Tag: Chrono Trigger

Replayability: Spiel’ nochmal

“Das Spiel kannst du dir ausleihen. Einmal durchgespielt und dann war es das.”, ist ein oftmals niederschmetterndes Urteil für Videospiele. Im Gegensatz dazu versuchen die beliebten Open-World-Titel auf das Prinzip “bang for your buck” zu setzen. Auch “Fallout 4” und Co. spielen die meisten nur einmal, wenn überhaupt ganz, durch. Das klingt für “echte” Gamer nach einer dreckigen Lüge, ist aber tatsächlich so.

Johannes und ich besprechen, was uns zu Spielen zurückkehren lässt, ob wir zeitintensive Titel wie “The Witcher 3” tatsächlich mehrmals spielen wollen und kommen ganz nebenbei auf die Vorzüge des “Story Modes” zu sprechen. Wir sind gespannt, ob wir wieder nette “Fan”-Post bekommen, dass wir solcherlei Blasphemie zulassen? Wir sollten alle, wie der harte Kern der “Souls”-Community sein, die auf jegliche Hilfe spucken.

Am Abgrund Links – Bloodborne am Karfreitag

Nachösterliche Woche 15 des Jahres 2015. Die Menschheitsgeschichte hat viele Millionen Jahre auf dem Buckel. Trotzdem und gerade deswegen passiert jeden Tag etwas Besonderes. Hier die lesenswerten Dinge, die ihr hoffentlich noch nirgendwo sonst gelesen habt!

JOHANNES

  • Ihr habt noch nicht genug über ein hervorragendes, zwanzig Jahre altes Spiel gelesen? Dann schaut bei venturebeat vorbei, die feiern das Jubiläum von Chrono Trigger ebenfalls.
  • Der Guardian hat bisweilen einige Features zu Videospielen, was den anschein erweckt, dass man in Großbritannien in Sachen mainstreammedialer Rezeption von Videospielen etwas weiter ist als hierzulande (was nun auch weniger überraschend ist). Ein Beispiel: Dieses Interview mit Hidetaka Miyazaki, dem Kopf hinter Bloodborne, der Souls-Reihe und seit deren Erfolg auch Chef von From Software.
  • John Oliver hat den Journalismus in die Comedy gebracht, wenn man so will. Seine Sendung “Last Week Tonight” zeichnet sich durch ein bis zu 20-minütiges Themensegment aus, in welchem Oliver und sein Team sich um ein ganz bestimmtes Thema kümmern und hier fast schon investigativ vorgehen. Kürzliches Highlight: Das Interview mit Edward Snowden, inklusive dem Vorschlag, statt vom NSA-Abhörskandal doch lieber vom “Dick-Pic-Program” zu reden.

MAX

 

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Mehr Spieler – Chrono Trigger wird 20 Jahre alt

Chrono Trigger ist einer der Big Three. Die Big Three sind natürlich nichts Anderes als Johannes’ liebste Lieblingsspiele. Ich behaupte, dass die anderen Plätze an Tropico oder Civilization und Dark Souls vergeben sind. Wahrscheinlich klagt Johannes mich nach Erscheinen dieses Posts des Rufmords wegen an. Deswegen genießt unser Palaver zu einem der ganz großen und hierzulande leider recht unbekannten J-RPG-Klassiker der 16-Bit-Ära.

Falls ihr euch von der Musik selbst Gehör verschaffen wollt, kann ich nur das Medley aus Symphonic Fantasies des WDR Rundfunkorchesters empfehlen. Zum Vergleich das oft gehörte Battle Theme aus dem Original.

Das Jazz-Stück geht auf Robert Kovariks Kappe.

Featured Image via Flickr by n0cturbulous

Mit Magengeschwüren Musik machen – Chrono Trigger

Nostalgie ist ein zweischneidiges Schwert. Sie erlaubt es uns, Erlebnisse mit unseren Freunden zu erinnern und mit Fremden über gleichartige Erfahrungen Bekanntschaft zu schließen. Aber sie verklärt auch die Vergangenheit und lässt uns nicht mehr kritisch betrachten, was früher war. Ein Beispiel: Leih-Videotheken. Heute gibt es sie nicht mehr so zahlreich wie in den 90ern, weil die digitale Distribution vieles einfacher gemacht hat. Filme leiht man sich heute nicht mehr, man streamt sie (natürlich legal). Will mensch wissen, ob ein Videospiel gut ist, dann leiht mensch es sich nicht aus, sondern schaut Let’s Plays (Demos gibt’s ja nicht mehr). Deswegen hat auch “meine” Stammvideothek von damals zugemacht, an ihrer Stelle steht dort nun eine Spielhalle – leider keine von der guten Sorte.

Leih-Videotheken waren damals ein Segen für Filmfreund*innen und Spielefans. Aber irgendwie auch immer etwas zwielichtig. Es trieben sich alle möglichen Arten von Menschen in diesen Videotheken rum, es wurde geraucht (das ging damals noch) und dort wanderten alle Arten von Filmen über die Theke. Es gab den Begriff “Internet-Porno” ja noch gar nicht – in meiner Kleinstadt gab es vor 1996 wahrscheinlich noch nicht einmal den Begriff “Internet”. Die Damen und Herren hinter der Theke schienen mir als Kind eine eingeschworene Gemeinschaft, die jeden Tag und jede Nacht in den filmgeschmacklichen Abgrund der menschlichen Existenz schauen mussten. Aber, und hier ist meine Nostalgie absolut angebracht, durch sie durfte ich in zahlreiche Videospielwelten schauen. Vor allen Dingen in eine, die mir danach nie wieder aus dem Kopf ging: Chrono Trigger. In diesem Sinne ein kleines Dankeschön an dich, Leih-Videothek von damals.

