Tag: Frauen im Film

DARTH MAUL – Apprentice: Fanfilm-Verzweiflung

Ein deutscher Fanmade Film macht zur Zeit die Runde. Das besondere sind nicht nur die gut sechs Millionen Clicks, die der Film zurzeit auf Youtube hat, sondern auch die positive Presse, die er in Deutschland und anderen Teilen der Welt bekommt. Hier ziehen international Menschen ihren Hut, was vor allem dem fast schon professionellen Look des Films zuzuschreiben ist.

Und ja, vorweg möchte ich festhalten: Der Film ist visuell und technisch beeindruckend. Das Make-Up, die Stunts und die Visual Effects – obwohl es sich dabei um das Projekt eines Filmstudenten handelt, gibt es nur wenige Momente, in denen direkt auffällt, dass es sich nicht um einen professionellen Film handelt (klammert man* die Qualität des Schauspiels einmal aus). Um zu verdeutlichen wie schwer das ist, muss man* nur die Zahl der Leute erwähnen, die (in der Mehrheit ohne Bezahlung) ihre Energie in das Projekt gesteckt haben. Es sind um die 70.

Die Story des Kurzfilms ist schnell erzählt. Hauptsächlich handelt es sich um eine lange Actionszene auf einem Waldplaneten. Mehrere Jedi kämpfen mit dem Sith Darth Maul und sind heillos überfordert. Und hier zeigen sich sofort die Schwächen des Films. Letztendlich ist es nur die Schönheit der Bilder, die lobenswert ist. Geht man* auf die inhaltliche Ebene, sieht es ganz anders aus.

Stunts, Stunts, Stunts und mittelgutes Schauspiel

Die gezeigten Figuren sind eine einzige Ansammlung von Stereotypen. Der alte weise Jedi-Meister (Mathis Landwehr aka der Obi-Wan-Kenobi-Gedächtnis-Cast), die junge unerfahrene Padawan (Svenja Jung), drei Jedi, die hauptsächlich da sind, um cool zu kämpfen und eine Togruta, deren einzige Funktion es ist, ihr tolles Kostüm zu zeigen. Kein Wunder also, dass sie als erste stirbt. In so einem Cosplay-Kostüm lässt es sich schließlich nur schwer kämpfen.

Auch Darth Maul, der eigentliche (Anti-)Held des Films (wenn man dem Titel des Filmes folgt), macht keine Charakterentwicklung durch, die sich irgendwie nachvollziehen lässt. Hauptsächlich sieht er gut aus (im Sinne eines tollen Kostüms), guckt böse und kämpft viel.

Image by Sam-Cat

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Natürlich werden auch viele Lichtschwerter geschwungen.

Blendet man die schicken Effekte und das tolle Make-Up aus, dann bleibt am Ende eine furchtbar langweilige Geschichte übrig, die wir schon tausend Mal gesehen haben: Der*die überforderte und eingeschüchterte Schüler*in, die am Ende seine*ihre Angst überwindet. Das Problem ist  nur, dass diese Geschichte nur dann funktioniert, wenn die Figur am Ende ihren Mut zeigen kann. Leider funktioniert das aber nicht, wenn sie für ein paar Minuten kämpft, um dann einfach zu sterben. Der Story hilft zusätzlich nicht, dass die Kämpfe zwar toll aussehen, die schauspielerische Leistung aber zu wünschen übrig lässt.

Sicherlich ist das zum einen dem Genre des Kurzfilms zuzuschreiben, das generell weniger Zeit hat, Charaktere zu entwickeln. Zum anderen muss man* aber auch ganz eindeutig sagen, dass das Typecasting (z.B. bei Mathis Landwehr) es nicht besser macht. Die einzigen zwei Figuren, die der Film Protagonist*inn*en nennen kann, sind der Jedi-Meister und seine Padawan. Und die sind, ähnlich wie Konzeption der Actionszenen in erster Linie ziemlich 0815. Ich betone noch einmal, dass sie dennoch visuell schön umgesetzt und technisch aufwendig gestaltet sind, aber auf der inhaltlichen Ebene fehlt einiges, um dem Film wirklich “Größe” zu verleihen.

Ein Problem folgt dem anderen

Gerade bei der Figur der Padawan ergeben sich aber noch weitere Probleme. Denn auch wenn sie in erster Linie, dem schon genannten ängstlichen Held oder Heldinnen (gepaart mit dem Lehrlingsaspekt) entspricht, verbindet sich dieses noch mit negativen Erzähltraditionen von Frauenfiguren. Denn sie erfüllt alle Klischees, die es für weibliche Charaktere im (Action)film gibt. Sie ist diejenige, die den Kampf plötzlich unterbricht um Mitgefühl zu zeigen. Sie  muss mehrmals gerettet werden. Und die meiste Zeit ist sie einfach nur hilflos und überfordert. Ihre Schläge und Attacken gehen oft ins Leere. Sie wird oft zurückgeworfen und ist dann mehrere Momente gar nicht Teil des Kampfes. Viele diese Momente könnten durch eine Story erklärt werden, aber diese fehlt leider und dadurch werden sie zu bloßen Tropes.

