Tag: Feminismus (Page 1 of 3)

Am Abgrund Links – Landtagswahlen, Deadpool und Charleys Tante

Huch? Ist etwa schon wieder eine Woche rum? Das geht ja schnell dieses Jahr – wie jedes Jahr. Damit ihr nicht den Überblick verliert, findet ihr unsere Links für die letzte Februarwoche!

Anni

  • Auch wenn der Artikel schon etwas älter ist (im Universum des Internets bedeutet das ein paar Wochen), hat er für mich noch nichts an seiner Brisanz verloren. In Zeiten von Clausnitz, von rassitischen Spekulationen um Köln und brennenden Flüchtlingsheimen, kann man* nicht oft genug auf unsere Menschlichkeit verweisen. Dafür sind Vergleiche ein gutes Mittel. Zum Beispiel, wenn man* sieht das Anne Frank heute eine nette Dame in Amerika sein könnte, hätten die USA dem Antrag ihres Vaters auf Asyl stattgegeben hätte.
  • Als Pornodarsteller*in ist man* vielen Vorurteilen ausgesetzt. Eines der schlimmsten ist, dass man* sie gar nicht vergewaltigen kann. Mit dieser schrecklichen Relativierung ihres Leids sieht sich zur Zeit Stoya konfrontiert (Triggerwarnung). Die Situation verschärft sich dadurch, dass der Vergewaltiger jenseits der Branche einen fast schon feministischen Ruf hat, da er nicht den Aussehensstereotypen der Szene entspricht.
  • Wie so viele zurzeit bin auch ich dem Hype um Deadpool verfallen. Die Gründe reichen von der Ästhetik des Films bishin zu einem humorvollen, aber dennoch nich-relativierenden Umgang mit schwierigen Themen wie Traumata in der Vergangenheit der Charaktere. Interessante Gedanken zum homoerotischen Subtext bei Deadpool, der positive und negative Folgen haben kann, findet ihr bei The Mary Sue.
  • Und zum Abschluss noch etwas für die Geschichts- und Sprachinteressierten. Im Guardian hat sich Gedanken über sexitische Wurzeln in der englischen Sprache gemacht. An acht Worten kann man nachvollziehen, wie sich die Bedeutungen ins Negative verschoben haben. Ich finde sowas ja sehr spannend.

Johannes

  • Das Topos “Mann verkleidet sich als Frau” wurde schon einige Male im Film behandelt, beispielsweise mit “Charleys Tante” schon 1915 als Stummfilm mit Heinz Rühmann in der deutscehn Verfilmung von 1956. Immer waren diese Filme, entsprechend der dramatischen Vorlage, als Komödie angelegt. So auch “Tootsie” von 1982, mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle. Für den Schauspieler war dieser Film nie wirklich als Komödie angelegt, wie er in einem bewegenden Interview preisgibt. Viel eher ist er sich dann der unfairen Erwartungen an Frauen in unserer Gesellschaft klargeworden.
  • Polygon hat vor ein paar Wochen zwei wunderbare Features veröffentlicht. Zum einen ein Blick auf die wachsende Spieleindustrie in Südafrika (dem Staat). Das ist insofern ziemlich interessant, da Videospiele entweder vom asiatischen oder westlichen Kulturkreis (vereinfacht: Japan oder den USA) dominiert sind. Deswegen ist es auch ganz spannend zu sehen, ob es so etwas wie “afrikanische” Videospiele geben kann. Viele Personen, die in der Reportage vorkommen, wollen ihren spezifischen, kulturellen Hintergrund nämlich verarbeiten. Im Prinzip kann dies erstmal nur eine Bereicherung für die Spieleindustrie sein.
    Das andere Feature dreht sich um die (tragische) Geschichte von Segas Maskottchen, Sonic. Einst eine ziemlich populäre Figur, litt sie in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht nur unter Segas Rückzug aus dem Konsolenmarkt, sondern auch unter eher durchwachsenen Spielen. So ist Sonic mittlerweile eher eine Randerscheinung für Videospielenostalgiker*innen, statt eine ähnlich populäre Figur wie Nathan Drake, Lara Croft oder der Master Chief. Obwohl Sonic nun wesentlich mehr Charakter besaß.
  • Und auch was aktuelles (leider): Clausnitz hat die Bundesrepublik mal wieder mit leicht offenem Mund dastehen lassen – und die anschließende Rechtfertigung von Sachsen Innenminister und des Polizeichef hat das Kinn der einen oder des anderen noch weiter Richtung Boden sinken lassen. Es ist zu befürchten, dass diese Form der scheinbar “spontanen” Aktion von besorgten Bürgern Nazis gar nicht so ungeplant war. Die Autorin Liane Bednarz warnt davor, dass sich hier Spuren einer rechten Gegenkultur und organisierten, politischen Aktion finden lassen. Wir müssen uns eingestehen: Deutschland hat ein verdammtes Problem mit seinen “besorgten Bürgern” – nämlich ein Problem mit tief sitzendem Rassismus. Die politische Mitte ist eine Lüge und die Politik muss sich darauf konzentrieren, den Rechtsextremismus nicht kleinzureden, sondern zu bekämpfen!

Max

  • Kann uns bitte endlich jemand erklären, wer die Zielgruppe für VR-Brillen sein soll? HTC lacht mal kurz ganz laut über Facebooks “Oculus Rift” erklärten Preis von 600 US Dollar und erhöht mit “Vive” aller Voraussicht nach auf 800. Bei Sonys VR-Variante wird bisher von 400 bis 500 Dollarn ausgegangen.
  •  “Feel The Bern” ist das derzeitige Flagschiff europäischer Hoffnungen, wenn man sich bei Facebook im Freundeskreis umguckt. Und es ist auf den ersten Blick erstaunlich, dass auch viele (junge) Frauen Sanders einer Frau Clinton vorziehen. Die ersten Vorwahlen wurden fast schon als Siegessturm Sanders dargestellt, doch so mancher Artikel gibt Bernie-Sympathisanten zu denken. Denn am Ende entscheidet nicht das Volk, sondern die Partei, wer zur Wahl aufgestellt wird. Sollte Clinton nicht einen Haufen Niederlagen einstecken, dann sollte allein ihre starke Lobby bei den Demokraten genügen. Nun wurde mir berichtet, dass einige “Superdelegierte” bereit sein zu Bernie zu wechseln, aber Fakt ist, dass die Vorwahlen dieses Mal äußerst wenig Aussagekraft haben. Ein Sanders kann auf Seiten der Demokraten letztlich genau wie ein Trump auf der Gegenseite allein durch die Partei ausgehebelt werden.
  • Einige Landeswahlen stehen wieder an. Wenn ihr schon keinen Bock habt, auf Anhieb die ganzen Parteiprogramme durchzulesen, dann gönnt euch doch eine Runde der beliebten Spiele-App (kein Scheiß, checkt das mal im Google Store) “Wahl-O-Mat” (im Link wird auf die Rheinland-Pfalz-Version verwiesen). Natürlich ist der Wahl-O-Mat nicht wasserdicht, aber zumindest bringt es einige dazu, sich dann doch mal mit den Wahlprogrammen auseinanderzusetzen. Andere wollen einfach nur sehen, wie (hoffentlich) niedrig die Übereinstimmung mit der NPD ist. Viel Spaß und denkt bitte ein wenig über die Ergebnisse nach und recherchiert im Bestfall.

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Am Abgrund Links – Abalonia und Männerfeindlichkeit

Ah, Musik und Politik! Zwei doch oft überraschend nah beieinander liegende Themen. Ob es die Emotionen sind, die beides verbindet? Dabei ist Politik doch als rationale Bühne gedacht. Und Musik nur als Unterhaltungsshow? Max jedenfalls hofft, sein Lieblingsalbum für dieses Jahr schon gefunden zu haben. Und Johannes unterstützt den Feminsmus. Das übliche also, in unseren Links für diese Woche

Johannes

  • Ich musste bei der Überschrift von Selma Mahlknechts Telepolis-Artikel erstmal schlucken: Sexismus zu bekämpfen hieße auch, Männerfeindlichkeit zu bekämpfen. Nun ist Männerfeindlichkeit erstmal ein Kampfbegriff aus dem Maskulismus und hat mich daher ob der Richtung des Artikels verunsichert. Bald nach den ersten Absätzen wird aber klar, worum es geht: Die Männerbilder, die es in unserer Gesellschaften bzw. unseren Gesellschaften gibt, sind oft genug ziemlich steinzeitlich – und damit wenig schmeichelhaft für Männer. Die Rolle des stumpfen Barbaren füllen Männer schon lange nicht mehr aus, viel eher sehen sie sich einer unvereinbaren Vielzahl an Rollenerwartungen verknüpft. Das Männerbild daher auf den saufenden und grölenden Holzkopf zu reduzieren (auch wenn wir jeden Montag in zu vielen Städten das Gegenteil bewiesen bekommen) ist eklatant Androgynistisch, kommt aber meist aus der Männerrechtsbewegung selbst. Am Ende steht die Erkenntnis, dass der Feminismus den Männern durchaus mehr zutraut, als deren selbsternannte Rechtebewahrer.
  • “You are a survivor!” So klang es in den Ohren derjenigen, die vor knapp drei Jahren das Tomb Raider Reboot gespielt haben: Lara Croft gibt nicht einfach auf, die kämpft und überlebt! Das zumindest war die holzhammersensibel vorgebrachte Botschaft des Spiels – nur mit Survival im Spiel-Sinne hatte das wenig zu tun. Rise of the Tomb Raider von Ende 2015/Anfang 2016 hat nun einen DLC spendiert bekommen, indem der Survival-Aspekt wesentlich in den Vordergrund rückt. Dieser DLC ist wohl gut genug, dass Rock, Paper, Shotgun dazu ein eigenes Review veröffentlicht. Beim Lesen der Worte scheint es mir, als wäre diese Ergänzung tatsächlich einmal ein Survival-Spiel (wenn auch kein eigenständiges), dass ich wirklich interessant finden könnte.

Max

  • Zumindest das mit dem “Rot” in Schwarz-Rot-Gold bekommen wir laut SZ schon richtig gut hin. Langsam ist aber auch Fremdscham nicht genug, wenn Politiker anfangen die Gesetze wie heilige Schriften auszulegen, sodass am Ende irgendwie alles okay ist. Der Ausdruck Prantls “politische Obszönität” hat für mich jetzt leider schon Potenzial zum Ausdruck des Jahres, denn ehrlich gesagt ist es mir lieber, dass Zweitklässler das gesamte Fluch-Repertoire eines Oberstufenschülers beherrschen, als dass wir diese Menschen verachtende Grütze hören müssen. Und dabei sorge ich micht nicht nur um die Opfer dieser Rhetorik. Ich möchte nicht jeden Morgen aufstehen und bei jedem zehnten Passanten denken: Aha, wahrscheinlich ein Arschgesicht.
  • Apropos “Arschgesichter”! Dieser Ausdruck ist nur einer von zehn Titeln auf der neuen Turbostaat-Scheibe. Wer ein wenig den Grips anstrengt und zuhört, der merkt auch, dass die Band sich ebenfalls mit den politischen Gegebenheiten auseinandersetzt. Auch abseits davon ist das Album aber richtig klasse geworden. “Alte” Fans werden wahrscheinlich weiter nölen, dass die Band ihnen inzwischen zu soft klingt. Mir gefällt der Ansatz des neuen Albums “Abalonia” richtig gut. Der Trend bleibt bestehen, dass die Jahresanfänge bei mir immer einen Favoriten fürs gesamte Jahr bedeuten.

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Am Abgrund Links – Frauen mit virtuellen Knarren, Grenzkontrollen und die Extremismustheorie

Der September ist zugegebenermaßen nicht mehr der Jüngste, aber zumindest wird einem langsam bewußt, dass das Jahr sich dem Ende zuneigt. Der perfekte Zeitpunkt also, sich nochmal die Ereignisse der letzten Woche vor Augen zu führen:

Anni

  • Die Extremismustheorie und ihre Gefahren hatte ich ja schon vor einigen Wochen angeschnitten. Jetzt hat die Bundeszentrale für Politische Bildung ein Buch über Linksextremismus auf den Markt gebracht, dass ganz tief in die Klischeekiste greift und nicht nur wegen des Titels und der aktuellen politischen Lage ein bisschen fehl am Platz wirkt.
  • Das Bärte schon seit längerem ein Trend sind, sollte für niemanden etwas Neues sein. Das es sich dabei aber wieder einmal um ein Privileg weißer Männer* handelt wird hier erklärt.

Johannes

  • Fangen wir mal an mit einer sicheren Bank für interessante Inhalte: Rock, Paper, Shotgun hat sich nach den zurückliegenden Veröffentlichungen diverserer Kickstarter-Projekte Gedanken zum derzeitigen Stand von Crowdfunding gemacht. Max und mir pinselt es natürlich den Bauch, wenn so große Namen sich ein Beispiel an uns nehmen (höhö), auch wenn die Damen und Herren nicht zu unserem Schluss kommen, dass vor allem Kickstarter ein Anlaufpunkt für große Namen geworden ist. Stattdessen schreiben sie über die Fragwürdigkeit von Riesen-Projekten wie Star Citizen und bitten darum, doch mal öfters auf itch.io zu schauen. Denn was in der Musik gilt, ist auch im Videospielebereich nie verkehrt: Mehr Indie schadet nie.
  • Ohne Witz: Die ehemlige Kunstlehrerin meines kleinen Bruders war professionelle Counter-Strike-Spielerin (aber fragt mich nicht, welche Version). Es ist schade, dass dies so erwähneswert ist, mehr Normalität von Frauen im eSport wäre etwas wunderbares. Ebenfalls bei Rock, Paper, Shotgun findet sich zu diesem Thema, speziell in Bezug auf Counter-Strike, ein interessanter Artikel. Nicht nur, weil Profi-Spielerinnen von ihren Erfahrungen auf gemischtgeschlechtlichen und reinen Frauen-Turnieren erzählen, sondern auch weil klar wird, welche große (und abschreckende) Hürde noch immer die frauenfeindliche Haltung im Internet spielt.
  • Kommen wir zur Politik und damit zunächst zu einem kleinen Nachtrag in Sachen Bundestag-Hack (ihr erinnert euch?): Mittlerweile weiß man, dass es ein klassischer Phishing-Versuch über eine getarnte Webseite mit un.org-Adresse war.
  • Die seit langem (dafür teilweise zurecht) schwächelnde Labour-Party in Großbritannien hat einen neuen Vorsitzenden gewählt. Jeremy Corbyn heißt der und bei ihm wird vor allem hervorgehoben, dass er relativ stringent gegen alles gestimmt hat, was seiner Meinung nach falsch war. Ein Politiker also, der tatsächlich nicht an Macht, sondern Allgemeinwohl interessiert ist? Tony Blair, als dessen Gegenpol Corbyn bezeichnet wird, prophezeite vor der Wahl jedenfalls den Untergang der Labour-Party. Vielleicht ist das ja ein gutes Zeichen?

Max

  • Bevor wir zu traurigeren Nachrichten kommen, wenden wir uns doch ein wenig Ablenkung zu. Die Tokyo Game Show (TGS) steht bevor und ich werde euch auch nächste Woche damit nerven. Abseits der TGS möchte ich mich allerdings mit dem großen Fragezeichen “Hitman” befassen. Ein Spiel, welches sich “stetig entwickeln” soll, aber gleich zu Beginn für den AAA-Vollpreis erscheint. Mikrotransaktionen soll es keine geben, doch DLCs sind durchaus sicher. Bei einem “stetig entwickelndem” Spiel stellt sich mir da die Frage, wie wichtig diese DLCs sein werden. Überhaupt stellen sich einige größere Fragen zu einem solchen Projekt. Zeitlich begrenzte Aufträge werden genannt. Heißt das, dass ein Spieler, der das Spiel erst später erwirbt Inhalte “verpassen” wird? Wie wichtig ist die Online-Verbindung bei einem solchen Spiel und was bleibt nach 1-2 Jahren, wenn die Server wie bei FIFA und Co. eventuell abgeschaltet werden? Es wäre schön, wenn Square Enix und/oder IO Interactive Tacheles reden könnten.
  • Ich war am Wochenende Fußball gucken und Kuchen essen. Das heißt, dass ich ein Wochenende ohne Sorgen hatte. Ganz ohne Sorgen blieb es dann aber natürlich nicht, da wir auf der Heimfahrt auf die glorreiche Idee kamen Nachrichten zu lesen. Wir haben jetzt wieder Grenzkontrollen an Deutschen Grenzen. An Deutschen Grenzen, die eigentlich keiner Kontrolle mehr bedürfen sollten. Und wofür hat die EU eigentlich einen Nobelpreis bekommen? Dafür, dass alle in der Nase bohren und hoffen, dass jemand Anderes übernimmt? Nimm’ du, ich hab ihn sicher! Von wegen! Und nicht einmal der feixende Fußballer in mir kann mir solche Nachrichten mit zuvor mal wieder höchst investigativen Artikeln des Postillons schönreden. In Berlin musste ich auch erste Abschiebungen beobachten und miterleben, als ein paar Tausend Menschen aus Stuttgart nach Hause geschickt wurden. Mit 2:1. HA HO HE! Und der vegane Schokokuchen in Friedrichshain war auch ziemlich mächtig.

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Am Abgrund Links – Crowdfunding und heilige Kriege

26 Wochen sind im Jahr 2015 bereits vergangen, die Hälfte des Jahres ist rum, der Sommer hat begonnen. Weil wir gehört haben, dass Menschen im Sommer normalerweise raus gehen und so Sachen machen wie “in den Park legen”, “grillen” oder “die Sonne genießen”, versuchen wir euch mit unseren Links aktuell zu informieren. Es muss ja jemand zuhause bleiben und Nachrichten lesen. Hier nun die Dinge, die wir wichtig fanden und mit euch teilen wollen.

JOHANNES

  • In unserem E3-Podcast und bereits vorher, als wir erneut über Crowdfunding für Videospiele sprachen, haben Max und ich vor einem Missbrauch von Crowdfunding durch große Publisher gewarnt. Sony hat genau das jetzt mit Shenmue 3 getan und Kickstarter als “Maßeinheit für den Bedarf nach mehr Shenmue” genutzt. Das ist schädlich für das Videospiel-Crowdfunding, weil die Budgets für Kickstarter & Co. dadurch arg in die Höhe getrieben werden, so hoch, dass kleine Indie-Projekte kaum noch eine Chance haben. Zum Glück sehen nicht nur wir das so. Bitte, liebe Leserinnen und Leser, unterstützt keine Crowdfunding-Projekte, die es vor vorneherein darauf anlegen, von einem großen Publisher bezuschusst zu werden!
  • Ihr erinnert euch noch an den Bundestag-Hack? Der wurde erstmal Mitte Mai gemeldet. Nun gibt es eine erste Untersuchung dazu, allerdings nur von den Servern der Linksfraktion, deren Infizierung mit Malware nicht unbedingt mit dem Bundestags-Angriff zusammenhängen muss. Netzpolitik.org hat die Ergebnisse zusammengefasst, den vollständigen Bericht gibt es ebenfalls dort.
  • Feminismus und Kriegspropaganda – das passt zunächst nicht zusammen. Aber wenn wir an die Bilder glücklicher, weil “befreiter” afghanischer Mädchen denken oder die schrecklichen Berichte von Taliban-Angriffen auf Mädchenschulen, dann wir klar, wie Frauen oft genug zu Propagandazwecken instrumentalisert werden. Das zieht sich bis weit in den (west-)europäischen Feminismus hinein. “Feministische Islamkritikerinnen” werfen dann beispielsweise kopftuchtragenden Muslima vor, von ihrer Religion unterdrückt zu werden und anscheinend nicht in der Lage zu sein, eigene Entscheidungen zu treffen. Auf dieses Spannungsverhältnis von westlichem Kolonialerbe und dem Selbstbewußtsein muslimischer Frauen geht Telepolis in einem Interview mit dem Politikwissenschaftler Jörg Becker ein.

MAX

  • Heute gibt es nur einen Link von mir, weil er eure komplette Aufmerksamkeit verdient. Der Papst wirft christlichen Waffenherstellern Heuchelei vor. Der Artikel in der Süddeutschen dazu, ist gar kein richtiger Artikel. Es ist eine Nachricht. Es findet keine Reflexion und kein in Verhältnis setzen statt. “Der Papst hat gesagt… deutlicher als je zuvor”, heißt es dort nur kurz. Ja, und? Nuschelt der gute Mann oder warum waren seine Worte vorher undeutlich. Dabei hat der Papst allen Grund bei einer solchen Gegebenheit zu nuscheln. Denn es war einmal vor langer Zeit, da wurden Waffen nicht einfach nur von Christen geschmiedet, sondern auch im Auftrag der Kirche und des Herrn gesegnet. Wenn ein Papst Urban II. zum Krieg gegen die Muslime aufruft, dann ist damit kein Debattier-Abend im damals nicht vorhandenen Fernsehen gemeint. Das Christentum ein hat ein dickes, fettes Kapitel voller Mord und Totschlag und entweder war es ein riesiger Missbrauch des Namen Gottes oder Christen sollten als höher gestellte Menschen ein Recht haben über Leben und Tod anderer zu entscheiden. Na, das ist doch ein fantastisches Weltbild! Und so schön (naiv) die Aussage des Papstes auch ist, so unreflektiert sieht sich die Kirche mal wieder als Stütze der frühen Kriegsführung. Missioniert wurde nicht allein mit Worten, sondern auch mit Taten. Und diese Taten sprachen oftmals durch das Schwert.

Featured Image by John C Bruckman

Am Abgrund Links – Erster Mai und letzte Symphonien

19 Wochen sind im Jahr 2015 bereits vergangen. Die Menschheitsgeschichte hat viele Millionen Jahre auf dem Buckel. Trotzdem und gerade deswegen passiert jeden Tag etwas Besonderes. Hier die lesenswerten Dinge, die ihr hoffentlich noch nirgendwo sonst gelesen habt!

JOHANNES

  • Puh, das Flagschiff des deutschen Print-Spielejournalismus segelt demnächst unter französischer Flagge: Die GameStar wurde als Teil der “IDG Entertainment Media GmbH” (unter anderem auch GamePro, Moviepilot, Filmstarts, Onlinewelten) an das französische Medienunternehmen Webedia gekauft. Ich verlinke die Pressemeldung der Gamestar, die ausführlicher als andere Kurzmeldungen ist.
    Als “Flagschiff” bezeichne ich die Gamestar, weil sie, soweit ich weiß, die meistverkaufte Zeitschrift in Deutschland ist (was nicht unbedingt etwas über die Qualität aussagt). Die Konsequenz aus dem Verkauf ist wahrscheinlich, dass der Onlineanteil der Gamestar noch weiter hochgefahren (Teil des Deals war beispielsweise auch das Allyance-YouTube-Netzwerk) und – auf lange Sicht – die Printausgabe eingestampft wird. Das wäre meine Prognose, da Webedia hauptsächlich im Onlinebereich aktiv ist. Grund für den Verkauf ist womöglich das anhaltend schlechte Printgeschäft von IDG (“Printsterben” und all das) und insbesondere der GameStar, die sich zusammen mit der PC-Games überhaupt noch eine Printausgabe leistete. Ausserdem lassen die Umbildungen in der GameStar-Redaktion in den letzen Jahren, inklusive des Abgangs der “alten Garde” wie Gunnar Lott und Christian Schmidt, darauf schließen, dass es intern arge Kürzungen gab. Aber das sind nur Vermutungen meinerseits. Was bleibt ist viel PR-Gewäsch und wahrscheinlich härtere Zeiten für die Redakteur*innen. Es lebe der freie Markt! /Ironie
  • Dann wäre da noch dieser lange Artikel der Zeit und die Frage an Politiker*innen, warum diese nicht Klartext reden und die prekäre Lage in Europa schildern, statt immer alles schön zu malen. Das Politiker*innen von Natur aus nicht “die Wahrheit” sagen können, weil sie sonst ihren Job verlören (Politiker als Beruf und all das), erwähnt der Text leider nur am Rande. Trotzdem lesenswert für den Montagmittag, weil mein Einwand nur Haarspalterei ist, gewissermaßen.
  • Der Erste Mai ist vorbei (Reime und all das). Leider muss mensch ja immer wieder darauf aufmerksam machen, dass dieser Tag irgendwie ja mal einen Sinn hatte. Der ist bei Wikipedia oder von mir aus auch beim DGB zu lesen. Ich verweise aber lieber (obwohl ich mich eigentlich sträube, Sachen doppelt zu posten) wieder auf dieses anti-kapitalistische FAQ von den Schweizer*innen von überzeit.ch. Weil es einfach immer so gut passt.

MAX

  • Eine Frage, die vielen schon zum Hals raushängt: Brauchen wir den Feminismus noch? Die Anstalt hat sich an das Thema heran gewagt und zeigt, wie schwer das Ganze ist. Wer sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt hat, der wird wenig Neues lernen. Aber wir müssen eben auch immer wieder die Grundlagen predigen. Und das geht auch durch Humor.
  • Wir bekommen eine Vorweltpremiere! Klingt merkwürdig, findet in Bonn statt und kann aber zumindest in den Grundlagen überzeugen. “Final Symphony 2” kommt am 29.August zu einer Erstaufführung und wird u.a. das sonst so vernachlässigte Final Fantasy IX und weitere Teile (V,VIII und XIII) orchestral aufbereiten. Ich kann es nur empfehlen.

 

Featured Image by Taran Rampersad

Am Abgrund Links – Wolverine, Coming in und Broadchurch

18 Wochen sind im Jahr 2015 bereits vergangen. Die Menschheitsgeschichte hat viele Millionen Jahre auf dem Buckel. Trotzdem und gerade deswegen passiert jeden Tag etwas Besonderes. Hier die lesenswerten Dinge, die ihr hoffentlich noch nirgendwo sonst gelesen habt!

ANNI:

  • Wenn Satire besser informiert als Nachrichtensendungen und das Informationsprogramm, dann sollte man* sich Gedanken machen. Schön ist es aber, dass sich deutsche Satire langsam macht.
  • Ich bin endlich dazu gekommen Coming in zu schauen. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering schien, dass der Film gut sein wird, so stirbt die Hoffnung ja bekanntlich zuletzt. Doch es ist wirklich schade, dass ein Regisseur aus der LGBTQ Community eine so gute Chance verschenkt, die Komplexität von Geschlechterrollen und Sexualität ohne Klischees darzustellen.

JOHANNES:

  • Eine Nachricht hatte es letzte Woche nicht in die Links geschafft, weil sie eben nur eine Nachricht war: GameStop will jetzt auch Retro-Spiele verkaufen. Aber mittlerweile hat Gamasutra ein paar Stimmen von “richtigen” Retro-Händlern eingeholt. Die wissen nicht ganz, was auf sie zukommt, glauben aber meist, dass GameStop keine wirkliche Gefahr darstellt. Denn jene kleinen Ladengeschäfte setzen auf eine enge Bindung zum Publikum. Wir werden sehen.
  • Kostenpflichtige Mods bei Steam? Ich gebe zu, gelesen hatte ich kurz darüber, aber mich nicht gut genug informiert, um eine qualifizierte Meinung zu haben. Zum Glück gibt es die Damen und Herren von Rock, Paper, Shotgun und Superlevel, die sich des Themas angenommen haben.
  • Eine Studie aus den USA meint herausgefunden zu haben: In naturwissenschaftlichen Feldern werden bevorzugt (ca. zu sechzig Prozent) Frauen eingestellt. Fortschritt? Hoffen wir es. Wissenschaftlich anzweifelbare Studie? Zumindest scheint sie einige Schwächen zu haben. Wie dem aber auch sei, es bleibt die vage Hoffnung, dass die Naturwissenschaften bald ausgeglichener erforscht und gelehrt werden.
  • Wie leicht übersieht mensch Portugal, dieses Land am Atlantik, wo die Leute so komisch sprechen und die Hauptstadt aus dem Bilderbuch entsprungen zu sein scheint. Dort jedenfalls, am Ende Europas, leiden die Menschen nicht nur unter der ominösen “Krise”, sondern auch unter ihren Politiker*innen. Die wollen nämlich anscheinend mittels einer Komission die Berichterstattung über die kommende Parlamentswahl kontrollieren. Telepolis nutzt sogar das Wort “Vorzensur”. Schlimm, Schlimm.

MAX:

  • Wir hier beim Blog vom Dienst sind gerne ein wenig “snobbistisch”. Filme und Serien werden nur im Original geguckt und Synchronarbeit wird regelmäßig in den Boden gestampft. Die Wahrheit ist natürlich nicht annähernd so drastisch und viele Filme, die ich kürzlich auf Deutsch gesehen habe, funktionierten ganz wunderbar. Deswegen sollte auch von unserer Seite eine klare Empfehlung ausgesprochen werden, sich “Broadchurch” zu geben, jetzt wo das ZDF die hervorragende Krimi-Serie mit David Tennant (u.a. “Doctor Who”) und Olivia Colman (u.a. “Die eiserne Lady”) überträgt.
  • Derzeit beherrscht die 25. Meisterschaft die Bayern die Titelblätter und zwischen schrecklichen Ereignissen in Tübingen und dem Rest der Welt ergibt sich unsagbar viel schlechte Laune. Deswegen gehe ich in die Vergangenheit und beschäftige mich mit einem leichten Thema, das auch wir beim Blog mal näher beleuchten wollten: Die Unendlichkeit der Superhelden.

Am Abgrund Links – Feministische Promis, Terry Pratchett und Titanen

17 Wochen ist das Jahr 2015 alt, noch kein Ende in Sicht. Die Menschheitsgeschichte hat viele Millionen Jahre auf dem Buckel. Trotzdem und gerade deswegen passiert jeden Tag etwas Besonderes. Hier die lesenswerten Dinge, die ihr hoffentlich noch nirgendwo sonst gelesen habt!

ANNI:

  • Auch wenn ich selber kein Fan der Game-of-Thrones-Reihe bin, muss ich sagen, dass mir George R. R. Martin immer mehr ans Herz wächst. Nicht nur, weil er den Anspruch hat gute Frauencharatere zu schreiben, sondern weil er sich jetzt auch zu Gamergate und Ausschlussmechanismen geäußert hat. Und… es gibt so etwas wie Puppygate. Das Internet, Mensch, das Internet.
  • Brauchen wir feministische Promis? Ja? Nein? Vielleicht?
  • Rassismus ist vorbei? Nicht wirklich, zeigt dieser Artikel mit Zahlen zu unserer heutigen Generation, die immer noch weit davon entfernt ist, den Rassismus hinter sich zu lassen.

JOHANNES

  • Abteilung “Buntes & Vermischtes”: Zwei Männer haben sich in den USA darüber gestritten, ob ein iPhone oder ein Android-Handy das bessere Smartphone sei. Inklusive abgebrochener Bierflaschen als Waffe, blutige Schnittwunden und ein Autodiebstahl. Hurra für die Technik!
  • Thema Videospiele: Ein kurzer, aber interessanter Bericht über die spanische Indie-Szene. Ich hatte die bisher vor allem für Adventures wie Runaway auf dem Schirm, aber vor allem in letzter Zeit kamen einige Indie-Spiele aus Spanien, beispielsweise Gods Will Be Watching. Spanien sollte mensch in Europa also im Auge behalten.
  • Stefan Gärtner ist ein wortgewaltiger Kolumnist und einer der entscheidenden Gründe, regelmäßig die Titanic zu kaufen. Ich verlinke ihn hier immer gerne. Besonders, wenn er auf bedenkliche Tendenzen der Geschichtsvergessenheit hinweist, wie zuletzt anlässlich der Befreiung des KZ Buchenwald.
  • Attack on Titan hat mich traumatisiert. Ein spannender Anime, fraglos, aber – verdammte Hacke! – manche Episoden sind absolute Füller-Episoden ohne die Story wirklich voranzubringen Das Resultat: Man erwartet spannende Enthüllungen, bekommt stattdessen 25 Minuten inhaltsleeres Gelaber. Es werden Fragen und Plotstränge aufgeworfen, ohne diese zu beantworten oder weiterzuführen. Argh! Und jetzt gibt es davon auch noch einen Live-Action-Film! Brauchen wir das? Ja? Nein? Vielleicht?

MAX:

  • Ja, nein, vielleicht? Auch ich stelle diese Frage diese Woche. Allerdings geht es mir um die ausbleibende Bestätigung der Fortsetzung von “Ni No Kuni”. Ich würde mich freuen, auch wenn der niedrige Preis für das Spiel im PSN darauf hinweist, dass viel zu viele von euch dieses wunderschöne Spiel NICHT gekauft haben. #schlechtemenschen
  • Wer sich ein paar Insider-Infos zu Terry Pratchett anhören möchte, dem kann ich nur dieses Interview mit Neil Gaiman empfehlen. Geführt wird es von seinem guten Freund Michael Chabon (woooooo, Michael!).
  • Ich bin ein wenig enttäuscht, dass die Visual Novel immer noch nicht hardcore für Tablets im Westen programmiert wird. Liebesromane zum Mitbestimmen sollten sich doch verkaufen wie geschnitten Brot! Sie sind für den Nutzer sehr leicht zu bedienen und der anhaltende Boom seichter “Liebes”-Romane lädt geradezu dazu ein. Nicht spannend für Core-Gamer, doch der Casual-Markt könnte das interaktive Buch mit Gefallen aufnehmen.

Featured Image by Sergey Norin

Kontextualisierte Fantasy

Oh, wie sie mir auf die Nerven gehen. Diese ganzen Leute, die damit beschäftigt sind an der Diskussions-Glut herumzupusten, damit sie das nächste Feuer entfachen können. Und letzten Endes wollen sie als Held hervorgehen, dass sie etwas gegen das selbst gelegte Problem getan haben oder zumindest nur darauf aufmerksam gemacht haben. Denn, Überraschung, nur selten gibt es Antworten für künstliche Probleme. Vielleicht sollten einige dieser falschen und falsch informierten “Helden” den Film Backdraft gucken. Viel Spaß dabei sich darin wiederzufinden.

Ich lasse gleich zu Beginn gelten, dass ich zumeist offener Verteidiger der “Final Fantasy”-Reihe bin. Ich bin jedoch der Meinung, dass ich durchaus Grund dazu haben kann, wenn es um die Behandlung weiblicher Charaktere in dieser Serie geht. Final Fantasy hat, wie ich bereits erwähnte, mehr starke und interessante weibliche Charaktere hervorgebracht, die reihenweise als Vorbilder dienen können. Besonders, dass mit dem “Princess”-Trope immer wieder klug gespielt wird, muss der Serie seit Jahren angerechnet werden.

Spätestens mit Terra aus Final Fantasy VI (1994!) hat Square eine 20jährige Tradition des weiblichen Protagonisten gestartet. Fälschlicherweise wurde lange Zeit Locke als Protagonist des Spiels gehalten, doch ähnlich wie Vaan in “Final Fantasy XII” ist er mehr Knotenpunkt für das Zusammenkommen der Gruppe. Folgt mir auf eine kleine, mit Spoilern gespickte Reise. Eine Reise, die zentral, wie auch am Rande mit interessanten Charakteren gespickt ist.

Via Flickr by Kate0

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Ist das Oettinger im Hintergrund? Immer dieses böse “Product Placement”. Ein Thema für sich…

Final Fantasy VI: Terra und Celes

Terra und Celes sind nicht nur zwei der stärksten Party-Mitglieder im Spiel, sondern auch die wichtigsten und interessantesten Figuren des Spiels. Beide beginnen das Spiel unter Kontrolle des Imperiums und sind ganz klar in eine Opferrolle gesteckt. Diese muss jedoch reflektiert betrachtet werden. Denkt an “Gladiator”, wenn Maximus als Sklave in der Arena kämpfen muss. Genau wie Maximus können die beiden Damen dem Imperium entkommen. Nur dass sie beide Hilfe von der Gruppe benötigen. Warum das in einem Rollenspiel so ist, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Zur Verdeutlichung beobachte man bitte “Mass Effect 2”, wo wirklich jedes einzelne Gruppenmitglied bei Gott Shepard zu Kreuze kriecht, weil sie es alleine nicht schaffen können. Das hat nichts damit zu tun, dass die Charaktere im Kern schwach sind, sondern dass das Spiel einen Grund für das Bestehen der Party haben muss.

Terra entpuppt sich als Überwesen aus einer anderen Welt mit so viel Kraft, die ihr Geist kaum zu kontrollieren vermag und ist ergo das mächtigste Wesen im ganzen Spiel. Es liegt letztendlich allein an ihr die Welt der Menschen und die Welt der Magie in Frieden zu einen. Dass sie dabei moralische Unterstützung braucht, mögen ihr jetzt manche (merkwürdige) Menschen als Schwäche unterstellen, doch da sind wir schon beim elendigen Auslassen des Kontexts. Die männlichen Helden funktionieren in Final Fantasy-Spielen nach genau dem gleichen Schema.

Fick den unantastbaren Helden

Cloud aus “Final Fantasy VII” sitzt irgendwann nur noch sabbernd im Rollstuhl (echt, jetzt!), während seine Party ihn umsorgt. Squall ist der Prototyp des Emos, der ein ganzes Spiel lang seine Versagensängste und soziale Inkompetenz überwinden muss und dabei regelmäßig emotional zugrunde geht. Und selbst Strahlemann Zidane aus “Final Fantasy IX” muss von seiner Gruppe aus einer Identitätskrise gerissen werden, nachdem er all die selbst gepredigten Tugenden von Freundschaft und Zusammenhalt über Bord geworfen hat.

Final Fantasy war noch nie eine Reihe die unverletzliche Helden zeigen wollte. Das ist aus dem einfach Grund so, dass solche Charaktere sich letztlich immer ein wenig hohl anfühlen (looking at you, “Good Guy Shepard”). Nicht umsonst ist der “angsty character” ein typisch japanisches Phänomen. Celes ist am Wendepunkt von “Final Fantasy VI” derart am Boden zerstört, dass sie den Freitod wählen möchte. Sie scheitert zum Glück und nach der Herz zerreißenden Szene findet sie in der Unterstützung und Freundschaft ihrer alten Kameraden den Antrieb weiterzumachen. Sie macht sich ganz allein auf den Weg durch eine völlig verwüstete Welt und trommelt die Gang wieder zusammen. Ohne Celes’ Charakterentwicklung von der unsicheren Gefangenen zur entschlossenen und auf ihre Freunde vertrauenden Frau, hätte die Truppe nie die Welt vor dem besten Hofnarr aller Zeiten retten können. Sorry, Son und Zon. Es tut mir auch wirklich leid, zag’ ich!

Via Flickr by Giuliano Garau

potion

Ha! Die Dose mit Kefka drauf hatte ich selbst! Viel wichtiger: TERRA IST BLOND?

Royales und heiliges Blut

Oftmals sind die zentralen Figuren der Spiele Märtyrer (Lightning, Serah, Aerith/Aeris, Yuna), die trotz des Wissens um ihr zukünftiges Verderben zum Wohl der Gruppe ihr Opfer riskieren. Gerade bei Aerith, Yuna und Lightning, in “Lightning Returns”, lässt sich sehr leicht eine Jesus-Symbolik ausmachen, da für die Sünden anderer der Tod in Kauf genommen wird, um alle retten zu können. Diese Narrative muss niemand mehr mögen als Tifas und Cindys Charakterdesign, doch es ändert nichts daran, dass wir es mit selbstbestimmten Frauen zu tun haben.

Doch auch die Prinzessinnen haben es stets in sich. Zwar bin ich kein großer Freund von “Final Fantasy XII”, doch Ashe nimmt nach dem Tod ihres Vaters und ihres Ehemanns alle Mühen auf sich, um ihr Land zurückzuerobern. Eine ähnliche Geschichte findet sich bei Prinzessin Garnet wieder, die allerdings im Laufe der Geschichte sogar zur Königin wird und immer wieder lernt, dass es aus den scheinbar vorgeschriebenen Bahnen köngilicher Abstammung auszubrechen gilt, wenn das Leben etwas wert sein soll.

Beste Nebendarstellerinnen

Yuffie aus “Final Fantasy VII” trägt die Last mit sich ein ganzes Reich wieder zu Blüte zu verhelfen und macht dabei nicht einmal vor der eigenen Party halt. Rikku (“Final Fantasy X”) macht sich bewusst zu einer offenen Gegnerin der vorherrschenden Kirche, um Menschenleben zu retten. Lulu (ebenfalls “X”) und Quistis (“VIII”) sind oftmals das Hirn der Truppe und wenn gar nichts mehr geht, bekommt die Party noch eine eiskalte Kampfamazone (Fang aus “XIII” und Fran aus “XII”). Wer sich nach Vorbildern oder positiven Beispielen sehnt, kommt hier nicht zu kurz.

Und der Clou am Rollenspielgenre ist, dass die Spielbarkeit dieser Charaktere nur Nebensächlich ist. Oft sind sie nur Avatar für eure Position auf der Karte. Die Kämpfe haben keinen Charakter und gerade bei Final Fantasy sind die Zwischensequenzen oftmals bezeichnender als die Fähigkeiten in Zufallskämpfen. Außerdem handelt es sich bei Final Fantasy-Geschichten um streng lineare Erzählungen. Zwar gibt es manchmal verschiedene Reihenfolgen von Quests, aber ihr habt nie eine Wahl, die das Verhalten eurer Charaktere verändert. Wenn sich nun jemand beschwert, dass in “Final Fantasy XV” keine Frau dadurch, dass man sie steuern kann, frei gestaltet werden kann, hat man entweder noch nie Final Fantasy gespielt oder hat keine Ahnung wovon man redet.

Die Charaktere in Final Fantasy werden ganz allein von der Story entwickelt. Natürlich macht es zusätzlich Spaß seine Lieblingscharaktere ebenfalls nutzen zu können, doch gerade das hohe Ansehen der Bösewichte in dieser Reihe zeigt, dass die Spielbarkeit höchstens an zweiter Stelle steht.

Via Flickr by Jonathan Smith

Lightning_XIII

An einem Fakt lässt sich bei aller Kritik nicht rütteln. Lightning ist der in Japan beliebteste weibliche Charakter

Freiheit und Kontext

Und jetzt ist das Geschrei groß. Ein “Final Fantasy” nur mit männlichen spielbaren Charakteren. Allein dieser Satz ist schon falsch, da ihr nur einen Charakter steuert. Abgesehen davon stimmt es natürlich, dass eure regelmäßigen Begleiter alles Männer sind. Die Macher stehen offen dazu, dass sie einmal eine Story nur mit Männern ausprobieren wollten. Und plötzlich wird eine Kontroverse geschaffen. Eine Kontroverse, die die vorangegangenen Zeilen einfach zur Seite wischt. Es gibt keinen guten Grund eine Story allein mit Männern per se anzugreifen sowie eine Story nur mit weiblichen “Protagonisten” (wie “Final Fantasy X-2”) nicht von sich aus schlecht ist.

Es kann eine andere Dynamik erzeugt werden. Niemand kann behaupten, dass Männer wie Frauen sich nicht auch durchaus anders verhalten, wenn sie unter sich sind. Ob dieser Ansatz einen jetzt interessiert, ist erstmal völlig außen vor. Tatsache ist, dass es ein nachvollziehbares Argument ist. Und natürlich sollte nicht das Argument “künstlerische Freiheit” für “tradierten Sexismus” missbraucht werden. Aber es gibt bei der Marke “Final Fantasy” wirklich kaum Anhaltspunkte, warum die Story um vier Männer gelebte Ablehnung von Frauen ist.

Seit den ersten Trailern ist klar, dass es wieder für die Story zentrale Charaktere geben wird. Zudem ist es das erste Mal, dass wir einen Prinzen als Protagonist haben und ich lehne mich ein wenig aus dem Fenster und behaupte, dass er während der Story auch ein paar Mal gerettet und aufgemuntert werden muss. So funktioniert eine gute Gruppendynamik in RPGs. Ansonsten braucht es keine Gruppe. Und wenn diese Gruppe einmal alle 30 Jahre nur aus Männern (“XV”) oder aus Frauen (“X-2”) besteht, dann ist mir das eine im Grunde willkommene Abwechslung. Über die Ausführung lässt sich gerne streiten, nicht aber über das Prinzip.

Featured Image via Flickr by Charlie

Am Abgrund Links – Final Fantasy, Fan-Filme und Feminst Easter Eggs

Der Hyperlink ist einer der revolutionärsten Erfindungen der modernen Menschheit. Zeit also, ihn im Rahmen unserer Möglichkeit zu würdigen. Unsere Sammlung der interessantesten Hyperlinks dieser Woche, verlinkt als Link. Hyper, Hyper!

ANNI

  • Ha, ich poste auch mal was zu Spielen! Portal 1 und haben mich damals total begeistert und daher hat mir diese feministische Analyse (ja, so kann man* das schon fast nennen) gestern den Tag versüßt.
  • Reaktionäre – was an denen nervt hat der Spiegel sehr schön und pointiert auf den Punkt gebracht.
  • Kinderbereuung ist auch deshalb ein so großes Streitthema, weil wir einen Mutterkult haben – nicht erst seit den Nazis. Wo der herkommt und wie er aussieht kann man* hier nachlesen. Vielleicht nicht neu, aber dafür immer noch aktuell.

JOHANNES

  • Als großer Fan von Civilization und Konsorten möchte ich den Interessierten unter euch diese ausführliche Reportage von Gamasutra über die Entstehung des ersten Civilization empfehlen. Nehmt euch ein bisschen Zeit und ich wette, am Ende juckt es euch genau wie mir in den Fingern, mal wieder stundenlang ein Reich aufzubauen.
  • Fan-Filme, vor allem im Fantasy-Bereich, haben aufgrund niedrigen Budgets, Laiendarstellern und schlechter CGI oft einen gewissen Fremdschämfaktor. Moderne Digital-Kameras, Selbstverlag über das Internet und nicht zuletzt Finanzierungsmöglichkeiten wie Kickstartet lassen mittlerweile Indie-Regisseure Filme drehen, die nicht mehr ganz so “billig” wirken. Sind Fan-Filme also die große Hoffnung für Nischengenres wie den Fantasy-Film?
  • Gestern war Weltfrauentag, deshalb hier eine kleine kurze Aufzählung von wichtigen Frauen in der Physik.

MAX

  • Hype… blah, blah. Unrealistische Vorstellung… blah… warum nur männliche Charaktere… blah… hate… Es sieht super aus und Genaueres werde ich noch schreiben… Ich möchte es einfach mögen und entgegen mancher Grafik-Fetischisten, die da ein zwei Pixel weniger als zuvor sehen freue ich mich mit jedem neuen Video mehr.
  • Und anlässlich zum gestrigen Weltfrauentag ein Kommentar, den ich höchst hoffnungsvoll und optimistisch geschrieben finde. “Not all men” muss kein Totschlagargument sein. Nur anstatt zu jammern und in Abwehrhaltung zu gehen, muss jeder etwas für eine gleichberechtigte Gesellschaft tun. Und das geht in einer Gesellschaft nun einmal IMMER über die eigene Nase hinaus.
  • In diesem Zusammenhang auch gleich ein wenig Werbung für einen meiner Lieblingsautoren. Michael Chabon hat 2009 mit “Manhood for Amateurs” Erfahrungen seines Kind-, Mann- und Vaterseins in Essays verarbeitet. Mehr oder minder passend dazu hat seine Frau Ayelet Waldman “Bad Mother” veröffentlicht, welches das Bild der Mutter und des Selbstverständnisses dieser Rolle behandelt. Mein Tipp: Wenn ihr nur ein Buch lesen wollt, dann lest dasjenige über das andere Geschlecht. Da gibt es bestimmt noch mehr zu erfahren. Als Gedankenanstoß taugen diese kurzweiligen Bücher allemal.

Featured image by Rennet Stowe

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