Hugh Jackman auf ewig für Wolverine sein und so liefert der Australier das ab, was mensch von ihm erwartet. Ein solider Plot und angenehme Action wird euch aber letztendlich davor bewahren ein weiteres Mal frustriert das Kino zu verlassen.

P.S. Wer immer noch nicht genug hat und seine Englischkenntnisse auspacken möchte, der gibt sich noch Waldes Meinung zum neuesten Streifen aus dem X-Men-Universum.

White Game Privilege

Liebe Gamergemeinde. Wir sind schon ein voreingenommenes, rassistisches, homophobes und sowieso alles in allem sehr intolerantes Pack. Natürlich trifft dieser Vorwurf genauso auf Bücher, Comics, Filme und Serien zu, aber dass die Welt ein schlechter Ort ist, wissen wir nicht erst seit heute.

Man komme jetzt bloß nicht mit den üblichen Aussagen. “Ja, wir haben es doch begriffen!” und “Immer dieses Gleichberechtigungsgelaber!” sind für die wenigsten von uns akzeptable Ausrufe. Warum? Weil wir wahrscheinlich nicht in der Situation sind, dass all dieser “Kram” uns wirklich betrifft. Tangieren uns die Entscheidungen über “Proposition 8” in Kalifornien oder ein Filibuster in Texas zum Thema Abtreibung? In Deutschland ist die rechtliche Stellung von gleichgeschlechtlichen Paaren ebenfalls im besten Fall kurz nach der Sintflut einzuordnen, sodass die Alarmglocken nun mal weiter klingen müssen.

Was hat unser geliebtes Medium Videospiele damit zu tun? Nun, komischerweise müssen Politiker nur ohne Anlass niesen und es rutscht ihnen der altbekannte Satz heraus, dass bestimmt Videospiele dazu geführt haben, dass Kinder und Jugendliche Amokläufe durchführen oder zumindest Kaugummis in Supermärkten klauen. Wenn das Internet “#neuland” für unsere Regierung ist, was sind dann Videospiele? Außerirdische, würde ich behaupten. Aber das – liebe Frau Bundeskanzlerin – ist ein Hühnchen, das an anderer Stelle gerupft werden muss. Bis dahin könnten Sie und der Rest der deutschen Politikerlandschaft u.a. mit der Medienwirkungsforschung auseinandersetzen, ja? Bittedankeschön.

 
Würden sie Kratos kennen, hätte die deutsche Regierung sich den Streit mit Griechenland wohl besser überlegt!

Heute soll sich an die eigene Nase gefasst werden. Es geht um das sehr, sehr, sehr, sehr eindimensionale Bild, dass uns Videospiele geben. Schuld daran sind wahrscheinlich Statistiken und Marketing-Strategien. Die Milchmädchenrechnung scheint zu sein: die meisten unserer Kunden sind weiß und männlich. Also müssen die meisten unserer Protagonisten weiß und männlich sein. Nur dann wollen Spieler unsere Games in Scharen kaufen. Dass es gerade in den USA absoluter Nonsens ist, davon auszugehen, dass die Gamer alle weiß sind, scheint dabei niemanden zu interessieren. Die Variation des üblichen Protagonisten lässt zumindest auch dieses Jahr zu wünschen übrig.

“The Last of Us” = weißer Mann, der weißes Mädchen begleitet.

“Bioshock Infinite” = siehe oben!

“DmC” = weißer Protagonist

“Aliens: Colonial Marines” = weißer Protagonist

“Crysys 3” = egal, da der Typ die ganze Zeit einen Kampfanzug trägt

“Gears of War: Judgement” = sooooooooooo weiß

“God of War: Ascension” = weiß

“Injustice: Gods Among Us” = sein wir ehrlich… Batman!

“Metro = Last Light” = weiß

“Star Trek” = white bromance…

“Splinter Cell” = Weiß

“Watch Dogs” = weiß…

“Assassin’s Creed IV: Black Flag” = Ein schwarzer Pirat… macht euch nicht lächerlich! Natürlich ist er weiß und hat blonde Haare!

Via flickr By Butte-Silver Bow Public Library

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Gibt es irgendetwas, dass an dieser Vorstellung eines Geschäftsmenschens nicht absolut perfekt ist?

Wollt ihr noch mehr? Diese Liste beinhaltet nur einen Teil der dieses Jahr erscheinenden Titel und die “weiße Quote” sollte nicht zu übersehen sein. Natürlich ist dies auch ein Problem in anderen Medien. Denken wir an die Mainstream-Bücher der letzten zehn Jahre, so erstrahlen Harry Potter, Die Tribute von Panem und Twilight auch nicht gerade in einem weniger “weißen” Licht.