Via Flickr, by Daniel

Crono_Lucca_cosplay_DanielCrono und Lucca als Cosplayer auf der PAX East 2010

Das Spiel erschien am 11. März 1995 in Japan und ist damit nun 20 Jahre alt. Ich könnte Zeile über Zeile darüber füllen, warum Chrono Trigger so großartig ist. Genau das aber wäre ein rein nostalgischer Rückblick, eine egozentrische Nabelschau ohne Mehrwert für die geneigten Leserinnen und Leser.
Deswegen möchte ich mich in meinem kurzen Ruckblick auf einen Aspekt von Chrono Trigger konzentrieren, der auf mich bis heute nachwirkt: die Musik.

Für Yasunori Mitsuda (westliche Schreibweise) war Chrono Trigger sowohl der erste große Auftrag als Komponist, als auch sein Durchbruch. Fairerweise muss aber erwähnt werden, dass sein Mentor Nobuo Uematsu (Komponist der Final-Fantasy-Musik) ihm bei einigen Stücken geholfen hat, da sich Mitsuda während der Arbeit an Chrono Trigger Magengeschwüre zuzog. Mitsudas Ziel war es angeblich, die Spieler*innen mit seinen Melodien in eine fremde, fantastische Welt zu führen. Und das ist ihm auch gelungen.

Die Musik in Chrono Trigger ist ungemein vielfältig. Sie enthält eine große Menge an Einflüßen: Während Cronos Thema hervorragend für ein Orchester geeignet ist, sind manche Stücke kleine Jazzkompositionen. Was die piepsigen Emulationen aus den Soundschips des SNES da herausgeholt haben, waren keine synthetischen Klänge. Es waren teilweise einzigartige Kompositionen, aus denen mensch die einzelnen Instrumente heraushören konnte. Für mich damals war die Musik von Chrono Trigger, anders als viele anderen Videospielmusiken, nicht eine Trip durch Synthesizer-Dschungel, sondern ein Spaziergang durch fröhliche Klangwelten.

Via Flickr, by Fabio Santana

Chrono miniature_Fabio SantanaEine kleine Miniatur von Chrono Triggers stummen Helden

Chrono Triggers Welten werden erst durch ihre Musik fassbar und lebendig. So wirkt das schwebende Königreich Zeal mit seinen ätherischen Klängen zwar magisch, die Bongo-Trommeln im Hintergrund erinnern aber daran, dass wir uns noch in grauer Vorzeit befinden. Nicht zuletzt die Themen der einzelnen Charaktere geben ihnen den letzten Schliff. Magus’ Thema unterstreicht seine dunkle Aura, Frogs flötenlastige Musik ist angemessen mittelalterlich und heldenhaft. Robos Thema schließlich ist ein kurzer Ausflug in den industriellen Elektro-Pop (wenn man so will) und dabei so verdammt eingägig, dass ich diese Melodie rauf und runter hören könnte.

Es gibt fraglos viel gute Musik, die auf Videospiele geschrieben wurde. Sehr zu empfehlen ist beispielsweise die Musik von Terranigma. Aber auch neuere Spiele, wie Endless Legend oder Transistor, haben einen wirklich hervorragenden Soundtrack. Jedoch ist mir noch kein Spiel begegnet, dessen Musik mich derart berührt hat wie die von Chrono Trigger. Natürlich ist da viel Nostalgie im Spiel. Andere Musiken aus dieser Zeit, zum Beispiel von Shining Force, Secret of Mana oder Mega Man, sind mir ähnlich vertraut wie Chrono Trigger. Keiner dieser Titel hat sich allerdings so in mein Hirn gebrannt wie der Erstling von Yasunori Mitsuda.

Zum Glück bin ich da anscheinend nicht allein. Denn immerhin werden Medleys vom Chrono Trigger Soundtrack immer wieder bei diversen Spielemusikkonzerten gespielt und es gibt einen Haufen orchestraler Interpretationen von Cronos Thema. Es gibt sogar eine ziemlich abgefahrene Acid-Jazz-Version von Chrono-Trigger-Stücken.

Tröstlich ist, dass durch die Beliebtheit des Chrono Trigger Soundtracks diese Musik auch weiter in die Welt und durch die Zeit getragen wird. Ziemlich passend für ein Spiel, in dem es um Zeitreisen geht. Nostalgie hin oder her.

Pixel Heroes – Das völlig objektive Review

PIXEL HEROES: BYTE & MAGIC ist das beste Spiel EVER!

In die Welt geworfen als unscheinbares 8-Bit-Juwel, entpuppte sich PIXEL HEROES: BYTE & MAGIC als eines der wahrscheinlich besten PC-Rollenspiele aller Zeiten ALLER ZEITEN!  Das Spiel besticht durch seine fesselnde Mechanik, eine unglaublich gute Retro-Pixelgrafik sowie vor allem durch die umwerfend gut geschriebenen Charaktere.

Wie Skyrim erzählt PIXEL HEROES: BYTE & MAGIC keine großartige Geschichte mit einem alles überlagerndem Hauptplot, sondern beschränkt sich viel lieber auf die zahllosen kleinen Geschichten der vielfältigen Einwohner des Städtchens Pixton. Deren Texte sind nicht nur gespickt mit Dramatik, Action, Abenteuer, Liebe, sondern vor allem mit dem großartigsten Witz, den ich mir sich jemand jemals ausdenken konnte! Gerade der tiefgründige, teilweise hoch gesellschaftskritische Humor unterscheidet PIXEL HEROES: BYTE & MAGIC von Genre-Spitzenreitern wie Dragon Age: Inquisition oder The Witcher.

Risiko ist ein schlechtes Brettspiel

Auch die Spielmechanik sucht ihresgleichen. Wurden Tetris oder Diablo schon als süchtigmachend beschrieben, so sollte POXEL HEREOS: BATE & MYGIC auf jeden Fall von der Bundesdrogenbeauftragten unter ständiger Beobachtung gehalten werden. Denn wie bei bekannten Action-Rollenspielen oder auch Genre-Königen á la World of Warcraft besitzt dieses Meisterwerk prozedural erstellte Waffen und Rüstungen – jeder Kampf bringt euch also immer wieder neue Gegenstände. Die Wahl der Ausrüstung wird dabei nicht zur Qual, sondern zur taktischen Entscheidung: Für eure drei Abenteurer*innen habt ihr neben ihren eigenen Itemplätzen nur 16 freie Felder im Inventar. Gnadenlos müsst ihr also in Sekunden entscheiden, ob ihr das “Brennende Gladius der Fäulnis” gegen den “Blitzschnellen Zweihänder der wirklich beeindruckenden Haken an der Klinge” austauscht. Denn schon die nächste Gegnerhorde könnte bereits empfindlich gegen Feuer-Attacken sein. Taktischer als eine Partie Risiko ist das Ausrüstungsmanagement also allemal!

PH_3Eure Held*inn*en sehen sich schrecklichen Monstern gegenüber. Durch die sie auf schrecklichste Weise getötet werden. Schrecklich!

Ein weiterer Suchtfaktor: Das Rundensystem. Eure Abenteurer*innen-Gruppe hat nur eine Aktion pro Runde, dann ist die Gegner*innen-Gruppe dran. Zusätzlich darf ein*e Held*in nur eine Aktion machen und muss danach für eine Runde aussetzen. Euer Priester kann also nur einmal seinen Heilzauber sprechen, in der nächsten Runde muss die Gruppe ohne ihn überleben. Die Rundenmechanik von VOXEL HEROES: SPRITE & SPAMMING sorgt für einen ähnlichen Noch-eine-Runde-Effekt wie dereinst Civilization.  Spannend!

Musik, die keinen Vergleich kennt

Dem Retro-Feeling setzt schließlich nur noch die Musik und Soundeffekte die Krone auf. Epische Piepstöne im echten NES-Stil (nur besser) untermalen eure Überlandreise, treibende Bass-Beats lassen in Kämpfen euren Puls im Takt wummern. Und nichts ist befriedigender, als wenn der Endboss im Dungeon in einer Explosionskaskade untergeht, während eure Lautsprecher an der Belastungsgrenze das Dröhnen der professionellen Soundemulation durch ihre Magnetspulen jagen. Die Musik von AXEL HEROLD: SPEZI & LIMO ist zudem so eingängig, dass euch kaum auffällt, dass es insgesamt nur fünf vier drei zwei Stücke gibt! Diese Musik aber knallt mehr rein als jedes Chrono-Trigger-Titelstück!

Für das Werk von drei Menschen und einem wahnsinnig begabten gutaussehenden Autoren ist KRAXEL HORST: ALPEN & MAGIE ein beeindruckendes Spiel geworden, auf das es sich mehr als gelohnt hat, zwei Jahre zu warten. Und als völlig voreingenommener objektiver Reviewer kann ich nur sagen: Ich warte auch gerne vier Jahre auf den Nachfolger! Zumindest solange die Pisser mal mein Geld rüberwachsen lassen.

PH_2Symbolbild

PIXEL HEROES: BYTE & MAGIC ist über Steam erhältlich.

(Anmerkung: Der Autor hat an der Entstehung von Pixel Heroes mitgewirkt. Der Beitrag ist Satire. Das Spiel hat mehr als zwei Musikstücke. Wirklich. Das ist unser Ernst.)

Ein Blick auf Gone Home

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle über die Ankündigung von Tropico 5 schreiben. Denn ich habe neulich den Vorgänger (wenig überraschend Tropico 4 betitelt) wieder einmal gespielt und dabei gedacht: „Nee, das Spiel ist eigentlich ziemlich rund, vielmehr können die Damen und Herren bei Haemimont Games da nicht mehr herausholen. Da müssten die schon arg das Spielprinzip ändern, so wie damals bei Tropico 2, als sie plötzlich auf einer Pirateninsel waren und Geld durch kapern und sowas verdient haben.“ Tja, und dann vermeldet Kalypso Media plötzlich das Erscheinen von Tropico 5. Die Säcke. Als Features sollen wir bald El Presidentes (oder La Presidentas) ganze Dynastie spielen können, „richtig“ Krieg führen und unsere eigene Insel entdecken, sowie über mehrere Technologiestufen (und historische Abschnitte) hinweg Präsident*in unserer eigenen Insel sein dürfen. Aber dann kamen mir die Neunziger dazwischen. modern house_bigcityal

By BigCityAl, via Flickr.com

Die 1990er Jahre, natürlich. Ich muss gestehen, dass diese Zeit in meinem eigenen Gedächtnis leider ein wenig verschwommen ist und erst gegen Ende des Jahrzehnts etwas klarer wird. Aber insgesamt schaue ich mit gemischten Gefühlen zurück auf die Neunziger. Zum einen, weil sie eine politisch fragwürdige Zeit waren, beginnend mit dem Ende der DDR und aufhörend mit dem zerplatzten Traum einer besseren Welt – spätestens im September 2001. Oder schon früher, angesichts der Völkermorde in Ruanda und auf dem Balkan. Nicht unbedingt unschuldig daran ist der Westen, der mit seinem unglaublichen Hang zur eigenen Nabelschau nach der Auflösung der Sowjetunion „Das Ende der Geschichte“ ausrief, da in Europa und den USA ja alles bestens stünde. Soviel also zur negativen Seite der Neunziger.

Tja, und zum anderen, zum Positiven, haben die Neunziger mit Techno und Rave, mit coolen Cartoons (Rockos Modernes Leben! Animaniacs! The Tick!) und tatsächlichem Witz im Fernsehen (RTL Samstag Nacht!), nicht zuletzt mit großartigen Videospielen (Chrono Trigger! Shining Force! Gunstar Heroes! Street Fighter II! Master of Orion II!) einen ziemlichen tiefen Eindruck in der Popkultur hinterlassen. Oh ja, natürlich dürfen wir auch den Grunge nicht vergessen, wahrscheinlich die einzige wirklich hörenswerte Musikrichtung der Neunziger (Pearl Jam!). Und schließlich haben die Neunziger, mittelbar, auch dieses Spiel hervorgebracht, dass ich gerne vorstellen und jede*r*m ans Herz legen möchte: Gone Home. coastalhouse_petercharbonnier

By Peter Charbonnier, via Flickr.com

Denn dieses Spiel ist angesiedelt im Juni 1995. Das findet ihr nicht selbst heraus, das wird euch zu Anbeginn gesagt. Euer Alter Ego, Kaitlin Greenbriar, kommt nach einem Jahr in Europa wieder zurück in die USA, zu ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester. In diesem Jahr ist Kaitlins Familie umgezogen und sowohl für euch als auch für Kaitlin gilt es nun, dieses neue, riesige Haus zu erforschen. Denn ihr kommt mitten in der Nacht an und niemand ist daheim. Was ist passiert? Wo sind eure Eltern? Wo ist eure Schwester? Warum haucht da ein Mädchen panisch den Namen eurer Schwester auf den Anrufbeantworter?

Ich will kein weiteres Wort über die weitere Handlung verlieren. Schließlich steht das Erforschen derselben im Mittelpunkt des Spiels. Ihr tappt durch die Wohnung und könnt die gewöhnlichsten Dinge, von Taschentuchboxen bis zu Klopapierrollen in die Hand nehmen, umdrehen und wieder an ihren Platz zurückstellen. Nebenbei taucht ihr auch zurück in die Neunziger: große Röhrenfernseher, lauter akribisch beschriftete Videokassetten (Akte X war wohl der Renner im Hause Greenbriar), im ganzen Haus kein Computer, dafür Schreibmaschinen, nadelgedruckte Papiere von der Arbeit eurer Eltern, handgeschriebene Briefe und jede Menge Stifte. Für Atmosphäre sorgen auch die Musikkassetten eurer Schwester, die im ganzen Haus verstreut liegen. Gone Home bietet in dieser Hinsicht einen harten Nostalgietrip.

appartementbahrain_dennissylvesterhurdBy DennisSylvesterHurd, via Flickr.com

Aber es geht nicht um Nostalgie. Es geht um Narration. Das Spiel erzählt vordergründig die Geschichte eurer Schwester Samantha, da sie die einzige Sprechrolle hat. Denn ihr bekommt nach bestimmten Aktionen die Briefe eurer Schwester vorgelesen, welche sie euch hinterlassen hat. So entwickelt ihr langsam eine Bindung zu ihr, was euch zusätzlich antreibt herauszufinden, was mit ihr passiert ist. Aber nebenbei erfahrt ihr auch etwas über eure Eltern, die beide ihre eigenen Kreuze zu tragen haben, was aber nur angedeutet wird. Gerade diese Andeutungen, das Zusammenfügen der unterschiedlichen Puzzleteile dieser Geschichte, machen dieses Spiel einzigartig. Ich habe gemerkt, dass ich in den letzten Abschnitten nicht mehr zwischen den Spieler*inne*n und Kaitlin als eurem Alter Ego unterschieden habe. Denn irgendwann, wenn ihr eure Tür zumacht und euch Kopfhörer aufsetzt, wird dieses Haus euer Haus und die Geschichte eure Geschichte. In den letzten Minuten des Spiels dachte ich immer wieder „Oh bitte nicht, oh bitte nicht!“, da ich fürchtete, Samantha sei das Schlimmste zugestoßen. Ein in heutigen Videospielen wahrhaft seltener Moment der emotionalen Ergriffenheit, den ich da erfahren habe.

Vielleicht werfen die „spielerischen“ Elemente dieser interaktiven Narration einige von euch aus der Stimmung. So sind manche Türen abgesperrt und ihr müsst – natürlich – den Schlüssel besorgen. Oder es liegen mehr oder weniger intime Nachrichten ganz zuoberst in der Schublade. Mich haben diese Aspekte aber kaum gestört. Dann ist da auch der Preis: 18 € für knapp zweieinhalb bis drei Stunden Spielzeit ist ziemlich viel.

Aber mit welcher Sorgfalt die zwei Damen und zwei Herren von „The Fullbright Company“ hier ein Haus eingerichtet haben, wie sie es geschafft haben, nur durch Andeutungen vier (und, wenn mensch das Haus mitzählt, fünf) verschiedene Geschichten zu erzählen und wie beschränkt dabei doch das Setting ist, ist das wirklich großartig. Ich finde jede und jeder, der oder die sich für die narrativen und/oder künstlerischen Möglichkeiten des Mediums Videospiel interessiert, sollte Gone Home gespielt haben. Vielleicht nicht direkt jetzt, vielleicht später in einem Sale, vielleicht bei einer Freundin, vielleicht beim großen Bruder, aber die drei Stunden könnte man nicht besser verbringen.

PS.: Ach so, Tropico 5. Joah, klingt ganz interessant. Soll 2014 raus sein. Mal schauen.

Aufreger der Woche – Fußball

Eine Wohnung in der Innenstadt ist toll. Besonders in Trier. Ich brauche keine Stunde einzuplanen, um mal eben Geld zu holen oder mich mit Freunden in der Stadt zu treffen, bin nur selten auf Busse angewiesen, wenn ich hin und her fahren muss und nicht zuletzt hab ich den Bäcker um die Ecke und einen japanischen Imbiß mir gegenüber (der gleichzeitig auch der Tod meines Portemonnaies ist).
Eine Wohnung in der Innenstadt nervt. Besonders in Trier. Ich kann nachts nur selten das Fenster auflassen, weil die betrunkenen Idioten gerne mal die Innenstadt zusammenbrüllen. Im Sommer dudeln sich die Straßenmusikanten einen Wolf mit ihren immer drei gleichen Liedern und ständig halten unter meinem Fenster Eltern mit ihren wie am Spieß schreienden Kleinkindern. Und wenn hier Fußball-WM/EM/QM/H&M ist, dann brauch ich mir das Spiel nicht anzuschauen, weil ich durch das frenetische Jubeln beim Public Viewing jedes Tor mitbekommen. Besonders wenn Deutschland spielt.

crazy ukrainian fans_emyanWer sind sie? Was machen Sie hier? Und hören Sie auf, in meinen Vorgarten zu urinieren! By Emyan, via Flickr.com

Dazu muss ich sagen, dass ich diese Fußballbegeisterung nie verstanden habe. Vielleicht liegt es an meinen tief in mir schlummernden Hipster-Genen, aber ich fand diese Begeisterung für Fußball immer befremdlich, auf eine gewisse Art primitiv. Warum hängen Menschen so emotional an einem Sport, den sie nicht gerade aktiv ausüben. Es ist nachvollziehbar, wenn sich jemand, der gerade auf dem Spielfeld steht, über eine vergebene Chance echauffiert. Aber einen Spieler oder eine Spielerin von der Tribüne aus wegen eines Fehlpasses anzubrüllen, das erscheint mir taktlos und fremd. Wenn diese Leute es besser könnten, okay, aber meistens sind die doch genauso sportlich Helmut Kohl. Investieren Menschen emotional so viel in eine Mannschaft, mit der sie nichts weiter zu tun haben als vielleicht die Vereinsfarben? Warum weinen manche beim Abstieg „ihres“ Teams? Warum werden Leute handgreiflich, wenn ihr Verein beleidigt wird, oder pflegen lächerliche Rivalitäten wie die zwischen Dortmund und Schalke?

Es ist nicht so, als hätte ich es nicht versucht. Mein Vater, Anhänger von Schalke 04, hat mich mal zu einem Spiel zwischen Schalke und Borussia Mönchengladbach mitgenommen. Abgesehen davon, dass ich vielleicht 14 oder 15 war und die meisten Leute in dem alten Stadion in Mönchengladbach mir die Sicht versperrt haben, wusste ich auch nur grob, was da unten abging. Die Blauen spielten gegen die Weißen, aha, und irgendwann gewannen die Weißen. Zu diesem Zeitpunkt lungerte ich gelangweilt auf den Betonbänken herum und wollte wieder zu meinem PC. Letztes Jahr dann ging ich, als freiwilliger Freundschaftsdienst, zusammen mit Max und seiner Freundin auf ein Spiel der Hertha BSC gegen 1860 München. Ich fühlte mich im nasskalten Wetter mit gelegentlichen Regenschüben etwa so:

Und dann die Kommentatoren. Einer meiner Mitbewohner schaut gerne regelmäßig Bundesligaspiele auf unserem Wohnzimmerfernseher. Wenn ich mir dann Essen mache, bekomme ich mit, was für einen Scheiß sich diese Kommentatoren zum Teil zusammenlabern. Da werden Sprichwörter über Knie gebrochen, Sprachsalven abgefeuert und Worthülsen wieder ausgeworfen, dass das Trommelfell jedes*r auch nur abgebrochenen Germanisten*in freiwillig Selbstmordbegehen möchte. Im Fernsehen ist das noch wesentlich schlimmer als im Radio, dort beschränken sich die Liveschaltungen ja meist darauf, das jeweilige Spiel emotional zu schildern. Aber im Fernsehen schmeißen die meisten mit ihren Formulierungen um sich als meinte mensch, ihr Leben hinge davon ab, nicht etwas kohärentes und sinnvolles, sondern lediglich quantitatives zu produzieren. Eigentlich der perfekte Job für mich, wenn ich etwas mit der ganzen Schose anfangen könnte. Aber es ist mir leider selbst bei Judo, das ich seit fast zwei Jahrzehnten (mit Unterbrechungen) praktiziere, eine emotionale Involvierung irgendwie unmöglich. Immerhin ist mir beim Schauen der Judo-Wettkämpfe bei der letzten Olympiade aufgefallen: Die Leute wirken bei der Ausübung ihrer Kampf„kunst“ in etwa so graziös wie ich. Und ganz ehrlich, ich bin eher das Gegenteil von Elegant.

Aber klar, auch ich habe hochabstrakte Themen, über die ich mich angeregt diskutieren kann. Wie in diesem Rahmen oft genug bewiesen. Oder alle zwei Wochen bei Mehr Spieler. Aber nie würde ich frenetisch mit anderen Jubeln, nur weil Dark Souls 2 angekündigt wurde, nur als Beispiel. Okay, vielleicht ein bisschen. Nie aber würde ich jemanden ins Gesicht schlagen, nur weil diese Person um Beispiel ein Spiel doof findet. Ausser es ist Chrono Trigger. Chrono Trigger ist DAS BESTE SPIEL EVER! Und wer was anderes behaupet, dem geb’ ich volles Pfund aufs Maul!

12 – JRPGS

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Konichiwa! Max und ich haben ja ein kleines Faible für Japan und viele Sachen, die damit zu tun haben. Schuld daran sind nicht nur kulleräugige Frauen in Matrosenanzügen mit bunten Haaren (also, die Frauen), sondern auch und vor allem unsere frühe Konfrontation mit japanischen (Konsolen-)Rollenspielen. Walde hat sich für diese Folge ausgeklinkt, da er nicht dabei sein wollte, wenn Max und ich völlig abnerden, wahrscheinlich um nicht den Respekt vor uns zu verlieren. Wie dem auch sei, wir diskutieren, was das Besondere (negativ als auch positiv) an japanischen RPGs ist und warum wir glauben, dass sie vieles besser machen, als westliche RPGs. Am Ende haben wir sogar einen kurzen Gastauftritt von der bezaubernden Lena K. und eine Sternstunde im Buchstabieren von mir. Viel Spaß!

Podcast gibt’s hier!

Im Übrigen, wer sich darüber hinaus auch mit der Geschichte nicht nur von JRPGs sondern von Rollenspielen allgemein auseinandersetzen will, dem sei das Video von 16-Bit-Gems ans Herz gelegt!

Retro Games

Ein Mensch, der zwischen 1980 und 1989 geboren wurde (und danach kann man ja keinen mehr ernst nehmen), wurde im Laufe seines*ihres Lebens zahlreichen Generationen zugeordnet. Generation No Future, Generation X, Spaßgeneration, Generation Y, Digitale Bohème usw. Ich würde in diesen ganzen Wust noch eine weitere Generation hinzufügen: Generation Retro. Mein Eindruck ist, dass bisher keine Altersgruppe von Menschen jemals ihre eigene Kindheit so sehr gefeiert hat, wie ebendiese (plusminus 3 Jahre). Internetvideos wie die von James Rolfe, Pat The NES-Punk, That Guy with the Glasses oder 16-Bit Gems sprechen da wohl für sich. Das mag an vielen verschiedenen Gründen liegen: Erstens hatte diese Generation eine Kindheit, auf die sich zurückzuschauen lohnte, im Gegensatz zu den entbehrungsreichen Nachkriegsgenerationen oder die Hippie-Bewegungen der 60er und 70er-Jahre, die viele vielleicht gerne verschweigen würden. Zweitens, und damit wahrscheinlich der gewichtigere Grund, gab es einfach extrem viele Inhalte, welche die Menschen untereinander, insbesondere auch zwischen Nordamerika und Europa, teilen können. Im kulturellen Gedächtnis dieser Generation gibt es extrem viele Gemeinsamkeiten, wie ein auch nur oberflächlicher Blick über die Geek- und Nerd-Kultur offenbart. Angefangen von den Disney-Cartoons (Chip & Chap, Darkwing Duck, Ducktales) über Filme (Die Goonies, Karate Kid) bis hin natürlich zu den Spielen (NES, „Bit-Krieg“ zwischen SEGA und Nintendo) haben zahlreiche kulturelle Güter das gemeinsame Gedächtnis dieser Generation geprägt und schaffen damit eine Grundlage zur kollektiven Rückblende. Drittens, schließlich, ermöglicht das Internet nicht nur den Austausch über ebendiese Inhalte, sondern auch, und vielleicht viel wichtiger, das Erfahren dieses kollektiven Erinnerns und damit dieses wohlige Gefühl, irgendwo dazu zugehören.

als schiene einem die Sonne auf den Bauch! Via Maia C

Aus diesen drei Gründen folgt wahrscheinlich auch das so massive Aufblühen von Retro-Games und Retro-Gaming in den letzten Jahren. Überall sprießen Projekte aus dem Boden, die sich genau diesem visuellen und zum Teil mechanischen Stil der 8- oder 16-Bit-Spiele verschrieben haben (Lone Survivor, Mercenary Kings, Scott Pilgrim: The GameSuper Meat Boy). Und dank des Internets finden Emulatoren und die mittlerweile lächerlich klein anmutenden Roms der damaligen Spiele weite Verbreitung. Ein weiteres Indiz wären die oben genannten Web-Serien.

Natürlich wollen auch wir von Daran geht die Welt zugrunde diesen Trend nicht verschlafen, zumal sich ein Teil von uns ja auch ganz dediziert mit der Dekonstruktion von Popkultur beschäftigen. Und weil es bei Mehr Spieler ja um Videospiele geht, möchte ich mit euch nun ein wenig meine eigenen Retro-Erfahrungen im Bereich Videospiele teilen. Was waren die fünf Spiele, die mich in meiner Daddelzeit am meisten beeindruckt haben?

Zunächst aber zu meinem persönlichen Gaming-Hintergrund: Erste Erfahrung habe ich mit dem Amiga 500 von meinem großen Bruder gesammelt, eines der mir noch immer präsentesten Spiele ist da sicherlich Secret of Monkey Island 2: LeChuck’s Revenge, mit seinem Code-Rad und den zwölf Disketten (herrlich!). Bald schon schwenkte ich aber auf das SEGA Mega Drive (kurz MD, in den USA: Genesis) um und hatte zwischendurch auch mal einen Gameboy in meinem Besitz. Irgendwann überzeugte ich meine Mutter davon, dass ich mir einen Super Nintendo (bzw. Super Nintendo Entertainment System, SNES) kaufen durfte (ich hatte auch gespart!) und hatte dann zwei Spielekonsolen! Wobei ich aber immer mehr Spiele für den Mega Drive besaß, als für das SNES. Dann waren die „guten alten“ 16-Bit Zeiten vorbei und die Zeit der 32-Bit-Systeme brach an, eingeläutet vom vorschnell veröffentlichten und deshalb technisch unausgereiften SEGA Saturn, kurz darauf kam dann die erfolgreichere Sony Playstation. Nintendo ließ etwas auf sich warten und veröffentlichte zwei Jahre nach SEGAs neuer Konsole den N64 im Jahr 1996 (Japan Release). Da der Saturn extrem gegen Sony und Nintendo (eher gegen Sony) abstank und sich meine Mutter weigerte, mir eine Playstation zu kaufen, fristete (und frustete) ich ein wenig mit meinem Konsolendasein. Mein großer Bruder legte sich dann irgendwann einen N64 zu, was die Situation entschärfte, aber noch immer nicht besser machte. Die Playstation hatte einfach die ganzen hochgejubelten Spiele (Metal Gear Solid, Final Fantasy VII, Resident Evil), der Saturn hatte dagegen als einzig nennenswerte Erstveröffentlichung Tomb Raider. Meine Mutter wollte bei diesem ganzen Konsolenkram irgendwann nicht mehr mitmachen und schenkte mir schließlich einen PC. Seitdem bin ich glücklich. Ich liebe meine Mama.

Dies ist nur ein Symbolphoto und hat zum Glück keinen Bezug zu meiner Mama. Meine Mama ist toll. Via Helen K

Aber zurück zu den Spielen. Ich beschränke mich in erster Linie auf die beiden 16-Bit-Konsolen Mega Drive (MD) und Super Nintendo, da ich mit dieser Generation einfach am meisten Erfahrung habe. Ein weiterer Hinweis: Ich bin kein großer Fan von „die Besten X Spiele/Filme/Serien/Bücher/Dildo-Formen“-Listen, deshalb gibt’s von mir einfach fünf Spiele in ungewichteter Reihenfolge.

Ausser Konkurrenz spielt dabei ein Spiel, das meine komplette Sicht auf Spiele, Geschichten und überhaupt allem beeinflusst hat: Chrono Trigger. Dieses Spiel ist einfach ein Meisterwerk an JRPG (Japano-Rollenspiel) für das SNES und mit Sicherheit D A S für mich genialste Spiel seiner Zeit (1995). Leider erschien es nie in Europa. Es läuft ausser Konkurrenz, weil es einfach unfair wäre, es den anderen Spielen vorziehen zu müssen. Aber jetzt fangen wir doch endlich mal an!

  1. SHINING FORCE (1992, MD)

Wow. Shining Force. Wohl kein anderes Spiel habe ich so oft angefangen und bis zur Mitte gespielt. Jede Schlacht dieses Strategic RPG kann ich fast auswendig, kenne die Abfolge der meisten Ausrüstungsgegenstände und weiß in etwa, wann ich meine Helden grinden muss, damit sie stärker werden. Bei diesem Spiel steuert man einzelne Heldenfiguren auf einem in quadratische Felder eingeteilten Schlachtfeld gegen die Gegner, gekämpft wird in spärlich animierten aber trotzdem hübschen eigenen Kampfsequenzen. Es gibt kein Spiel, was bis heute in mir gleichzeitig so freudige wie genervte Erinnerungen wachruft. Freudig, weil ich stundenlang Schlacht auf Schlacht schlagen kann, die Musik mich mitwippen lässt und die Geschichte ein wenig klischeebeladen, aber spannend ist. Genervt, weil ich stundenlang Schlacht auf Schlacht wiederholen muss, um meine Helden aufzuleveln. Trotzdem vereint Shining Force (und seine Nachfolger) eine Prise Taktik mit ungefähr zwei Kellen Rollenspiel und tischt einem somit einen Eintopf auf, der erst nach drei Tagen im Kühlschrank komisch schmeckt.

  1. METAL SLUG (Neo Geo, 1996)

In der Videothek, bei der ich meine Mutter damals immer die Videospiele auslieh, stand ein Arcade-Automat, wie ich ihn bisher nur aus us-amerikanischen Serien kannte. So richtig mit zwei Steuerknüppeln und jeweils sechs Tasten, großem Bildschirm etc. Es liefen immer verschiedene Spiele darauf, erinnern kann ich mich an drei: ein Sidescrolling Shooter dessen Namen ich vergessen habe, Samurai Showdown (aber da bin ich mir nicht sicher) und Metal Slug. Mensch, was hat mich Metal Slug gefesselt. Leider konnte ich meiner Mutter nicht immer die zwei Mark (damals!) aus dem Kreuz leiern, um mit drei Leben in diesem Sidescrolling 2D Shoot ’em Up quasi-Nazis über den Haufen zu schießen und haarige alte Veteranenrentner zu befreien. Dieses Spiel ist für mich bis heute der Inbegriff eines 2D Shoot ’em Up-Plattformer: ziemlich linear, man ballert eigentlich nur und versucht dabei den Fallen und Kugeln der Gegner auszuweichen und hat in späteren Levels eigentlich keine Chance. Noch heute kann ich die ersten beiden Level mit einem bisschen Konzentration durchspielen, ohne zu sterben. Und darauf bin ich ein bisschen Stolz.

  1. FLASHBACK (1992, diverse, in erster Linie MD)

Flashback ist wahrscheinlich das erfolgreichste französische Videospiel. Und warum auch immer, es hat mich über meine Spielerkarriere die ganze Zeit begleitet.Es gehört mit zu diesen Spielen, von denen ich eigentümlicherweise unheimlich fasziniert war, obwohl (oder weil) ich sie nicht verstand. Dabei kombinierte Flashback eigentlich nur geschickt Elemente aus Prince of Persia und Another World, letzteres übrigens ein bahnbrechendes Spiel (findet sich auch auf Steam). Seine Mischung aus Action-Adventure und Jump ‘n Run waren wie angedeutet nichts sonderlich neues, aber das Setting, eine dystopische Science-Fiction mit Cyberpunk-Elementen, war so bisher noch nicht gekannt und nebenbei ziemlich stringent umgesetzt. Ausser vom persischen Prinzen kannte man die durch Rotoskopie so flüssig wirkenden Bewegungen der Figuren nicht, hinzu kamen (vor allem später, als die Speichermodule größer wurden) zahlreiche Sequenzschnipsel, die beispielsweise das Aufheben wichtiger Gegenstände untermalten. Und nicht zuletzt gab Flashback den Spiele-Hipster: Es hatte ein Amnesiethema, bevor es cool wurde. Achja, es wurde auch von einem gewissen (vielleicht gar „der“) Yahtzee ein recht unterhaltsames Let’s Play produziert.

  1. SUPER CASTLEVANIA IV (1991, SNES)

Ich glaube, Super Castlevania IV – in der Anfangszeit des SNES musste fast jeder Titel ein „Super“ im Namen tragen – ist das, was man ein „Instant Classic“ nennt. Der Grund dafür liegt in den ersten Minuten des Spiels. Falls man sich den gut gemachten und für damalige Verhältnisse unglaublich hübschen Vorspann angeschaut hat, steht man schließlich  vor den Toren eines Schlosses. Sobald man im Schlosshof angekommen ist, setzt eine absolut großartige Musik ein, die sofort in das Spiel zieht, zum mitwippen einlädt und die einem das Gefühl gibt „Yeah, ich bin eine verdammt coole Sau mit meiner Kettenpeitsche“. Hinzu kommt noch die ziemlich gute Grafik, die fast perfekte Steuerung und lauter coole Gimmicks wie die Möglichkeit, die Kette frei zu schwingen. Insgesamt ist Super Castlevania IV ein ganz großartiger Platformer. Mehr kann ich dazu tatsächlich nicht sagen.

  1. SONIC 2 (1992, MD)

Als alter SEGA-Jünger fand ich Sonic natürlich schon immer cooler als den übergewichtigen Klempner Mario mit seinem dümmlichen (rassistischen?) Akzent. Sonic hatte, vor allem in seinem zum Vorgänger nochmal rasanteren zweiten Teil, einfach eine abartige Geschwindigkeit und es stellte sich, kannte man die Levels ein wenig, beim spielen einfach ein großartiger Flow ein, der erst mit dem Ende des Levels abriss. Wie gesagt, wenn man die Stages beherrschte. Gleichzeitig blieb Sonic vom Design im Grunde ziemlich fair, denn man hatte immer die Chance, seine durch einen Treffer verlorenen Ringe wieder einzusammeln. Und solange man noch einen Ring hatte, konnten einem zumindest die Gegner beim ersten Treffer nichts schlimmes anhaben. Ich mochte auch Tails, Sonics dreischwänzigen Fuchskollegen, auch wenn er wirklich nur ein relativ sinnloses Anhängsel für den Hochgeschwindigkeitsigel. Für mich verkörpert Sonic noch heute die Essenz von Platforming und Jump ‘n Run.

Das waren die Fünf. Glaub ich. Via Mitikusa

So, das waren nun also die fünf Spiele, die mich wohl am längsten begleitet haben, seitdem ich das erste Mal einen Controller in die Hand nahm. Zwangsweise mussten natürlich viele Titel, die aus anderen Gründen für mich wichtig sind, unter den Tisch fallen. Das wären aber ohnehin ziemlich bekannte Titel wie Zelda – A Link to the Past, Super Metroid, Mega Man X, Secret of Mana usw. Aber vielleicht gibt’s später dazu von mir noch mehr.

Es wird übrigens nächste Woche ganz spannend, denn dann werden euch Max und Walde von ihren Top 5 Spielen berichten. Da die beiden aber erst mit der Nachfolgegeneration der 16-Bit-Konsolen (allen voran der Playstation) so richtig rumgezockt haben, wird es ganz interessant, auch für mich, wie die beiden ihre Spielekarriere so wahrgenommen haben. In diesem Sinne noch einen wunderschönen Tag und Vorfreude auf den nächsten Mehr Spieler-Podcast!

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