Category: Musik (Page 1 of 10)

“Vapiano” – Grundhass’ Appell an die Menschlichkeit

Ich will nicht die hässliche Fresse seh’n, die mir mein Essen zubereitet.

Ich will nicht die hässliche Fresse seh’n, die das kocht, was ich wieder ausscheiße.

“Vapiano” von Grundhass

Der Notenblätterwald rauscht gewaltig seit der Nachwuchskünstler Grundhass Akustik-Punkrock mit der kommerziellen Strahlkraft einer Madonna zurückbrachte. Seine sozialkritischen Beobachtungen dringen in ungewohnte Tiefen der menschlichen Psyche und erlauben Hörern aller Bildungsschichten Zugang zu komplett fremden Lebenswelten. Kaum ein Song bringt die nachdenkliche Dichterader des Neuzeitbarden derartig präzise aud den Punkt wie „Vapiano“.

Was Grundhass in wenigen Sekunden und Worten erzählt, pressen gestandene Liedermacher im besten Fall auf einen gesamten Longplayer. Scheinbar mühelos legt Grundhass unsere Oberflächlichkeit gegenüber fremden Kulturen die eigene Vergänglichkeit als Entschuldigung für fehlende Moralität offen. Die „hässliche Fresse“ ist eine Darlegung der Reduktion auf die äußere Erscheinung. Das lyrische Ich verfällt dem Instinkt der sofortigen Kategorisierung des Anderen allein aufgrund der Äußerlichkeiten. Weitere, mögliche Qualitäten und Vorzüge des Gegenüber bleiben allein aufgrund des fehlenden Aussehens außen vor, eine Problematik, die uns auch in modernen Gesellschaften begegnet.

Die Erklärung für dieses amoralische Verhalten begründet Grundhass in der schließenden Zeile „die das kocht, was ich wieder ausscheiße“. Das Kochen ist Synonym für interpersonale Interaktionen, die heutzutage wie Dienstleistungen aufgefasst werden. Wir erwarten uns ein für uns produktives Ergebnis von einer Interaktion mit anderen, wobei die harte Wortwahl „ausscheißen“ die fehlende Wertschätzung der Interaktionen ausdrückt. Gleichzeitig steht das Ausscheißen für die Vergänglichkeit der interpersonalen Interaktionen. Grundhass prangert hiermit die Wegwerfattitüde der Gesellschaft an, die Menschen nach einem Blick abtut und vor lauter Auswahl an Informationen und Mehrwehrt letztlich alles vergisst und nichts wertschätzt.

Die nihilistische Ansicht und der geistlose Konsum materieller und geistiger Güter trifft Hörer des Stücks „Vapiano“ ins Mark und stimmt zum Nachdenken an. Beim nächsten Aufeinandertreffen mit Fremdem und Neuem bleibt zu hoffen, dass Grundhass’ Worte uns mit voller Wucht treffen und uns daran erinnern: hinter jedem Gesicht steckt ein Mensch, der uns unabhängig von Beruf, Hautfarbe, Geschlecht und Idealen im Grunde gänzlich gleich ist.

Featured Image mit Genehmigung von Grundhass via ihm sein Facebook

Gute(r) Dinge – My Brother, My Brother and Me

Podcasts. Igitt, igitt. Totes Medium, es sei denn, Jan Böhmermann und Olli Schulz setzen sich daran. Und selbst dann ist der Podcast voll die Nische, ey.

Für Radio- und Rundfunk-apasionados (Spanisch, google it!) wie Johannes und mich sind Audiospuren faszinierend wie eh und je. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich noch kein deutsches Podcast-Programm gefunden habe, welches ich regelmäßig höre. Zumindest im Unterhaltungsbereich konnte mich noch nichts überzeugen. An dieser Stelle oute ich mich schnell: Mit Jan Böhmermann kann ich leider wenig anfangen. Und wer gerade Annis Stimme zu hören meint, der weiß, dass meine Untertreibung aufgeflogen ist.

My Brother, My Brother and Me ist ein Podcast der amerikanischen McElroy-Brüder Justin, Travis and Griffin. Der kurz MBMBaM (“mah bim bam”) genannte Podcast ist vielleicht nicht das Flagschiff, aber der Ursprung eines kleinen Podcast-Imperiums innerhalb eines größeren Podcast Netzwerks, namens Maximum Fun. Ich bin per Zufall über einen anderen Podcast auf die Brüder gekommen, der als MBMBaM-Sprössling startete und auf den Namen The Adventure Zone hört. Inzwischen hört auch Johannes die Dungeons & Dragons inspirierten Abenteuer und wir planen euch in Zukunft etwas zum Podcast zu erzählen.

MBMBaM ist allerdings in einer ganz anderen Nische. Die Brüder lassen sich die verrücktesten Fragen von “Yahoo Answers”, das deutsche Äquivalent ist meiner Meinung nach gutefrage.net, zuschicken und beantworten diese, so unterhaltsam sie können. Der Reiz des Humors liegt oftmals schon darin, dass man sich als Hörer bewusst macht, dass irgendjemand im Internet diese bekloppten Fragen tatsächlich gestellt hat. Diese Fragen werden mit aktuellen Themen gemischt, die sich schon mal um die Veröffentlichung von abstrusen Fast-Food-Kreationen drehen.