Der Grund für diese Verteilung sind wohl kaum Statistiken. Dann hätten wir bekanntlich mehr Chinesen. Wie wäre es dann mit Kulturkreisen als Grund der anhaltenden “Verweißlichung”? Hier kommen wir der Sache schon näher. Dass gerade japanische Spiele in kaum einem Fall auf einen schwarzen Protagonisten setzen, ist leicht zu beantworten (und wenn auch nicht leicht zu entschuldigen, so zumindest sehr leicht zu verstehen). Der Protagonist eines Videospiels soll natürlich eine Identifikationsfigur sein und so wird man hinsichtlich der Ermangelung schwarzer, japanischer Einwohner (die Zahl ist wirklich ziemlich gering) kaum jemanden erreichen, sollte man auf Identifikation setzen.

Was ist aber die Entschuldigung für Europa und insbesondere Amerika? Hier gibt es bei weitem nicht so gute Ausreden, warum nicht öfter Charaktere anderer Hautfarben in den Vordergrund gerückt werden. Niemand verlangt gleich auf Anhieb, dass andere Religionen und Bräuche genau dargestellt werden sollen. Man darf auch weiterhin seinen Jedermann als Protagonist einführen, doch es ist nicht bei den Haaren herbeigezogen, dass ein “ganz gewöhnlicher Mensch” auch dunkelhäutig ist oder fernöstliche Züge hat.

Die Ausrede der Perspektive darf nicht gelten, wenn man selbst einer Majorität angehört. Ich musste mich schon selbst als Schreiber mit dieser Falle auseinandersetzen und hatte gerade für die so gut wie nicht vorhandene dunkelhäutige Bevölkerung eine Erklärung (aber Fantasiewelten machen Rassenverteilungen meistens nochmals leichter oder lassen sich als Metaphern und Parabeln verkleiden).

Neue IPs sollten verstärkt darauf achten, uns Abwechslung zu geben. Ich verlange nicht, dass jedes Spiel nur gesichtslose, aber vom Geschlecht her frei wählbare Hüllen wie Mass Effect anbietet. Wie oft der weiße Mann mittleren Alters jedoch unser Held ist, nimmt nahezu lächerliche Züge an. Man muss schon dankbar sein, dass Grand Theft Auto bei zwei Weißen von drei spielbaren Protagonisten zumindest einen als Hillbilly-Fuck-Up darstellen.

Via flickr by Playstation.Blog

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Positivbeispiel: Infamous’ neuer Protagonist Delsin ist Indianer… geht doch!

Ein großes Problem besteht natürlich in der Eindimensionalität vieler Videospieler und dem Trend der Remakes und Reboots. Lara Croft hat gefälligst weiß zu sein. Bei Dante rasten die Spieler schon aus, wenn seine Haare nicht weiß sind. Namen wie Bruce Wayne, Nathan Drake und Solid Snake sind nur wenige weitere Beispiele. Diese Spiele sind inzwischen in der Pflicht den Urcharakter zu würdigen. auch deswegen spreche ich gerade neue IPs an.

Als einziges, positives Beispiel der jüngeren Vergangenheit bleibt mir Telltale’s “The Walking Dead” im Kopf. Ein schwarzer Protagonist, gute Verkaufszahlen und sehr gute Kritiken beweisen, dass es in Amerika und auch Europa funktionieren kann, wenn nicht der weiße Alphamann die Hauptrolle einnimmt.  Halbgare Werbung mit Michael Kenneth Williams als NPC im nächsten Battlefield 4 zeigt allerdings weiterhin den Trend des “voll total wichtigen Nebencharakters, der ja so unglaublich hammergeil ist, dass man ihn lieber nicht selbst spielt”…

Ich möchte Spiele wie “The Last of Us” für ihre fantastische Erzählstruktur und die lebendigen Charaktere loben, die übrigens auch genug glaubwürdige Abwechslung innehaben, aber wie schön wäre es, wenn Ellies Beschützer mehr Michael Kenneth Williams und weniger Viggo Mortensen gewesen wäre (ihr braucht nicht ehrlich einen Link, um zu wissen wer Viggo Mortensen ist, oder?)… von mir aus auch Jackie Chan, verdammt!

Die Hautfarbe eines Protagonisten sollte nicht so viel Einfluss auf ein Spiel haben, wie es unlängst das Coverdesign von “Bioshock Infinite” hat deutlich werden lassen. Wie traurig ist es außerdem, dass bei einem First Person Shooter, der uns nichts als die Arme des Protagonisten zeigt, die Hautfarbe und/oder das Aussehen entscheidend ist?

Würden wir auch über Nathan Drakes (Uncharted) tollen Humor lachen und mit ihm fühlen, wenn er z.B. schwarz oder asiatisch wäre? Würde es weniger Spaß, wenn John White statt Cole MacGrath der Protagonist in “Infamous 2” wäre? Achtet in der heutigen Zeit genau darauf, wie ihr diese Frage beantwortet. Denn alles was mit “Nein!” oder “Irgendwie ist das halt irritierend…” beginnen, beweisen den weiterhin herrschenden, zumindest latenten Rassismus in unseren Köpfen.

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