In Ergänzung dazu werden auch visuelle Stereotype wiederholt, zum Beispiel sehen wir nur bei den Männern die tödlichen Wunden durch die sie sterben (wenn auch nicht bei allen). Das mag dem Budget des Films geschuldet sein – immerhin braucht man für den Tod durch Lichtschwert visuelle Nachbearbeitung – fügt sich aber leider in die Tendenz des Filmes ein.

Image by DAVID HOLT

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In Deadpool wird das Thema Gewalt gegen Frauen (in Kampfszenen) ebenfalls thematisiert. Doch obwohl es explizit angesprochen wird, findet auch dieser Film keine ideale Lösung.

Auch wenn es sich bei der Figur um die Darstellung eines Padawan handelt, ist das keine Entschuldigung sie so inkompetent darzustellen, dass man* sich fragt, warum sie es überhaupt so weit geschafft hat. Im Gegensatz zu ihren Mitstreitern (die andere weibliche Figur ist durch ihren frühen Tod nicht wirklich nennenswert) wird sie eindeutig anders behandelt. Von Anfang an ist es klar, dass sie die Schutzbedürftige ist. Sie soll nah beim Meister bleiben und wird aufgefordert wegzurennen. Fairerweise muss gesagt werden, dass dies auch mit ihrer Funktion innerhalb der Jedi-Hirachie zu tun hat, aber Filme wie dieser verdeutlichen, dass es eben einen Unterschied macht, wenn es von Frauen oder Männern dargestellt wird. Das wird auch dann deutlich, wenn Darth Maul ihr eine Ohrfeige gibt (Minute 6:39, und wie die coolen Kids sagen: BITCH SLAP!). Auch wenn das nur ein minimales Detail darstellt, fügt es sich ein in die Tradition, in der mit Frauen anderes als mit Männern gekämpft wird.

Guter Grundgedanke, falsche Umsetzung?

Ich will Shawn Bu, dem Macher des Films, überhaupt nicht unterstellen, dass er einen schlechten Frauencharakter schreiben wollte. Aber ich werfe hier eine fehlende Tiefe der Story und eine mangelnde Sensibilität bei der Charakterentwicklung vor. Vielleicht war hier sogar die Intention eine starke Frauenfigur zu zeigen. Aber wie bereits erwähnt, funktioniert das nur, wenn man* der Figur die Möglichkeit zu wachsen gibt und sie nicht eine gefühlte Minute nach dem Beginn des entscheidenden Kampfes sterben lässt.

Am Rande sei außerdem erwähnt, dass die Darstellerin Sevenja Jung die einzige war, die Schwertunterricht nehmen musste. Was man ihrem Schauspiel leider ansieht. An dieser Stelle wäre es interessant gewesen zu wissen, ob es nicht eine weibliche Stuntfrau gegeben hätte, die diese Rolle besser besetzen hätte können. Denn mit Mathis Landwehr als Jedi sind auch durchaus bekanntere deutsche Stuntmänner in dem Film vertreten. Auch wenn das schauspielerische Niveau bei allen ungefähr gleich ist, ist es letztendlich der Qualitätsunterschied in den Kampfszenen, der die kritisierten negativen Aspekte unterstützt.

Image by P.O. Arnäs

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Ich könnte mich den ganzen Tag nur durch Fanart und -filme klicken.

All das zu sehen macht mich traurig. Traurig, weil ich als Star-Wars-Fan nichts lieber als gut gemachtes Fanmaterial sehe. Aber ich hab von langweiligen Aneinanderreihungen von Stereotypen so die Schnauze voll. Das alles haben wir schon hundert mal gesehen. Noch mehr gehen mir aber solche Frauenfiguren auf den Geist, die nur leere Hüllen und Trägerinnen billiger Emotionen sind. Dabei hat Star Wars VII gezeigt, wie man* es richtig machen kann.

Dennoch ist der Film visuell wirklich gut gemacht. Und wer ihn dafür loben möchte, dem werde ich keinen Vorwurf machen. Und auch ich ziehe den Hut vor so viel Engagement und Einsatz und dem technisch einwandfreien Endergebnis. Aber ich finde es wichtig das Medium Film immer als Ganzes zu bewerten. Denn es sind eben nicht nur bewegte Bilder. Es sind Bilder, die Geschichten erzählen wollen und sollen. Und als Filmfan bleibt mir deshalb nichts anderes übrig als auf dieser Ebene Kritik zu üben.

Featured Image by Ben Northern

Am Abgrund Links – Landtagswahlen, Deadpool und Charleys Tante

Huch? Ist etwa schon wieder eine Woche rum? Das geht ja schnell dieses Jahr – wie jedes Jahr. Damit ihr nicht den Überblick verliert, findet ihr unsere Links für die letzte Februarwoche!