Ein Höhepunkt wurde in meinen Ohren vor einigen Wochen, direkt nach dem Brexit erreicht, als die Brüder sich nach eigener Einschätzung sehr schwer getan haben, weil die Nachrichten durchgehend mit Downern gespickt waren. Das hat sich nicht großartig geändert, aber mit welcher Wucht und Inbrunst die Brüder gegen die schlechte Laune in Episode 309 ankämpfen, ist für mich zur Comic-Routine geworden, die ich inzwischen fast mitsprechen kann.

Es ist dieser Tage wichtiger als sonst, sich auch einmal ein paar Minuten zu gönnen, die zum herzhaften Lachen gebraucht werden können. MBMBaM ist nur eine von vielen Optionen dafür, die den Tag ein wenig besser macht, wenn ihr den imaginären Ray Donovan-Theme-Song mitsingt oder einen Mango-Kult anbetet. Das wirkt beim ersten Mal so, als ob drei dümmliche Amerikaner einfach so vor sich hinlabern, aber wer sich auf den Podcast einlässt, merkt ganz schnell, dass die Stärke der McElroys darin liegt, dass sie ihr Ego völlig außen vor lassen und ihr manchmal einfach erscheinender Charakter schlichtweg ein Ausdruck von Ehrlichkeit ist. Eine bessere Medizin für die anstrengenden Nachrichten dieser Tage kann ich mir gar nicht vorstellen.

Featured Image via wikimedia

Gute(r) Dinge – Post-Rock auf YouTube

Musikalische Genres sind schwierig. Sie sind in gewisser Weise, manchmal und auch nur vielleicht nötig, müssen zwangsweise aber sehr grob bleiben. Man nehme beispielsweise die Unterscheidung zwischen Jazz, Pop und Klassik, die drei gängigen Meta-Genres in der Musik. Dass es einen Unterschied zwischen klassischer und populärer Musik gibt, ist irgendwo noch einleuchtend – aber Jazz? Der wird zum Teil mit den gleichen Instrumenten gemacht wie Popmusik und, im engeren Sinne, auch manche klassischen Stücke (Blasinstrumente, Klavier etc.). Sobald wir aber in die Popmusik abtauchen, wird es gänzlich blöde: Da haben wir Rock, Pop im engeren Sinne, Hip-Hop (der ja mittlerweile auch viel Pop ist), wir haben Techno, vielleicht noch Indie oder Singer/Songwriter und schließlich Metal, mit seinen Myriaden an Untergenres. Kann mir jemand den signifikanten, musikalischen Unterschied zwischen Doom-, Death-, Thrash- oder Vampire- und Gothic-Metal erklären?

Das vorweg also zu Genregrenzen, bevor ich anfange über eine bestimmte Musikrichtung zu schreiben. Es geht um Post-Rock, diese mysteriöse Spielart der Instrumental-Musik. Wenn ich versuche, Leuten das Genre zu beschreiben, dann sage ich so etwas wie „Klassisches Rock-Ensemble, die lange Stücke spielen, ohne Gesang, mit Elektronik-Einflüssen“. Das beschreibt aber nur einen Teil des Spektrums der verschiedensten Bands. Gemeinsam haben aber alle Vertreter*innen von Post-Rock, dass sie eine Abwechslung vom so oft gehörten und klinisch durchproduziertem Mainstream-Pop bieten – und ich daher mehr und mehr Musik aus dieser Richtung höre, manche Alben sogar genieße. Und das schöne daran, so ein Genre entdecken zu dürfen, ist, immer wieder etwas Neues zu finden. Neue Variationen, neue Interpretationen von Bekanntem, abgefahrene Experimente, nervige Wiederholungen, ans Unhörbare grenzende Dissonanzen – all das findet sich in dieser riesigen Fundgrube des Genres. Es ist so, wie wenn man eine*n neue*n Autor*in entdeckt und vielleicht auch so, wie eine neue Beziehung zu beginnen: Am Anfang ist alles extrem aufregend und es stürzen die neuen Erfahrungen auf einen ein. Da freut man* sich, wenn es einzelne Orientierungspunkte in einem Meer aus Neuem gibt.

Deswegen finde ich es großartig, dass es YouTube-Kanäle wie den von Ahmet aus der Türkei gibt. Unter Worldhaspostrock veröffentlicht Ahmet regelmäßig Uploads von Bands aus dem Bereich Post-Rock. Meistens sind eine kleine, unbekannte Bands, die er auf Bandcamp oder per Reddit entdeckt hat. Jedes Video enthält Hinweise auf die Musiker*innen und den Aufruf, die Macher*innen zu unterstützen. Worldhaspostrock ist aber nicht der einzige Kanal, der Musik aus dem Bereich Post-Rock teilt. Da gibt es noch Wherepostrockdwells, In the woods, 9eCn3 und weitere, die sich zum Teil gegenseitig unterstützen und hochvoten. Es ist in diesen Zeiten einfach rührend und auch ganz wichtig zu sehen, wie Menschen zusammenfinden, sei es über das Internet, Musik oder beides. Ahmet bekommt in seinem Video, in der er auf Feedback seiner Hörer*innen hofft, ganz viel positive Rückmeldung und Unterstützung – eine Seltenheit in den bekanntermaßen toxischen Kommentaren bei YouTube. Ich selbst habe durch die verschiedenen Kanäle schon ein paar Bands und Musiker*innen entdeckt, die mein Leben seitdem mit viel schöner Musik angereichert haben.

