Tag: Filme (Page 1 of 2)

Am Abgrund Links – Natürlich mit der AfD, dem deutschen Wissenschaftsbetrieb und ein bisschen Humor

28 Wochen sind im Jahr 2015 schon vergangen, die Hälfte des Jahres ist rum, der Sommer hat begonnen. Weil wir gehört haben, dass Menschen im Sommer normalerweise raus gehen und so Sachen machen wie “in den Park legen”, “grillen” oder “die Sonne genießen”, versuchen wir euch mit unseren Links aktuell zu informieren. Es muss ja jemand zuhause bleiben und Nachrichten lesen. Hier nun die Dinge, die wir wichtig fanden und mit euch teilen wollen.

ANNI

  • Im deutschen Wissenschaftsbetrieb läuft schon länger etwas schief. Der Mittelbau besteht fast nur noch aus befristeten Stellen und steht damit einer qualitativen Lehre, aber auch der individuellen Planungssicherheit der Arbeitnehmer*inn*en im Weg. Mittlerweile betrifft diese Situation mehr als 80 % aller wissenschaftlichen  Angestellten, schreibt der Freitag und geht der Ursache für diese Lage auf den Grund.
  • Kunst ist noch immer männlich konnotiert. Das sieht man* nicht nur daran, dass mehr männliche Künstler in den Museen hängen, sondern auch daran wie die Kunst von Frauen* noch immer Männern zugeschrieben wird. Der jüngste Fall dazu spielte sich in New York ab und offenbarte,  wie tief das Problem sitzt.

JOHANNES

  • In Frankfurt am Main beherbergt das dortige Deutsche Filmmuseum gerade eine Ausstellung zur Beziehung zwischen Filmen und Videospielen. Auch wir von Mehr Spieler haben uns immer wieder mit dem Thema auseinandergesetzt, in beide Richtungen. Hört mal rein und wer gerade in Frankfurt a. M. ist, kann sich die Ausstellung mal anschauen. Oder ihr zieht euch den den Beitrag von 3Sat rein, der sagt auch genau das, was wir in unseren Podcasts gesagt haben: Der Knackpunkt bei der Unterscheidung zwischen Film und Spiel ist die Interaktivität. Filme sind lineare Geschichten, beim Videospiel haben die Spieler*innen die Möglichkeit – zumindest ganz prinzipiell – in die Handlung einzugreifen.
  • Und um aktuell zu sein, hier noch ein kurzer Kommentar zur Wahl der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry. Im Übrigen wäre ich dafür, dass die AfD nicht nur als Partei der alten, weißen Männer bezeichnet wird, sondern statt konservativ eher als anti-modernistisch. Selbst die CDU tut sich mit dem gesellschaftlichen Wandel der letzten Jahre leichter.

MAX

  • Podcast der Stunde: International Waters! Der Comedy Podcast von MaximumFun.org (aka The Jesse Thorniverse) lädt jeweils zwei Komiker aus Großbritannien und Amerika ein, um triviale Wissensfragen und jede Menge Improvisation durch die Boxen zu hauen. Toller Nebeneffekt: man lernt eine Menge neuer Komiker kennen und die jeweiligen Empfehlungen zum Abschluss der Sendungen bergen auch immer mal wieder ein paar tolle Erlebnisse: jüngst der “High Song” bei Conan.

Featured Image by catnipstudio

Am Abgrund Links – Spielehandbücher und koreanische Wellness-Etablissements

Bereits 15 Wochen ist das Jahr 2015 alt. Die Menschheitsgeschichte hat viele Millionen Jahre auf dem Buckel. Trotzdem und gerade deswegen passiert jeden Tag etwas Besonderes. Hier die lesenswerten Dinge, die ihr hoffentlich noch nirgendwo sonst gelesen habt!

JOHANNES

  • Ich würde ja noch immer gerne wissen, wie es diese Black-Hat-Hacker geschafft haben, in das TV5monde-Netzwerk einzudringen? DDoS? Social Engineering? Wie kürzlich berichtet wurde war es zumindest nicht der TV-Beitrag, in dem Passwörter zu sehen waren, weil diese auf irgendwelchen Post-Its im Raum klebten. Ob den Damen und Herren in Frankreich die acht Jahre alten IT-Sicherheitsempfehlungen des Bundesamtes für Sicherheit in der IT (BSI) geholfen hätte? Die Empfehlungen wurden im Grunde bis heute unter Verschluss gehalten, da das BSI dem BKA bei der Programmierung des Bundes-Trojaners geholfen hat. Muss man nicht verstehen. Kinders, passt einfach im Netz auf, nutzt Script-Blocker zum browsen und sichere Passwörter, um eure Konten zu schützen.
  • In Zeiten von digitaler Distribution treten leider die Handbücher von Videospielen in den Hintergrund. Max und ich haben mal über unsere Lieblings-Spieleanleitungen gesprochen (mein Favorit: Homeworld). Cara Ellison macht sich in einem Beitrag für Kotaku ebenfalls zu diesem Thema Gedanken.
  • Kleiner Filmtipp an dieser ungewohnten Stelle: Mir fiel heute quasi ein Film vor die Füße, den ich tatsächlich ganz ansehnlich fand. Adventureland heißt das Werk von 2009, in dem Jesse Eisenberg und Kristen Stewart die Hauptrolle spielen. Das ist ein netter und unterhaltsamer Film über das “Erwachsenwerden” vor dem Hintergrund der leicht bizarren Welt eines 80er-Jahre-Vergnügungsparks in den USA. Ihr habt nun den Namen, die Mittel und Wege den Film zu sehen kennt ihr bestimmt selbst.

MAX

Featured image by Matthew

Mehr Meta-Liebe: Skalier’ mich nicht, Schatz!

Die folgenden Zeilen sagen sehr viel über eure Selbstachtung aus. Und in Konsequenz dessen über die Achtung eurer Mitmenschen und was sie sagen. Schnallt euch an, ich reite wieder auf einem meiner Lieblingsthemen herum. Punktevergabe. Der Blödsinn der in der Schule mit mündlichen Noten bereits mehr mit der stereotypischen Vorstellung eines orientalischen Bazars zu tun hat als mit einer ordentlichen Bewertung von Leistung. Anstatt auf der alten Schulkamelle herumzureiten, möchte ich über ein nicht weniger verbreitetes Phänomen sprechen und werde dabei den ‘ollen G’vatter Haneke aus der Röhre schauen lassen. Die Absurdität der Punkte und Skalen macht auch vor Liebe nicht halt.

Wie macht ihr das so in der Liebe? Ein ganz gewöhnlicher Abend mit Lieblingsserie, Fertigessen und gemeinsamem “Internetten”, Chillen und Lesen ist ein solider Abend. Also ist der Abend… hmm… 7/10. Nichts Herausragendes, aber irgendwie mag man die auf Kohlenstoff basierende Lebensform neben sich doch ein wenig. Ansonsten hätten es wohl auch 6/10 getan. Für den Alltag ist das auch absolut okay. Aber meine Fresse, wenn Valentinstag vor der Tür steht, dann müssen wir an unserem Meta-Liebe-Score arbeiten. Für den Partner muss es mindestens eine 9 sein. Gut, dass wir hoffentlich auch den Bonus haben, den wir so großzügig für pupsnormale Abende mit Maggie Geilenhaal und Kit Sexington vor der Mattscheibe vergeben.

Und unsere Freunde und teilweise auch die Familien gehören schließlich auch überzeugt. Was ist es schließlich wert, wenn unser Partner als einzige Quelle den “Editor’s Choice”-Stempel vergibt. Mama und Papa können mit einer gelangweilt generischen 6/10 ganz schnell dafür sorgen, dass die 9 weit entfernt scheint. Und meine Nicht-Single-Freunde geben bestimmt gewollt schlechtere Punkte, weil sie ihre eigenen Valentinstags-Ideen als ach so großartig verkaufen wollen. Wartet nur auf meine Kritik, ihr Fickfische!

Ich stimme dir 7/10 zu!

Aber gehen wir doch weg vom Valentinstag! Das ist doch ein absoluter Ausnahmezustand! Alles nur von den Medien und Großkonzernen erstunken und erlogen, damit wir noch ein bisschen mehr Asche aus der Urne namens Portemonnaie klopfen! Also begeben wir uns in den Alltag. An den Esstisch, zu einem Plausch vorm Schlafengehen oder zu einer spontan entsprungenen Diskussion. Euer Partner hat sein Argument zu was-auch-immer getätigt und jetzt sitzt ihr da. “Was du mir damit sagen willst… ist 4/10, richtig? Du scheinst unzufrieden und erkennst klare Mängel, die das von dir benannte Thema qualitativ herunterziehen. Kann ich gut nachvollziehen. Ich sehe das nicht ganz so und würde schon eher auf 5/10 gehen, aber 4/10, 5/10… jeder hat da so seine Meinung.”

Via Flickr By Ana Sofia Guerreirinho

15603939749_062c9b2e10_z

10/10. Bedarf doch keiner Erklärung… und erst recht keiner Widerrede!

Das wirkt abstrus und ist es für die meisten von euch hoffentlich. Denn es obliegt euch nicht in erster Linie mit einer Punktzahl vergebens zusammenzufassen, was euer Partner gesagt hat. Oder auch was ihr selbst sagt. Es geht darum zuzuhören. Immer nur zu sagen, dass der Partner stets gute Meinungen hat, bringt nicht viel, wenn ihr überhaupt nicht wisst, was diese Meinungen sind. Eine Meinung und eine Lebenseinstellung ist vielschichtig und komplex und durch unsere Natur auch immer perspektivisch gefärbt. In einfachen Worten: Wenn jemand sich mit modernen Gender-Diskursen auseinandersetzt, dann ist die knapp dreistündige Brunft-und-Bumms-Parade “The Wolf of Wall Street” sehr wahrscheinlich in dessen Augen ein überflüssiges Stück Dreck.

Das ist nur ein Teil einer Komplettaussage, wird diesen Menschen jedoch wichtig genug sein, dass sie den Punkt ausführlich in eine eigene Kritik einbringen. Es kann wiederum sein, dass diese Menschen gleichzeitig sagen, dass sie dies nicht davon abhält dem Film eventuelle filmische Qualität in Form von Erzählung, Technik und Schauspiel abzusprechen und wenn sie dann dumm genug sind dem Film eine gute Note zu verpassen, müssen sie damit rechnen, dass viele Rezipienten sich nicht die Mühe machen, alle Punkte aufzunehmen. Es wird gespannt auf das Fazit und die Punktzahl gewartet. 8/10, wow, dann sollte ich mir das Produkt vielleicht doch geben, 6 und niedriger: na, dafür muss ich wirklich kein Geld ausgeben.

Gib’ mir deine Nummer

Die Punktzahl sorgt in einer Aussuch-Gesellschaft mit einer Vielzahl von Quellen zu Produkten aller Art zu lediglich einer Sache: der Entwertung des Wortes und der Kritik an sich. Ich könnte mit euch wetten, dass wir problemlos in die meisten Reviews über 500 Worten ähnlich wie Wikipedia-Artikel mit Schimpfwörtern, Kuchenrezepten und politisch aufgeladenen Botschaften füllen könnten… und kaum jemand bemerkt es.Wie oft redet ihr mit anderen Menschen über Filme, Bücher, Games und eine Person im Raum fragt, wie das jetzt in Punkten zu bewerten sei. Oder ob das nicht besser/schlechter als dieser und jener Titel sei.

Es ist für euch das, was ihr vor dieser bescheuerten Frage gesagt habt, dass es ist. Und wenn euch eure Meinung wichtig ist, dann zwängt ihr eure Meinung nicht in eine Zahl. Nur damit euch dieselbe Person 10 Minuten später erklärt, dass die 8/10 für “12 Years A Slave” nicht mit den 8/10 für “Dumm und Dümmer” verglichen werden können. Und selbst an diesem Punkt merken viele noch nicht, dass sie die Meinungen so vieler Menschen schlichtweg ausradieren und durch Nummerncodes ersetzen. Ich hätte dazu noch eine höchst anstößige Zeile, aber hoffe einfach mal, dass das hier genug Hirnfutter ist. Und wer glaubt, dass ich hier ein Nischenkonzept anspreche, der fragt einfach mal männliche Freunde, ob sie schon mal Frauen auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet haben… und wenn es nur “im Scherz” war.

Featured Image by Betsy Weber

Am Abgrund Links – 07.04.2014

Jede Woche verbringen wir viel zu viel Zeit im Internet. Doch egal wie oft wir alle durch die Weiten des Netzes surfen, man kann nicht immer alles wahrnehmen.

Deswegen gibt es von uns für euch eine Linksammlung zu den Themen, die uns in der letzten Woche fasziniert haben. Ob Filme oder Games, ob Feminismus oder Politik unser Blog ist so unterschiedlich, wie die Menschen die ihn betreiben – Hier erfahrt ihr, was uns im Kopf geblieben ist.

Via flickr by jk_scotland

schild

Schilder, die die Welt braucht?

ANNI:

JOHANNES:

  • Nachdem das Bundesverfassungsgericht einige Entscheidungen (z.B. zur gleichgeschlechtlichen Ehe, zum Wahlrecht und zuletzt zur Wahl zum Europarlament) gefällt hat, welche die Politik unter Zugzwang gesetzt haben, überlegt man in Berlin anscheinend, das oberste Bundesgericht an die Kandare zu nehmen. Nicht gut.
  • Wir alle zahlen (naja, sollten zumindest) Rundfunkgebühren. Deshalb produzieren  die öffentlich-rechtlichen Sender Programme, die uneingeschränkt allen zu Verfügung stehen sollten. Tun sie aber nicht, unter anderem, weil sich Creative-Commons-Lizenzen noch nicht beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk verbreitet haben. Den Stand der Dinge beschreibt Tobias Schwarz auf Carta.info.
  • Momentan wird überlegt, den Jugendmedienstaatsvertrag zu novellieren. Warum die angedachten Maßnahmen doof sind, lest ihr auf Netzpolitik.org.

MAX:

Am Abgrund Links – 20.01.2014

Jede Woche verbringen wir viel zu viel Zeit im Internet. Doch egal wie oft wir alle durch die Weiten des Netzes surfen, man kann nicht immer alles wahrnehmen.

Deswegen gibt es von uns für euch eine Linksammlung zu den Themen, die uns in der letzten Woche fasziniert haben. Ob Filme oder Games, ob Feminismus oder Politik unser Blog ist so unterschiedlich, wie die Menschen die ihn betreiben – Hier erfahrt ihr, was uns im Kopf geblieben ist.

Via flickr by psd

3553133121_c3e37105cc_o

Äh… ja… Keep them und so.

ANNI:

JOHANNES:

  • Viele dachte sich bei den Enthüllungen über die Spionageprogramme der NSA: “Ach, das haben wir doch alle gewusst.” Sascha Lobo war zumindest zusätzlich empört (wie leider viel zu wenige). Seit neuestem ist er auch gekränkt, wie er der FAZ mitteilt. Lesenswert weil: Man nicht oft genug über die riesigen Ausmaße der Datensammelwut westlicher Geheimdienste und deren Auswirkungen auf uns Bürger*innen einer Demokratie hat.
  • Wie ist das, “berühmt” zu sein? Jack Glesson (Joffrey Baratheon in der HBO-Serie Game of Thrones) hat sich einige Gedanken dazu gemacht und teilt diese nicht nur mit der Oxford Union, sondern über diese auch mit der Welt. Sehenswert weil: Gleeson versucht, eine Aussenperspektive auf den Starkult einzunehmen und diesen kritisch betrachtet.
  • Wer schon einmal etwas vom Bildblog gehört hat, dem ist Stefan Niggemeier kein Unbekannter. Immer wieder setzt sich Niggemeier mit Fehltritten in der Medienlandschaft auseinander. So auch mit einem ziemlich homophoben Interview im Deutschlandfunk, dass sich nur mit ziemlich viel redaktioneller Unaufmerksamkeit erklären lässt. Lesenswert weil: Wir uns immer wieder darüber klar machen sollten, dass Medien stets kritisch hinterfragt gehören.

MAX:

23 – Filmverspielungen

filmspiele finalKleines Geheimnis: Walde ist nicht nur Urheber dieses tollen Titelbildes, sondern auch Autor einer eigenen Webseite…

Gebt Acht! Oder auch neun! Jedenfalls sind Max, Johannes und diesmal wieder Walde für euch wieder vor einem Mikro zusammengetreten, um für euch einen weiteren Podcast unserer unvergleichlichen, einmaligen und unerreichbar guten Reihe “Mehr Spieler” aufzunehmen! Holla!

Diesmal kümmern sich die drei Fragezeichen des Bürgerjournalismus um Lizenzen und die daraus entstehenden Videospiele, die meist mit zum Schlechtesten gehören, was mensch sich so digital ins Haus holen kann. Siehe ja die kürzlich erfolgte Veröffentlichung von Star Trek: The Videogame (oder so ähnlich). Wie immer viel Spaß und hoffentlich viel zum Nachdenken und -schreiben!

Kopierschutz

Wir leben im Zeitalter der Euphemismen. Hausmeister*innen sind heutzutage “Facility Manager”, Putzkräfte sind “Hygienefachangestellte” und Fast-Food-Restaurants fallen unter die Bezeichnung „Systemgastronomie“ “Quick-Service”. Häuser werden nicht mehr abgerissen sondern „rückgebaut“ und der Mensch, der euch am Flughafen eincheckt ist ein*e „Boarding Agent“. Natürlich ist das alles mehr oder weniger Augenwischerei und solle ein Aufwertung von Dingen vorgaukeln, die im Grunde nicht so toll sind. Besonders die Wirtschaft hat sich in diesem Bereich durch tolle Wortschöpfungen und deren beständige Wiederholung hervorgetan. Arbeitsplätze werden „restrukturiert“ statt gestrichen, Preise werden „angepasst“ statt erhöht und Sachen wie Kopierschutz nennen sich Digitale Rechteverwaltung.

flipping the bird_robbedAufgrund unklarer Rechtslage kann ich das eigentliche Bild (ähnlich), hier nicht zeigen. Mehr Creative Commons! By robbed,via Flickr.com

Also, eigentlich nicht ganz. Denn Digitale Rechteverwaltung (Digital Rights Management, DRM) ist eigentlich eine besondere Form von Kopierschutz, hat sich aber in den USA und UK und somit in den meisten Medien, die sich mit Videospielen beschäftigen, als generelle Bezeichnung für Kopierschutz durchgesetzt. Ist ja auch ein bisschen einfacher als ständig Copy Protection oder etwas ähnliches vor sich hinzumurmeln. Wie dem auch sei, Kopierschutz (DRM) ist spätestens seit dem SimCity-Desaster wieder in aller Munde, nicht zuletzt weil vielfach befürchtet wird, die nächste Konsolengeneration könnte Always-On werden. Die Meinungen zum Kopierschutz sind dabei geteilt. „Unser legitimer Schutz gegen Softwarepiraterie!“ rufen die Publisher und Developer von der einen Seite, „Verletzung von Verbraucher*innenrechten!“ schallt es den Verteidiger*innen entgegen. Ich befinde mich in dieser Diskussion auf einer recht hügeligen Insel auf dem Wasser zwischen den beiden Ufern und möchte eigentlich nur in Ruhe mein Spiel spielen.

Die Argumente der Befürworter sind natürlich verständlich. Raubkopien sorgen für Umsatzeinbuße bei den Entwickler- und Vertreiberfirmen und verhindern somit die Schaffung neuer, toller Spiele für uns Konsument*inn*en. Gleichzeitig sind Raubkopien potenziell durch Malware gefährlich und die jeweilige Firma möchte natürlich nicht mit derartigen Gefährdungen in Verbindung gebracht werden. Zudem ist es ja nur fair, wenn die Menschen, die ein Produkt zur Verfügung stellen, für die Inanspruchnahme des Produktes eine angemessene Entlohnung bekommen. Schließlich treffen Raubkopien auch oft die Entwickler*inn*en, deren Spiel eventuell nicht die angeforderten Verkaufszahlen erreichen und deshalb von den Publisher*inn*en geschlossen oder „umstrukturiert“ werden. Kurzum: Es ist an und für sich das gute Recht der Produzent*inn*en, ihr Werk gegen unberechtigte Verwendung zu schützen.

Dann wiederum gibt es die berechtigte Kritik der Verbraucher*innen, die ihre für ihr eigenes Geld gekauften Produkte auch als solche benutzen möchten und nicht, wie heutzutage bei Spielen, Filmen oder Musik der Fall, durch den Kauf eine Nutzungslizenz erwerben, die im Prinzip auch widerrufen werden kann. Das ist genauso wenig fair, wie ein Produkt zu nutzen, dass mensch nicht gekauft hat. Ausserdem möchten Kund*inn*en wissen, was sie da so kaufen und möchten deshalb ein Recht darauf haben, ein Produkt kennenzulernen. Die Rückgabemöglichkeiten für Software sind heutzutage aber schwer bis unmöglich, was natürlich im Interesse der Produzent*inn*en ist. Und da Demos ja angeblich den Absätzen von Spielen schaden, gibt es davon kaum noch welche. Haben da Kund*inn*en, die sich nicht unter die Knute der großen Firmen begeben wollen, da noch eine andere Möglichkeit als Raubkopien? Vor allem, wenn manche Publisher wie EA oder Activision/Blizzard unverschämt hohe Preise für ihre Produkte verlangen, einfach weil sie es können? So geschehen mit diversen Call of Duty-Teilen oder StarCraft II, welche beide bei Erscheinen sechzig Euro in der PC-Version gekostet haben. Wie anders kann man protestieren, ausser durch die Nutzung des anonymen und unbeschränkten Datenverkehrs im Internet?

bush internet_vince_lambIn die Zeit von G. W. Bush fällt übrigens auch der Digital Millenium Copyright Act (DMCA), dem wir diese ganze DRM-Diskussion zu verdanken haben. By Vince_Lamb, via Flickr.com

Machen wir uns nichts vor: Jeder Kopierschutz im digitalen Zeitalter ist eine Zeitlösung. Denn dank der unglaublich begabten Hirne vieler Cracker sind die meisten Kopierschutz-Mechanismen schon kurz nach dem Erscheinen ausgehebelt. Es liegt nur noch am Nutzer oder der Nutzerin herauszufinden, wo man diese Versionen herunterladen kann und wie einfach sich diese zum Laufen bringen lässt. Es wäre also eigentlich das beste, wenn die Hersteller*innen und Vertreiber*innen von Videospielen ihren Kund*inn*en weiter trauen würden als bis zum Ladenausgang bzw. dem „Jetzt überweisen“-Knopf und den Kopierschutz über Bord schmissen. Aber da sich die Damen und Herren in den Chefetagen davon verständlicherweise nicht überzeugen lassen werden, müssten andere Lösungen gefunden werden, welche für Kund*inn*en und Vertreiber*innen gleichermaßen akzeptabel sind.

Ein guter Kopierschutz stellt der Spielerin oder dem Spieler keine Hürden in den Weg. Es muss keine zusätzliche Software installiert, es müssen keine doofen Registrierungscodes eingegeben und keine Online-Registrierungen vorgenommen werden. So wie dereinst bei Monkey Island 2, bei dem ein Code-Rad beilag. Bei Programmstart wurde eine bestimmte Sicherheitsfrage gestellt, welche mithilfe des Rades beantwortet werden konnte. Hier wurde der Kopierschutz quasi gamifiziert, also mehr oder weniger ein Spiel daraus gemacht. Zudem war das Code-Rad stimmig gestaltet und passte sich somit in das Spiel ein (und sah so aus). In Zeiten von Minimal-Handbüchern und digitaler Distribution wird sich diese Variante aber höchstwahrscheinlich nicht mehr durchsetzen. Stattdessen sollte ein Kopierschutz, wenn er schon nicht Spaß macht, immerhin einen Mehrwert haben. So wie Steam.

mesoamerican temple_xopherlanceValves Hauptquartier (Symbolbild). By xopherlance, via Flickr.com

Wer sich erinnert: Steam wurde als Multiplayerplattform für Counterstrike und Team Fortress Classic entworfen. Half-Life 2 war das erste Spiel, welches den Steam-Client zwingend voraussetzte, womit Valve übrigens ziemlich viel negative Presse auf sich zog (heute würde man sagen: es einen Shitstorm hagelte). Mittlerweile gilt Valve aber nicht ohne Grund als der „Good Guy of the Internet“, denn die Damen und Herren aus Bellevue (Washington, USA) haben es geschafft, ihren Kopierschutz zur Speerspitze der digitalen Spieledistribution zu schärfen. Dank eines großen Angebotes an Spielen, den regelmäßigen Sales sowie einem guten Service (Updates, SteamWorks, stabile Server) wird Steam von vielen Spielerinnen und Spieler, die ja auch allesamt Kundinnen und Kunden sind, weniger als Kopierschutz, sondern als Bereicherung wahrgenommen. Ähnliches versuchen ja auch Microsoft, Nintendo und Sony mit ihren jeweiligen Konsolennetzwerken, sowie EA zuletzt mit Origin. Während aber Origin einziger Mehrwert darin liegt, dass ich Mass Effect 3 spielen kann (bzw. Battlefield 3, besäße ich das), opfere ich mein Geld zwar (mittlerweile) widerwillig, aber doch regelmäßigen auf dem vom Opferblut von warmen und dampfenden Altar von Steam.

Also: statt ausfallender Server, Spyware durch Drittsoftware oder nerviger Online-Registrierungen (von Online-Pässen usw. ganz zu schweigen) würde ich mir mehr Service von den Vertreiber*inn*en und den Entwickler*inn*en wünschen. Und mehr Ehrlichkeit von Seiten der jeweiligen PR-Abteilungen, nicht ein derartiges Rumgeiere wie bei SimCity.
Übrigens: Dass es auch ganz ohne DRM geht, beweisen die Leute von GOG.com. Dort findet mensch alte Spieleklassiker gegen wenig Geld, mit digitalen Handbüchern und teilweise anderen Boni. Alles ohne Kopierschutz. Es gibt dort auch immer mehr neue Spiele, wie beispielsweise die Witcher-Serie. Die hat es übrigens auch ohne Kopierschutz zu so ordentlichen Verkaufszahlen geschafft, dass die Entwickler*inn*en vom polnischen CD Projekt einen dritten Teil programmieren.

Aufreger der Woche – Filmpreise

Es ist immer wieder wunderschön, sich mit Freunden an Orten zu treffen, zu schwatzen und dabei das ein- oder andere alkoholische Getränk zu verzehren. Und das alles ohne Zwang, sondern rein aus Nächstenliebe und ehrlichem Interesse am Gegenüber. Umso schwerer zu verdauen ist es dann, wenn der vertraute Saufpartner mit einem anderen vertrauten Gesprächspartner plötzlich in eine Diskussion um ein Thema gerät, welches einem selbst am Arsch vorbei geht. Zurecht ist mensch dann ein wenig beleidigt und entwirft eine Abneigung gegen das völlig sinnlos so derart arg diskutierte Motiv und nutzt die Gelegenheit für zwei Dinge: Erstens der tiefgehenden Reflexion über die eigene Abneigung gegen besagtes Thema und die Verwertungsmöglichkeiten für einen Aufreger der Woche. Und zweitens die fröhliche Ignoranz der Tatsache, dass man zehn Minuten zuvor dasselbe gemacht hat, nur statt um die Academy Awards ging es um Dark Souls, welches im übrigen ein fantastisches und tiefgründiges Spiel ist.


Besser als 90% der hier gezeigten Spiele jedenfalls! Via Zorin Denu

Die Oscars stehen also vor der Tür und alle Welt hat sich bereits das Maul über die Nominierungen zerrissen. Warum? Warum bloß ist für jede*n selbsternannte*n Filmkritiker*in diese Veranstaltung so wichtig, vor allem, da hauptsächlich us-amerikanische Filme ausgezeichnet werden? Dies liegt übrigens an den Nominierungsvorgaben, die nicht-us-amerikanische Filmen zwar nicht ausschließen, allerdings müssen diese in einem bestimmten Zeitraum in einem Kino in Los Angeles für einen mindestens sieben Tage gegen Entgelt gezeigt werden, was aufgrund der stark kommerzialisierten Kinostruktur in den USA den Zutritt für ausländische Filme zumindest stark erschwert. Hinzu kommt die Zusammensetzung der Akademie (als der Jury), welche mittlerweile aus etwa 6000 Mitgliedern besteht. Dort sind Filmschaffende und -wirtschaftler*innen vertreten sowie eine erkleckliche Anzahl an Oscar-Gewinner*innen, die größtenteils US-Staatsbürger*innen sind, da diese ja auch meist mit besagtem Filmpreis bedacht werden. Wie können so viele Leute über so viele Filme entscheiden? Und warum wird die Zusammensetzung der Jury geheimgehalten, wo doch alle anderen Filmpreise und Festivals so transparent sind und ihre Mitglieder*innen veröffentlichen? Ist die Nominierung eines Films bei so vielen Stimmen nicht viel eher ein kakophonisches Rudelbummsen bei dem sich letztlich wahrscheinlich „nur“ ein kommerziell-künstlerischer Kompromiss durchsetzt, und nicht die filmische Qualität und die Relevanz einer Geschichte?

Und wie sinnvoll waren die Entscheidung der Jury in der Vergangenheit? Welchen Aufschrei gab es 2010, als der Anti-Kriegsfilm The Hurt Locker nach einem Aufruf eines Filmproduzenten, doch für diesen kleinen Film zu stimmen anstatt für den Mega-Blockbuster Avatar, welcher die meisten Nominierungen dieses Jahres auf sich vereinte. Schließlich gewann (glücklicherweise) zwar der Film von Kathryn Bigelow (einer Frau! Die Actionfilme macht!), aber allein die Tatsache, dass ein Film mit einer solch klischeebefüllten Kackhandlung wie Avatar als „bester Film“ nominiert war, lässt mich ganz persönlich an dem künstlerischen Verständnis der Jury zweifeln. Und warum zur Hölle hat Shakespeare in Love 1999 den Oscar bekommen, obwohl der grandiose The Thin Red Line von Terence Malick nominiert war, ein Film, der den Zweiten Weltkrieg wesentlich eindringlicher darstellt als der zeitgleich erschienene Saving Private Ryan, welcher zwar durch die realistisch und „schonungslos“ gezeigte Gewalt beeindruckte, sich selbst aber immer wieder so mit Pathos zukleisterte, dass einem spätestens am Ende leicht das Erbrechen in der Speiseröhre juckte.