Anni

  • Auch wenn der Artikel schon etwas älter ist (im Universum des Internets bedeutet das ein paar Wochen), hat er für mich noch nichts an seiner Brisanz verloren. In Zeiten von Clausnitz, von rassitischen Spekulationen um Köln und brennenden Flüchtlingsheimen, kann man* nicht oft genug auf unsere Menschlichkeit verweisen. Dafür sind Vergleiche ein gutes Mittel. Zum Beispiel, wenn man* sieht das Anne Frank heute eine nette Dame in Amerika sein könnte, hätten die USA dem Antrag ihres Vaters auf Asyl stattgegeben hätte.
  • Als Pornodarsteller*in ist man* vielen Vorurteilen ausgesetzt. Eines der schlimmsten ist, dass man* sie gar nicht vergewaltigen kann. Mit dieser schrecklichen Relativierung ihres Leids sieht sich zur Zeit Stoya konfrontiert (Triggerwarnung). Die Situation verschärft sich dadurch, dass der Vergewaltiger jenseits der Branche einen fast schon feministischen Ruf hat, da er nicht den Aussehensstereotypen der Szene entspricht.
  • Wie so viele zurzeit bin auch ich dem Hype um Deadpool verfallen. Die Gründe reichen von der Ästhetik des Films bishin zu einem humorvollen, aber dennoch nich-relativierenden Umgang mit schwierigen Themen wie Traumata in der Vergangenheit der Charaktere. Interessante Gedanken zum homoerotischen Subtext bei Deadpool, der positive und negative Folgen haben kann, findet ihr bei The Mary Sue.
  • Und zum Abschluss noch etwas für die Geschichts- und Sprachinteressierten. Im Guardian hat sich Gedanken über sexitische Wurzeln in der englischen Sprache gemacht. An acht Worten kann man nachvollziehen, wie sich die Bedeutungen ins Negative verschoben haben. Ich finde sowas ja sehr spannend.

Johannes

  • Das Topos “Mann verkleidet sich als Frau” wurde schon einige Male im Film behandelt, beispielsweise mit “Charleys Tante” schon 1915 als Stummfilm mit Heinz Rühmann in der deutscehn Verfilmung von 1956. Immer waren diese Filme, entsprechend der dramatischen Vorlage, als Komödie angelegt. So auch “Tootsie” von 1982, mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle. Für den Schauspieler war dieser Film nie wirklich als Komödie angelegt, wie er in einem bewegenden Interview preisgibt. Viel eher ist er sich dann der unfairen Erwartungen an Frauen in unserer Gesellschaft klargeworden.
  • Polygon hat vor ein paar Wochen zwei wunderbare Features veröffentlicht. Zum einen ein Blick auf die wachsende Spieleindustrie in Südafrika (dem Staat). Das ist insofern ziemlich interessant, da Videospiele entweder vom asiatischen oder westlichen Kulturkreis (vereinfacht: Japan oder den USA) dominiert sind. Deswegen ist es auch ganz spannend zu sehen, ob es so etwas wie “afrikanische” Videospiele geben kann. Viele Personen, die in der Reportage vorkommen, wollen ihren spezifischen, kulturellen Hintergrund nämlich verarbeiten. Im Prinzip kann dies erstmal nur eine Bereicherung für die Spieleindustrie sein.
    Das andere Feature dreht sich um die (tragische) Geschichte von Segas Maskottchen, Sonic. Einst eine ziemlich populäre Figur, litt sie in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht nur unter Segas Rückzug aus dem Konsolenmarkt, sondern auch unter eher durchwachsenen Spielen. So ist Sonic mittlerweile eher eine Randerscheinung für Videospielenostalgiker*innen, statt eine ähnlich populäre Figur wie Nathan Drake, Lara Croft oder der Master Chief. Obwohl Sonic nun wesentlich mehr Charakter besaß.
  • Und auch was aktuelles (leider): Clausnitz hat die Bundesrepublik mal wieder mit leicht offenem Mund dastehen lassen – und die anschließende Rechtfertigung von Sachsen Innenminister und des Polizeichef hat das Kinn der einen oder des anderen noch weiter Richtung Boden sinken lassen. Es ist zu befürchten, dass diese Form der scheinbar “spontanen” Aktion von besorgten Bürgern Nazis gar nicht so ungeplant war. Die Autorin Liane Bednarz warnt davor, dass sich hier Spuren einer rechten Gegenkultur und organisierten, politischen Aktion finden lassen. Wir müssen uns eingestehen: Deutschland hat ein verdammtes Problem mit seinen “besorgten Bürgern” – nämlich ein Problem mit tief sitzendem Rassismus. Die politische Mitte ist eine Lüge und die Politik muss sich darauf konzentrieren, den Rechtsextremismus nicht kleinzureden, sondern zu bekämpfen!