Ich bin mir sicher, dass es für viele andere Genres ebenfalls entsprechende Kanäle gibt. Reddit und Bandcamp sind ebenfalls zwei wunderbare Anlaufpunkte für Leute, die sich nach neuem Ohr-Input sehnen. Und was gibt es schöneres, als eine neue Beziehung mit neuer Musik einzugehen?

Featured Image by Mikey G Ottawa

Kafvka und der Echo

Unser Johannes hat mal die weisen Worte gesprochen, dass sich Reviews und Kritiken nicht für uns lohnen. Dafür sind wir ein zu kleines Team, das mit dieser Webseite (zur Sicherheit: noch) kein Geld macht. Es gibt viele, tolle Seiten in den Weiten des Internets und wer der englischen Sprache mächtig ist, der kann sich vor Meinungen kaum retten. Das heißt aber natürlich nicht, dass wir keine Meinung haben oder diese in die Welt posaunen wollen. Schließlich betreiben wir diesen Blog zu unserem Vergnügen und um unsere Ängste und Sor-, ähm, Interessen zu teilen.

Eigentlich wollte ich schon zu Beginn der letzten Woche einen Artikel zur deutschen Crossover-Band Kafvka teilen, die ich kürzlich als Vorband von Turbostaat gesehen habe. Daraus wurde dann nichts, weil ich gemerkt habe, dass die Band am 08.04.2016 ihr Debüt-Album veröffentlicht. Es erschien mir halbgar über die gerade noch gekaufte “Probe – Raum – EP” zu schreiben, wenn “Hände Hoch!” vor der Tür steht. Und dann sind noch viele weitere Dinge dazwischen gekommen. Das jüngste Event war ein Adam Angst-Konzert in Berlin, die unter anderem auf die Vergabe eines Echo-Preises an eine bestimmte Band zu sprechen kamen.

Frei.Wild werden von irgendjemandem prämiert

Letztes Jahr war es soweit. Frei.Wild haben sich offen gegen Fremdenhass ausgesprochen. Hurra! Alles ist wieder gut! Das von der Band übertragene Weltbild ist damit von jetzt bis in alle Ewigkeit nicht zu hinterfragen! Ob wir tatsächlich soweit gehen sollten, ist zum Glück weiterhin dem Einzelnen überlassen. Ich selbst kenne auch ein paar Gestalten, die gerne ein paar Songs von Frei.Wild hören, ohne diverse Werte gleich auf ihren Alltag zu übernehmen. Um Heimatstolz und andere Formen des Dazugehörens geht es im Endeffekt meistens, aber ich kann verstehen, wie letzteres Hörer anspricht, ohne dass man gleich rechte Flaggen wehen lässt. Die Wirkung und Verbreitung der Band in der Breite ist allerdings mit im rechten Spektrum zu verorten. Dass sie sich letztes Jahr offen dagegen ausgesprochen haben, ist schön für mich zu hören, entlässt die Band allerdings nicht aus ihrer jahrelangen Verantwortung, die sie großzügig ausgeblendet haben. Trotzdem besser spät als nie.

Ob Leute Frei.Wild hören sollen oder dürfen, ist für mich dabei keine entscheidende Frage. Solcherlei Diskussionen führe ich seit hitzigen Debatten über die Böhsen Onkelz nicht mehr. Adam Angst haben die Band selbst auch gar nicht mit Namen benannt. Und das ist auch nicht wichtig. Viel wichtiger ist, wer diesen Preis verliehen hat. Es wird Zeit, sich zu fragen, welche gesondert denkenden Menschen überhaupt auf die Idee kommen Frei.Wild zur Wahl aufzustellen. Ähnlich wie die Oscars ist der Echo seit geraumer Zeit kein Qualitätspreis, sondern eine Mischung aus Popularitätswettbewerb und Öffentlichkeitsarbeit. Ach, und natürlich Selbstbeweihräucherung.
Deer

Wild in Freiheit – via Flickr by Mark Kent

Damit beantworte ich die Frage natürlich auch gleich selbst. Frei.Wild muss den Preis einfach erhalten, weil sie seit Jahren kommerziell erfolgreich sind. Seit “Gegengift” (2010) sind Frei.Wild ein Chartstürmer von denen ich immer noch kein einziges Lied wirklich kenne. Das liegt sehr wahrscheinlich an meinen Interessen und muss nichts heißen. Aber auch ein gewisser Herr Xavier Naidoo ist seit vielen Jahren erfolgreich. Er darf auch in vielen Fernsehsendungen mitwirken, die vernünftige Einschaltquoten vorweisen können. Und ursprünglich sollte er Deutschland bei Eurovision Song Contest (kurz: ESC) vertreten.

