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Die AfD und Ferdinand III. von Kastillien

Deutsche Sprache, holdes Wesen, willst du nicht erlöst werden von den unfert’gen Begierden jener, die dich Muttersprache schimpfen und dich tagein, tagaus verunglimpfen? Deutschlehrer der Nation, Sprachliebhaber und hoffentlich auch der überwiegende Rest der Gesellschaft packen sich an den Kopf. Die AfD wittert Landnahme, weil die Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft in Erfurt eine Moschee bauen möchte. Und hier fängt das Deutschproblem bereits mit der Vokabel „Landnahme“ an.

Es kann nur vermutet werden, woher Björn Höcke von der AfD den Ausdruck „Landnahmeprojekt“ nimmt und was er damit auszusagen gedenkt. Im Artikel der SZ wird sachlich beschrieben, wie die Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft als Eroberer fremden Landes bezeichnet werden soll. Dass besagte Glaubensgemeinschaft seit drei Jahren Körper des öffentlichen Rechts ist und ganz gewöhnlich um Bauerlaubnis fragt, kann schlichtweg nicht mit dem Begriff „Landnahme“ beschrieben werden. Eine Moschee, die in Thüringen gebaut wird, ist ein deutsches Gebäude auf deutschem Boden, welches im Gegensatz zu den meisten Gotteshäusern nach modernem Recht gestattet würde. Der Ausdruck „Landnahme“ ist im Kontext der kompletten Situation nicht nur irreführend, sondern schlichtweg falsch. In einer Deutscharbeit ist so etwas auch ein Ausdrucksfehler (das dicke, fette, rote A am Heftrand).

Was nicht stimmt, wird stimmend gemacht!

Damit aber auch nur irgendeiner der Vorwürfe seitens der AfD in diesem Kontext Sinn ergibt, muss ein Wort wie „Landnahme“ her. Denn nur, wenn mit der Rhetorik einer unrechten, ungewollten Übernahme gesprochen wird, macht es Sinn, den Bau der Moschee als Teil einer schrittweisen Islamisierung des Abendlandes zu verkaufen. Diese Art von Sinnänderung ist der AfD nichts Neues. Ähnlich wie beim Kampf „gegen Organisationen, Medien und Politik, [die] Alleinerziehende als normalen, fortschrittlichen oder gar erstrebenswerten Lebensentwurf propagieren“ muss eine nicht-existente Angst herhalten. Weder die Propaganda, noch die Islamisierung sind eingetreten. Das müssen sie auch nicht, weil diese Szenarien nur als gewisse Zukunft herhalten müssen, die es zu unterbinden gilt.

Das klingt im ersten Moment natürlich überzeugend. Man frage jemanden, ob er möchte, dass man bald selbst im eigenen Land fremd sei. Niemand wird dazu äußern, dass er sich dies wünsche. Genau genommen könnte man in Deutschland eine Menge Deutscher fragen, ob sie sich in Deutschland fremd fühlen, nur werden diese Menschen in der Regel als Feindbild gebraucht. Wer sich in Deutschland nicht wohlfühlt, weil er für seinen Glauben oder eine zweite Muttersprache kritisiert wird, ist undankbar. Wer schlichtweg aus Deutschland kommt und nicht allzu anders aussieht oder einen (ausländischen) Akzent hat, der hat berechtigte Sorgen und Ängste.

Ein praktisches Beispiel finden wir in Dresden vor. Laut Stefan Möller, dem Mitglied des Landesvorstands der AfD in Thüringen, ist ein „derart fremdartiges Gebäude“, wie die Süddeutsche Möller zitiert, „kaum zu rechtfertigen“. Ein gewisser Herr Hugo Zietz hatte vor über hundert Jahren keine dieser Bedenken, als er die Zigarettenfabrik Yenidze bauen ließ, die heute noch zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört. Damals steckte geschäftsmännischer Sinn dahinter, die Yendize als Orientalische und Tabak- und Zigarettenfabrik zu bauen. Eine größere und eindrucksvollere Werbung findet sich so leicht nicht vor. Über Zietz hätte Möller wohl kaum behauptet, dass er sagt: „Wir sind da und wir passen uns nicht an. Akzeptiert das gefälligst“. Das wirft Möller laut Süddeutsche Muslimen vor, die eine Moschee haben möchten. Und hiermit rutschen wir in den Bereich der Inhaltsanalyse.

YenidzeWie Sie sehen, sehen Sie Dresden (via Flickr by Nils)

Belegen Sie am Text

In der 12. Klasse hat meine damalige Deutschlehrerin immer wieder gemahnt: Belegen Sie am Text. Wenn mit einem von uns im Leistungskurs die Fantasie durchging, wurde vehement auf den vorliegenden Text getippt. Und so simpel diese Aussage ist, so wichtig ist sie in der Schule, im Studium und sollte es auch später im Leben sein. Wir sehen oben, dass der scheinbar trotzige Ausländer und kulturell anders geprägte Mensch in keinerlei Zusammenhang mit dem Argument über die Bauart des Gebäudes steht. Herr Möller darf sich diesen gerne einreden, aber an seinen Worten ist es nicht zu erkennen. Im Gegenteil: Mit der Bezeichnung einer Moschee als „derart fremdartiges“ Bauobjekt verbaut er sich Ausreden, Geschäftsmännern wie Zietz ihre Extravaganzen durchgehen zu lassen. Und wer glaubt, dass so etwas in der jüngeren Vergangenheit nicht passieren könnte, der sollte sich informieren, was Donald Trump einst hat bauen lassen: den Trump Taj Mahal.

Ich bitte Herrn Möller geradezu einen Zusammenhang zwischen der Vorliebe für orientalische Architektur und den Islam herzustellen. Ebenso unterhalten werde ich auf Herr Trumps Antwort warten, wenn ihm jemand solcherlei Vorwürfe macht. Denn Minarett und Kuppeln sind keine Eigenheit des nahen Ostens. In Spanien sind die im nahen Osten geläufigen Baustile aufgrund muslimischer Herrschaft im Mittelalter inzwischen Normalität. Selbst als die Christen Spanien zurückeroberten, ließen sie die meisten Moscheen, auch aufgrund ihrer Pracht, stehen und vereinnahmten sie für die christliche Kirche. Ganz recht, in Spanien gibt es, streng genommen, christliche Moscheen. Wir nennen die „Mezquita-Catedral de Córdoba“ zwar auch eine Kathedrale, aber letztlich ließ Ferdinand III. von Kastillien lediglich ein Kreuz an einer Moschee anbringen. Der Mezquita-, also Moscheeanteil des Bauwerks ist ungleich größer.

MezquitaDie Mezquita-Catedral in Córdoba von innen (via Flickr by Antonio Guerra)

Trotz des weiteren Bestehens solcher Gebäude ist der Anteil der muslimischen Bevölkerung in Spanien heutzutage geschätzt sogar niedriger als in Deutschland. Und auch wenn Deutschland nicht wie Ferdinand III. von Kastillien ein Kreuz an die Moschee nagelt, was sie wieder zu einer Kirche machen würde, gelten klar nachvollziehbare Regeln. Deutschland erlaubt nach dem Gesetz Religionsfreiheit. So wie die christliche Kirche als Institution auf die Wichtigkeit der dazugehörigen Gebäude besteht, tun es auch ihre muslimischen Glaubenskollegen. Das ist ihr gutes (deutsches) Recht. Und nach heutigem Stand ist es der Wunsch eines anerkannten Körpers der Öffentlichkeit ein für den Körper wichtiges Gebäude zu errichten. Und diesem Wunsch wird lediglich im Rahmen des deutschen Rechts statt gegeben. Ein deutsches Gebäude nach der Idee des deutschen Rechts, welches deutsche Werte wie Gleichberechtigung und Würde für Anhänger einer bestimmten Gruppe garantieren soll.