Max

  • Kann uns bitte endlich jemand erklären, wer die Zielgruppe für VR-Brillen sein soll? HTC lacht mal kurz ganz laut über Facebooks “Oculus Rift” erklärten Preis von 600 US Dollar und erhöht mit “Vive” aller Voraussicht nach auf 800. Bei Sonys VR-Variante wird bisher von 400 bis 500 Dollarn ausgegangen.
  •  “Feel The Bern” ist das derzeitige Flagschiff europäischer Hoffnungen, wenn man sich bei Facebook im Freundeskreis umguckt. Und es ist auf den ersten Blick erstaunlich, dass auch viele (junge) Frauen Sanders einer Frau Clinton vorziehen. Die ersten Vorwahlen wurden fast schon als Siegessturm Sanders dargestellt, doch so mancher Artikel gibt Bernie-Sympathisanten zu denken. Denn am Ende entscheidet nicht das Volk, sondern die Partei, wer zur Wahl aufgestellt wird. Sollte Clinton nicht einen Haufen Niederlagen einstecken, dann sollte allein ihre starke Lobby bei den Demokraten genügen. Nun wurde mir berichtet, dass einige “Superdelegierte” bereit sein zu Bernie zu wechseln, aber Fakt ist, dass die Vorwahlen dieses Mal äußerst wenig Aussagekraft haben. Ein Sanders kann auf Seiten der Demokraten letztlich genau wie ein Trump auf der Gegenseite allein durch die Partei ausgehebelt werden.
  • Einige Landeswahlen stehen wieder an. Wenn ihr schon keinen Bock habt, auf Anhieb die ganzen Parteiprogramme durchzulesen, dann gönnt euch doch eine Runde der beliebten Spiele-App (kein Scheiß, checkt das mal im Google Store) “Wahl-O-Mat” (im Link wird auf die Rheinland-Pfalz-Version verwiesen). Natürlich ist der Wahl-O-Mat nicht wasserdicht, aber zumindest bringt es einige dazu, sich dann doch mal mit den Wahlprogrammen auseinanderzusetzen. Andere wollen einfach nur sehen, wie (hoffentlich) niedrig die Übereinstimmung mit der NPD ist. Viel Spaß und denkt bitte ein wenig über die Ergebnisse nach und recherchiert im Bestfall.

Featured image via Flickr by Phil Roeder

Am Abgrund Links – 08.09.2014

Jede Woche verbringen wir viel zu viel Zeit im Internet. Doch egal wie oft wir alle durch die Weiten des Netzes surfen, man kann nicht immer alles wahrnehmen.

Deswegen gibt es von uns für euch eine Linksammlung zu den Themen, die uns in der letzten Woche fasziniert haben. Ob Filme oder Games, ob Feminismus oder Politik unser Blog ist so unterschiedlich, wie die Menschen die ihn betreiben – Hier erfahrt ihr, was uns im Kopf geblieben ist.

Via flickr, by soeperbaby

SONY DSCAuch bei Nacht den Links folgen.

ANNI:

  • Nachdem letzte Woche Nacktbilder von verschiedenen Schauspielerinnen geleekt wurden und die Welt wieder einmal dasmit beschäftigt war den Frauen die Schuld zu geben (“immerhin, was haben diese Frauen auch diese Fotos, wenn sie die nicht zeigen wollen, sollten sie sie nicht mache”, was genauso bescheuert ist, wie zu sagen “wenn dein Konto online beklaut wird, dann solltest du einfach kein Konto mehr haben”), macht mich dieser Rant von Jay Smooth (der auch schon viele andere tolle Videos gemacht hat) glücklich.
  • Zwar tauchen immer mal wieder Frauen in Actionproduktionen auf (und machen auch ordentlich Geld an den Kassen), aber Bitchmedia macht deutlich was ihen (außer einem eigenen Film) immer noch fehlt: Humor.
  • Hier ist ein netter kleiner Blog, der Animes aus feministischer Sicht bespricht.

JOHANNES:

MAX:

Am Abgrund Links – 01.09.2014

Jede Woche verbringen wir viel zu viel Zeit im Internet. Doch egal wie oft wir alle durch die Weiten des Netzes surfen, man kann nicht immer alles wahrnehmen.

Deswegen gibt es von uns für euch eine Linksammlung zu den Themen, die uns in der letzten Woche fasziniert haben. Ob Filme oder Games, ob Feminismus oder Politik unser Blog ist so unterschiedlich, wie die Menschen die ihn betreiben – Hier erfahrt ihr, was uns im Kopf geblieben ist.

Via flickr, by Boston Public Library

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Die Links sind zurück!

ANNI:

JOHANNES:

MAX:

  • Die Anime-Welt dreht sich weiter. Da können wir uns noch so sehr an Neon Genesis Evangelion und Konsorten festhalten. Eine der großen Überraschungen der jüngeren Anime-Geschichte ist jedoch die erste Hälfte der “Sword Art Online”-Staffel. Auch wenn die Serie sehr konfus endete, war besonders der Anfang der Geschichte um MMORPG-Spieler, die in einer virtuellen Realität tatsächlich um ihr Leben kämpfen müssen, einfach nur klasse. Abgesehen vom etwas weichen Zeichenstil und sehr viel “Coming of Age” hat das aber genug Lust auf die zweite Staffel gemacht, die derzeit in Japan läuft. Angesichts dieser Tatsache möchte ich appellieren, dass sich die Anime-Freunde unter euch die erste Staffel doch mal antun.

Am Abgrund Links – 21.07.2014

Jede Woche verbringen wir viel zu viel Zeit im Internet. Doch egal wie oft wir alle durch die Weiten des Netzes surfen, man kann nicht immer alles wahrnehmen.

Deswegen gibt es von uns für euch eine Linksammlung zu den Themen, die uns in der letzten Woche fasziniert haben. Ob Filme oder Games, ob Feminismus oder Politik unser Blog ist so unterschiedlich, wie die Menschen die ihn betreiben – Hier erfahrt ihr, was uns im Kopf geblieben ist.

Via flickr  by manitoon

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Immer schön den Schildern nach.

ANNI:

  • Das Frauen als Zielgruppe nicht zu unterschätzen sind hat die Werbung ja schon länger erkannt (auch wenn die gezogenen Schlußfolgerungen erschreckend sind), warum aber die Kinoindustrie  in ihrer Repräsentation noch immer in den 50ern steckt, weiß keine*r so recht.
  • Ich bin ja noch immer mitten im Sailor Moon (Crystal) Hype, daher macht es mich glücklich, dass es ein Musikvideo gibt, dass noch mehr Bilder von der Serie zeigt. Gänsehaut.
  • Die Abwertung von weiblichen Körpern geschieht leider auch bei Tattoos.

MAX:

  • Ein Klassiker der jungen Politikgeschichte. Da hilft kein Selfie und keine, zumindest scheinbar, solide Wirtschafts- und Europapolitik. Es muss sich etwas ändern, Frau Bundeskanzlerin.
  • Religion, Schule und Erziehung von allen Seiten. Wie können Lehrer sich auf Schüler anderer Religionen und Kulturen auf deren Gebräuche einstellen, wenn sie selbst kaum um diese Wissen. Es steht viel Arbeit für alle Seiten an, wenn die Integration endlich wieder einen Schritt voran kommen soll, anstatt weitere Jahrzehnte zu stagnieren.

Es grüßt Onkel Oscar… “Gravity”

Ist der Blockbuster tot, frage ich mich manchmal in stiller Verzweiflung. Wann habt ihr das letzte Mal einen aufwendigen, hochwertig produzierten Film mit starken Charakteren gesehen? Wann ging es das letzte Mal nicht um CGI oder Explosionen? Zu selten sehen wir einen millionenschweren Film, der über das Visuelle hinausgeht; ein Umstand, der mich traurig stimmt. Denn was bringt uns all die Technik, wenn wir nicht wissen, sie bewusst einzusetzen. Nach dem Kinojahr 2012 hätten viele die obrigen Fragen mit Life of Pi beantwortet – eine der großen Ausnahmen, wenn es um visuell aufwendig gestaltete Filme geht. Auch 2013 hat eine solche Ausnahme: Gravity.

Wenn ich ehrlich bin, hat mich die Prämisse von Gravity nicht wirklich gereizt. Hätte ich den Film nicht rezensieren müssen, dann hätte ich ihn wahrscheinlich nicht einmal gesehen. Die Grundfragen des Films lassen sich dann auch schnell zusammenfassen: Was passiert wenn Menschen im All von dem Rest der Welt abgeschnitten werden? Versuchst du zu überleben oder gibst du dich der Situation hin? Wie der Trailer es uns verspricht, wird das Ganze in eindrucksvolle Bilder im Weltraum und wunderschöne Aufnahmen von der Erde eingebettet. Zwar wird Gravity auch nach dem Schauen niemals zu den Filmen gehören, die mich noch Jahre später begeistern werden, aber das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und hat rein gar nichts mit der Qualität dieses Werks zu tun. Denn ohne Unbehagen muss gesagt werden, dass es sich hier im wahrsten Sinne des Wortes um großes Kino handelt.

Das Weltall um des Weltalls Willen?

Von den opulenten und intensiven Aufnahmen darf man* sich aber nicht täuschen lassen. Auch wenn das All und der Umstand, dass unsere beiden Protagonist*inn*en Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) und Matt Kowalski (George Clooney) dort eine Katastrophe nach der anderen erleben, entscheidend für die Story sind,  handelt es sich bei diesem Film um eine Charakterstudie, in deren Zentrum Stone steht. Der Weltraum ist letztendlich austauschbar, der Überlebenskampf der Figuren nicht. Denn die Reaktion der Wissenschaftlerin, ihre Angst, Verzweiflung und ihr Mut sind es, die uns Alfonso Cuarón zeigen will.

Hätte man* diese existenzielle Fragen über den Menschen auch in einem anderen Kontext stellen können? Bestimmt. Zwar erscheint es zwischendurch fast schon frustrierend absurd, wieviel letztendlich im All schief läuft (und man* fragt sich, ob unsere Heldin nicht langsam genug durchgemacht hat), dennoch ist es nachvollziehbar, warum sich der Regisseur mit seinen Ko-Autoren für dieses Szenario entschieden hat. Denn wo sonst ist der Mensch so auf sich allein gestellt, wie in den unendlichen Weiten des Raums?

Via flickr by DonkeyHotey

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Um es mit Kowalskis Worten zu sagen: Ist es nicht wunderschön?