Dass er am Ende aufgrund von Beschwerden aus der Gesellschaft durfte, weil er sich durch ausländerfeindliche Aussagen selbst einen Shitstorm beschert hat, ist erneut nur Nebensache für mich. Stattdessen ist das Muster des Erfolgs für die politisch und gesellschaftlich blinden Entscheidungsträger transparenter denn je. Es sollte keinen wundern, werden bestimmt einige anmerken. Und das stimmt natürlich. Am Ende können sich die Musiker immer mit künstlerischer Freiheit und Redefreiheit rechtfertigen. Das ist auch richtig so. Es liegt aber an den Außenstehenden darauf zu reagieren. Xavier Naidoo darf sagen, was er möchte. Frei.Wild dürfen singen, was sie wollen und wenn sie Verantwortung übernehmen wollen: um so besser. Nur wenn sie selbst oder mit ihnen verbundene Parteien glauben, dass sie in einem Vakuum fern ihrer Handlungen und Produkte handeln können, dann hackt es wohl, um frei nach Judith Holofernes zu zitieren.

Kafvka, die doofen Gutmenschen

Und jetzt ist es natürlich ganz klar, was die Agenda des bösen Max ist. Erst auf konservativen Aussagen herumreiten und dann eine Band feiern, die im linken Spektrum angesiedelt ist. Damit wäre dann auch gleich geklärt, dass ich ein unbezahlter Diener der Lügenpresse bin. Bevor also einigen die Ader an der Schläfe platzt, könnt ihr beruhigt aufhören zu lesen. Ihr habt recht. Alles ist gut. Viel Spaß damit.

Ich werde hingegen noch eine Weile Spaß mit Kafvka haben. Und das kommt auch aus der Überraschung. Wenig überraschend waren wir Turbostaat wegen im Beatpol in Dresden. Bei der kurzen Vorrecherche musste ich nur lesen, dass es irgendwie Crossover-Rap sein soll. Nun, im Notfall hätte ich mir ein Bier geholt. Aber jede Band sollte eine Chance bekommen und obwohl Franz Kafka, der mit F und auf den Stickern der Band, ebenfalls nicht mein Liebling ist. Entgegen der Erwartungen sind Kafvka etwas ganz Anderes, als ich es erwartet habe.

kavka

Markus Kavka, der andere Namensvetter!? – via Flickr by Schröder+Schömbs PR_Brands

In meinen Augen sind sie eine Band, die sich einig ist, dass sie Rage Against The Machine richtig knorke finden, aber nicht ganz auf den Humor verzichten wollen. Interessanterweise heißt das allerdings nicht, dass die Band sich den Humor aufzwingt. Lieder wie “Lampedusa” und “Satt Geboren” sind nicht weniger wütend und engagiert als Adam Angsts “Splitter Von Granaten” und beziehen deutlich Position zu politischen und gesellschaftlichen Fragen. Da erlaubt kein Augenzwinkern Abschwächung oder wird sich mit ironischen Beleidigungen aufgehalten. Hier sind Vergleiche mit Rage Against The Machine absolut positiv gemeint. Von solcher Musik kann es nicht genug geben.

Das heißt aber nicht, dass die Späße in “Alles Außer Fans” und Co. ein laues Lüftchen erzeugen. Nicht-Hörern des Stils wie mir macht es die Band gleich ein ganzes Stück zugänglicher und man kommt sich nicht ausgeschlossen vor, nur weil man kein Hände-Schwinger ist. Das ist angenehm und für den guten Zweck habe ich nach einer halben Stunde gerne einen auf Checker gemacht. Die Schamesröte wollte dabei nicht wirklich aus dem Gesicht, aber das kann bei einem Konzert zum Glück eh keiner sehen. Lieber stelle ich mich ein wenig dumm dran, statt auf diese Band zu verzichten.

Featured Image via Flickr by Rafael Edwards

Platten-Ping-Pong: Brasilianische Bossa-Nova-Rückhand

(Anm. d. Red.: Dieser Artikel wurde von Max verfasst) Till hat mir etwas voraus. Er hat oftmals die Ruhe weg. Klar hat er durch seine kolumbianischen Gene auch eine gute Portion Feuer im Blut, doch gegenüber meinen usbekischen Tobsuchtanfällen wirkt Tills Temperament eher wie der pralle Sonnenschein Südamerikas. Deswegen bringt es nichts direkt mit einem Asian-Kung-Fu-Generation-Schmetterball à la Mila Superstar zu beginnen. Dieses Spiel wird auf lange Sicht entschieden.

Los geht es deshalb mit einer gechillt gespielten Rückhand in Gestalt der Brasilianerin Vanessa da Mata, die in ihrer Heimat eine derart große Nummer war, dass ihr Album “SIM” auch hierzulande erschien. Grob darf die Dame als Pop-Künstlerin angesehen werden, doch ihre Liebe zu Dub und ihr Wissen um Bossa Nova machen sie in meinen Ohren interessanter und entspannter als die Standard-Varianten bei uns im Radio. Zurück zu Till ins mecanismo-Studio.


Vanessa De Mata & Ben Harper – “Boa Sorte (Good… von Discograph

Titelbild im Original von Solveig Osk, “it’s a tie

Mehr Spieler – Die 100 (geschätzt)

Sind es tatsächlich schon 100 Folgen Mehr Spieler, hier auf darangehtdieweltzugrunde.de?
Tatsächlich – nicht. Warum wir trotzdem heute unsere (ungefähr) einhundertste Folge feiern, erfahrt ihr in unserem Hörbeitrag.

