Tag: Crowdfunding

Mehr Spieler – Der Jahresrückblick 2015, Part Deux

Nachdem wir euch kurz vor dem Jahresende mit unserem Rückblick auf das Ende der Open World eingestimmt haben, folgt hier nun unser zweiter Teil, mit all den Themen, die wir eigentlich schon beim letzten Mal besprechen wollten. Da dies ein Rückblick auf das letzte Jahr ist, reden Max und ich naturgemäß über viele Dinge, die im letzten Jahr immer mal wieder aufgetaucht sind, manche haben es sogar zu ausgewachsenen Podcast-Episoden oder Blogbeiträgen gebracht. Dazu gehören meine Gedanken zur Jagd nach Fotorealismus, unser Gespräch über Crowdfunding für Videospiele mit Fig und natürlich die Frage: Was zur Hölle geht bei Konami ab?

Es bleibt uns nur noch zu sagen, dass ihr hoffentlich Spaß mit dieser Folge habt und wir freuen uns auf ein neues Mehr-Spieler-Jahr 2016!

Am Abgrund Links – Neues Asylrecht und einstweilige Verfügungen

Immer wieder Montags kommt die Erinnerung (dubidubidubdub). Ausdauer, Freude und Gesundheit für die nächsten Wochentage mit ein paar Links, die uns so begegnet sind.

Johannes:

  • Nutzt ihr AdBlocker? Persönlich nutze ich ja das NoScript-AddOn für Firefox, das blockiert gleich alle potentiell gefährlichen Scripts auf einer Webseite – und damit auch Werbung. Nach Meinung des Axel-Springer-Verlags ist das aber anscheinend illegal. Denn der hat per einstweiliger Verfügung durchgesetzt, dass die Anbieter des AdBlock Plus, Eyeo aus Köln, mit ihrem Produkt nicht mehr die Werbung auf der Seite von Bild.de umgehen dürfen. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, zumal es gegenteilige Rechtsprechungen von anderen deutschen Gerichten gab. Es zeigt jedoch, wie wichtig die Werbeeinahmen für alle Webseiten sind und schließlich stellt sich auch die Frage, wie sinnvoll eine werbefinanzierte Internetwirtschaft ist. Es wird Zeit, nach alternativen Modellen Ausschau zu halten.
  • In eine ähnliche Kerbe schlägt Nina Paley in einem TED-Vortrag in Maastricht. Sie setzt sicht nicht für eine Reform, sondern gleich für die Abschaffung von Urheberrechten ein. Ihre Begründung: Urheberrechte nutzen fast ausschließlich den Verwertern, nicht den Künstlern. Und deshalb ruft sie dazu auf, Copyright einfach zu ignorieren. Auch eine Lösung?
  • Wie schon in meinem Bericht über das Berliner Anspielevent zu “Assassin’s Creed: Syndicate” angedeutet, tue ich mich schwer mit der Spielereihe. Ähnlich ergeht es auch Markus Dittmar von Superlevel, den die ewigen Vergleiche mit den Vorgängern der Assassinen-Serie auf die Nerven gehen. Wie sehr sich dieser Eindruck aufdrängt, fällt bei einem Vergleich der Reviews auf: Assassin’s Creed wird fasst immer im Kontext seiner Vorgänger bewertet, was Neuankommende in der Serie natürlich ein wenig vor den Kopf stößt. Gleichzeitig zeigen die unterschiedlichen Bewertungen, dass der Serie massiv die Puste ausgeht. Es scheint, als hieße das Motto für Assassin’s Creed: Innvation oder Tod.
  • Für alle Menschen dort draußen, die erstens massiv Zeit haben und sich zweitens ebenso massiv für Videospieleproduktion interessieren, sei die Dokumentation zur Entstehung von Double Fines “Broken Age” ans Herz gelegt. Die turbulente Entwicklung wurde in nicht weniger als zwölfeinhalb Stunden Serienmaterial gepresst und kann auf YouTube angesehen werden. Wer nur ein bisschen Zeit hat, kann auch die Zusammenfassung von ArsTechnica goutieren.

Max:

  • Vorab etwas Leichtes: Selbst dem Trierischen Volksfreund ist “Assassin’s Creed: Syndicate” wichtig genug, um den merkwürdig verschachtelt geschriebenen Artikel der dpa abzudrucken. Da ich dieses Jahr sowieso Gnade walten lasse, freue ich mich über jedwede Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gegenüber Videospielen, die nichts mit der “Killerspiele”-Diskussion zu tun haben. Ich vermute immer noch, dass der Artikel sowieso nur geschaltet wurde, weil im neuesten Ableger uns’ Karl Marx einer der Auftraggeber ist.
  • Außerdem finden die League of Legends Finals in Berlin statt. Ob es überhaupt noch Karten gibt, weiß ich nicht. Ein paar große Namen der Gamer- und auch der Youtube-Szene werden vor Ort sein, sodass sich das ganze wie große Selbstverherrlichung anfühlen darf. Was Schauspieler können, können Gamer doch schon lange… nun ja… zumindest seit es Videospiele gibt.
  • Zu ernsteren Themen: Das neue Asylrecht tritt in Kraft. Bevor alle auf die Barrikaden gehen, ganz gleich auf welcher Seite sie stehen, kann man sich in Ruhe durchlesen, was genau bestimmt wurde. Es soll hilfreich sein, wenn man weiß, wovon man redet.
  • Abschließend ein kleiner “Lifehack”, wobei ich es ganz altmodisch eine Eselsbrücke nennen würde. Unter anderem hat der Postillon das Thema letzten Monat mal wieder angesprochen. Es geht um eine Verwechslung, die so alt wie die Zeit ist. Wann schreibt man seid und wann seit? Wer darüber immer wieder mal kurz nachdenken muss, der kann sich die ZeiT zu nutze machen. Bei dieser wissen die meisten hoffentlich, dass sie mit einem T am Ende geschrieben wird. Sprecht ihr über einen ZeiTraum, dann benutzt ihr das seit mit T am Ende. Wenn der Zustand oder in gewisserweise auch das Dasein von etwas mit einem Adjektiv ausgeschmückt werden soll, dann benutzt ihr seid mit D wie in Dasein.
    Beispiele zur ZeiT: Seit 1982 lebe ich schon. Seit 9:30 warte ich auf mein Schoko-Nuss-Waffelgebäck.
    Beispiele zum Dasein: Ihr Nazis seid doch scheiße. Wenn ihr ein Problem mit Hertha BSC habt, dann seid ihr nicht meine Freunde.
    (Die Inhalte der Beispiele sind absolut zufällig generiert.)
    Und jetzt zum Abschluss ein Test. Habt ihr das Prinzip verstanden? Dann findet nun den Fehler:
    Übung: Nicht erst seit Gestern seit ihr so komisch.
    Fragt Mama und Papa nach dem richtigen Ergebnis bzw. checkt, ob die die Alten das überhaupt selbst auf die Reihe bekommen. Seid mir nicht böse, aber dieser Eintrag schwebt mir schon seit einiger Zeit vor und vielleicht kann ihn tatsächlich jemand gebrauchen.

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Am Abgrund Links – Frauen mit virtuellen Knarren, Grenzkontrollen und die Extremismustheorie

Der September ist zugegebenermaßen nicht mehr der Jüngste, aber zumindest wird einem langsam bewußt, dass das Jahr sich dem Ende zuneigt. Der perfekte Zeitpunkt also, sich nochmal die Ereignisse der letzten Woche vor Augen zu führen:

Anni

  • Die Extremismustheorie und ihre Gefahren hatte ich ja schon vor einigen Wochen angeschnitten. Jetzt hat die Bundeszentrale für Politische Bildung ein Buch über Linksextremismus auf den Markt gebracht, dass ganz tief in die Klischeekiste greift und nicht nur wegen des Titels und der aktuellen politischen Lage ein bisschen fehl am Platz wirkt.
  • Das Bärte schon seit längerem ein Trend sind, sollte für niemanden etwas Neues sein. Das es sich dabei aber wieder einmal um ein Privileg weißer Männer* handelt wird hier erklärt.

Johannes

  • Fangen wir mal an mit einer sicheren Bank für interessante Inhalte: Rock, Paper, Shotgun hat sich nach den zurückliegenden Veröffentlichungen diverserer Kickstarter-Projekte Gedanken zum derzeitigen Stand von Crowdfunding gemacht. Max und mir pinselt es natürlich den Bauch, wenn so große Namen sich ein Beispiel an uns nehmen (höhö), auch wenn die Damen und Herren nicht zu unserem Schluss kommen, dass vor allem Kickstarter ein Anlaufpunkt für große Namen geworden ist. Stattdessen schreiben sie über die Fragwürdigkeit von Riesen-Projekten wie Star Citizen und bitten darum, doch mal öfters auf itch.io zu schauen. Denn was in der Musik gilt, ist auch im Videospielebereich nie verkehrt: Mehr Indie schadet nie.
  • Ohne Witz: Die ehemlige Kunstlehrerin meines kleinen Bruders war professionelle Counter-Strike-Spielerin (aber fragt mich nicht, welche Version). Es ist schade, dass dies so erwähneswert ist, mehr Normalität von Frauen im eSport wäre etwas wunderbares. Ebenfalls bei Rock, Paper, Shotgun findet sich zu diesem Thema, speziell in Bezug auf Counter-Strike, ein interessanter Artikel. Nicht nur, weil Profi-Spielerinnen von ihren Erfahrungen auf gemischtgeschlechtlichen und reinen Frauen-Turnieren erzählen, sondern auch weil klar wird, welche große (und abschreckende) Hürde noch immer die frauenfeindliche Haltung im Internet spielt.
  • Kommen wir zur Politik und damit zunächst zu einem kleinen Nachtrag in Sachen Bundestag-Hack (ihr erinnert euch?): Mittlerweile weiß man, dass es ein klassischer Phishing-Versuch über eine getarnte Webseite mit un.org-Adresse war.
  • Die seit langem (dafür teilweise zurecht) schwächelnde Labour-Party in Großbritannien hat einen neuen Vorsitzenden gewählt. Jeremy Corbyn heißt der und bei ihm wird vor allem hervorgehoben, dass er relativ stringent gegen alles gestimmt hat, was seiner Meinung nach falsch war. Ein Politiker also, der tatsächlich nicht an Macht, sondern Allgemeinwohl interessiert ist? Tony Blair, als dessen Gegenpol Corbyn bezeichnet wird, prophezeite vor der Wahl jedenfalls den Untergang der Labour-Party. Vielleicht ist das ja ein gutes Zeichen?

Max

  • Bevor wir zu traurigeren Nachrichten kommen, wenden wir uns doch ein wenig Ablenkung zu. Die Tokyo Game Show (TGS) steht bevor und ich werde euch auch nächste Woche damit nerven. Abseits der TGS möchte ich mich allerdings mit dem großen Fragezeichen “Hitman” befassen. Ein Spiel, welches sich “stetig entwickeln” soll, aber gleich zu Beginn für den AAA-Vollpreis erscheint. Mikrotransaktionen soll es keine geben, doch DLCs sind durchaus sicher. Bei einem “stetig entwickelndem” Spiel stellt sich mir da die Frage, wie wichtig diese DLCs sein werden. Überhaupt stellen sich einige größere Fragen zu einem solchen Projekt. Zeitlich begrenzte Aufträge werden genannt. Heißt das, dass ein Spieler, der das Spiel erst später erwirbt Inhalte “verpassen” wird? Wie wichtig ist die Online-Verbindung bei einem solchen Spiel und was bleibt nach 1-2 Jahren, wenn die Server wie bei FIFA und Co. eventuell abgeschaltet werden? Es wäre schön, wenn Square Enix und/oder IO Interactive Tacheles reden könnten.
  • Ich war am Wochenende Fußball gucken und Kuchen essen. Das heißt, dass ich ein Wochenende ohne Sorgen hatte. Ganz ohne Sorgen blieb es dann aber natürlich nicht, da wir auf der Heimfahrt auf die glorreiche Idee kamen Nachrichten zu lesen. Wir haben jetzt wieder Grenzkontrollen an Deutschen Grenzen. An Deutschen Grenzen, die eigentlich keiner Kontrolle mehr bedürfen sollten. Und wofür hat die EU eigentlich einen Nobelpreis bekommen? Dafür, dass alle in der Nase bohren und hoffen, dass jemand Anderes übernimmt? Nimm’ du, ich hab ihn sicher! Von wegen! Und nicht einmal der feixende Fußballer in mir kann mir solche Nachrichten mit zuvor mal wieder höchst investigativen Artikeln des Postillons schönreden. In Berlin musste ich auch erste Abschiebungen beobachten und miterleben, als ein paar Tausend Menschen aus Stuttgart nach Hause geschickt wurden. Mit 2:1. HA HO HE! Und der vegane Schokokuchen in Friedrichshain war auch ziemlich mächtig.

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Mehr Spieler – Crowdfunding mit Feigen

Es kann nicht oft genug gesagt werden: Crowdfunding ist eine tolle Sache und gleichzeitig eine wichtige Entwicklung, auch gesellschaftlich, insbesondere aber für Videospiele. Denn in einer Zeit, die geprägt war (und noch immer ist) von Fortsetzungen und sich immer mehr gleichendend “Open World Action Adventure”-Spielen (ein mittlerweile sehr generisch benutzter Terminus), haben Spiele wie Wasteland 2, Pillars of Eternity oder FTL bewiesen, dass auch ein Leben jenseits der drei As möglich ist. Leider hat Crowdfunding aber auch ein Problem: Fairness.

Dazu müssen wir uns nochmal das Prinzip Crowdfunding für Videospiele aus der Nähe ansehen: Der Deal ist, dass ich jetzt Geld ausgebe, um später (vielleicht) ein Spiel billiger zu bekommen (und eventuell noch irgendwie in’s Spiel integriert werde, wenn ich eine unsinnige Summe Geld dafür ausgebe).
Jede*r Unterstützer*in geht dabei aber eine Art unternehmerisches Risiko ein. Denn welche Sicherheit habe ich, dass die Entwickler ihre Versprechen halten und die angekündigten Features ins Spiel einbauen? Wer garantiert mir, dass ich am Ende überhaupt ein Spiel erhalte?

Zwo – eins – Risiko!

Nun könnte mensch argumentieren: Das Risiko ist dadurch abgegolten, das ich ja gegenüber dem Ladenpreis spare. Aber was ist mit den Leuten, die mehr als zwanzig oder dreißig Euro ausgeben? Die sparen ja nicht und haben dabei trotzdem das Endprodukt ermöglicht. Speziell bei einem großen Erfolg nach der Fertigstellung ergibt sich die Frage: Wenn das Spiel soviel Geld macht, dann liegt das ja auch an meiner Unterstützung; sollte ich daher nicht auch “ein Stück vom Kuchen” abbekommen, obwohl ich nur ein paar Gramm Mehl in den Teig gemischt habe?

Und dann gibt es da noch den Fall “Investor”. Bekanntestes Beispiel ist Oculus Rift und Facebook: Nachdem Oculus mit vielen Millionen Dollar einen Erfolg auf Kickstarter feiern konnte, stieg bald Facebook als Investor ein. Deren Geld wurde durch den Kauf von Facebook fast entwertet, auch wenn weiterhin behauptet wurde, dass die Unterstützerinnen ihre Gegenleistung erhalten werden. Nur ändert solch eine Investition das Ziel eines Crowdfunding-Projektes grundlegend: Geht es vorher in erster Linie um die Umsetzung (und dann den Profit), steht nach einer Investition der Profit im Fokus. Das ändert zwar nichts am Ziel der Umsetzung, aber diese könnte durch Anpassungen an einen Massenmarkt (Mehr Profit!) herausgezögert oder noch schlimmer: Das Produkt könnte in einigen Bereichen grundlegend geändert werden.

Via Flickr, by Victoriafee

cat prank glasses_victoriafeeSo könnte sich Facebook entscheiden, dass Oculus mehr Katzencontent braucht.

Dieses Fairness-Problem zwischen großen und kleinem Kapital versucht nun eine neue Crowdfunding-Plattform zu adressieren. Bei “Fig” handelt es sich um ein Projekt des ehemaligen Geschäftsleiters von Double Fine, Justin Bailey. Der hat auch gleiche einige andere bekannte Namen in’s Boot geholt: Tim Schafer, Feargus Urquhart und Brian Fargo bringen die Erfahrungen aus ihren jeweiligen, sehr erfolgreichen Kickstarter-Kampagnen mit. Bei Fig geht es einerseits darum, eine Plattform speziell zum Crowdfunding für Videospiele zu erstellen, andererseits soll aber jede*r Ünterstützer*in die Möglichkeit haben, eine “Investition” zu leisten. Dadurch soll jede*r Backer*in auch am späteren finanziellen Erfolg des Spiels teilhaben können. Bisher geht das nur für zertifizierte Investoren mit jeder Menge Kohle in der Hinterhand, man arbeite aber daran, so Bailey, dass jede*r Mensch eine Investition leisten und später ausbezahlt werden könne.

Somit könnte Fig also zu mehr Innovation durch besseres und gezielteres Crowdfunding von Videospielen führen – die Projekte werden vor ihrer Freischaltung streng kuratiert -, gleichzeitig aber auch das inhärente Fairnessproblem im Crowdfunding mildern. Vor allem dann, wenn wie bei Ritual of the Night oder Shenmue III, die Kampagnen weniger als Realisierungsprojekt, sondern vielmehr als Machbarkeitsstudie seitens der AAA-Publisher verstanden werden. Denn damit kommen wir wieder zum Investoren-Problem, das ich oben beschrieben habe. Kickstarter ist somit zu einem weiteren Spielball der Industrie-Magnaten (EA, Sony, Mircosoft, Ubisoft etc.) verkommen.

Fokusgruppe Kickstarter

(Kurzer Exkurs am Rande: Die Tatsache, dass große AAA-Firmen Kickstarter-Projekte unterstützen, um ihre Investitionen abzusichern, lässt in mir die Frage aufkommen, wozu die AAA-Publisher dann noch diese verdammten Fokusgruppen-Tests machen? So könnte Sony beispielsweise genauso gut einen Fokusgruppentest durchführen lassen, bei dem bestimmt herauskommen würde, dass Shenmue unbedingt einen amerikanischen, weißen, heterosexuellen Helden mit tiefer Stimme und Militärvergangenheit braucht, um Erfolg zu haben. Anders gesagt: Wenn von Fokusgruppen auf Kickstarer umgeschwenkt wird, was sagt das über die Effektivität von Fokusgruppen-Test? Und vor allem: Was sagt das über die Entscheidungsfindungsstrukturen bei Sony?)

Ist Fig also die Lösung der Fairness-Probleme? Nein, sicher nicht. Aber es ist ein wichtiger Versuch, dieses Ungleichgewicht zu adressieren und in eine konkrete Plattform umzuwandeln. Egal ob Fig Erfolg hat oder nicht, es zeigt, welche massiven Schwierigkeiten beim Crowdfunding gerade herrschen. Und deshalb ist die Entstehung dieser Plattform wichtig.

Featured Image by Walde

Am Abgrund Links – Kein Cent für Sony und trotzdem japanische Musik

27 Wochen sind im Jahr 2015 schon vergangen, die Hälfte des Jahres ist rum, der Sommer hat begonnen. Weil wir gehört haben, dass Menschen im Sommer normalerweise raus gehen und so Sachen machen wie “in den Park legen”, “grillen” oder “die Sonne genießen”, versuchen wir euch mit unseren Links aktuell zu informieren. Es muss ja jemand zuhause bleiben und Nachrichten lesen. Hier nun die Dinge, die wir wichtig fanden und mit euch teilen wollen.

JOHANNES

  • Wir haben uns in den letzten Podcasts bereits ausführlich mit der Schwierigkeit von AAA-Kickstarter-Projekten beschäftigt. Besonders die Ankündigung des Kickstarter-Projektes Shenmue 3 auf der Sony-E3-Pressekonferenz hatte nicht nur für uns einen bitteren Beigeschmack. Deshalb bemüht sich Projektleiter Yu Suzuki auch um eine Beschwichtigung der Gemüter und versichert, dass Sony “keinen Cent” des Kickstartergeldes sehen werde. Was aber wiederum nicht den Umstand wett macht, dass ein Riesenkonzern wie Sony versuchen wird, einen Haufen Kohle mit einem Crowdfunding-Titel zu machen, den sie durchaus auch selbst hätten entwickeln können.
    In diesem Sinn lohnt es sich auch diesen längeren Artikel von Ars Technica zu lesen. Denn trotz des manchmal eher fragwürdigen Umgangs mit Kickstarter und den Schwierigkeiten mancher Projekte, doch noch zur Umsetzung zu gelangen, bleibt Crowdfunding eine sehr spannende Entwicklung für unabhängige Küstler*innen und Unternehmer*innen.
  • Die Nachwehen der E3 ebben langsam ab und nachdem vielen der (durch Übermüdung hervorgerufene) rote Schleier von den Augen abfällt, bleibt auch nach dieser großen Messe wieder Ernüchterung. So liefern die Damen und Herren von Superlevel die E3-übliche Beschwerde, dass es kaum neue Titel in Los Angeles zu sehen gab, sondern hauptsächlich Fortsetzungen. Recht haben sie, aber das wird leider bereits seit zwanzig Jahren bemängelt. Trotzdem mindert das nicht die berechtigte Kritik. Vielleicht ist jedoch die E3 der falsche Ort, um wirkliche Innovation von den AAA-Monstern zu erwarten.
    Was wir jedoch gesehen haben, sind jede Menge Aufforderungen, schon jetzt Spiele vorzubestellen, von denen wir allerhöchstens Szenen aus einer Alpha-Version gesehen haben. Dabei ist das PC-Umsetzungsdebakel des letzten Batman-Teils nochmals ein wunderbarer Beweis für den Preorder-Irrsinn. Es kann nicht oft genug gesagt werden.
  • Ah, Cyberpunk. Vielleicht könnte mensch attestieren, dass dies die letzte große Innovation in der Science-Fiction war. Wer in die 90er-Jahre und ihre Vorstellung vom Internet abtauchen will, der lasse sich von dieser umfangreichen Liste an Cyberpunk-Literatur inspirieren.
  • Bereits vor zwei Wochen hatte ich einen Text von Katherine Cross verlinkt, der auf die Problematik fehlender Diversität besonders in Fantasy-Werken (hier am Beispiel von The Witcher 3) hinwies. Die Diskussion geht weiter und in einem Artikel für Boing Boing demontiert Sidney Fussel die meist vom eigenen Privileg verblendeten Argumente vieler Diversitäts-Gegner.