Kunst ist, was du draus machst

Der interessanteste Aspekt des Films bleibt, dass es ihm gelingt, eine intensive Charakterzeichnung mit opulenten Bildern zu verbinden. Ein bewusster emotionaler Einsatz von Musik, Geräuschen und Stille verbindet sich mit starke Schnitten und erinnerungswürdigen Kamerafahrten. Obwohl es gerade zu Beginn, als beide Protagonist*inn*en im Raum schweben, nur begrenzte Möglichkeiten gibt die Figuren in Szene zu setzten, gelingt es Cuarón problemlos Spannung und Schnelligkeit in den Film zu bringen. Gezielt wird zwischen Außenaufnahmen von den Astronaut*inn*en und Blicken aus ihren Helmen ins All gewechselt. Immer wieder spielt der Regisseur gerade mit diesen Außen- und Innenansichten der Hauptfigur und bringt uns damit die Emotionen Stones näher. Wenn sie sich hilflos im All dreht, drehen wir uns mit ihr und haben somit keine andere Wahl, als Teil dieser Erfahrung zu werden.

Doch getragen wird der Film zu großen Teilen von Sandra Bullock. Sie bringt Stone so intensiv auf die Leinwand, dass wir ohne Probleme mit ihr leiden, weinen und uns freuen können. Auch wenn Clooney eine gewisse Präsenz im Film hat, so ist diese verschwindend gering im Vergleich zu seiner Kollegin. Sie ist diejenige, die hier neue Fassetten zeigt, während Clooney zum hundertsten Mal den charmanten Rebellen ins Leben ruft. Bullock zeigt uns das Bild einer starken, aber gebrochenen Frau, die das große Trauma ihres Lebens – den Tod ihrer Tochter – noch nicht überwunden hat. Bedenkt man*, dass wir oft nur Ausschnitte ihres Gesichts sehen oder sogar nur ihre Stimme hören, wenn sie im Raumanzug ums Überleben kämpft, dann ist diese Leistung umso beeindruckender.

Zwischen Wahnsinn und Lebensnähe

Dennoch war es die Figur der Stone, die an mancher Stelle kritisiert wurde. Zwar bestreitet niemand die Qualität des Films, aber nicht selten wurde eingeworfen, dass eine so labile Frau niemals von der NASA ins Weltall geschickt werden würde. Diese Beobachtung ist in erster Linie ungenau. Zweitens ist es traurig, dass gerade eine weibliche Figur (wieder) so interpretiert wird. Denn auch wenn Stone eine traumatische Erfahrung hat, die ihren Überlebenswillen zunächst bremst, so erscheint sie zu keiner Zeit labil oder unfähig. Offensichtlich ist sie eine begnadete Wissenschaftlerin, die auf Grund ihrer Fähigkeiten Teil der Mission ist.

Als nach einer Explosion die Trümmer eines Satelliten Stone und ihre Kollegen treffen (der Auslöser der Katastrophe) ist ihre Reaktion in erster Linie menschlich. Wie jede*r andere empfindet sie Angst, in einem Szenario, dass niemand vorhersehen konnte. Bedenkt man* zusätzlich, dass Stone auf ihrer ersten Weltraummission ist, dann ist ihre Angst und ihre temporäre Hilflosigkeit ebenfalls eine verständliche Reaktion. Erst in vollkommener Isolation und kurz vor dem unvermeindlich erscheinenden Tod erfahren wir, was sie bisher zurückgehalten hat. Cuarón zeigt uns keinen labilen, sondern einen vom Leben gezeichneten Charakter, eine Frau, die im Moment der Gefahr sich selbst als größte Feindin gegenüber steht.

Via flickr by djtomdog

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Mit Angela Jolie die Frau für eine solche Rolle.

Während fast jeder tiefer angelegte männliche Charakter eine vergleichbare emotionale Narbe in sich trägt, ist es aber eine weibliche Figur, die das Label ‘verrückt’ oder ‘labil’ aufgestempelt bekommt. In fast jedem Film, der den Anspruch hat eine Charakterentwicklung zu zeigen, muss der*die Held*in sich selbst finden, seine eigenen Schwächen oder eine Trauma überwinden. Bezeichnen wir eine solche Figur, die männlich ist, als labil? Nein. Wird dem männlichen Protagonisten nicht explizit eine mentale Krankheit zugeschrieben, wird er als lebensnaher oder dramatischer, vielleicht auch dunkler, Charakter betitelt. Cuarón gibt uns in strukturell dunklen Zeit für Frauen im Kino (trotz einiger Ausnahmen) eine weibliche Figur, die genau diese Art der Wandlung vollzieht, die im Angesicht des Todes ihren Lebenswillen findet und geht damit einen kleinen Schritt weiter in die Richtung eines gleichberechtigten Kinos.

Der Retter des Mainstreamkinos?

Obwohl Cuarón das Weltraum-Szenario fast ein bisschen zu sehr ausreizt, gelingt es ihm, mit Gravity ein beeindruckendes Beispiel für hochwertiges Blockbusterkino vorzulegen. Mit seiner gelungenen Kombination aus visuellen Hinguckern, gezieltem Musikeinsatz und einem starken Schauspiel setzt der mexikanische Regisseur zur Ehrenrettung des großen Kinos an. Zusätzlich zeigt er uns, dass gute Bilder nicht zwingend eine schlechte Story mit sich bringen müssen. Ist der Blockbuster also tot, frage ich ein zweites Mal und kann beruhigt mit ‘Nein’ antworten. Leider zeigt das Jahr 2013 aber, dass er immer noch zu den bedrohten Arten gehört.

Am Abgrund Links – 20.01.2014

Jede Woche verbringen wir viel zu viel Zeit im Internet. Doch egal wie oft wir alle durch die Weiten des Netzes surfen, man kann nicht immer alles wahrnehmen.

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Via flickr by psd

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Äh… ja… Keep them und so.

ANNI:

JOHANNES:

  • Viele dachte sich bei den Enthüllungen über die Spionageprogramme der NSA: “Ach, das haben wir doch alle gewusst.” Sascha Lobo war zumindest zusätzlich empört (wie leider viel zu wenige). Seit neuestem ist er auch gekränkt, wie er der FAZ mitteilt. Lesenswert weil: Man nicht oft genug über die riesigen Ausmaße der Datensammelwut westlicher Geheimdienste und deren Auswirkungen auf uns Bürger*innen einer Demokratie hat.
  • Wie ist das, “berühmt” zu sein? Jack Glesson (Joffrey Baratheon in der HBO-Serie Game of Thrones) hat sich einige Gedanken dazu gemacht und teilt diese nicht nur mit der Oxford Union, sondern über diese auch mit der Welt. Sehenswert weil: Gleeson versucht, eine Aussenperspektive auf den Starkult einzunehmen und diesen kritisch betrachtet.
  • Wer schon einmal etwas vom Bildblog gehört hat, dem ist Stefan Niggemeier kein Unbekannter. Immer wieder setzt sich Niggemeier mit Fehltritten in der Medienlandschaft auseinander. So auch mit einem ziemlich homophoben Interview im Deutschlandfunk, dass sich nur mit ziemlich viel redaktioneller Unaufmerksamkeit erklären lässt. Lesenswert weil: Wir uns immer wieder darüber klar machen sollten, dass Medien stets kritisch hinterfragt gehören.

MAX:

Am Abgrund Links – 16.12.2013

Jede Woche verbringen wir viel zu viel Zeit im Internet. Doch egal wie oft wir alle durch die Weiten des Netzes surfen, man kann nicht immer alles wahrnehmen.

Deswegen gibt es von uns für euch eine Linksammlung zu den Themen, die uns in der letzten Woche fasziniert haben. Ob Filme oder Games, ob Feminismus oder Politik unser Blog ist so unterschiedlich, wie die Menschen die ihn betreiben – Hier erfahrt ihr, was uns im Kopf geblieben ist.

Via flickr by OpenEnglishWeb

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Auch kurz vor diesen komischen christlichen Feiertagen lohnt es sich einen Blick zu riskieren.

ANNI:

  • Nach dem rassistischen Scheiß, der am Wochenende bei Wetten Dass… passiert ist, empfehle ich noch einmal diese Texte zu lesen.
  • Geena Davis fasst nichts Neues zusammen, schlägt aber zwei Wege vor, wie man* die Präsenz von Frauen in Filmen verbessern kann.

JOHANNES:

MAX:  

Scherbenpark

Filme wie Frau Ella lassen mich oft am deutschen Kino zweifeln. Denn auch wenn mir bewusst ist, dass wir von englischsprachigen Filmen und damit mit den künstlerischen Standards der entsprechenden Kulturen dominiert werden, so frage ich mich dennoch in solchen Situationen: Können die Deutschen kein Kino mehr? Natürlich zeigt der Erfolg des Österreichers Michael Haneke, dass zumindest das europäische Kino im internationalen Vergleich bestehen kann, aber auch wenn Liebe nach wie vor zu einem der besten Filme gehört, die ich gesehen habe, kann er wahrlich nicht in die Kategorie ‚leicht und unterhaltsam‘ sortiert werden.

Scherbenpark von Bettina Blümner (Prinzessinnenbad), nach dem Roman von Alina Bronsky, wird mensch ebenfalls nicht neben den Unterhaltungsfilmen finden und dennoch macht er eine*n einfach glücklich. Denn nicht nur gelingt es dem Film schwierige Themen wie das Erwachsenwerden, familiäre Schicksalsschläge und das Aufwachsen in einem finanziell schwächeren Umfeld zu behandeln, sondern er schafft es dabei trotzdem ohne Probleme genauso die leichten Seiten des Lebens nicht zu vergessen. Dabei konzentriert sich das Werk eindeutig auf seine Hauptfigur Sascha (Jasna Fritzi Bauer), die Tochter einer immigrierten Russin. Sie wird von dem Gedanken beherrscht ihre Mutter zu rächen, indem sie ihren Stiefvater und Mörder der Mutter, Vadim, umbringt. Angestoßen wird die Handlung durch einen Zeitungsartikel über den Verbrecher, der diesen in einem reuevollen Licht erscheinen lässt. So trifft Sascha auf Volker (Ulrich Noethen), den Chefredakteur der Zeitung, bei dem sie letztendlich für einige Zeit unterkommt, nachdem sie wegen ihrer direkten, bissigen und sarkastischen Art bei ihrer Tante und in ihrem Wohnblock angeeckt ist.

Scherbenpark hat alles, was sich ein*e Filmliebhaber*in wünschen kann. Eine gute Story, tolle Dialoge und interessante Figuren. Getoppt wird das Gesamtpaket von einer überzeugenden Jungdarstellerin und einer guten Portion trockenem Humor, der mir an vielen Stellen die Tränen in die Augen getrieben hat.

Bemerkenswert bleibt dabei, dass der Film – aufgrund des Fokus auf seinen zentralen Charakter – eigentlich nur Sascha die Möglichkeit gibt eine große Entwicklung zu durchlaufen, es ihm aber dennoch gelingt, keine leeren und oberflächlichen Nebencharaktere zu liefern. Besonders deutlich wird dies bei Saschas Tante Mascha (Jana Lissovskaia) und dem Sohn Volkers, Felix (Max Hegewald). Denn während Sascha bei Volker wohnt und Felix kennen lernt, wird sehr schnell deutlich, dass dieser nur eins im Sinn hat – Sex. Mit dem nötigen Feingefühl, aber auch einem angenehmen Augenzwinkern illustriert Blümner die ersten manchmal verwirrenden, manchmal peinlichen Erfahrungen der menschlichen Sexualität ohne Felix komplett ins Lächerliche zu ziehen. Zwar gehen die meisten der Lacher auf sein amüsantes und leicht zu durchschauendes Verhalten, aber seine Figur bleibt sympathisch. Genauso bekommen wir kleine Einblicke in das Leben von Saschas Tante und ihre Schwierigkeiten mit dem Leben in Deutschland. Aber für alle Charaktere gilt, dass sie sensibel zu Leben erweckt wurden und es gelingt, vermeintlich klischeehafte Situation klischeelos zu behandeln.

Zusätzlich interessant ist, wie sehr der Film kommuniziert, dass Sascha selbst die Autorin ihres Lebens ist. Denn neben besagtem Zeitungsartikel ist der Versuch der Protagonistin einen Roman über ihre Mutter zu schreiben, ein kontinuierliches Erzählmoment im Film. Dieses Stilmittel ermöglicht uns  auf der einen Seite einen Einblick in den Verarbeitungsprozess ihres Traumas. Auf der anderen Seite sehen wir das Unglück stets durch ihre interpretatorische Brille. Außerdem sind sowohl Schreiben als auch Lesen immer wieder Handlungsauslöser innerhalb des Filmes. Das intensive Lesen Saschas steht symbolisch für die von ihr empfundene Abgrenzung in ihrer Wohnsiedlung. So wird beispielsweise einer ihrer Nachbarn erst dann interessant für sie, als sie erfährt, dass dieser selbst viel liest. Zusätzlich gelingt es Scherbenpark allein durch das Lesen zu kommunizieren, wer sich dem rauen Umfeld Saschas angepasst hat und wer weiterhin nicht aufhört sich mehr zu erträumen.

via flickr by Nina Matthews

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Die Botschaft des Films ist einfach positiv. Selbst wenn dein Leben in Scherben liegt, mit genug Kleber wird das schon wieder.

Ohne Zweifel sind das Drehbuch und die Regie von Scherbenpark mehr als überzeugend, aber den finalen Schliff gibt hier sicherlich die schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerin Jasna Fritzi Bauer. Saschas ruppige und direkte Art nimmt mensch ihr zu jeder Zeit ab und auch in den dialogfreien Einstellungen geht die Emotion der Figur nicht verloren. Zu jeder Zeit wirkt Bauers Figur echt und menschlich und bei allem Selbstbewusstsein des Charakters gelingt es ihr zu kommunizieren, dass die fast schon brutale Stärke dieser Protagonistin manchmal eben doch nur ein Schutzschild vor den Grausamkeiten des Lebens ist. Dabei stellt Sascha für mich nach langer, langer Zeit einen der interessantesten Frauencharakter dar, die ich auf der Leinwand zu sehen bekam. In Zeiten, in denen die Präsenz von Frauen im Film so schlecht ist, wie seit Jahren nicht mehr, zeigt Scherbenpark, dass es auch anders gehen kann. Erwähnt sei an dieser Stelle, dass neben der Regisseurin auch viele andere Entscheidungspositionen von Frauen besetzt waren – Ein Fakt der zwar nicht zwingend etwas über die Qualität eines Filmes aussagt, aber dennoch bis heute eine Ausnahme darstellt.

Der auf dem Max Ophüls Filmfestival prämierte und dort mit dem Nachwuchspreis ausgezeichnete Film Scherbenpark ist ein Juwel des deutschen Kinos und macht Hunger auf mehr. Hier greifen Geschichte und Schauspiel, Musik und Regie problemlos ineinander und liefern uns einen gehaltvollen und trotzdem unterhaltsamen Film. Als Werk einer Nachwuchskünstlerin kann ich nur hoffen, dass er beispielhaft für ein junges deutsches Kino steht, dass uns auch in den nächsten Jahren weiter beeindrucken wird.

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