In dem wird es diesmal nicht nur nostalgisch, sondern auch musikalisch. An dieser Stelle sei deshalb auch nochmal die Band Glory of Joann erwähnt, von denen nicht nur unser In- und Outro stammen, sondern die auch mal einen richtig rockigen Auftritt bei Stefan Raab absolviert haben.

Da wir musikalisch aber sehr offen und interessiert sind, haben wir uns Gedanken über neue Intros gemacht. Aufgrund der deutschen Urheberrechtssituation ist eine Unterbringung unserer (natürlich absolut ernst gemeinten) Vorschläge als sogenanntes “Kleinzitat” in unserem Podcast allerdings rechtlich etwas heikel. Verlinken dürfen wir das aber zum Glück, also Ohren auf für:

Asian Kung Fu Generation – World World World und Atarashii Sekai

Babymetal – Doki Doki Morning

Babymetal – Gimme Chocolate!

Thin Lizzy – The Boys Are Back In Town

Electric Six – Gay Bar

Electric Six – Danger! High Voltage

und als Special Guest: The Outline – Aesthetics

Featured Image by Tamahikari Tammas

Mit Magengeschwüren Musik machen – Chrono Trigger

Nostalgie ist ein zweischneidiges Schwert. Sie erlaubt es uns, Erlebnisse mit unseren Freunden zu erinnern und mit Fremden über gleichartige Erfahrungen Bekanntschaft zu schließen. Aber sie verklärt auch die Vergangenheit und lässt uns nicht mehr kritisch betrachten, was früher war. Ein Beispiel: Leih-Videotheken. Heute gibt es sie nicht mehr so zahlreich wie in den 90ern, weil die digitale Distribution vieles einfacher gemacht hat. Filme leiht man sich heute nicht mehr, man streamt sie (natürlich legal). Will mensch wissen, ob ein Videospiel gut ist, dann leiht mensch es sich nicht aus, sondern schaut Let’s Plays (Demos gibt’s ja nicht mehr). Deswegen hat auch “meine” Stammvideothek von damals zugemacht, an ihrer Stelle steht dort nun eine Spielhalle – leider keine von der guten Sorte.

Leih-Videotheken waren damals ein Segen für Filmfreund*innen und Spielefans. Aber irgendwie auch immer etwas zwielichtig. Es trieben sich alle möglichen Arten von Menschen in diesen Videotheken rum, es wurde geraucht (das ging damals noch) und dort wanderten alle Arten von Filmen über die Theke. Es gab den Begriff “Internet-Porno” ja noch gar nicht – in meiner Kleinstadt gab es vor 1996 wahrscheinlich noch nicht einmal den Begriff “Internet”. Die Damen und Herren hinter der Theke schienen mir als Kind eine eingeschworene Gemeinschaft, die jeden Tag und jede Nacht in den filmgeschmacklichen Abgrund der menschlichen Existenz schauen mussten. Aber, und hier ist meine Nostalgie absolut angebracht, durch sie durfte ich in zahlreiche Videospielwelten schauen. Vor allen Dingen in eine, die mir danach nie wieder aus dem Kopf ging: Chrono Trigger. In diesem Sinne ein kleines Dankeschön an dich, Leih-Videothek von damals.

Via Flickr, by Daniel

Crono_Lucca_cosplay_DanielCrono und Lucca als Cosplayer auf der PAX East 2010

Das Spiel erschien am 11. März 1995 in Japan und ist damit nun 20 Jahre alt. Ich könnte Zeile über Zeile darüber füllen, warum Chrono Trigger so großartig ist. Genau das aber wäre ein rein nostalgischer Rückblick, eine egozentrische Nabelschau ohne Mehrwert für die geneigten Leserinnen und Leser.
Deswegen möchte ich mich in meinem kurzen Ruckblick auf einen Aspekt von Chrono Trigger konzentrieren, der auf mich bis heute nachwirkt: die Musik.

Für Yasunori Mitsuda (westliche Schreibweise) war Chrono Trigger sowohl der erste große Auftrag als Komponist, als auch sein Durchbruch. Fairerweise muss aber erwähnt werden, dass sein Mentor Nobuo Uematsu (Komponist der Final-Fantasy-Musik) ihm bei einigen Stücken geholfen hat, da sich Mitsuda während der Arbeit an Chrono Trigger Magengeschwüre zuzog. Mitsudas Ziel war es angeblich, die Spieler*innen mit seinen Melodien in eine fremde, fantastische Welt zu führen. Und das ist ihm auch gelungen.

Die Musik in Chrono Trigger ist ungemein vielfältig. Sie enthält eine große Menge an Einflüßen: Während Cronos Thema hervorragend für ein Orchester geeignet ist, sind manche Stücke kleine Jazzkompositionen. Was die piepsigen Emulationen aus den Soundschips des SNES da herausgeholt haben, waren keine synthetischen Klänge. Es waren teilweise einzigartige Kompositionen, aus denen mensch die einzelnen Instrumente heraushören konnte. Für mich damals war die Musik von Chrono Trigger, anders als viele anderen Videospielmusiken, nicht eine Trip durch Synthesizer-Dschungel, sondern ein Spaziergang durch fröhliche Klangwelten.

Via Flickr, by Fabio Santana

Chrono miniature_Fabio SantanaEine kleine Miniatur von Chrono Triggers stummen Helden

Chrono Triggers Welten werden erst durch ihre Musik fassbar und lebendig. So wirkt das schwebende Königreich Zeal mit seinen ätherischen Klängen zwar magisch, die Bongo-Trommeln im Hintergrund erinnern aber daran, dass wir uns noch in grauer Vorzeit befinden. Nicht zuletzt die Themen der einzelnen Charaktere geben ihnen den letzten Schliff. Magus’ Thema unterstreicht seine dunkle Aura, Frogs flötenlastige Musik ist angemessen mittelalterlich und heldenhaft. Robos Thema schließlich ist ein kurzer Ausflug in den industriellen Elektro-Pop (wenn man so will) und dabei so verdammt eingägig, dass ich diese Melodie rauf und runter hören könnte.

Es gibt fraglos viel gute Musik, die auf Videospiele geschrieben wurde. Sehr zu empfehlen ist beispielsweise die Musik von Terranigma. Aber auch neuere Spiele, wie Endless Legend oder Transistor, haben einen wirklich hervorragenden Soundtrack. Jedoch ist mir noch kein Spiel begegnet, dessen Musik mich derart berührt hat wie die von Chrono Trigger. Natürlich ist da viel Nostalgie im Spiel. Andere Musiken aus dieser Zeit, zum Beispiel von Shining Force, Secret of Mana oder Mega Man, sind mir ähnlich vertraut wie Chrono Trigger. Keiner dieser Titel hat sich allerdings so in mein Hirn gebrannt wie der Erstling von Yasunori Mitsuda.

Zum Glück bin ich da anscheinend nicht allein. Denn immerhin werden Medleys vom Chrono Trigger Soundtrack immer wieder bei diversen Spielemusikkonzerten gespielt und es gibt einen Haufen orchestraler Interpretationen von Cronos Thema. Es gibt sogar eine ziemlich abgefahrene Acid-Jazz-Version von Chrono-Trigger-Stücken.

Tröstlich ist, dass durch die Beliebtheit des Chrono Trigger Soundtracks diese Musik auch weiter in die Welt und durch die Zeit getragen wird. Ziemlich passend für ein Spiel, in dem es um Zeitreisen geht. Nostalgie hin oder her.

2015 klingt bisher gar nicht schlecht

Letzt Woche habe ich bereits einen persönlichen Ausblick darauf gegeben, warum das Musikjahr 2015 mir jetzt schon Freude bereitet. Allerdings könnte mir durchaus angelastet werden, dass ich als langjähriger Muse- und Asian Kung-Fu Generation-Fan einfach nur überhype. Die Single letzterer Band ist übrigens ganz unproblematisch über den ein oder anderen Großhändler zu bekommen, wer den Japanern also ebenfalls etwas in den Münzhut werfen möchte, hat jetzt ganz komfortabel die Möglichkeit dazu.

Doch auch abseits meiner Lieblinge tut sich dieses Jahr noch so einiges. Klar, freue ich mich auch auf mehr Turbostaat und, ihr könnt mich alle mal, auch Coldplay. Ist halt so. Niemand ist perfekt, nicht wahr? Es soll auch Fans von Manchester City geben. Sei’s drum. Wer sich mit einer wirklich starken Single endgültig als ein “Highlight” 2015 präsentiert hat, ist Frank Turner. “Get Better” zementiert den Breitbandklang des letzten Albums “Tape Deck Heart”. Klugerweise mischt Turner den vermeintlich am Mainstream orientierten Sound mit leicht zugänglichen und wirklich gut geschriebenen Lyrics. Wenn “Get Better” nur ein Vorgeschmack auf sein nächstes Album ist, dann wird Frank Turner wohl endgültig und dazu berechtigt ein Chartstürmer. Ein Geheimtipp wird er 2016 auch hierzulande nicht mehr sein.

Die Single gibt es ganz ohne Kosten erhältlich. Einfach Frank Turners Homepage besuchen.

Und es wird noch besser

Von “Mehr Spieler” seid ihr unsere Quartalsberichte aus dem letzten Jahr vielleicht schon gewohnt. Auch in der Musik bietet sich ein solcher Überblick an, wenn ein Musikjahr mit so reichlich guter Musik bespickt ist. Und glaubt mir, ich nenne hier nur einen kleinen Teil ansprechender Klänge. Was neue Töne angeht, hat 2015 es bisher wirklich in sich. Ich könnte mit bereits erschienenen Alben bereits problemlos eine Top 5-Liste füllen und hätte dabei kein schlechtes Gewissen. Füllmaterial war 2014.

Für Retro-Freunde kann ich wirklich nur JD McPherson empfehlen. Der junge Mann hat sich auf “Let The Good Times Roll” nochmals gesteigert. Sein Rock’n Roll klang schon vorher authentisch aber mit dem Titeltrack und einigen weiteren Nummern hat JD jetzt auch den Ohrwurm für sich entdeckt. Wünscht man sich hingegen experimentellere oder zumindest vielschichtigere Klänge, hat man mit Natas Loves You, Close Talker und Pentatones eine bereits recht reichhaltige Auswahl. Besonders Pentatones sind auch hinter ihrem Gesichtstattoo-PR-Stunt eine richtig starke Truppe, die Sizarr abzulösen drohen. Und dabei war auch Sizarrs “Nurture” alles Andere als eine Enttäuschung.

Hab’ keine Angst

Über all diesen positiven Eindrücken thront allerdings die bisher größte Entdeckung des Jahres. Adam Angst ist richtig gute Rockmusik. Und als wäre ein knackiges, durchweg starkes Album auf musikalischer Seite nicht genug, schreibt die Band auch noch starke Texte. “Professoren” und “Splitter von Granaten” allein sind in Zeiten von Anschlägen auf Satire und menschliche Grundwerte sowie der blinden Verurteilung von Minderheiten eine Wohltat für innerlich brodelnde Seelen.

 

Leider mehr als nur ein Vorurteil…

Ich kann dementsprechend sehr zufrieden auf diese ersten drei Monate zurückblicken, die auch ganz ohne große Namen klasse Musik hervorgebracht haben. Ich lasse mich auch gerne darauf festnageln, dass mindestens zwei dieser Alben auf einer obligatorischen Bestenliste am Jahresende ihren Platz finden werden. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass es sich weiter lohnt neue Künstler zu pushen, macht mich das mehr als glücklich. Und während ich das schreibe, scheint mir die Sonne auf die Hüfte. Na, kann das denn wirklich noch besser werden?

Featured Image via Flickr by [bastian.]

Ist das noch der Neue Ton?

Früher war alles besser. Früher hatten wir noch Disziplin und waren nicht so zugeknöpft. Jetzt regen wir uns über Impfungen, unsachlichen Journalismus und meistens über Videospiele und Filme auf. Wir sind das Establishment, wir sind die Glasses, die euer Leben vollgooglen und nicht mehr der anarchische Schrecken, der die Nacht durchflattert. Und trotzdem erinnere ich mich gern daran zurück, wenn ich doppelte Arbeit in Musik gesteckt habe, die ich bereits an anderer Stelle unter die Lupe genommen habe. Irgendwann hat sich der Neue Ton wie ein leicht verändertes Amazon-User-Review angefühlt und nur das Sterne-System hat noch auf sich warten lassen.

Damit ist jetzt Schluss. Wenn Musik da draußen rumschwirrt und mich anmacht, dann mach ich euch damit folgerichtig wieder dumm von der Seite an. Ich will das geschriebene “Na, öfter hier” der deutschen Musikunterhaltungsjournalismusszene sein. Ich meine, guckt euch dieses Wort einfach an. Das muss man doch lieben. Allein dass der Journalismus darin so schön untergeht, ist eine Rechtfertigung dieses Worts. Mit dem Internet ist der Netz-Journalismus gekommen und der besteht aus Kuriositätenjägern und Meinungsmachern. Und ratet mal, was jetzt auf euch zukommt.

Alles alt macht der Max

Wenn innerhalb von einer Woche gleich zwei neue Lieder von eingeimpften Lieblingsbands erscheinen, dann überkommt es einen einfach. Zumindest wenn ich dieser Eine bin. Es handelt sich dabei natürlich um den gerade aufgekommenen Muse-Track “Psycho” sowie die in Japan offiziell am 18.03.2015 erscheinende Single “Easter” der Asian Kung-Fu Generation. Wer mich kennt, weiß dass ich mich da einfach freuen muss. Ja, wahrscheinlich sogar zum Freuen zwingen muss. Denn ob wir diese Bands tatsächlich noch brauchen ist immer so die Frage.

Man sehe sich die Landau-Crazy-Deutschland-Kann-Es-Noch-Kombo Sizarr an. Nach ihrem gefeierten “Psycho Boy Happy”, wie passend, haben sie unlängst “Nurture” auf den Markt gebracht und… meh. Die Scheibe ist gut, doch es wird gleich wieder gejammert, dass es nichts Neues mehr ist. Sizarr kannte man schließlich schon vom Debüt, also ist es scheinbar nicht mehr hip genug, dass eine deutsche Band tatsächlich ihr Niveau einigermaßen halten kann.

Via Flickr by coolibrimagazin

sizarr

Über die Musik können wir streiten, das Shirt nicht. Cool.

Wenn schon nach dem zweiten Album gejammert wird, dann kann man sich ja vorstellen, was bei Muse los ist. Inzwischen lässt sich eine regelrechte Chronik ablesen, die vom langsamen Verfall der Band gekennzeichnet ist. Ich selbst bin treudoof genug und habe die Band nie großartig hinterfragt. Ich denke selbst, dass sie nach “Black Holes & Revelations” den Fokus verloren haben. Aber seien wir einfach mal fair zu ihnen und kritisch zu uns selbst. Es gibt die Band jetzt seit über 20 Jahren. Dass sich irgendwann Verbrauchserscheinungen zeigen, war doch klar.

Es ist ein wenig das Coldplay-Syndrom, welches bei Muse vorherrscht. Ein Album erscheint, es wird gefeiert und nach einem knappen Jahr erinnere ich mich nicht mehr daran. Ich habe ungelogen seit Jahren nicht mehr in “The Resistance” reingehört. Warum auch? Das Album bot keine einzige Nummer, die die Band vorher nicht schon besser gemacht hat. Stattdessen haben Muse sich spätestens auf “The Resistance” völlig übernommen und auf “The 2nd Law” dann Stilen hinterher gejagt, die für sie recht überflüssig waren. Der DubStep lässt grüßen.

Da weiß man, was man hat

Und doch ist Muse immer erfolgreich gewesen und genauer genommen immer erfolgreicher geworden. Und das liegt in meinen Augen daran, dass sich hinter ihrer Musik immer ihr ursprünglicher Stil wiederfinden ließ. Sie sind keine Entdecker neuer Rockrichtungen. Diese Chance haben sie nach “Origins of Symmetry” aus dem metaphorischen Fenster geschmissen. Sie wollten eine Rockband sein und sie wollten groß sein. Und deswegen ist es auch okay, wenn sie sich darauf konzentrieren. Das jüngst erschienene “Psycho” ist ein erster Anhaltspunkt für diese Reise zurück in die Zukunft.

“Psycho” ist genaugenommen “Uprising” ohne Doctor-Who-Gedächtnis-Synthies. Es klingt immer noch bombastisch und nach vollen Stadien, doch es geht tatsächlich mal wieder um die vier Instrumente der Band, Matthew Bellamys Stimme ist dabei selbstredend Instrument Numero 4. Und in gewisser Weise ist dieser lange, stringente Track eine kleine Offenbarung oder zumindest ein Hoffnungsschimmer auf eine solche. Der Wille sich zu reduzieren fehlt dieser Tage vielen Bands. Wenn ich Verrücktes und Neues erleben will, dann haue ich mich an Mogwai und Spaceman Spiff oder dergleichen ran.

Via Flickr by Christian c

874060212_0ceb27402a_z

Kleiner Schock für Fans der Cover. Die neue Single kommt ohne Zeichnung aus.

Das Gleiche gilt übrigens für die Asian Kung-Fu Generation Single. Und an dieser habe ich genau diese merkwürdigen Ansprüche von Fan-Seite her erlebt. Ich mag diese Band, weil sie einfach immer ein bisschen anders klingt. Spätestens seit “After Dark” waren immer diverse Spielereien in Sachen Rhythmus und Melodie vorzufinden, die der Musik, in meinen Ohren, einen gewissen Schliff gaben. Jetzt hat die Band sich scheinbar noch ein bisschen mehr amerikanisiert und im Studio der Foo Fighters den wahrscheinlich geradlinigsten Track ihrer Karriere aufgenommen. Ich war fast schon entsetzt nachdem ich “Easter” das erste mal vernommen habe.

“Das ist einfach nur ein dreiminütiger Wachmacher im Rockgewand”, lautete mein enttäuschter innerer Kommentar nach dem ersten Hören. Ich war dermaßen in diesem Mindset gefangen von einer Band immer wieder einen Schritt in die Gleiche Richtung zu erwarten, dass es ein paar Tage und Hördurchgänge dauerte bis ich realisierte: “Das ist einfach nur ein dreiminütiger Wachmacher im Rockgewand.” Dabei ist nicht wichtig, dass ich immer noch das Gleiche über den Song denke, sondern wie ich über das Lied denke. So wie “Psycho” gibt “Easter” in erster Linie einen Stil, eine Richtung vor. Und die muss nicht immer neu, sondern manchmal einfach nur konsequent sein.

Apropos Konsequenz

Zum Abschluss möchten wir natürlich völlig befangen noch auf ein wunderbares Release der jüngeren Vergangenheit hinweisen. Gleich vorneweg, ja, das ist Werbung. Aber wir haben davon nichts, außer dass wir ein paar Freunden und Bekannten unter die Arme greifen wollen. Ich bin auch gerne ganz ehrlich und stehe dazu, dass die Mucke von We Changed Our Name nicht meine Tasse Tee ist. Da bin ich einfach zu zart besaitet für. Trotzdem eine dicke, fette Gratulation aus dem Zugrunde-Hause an die Band, dass ihr Album vor popkulturellen Anspielungen strotzendes “November” den Weg in die Öffentlichkeit geschafft hat.

Die Demo der Band könnt ihr übrigens kostenlos herunterladen und falls ihr euch mit dem Album nicht sicher seid, bietet Spotify die Gelegenheit sich ein Hör-Bild von den Jungs zu machen. Zwingen kann ich euch nicht, doch um es mit den weisen Worten unseres ehemaligen Mitglieds Anne zu sagen, strotzt Trier nicht immer vor künstlerischem Output. Das hat sich dank We Changed Our Name spätestens, Achtung Befangenheit, mit der Schöpfung der Kunstfigur Mickey Toledo getan, der erst kürzlich den Job als neuer “Wetten dass…?”-Moderator ablehnte. Er war nach “Das Spiel beginnt” schlichtweg zu verstört und außerdem bekommt den Job wahrscheinlich sowieso Emma Schweiger.

In memoriam:

Featured Image via Flickr by mayeesherr.

Page 1 of 10

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén