Tag: Final Fantasy XV (Page 1 of 2)

Reviewen oder nicht Reviewen, das ist hier die Frage

Warum lesen wir Spieletests? Um zu wissen, ob es sich lohnt, ein Spiel zu kaufen oder nicht, ist doch klar. Oder zumindest um zu wissen, ob dieses Spiel, über das seit Monaten berichtet wird, wirklich so gut ist, wie es geschienen hat. Vielleicht spielt auch Schadenfreude eine Rolle, nichts lesen die Menschen ja lieber als einen ordentlichen Verriss. Nur, zum Spieletesten braucht man eben auch – Spiele.

Das könnte in Zukunft schwer werden. Publisher – zuletzt Bethesda – geben Reviewkopien ihrer Spiele zunehmend erst kurz vor dem Verkaufsstart heraus. Bethesda sagt: ein Tag vorher muss reichen. Tut es aber nicht, vor allem nicht für die Open-World-Sandbox-Epen, die Bethesda für gewöhnlich rausbringt. Wie also sollen wir als Konsument’innen damit umgehen? Was bedeutet das für den Spielejournalismus? Und hat das ganze auch etwas Gutes?

Das fragen sich Max und Johannes in dieser Ausgabe des Mehr-Spieler-Podcasts. Viel Spaß beim Zuhören!

Wann ist ein Mann ein Videospiel?

Wie sieht ein typischer Videospielheld aus? Dreitagebart, breite Schultern, entweder einen lockeren Spruch auf den Lippen oder eine tiefe Grabesstimme, die seinen harten Leder-Look (Mantel optional) unterstreicht. Wie oft habt ihr sowas schon gesehen? Max und ich jedenfalls ziemlich oft, und wir sind der männlichen Helden müde. Nicht weil sie Männer sind, sondern weil sie langweilige Männer sind. Abziehbilder von Männlichkeit, die so oft wiedergekäut wurden, dass man Geralt nicht mehr von Booker DeWitt unterscheiden kann. Dabei bieten Videospiele so viele wunderbare Möglichkeiten, mit Klischees und Erwartungen an Geschlechter zu spielen! Aber nö, wir bekommen immer die gleichen Kerle vorgesetzt. Und der einzige, der kein ehemaliger Soldat/Polizist/Abenteurer mit dunkler Vergangenheit ist, sondern theoretischer Physiker, muss natürlich stumm sein – Danke, Gordon Freeman!

Deswegen fordern Max und ich: Mehr Mut zu märchenhafter Männlichkeit! Oder so ähnlich.

Viel Spaß mit der neuen Folge von Mehrspieler!

“Die Tokyo Game Show ist eine Spielemesse in Tokyo”

Soviel zum Thema objektive Überschriften. Max und ich sind ja widerwillig bekennende Japanophile. Deswegen blicken wir auch gerne in Richtung der aufgehenden Sonne und werfen einen Blick auf die Tokyo Game Show, kurz TGS, und was dort so alles vorgestellt wurde. Viel ist das natürlich nicht, dafür gab es von dem einen oder anderen Spiel ein bisschen mehr zu sehen und es ist immer schön mitzukriegen, wie Max’ Augen anfangen zu leuchten, wenn er von Final Fantasy XV erzählt – wobei er sich in dieser Folge löblich zurückgehalten hat.

Außerdem Thema in dieser Folge: Yakuzas 6 und die Ladezeiten, Nioh und die Verbindungen zu Akira Kurosawa, Spielejournalismus und Rudyard Kipling und natürlich: VR. Aber das auch nur ganz kurz. Wir wünschen euch viel Spaß!

tgs16bydomenico Image via Flickr by Domenico

Die besten Questen

Stellt euch vor, ihr habt ein Neugeborenes, dann kommt plötzlich die Apokalypse, ihr könnt euch gerade noch so in einen Bunker retten, seht aus dem Kälteschlaf heraus, wie euer Partner ermordet und das Kind gestohlen wird, wacht auf – und geht dann erstmal in aller Ruhe looten und leveln. Dieses Drecksbalg kann auch alleine klar kommen, denn es gibt schließlich irgendwelche Ödlandsiedlungen von unglaublichen drei oder vier Bewohnern, die unsere Hilfe brauchen. Oder stellt euch vor, ihr bekommt gesagt, ihr seid der*die*das Auserwählte, sollt die Welt vor dem Untergang retten – und säubert zunächst alle Keller der Nachbarschaft von irgendwelchem Gekröse. Als Dank winken einhundert Erfahrungspunkte und fünf Goldstücke.

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“Uncovered: Final Fantasy XV” auf einen Blick

“Final Fantasy” ist ein großer Name. Nicht nur national, sondern insbesondere international ist der Name der japanischen Videospielreihe nahezu ein Synonym für das Genre “Japano-Rollenspiel” (eher bekannt als J-RPG). Ich habe beispielsweise viele Spieler kennengelernt, die, weil sie mit einem “Final Fantasy”-Teil nicht warm wurden, das komplette Genre für sich abgetan haben. Gleichzeitig erwarten Fans der Reihe oftmals, dass alle J-RPGs den Ansprüchen der Hochglanzprodukte von Square Enix (vorher Squaresoft) entsprechen. Diesem internationalen Ruf scheint sich Square Enix mit dem fünfzehnten Teil der Reihe endlich zu stellen, sodass “Uncovered: Final Fantasy XV” ein Novum für die Reihe darstellt.

Die Tage vor der heutigen Ankündigung sind einige Details bereits durchgesickert. Das Releasedatum (30.09.2016) war ein offenes Geheimnis und Square Enix ließ es sich in Person von Herrn Tabata (Game Director) nicht nehmen, den deutschen Fans eine deutsche Sprachausgabe zu versprechen, was ebenfalls ein Debüt ist. Natürlich ist “Uncovered: Final Fantasy XV” am Ende, oder vielmehr am Anfang, diesen Tages nicht mehr als eine Presseveranstaltung. Doch wer mit dieser Ansicht an das Event herangehen möchte, der blendet aus, wie sehr Fans solche Ereignisse feiern. Die E3, mit Abstrichen die Gamescom und ähnliche “Game Show”-Ausstellungen haben für Gamer oftmals den Unterhaltungswert einer Awardshow der Marke Oscars.

final_fantasy_xv_airshipDie Jungs sehen nicht freudig überrascht aus – via finalfantasyxv.com by Square Enix (Alle Rechte liegen bei Square Enix)

Überrasch’ mich!

Die Unterhaltung kommt bei vielen Zuschauern über die Überraschung. Der “WTF”-Moment in Filmen und Spielen ist ein oft besprochener Punkt, wenn man sich heutzutage YouTuber oder Reviews anschaut. Dass Square Enix solche Momente liefern kann, haben sie mit der Ankündigung des Final Fantasy VII Remakes während der letzten E3 bewiesen. Und es gibt seit Gestern die ersten Stimmen, die sich (und lustigerweise auch Square Enix) um eine Überraschung betrogen sehen, da das Release-Datum und die Ankündigung einer zweiten Demo für “Final Fantasy XV” geleakt sind. Dass es sich dabei, um einen winzigen Prozentanteil der potenziellen Interessierten handelt, die diese Überraschung nun nicht mehr wie alle anderen haben werden, interessiert leider die wenigsten.

Trotzdem hatte die Präsentation eine Menge Überraschungen parat, die bei einem so großen Namen und den involvierten Namen durchaus Respekt abverlangen. Man hat sich bei Square Enix alle Mühe gegeben, dass nicht zu viel verraten wurde. Wer sich mit guter Werbung im Videospielbereich auskennt, der weiß allerdings auch, dass die Überraschung allein für den ersten Moment wirkt. Der größte “WTF”-Moment bringt nichts, wenn dahinter keine Substanz ist. Und genau in diesem Bereich scheint sich Square Enix ein Beispiel an Bethesdas letztjähriger E3-Vorstellung genommen zu haben, welche die Spieler mit Inhalten und nicht bloß mit Worten bombardiert haben.

Final Franchise

Die größte Überraschung der Veranstaltung war die Ankündigung eines CG-Films, welcher in der Welt von Final Fantasy XV spielt. Und ganz nebenbei haben Schauspieler wie Lena Headey, Sean Bean (beide u.a. “Game of Thrones”) und Aaron Paul (u.a. “Breaking Bad”) Charakteren ihre Stimmen geliehen. Spätestens bei diesem Teil der Präsentation war klar, dass man klotzt und nicht kleckert. Da gingen die Ankündigung eines kostenlosen fünfteiligen Anime und das angekündigte Pin-Ball-Minispiel, welches es im Vorab auch schon für Android und Co. geben wird, fast schon unter. Überhaupt gibt es bei derartig großen Veranstaltungen immer Punkte, die weniger wichtig sind bzw. ganz andere Interessen verfolgen.

final_fantasy_xv_kingsglaive Der Film wird in erster Linie Technik-Muskeln spielen lassen – via finalfantasyxv.com by Square Enix (Alle Rechte liegen bei Square Enix)

Der Franchise-Aspekt wird bereits genug Leuten sauer aufstoßen. Im Internet regen wir uns gerne auf und stellen in der Regel Ansprüche. Es wird genug Stimmen geben, die sich über die Implementierung eines Films und einer Mini-Serie aufregen werden. Es wird zum Einen das Geld sein, welches zumindest für den Film ausgegeben werden muss und auch bei der Serie wird eine Bonus-Episode versprochen, wenn man zur Collector’s Edition greift. Gerade der monetäre Aspekt ist hierbei ganz in der Linie von anderen Herstellern, die hier und da Zusatzeinnahmequellen in Form von DLCs und Sondereditionen zu schaffen versuchen.

Eine weitere Kritik wird sein, dass die Frage aufkommt, warum diese Inhalte nicht einfach im Spiel sind. Diese Frage wird hoffentlich erst nach Veröffentlichung der Inhalte gestellt, da sie im Vornherein doch ziemlich geladen wirkt. Natürlich hätte man aus dem Film “Kingsglaive: Final Fantasy XV” auch einen spielbaren Teil machen können. Bisher ist aus erzählerischer Sicht allerdings gut entgegenzuhalten, dass sich das Spiel um die Reise des Prinzen Noctis und nicht um seinen Vater Regis drehen soll. Eine weitere Alternative wäre die Einbindung der Ereignisse als Cutscenes, was allerdings überhaupt nicht dem Flow entspräche, den das Spiel bisher verspricht. “Kingsglaive” fühlt sich eher wie eine Mischung aus Stolz der Entwickler auf ihre Animationskünste und Fan-Service für die althergebrachten “Final Fantasy”-Fans an, denn nichts hat Spieler so zum Lechzen gebracht, wie die technisch hochwertigen CG-Sequenzen.

Kingdom Fantasy

Ich bezweifle stark, dass “Kingsglaive” einen finanziellen Erfolg verbuchen kann (Raubkopien, ahoi!) und der am Ende wahrscheinlich knapp einstündige Anime großen Einfluss auf den Einblick auf die Gruppe um Noctis hat. Ersterer wird ein technischer Augenschmaus und der Anime wird Hardcore-Fans ein paar Mini-Aspekte verraten und das Warten verkürzen. Die entscheidende, wenn auch nicht die überraschende Ankündigung des Abends war die “Platinum Demo”, deren Name in erster Linie dem Zustand des Spiels geschuldet sein sollte. Auch wenn das Kampfsystem noch auf das Wesentliche beschränkt wird, ist die Demo technisch auf dem Stand, wie auch das fertige Spiel aussehen wird.

Dass das Spiel fantastisch aussehen wird, war beim Namen “Final Fantasy” bisher schon klar und musste nach der “Episode Duscae” im Grunde nicht mehr bewiesen werden. Dafür haben nun alle Spieler Zugang zu einer Demo, um sich von der Optik überzeugen zu können. Ohne zu viel zu verraten wird dem Spieler die Möglichkeit gegeben, die Tageszeit und das Wetter eigenständig zu manipulieren, um sich wie bei einer Tech-Demo von den verschiedenen Effekten überzeugen zu können. Für unentschlossene Spieler wird das Kampfsystem allerdings viel wichtiger sein.

final_fantasy_xv_chocoboDer allseits beliebte Chocobo ist bereits ein Verkaufsgrund für sich – via finalfantasyxv.com by Square Enix (Alle Rechte liegen bei Square Enix)

Der Spieler übernimmt Protagonist Noctis im Kindesalter, während dieser sich in einem Traum befindet. Das erlaubt der Demo Orte zu wechseln und ein bisschen unrealistischer und niedlicher sein zu können, als es das fertige Ergebnis sein wird. Das mag die “erwachsenen” Fans im ersten Moment verwundern, deckt sich allerdings mit dem Kampfsystem, welches an die “Kingdom Hearts”-Reihe erinnert. Die teils sehr verspielte Musik und insbesondere der Mittelteil der Demo fühlen sich nach einem von Disney inspirierten Schauplatz an. Dass man zusätzlich ein Kind mit farbenfrohen Spielzeugwaffen und Knallbonbon-Versionen von Zaubern spielt, unterstreicht die Energie, die sonst Kingdom Hearts ausmacht.

Der Grund hierfür ist ziemlich leicht nachzuvollziehen. Es gibt nämlich auch eine große Anzahl an “Kingdom Hearts”-Spielern, die nie mit den RPG-Kämpfen der “Final Fantasy”-Spiele warm geworden sind. Die Demo vermittelt zum Einen diesen Spielern, dass sie sich problemlos mit dem Gameplay in Final Fantasy XV anfreunden können werden. Zum Andern ist der Action-RPG-Ansatz derzeit einfach viel zugänglicher für die breite Masse. Das Ende der Demo beugt auch Sorgen vor, dass das Kampfsystem zu simpel und anspruchslos geraten ist. Mehr kann ich leider nicht verraten.

Overkill, Overhype oder “nur” Over-The-Top

Square Enix hat die Spieler am heutigen Morgen mit Inhalten bombardiert und es ist schwierig alles auf einmal zu verdauen. Die amerikanischen Schauspieler im CG-Film, Florence + The Machine mit einer Coverversion von “Stand By Me” als vermeintliches Titel-, sprich, Abspannlied, zwei Versionen von sehr eindrucksvollen Trailern, Gameplayvideos, die sich den Kämpfen, Schauplätzen und den allseits beliebten Chocobos widmen und die stilistisch gelungene Demo sind eine ganze Menge zu verdauen. Ohne Frage werden ein paar zynische Stimmen Verzweiflung in dieses Entertainment-Porpourri hineinlesen, während andere einen Hype aufbauen werden, der nur schwer zu erreichen sein wird.

Wenn jemand den Hype verstehen kann, dann bin ich es. Ich war nach der Ankündigung und den fehl leitenden Trailern eines “Final Fantasy XIII” genauso skeptisch über das knapp 10 Jahre alte Projekt, welches nun als “Final Fantasy XV” neu überarbeitet wurde. Bis zur Demo wollte ich mich auch nicht detaillierter zum Spiel äußern. Die Demo hat dann aber tatsächlich geliefert, auch wenn die Designer selbst noch von vielen Ausbaumöglichkeiten gesprochen haben. Das kennt man nicht anders. Nur hat sich das Final Fantasy XV-Team bisher tatsächlich an alles gehalten. Das neue Kampfsystem ist im fertigen Zustand anspruchsvoll und erfordert je nach Gegner eure volle Aufmerksamkeit. Kaum wiegt man sich in Sicherheit, weil kleine Mobs keine Herausforderung sind, geht man gegen einen schwierigen Gegner zu leichtsinnig vor und ist ganz schnell mehr als die Hälfte der Lebensleiste los.


Fahruntersätze steuern sich gut und fühlen sich nicht so an, als solle man als Spieler stets nur den Autopiloten ranlassen. Die Magie sieht schon im “niedlichen” Zustand toll aus und auch die Chocobo-Videos sehen gut aus. Dazu kommen Details, die manche Spieler eventuell schon vergessen haben. Hajime Tabata hat vor Monaten darüber gesprochen, dass das Auto ein Radio haben soll, auch wenn noch nicht sicher ist, welche Musik abgespielt werden kann, da richtige Musik mit Lizenzen teuer ist. Nur gut, dass “Final Fantasy” mit die beste Musik der Videospielgeschichte selbst in Petto hat, sodass man als Spieler auf Erkundungstour Lieder aus alten Teilen hören kann. Es bleibt zu hoffen, dass Square Enix nicht knausert, da mir allein genug Titel einfallen, zu denen ich ein neues Gebiet erkunden möchte.

Das ist nur ein winziger Aspekt, mit dem ich gerade einen kompletten Absatz “verschwendet” habe. Und der heutige Morgen gibt genug für noch viele weitere her. Ich möchte nur sagen, dass “Final Fantasy Versus XIII”, wie der Titel früher hieß, seit seiner Umbennung in “Final Fantasy XV” ein hervorragendes Beispiel für einen modernen Entwicklungsprozess ist. Natürlich hätte Square Enix “Final Fantasy XV” einfach jetzt aus dem Nichts ankündigen können, doch dann wäre da diese Unsicherheit, die wir alle seit dem dreizehnten Teil verspüren. Jetzt ist es das Ergebnis eines, zumindest seit 2013, nachvollziehbaren Prozesses, der bisher tatsächlich nur immer besser wurde. Und nein, dafür bekomme ich kein Geld, liebes Internet. Daran möchte ich einfach glauben, weil ich Fan und weil ich Gamer bin.

Feature Image via finalfantasyxv.com by Square Enix (Alle Rechte liegen bei Square Enix)

Mehr Spieler – Augment your Bullshit (und lebendigere Spielwelten)

Wie das eben so ist, mit Plänen: Max und ich bereiten ein Thema vor, dann grätscht uns SquareEnix fies von hinten in die Fersen. Also sprechen wir locker 15 Minuten lang erstmal über den neuen PreOrder-Wahnsinn von Deus Ex: Mankind Divided. Schaut euch einfach dieses total stümperhaft synchronisierte Video an. Die Sprecherin klingt eher wie ein Sprachcomputer und die Soundeffekte sind aus irgendeiner Geräusch-Bibliothek. Da hat die PR-Abteilung mal wieder am unteren Budget-Rand gearbeitet. Zum Dank bluten meine Ohren.

Und wir kehren zurück zu unserer allseits bekannten und vorher deswegen noch nie umgesetzten Rubrik “Spiele mit einem gewissen Buchstaben”. Heute: Der Buchstabe P.

Zum Glück gibt es aber noch schöne Dinge. Zum Beispiel die Aussicht auf lebendigere Welten in unseren Lieblingsspielen. Während sich Max begeistert auf angeblich bis zu 300 NPCs im neuen Hitman freut, bleibe ich da eher etwas skeptisch. Denn mit mehr Aufwand kommt auch mehr Budget und das heißt: mehr As vor dem Publisher/Entwickler. Wir wünschen euch jedenfalls viel Spaß bei der neuen Folge unseres Mehr-Spieler-Podcasts!

Intro-Song: “Empty Hourglass” by Glory of Joann

Featured Image by Walde

Am Abgrund Links – Tattoos und Aliens

25 Wochen sind im Jahr 2015 bereits vergangen, zum Glück ist noch kein Ende in Sicht. Weil jeden Tag so viele spannende Dinge passieren, wir Menschen aber leider nur begrenzt Zeit haben, können wir nicht all die wichtigen Sachen wahrnehmen, die wir lesen, hören und sehen wollen. Hier nun die Dinge, die wir wichtig fanden und mit euch teilen wollen.

JOHANNES

  • Abteilung Videospiele:
    Ein neues XCOM wurde für den PC angekündigt und ich bin gespannt, wie sie den sehr guten Vorgänger erneuern wollen. Die Leute von Rock, Paper, Shotgun haben zum Nachfolger einige Wünsche, die ich zwar nicht alle teile, welche aber XCOM 2 zu einem wirklich interessanten Titel machen könnten. Sehr schön war auch die progressive Haltung zu Geschlecht und Hautfarbe im Spiel, etwas, das sich viele weitere Werke zum Vorbild nehmen können. Besonders in Fantasy-Settings wird oft ein “historischer Hintergrund” vorgeschoben, um People of Color nicht zu integrieren. Warum das nicht unbedingt eine gute Begründung ist, diskutiert Katherine Cross auf Gamasutra.
  • Abteilung (digitale) Politik:
    Es wird viel über Sinn und vermeintlichem Unsinn gendergeschlechter Sprache gestritten.  Forscher*innen an der Freien Universität Berlin haben jetzt in einer großangelegten Studie nachgewiesen, dass zumindest bei Jobangeboten die Präsenz geschlechterneutraler Bezeichnungen eine merkliche Auswirkung hat. Dass wir dringend mehr Menschen in beispielsweise technischen Berufen brauchen, zeigt sich am noch immer nicht (!) gelösten Angriff auf das Bundestagsnetzwerkt. Die Angreifer*innen haben angeblich sogar den Computer der Bundeskanzlerin infiziert. Die Konsequenz ist einerseits, dass wohl das gesamte Intranet (Hard- und Softwareseitig) des Bundestags ausgewechselt werden muss, andererseits müssen die allermeisten Menschen einfach verdammt nochmal Kompetenzen im Umgang mit Computern entwickeln. Das ist definitv eine Aufgabe der jüngeren Generation. Die wählt traditionell selten konservativ und zieht in die Städte, eine Mischung, welche die CDU/CSU vermehrt ins Schwitzen bringt. Thorsten Stegemann hat für Telepolis eine kurze Analyse der fehlenden konservativen Bürgermeister*innen in Großstädten geschrieben.
  • Abteilung Katzen-Content:
    Hunde im Ödland sind bekannt. Bekannt langweilig. Mehr postapokalyptische Katzen!

MAX

  • Es ist äußerst interessant, wie die Dinge eskalieren können, wenn es um Kunst geht. Aber geht es bei Tattoos überhaupt für alle um Kunst? Ist es nicht mehr als eine Dienstleistung? Ein hin und her zwischen einer angesäuerten Bloggerin und dem Tattoo-Künstler wirft plötzlich die Frage auf, ob und wann man mit Beschuldigungen um sich schmeißen sollte. Tätowierungen sind nun einmal von ihrem kulturellen Ursprung her in der Regel rituelle und spirituelle Dinge. Wenig überraschend haben einige Tätowierer dem entsprechend einen Code und der im verlinkten Artikel antwortende und sich verteidigende Künstler beruft sich auf die “ancient art” des Tätowierens. Jetzt mögen einige “Spinner!” rufen, doch Musikern und Malern schreiben wir normalerweise auch nicht vor, was sie tun sollen. Und wenn doch, dann verkaufen sie es auf der Straße für wenig Geld. Zu so jemandem kann man dann auch für sein Tattoo beliebiger Art gehen. Ob der Kult und die Tradition um das Tattoo Rechtfertigung besitzen, sei dahingestellt. Aber es gilt mit den Normen anderer respektvoll umzugehen, wobei man sich gerne widersprechen darf. Zumindest wenn es um Kunst geht.
  • Die Frauenfußball-WM läuft. Guckt gefälligst mal rein! Und wenn es nur die Highlights sind! Das Spiel der Frauen ist teils ansehnlicher als bei den Herren.
  • Oh nein! Max teilt wieder was zu “Final Fantasy XV”! Ich frage mich, wer ihm Geld zahlt, dass er so viel zu diesem Spiel teilt. Vielleicht ist er auch nur ein widerlicher Fanboy! Egal, es lässt sich nicht ändern. Eurogamer berichten ihre Eindrücke zum Update der “Episode Duscae”.

Featured Image by Tambako the Jaguar

Am Abgrund Links – NSA, Grafikhuren und die Trinkgeldfrage

24 Wochen sind im Jahr 2015 bereits vergangen, zum Glück ist noch kein Ende in Sicht. Weil jeden Tag so viele spannende Dinge passieren, wir Menschen aber leider nur begrenzt Zeit haben, können wir nicht all die wichtigen Sachen wahrnehmen, die wir lesen, hören und sehen wollen. Hier nun die Dinge, die wir wichtig fanden und mit euch teilen wollen.

ANNI

  • An dieser Stelle wird noch einmal sehr schön zusammengefasst, wieso Iggy Azalea so problematisch ist.
  • Nachdem ein Artikel im Daily Beast erschienen ist, welcher Paul Nungesser als unschuldig angeklagt darstellt, ist es abermals wichtig darauf hinzuweisen, dass tendenziell in den Medien der Vergewaltiger eher verteidigt wird, als das Opfer geschützt.
  • Über das Trinkgeld am Ende des Abends streiten sich bekanntlich die Geister. Manch eine*r rundet auf, der*die andere gibt immer 10 %. Als Mensch der in der Gastro gearbeitet hat, tendiere ich immer zu zweiterem oder mehr. Das Grundproblem hat der Fluter sehr schön auf den Punkt gebracht.

JOHANNES

MAX

Featured Image by Michael Dawes

Kontextualisierte Fantasy

Oh, wie sie mir auf die Nerven gehen. Diese ganzen Leute, die damit beschäftigt sind an der Diskussions-Glut herumzupusten, damit sie das nächste Feuer entfachen können. Und letzten Endes wollen sie als Held hervorgehen, dass sie etwas gegen das selbst gelegte Problem getan haben oder zumindest nur darauf aufmerksam gemacht haben. Denn, Überraschung, nur selten gibt es Antworten für künstliche Probleme. Vielleicht sollten einige dieser falschen und falsch informierten “Helden” den Film Backdraft gucken. Viel Spaß dabei sich darin wiederzufinden.

Ich lasse gleich zu Beginn gelten, dass ich zumeist offener Verteidiger der “Final Fantasy”-Reihe bin. Ich bin jedoch der Meinung, dass ich durchaus Grund dazu haben kann, wenn es um die Behandlung weiblicher Charaktere in dieser Serie geht. Final Fantasy hat, wie ich bereits erwähnte, mehr starke und interessante weibliche Charaktere hervorgebracht, die reihenweise als Vorbilder dienen können. Besonders, dass mit dem “Princess”-Trope immer wieder klug gespielt wird, muss der Serie seit Jahren angerechnet werden.

Spätestens mit Terra aus Final Fantasy VI (1994!) hat Square eine 20jährige Tradition des weiblichen Protagonisten gestartet. Fälschlicherweise wurde lange Zeit Locke als Protagonist des Spiels gehalten, doch ähnlich wie Vaan in “Final Fantasy XII” ist er mehr Knotenpunkt für das Zusammenkommen der Gruppe. Folgt mir auf eine kleine, mit Spoilern gespickte Reise. Eine Reise, die zentral, wie auch am Rande mit interessanten Charakteren gespickt ist.

Via Flickr by Kate0

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Ist das Oettinger im Hintergrund? Immer dieses böse “Product Placement”. Ein Thema für sich…

Final Fantasy VI: Terra und Celes

Terra und Celes sind nicht nur zwei der stärksten Party-Mitglieder im Spiel, sondern auch die wichtigsten und interessantesten Figuren des Spiels. Beide beginnen das Spiel unter Kontrolle des Imperiums und sind ganz klar in eine Opferrolle gesteckt. Diese muss jedoch reflektiert betrachtet werden. Denkt an “Gladiator”, wenn Maximus als Sklave in der Arena kämpfen muss. Genau wie Maximus können die beiden Damen dem Imperium entkommen. Nur dass sie beide Hilfe von der Gruppe benötigen. Warum das in einem Rollenspiel so ist, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Zur Verdeutlichung beobachte man bitte “Mass Effect 2”, wo wirklich jedes einzelne Gruppenmitglied bei Gott Shepard zu Kreuze kriecht, weil sie es alleine nicht schaffen können. Das hat nichts damit zu tun, dass die Charaktere im Kern schwach sind, sondern dass das Spiel einen Grund für das Bestehen der Party haben muss.

Terra entpuppt sich als Überwesen aus einer anderen Welt mit so viel Kraft, die ihr Geist kaum zu kontrollieren vermag und ist ergo das mächtigste Wesen im ganzen Spiel. Es liegt letztendlich allein an ihr die Welt der Menschen und die Welt der Magie in Frieden zu einen. Dass sie dabei moralische Unterstützung braucht, mögen ihr jetzt manche (merkwürdige) Menschen als Schwäche unterstellen, doch da sind wir schon beim elendigen Auslassen des Kontexts. Die männlichen Helden funktionieren in Final Fantasy-Spielen nach genau dem gleichen Schema.

Fick den unantastbaren Helden

Cloud aus “Final Fantasy VII” sitzt irgendwann nur noch sabbernd im Rollstuhl (echt, jetzt!), während seine Party ihn umsorgt. Squall ist der Prototyp des Emos, der ein ganzes Spiel lang seine Versagensängste und soziale Inkompetenz überwinden muss und dabei regelmäßig emotional zugrunde geht. Und selbst Strahlemann Zidane aus “Final Fantasy IX” muss von seiner Gruppe aus einer Identitätskrise gerissen werden, nachdem er all die selbst gepredigten Tugenden von Freundschaft und Zusammenhalt über Bord geworfen hat.

Final Fantasy war noch nie eine Reihe die unverletzliche Helden zeigen wollte. Das ist aus dem einfach Grund so, dass solche Charaktere sich letztlich immer ein wenig hohl anfühlen (looking at you, “Good Guy Shepard”). Nicht umsonst ist der “angsty character” ein typisch japanisches Phänomen. Celes ist am Wendepunkt von “Final Fantasy VI” derart am Boden zerstört, dass sie den Freitod wählen möchte. Sie scheitert zum Glück und nach der Herz zerreißenden Szene findet sie in der Unterstützung und Freundschaft ihrer alten Kameraden den Antrieb weiterzumachen. Sie macht sich ganz allein auf den Weg durch eine völlig verwüstete Welt und trommelt die Gang wieder zusammen. Ohne Celes’ Charakterentwicklung von der unsicheren Gefangenen zur entschlossenen und auf ihre Freunde vertrauenden Frau, hätte die Truppe nie die Welt vor dem besten Hofnarr aller Zeiten retten können. Sorry, Son und Zon. Es tut mir auch wirklich leid, zag’ ich!

Via Flickr by Giuliano Garau

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Ha! Die Dose mit Kefka drauf hatte ich selbst! Viel wichtiger: TERRA IST BLOND?

Royales und heiliges Blut

Oftmals sind die zentralen Figuren der Spiele Märtyrer (Lightning, Serah, Aerith/Aeris, Yuna), die trotz des Wissens um ihr zukünftiges Verderben zum Wohl der Gruppe ihr Opfer riskieren. Gerade bei Aerith, Yuna und Lightning, in “Lightning Returns”, lässt sich sehr leicht eine Jesus-Symbolik ausmachen, da für die Sünden anderer der Tod in Kauf genommen wird, um alle retten zu können. Diese Narrative muss niemand mehr mögen als Tifas und Cindys Charakterdesign, doch es ändert nichts daran, dass wir es mit selbstbestimmten Frauen zu tun haben.

Doch auch die Prinzessinnen haben es stets in sich. Zwar bin ich kein großer Freund von “Final Fantasy XII”, doch Ashe nimmt nach dem Tod ihres Vaters und ihres Ehemanns alle Mühen auf sich, um ihr Land zurückzuerobern. Eine ähnliche Geschichte findet sich bei Prinzessin Garnet wieder, die allerdings im Laufe der Geschichte sogar zur Königin wird und immer wieder lernt, dass es aus den scheinbar vorgeschriebenen Bahnen köngilicher Abstammung auszubrechen gilt, wenn das Leben etwas wert sein soll.

Beste Nebendarstellerinnen

Yuffie aus “Final Fantasy VII” trägt die Last mit sich ein ganzes Reich wieder zu Blüte zu verhelfen und macht dabei nicht einmal vor der eigenen Party halt. Rikku (“Final Fantasy X”) macht sich bewusst zu einer offenen Gegnerin der vorherrschenden Kirche, um Menschenleben zu retten. Lulu (ebenfalls “X”) und Quistis (“VIII”) sind oftmals das Hirn der Truppe und wenn gar nichts mehr geht, bekommt die Party noch eine eiskalte Kampfamazone (Fang aus “XIII” und Fran aus “XII”). Wer sich nach Vorbildern oder positiven Beispielen sehnt, kommt hier nicht zu kurz.

Und der Clou am Rollenspielgenre ist, dass die Spielbarkeit dieser Charaktere nur Nebensächlich ist. Oft sind sie nur Avatar für eure Position auf der Karte. Die Kämpfe haben keinen Charakter und gerade bei Final Fantasy sind die Zwischensequenzen oftmals bezeichnender als die Fähigkeiten in Zufallskämpfen. Außerdem handelt es sich bei Final Fantasy-Geschichten um streng lineare Erzählungen. Zwar gibt es manchmal verschiedene Reihenfolgen von Quests, aber ihr habt nie eine Wahl, die das Verhalten eurer Charaktere verändert. Wenn sich nun jemand beschwert, dass in “Final Fantasy XV” keine Frau dadurch, dass man sie steuern kann, frei gestaltet werden kann, hat man entweder noch nie Final Fantasy gespielt oder hat keine Ahnung wovon man redet.

Die Charaktere in Final Fantasy werden ganz allein von der Story entwickelt. Natürlich macht es zusätzlich Spaß seine Lieblingscharaktere ebenfalls nutzen zu können, doch gerade das hohe Ansehen der Bösewichte in dieser Reihe zeigt, dass die Spielbarkeit höchstens an zweiter Stelle steht.

Via Flickr by Jonathan Smith

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An einem Fakt lässt sich bei aller Kritik nicht rütteln. Lightning ist der in Japan beliebteste weibliche Charakter

Freiheit und Kontext

Und jetzt ist das Geschrei groß. Ein “Final Fantasy” nur mit männlichen spielbaren Charakteren. Allein dieser Satz ist schon falsch, da ihr nur einen Charakter steuert. Abgesehen davon stimmt es natürlich, dass eure regelmäßigen Begleiter alles Männer sind. Die Macher stehen offen dazu, dass sie einmal eine Story nur mit Männern ausprobieren wollten. Und plötzlich wird eine Kontroverse geschaffen. Eine Kontroverse, die die vorangegangenen Zeilen einfach zur Seite wischt. Es gibt keinen guten Grund eine Story allein mit Männern per se anzugreifen sowie eine Story nur mit weiblichen “Protagonisten” (wie “Final Fantasy X-2”) nicht von sich aus schlecht ist.

Es kann eine andere Dynamik erzeugt werden. Niemand kann behaupten, dass Männer wie Frauen sich nicht auch durchaus anders verhalten, wenn sie unter sich sind. Ob dieser Ansatz einen jetzt interessiert, ist erstmal völlig außen vor. Tatsache ist, dass es ein nachvollziehbares Argument ist. Und natürlich sollte nicht das Argument “künstlerische Freiheit” für “tradierten Sexismus” missbraucht werden. Aber es gibt bei der Marke “Final Fantasy” wirklich kaum Anhaltspunkte, warum die Story um vier Männer gelebte Ablehnung von Frauen ist.

Seit den ersten Trailern ist klar, dass es wieder für die Story zentrale Charaktere geben wird. Zudem ist es das erste Mal, dass wir einen Prinzen als Protagonist haben und ich lehne mich ein wenig aus dem Fenster und behaupte, dass er während der Story auch ein paar Mal gerettet und aufgemuntert werden muss. So funktioniert eine gute Gruppendynamik in RPGs. Ansonsten braucht es keine Gruppe. Und wenn diese Gruppe einmal alle 30 Jahre nur aus Männern (“XV”) oder aus Frauen (“X-2”) besteht, dann ist mir das eine im Grunde willkommene Abwechslung. Über die Ausführung lässt sich gerne streiten, nicht aber über das Prinzip.

Featured Image via Flickr by Charlie

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