Und die Angst geht weiter um

Wahrscheinlich hören nur die wenigsten darauf, dass Organisationen und Gruppen wie die AfD mit leeren Phrasen um sich werfen. Irgendwas bleibt hängen und aus diesen Fragmentfakten ergibt sich Angst. Die nicht annehmbaren Zustände in einigen, vorrangig islamischen Ländern werden genannt. Dass dies mit der Instrumentalisierung des Glaubens zu tun hat und nicht mit dem Glauben selbst, ist den Kritikern dann wieder egal. Gleichzeitig wird ausgeblendet, dass Christen nach dieser Logik brandschatzende Massenmörder sind, die kaum einen Flecken Erde ausgelassen haben, um für ihren Gott gewaltsam zu missionieren. Diesen Vergleich wird man damit abtun, dass die Christen in Deutschland nicht so sind. Dann sind aber auch Menschen wie ich an der Reihe zu fragen, warum das dann mit Muslimen in Deutschland anders sein sollte.

Die Entschuldigungen und Ausreden werden trotzdem nicht aufhören, weil es leicht ist, sich die Welt so einfach wie möglich zu erklären. Der Himmel ist blau (nicht wirklich), Wasser ist nass (eine sehr oberflächliche Erklärung) und es gibt Gutes und Schlechtes auf der Welt. Niemand ist gerne das Schlechte und deswegen lassen sich Sündenböcke so leicht erstellen. Natürlich ist es nicht gut, dass in einigen Ländern der Islam missbraucht wird, um u.a. Frauenrechte zu unterdrücken und Gewaltherrschaften zu gründen. Nur lässt sich der christliche Glaube ebenso problemlos für solche Zwecke missbrauchen. Es ist in der Geschichte bereits passiert und es passiert immer wieder. Hier wird ein Wort weggelassen, da wird undeutlich interpretiert und fertig ist eine Hasspredigt. Heraus kommen Botschaften voller inhaltlicher und ausdrücklicher Fehler, ziemlich genau wie auch dieses Mal wieder bei den haltlosen Behauptungen der AfD.

Featured Image via Flickr by Enrique Fernández

Drei Wahlen, viele Fragen – Rechtspopulismus in Deutschland

Puh. Da sitze ich nun am Sonntag nach 23 Uhr und schaue fern, lese Analysen und soll auch noch etwas schreiben. Einen weiteren Eimer Wörter in den See aus Sätzen kippen. Aber was soll man* da sagen? Es bleibt letztlich nur das Mantra: Richtig schlimm wird es erst nächstes Jahr. Wenn dann die AfD im Bundestag…

Aber fangen wir von vorne an. Es waren Wahlen, Landtagswahlen, in drei Bundesländern. Zwei im Westen, eins im Osten Deutschlands. Alle Parteien haben leichte Rückgänge zu beklagen und laut den Daten der Lügenpresse ARD hat die AfD überall gewonnen. Es war quasi ihre Feuertaufe, nach ein paar Testläufen in Thüringen und zur Europawahl, zuletzt bei den Kommunalwahlen in Hessen. Jetzt also hat Deutschland seine eigene, etablierte, populistische Partei, die AfD.

Und damit befindet sich Deutschland in guter, europäischer Gesellschaft:

  • Frankreich hat seinen Front National
  • Belgien Vlaams Belang
  • die Niederlande die Partij voor de Vrijheid
  • die FPÖ in Österreich
  • Lega Nord und Forza Italia in Italien
  • Schweden wird bedrängt von den Schwedendemokraten
  • in Dänemark hat die Dänische Volkspartei die zweitmeisten Sitze im Parlament
  • Die UKIP trommelt sich in Großbritannien immer wieder auf der Brust herum
  • die SVP in der Schweiz ist ein Sonderfall, augrund der besonderen Konstruktion der schweizer Demokratie: Sie ist zwar stärkste Partei im Nationalrat, hat aber eher mäßigen Einfluss auf die Gesetzgebung
  • Und schließlich kann man in Polen sehr genau beobachten, was passiert, wenn eine nationalkonservative, xenophobe und anti-moderne Partei die Macht erlangt

Also alles halb so schlimm, weil das ja ein europäischer Trend ist? Schön wär’s. Auch in den USA braut sich mit dem Erfolg von Donald Trump ein ähnlicher Wutsturm über die Politik zusammen. Es bleibt die Frage: woher kommt das? Warum wählen die Menschen AfD?

Schlussstrich und Enttäuschung

Nationalkonservative, populistische Parteien hatten es in Deutschland eher schwer, was an der prägenden Erfahrung der Bundesrepublik mit dem Nationalismus liegt. Der Erfolg der AfD zeigt, dass Begriffe wie “Volk” oder “Deutsche” leider wieder salonfähig geworden sind, dass die emotionale Distanz zur nationalsozialistischen Vergangenheit, inklusive des Holocausts, sehr groß geworden ist. Der industrielle Massenmord und die zahlreichen Toten des Zweiten Weltkrieges werden (hoffentlich!) nie vergessen werden, aber es ist auch deutlich, dass der von den Konservativen so heiß ersehnte “Schlussstrich” unter der deutschen Geschichte immer breiter wird. Die historische Verantwortung Deutschlands, aber auch Europas, scheint dagegen immer weiter aus dem kollektiven Gedächtnis zu verblassen.

Via Flickr, by Christopher Porter

lake view_christopher porterZur Entspannung bei diesem Thema gibt es beruhigende Bilder

Die Gründe für den Erfolg von rechts liegen auch in der Impotenz der etablierten Parteien, allen voran der SPD. Die hat massive Verluste bei den Landtagswahlen eingefahren und ihr geht es auch im Bund nicht allzu gut. Zehn Prozent, plus minus ein paar Zerquetschte, das ist nicht schön für eine Partei, die früher einmal eine veritable Alternative zur konservativen CDU war. Die SPD heute dagegen ist ein verzweifelter Schatten ihrer einstigenGlorie, klammert sich an die Tradition als Partei “des kleinen Mannes”, obwohl sie schon lange für viele Mitglieder*innen nur ein Karriereschritt hin zum Vorstand eines DAX-Konzerns ist – oder hin zum bequemen Sitz in einer Verwaltungsinstitution. Ihre eigenen Kandidat*innen haben die Werte der SPD ausgehöhlt und ad absurdum geführt. So haben die Sozialdemokraten nicht nur ihre eigenen Ideale, sondern auch ihre Wähler*innenschaft vor den Kopf gestoßen und an Glaubwürdigkeit verloren.

Ein Problem, mit dem sich auch die Verluste der anderen Parteien erklären lassen: Kaum ein*e Politker*in wirkt noch wirklich glaubhaft, wenn sie/er vor Publikum spricht. Deshalb zieht die AfD so viele Stimmen aus allen Parteien, von enttäuschten Sozialdemokrat*innen genau wie von Ex-Liberalen, allen voran aber den schon lange resignierten Nichtwähler*innen. Denn jene, die in einfachen Worten einfache (jedoch vermeintliche) Wahrheiten predigen, wirken glaubwürdiger. Eine wunderbare Parallele ergibt sich da zur Präsidentschaftskandidatur in den USA: Donald Trump (also eigentlich ja Drumpf, immerhin sollte er auf seine Herkunft Stolz sein! #makedonalddrumpfagain) wird von seinen Anhänger*innen so geschätzt, weil er “sagt, was er denkt”. Er gilt als Anti-Establishment, ein Label, dass sich auch die Rechtspopulist*innen in ganz Europa anheften. Es ist eben diese Glaubwürdigkeitskrise, welche die Zugkraft der etablierten Parteien so massiv mindert und selbsternannten “Alternativen” Zulauf bringt.

Die Angst vor der Moderne

Es ist auch die globalisierte Moderne, die Menschen in Angst versetzt – und Angst gebiert schließlich den Hass, mit dem AfD und Co. so erfolgreich demokratische Werte wie Toleranz und Diskurs kannibalisieren. Die Globalisierung versetzt die Menschen in viele Unsicherheiten: die Zukunft sei früher einfach besser gewesen, weil berechenbarer, so die Gemütslage vieler Ängstlicher. Die Konkurrenz ist mittlerweile nicht mehr die USA oder Japan, sondern die ganze Welt. Deshalb haben viele Angst vor dem Verlust ihres Wohlstandes – der Mittelstand fürchtet sich vor dem Fall. Und dann wären dort auch noch diese lästigen Minderheiten, die auf ihre Recht als Menschen, auf ihre Würde pochen und Privilegien der Mehrheiten beschneiden wollen. Feminist*innen, Homosexuelle, Migrant*innen: Sie alle wollen uns weißen, heterosexuellen, “normalen” Frauen und Männern bewusst machen, dass wir auf Kosten Anderer unseren Lebensstil pflegen. Aber wir, so der erschrockene Ausruf des Schnurrbartträgers am Stammtisch, wir sind doch gar nicht Schuld daran! Nö, so die schulterzuckende Entgegnung dieser nervigen Gutmenschen, aber ihr profitiert davon, im vollen Bewußtsein eurer Verantwortung. Der Verlust von Wohlstand und Privilegien ergibt einen Angstcocktail, der Rechtspopulist*innen berauscht und ihre Wähler*innen in fiebrige Hoffnungen versetzt – die alle nicht erfüllt werden können. Denn die Welt ist leider zu kompliziert für die einfachen Lösungen von islamophoben Rassist*innen. Wenn sie denn überhaupt ein Interesse an der Lösung haben.

via Flickr, by Luke and Kate Bosman

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Tja, und dann ist da noch die Wende. Die große Enttäuschung für die allermeisten Menschen in der ehemaligen DDR. Die taumelhohen Hoffnungen von 1989, nach Demokratie, Selbstbestimmung, Gerechtigkeit werden seit über 25 Jahren konsequent für die politischen Karrieren Einzelner instrumentalisiert – und daher enttäuscht. Kein Wunder also, dass sich die Menschen in Ostdeutschland, platt gesagt, mal gehörig verarscht fühlen, nach einem diffusen “früher” zurücksehnen und wenig Sinn in einer Demokratie finden, die sich konsequent gegen die Interessen ihrer Wähler*innenschaft wendet. Die durch die Treuhand und den plötzlichen Einbruch des Kapitalismus geschlagene Lücke in der Sinnfindung der Einwohner der alten DDR füllten dann nicht gemeinschaftlich finanzierte Programme zum Strukturwandel (wie übrigens in NRW), sondern die NPD. Aber wovon sollte man* das ja auch bezahlen? Hatte man* diesen ständig jammernden Ossis nicht schon Genug Geld in den Arsch geblasen?

Hinschauen

Die Ursache für den Erfolg der AfD in Deutschland ist, wenig überraschend, hausgemacht. Über Jahre andauernde Entwicklungen wurden entweder kleingeredet (im Falle des NSU) oder ignoriert, weil sie nicht ins Weltbild passten (“Die Mitte ist doch nicht rassistisch!”). Der erste Schritt wäre nun, die Hände von den Ohren zu nehmen, die Augen zu öffnen und endlich aufzuhören “Lalala, ich höre euch nicht” zu singen. Und dann zu schauen: Warum rufen die Menschen jeden Montag in Dresden diese schrecklich sinnentleerten Parolen? Warum brennen Heime für Flüchtende? Warum haben die Menschen Angst? Aber die Antwort auf die Fragen kann nicht sein, den Forderungen von Hetzer*innen und Volksschwadronierer*innen nachzugehen.

via Flickr.com, by David F. Arndt

cat sun_david arndtEine Partie, die mehr Katzen für jede*n fordert, würde ich sofort wählen.

Nein, wir als Gesellschaft müssen sagen: Jetzt erst recht! Mehr Freiheit, mehr Offenheit, für alle, denn Nähe schafft Akzeptanz. Im Prinzip sind wir als Gesellschaft ja auf einem guten Weg, was Gleichberechtigung und Toleranz angeht. Deutschland hinkt wie immer hinterher, aber auch hier werden die Stimmen der Gerechtigkeit und Freundlichkeit lauter. Statt angesichts der schrillen Schrecklichkeiten aus den Mündern der Rechtspopulist*innen, der Rassist*innen und Homophoben zu verstummen, müssen wir, die wir differenzieren, verstehen und eintreten für wirkliche, demokratische Werte etwas tun. Wir müssen noch lauter die gute Botschaft in die Welt tragen: Wir sind alles Menschen! Also handeln wir menschlich!

Denn nur so schaffen wir den Hass aus der Welt.

Gemeinsamkeit statt Egoismus

Sonntag war ein schwarzer Tag in der deutschen Geschichte. Das werden nach diesem Schrecken noch viele Schreiben. Egal wie positiv man die Wahlergebnisse in Rheinland-Pfalz, Baden Württemberg und Sachsen-Anhalt interpretieren will, eines bleibt Fakt: Die AfD ist jetzt schon in vier Bundesländern auf zweistellige Prozentzahlen gekommen. Nicht nur im Osten, auch im Westen. Nicht nur Sonntag, auch schon vor einigen Wochen in Hessen.

Die traurige Wahrheit ist, das sollte keine*n überraschen. Nicht nach der Berichterstattung über die ‘Flüchtlingskrise’, nicht nach wöchentlichen Pegida-Demonstrationen, nach brenndenden Flüchtlingsheimen und nach Rechtspopulist*inn*en, die ‘ernst’ genommen werden müssen. Und dennoch sitzen viele fassungslos vor den Medien unserer Zeit. Wie kann so etwas passieren? Im Jahr 2016, ein Jahr dessen bloßer Name nach Zukunft und Science- Fiction klingt.

Die Vergangenheit in der Zukunft

Vor hundert Jahren ist der 1. Weltkrieg noch im Gange und wird wichtige Grundlagen für die große Katastrophe des 20. Jahrhunderts legen. Der 2. Weltkrieg, in seiner Konzentration von Grausamkeit bis heute so einzigartig, dass ein einziges Wort Synonym für seine Unmenschlichkeit geworden ist: Auschwitz. Auschwitz ist zum Schlagwort geworden für den menschlichen Abgrund der Konzentrationslager, für den Holocaust und die sechs Millionen Menschen, denen das Leben genommen wurde, weil Hass den Alltag regierte. Und wie nach dem 1. Weltkrieg, als die vor dem Krieg begeisterten Überlebenden: ‘Nie wieder Krieg’ riefen, hieß es ein halbes Jahrhundert lang, in Deutschland und Europa: Nie wieder Auschwitz.

Der Vergleich mit dem Nationalsozialismus wirkt fast schon inflationär, wenn heute über die AfD gesprochen wird, aber er verliert trotzdem nicht an Wahrheit. Die moderne Demokratie ist ein empfindliches Gebilde, das hart erkämpft wurde und von Idealen zusammen geschweißt wird. Doch der Kampf um ein gerechteres politisches System hat uns auch gelehrt, wie leicht es von menschenverachtenden Kräften missbraucht werden kann. Ob die NSDAP 1933 oder die AfD 2016, hier spielen von Macht besessene ‘besorgte’ Bürger*inn*en die individuellen Ängste von Menschen aus, um ihre rigiden und verstaubten Ansichten zu propagieren.

Die traurige Realität ist, dass die AfD aus einem Grund so viele Stimmen bekommen hat: Rassismus. Rassismus, der nicht nur aus bloßem Hass herrührt, sondern aus fehlenden Informationen und einem fehlenden, konstruktiven Umgang mit realen Problemen. Es sind nicht nur die Massen- oder Leitmedien, die hier versagt haben, sondern auch eine Politik, die in einer Zeit des gesellschaftlichen Umgangs lediglich moralisch argumentiert.

Till Reines hat sehr schön auf den Punkt gemacht, wie man mit der Angst der ‘besorgten’ Bürger*inn*en umgehen soll.

Natürlich sollte das reichen. Natürlich sollte Mitgefühl, Menschlichkeit und Solidarität reichen, um die Bürgerinnen* und Bürger* dieses Landes von einer offenen Flüchtlingspolitik zu überzeugen. Aber Fakt ist, dass Moral nichts Greifbares ist. Ideale kann man* nicht essen oder verheizen. Und wer eine Zeit lang arbeitslos in diesem Land war, der weiß wie sehr es einen psychisch belasten kann, stigmatisiert zu werden. Oder was es bedeutet, plötzlich Ämtergänge oder Bescheide auszufüllen, die einem niemand so wirklich erklärt. Der*die weiß: auf dieser Basis ist es leicht Hass zu säen. Es ist keine Ausrede deshalb Rassist*in zu werden, aber es ist ein Mechanismus der weder neu noch unbekannt ist.

Fakten und Emotionen

Letztendlich gibt es nicht nur moralische Gründe Flüchtlinge aufzunehmen. Deutschland integriert im internationalen Vergleich sehr erfolgreich Migrant*inn*en in die deutsche Gesellschaft, eine Gesellschaft die am vergreisen ist und dringend mehr junge Menschen braucht. Rein wirtschaftlich gesehen profitiert Deutschland von Migration. Und auch die anderen Vorwürfe lassen sich entkräftigen. Weder hat irgendein Flüchtling einem*r Deutschen den Job weggenommen, noch sind Steuern erhöht worden. Deutschland geht es gesellschaftlich so gut wie nie. Die Arbeitslosenzahlen sind verhältnismäßig niedrig und der wirtschaftliche Profit steigt. Was ist dann das Problem?

Denn diese Liste lässt sich fortführen. Diese Fakten sind bekannt und sind oft gesagt worden. Von den Medien, der Wissenschaft und manchmal sogar den Politiker*inn*en, aber die harte Realität ist, dass diese Message in den Köpfen vieler nicht ankommt.

Die Arroganz der Schlauen

Wer jetzt mit Dummheit argumentiert, macht es sich zu leicht. Auch wenn eine fehlende Bildung zu rassistischen Vorurteilen beitragen kann, heißt das nicht, dass nur Leute ohne Uni-Abschluss Rassist*inn*en sind. Die Spitzenpolitiker der AfD und die Sprecher*inn*en auf den Pegida-Demonstrationen sind weit davon entfernt ‘dumm’ zu sein. Es ist die Mitte, die Angst hat ihren Status zu verlieren. Und sowieso: Was ist Dummheit überhaupt? Nur weil jemand besser oder schlechter Wissen lernen kann, macht das ihn*sie nicht zu einer schlaueren oder dümmeren Person.

Und hier liegt der Hund begraben: Feindbilder. So wie die AfD das Feindbild des schmarotzenden, Frauen verachtenden Flüchtlings hat, so haben besonders Intellektuelle das Feindbild, des dummen Nazis. Doch die traurige Realität ist, dass die Menschen, die AfD wählen, nicht dumm, aber letztendlich genauso schlimm sind, wie die Schläger*inn*en, die Flüchtlingsheime anstecken.

Auch wenn mein Optimismus an diesem Sonntagabend ins Wanken gekommen ist, glaube ich fest daran, dass die Wähler*inn*en nicht zu hundert Prozent hinter dem Wahlprogramm dieser schrecklichen Partei stehen. Denn wer einen Blick in das Papier wirft, dem stellen sich die Haare auf. Doch die Rechtspopulisten unserer Zeit verfolgen wie die NSDAP vor knapp hundert Jahren eine einfache Strategie: Die politische Debatte mit einem Thema zu dominieren. Einem Thema, das sich Schwarz-Weiß zeichnen lässt. Ein Thema das emotional stark und begrifflich greifbar ist. Die grausame Ironie: Die deutsche Politik und die Medien machen mit.

Zwei Seiten einer Medaille

Das schreckliche an Geschichte kann sein, zu sehen wozu wir Menschen fähig sind. Das gute ist, dass wir aus unseren Fehlern lernen können. Und wenn wir eine Lehre aus den Grausamkeiten des Nationalsozialismus ziehen können, dann, dass die Opposition zusammen stehen muss. Die Reaktion auf die Wahlerfolge darf nicht sein, dass die CDU die Wähler vom rechten Rand wieder einsammeln muss. Denn das bedeutet, dass Menschen in der CDU die Positionen der AfD vertreten müssen. Positionen die NIEMALS unterstützenswert sind.

Es gibt nur eine richtige Reaktion: dass die Parteien, die für eine mitfühlende, menschliche und solidarische Gesellschaft stehen sich partei- und meinungsübergreifend zusammen gegen Hass und Gewalt stellen. Das bedeutet Kompromisse schließen und schwierige Diskussionen führen. Das bedeutet aber auch an die eigenen Wähler*inn*en und Positionen zu glauben. Rassismus ist immer egoistisch motiviert, viel zu oft ist es die Angst des Einzelnen davor, dass ihm etwas weggenommen werden kann. Egoismus kann nur mit Gemeinschaft bekämpft werden. Mit Mitgefühl und Ausdauer und Geduld. Erst wenn wir uns gemeinsam gegen den Hass stellen wird sich etwas ändern.

Dafür müssen wir aber nicht nur mit Moral argumentieren, sondern mit den faktischen Realitäten. Erst wenn wir es schaffen, die unmittelbare materielle Angst auszuhebeln, kann Moral zum Tragen kommen. Das klingt zwar hart, aber Menschen sind nicht immer logisch. Und wenn Pragmatismus, das Ruder rumreißen kann, sollten wir bereit sein den Schritt zu wagen. Damit 2016 NUR nach Science-Fiction klingt und nicht nach der schrecklichen Dystopie, die viel zu greifbar erscheint.

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Am Abgrund Links – Abalonia und Männerfeindlichkeit

Ah, Musik und Politik! Zwei doch oft überraschend nah beieinander liegende Themen. Ob es die Emotionen sind, die beides verbindet? Dabei ist Politik doch als rationale Bühne gedacht. Und Musik nur als Unterhaltungsshow? Max jedenfalls hofft, sein Lieblingsalbum für dieses Jahr schon gefunden zu haben. Und Johannes unterstützt den Feminsmus. Das übliche also, in unseren Links für diese Woche

Johannes

  • Ich musste bei der Überschrift von Selma Mahlknechts Telepolis-Artikel erstmal schlucken: Sexismus zu bekämpfen hieße auch, Männerfeindlichkeit zu bekämpfen. Nun ist Männerfeindlichkeit erstmal ein Kampfbegriff aus dem Maskulismus und hat mich daher ob der Richtung des Artikels verunsichert. Bald nach den ersten Absätzen wird aber klar, worum es geht: Die Männerbilder, die es in unserer Gesellschaften bzw. unseren Gesellschaften gibt, sind oft genug ziemlich steinzeitlich – und damit wenig schmeichelhaft für Männer. Die Rolle des stumpfen Barbaren füllen Männer schon lange nicht mehr aus, viel eher sehen sie sich einer unvereinbaren Vielzahl an Rollenerwartungen verknüpft. Das Männerbild daher auf den saufenden und grölenden Holzkopf zu reduzieren (auch wenn wir jeden Montag in zu vielen Städten das Gegenteil bewiesen bekommen) ist eklatant Androgynistisch, kommt aber meist aus der Männerrechtsbewegung selbst. Am Ende steht die Erkenntnis, dass der Feminismus den Männern durchaus mehr zutraut, als deren selbsternannte Rechtebewahrer.
  • “You are a survivor!” So klang es in den Ohren derjenigen, die vor knapp drei Jahren das Tomb Raider Reboot gespielt haben: Lara Croft gibt nicht einfach auf, die kämpft und überlebt! Das zumindest war die holzhammersensibel vorgebrachte Botschaft des Spiels – nur mit Survival im Spiel-Sinne hatte das wenig zu tun. Rise of the Tomb Raider von Ende 2015/Anfang 2016 hat nun einen DLC spendiert bekommen, indem der Survival-Aspekt wesentlich in den Vordergrund rückt. Dieser DLC ist wohl gut genug, dass Rock, Paper, Shotgun dazu ein eigenes Review veröffentlicht. Beim Lesen der Worte scheint es mir, als wäre diese Ergänzung tatsächlich einmal ein Survival-Spiel (wenn auch kein eigenständiges), dass ich wirklich interessant finden könnte.

Max

  • Zumindest das mit dem “Rot” in Schwarz-Rot-Gold bekommen wir laut SZ schon richtig gut hin. Langsam ist aber auch Fremdscham nicht genug, wenn Politiker anfangen die Gesetze wie heilige Schriften auszulegen, sodass am Ende irgendwie alles okay ist. Der Ausdruck Prantls “politische Obszönität” hat für mich jetzt leider schon Potenzial zum Ausdruck des Jahres, denn ehrlich gesagt ist es mir lieber, dass Zweitklässler das gesamte Fluch-Repertoire eines Oberstufenschülers beherrschen, als dass wir diese Menschen verachtende Grütze hören müssen. Und dabei sorge ich micht nicht nur um die Opfer dieser Rhetorik. Ich möchte nicht jeden Morgen aufstehen und bei jedem zehnten Passanten denken: Aha, wahrscheinlich ein Arschgesicht.
  • Apropos “Arschgesichter”! Dieser Ausdruck ist nur einer von zehn Titeln auf der neuen Turbostaat-Scheibe. Wer ein wenig den Grips anstrengt und zuhört, der merkt auch, dass die Band sich ebenfalls mit den politischen Gegebenheiten auseinandersetzt. Auch abseits davon ist das Album aber richtig klasse geworden. “Alte” Fans werden wahrscheinlich weiter nölen, dass die Band ihnen inzwischen zu soft klingt. Mir gefällt der Ansatz des neuen Albums “Abalonia” richtig gut. Der Trend bleibt bestehen, dass die Jahresanfänge bei mir immer einen Favoriten fürs gesamte Jahr bedeuten.

Featured Image via Flickr by Clemens Vasters

Am Abgrund Links – Analoges Exil und Analoge Videokassetten

Es ist wieder Wacky Week hier bei uns auf dem Blog. Statt Montags bringen wir diese Woche die Links am Dienstag. Wildes Weltzugrundegehen! Dafür haben wir extra Anni aus der unfreiwilligen Internet-Abstinenz geholt!

Anni

  • Mein Leben im analogen Exil nervt, aber in den letzten Wochen wollten weder mein Computer noch mein Internet funktionieren. Ersteres ist mittlerweile wieder fit, zweiteres wiederum… Wie dem auch sei, es wird Zeit, dass auch ich wieder etwas zu den Links beisteuere, denn das ist eine andere Lektion der letzten Wochen. Die Welt hört sich nicht auf zu drehen, nur weil man* keine Möglichkeit hat immer informiert zu sein.
  • Der Freitag (eine Wochenzeitung, die konstant mein Herz erobert) fast noch einmal schön zusammen, was das Problem mit Xavier Naidoo und dem ESC ist. Außerdem waren noch  einige Überlegungen zu Sozialismus, Innovationen und neoliberalen Gedanken zufinden. Absolut lesenswert.
  • Über Pinkstinks habe ich ein cooles Projekt entdeckt. Diese Seite erzählt die Märchen der Gebürder Grimm neu und versucht damit die Wirkung von Narrativen auf Kinder zu verdeutlichen.
  • Für den Abschluss noch was schönes. Das Internet hat neben seiner Schattenseiten auch immer wieder nette kleine Überrraschungen zu bieten. Zum Beispiel Bilder von gealterten Superheld*inn*en. Enjoy.

Johannes

  • Kennt ihr sie noch? Videotheken? Wo man gaaaaaaaaaaaaaaaa-ha-hanz früher VHS-Kassetten geliehen hat, später dann DVDs? Und heute gar nichts mehr leiht, weil die Dinger fast alle zumachen? Der Grund dafür ist ganz einfach: Dank Internet, Streaming, Video-on-Demand und nicht zuletzt den Übernacht-Services von Amazon und Co. haben sich Sehgewohnheiten und Konsumverhalten von Filmen geändert. Wie sich das auf eine kleine Videothek in den USA auswirkt, schildert dieser Text von Dennis Perkins. In den Vereinigten Staaten sieht die Situation nochmal ein bisschen anders aus als hier in Deutschland, da es dort große Verleihketten wie Blockbuster gab, die nach und nach kleinere Läden aufkauften – nur um dann selbst pleite zu gehen. Die Ketten gibt es auch in Deutschland, beispielsweise Bari-Videofuchs-Videotheken in NRW, sind allerdings wesentlich kleiner als ihr nordamerikanisches Pendant.
  • Auch sehr US-zentriert ist diese Aufzählung von 28 verbreiteten Rassismen und die Möglichkeiten, ihnen argumentativ zu begegnen. Was wir ja oft ausblenden ist, dass in den USA das Thema viel offensichtlichter ist und daher auch offensiver behandelt wird. Das führt natürlich zum einen zu mehr offenen Rassismus in der US-Gesellschaft, zum anderen aber auch zu einer im Prinzip größeren Sensibilität diesem Thema gegenüber. Anders in Deutschland: Hier gilt ein Mensch erst als Rassist, wenn sie oder er Juden vergasen und farbige Menschen mit dem N-Wort bezeichnet (das mit dem dopelten G, das mit dem einfachen G entzündete ja vor ein paar Jahren eine wunderbar absurde Diskussion über die Daseinsberechtigung von rassistischen Begriffen in Kinderbüchern). Hier gibt es kein Bewusstsein für die gängisten Formen von Rassismus, weshalb in Dresden und ich viel zu vielen anderen Städten jeden Montag ein Haufen Rassisten durch die Straßen stolzieren darf, ihre xenophobe Scheiße in die unbeleuchtete Dezembernacht herausbrüllen darf und dabei sich zu sagen erdreistet “Ich? Ich bin doch kein Rassist!”. Wo wir da gerade beim Thema sind…
  • Neben all den anderen schrecklichen Dingen (s.o.), für die PEGIDA und die AfD so verantwortlich sind, ist das Wiedererscheinen des Begriffes “Volk” eines der schlimmsten. Der von den neurechten so oft bemühte Spruch “Wir sind das Volk” knüpft dabei nur für uninformierte an die Tradition der Wende-Demonstrationen an. Viel näher liegt der Spruch leider am Volksbegriff der Nationalsozialisten und Rassenkundler des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Da helfen auch alle falschen “Nazis raus!”-Rufe bei PEGIDA nicht. Denn, wie Michael Bittner feststellt, ist das ohnehin eine brechreizerregende Verdrehung des Begriffes. Sagen wir also doch bitte, wie es ist: Da laufen, bei AfD und PEGIDA insbesondere, Nazis mit. Scheißegal, ob sie sich selbst so identifizieren oder nicht, ihre offenbarten Taten und Positionen sprechen da deutlich genug.

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Am Abgrund Links – Rechte Jugend und… Fußball?

Kaffee, Tee, Guarana – egal, hauptsache es macht wach und ist warm. Und wenn euer Hirn sich dann auf Betriebstemperatur erwärmt hat, bekommt es auch gleich neuen Input. Von uns, mit den Links aus dieser Woche.

Johannes:

  • In seinem 1941 verfassten Stück “Der unaufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui” schrieb Berthold Brecht: “Es ist der Schoß fruchtbar noch, aus dem das kroch” und meinte damit Nazi-Deutschland. Schaue ich heute (mit Grauen) nach Deutschland, so muss ich feststellen: Dieser Schoß ist nie ausgetrocknet! Die Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte häufen sich derzeit wieder und ein AfD-Politiker beschwört Goebbels-Rhetorik herauf, indem er von tausendjähriger Geschichte schwafelt – er könnte genauso gut vom tausendjährigen Reich palavern, die Leute merkten’s nicht und applaudierten trotzdem. Wen wundert es bei einem offensichtlich rechtslastigen Geheimdienst, dass Neonazis seit Beginn der Bundesrepublik im Geheimen, aber auch Öffentlichen, ihre sogenannte Politik betreiben konnten. Und dass sie sich mehr oder weniger ungehindert seit der Wende in Ostdeutschland ausbreiten und die Provinzen infiltrieren konnten. Und nun haben wir eine braune Generation, die in Lagern mit militärischen und rassitischen Drill herangezogen wurde.
    Die Zeit hat in einer ausführlichen Reportage mit einer Aussteigerin aus der modernen Neonazi-Szene gesprochen. Für viele ist es wahrscheinlich erschreckend, wie gut vernetzt der braune Mob in Deutschland und Europa ist. Und welche wahnwitzigen Ideen diese kranken Geister verfolgen (“Wir besiedeln Ostpreußen neu!”). Ein sehr langer, aber sehr aufschlussreicher Text.
  • In die ähnliche Kerbe schlägt Dunya Hayalis Ausflug zur AfD-Demo in Erfurt. Nach dem unvermeidlichen Vorwurf der Manipulation hat das ZDF das gesamte Interviewmaterial veröffentlicht. Wenig überraschend: Die Leute faseln alle von Überfremdung, drogendealenden Balkan-Migranten und – natürlich – einem Herz für Kriegsflüchtlinge. Angesichts dieses Materials und zudem noch vieler weiterer, offen zugänglichen Zeugnisse über die Fremdenfeindlichkeit und den unverhohlenen Rassismus weiter Teile der deutschen Gesellschaft, stellt sich die Frage: Wann lernen die Menschen in diesem Land endlich, was Rassismus wirklich bedeutet? Wann wird niemand mehr sagen: “Ich hab nichts gegen Ausländer, aber…”, sondern lieber schweigen?
  • Das Team von Superlevel glänzt wieder mit einem hervorragenden Essay über die zunehmende Diversität auch in Sportspielen, dem althergebrachten Metier des Gamebro-Archetypen. Denn die werden plötzlich mit ethnischer Vielfalt und – oh Schreck! – Frauenfußball konfrontiert, auch wenn solche Kleinigkeiten eher ein nettes Gimmick als Spielinhalt sind. Trotzdem: Ein Schritt nach vorn geht in die richtige Richtung und es wird interessant werden, wie sich diese Entwicklung in Zukunft vollzieht.
  • Und dann noch etwas Netzpolitik: Kaum hat das Europäische Parlament in einem bemerkenswerten Akt unbeabsichtigter Dialektik gleichzeitig FÜR und GEGEN Netzneutralität gestimmt, da haut der Telekom-Chef gleich mal ein Statement raus, wie er die neue Regelung zu Nutzen gedenkt: Für mehr als “Normalgeschwindigkeit” sollen die Kunden doch bitte auch mehr zahlen. Vor allem Start-Ups seien auf seine “Spezialdienste” angewiesen und könnten ja eine Umsatzbeteiligung locker machen. Was ein Scheißverein! Vodafone ist übrigens wenig besser. Die sagen sinngemäß: Wir planen momentan nichts dergleichen, finden den Vorstoß der Telekom klasse! Selten zuvor wurden alle Befürchtungen, die im Vorfeld in den Raum geworfen wurden, so schnell bestätigt. Herzallerliebst!

Max

  • Fußball. Ja, wirklich: Fußball. Am Anfang war der “Kaffeeklatsch mit Eierschegge und en Schälschen Heesn” nur der Off-Topic-Bereich des Unterforums für Dynamo Dresden Anhänger auf Transfermarkt.de. Wer sich allerdings tatsächlich mit Dresden beschäftigt und vielleicht auch noch im “Elbflorenz” wohnt, an dem geht auch die Außendarstellung der Stadt und des Vereins sowie die politische Situation nicht vorbei. Inzwischen gibt es sehr erbauliche, interessante und auch spannende Einträge, wie die Fans ihre Situation neben dem Platz einschätzen. Und manchmal hat es zur Erleichterung von Menschen wie Johannes auch gar nichts mit Fußball zu tun. Findet ihr auch ein paar Idioten, wenn ihr lange genug sucht? Das ist wohl eher eine rhetorische Frage, wenn man sich im Internet nach Meinungen umschaut. Mich hat der Thread die letzten Tage und Wochen immer wieder in verschiedener Hinsicht unterhalten. Ein freundliches “DY! NA! MO!” an den Tabellenführer der 3.Liga und eine Erinnerung daran, dass nicht gleich jeder Fußballfreund auch ein gewaltbereiter Depp ist. An alle Fans, die an der Rekord-Choreo mitgearbeitet haben: “RESCHBÄGGT!”
  • Full Disclosure: Aus Respekt und Höflichkeit verlinke ich meine Arbeit außerhalb des Blogs normalerweise nicht, aber es lohnt sich nun mal wirklich. Ja, den Artikel habe ich geschrieben. Nein, ich habe von niemandem Geld dafür bekommen. Es ist schlichtweg leichter und fairer gegenüber den Seitenbetreibern die es mir ermöglichen über all diese Musik zu schreiben, dass ich einen Artikel hier verlinke. Will Varley ist ein sehr spannender Liedermacher (wir coolen Menschen sagen heutzutage aus irgendeinem Grund “Singer/Songwriter”), der sehr nachdenklich und sehr politisch mit “Postcards From Ursa Minor” ein wirklich fantastisches Album veröffentlicht hat. Wer es genauer wissen will, der liest meine Kritik. Es liegt mir einfach nur am Herzen, dass mehr Menschen von Will Varley wissen, weil ich nicht einfach nur aus Spaß an der Freude Höchstbewertungen vergebe. Aber wenn wir schon beim Thema sind: Bitte, bitte, bitte lest Kritiken, anstatt euch nur auf irgendwelche Zahlen/Noten/Bewertungen zu verlassen. Vielen Dank, ein Schreiberling.

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Am Abgrund Links – Populismus und “Alles Steht Kopf”

Also, wir versuchen hier ja immer gute Laune zu verbreiten. Auch und vor allem am Montag. Aber manchmal, ja, manchmal fällt das echt schwer. Die Kunst ist, aus all den erdrückenden Nachrichten Kraft zu schöpfen und sich zu sagen: jetzt erst recht! Denn die Erde ist zu schön, um sie den Deppen und Arschlöchern zu überlassen.

Johannes

  • Puh. So langsam wird es wirklich ungemütlich in diesem Deutschland. Für Menschen mit Migrationshintergrund und nicht zuletzt Flüchtende ist es ja schöön länger so, aber angesichts der zunehmenden rechten Gewalt möchte ich mich kaum noch mit Politik beschäftigen. Vor allem, weil diese völlig falsch und widersprüchlich agiert. So warnt Innenminister De Maizière angesichts des Jahrestages der PEGIDA-Demos vor den neuen “Nazis” und brandmarkt die Demonstrat*innen somit. Das heizt die Stimmung wiederum zusätzlich an. Aber De Maizière trägt selbst dazu bei, wenn er beispielsweise noch vor vier Tagen Öl ins Feuer goß, als er sagte, die Anzahl an Flüchtenden sei “einfach zu hoch”. Übrigens äußerte sich der Innenminister derart am selben Tag, als das neue, weiter verschärfte Asylrecht verabschiedet wurde. Und noch ein paar Tage zuvor verlangte De Maizière, die EU-Aussengrenzen besser zu schützen. Das ist nur ein Beispiel aus der Kakophonie der Widersprüchlichkeiten, die aus den Mündern der Politiker*innen dieses Landes tönen. Machen wir uns nichts vor: PEGIDA, die AfD und die CSU haben dazu beigetragen, dass Deutschland ein Stück weit nach rechts gerückt ist und sich auch nun hier der Populismus Bahn bricht, wie es in anderen EU-Ländern wie den Niederlanden, Frankreich, Österreich, Dänemark und Schweden bereits der Fall ist. Und übrigens auch in der Schweiz (siehe unten). Die richtige Reaktion wäre es, sich angemessen mit den alltäglichen Rassismen in Deutschland auseinanderzusetzen und sich bewusst zu machen: Es reicht nicht, diese Menschen als “Nazis” abzustempeln und sie damit sprachlich ausserhalb der Gesellschaft zu stellen, sondern ganz klar benennen muss, dass sie nur ein Produkt des Rassismus, der Fremdenfeindlichkeit und fehlenden politischen Bildung in diesem Land, in dieser Gesellschaft sind. Dieses Problem schafft man* nicht durch Transitzonen weg, sondern nur durch harte Arbeit, Argumente und vor allem einem Rechtsstaat und einer Polizei die nicht auf dem rechten Auge blind ist. Aber auch jede*r Einzelne kann etwas tun: Nämlich im eigenen Bekanntenkreis, auf Arbeit und in der Kneipe, im Sportverein, einfach überall, wo tumbe Äusserungen über “Ausländer” oder “Flüchtlinge” nicht sofort zu akutem Brechreiz führen, die eigene Stimme erheben und sagen: Nö. Du hast Unrecht und deine Meinung ist nicht “legitim”, sondern scheiße. Weil sie menschenverachtend ist.
  • Die Schweiz hat schon lange in Problem mit den Populisten der SVP, seit den Wahlen am Sonntag soger noch mehr. Bereits seit Jahren dominiert die SVP das Parlament, nun hat sie noch mehr Abgeordnete als zuvor. Durch das schweizerische Konsenssystem sind die Konsequenzen nicht so drastisch, wahrscheinlich wird die SVP eine* weitere*n Minister*in stellen dürfen. Es sagt aber viel über die Stimmung im Land gegenüber Ausländern aus, und dazu, das sollte man vielleicht an dieser Stelle erwähnen (siehe oben), gehören in der Schweiz auch Deutsche. Die Dominanz der SVP wird oft auf ihren Populismus geschoben, viel aber auch auf ihr gutes finanzielles Polster. Allein der SVP-Chef Christoph Blocher könnte mit seinen Milliarden den Wahlkampf aus der Portokasse finanzieren. Aber auch die Medien springen immer wieder auf den Empörungszug der SVP auf und spielen ihr Spiel mit. Zum Glück sind viele Medien da Selbstkritisch, viel hilft dies allerdings nicht.
  • Weg von der Politik: Steam macht Ernst mit seinen Steammachines und liefert erste Exemplare für das Streaming vom PC auf den Fernseher bereits an Vorbesteller aus. Die Technik-Experten von Ars Technica haben das Starter-Set ausprobiert und sind eher unterwältigt, aber guter  Hoffnung. Mich freut es einfach, dass das SteamOS auf Linux läuft und so – hoffentlich – eine freie Alternative als Spieleplattform zum Windows-PC heranwächst.

Max

  • Ich wollte mich eigentlich zu den Vorfällen in Köln äußern, doch meine Laune lässt es nicht wirklich zu. Ich kann nur appellieren, dass man sich damit auseinandersetzt und so etwas weder als Normalität, noch als bloßen Einzelfall abtut. Um etwas für die bessere Laune zu tun, kann ich nur mein persönliches Okay für “Alles Steht Kopf” geben. Der Film ist ein wunderbares Werk für junge Erwachsene geworden, die sich einmal reflektiert, aber trotzdem unterhaltsam mit ihrer Kindheit auseinandersetzen wollen. Aber auch für alle offenen Zuschauer birgt der Film einen netten Einstieg sich darüber klar zu werden, was uns antreibt, wenn wir auf unsere Umwelt reagieren. Außerdem schafft der Film es trotz einer “Erklärung” für unser Verhalten den Zufall und damit auch das Wunder des Lebens aufrecht zu erhalten. Wenn ihr dann schon komplett im Thema drin seid, kann ich nur “Das Orangenmädchen” von Jostein Gaarder sowie “Set This House In Order” von Matt Ruff als künftige Lektüre vorschlagen.

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Am Abgrund Links – Natürlich mit der AfD, dem deutschen Wissenschaftsbetrieb und ein bisschen Humor

28 Wochen sind im Jahr 2015 schon vergangen, die Hälfte des Jahres ist rum, der Sommer hat begonnen. Weil wir gehört haben, dass Menschen im Sommer normalerweise raus gehen und so Sachen machen wie “in den Park legen”, “grillen” oder “die Sonne genießen”, versuchen wir euch mit unseren Links aktuell zu informieren. Es muss ja jemand zuhause bleiben und Nachrichten lesen. Hier nun die Dinge, die wir wichtig fanden und mit euch teilen wollen.

ANNI

  • Im deutschen Wissenschaftsbetrieb läuft schon länger etwas schief. Der Mittelbau besteht fast nur noch aus befristeten Stellen und steht damit einer qualitativen Lehre, aber auch der individuellen Planungssicherheit der Arbeitnehmer*inn*en im Weg. Mittlerweile betrifft diese Situation mehr als 80 % aller wissenschaftlichen  Angestellten, schreibt der Freitag und geht der Ursache für diese Lage auf den Grund.
  • Kunst ist noch immer männlich konnotiert. Das sieht man* nicht nur daran, dass mehr männliche Künstler in den Museen hängen, sondern auch daran wie die Kunst von Frauen* noch immer Männern zugeschrieben wird. Der jüngste Fall dazu spielte sich in New York ab und offenbarte,  wie tief das Problem sitzt.

JOHANNES

  • In Frankfurt am Main beherbergt das dortige Deutsche Filmmuseum gerade eine Ausstellung zur Beziehung zwischen Filmen und Videospielen. Auch wir von Mehr Spieler haben uns immer wieder mit dem Thema auseinandergesetzt, in beide Richtungen. Hört mal rein und wer gerade in Frankfurt a. M. ist, kann sich die Ausstellung mal anschauen. Oder ihr zieht euch den den Beitrag von 3Sat rein, der sagt auch genau das, was wir in unseren Podcasts gesagt haben: Der Knackpunkt bei der Unterscheidung zwischen Film und Spiel ist die Interaktivität. Filme sind lineare Geschichten, beim Videospiel haben die Spieler*innen die Möglichkeit – zumindest ganz prinzipiell – in die Handlung einzugreifen.
  • Und um aktuell zu sein, hier noch ein kurzer Kommentar zur Wahl der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry. Im Übrigen wäre ich dafür, dass die AfD nicht nur als Partei der alten, weißen Männer bezeichnet wird, sondern statt konservativ eher als anti-modernistisch. Selbst die CDU tut sich mit dem gesellschaftlichen Wandel der letzten Jahre leichter.

MAX

  • Podcast der Stunde: International Waters! Der Comedy Podcast von MaximumFun.org (aka The Jesse Thorniverse) lädt jeweils zwei Komiker aus Großbritannien und Amerika ein, um triviale Wissensfragen und jede Menge Improvisation durch die Boxen zu hauen. Toller Nebeneffekt: man lernt eine Menge neuer Komiker kennen und die jeweiligen Empfehlungen zum Abschluss der Sendungen bergen auch immer mal wieder ein paar tolle Erlebnisse: jüngst der “High Song” bei Conan.

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BackTrack – Pegida, Eurasien und die Überwachung

Ein neues Jahr bricht an, neue Konflikte brechen aus. Wer keinen Bock hat sich mehrfach täglich mit der sogenannten (Vorsicht, Unwort des Jahres) Lügenpresse auseinanderzusetzen, kriegt hier den Digest mit musikalischer Untermalung. Toll. Und wer sich im vorletzten Satz an keinem Wort gestoßen hat wird wieder ausgeladen.

Hach ja, Pegida. Das Thema kann (und hat bereits) tausende Blogeinträge eingenommen und ist trotzdem noch nicht erschöpft. Da ist einiges lesenswertes dabei, da die Artikel aber teilweise schon in der Vorweihnachtszeit veröffentlicht wurden, werde ich die hier nicht mehr verlinken. Für großartige Meinungsbildung dürfte es aufgrund der medialen Flut, die sich über dieses Thema bereits ergossen hat, sowieso zu spät sein. Wir können aber rückblickend festhalten, dass a) zwar nicht alle Pegida-Marschierer Nazis sind, aber alle gute Nazis wären; b) es immer noch traurig viele davon gibt; c) Pegida nicht Symptom einer zunehmenden Islamisierung sondern von Existenzangst und sozialer Spaltung ist. Ich hoffe, das muss ich jetzt nicht noch ausführlich verargumentieren, Gründe siehe oben. Auf jeden Fall ist Pegida insofern unter der Oberfläche tatsächlich ernstzunehmen, auch wenn man sich mit den öffentlich vorgebrachten Argumenten eigentlich nicht auseinandersetzen muss. René Walter hat das irgendwo mal schön gesagt: die Diskussion muss sich eben nicht immer nach dem Dümmsten im Raum richten, auch wenn es im Kleinen natürlich wichtig ist weiterhin Überzeugungsarbeit zu leisten. Ein kleines Fun Fact, das sich im Zuge meiner Recherche aber ergeben hat: der größte Arbeitgeber Dresdens kommt aus…. Trommelwirbel.. Abu Dhabi.

Aber genug Pegida, wir schweifen mit dem Blick mal noch ein bisschen weiter nach Osten, wo sich der Ukraine-Konflikt zwischen, grob gesagt, der NATO und Russland weiter zuspitzt. Nach einem halben Jahr scheint jetzt klar zu sein, wer an dem Abschuss des Passagierflugzeugs MH17 die Verantwortung trägt: Russland, auch wenn SPON die Auflösung ihrer (auch so) lesenswerten Story an einen Magazin-Kauf knüpft. An dieser Stelle auch ein Shoutout und “Chapeau!” an Herrn Hinterwald, der die Info schon eine knappe Woche vor dem Spiegel-Artikel mit mir teilte und sich auf dieselben Quellen stützte. Was für Wellen das ganze jetzt nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo schlägt bleibt fraglich. Verbessern wird es die internationalen Beziehungen jedenfalls nicht.

Via Flickr by James Rea.

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Wähl’ die (nicht), Alter!

Der Status dieser Beziehungen wird manchen aber egal sein. Da treffen sich dann gerne mal Strache von der FPÖ und Marion Le Pen (Enkelin von DER Le Pen DEM Le Pen) mit dem rechsextremen Chefideologen des Kreml, Aleksandr Dugin, um so’n paar Dinge mal zu besprechen. Und die AfD hat ihre Finger auch im Spiel, anti-russische Sentiments kann man der Partei ja kaum unterstellen. Da kommt Pegida wieder ins Spiel, die ja auch mal RTDeutsch der deutschen “Mainstream-Presse” vorziehen. Gut, fragmentierte Öffentlichkeiten, Echokammern (sprich: circlejerks) und die Bereitschaft jeden Scheiß zu glauben, den Walter Frei.Wild im Forum von sich gibt, spielen da ne große Rolle. Pikant wirds, wenn man realisiert, dass Russland da tatsächlich seine Finger im Spiel hat.

Was das alles zu bedeuten hat? 3sat zählt eins und eins zusammen. Und der Rest so…

In other news: Überwachung bringt nichts (wussten wir), aber einsehen will das von den Verantwortlichen wieder keiner. Nach den Pariser Anschlägen fordert die CSU wieder die Vorratsdatenspeicherung, die in Frankreich ja herzlich wenig gebracht hat. Und auch die Briten, ohnehin ja schon Vorreiter des 1984-Szenarios, lassen es sich nicht nehmen noch ein bisschen auf das Populismus-Pedal zu treten. Aber dass Herr Cameron sich mit den Argumenten seiner dann-ja-Gegner auseinandersetzt kann man eh nicht erwarten: “If privacy is outlawed, only outlaws will have privacy.” Dass die Forderung seinem solidarischen Marsch für die Pressefreiheit zuwiderläuft, merkt der wahrscheinlich selbst auch nicht.

Passend zur Verschärfung sozialer Missstände und Überwachungsstaat: “The Cut Deepens” von Alix Perez, vom Album 1984. Genießt ein bisschen Dubstep, Glitch und Grime.

Außerdem besonderen Dank an Frau Schylo.

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