MAX

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Am Abgrund Links – Crowdfunding und heilige Kriege

26 Wochen sind im Jahr 2015 bereits vergangen, die Hälfte des Jahres ist rum, der Sommer hat begonnen. Weil wir gehört haben, dass Menschen im Sommer normalerweise raus gehen und so Sachen machen wie “in den Park legen”, “grillen” oder “die Sonne genießen”, versuchen wir euch mit unseren Links aktuell zu informieren. Es muss ja jemand zuhause bleiben und Nachrichten lesen. Hier nun die Dinge, die wir wichtig fanden und mit euch teilen wollen.

JOHANNES

  • In unserem E3-Podcast und bereits vorher, als wir erneut über Crowdfunding für Videospiele sprachen, haben Max und ich vor einem Missbrauch von Crowdfunding durch große Publisher gewarnt. Sony hat genau das jetzt mit Shenmue 3 getan und Kickstarter als “Maßeinheit für den Bedarf nach mehr Shenmue” genutzt. Das ist schädlich für das Videospiel-Crowdfunding, weil die Budgets für Kickstarter & Co. dadurch arg in die Höhe getrieben werden, so hoch, dass kleine Indie-Projekte kaum noch eine Chance haben. Zum Glück sehen nicht nur wir das so. Bitte, liebe Leserinnen und Leser, unterstützt keine Crowdfunding-Projekte, die es vor vorneherein darauf anlegen, von einem großen Publisher bezuschusst zu werden!
  • Ihr erinnert euch noch an den Bundestag-Hack? Der wurde erstmal Mitte Mai gemeldet. Nun gibt es eine erste Untersuchung dazu, allerdings nur von den Servern der Linksfraktion, deren Infizierung mit Malware nicht unbedingt mit dem Bundestags-Angriff zusammenhängen muss. Netzpolitik.org hat die Ergebnisse zusammengefasst, den vollständigen Bericht gibt es ebenfalls dort.
  • Feminismus und Kriegspropaganda – das passt zunächst nicht zusammen. Aber wenn wir an die Bilder glücklicher, weil “befreiter” afghanischer Mädchen denken oder die schrecklichen Berichte von Taliban-Angriffen auf Mädchenschulen, dann wir klar, wie Frauen oft genug zu Propagandazwecken instrumentalisert werden. Das zieht sich bis weit in den (west-)europäischen Feminismus hinein. “Feministische Islamkritikerinnen” werfen dann beispielsweise kopftuchtragenden Muslima vor, von ihrer Religion unterdrückt zu werden und anscheinend nicht in der Lage zu sein, eigene Entscheidungen zu treffen. Auf dieses Spannungsverhältnis von westlichem Kolonialerbe und dem Selbstbewußtsein muslimischer Frauen geht Telepolis in einem Interview mit dem Politikwissenschaftler Jörg Becker ein.

MAX

  • Heute gibt es nur einen Link von mir, weil er eure komplette Aufmerksamkeit verdient. Der Papst wirft christlichen Waffenherstellern Heuchelei vor. Der Artikel in der Süddeutschen dazu, ist gar kein richtiger Artikel. Es ist eine Nachricht. Es findet keine Reflexion und kein in Verhältnis setzen statt. “Der Papst hat gesagt… deutlicher als je zuvor”, heißt es dort nur kurz. Ja, und? Nuschelt der gute Mann oder warum waren seine Worte vorher undeutlich. Dabei hat der Papst allen Grund bei einer solchen Gegebenheit zu nuscheln. Denn es war einmal vor langer Zeit, da wurden Waffen nicht einfach nur von Christen geschmiedet, sondern auch im Auftrag der Kirche und des Herrn gesegnet. Wenn ein Papst Urban II. zum Krieg gegen die Muslime aufruft, dann ist damit kein Debattier-Abend im damals nicht vorhandenen Fernsehen gemeint. Das Christentum ein hat ein dickes, fettes Kapitel voller Mord und Totschlag und entweder war es ein riesiger Missbrauch des Namen Gottes oder Christen sollten als höher gestellte Menschen ein Recht haben über Leben und Tod anderer zu entscheiden. Na, das ist doch ein fantastisches Weltbild! Und so schön (naiv) die Aussage des Papstes auch ist, so unreflektiert sieht sich die Kirche mal wieder als Stütze der frühen Kriegsführung. Missioniert wurde nicht allein mit Worten, sondern auch mit Taten. Und diese Taten sprachen oftmals durch das Schwert.

Featured Image by John C Bruckman

Mehr Spieler – Mehr E3 2015

Wir schlagen uns mit Rhetorik-Macheten durch das PR-Dickicht der E3 und suchen nach Informationen, handfesten Eindrücken und lassen auf dem Weg die ein oder andere Meinung zurück. Dabei bleibt wieder mal kein Auge trocken und in aller Fairness haben es uns einige Entwickler auch nicht schwer gemacht. Das kann allerdings auch positiv verstanden werden, da die E3 2015 auch ohne große Überraschungen, zumindest ein paar sehr schöne Trends und Eindrücke vermitteln konnte. Und wir reden nicht einmal über das angekündigte “Final Fantasy VII” Remake. Hört her und staunt!

Erwähnte Vorfolgen: Kickstarter für Fortgeschrittene und erste Einschätzungen zu Mobile Games und F2P im Rahmen der Konami-Krise

 

Via Flickr by Rick R. 1

Ein Blick auf Shadowrun Returns

Die Neunziger. Damals war die Welt noch einigermaßen in Ordnung. Die Mauer war gefallen, die Sowjetunion hatte sich aufgelöst und die USA schienen die Guten zu sein – irgendwie auf ihre Art. Und mittendrin entstand dann auch noch diese elektronische Tanzmusik, welche mit bisher ungekannten Klängen und völlig nervigen Bässen unsere Ohren bezauberte. Zum Glück aber gab es einige halbwegs mutige Leute, welche diese Idylle nicht ganz geglaubt haben und ihre eigene Welte etwas in die Zukunft extrapolierten. Heraus kam das Genre Cyberpunk, mit William Gibson als seinem bekanntesten Vertreter (ja, ich weiß, es begann alles schon in den Achtzigern…). Und aus dem Cyberpunk entstand ein bemerkenswertes Pen&Paper-Rollenspiel, welches auf eine Mischung aus diesem neuen und einem alten Genre setzte: der Fantasy.

Bei besagten Rollenspielregelwerk handelt es sich um Shadowrun. Dort werden Cyberpunk-Themen wie die Matrix, Konzerne, Kybernetik, Hacking usw. verbunden mit typischen Fantasy-Elementen: Zwerge, Elfen, Orks und Trolle, dazu kommen noch Magie, Geister und ätherische Zwischenwelten. Eigentlich klingt das ja nach einem ziemlich spannenden Mix (auch wenn mensch es meiner Meinung nach bei Shadowrun ein bisschen mit der Magie übertrieben hat) und hervorragend geeignet für Videospiele. Umso verwunderlicher ist es, dass es bisher nur drei nennenswerte Shadowrun-Videospiele gab: Jeweils eins für den SNES und den Mega Drive, sowie eins für PC und Xbox 360. Ein weiteres Spiel im Shadowrun-Universum erschien exklusiv in Japan als CD-Addon für den Mega Drive und soll hiermit aufgrund seiner Obskurität keine wirkliche Rolle spielen.

segacd_injuIch weiß noch, wie ich versucht habe, meine Mutter zu überreden, dass sie mir das CD-Addon für den Mega Drive schenkt. War wohl besser so. By inju, via Flickr.com

Die älteste und gleichzeitig bekannteste Version ist wohl jene für den (das?) Super Nintendo. Erzählt wird die Geschichte von Jake Armitage, der eigentlich tot sein sollte, darüber hinaus an Amnesie leidet und nun herausfinden muss, warum er noch lebt und wer oder was ihn eigentlich umbringen sollte. Das Ganze verläuft ziemlich linear und mensch interagiert SNES-untypisch mit einer Art Mauszeiger, über welchen mensch übrigens auch seine Gegner angreift. Ingesamt etwas hakelig bietet das Spiel zumindest eine interessante Story, welche das Amnesie-Thema glücklicherweise auch ordentlich umsetzt.

Die meiner Meinung nach beste Umsetzung des Shadowrun-Themas hat der Mega Drive erfahren. Die Steuerung und das Design ist hier etwas direkter als bei der Version für Nintendos Konsole. Das Besondere (und für mich typische für ein Shadowrun-Spiel) war die große Freiheit: Es gab zwar eine Hauptstory, aber mensch war zu keiner Zeit gezwungen, ihr zu folgen (außer mensch wollte das Spiel auch mal abschließen). In bestimmten Locations gab es sogennante Mr. Johnsons, die euch mit Aufträgen, im Shadowrun-Dialekt „Runs“, versorgt haben. Diese waren zufallsgeneriert, liefen aber meist nach dem selben Muster ab und hatten ganz unterschiedliche Schwierigkeiten. Bei Runs gegen die Konzerne mussten meist Daten und Päckchen beschafft oder Mitarbeiter „abgeworben“ werden. Da kam es meistens auf klandestines Vorgehen an, bei Matrix-Runs hingegen brauchte mensch gute Fähigkeiten am sogenannten Cyberdeck (weil 1994 Laptops noch nicht so populär waren).

Den Vogel schoss Microsoft dann mit seiner Shadowrun-Interpretation ab. Ein Multiplayertitel mag im totalvernetzten Shadowrun-Universum noch Sinn machen, aber ein Team-Shooter? Aus der Ego-Perspektive? Warum musste dafür diese Lizenz herhalten? Was dachten sich die Entwickler*innen bei der Umsetzung? Über die Qualität des Spiel kann ich nichts sagen, aber ganz ehrlich: Es gibt keinen Grund dieses Spiel heutzutage zu spielen. Im Gegensatz zu den Konsolenvorgängern.

shadowrun dice_badcat13Ein Vorteil jeglicher Computerrollenspiele: Keine Würfel. Speziell weil das bei Shadowrun echt ausarten kann. By BadCat13, via Flickr.com

Tja, und das war’s leider auch mit der Geschichte der Shadowrun-Spiele. Sogar das deutsche Fantasy-Rollenspiel Urgestein Das Schwarze Auge hat es da zu mehr und rühmlicheren Inkarnationen gebracht. Wahrscheinlich wollten sich das Serien-Schöpfer Jordan Weisman und sein Team bei Harebrained Schemes nicht gefallen lassen und starteten deshalb vor über einem Jahr eine Kickstarter-Kampagne, um Shadowrun wieder auf die Bildschirme (zumindest PC-Bildschirme) der Welt zu holen. Ich war damals begeistert von der Vorstellung, endlich wieder in die stimmungsvolle Welt von Shadowrun abzutauchen, weshalb ich das Projekt mit 15 Nuyen Dollar unterstützt habe, was im Nachhinein bei einer Gesamtsumme von etwas über 1,8 Millionen US-Dollar lächerlich wenig ist. Wie dem auch sei, am 25. Juli war es soweit: Shadowrun Returns wurde zum Download via Webseite und Steam freigeschaltet. Shadowrun ist wieder zurück, aber auch zurecht?

Man muss dazu sagen, dass die Entwickler*innen bereits früh zu verstehen gegeben haben, dass sie in ihrem Verständnis weniger ein wirkliches Spiel programmieren, sondern viel eher einen Baukasten mit Starter-Anleitung. Folgerichtig ist das wichtigste Element bei Shadowrun Returns auch nicht das Spiel, sondern der Editor, der vorab an bestimmte Backer verteilt wurde. Ebenso folgerichtig ist die mitgelieferte Kampagne, „Dead Man’s Switch“ auch nur eine Story unter vielen, welche mensch mit Shadowrun Returns erleben soll. Das macht es umso schwerer, ein zumindest subjektiv gerechtes Urteil über das Spiel zu fällen, schließlich kann sein, das manch findige Modder*innen die Schwächen, welche ich im Spiel ausmache, in ihren Kampagnen ausmerzen können.

shadow run_alexander essAuch eine Form des, ähm, Schattenlaufs. By alexander.ess, via Flickr.com

Zunächst aber zu offensichtlicheren Dingen: Die Grafik ist nicht unbedingt auf höchstem Niveau. Die Hintergründe sind 2D, lediglich die Spielfiguren sind in polygonarmen 3D gehalten. Dafür sind die Figuren aber gut voneinander unterscheidbar und die gemalten Hintergründe und Gegenstände sehen sehr hübsch und stimmungsvoll aus. Mensch merkt allerdings, dass die Grafik eher, wie auch von Seiten der Entwickler*innen angekündigt, für das „klassische“ Shadowrun der 2050er Jahre geeignet ist, weniger für den modernisierten 2070er Hintergrund mit seiner allgegenwärtigen Augmented Realitiy und dergleichen. Für Laien heißt das: weniger Hologramme, mehr Kabel und Neonlicht. Aufgrund des verhältnismäßig geringen Budgets und der doch recht kurzen Entwicklungszeit kann ich die angestaubte Grafik allerdings gut verschmerzen.

Das Spieldesign hält sich eng an die Pen&Paper-Vorlage. Mit Karmapunkten kann mensch sich seinen Charakter selbst zusammenbauen, indem er die Punkte in sechs Grundwerte (Body, Strenght, Quickness, Intelligence, Willpower, Charisma) steckt, welche wiederum verschiedene Untergruppen (wie Feuerwaffen, Nahkampfwaffen, Hackerfähigkeiten, Magie etc.) besitzen. Ein klares Levelsystem gibt es somit nicht, der Kauf von Werten kann quasi jederzeit erfolgen. Wie in Computerrollenspielen leider üblich, fallen dabei die rollenspielerischen Elemente leider etwas unter den Tisch und viele Talente konzentrieren sich auf ihre Auswirkungen im Kampf. So nutzt einem Charisma nur wenig, wenn mensch nicht gleichzeitig einen geisterbeschwörenden Schamanen oder eine Schamanin spielt. Und das Spiel könnte ein paar mehr Erläuterungen geben, welche Änderungen sich wie auswirken. Denn momentan sollte man das Regelwerk der Papiervorlage zumindest in Grundzügen kennen, um eine Vorstellung vom eigenen Spielcharakter entwickeln zu können. Schließlich kennt nicht jeder wichtige Spielbegriffe wie Decking oder Rigging.

serious hacking_theeferWenn die Leute damals gewusst hätten, dass die Zukunft tatsächlich so aussieht. By theefer, via Flickr.com

Die Ausrüstungs- und Upgrademöglichkeiten eures Hauptcharakters sind auch nicht unbedingt vielfältig. So habt ihr in Bezug auf Cyberware zumindest in der Hauptkampagne oft nur die Möglichkeit zwischen einer Basis- und einer Fortgeschrittenenversion. So verleihen euch die Basis-Cyberarme mehr Lebenspunkte, die Alpha-Cyberarme darüberhinaus noch einen Bonus auf eure Stärke. Die Waffen und Outfits müssen alle gekauft werden, klassisches Loot gibt es kaum. Outfits verleihen euch unterschiedliche Boni auf Werte und eure Rüstung, Waffen unterscheiden sich hauptsächlich im austeilbaren Schaden. Groß mit Schalldämpfer oder Smartlinks (womit ihr die Waffe direkt in euer Hirn schalten könnt… Cyberpunk!) könnt ihr die Waffen allerdings nicht ausstatten.

Rennt mensch normalerweise auf den Karten in einer isometrischen Sicht in Echtzeit herum, schaltet das Spiel im Falle eines Kampfes in den Rundenmodus. Der spielt sich aber in der gleichen Perspektive ab und ein bisschen wie das neue XCOM. Eure Charaktere haben (zu Beginn), zwei Aktionspunkte und können hinter Möbeln oder anderen Hindernissen in Deckung gehen. Das heisst, ihr könnt enweder laufen und angreifen, zweimal angreifen oder extra weit laufen. Da sich die Umgebung leider nicht drehen lässt, wird das Steuern eures Runnerteams bisweilen etwas hakelig, speziell wenn Wände oder Gegenstände die Sicht auf den in quadratische Raster unterteilten Untergrund verdecken. Zudem würde ich jeder und jedem raten, bei den Optionen den „double click“ zu aktivieren, weil mensch sich sonst sehr schnell verklicken kann.

cat pc_@jyonnnnWas mensch in den Neunziger nicht vorraussah: Die Begeisterung des Internet mit Katzen. Und vice versa. By @Jyonnnn , via Flickr.com

Hauptsächlich wird das Spiel durch die Text- und Dialogboxen voran getrieben. Die einzelnen Textoptionen sind dabei immer sicht- aber nicht immer anwählbar. Fehlen beispielsweise bestimmte Talente, so bleiben diese Boxen ausgegraut. Meist scheint dies aber kein Problem zu sein, da oft diese Sonderaktionen oft nur eine Verkürzung des eigentlichen Dialogs zur Folge haben. Zumindest scheint dies in der Hauptkampagne der Fall zu sein. Insofern stellt sich damit die Frage, wie nützlich Eigenschaften wie Charisma sind, wenn sie keinen wirklichen spielerischen Zweck erfüllen. Ein nerviges Detail: Während die Textboxen über den ansprechbaren Personen ständig zu sehen sind, verschwinden die Marker für Interaktionen auf der Karte nach einiger Zeit wieder und nur ein rumfuchteln mit dem Mauszeiger aktiviert diese wieder.

Aber die größte Schwäche des Spiels ist meiner Meinung nach seine Linearität. Die Karten sind klein, höchst linear und oft nicht wieder zu betreten. Das macht Nebenquest ziemlich rar und obendrein auch schnell gelöst, denn zusätzliches Geld und Karma lässt sich meist auf derselben Karte abstauben. Echte „Runs“ gibt es auch nur wenige. Die einzige wirkliche Wahlmöglichkeit, die sich im Laufe der Hauptkampagne auftat, war die Wahl zwischen einem Run gegen einen Konzern, um Geld zu bekommen, oder einen anderen Run, um die Story weiterzuführen. Das führt dazu, dass der Spielablauf ganz schnell schematisch abläuft und mensch letztlich immer wieder dieselben Dinge tut. Da hätten größere, abwechslungsreichere Karten mit mehr Interaktionsmöglichkeiten dem Spiel wirklich gut getan. In diesem Punkt, dem Umfang der schlauchartigen Karten sowie der Linearität des Spielablaufs, war ich tatsächlich enttäuscht.

disappointed_heimlich ehrlich chinaskiUnd ich nur so: “Och nö…” By Heimlich Ehrlich Chinaski, via Flickr.com

Es ist in gewisser Weise ironisch, das Shadowrunner*innen oft diejenigen sind, die sich, bewusst oder unbewusst, gegen die Arbeit als Konzernsklavin oder -sklave entschieden haben, um sich ihre Freiheit zu bewahren. Das Spiel kann diese Freiheit, zumindest in der Hauptkampagne, an kaum einer Stelle umsetzen. Es ist natürlich denkbar, dass Modder*innen und Editor*inn*en hervorragende Kampagnen entwerfen, welche diese Kritikpunkte zumindest ansatzweise ausmerzen können. Aber es kann nicht Sinn einer Kickstarterkampagne sein, am Ende nicht ein gutes Spiel zu haben, sondern nur die Möglichkeit eines guten Spiels. Denn: Ein wirklich gutes und empfehlenswertes Spiel ist Shadowrun Returns nicht. Es hakt an manchen Ecken und es geizt mit Rückmeldungen zum Spielablauf. Es sollten sich aber alle, die jetzt Lust auf den Shadowrun-Hintergrund bekommen haben oder ihn schon kennen, sich wenigstens ein Let’s Play vom Spiel anschauen und selbst entscheiden. Die Chance hat das Spiel auf jeden Fall verdient.

Trotz aller Kritik an Shadowrun Returns bin ich froh, dass es dieses Spiel gibt. Nicht nur, weil ich den Hintergrund von Shadowrun mag, da dieser eine angenehme Abwechslung zum Fantasyeinerlei der meisten Rollenspiele bildet. Es freut mich auch, weil es ein Kickstarterprojekt ist, welches es zur Veröffentlichung geschafft hat und somit beweist, dass Crowdfunding im Videospielebereich trotz diverser Fehlkalkulationen und Verschiebungen tatsächlich funktionieren kann.

16 – Crowdfunding

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Auch wir von Mehr Spieler widmen uns dem “It-Thema” Crowdfunding, wie immer erst nachdem der Hype einigermaßen abgeflaut ist. Trotz allem bleibt das Thema aber aktuell, vor allem weil wir ja auch im letzten Podcast festgestellt haben, dass das kommende Jahr 2013 zeigen wird, welche Zukunft dem Crowdfunding im Bereich Videospiele zugedacht ist. Warum, das erfahrt ihr natürlich im Podcast!

Hier noch einige Links zu den erwähnten Spielen und Webseiten:

Kickstarter

Indiegogo

FTL

Wasteland 2

Project Eternity

Shadowrun Returns

Tim Schafers Kickstarter Erfolg

Ouya

Ein wöchentlicher Überblick über erfolgreiche, erfolglose und noch erfolgende Kickstarterprojekte der Leute von Rock, Paper, Shotgun, den wir natürlich schamlos verlinken!

Viel Spaß und bis nächste Woche!

http://www.darangehtdieweltzugrunde.de//wp-content/Zugrunde_Media/32_Mehr_Spieler_Crowdfunding_Outtake.mp3

und als kleinen Bonus findet ihr oben noch einen kleinen Outtake aus dieser Folge, die ihr unten hören könnt!

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