Alles in allem sind die Oscars wohl kaum der tatsächliche Meilenstein des zeitgenössischen Kinos, zu dem sie so hoch stilisiert werden, und eigentlich kein Grund, mit irgendjemandem in hitzige Diskussionen ob der Nominierungen zu verfallen. Werden die Preisträger*innen von Cannes so kontrovers diskutiert? Oder der Goldene Bär der Berlinale? Wohl kaum. Und warum? Wahrscheinlich liegt’s mal wieder am schnöden Mammon. Durch das ganze Brimborium um die Verleihung der Academy Awards haben die Oscars soviel Aufmerksamkeit, dass man mit dieser Auszeichnung wesentlich mehr Kohle machen kann als mit einer schnöden Goldenen Palme; oder der sogenannten „Lola“, dem deutschen Filmpreis (ja, den gibt’s wirklich).


Fuck it! Wenn’s keine gemeinfreien Bilder vom Deutschen Filmpreis gibt, dann zeig ich halt Katzen! Via hubs

Wenn Filme aber Kunst sind, so ist die Maßgabe der Qualität eines Films doch nicht die pseudo-autoritäre Entscheidung einer Jury, sondern vielmehr die Relevanz, welche ein Film (oder Kunstwerk im allgemeinen) in der eigenen Vita einnimmt. Denn wie jede gute Kunst kann ein herausragender Film das Publikum auch mit unangenehmen Themen konfrontieren und so als Auslöser für die eigene Auseinandersetzung mit diesen Themen bis hin zu Selbstreflexion dienen. Dies aber passt nicht zusammen mit dem Bild vom Film als Unterhaltungsmedium und somit kollidiert das ganze auch mit der Gewinnabsicht der Produzenten*innen. Ein Werk nämlich, dass auch unangenehme Dinge darstellt, ist nicht für jeden zugänglich, schon gar nicht für die viel zu große Masse an Menschen, die an irgendeinem Punkt ihres Lebens beschlossen haben, sich wunderbare Scheuklappen zuzulegen, sie nett von innen anzumalen und fortan derart unbeschwert und mit Blick nur auf den eigenen Weg durchs Leben zu schreiten. Weil also die Qualität eines Films vom subjektiven Standpunkt abhängt, können Filme aus unterschiedlichen Gründen besonders wertvoll sein. Während die einen beispielsweise mit dem Werk David Lynchs aufgrund seiner kryptischen Darstellungs- und Erzählweise nicht viel anfangen können (und da gehöre ich wahrscheinlich dazu), ist Lynch für die anderen ein genialer Regisseur und Autor, der sich traut, mit seinen Filmen hintergründige und hochkomplizierte Kunstwerke zu schaffen, die eben nicht beim ersten Schauen zu entschlüsseln sind.

Wie dem auch sei, um einen Film gut zu finden, braucht man keine Filmpreise. Viel eher ist dafür ein bisschen Selbstbewusstsein und auch -reflexion gefragt. Und nicht zuletzt auch ein bisschen Einfühlungsvermögen in andere Menschen und die Geschichten, die sie erlebt haben und nun mit uns teilen wollen. Diese Tugend braucht man übrigens auch in zwischenmenschlichen Beziehungen und zwischen Anni und mir gibt es mittlerweile ein Einverständnis: Sie regt sich nicht über die Oscars auf und ich rede nicht stundenlang über Dark Souls (welches immer noch ein total tolles und fesselndes Spiel ist).

 

13 – Es war Einmal… Gaming


Bei dem Titel werden Kindheitserinnerungen an südeuropäische, bildende Kinderanimationssendungen wach, was? Genau diesen Nostalgiefaktor wollen Walde, Johannes und ich auch aufrecht erhalten, wenn wir darüber reden, wie der ganze Gaming-Wahnsinn eigentlich angefangen hat. Von Waldes zweidimensionaler Wahrnehmung der Nutzungsmöglichkeit eines Heimcomputers (PC = Spielen) über meine dunkle Vergangenheit mit dem Gameboy Classic bis hin zu Johannes, der schon im zarten Alter von 4 Jahren mit seinem Gehstock die wilde Jugend von heute (also damals) anprangerte.

Macht euch gefasst auf eine Reise zurück in die Zukunft bis ans andere Ende des Universums (preisverdächtig!). Und nicht vergessen. Es darf auch gern ein bisschen mehr gespielt werden.

P.S. Viel Spaß beim Hobbit im Kino. Erzählt doch mal, falls ihr in den Genuss der 48p-Version gekommen seid.

Page 1 of 2

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén