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Fakepenisse, Gläubige und ein bisschen Musik (oder: Anne prokrastiniert)

Muss das jetzt wirklich sein?

Warum schaffen es fast nur halbwegs tote Menschen, mir diesen einen, heiß ersehnten, finalen Arschtritt zu verpassen, damit ich (obwohl ich eigentlich gerade keine Zeit dafür habe) wieder blogge?

Warum gelingt es gerade einem verstorbenen Sachsen, der sich lange vor den Chinesen der Produktpiraterie schuldig machte, indem er eine Alternative zu Kaolin entdeckte und dementsprechend das Ming-Porzellan geschickt kopierte, mich in den Sog der Bloggerei zu stoßen? Warum heißt eine der Veranstaltungen “China und die Fremden” und nicht “British epic fails in history“?

Des Weiteren treibt mich der werte Voltaire derzeit ein wenig auf die Palme, weil ich mich, anstatt hier auf dem Blog rumzuwurschteln, damit beschäftigen sollte, was der holde Lockenschopf so alles nicht kapiert hat bezüglich des Konfuzianismus und vor allem damit, was so in die China (-Wissens) -Box reinpasst. Ich komme nicht umhin, mich zu fragen, ob er sich (hätte es das damals schon gegeben) auch ein Tattoo mit chinesischen Schriftzeichen hätte stechen lassen, ohne die korrekte Schreibweise zu überprüfen.

Ja ihr Lieben, in meinen Gedanken laufen gerade britische Gentlemen-Looser, tote Ostdeutsche mit Augenklappen und Voltaires herum, auf deren Schulter ein wunderschönes “Chicken-Curry” prangt und deswegen muss ich mich retten und suche Zuflucht bei Darangehtzudieweltzugrunde.net…

Da ich heute auf keines der Themen, die seit Wochen in der Pipeline stecken, richtig eingehen kann, habe ich mir vorgenommen wenigstens einige halbwegs hübsche Teaser zu liefern. So lasset uns, eure und meine Vorfreude steigern:

Ich habe zum einen mit dem Team von Culture Caravan über ihr mehr als nur grenzüberschreitendes Projekt gesprochen. In diesem Video könnt ich euch schon mal anhören, was sie planen, bei mir erfahrt ihr dann Näheres über die Beweggründe der einzelnen Teilnehmer und über ihre Einstellung zu Kompetenzorgien.

Außerdem wird ein weiterer Post, ganz im Zeichen des Mottos “Kommt, wir bauen jetzt unsere Penisse” stehen. Ich habe das autonome querfeministische Frauenreferat des AStA der Karl-Marx Universität bei einem Pilot-Workshop zum Thema Drag-Kinging und Geschlechterdekonstruktion mit der Kamera begleitet.

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Und zu guter Letzt werde ich davon berichten, wie es ist, wenn man sich an einem heiligen Feiertag traut, streng gläubige Passanten bei Flanieren mit Musik zu stören und ich werde euch ein Video-Interview mit jener Band präsentieren, die mehr oder weniger versehentlich, die Tufa in “Handtuchmuseum” umtaufte.

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Ich hoffe, ihr habt Bock auf das ein oder andere Thema, den jetzt wo ich´s angekündigt hab, hab ich eine moralische Verpflichtung euch gegenüber und kann somit auch bald wieder mit fast ruhigem Gewissen vor dem Lernen flüchten.

Trotz meiner durch Sinologie verursachter Prokrastination, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen nach Asien und verabschiede mich mit diesem fantastischen Song.

(Fotos der Drag King Workshops: CC BY-NC-SA 2.5 Anne Schaaf)

(Fotos des Bauchklang Konzerts: CC BY-NC-SA 2.5 Michel Thiel)

Karl-Marx-Universität Trier

Und da haben wir sie wieder, die gleiche Diskussion, die alle zwei bis drei Jahre Trier ‚aufrüttelt’. Da kommt der Gregor Gysi nach Trier und denkt sich nichts Böses, wenn er darauf hinweist, dass die Moselmetropole stolz auf den guten Rauschebart Marx sein soll und schon sterben die Liberalen und die Konservativen fast an einem Herzinfarkt, nur weil das Gespenst des neuen Uni Namens in den geschichtsträchtigen Gassen umgeht.

Die Diskussion ist so alt wie die Uni selbst und wird wohl auch in zwanzig Jahren noch die Gemüter erhitzen. Jede*r, der*die mal ein oder zwei Wochen in den Büros der Verfassten Studierendenschaft verbracht hat, schüttelte in den letzten Tagen wahrscheinlich nur ermüdet den Kopf, weil so manch ein Volldepp meint, er*sie müsste seinen*ihren politisch nur halb verdauten Mist von sich geben. Wenn nicht hier und da doch noch ein Wuttränchen kullern würde, dann hätte sich auch schon längst eine gelangweilte Müdigkeit auf den Sofas und an den Bibliotheksschreibtischen ausgebreitet. Denn seien wir ehrlich, wie oft mussten wir uns das Gebrüll jetzt schon anhören?

Was zu den lächerlichen Äußerungen der üblichen verdächtigten, konservativen Möchtegern-Politiker*innen gesagt werden musste, wurde hier schon ausreichend besprochen. Aber mal ernsthaft. So unabhängig von Kalle und seinen ‘gefährlichen’ Theorien. Das mit der Namensänderung wäre wirklich was. Max hat das ja auch gestern schon in seinem als CD-Kritik getarnten Kommentar gesagt. Daher mal die mich brennend interessierende Frage:

Warum nicht Jenny-Marx-Universität?

Sie ist hier zwar nicht geboren, aber immerhin hat sie hier ein bisschen Zeit verbracht und war sowas wie eine Ballkönigin, wenn das nicht reicht! Viel wichtiger aber ist, dass sie eine ziemlich beeindruckende Persönlichkeit war, die wahrlich kein einfaches Leben hatte. Außerdem wäre ihr Karl wohl ohne sie nicht annähernd so weit gekommen und hätte nicht die Bedeutung erreicht, die er jetzt hat. Damit steht sie exemplarisch für ganze Generationen von Frauen, denen die Gesellschaft eine eigenständige politische und/oder kreative Stellung verwehrte. Sie war hochgebildet und hat Karls Texte nicht nur kopiert, sondern auch mit ihm diskutiert und jede*r, der*die schon mal einen schwierigen Text geschrieben hat (habt ihr mal nen Blick in Das Kapital geworfen? Das ist scheiße schwer zu lesen), weiß, dass mensch ohne seine*ihre Lektor*innen und andere Vertraute der Text nie das geworden wäre, was er am Ende ist. Außerdem sind die großen Frauen der Geschichte bei Würdigungen aller Art noch immer unterrepräsentiert. Jenny-Marx-Universität: Das wäre doch mal ein Statement!

by Stefan Kühn via Wikimedia Commons

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Ich find’ sie toll!

Zusätzlich hätten wir immerhin Marx im Namen und wer Jenny die Schuld an der Sowjetunion gibt, der*die hat wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank, wobei sie es ja regelmäßig gewagt hat, den guten Karl in seiner Philosophiererei zu unterstützen und auch noch selbst produktiv dazu beizutragen. Vielleicht also nicht die Schuld an der UdSSR, aber Cuba oder die DDR sind bestimmt drin. Karl ist da sicherlich großzügig.

Und wo wir schon dabei sind neue Wege einzuschlagen: Finden nicht noch mehr Leute die blöden Buchstabenbezeichnungen der verschieden Unigebäude doof? Die Hauptgebäude sind irgendwie nach dem Alphabet und die anderen dann doch nach der Funktion (z.B. V für Verwaltung) benannt. Ich finde das alles viel zu inkonsequent. Trier – mensch mag es kaum glauben – hat so viele wichtige Menschen auf die Welt gebracht, da können wir denen doch auch noch einmal ein bisschen Würdigung zukommen lassen. Und weil ich großherzig bin, dürfen die Konservativen auch ihr Otto-von-Bismarck-Gebäude haben (der ist zwar keine Trierer, aber wurde immerhin Ehrenbürger). Dann haben sie einen Ort, wo sie ihre Wunden lecken können, wenn wieder mal alle ihre ‚innovativen’ Onlinekampagne nicht so überzeugend fanden. Von mir aus kann Jennys Ehemann ein Gebäude bekommen, was etwas abseits liegt (immerhin ist seine Familie ja schon repräsentiert), dann ist das auch nicht so anstrengend im ehemaligen A- und B-Gebäude, wenn die Touristen aus Holland und China einfallen um Fotos zu machen. Die Germanist*innen kriegen dann Clara Viebig und für die anderen Fachbereiche oder Fächer finden wir auch noch was. Selbst der Guildo kriegt seinen Ehrenplatz, was haltet ihr von Guildo-Horn-Mensa? Wenn das nicht Zukunftsmusik ist.

By Nicola Perscheid via Wikimedia Commons

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Wobei ich immer noch der Meinung bin, dass Viebig auch deshalb berühmt ist, weil sie als eine der Wenigen über die Eifel geschrieben hat… Aber der Spannungsbogen in Das Weiberdorf ist einfach nicht  wirklich existent.

Ich meine, rein ökonomisch wäre das doch der Hammer! Alle finanziellen Probleme wären gelöst, wir erheben einfach eine Besucher*innenpauschale. Dann kann sich der*die gemeine Studierende auch wieder für Zertifikate einschreiben und diese Zusatzqualifikation auch nach dem Studium noch nachholen. Eine 24-Stunden-Bibliothek wäre auch noch locker drin und dann können wir auch all die nervigen und fächerbedrohenden Stellenkürzungen wieder zurücknehmen. Welch‘ ungeahnte Möglichkeiten sich da auftun würden! Der Guildo gibt auch bestimmt ein Spendenkonzert, dann muss auch unser Präsi keine Kritik mehr wegen seinem Weinberg hören.

Ja, stimmt, die Gänge wären noch verstopfter, aber dann stellen wir einfach ein paar arbeitslose Geisteswissenschaftler*innen ein, um den Verkehr zu regeln. Die können dann ihren Familien wenigstens noch sagen: „Ich arbeite an der Uni“. Klar, wir könnten auch einfach mal anerkennen, dass unsere gesellschaftliche Ausrichtung und das Wirtschaftssystem langsam und stetig kulturelle und bildungstechnische Einrichtungen zerstören und deshalb vor allem die ‚wirtschaftlich nicht profitablen‘ Berufe leiden… aber: Psst, das wäre ja kommunistisch, das geht ja nicht (fragt mal den Karl!).

Und überhaupt: Ich finde Gregors Vorschlag mit dem Lehrstuhl ja richtig toll. Ich meine, die Philosoph*innen dieser Universität müssen Kant doch eh schon über haben, das wäre doch mal was Neues. Das Ganze könnte mensch dann auch interdisziplinär angehen, dann kriegen auch die Soziolog*innen und Ökonom*innen was ab. Das Einzige, was besagter Mensch vielleicht ertragen muss, sind die Touristenströme zu seinem Büro. Aber hey, das ist doch ein geringer Preis für eine der heißumkämpften Professuren in Deutschland.

Aber ja, ja, ich weiß, das sind alles nur Utopien. Wahrscheinlich müssen noch ein paar deutsche Generationen zu Staub zerfallen, bis das alles so klappt. Daher machen wir hier bei DgWzG einfach einen Kompromiss. Wir rufen die Marx-Woche aus; über ihn und die Diskussion darum haben wir ja sowieso schon viel gepostet. Und feierlich begehen können wir das Ganze ja, indem Johannes und ich seinen heiß ersehnten Karl-Marx-Fanclub gründen. Vielleicht wird ja Gregor Gysi erstes Mitglied.

In diesem Sinne: Prost und mögen die Festtage beginnen!

Chibi-ya

Ich muss zugeben, dass ich es Trier dann und wann nicht leicht mache. Das hat hauptsächlich damit zu tun, dass ich in einer sehr großen Stadt in Deutschland groß geworden bin und die ersten 20 Jahre meines Leben einen gewissen Luxus als normal empfunden habe. ÖPNV, der besser als Autofahren funktioniert, Hunderte von Kinos, mehrere Museen und Ausstellungen sind nur einige Beispiele. Nicht zu Unrecht werde ich (vorzugsweise) von Johannes darauf aufmerksam gemacht, dass ich doch bitte mit diesem ungerechten Vergleich aufhören soll, aber manchmal ist die ‘Großstadt’ Trier einfach niedlich gegenüber richtigen Großstädten, mit Triers gerade mal 100.000 Einwohner*innen oder den Partys, die nur von Donnerstag bis Samstag stattfinden.

Manchmal passiert aber in Trier etwas, womit ich nicht gerechnet hätte. Dann weht ein Hauch von Moderne durch die mittelalterlichen Gassen und ich merke, dass ich, auch wenn ich immer noch gerne meckere, diese kleine Großstadt ein bisschen lieb gewonnen habe. So jedenfalls ging es mir, als ich von dem neuen japanischen Schnellrestaurant mit dem Namen Chibi-ya in der Glockenstraße erfahren habe.

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Chibi-ya, das bedeutet übrigens soviel wie ‘Kleiner Laden’. CC BY- NC Anne Schaaf

Für alle, die es noch nicht wissen: Japanische Küche ist mehr als Sushi. Die Insel im Ostpazifik ist für Kochbegeisterte eine wahre Fundgrube an neuen Gewürzen, Ideen und spannenden Speisen. Ob elegante Fischgerichte, süße Reiskuchen oder Nudelsuppen, Japan hat kulinarisch so einiges zu bieten und ist vor allem für Neugierige zu empfehlen, die kein Problem damit haben auch mal ein vollkommen unerwartetes Geschmackserlebnis zu erfahren, wie z.B. Natto – vergorener Sojabohnenschleim (schmeckt nicht jedem*r, sollte mensch aber wenigstens mal ausprobieren). Umso trauriger ist es, dass sie ähnlich wie die chinesische Küche in Deutschland oft nur reduziert zu genießen ist (oder wie im Fall von China einfach nur europäisiert). Zwar kann mensch mittlerweile auch in den kleinsten Städten mit etwas Glück Sushi essen, aber damit hört es dann auch schon auf. Zumindest in Berlin haben sich inzwischen auch Restaurants durchgesetzt, die andere Speisen anbieten, aber in anderen deutschen Großstädten fällt einem die Suche nicht immer leicht.

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Das Gyûdon (Rindfleisch und Zwiebeln auf Reis) gibt es in klein, mittel und groß und wird, wie es sich gehört, in Schüsseln serviert und mit Stäbchen gegessen. CC BY- NC Anne Schaaf

Aber in Trier, ja in dieser kleinen Moselstadt, hat sich das Blatt gewendet. Mit Chibi-ya haben wir von jetzt an die Möglichkeit jeden Tag in der Woche von 12 bis 22 Uhr (bis auf Sonntags, da nur bis 18 Uhr) authentische Dons und Currygerichte zu verspeisen. Das Pochen auf die originale Wiedergabe der japanischen Speisen kommt nicht von ungefähr, ist die Inhaberin Eva Leibovitz doch eine erfolgreiche Absolventin der Trierer Japanologie und war selbst mehrmals in Japan. Ihr könnt euch also sicher sein, dass sie in den japanischen Vorbildern ihres kleinen Ladens gegessen hat. Unter anderem deswegen weiß sie auch, wovon sie spricht, wenn sie beim angebotenen Curry auf die Alltäglichkeit des Gerichts verweist und deutlich macht, dass es wie Spagetti mit Bolognese in Japan ist.

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Nebenbei: Calpis ist  wirklich lecker. CC BY- NC Anne Schaaf

Die Kleinigkeiten machen letztendlich bei allen Restaurants, Cafés oder Bars den Unterschied. Jede*r Japan-Interessierte wird sich freuen, wenn die Inhaberin ihnen erzählen kann, dass mensch das Curry deshalb mit dem Löffel isst, weil es immer noch als ausländisches Gericht gilt, obwohl es schon seit langer Zeit in Japan gegessen wird. Und selbst die Größe des Geschäfts vermittelt ein authentisches Gefühl, ist es doch mit seiner kleinen Gemütlichkeit nah an den Raumverhältnissen der japanischen Vorbilder dran. Im Gegensatz zum fernöstlichen Original (wo eher keine Kommunikation stattfindet) sorgt dieser Umstand aber in der Trierer Innenstadt dafür, dass die unterschiedlichen Gäste nicht nur symbolisch zusammenrücken und sich so das ein oder andere interessante Gespräch ergibt – Gutes Essen und Trier interner Kulturaustausch, quasi.

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Sollte es einmal total überfüllt sein, gibt es auch einige Plätze in der 1. Etage. CC BY- NC Anne Schaaf

Neben dem bereits erwähnten Curry und einem Gyûdon steht natürlich auch die obligatorische und leckere Misosuppe auf der kleinen Karte, die aber in Zukunft mit weiteren Gerichten angereichert werden soll. Zwar gibt es noch keinen Nachtisch, aber dafür können Freund*innen von grünen Nahrungsmitteln sich auf einen Salat mit verschiedenen Dressings freuen (Sesam ist sehr zu empfehlen, das nur so nebenbei). Besonders erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass nicht nur die Take-Away-Verpackungen aus ökologisch nachhaltigen Materialien bestehen, sondern mit einem Essen im Chibi-ya auch die regionale Wirtschaft unterstützt wird, da das Fleisch von einem Metzger aus der Serring kommt. Eigentlich bleiben da keine Wünsche mehr offen, außer, dass auch eine vegane Speise durchaus zur Landesküche passen und zumindest mein Herz noch höher schlagen lassen würde. Aber ich gebe offen zu, das ist Jammern auf hohem Niveau.

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Ingwer darf natürlich nicht fehlen. CC BY- NC Anne Schaaf

Doch abseits der Tatsache, dass das Schnellrestaurant gemütlich ist, die Speisen lecker und das Personal liebenswürdig, ist es beachtlich, wofür die Eröffnung des Chibi-ya steht. Nämlich dafür, wie unterschiedlich sich die Lebensläufe von Studierenden nach dem Studienabschluss entwickeln können und wie mutig es ist mit Mitte Zwanzig ein eigenes Geschäft mit den entsprechenden Risiken zu eröffnen. Dass dieser Versuch dann auch noch von Erfolg gekrönt ist, macht das Ganze umso besser. Von den Mangas im Regal über die japanische Popmusik bis zum Grünen Tee ergibt sich ein stimmiges Bild, das durch die schmackhaften Gerichte abgerundet wird. Die Wurzeln in der studentischen Kultur und die Nähe zur Japanologie lassen jedenfalls hoffen, dass sich nicht nur die fünf Verrückten von DgdWz, sondern auch viele andere Menschen im neuen Laden in der Glockenstraße einfinden werden.

DSC_9294Auch die Mangas in japanischer Sprache unterstreichen den authentischen Charakter. CC BY- NC Anne Schaaf

Shelfmade

Ich bin eine große Freundin von Ästhetik. Dinge, die mich ästhetisch ansprechen, machen mich glücklich. Das führt leider auch oft dazu, dass ich Dinge besitzen möchte, die nicht unbedingt sinnvoll sind, aber allein durch ihre Anwesenheit meinen Tag verschönern. So wie der Teewagen, den ich letzte Woche gekauft habe. Auch wenn ich keinen Platz in meinem Zimmer habe, meine Mitbewohnerin mich zurecht unermütlich darauf hinweist, dass ich doch bitte nicht immer diesen Flohmarktkram anschleppen soll (weil auch im Rest der Wohnung der Stauraum rar wird) und ich sowieso zu viel Zeugs habe; Das Teewägelchen war von solcher Schönheit, dass ich es besitzen musste, in dem Wissen, dass ich irgendwann Platz haben werde (oder Platz dafür mache… oder so)!

Regale und RaumteilerMit Parasit zeigte Inge Armbruster in der Austellung Shelfmade wie sich einfache Formen zu einem verspielten und ästhetischen Ganzen zusammenfügen. ©Dirk Mentrop

Ich bin eine große Freundin von Funktionalität. Nichts ist befriedigender als ein Möbelstück, das wenig Platz wegnimmt und trotzdem unglaublich viele Dinge in sich aufnehmen kann. Gerade als Studentin (oder eine Person in einer vergleichbaren finanziellen Situation) ist es von Vorteil Aufbewahrungssysteme zu haben, die auch einen Raum von 11 m² optimal ausnutzen können. Egal ob clevere Ideen zum Aufhängen von Tassen, Schränke, die sich perfekt in kleine Nischen schmiegen, oder Tische, die mensch in der Wand verschwinden lassen kann, nichts erleichtert das Aufräumen und ordentlich Halten so sehr wie funktionale Möbel.

Regale und RaumteilerLego mal ganz anderes –  mit W/Mood gibt Natalie Heinz der Einfachheit ein neues Gesicht. Leicht zu transportieren und jedem Raum anpassbar, was will mensch mehr? ©Dirk Mentrop

Aber wenn ich ganz ehrlich bin – und das kommt natürlich total unerwartet (note the irony) – bin ich eine Freundin davon, wenn sich diese beiden Aspekte zusammenfügen. Denn was kann es besseres geben, als ein Gerät oder Möbelstück, das diese beiden Extreme verbindet?

Regale und RaumteilerWer kennt sie nicht, die leidige Suche nach einem schönen Schuhreagl? Falter 3.0 von Anja Knodel hat alles, was zu einem guten Möbelstück dazu gehört: Funktionalität, schlichtes Design und tolle Materialien! ©Dirk Mentrop

Nun erzähle ich hier niemandem etwas Neues und nicht erst seit den Geburtsstunden von IKEA streben Produktdesigner*innen und Innenarchitekt*innen die Verschmelzung dieser beiden Elemente an. Wie andere große Fragen, die die Menschheit bewegt haben, kommt sie aber nie aus der Mode, da die Antwort eben keine einfache, sondern eine komplexe ist.

Regale und RaumteilerEinem ganz anderen Thema widmet sich Timo Knauer mit mOld, indem er es schafft raue Materialien und minimalitische Schlichtheit in ein Möbelstück zu gießen. ©Dirk Mentrop

Es sollte also niemand vor Überraschung aus allen Wolken fallen, dass sich die Studierenden der FH Trier in einem Projektseminar diesem fast schon philosophisch anmutenden Problem angenommen haben. In der Ausstellung Shelfmade, die mensch letzte Woche Mittwoch besuchen konnte, näherten sie sich am Beispiel des Regals der Gretchenfrage: Praktisch oder Schön?

Regale und RaumteilerNach dem Teewagen-Vorfall bin ich ziemlich sicher, dass das Pendel bei mir in Richtung ‘schön’ schwingt, weswegen mir NOduS von Swantje Reinke sofort ans Herz gewachsen ist. Der Mut zum etwas anderen Material hat sich gelohnt! ©Dirk Mentrop

Die Ergebnisse könnten nicht unterschiedlicher sein, genauso wie die Qualität der ausgestellten Stücke. Wandelte mensch durch die Aula am Paulusplatz, dann konnte mensch eine abwechslungsreiche Fahrt durch die unterschiedlichsten Eindrücke erleben. Von ‘Das hab ich doch gestern im Ikea-Katalog gesehen’ über ‘Wow, so einfach und so genial’ bis zu ‘wie wunderherrlichst, ich will es haben’ ist alles dabei gewesen. Besonders interessant waren aber nicht nur die einzelnen Stücke, sondern die individuelle Präsentationen. Denn jedes Möbelstück hatte einen eigenen Flyer, der am Ende mit anderen zu einer Broschüre zusammen geklippt werden konnte. So ist es den Besuchenden möglich gewesen sich einen individuellen Ausstellungskatalog zusammenzustellen. Es blieb also jedem*r selbst überlassen, ob er*sie nur seine Lieblingsstücke in Text und Bildform mit nach Hause genommen hat oder auch die weniger gefälligen für sich dokumentierte.

Neben diesem praktischen Aspekt verdeutlichte diese Werbeentscheidung aber auch, wie wichtig eine gute Präsentation ist. So sehr sich die Möbel selbst unterschieden, so sehr taten sich Lücken in der Qualität der Beschreibungstexte auf. So sind es die Konzeptstücke – die durch den ‘Werbetext’ noch leichter als solche zu identifizieren sind – die mich am meisten beeindruckt haben.

Regale und Raumteiler“Dabei hält sich die vergleichbare Nutzbarkeit in Grenzen, was den parasitären Chakater des Regals unterstreicht.” Bei keinem anderen Regal verbinden sich Text und Ausstellungsstück zu so einem vollkommenen Ganzen wie bei Parasit. ©Dirk Mentrop

Trotz dieser leisen Kritik ist es bemerkenswert, was die Studierenden im mittlerweile 4. Semester hier geleistet haben. In der MItte ihres Studiums zeigen sie, was alles möglich ist. Diese Erfahrung bekam aber eine ganz neue Dimension, wenn mensch sich beim Besuchen der Ausstellung bewusst machte, dass die Möbel zu großen Teilen aus Eigenmitteln der Studierenden finanziert wurden. Auch wenn es in allen Studiengängen, egal ob Kunst, BWL oder den Geisteswissenschaften der unterschiedlichsten Couleur, Voraussetzung ist, dass Studienmittel selbst gekauft werden, wird einem*r deutlich, wie groß die Unterschiede zwischen den Studienrichtungen sind. Während ich als Studentin der Geschichte meine Kosten reduzieren kann, indem ich Bücher nicht kaufe, sondern in die Bibliothek gehe, ist die Studienrealiät hier eine andere. Und auch wenn es bestimmt viele Möglichkeiten gibt mit Sperrmöbeln oder preiswerten Produkten toll neue Dinge zu schaffen, gibt es sicherlich nicht wenige Studierende der Innenarchitektur in Deutschland, die schon manches Projekt fallen lassen mussten, weil sie sich bestimmte Materialien nicht leisten konnte. An der Qualität dieser Projekte hängt aber in diesem Fall der Erfolg des Studiums, während es meinen Lehrenden am vom-Lesen-gekrümmten Rücken vorbei geht, ob ich meine Fachliteratur in der Bib kostensparend klein kopiert oder neu gekauft gelesen habe.

Bin ich die einzige oder finden das noch mehr Menschen ein bisschen schade?

Regale und RaumteilerSo vielfältig wie die deutsche Studienlandschaft ist das Regal standART 827 von Leonie Steinfelder. Von zwei Seiten benutzbar ist es der ideale Raumtrenner, der, egal ob Tasse oder Hausarbeitenordner, allen Dingen individuellen PLatz bietet. ©Dirk Mentrop

Diesen Exkurs in die Poiltik beiseite war das Besuchen der Ausstellung durchaus ein Genuss. Auch wenn nicht alle ausgestellten Stücke das Rad neu erfunden haben, sind genug interessante und mutige Möbel dabei gewesen, die sowohl in Konzeption, als auch Material variiert haben. Mensch ging mit dem Wunsch nach Hause eins der Regale besitzen zu können oder selber ein cooles Regal zu bauen. Da mein Durchhaltevermögen im Heimwerken beim Häkeln und Stricken aufhört, werde ich wohl weiter alte Teewägelchen kaufen, aber jetzt weiß ich immerhin, welches Regal perfekt dazu passen würde.

Regale und RaumteilerEin Regal aus Stoff? Alles ist möglich. RollIt  von Bernadette Wilbs ist nicht nur leicht, sondern auch felxibel und gehört damit zu einem der interessantesten Stücke der Ausstellung. ©Dirk Mentrop

Techno, Titten und Theater

Mit dem Berlinaufenthalt verhält es sich ein wenig so, wie mit dem ersten Sex. Das Ereignis an sich muss (und wird oftmals ohnehin) nicht sonderlich befriedigend ausfallen, aber man kann endlich behaupten, dass man es getan hat. Obwohl die Hauptstadt mittlerweile ganz andere Sorgen hat, als sich damit zu beschäftigen, den Ruf als amüsante Spielwiese für jene, deren Konzeptlosigkeit in anderen Städten einfach keine Früchte tragen würde, zu wahren, klingt das Fernweh vieler junger Menschen nicht ab und der Mythos um die deutsche Großstadt ist nicht tot zu kriegen. Gerade in Trier macht sich das Streben nach dieser inländischen, aber trotzdem vermeintlich anderen Welt auf verschiedene Art und Weisen bemerkbar. Noch kürzlich meinte jemand vor der Villa Wuller zu mir, dass die Villa ja schließlich das Trierische Berghain sei, gab aber lobenswerterweise auf meine Nachfrage, ob er denn schon mal in besagtem Club gewesen sei, wenigstens zu, dass dem nicht so ist.

Ich kann bis heute nicht so ganz für mich entscheiden, ob in Kontext dieses naiven Strebens nach dem Unbekannten, die positive Resonanz auf Hannes Stöhrs “Berlin Calling” einen Segen oder den Untergang bedeutet. Ich weiß zudem auch nicht so recht, ob man von einer weit fassenden Sensibilisierung für elektronische Musik sprechen kann, da nun sogar der A1-Besucher durch einen Film ansatzweise wahrgenommen hat, dass Tracks nicht so, sondern anders entstehen. (Vielleicht könnte ich versuchen, es mal daran zu messen, ob auch weiterhin Fräuleins bei unsren Gigs den hinter mir sitzenden Visual Artist anquatschen, weil sie glauben, es sei er, der gerade auflegt.) Außerdem kann ich mich auch noch nicht für oder gegen den Versuch, Menschen, welche die Clubszene nicht kennen, diese Kultur näher zu bringen, entscheiden. Gleiches gilt für die Absicht, die Wirkung von diversen Drogen erläutern zu wollen. Einen Rausch erklärt man nicht, man hat ihn oder eben auch nicht.

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Der Film ist kein Meisterwerk, bedient sich aber einer recht ansprechenden visuellen Ästhetik und ist definitiv unterhaltsamer als der Saarbrücker Tatort. (Stöhr hätte es jedoch gerne dabei belassen können, Miloš Formans Drama gesehen zu haben, anstatt es dann als Vorlage für seinen Film zu benutzen, denn er tut sich und auch dem Publikum damit keinen Gefallen.) Kalkbrenner gelingt es  recht  gut, den Druffi zu mimen, woran diese schauspielerische Leistung wiederum festzumachen ist, ergibt sich jedoch von selbst. Er “spielt” den Charakter des Ickarus, der sich definitiv nicht durch komplexe Gedankengänge, geschweige denn durch weltbewegende Äußerungen auszeichnet.

Was diese Merkmale des Protagonisten anbelangt, sind keine direkten Abweichungen im Theaterstück von Gunnar Dreßler, das nun unter der Regie von Britta Benedetti am Theater Trier inszeniert wird, festzustellen. Eine hervorzuhebende Änderung, die man bereits aus dem Beschreibungstext im Spielplan der hiesigen Kulturstädte herauslesen kann, ist jedoch jene, dass Ickarus (gespielt von Matthias Stockinger) Drogen konsumiert, um “die Tage und Nächte durchzuhalten”. Ohne bezweifeln zu wollen, dass neben Koffein und Möhrchen, auch bestimmte Drogen den Wachzustand verlängern können und dementsprechend unter anderem deswegen bei vielerlei Menschen zum Einsatz kommen, fällt mir auf, dass allein durch diese Charakterisierung schon eine Wertung vorgenommen wird, die ich so im Film nicht wiederfinde. Stöhrs Ickarus ist ein Hedonist und Künstler, der sich zeitweilig gezielt, aber manchmal auch ungeplanterweise am Rande der Wahnsinns bewegt. Im Theaterstück wird jedoch ein anderer Beweggrund für den Drogenkonsum vermittelt und somit entsteht der Eindruck, dass nicht die realistische Skizzierung der Clubszene, sondern die Moral im Vordergrund steht.

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Bevor wir uns falsch verstehen: Der Grad zwischen Drogenverherrlichung und der Verteuflung des Zeugs, ist in der Realität schlichtweg einfach alles andere schmal. Er ist hier aber, wie in den etlichen von Repression und vor allem Unkenntnis geprägten Diskussionen um die Legalisierung verschiedener Stoffe, mal wieder auf ein Schwarz-Weiß-Bild herunter gebrochen worden, nach dessen Graustufen man vergeblich sucht. Das Bild, das im Stück gezeichnet wird, ist nicht das eines Musikers, der auch die Schattenseiten seiner eigenen Hilfsmittel kennen lernt, sondern jenes eines Drogenkonsumenten aus dem Bilderbuch jener Leute, für die Rauschmittel konsumierende Menschen so etwas sind, wie eine seltene Tierart, die sie nur aus Dokumentationen oder aus dem Zoo kennen.

Dementsprechend fällt es mir auch schwer die Tatsache, dass beispielsweise manche Konsumtechniken schlichtweg falsch praktiziert werden, positiv oder negativ zu bewerten. Man muss sich hier einfach fragen von wem und für wen dieses Stück geschrieben ist. Im Endeffekt freue mich ja eigentlich sogar darüber, dass die Regisseurin scheinbar bisher weder was gezogen, noch Free Base geraucht hat. Zumindest wird im Stück kein Haschisch gespritzt, das ist schon mal gut. Aber dass es DEN Drogenkonsumenten und im Kontext des Films, sowie des Theaterstücks auch DIE Psychose nicht gibt, wird nicht transportiert. Es findet zwar ein gewisses Maß an Sensibilisierung für diese Themen statt, aber sie verfehlt, meiner Meinung nach, ihr Ziel, da sie sich unbeholfen konstruierter Fakten bedient.

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Ich bin auch bezüglich des Castings sehr hin- und hergerissen. Der Ickarus der Benedettischen Inszenierung ist ein von sich selbst getriebener, impulsiver, halbwegs erwachsener Mann, der sich vor allem durch seine teils unkontrollierte, aber stets ausdrucksstarke Körpersprache auszeichnet. Eben diese körperliche Anstrengung nimmt der Hauptdarsteller Matthias Stockinger auf sich und sitzt zu fast keinem Moment des Stückes wirklich still. (Ich hab übrigens noch nie jemand so beeindruckend mit runtergelassener Hose an ner Kulisse hochklettern sehen.) Er fesselt das Publikum mit seiner schauspielerischen Leistung, aber man wird nicht automatisch in einen Bann des eigentlichen Hauptcharakters gezogen. Man fiebert nicht mit, sondern beobachtet. Der Mensch auf der Bühne ist nicht Ickarus, er ist kein Politoxikomane und auch kein Psychiatriepatient. Er ist guter Schauspieler und zudem einen ansehnlicher, junger Mann, den man sogar der Trierer Mutti, ohne einen Schock befürchten zu müssen, vorstellen würde. Und gerade hierbei zeigt sich für mich persönlich die Krux.

Eine weitere Schwierigkeit scheint, der Aussage der Regisseurin zufolge, bereits bei der Struktur des Originalstücks zu liegen. Dreßler habe Filmszenen ganz weggelassen, die für das Verständnis des Stücks jedoch relevant seien und einige Sprünge in den Dialogen hervorriefen. Wer den Film nicht gesehen hat, riskiert einige Male recht hilflos auf dem Schlauch zu stehen. Zudem richtet das Stück sich nicht unbedingt an Menschen, welche  sich eine große Auseinandersetzung mit Musik erwarten. Massentaugliche Tracks wie “Sky and Sand” dienen als Hintergrundmusik. Nicht mehr und nicht weniger.

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Wer jedoch seine Hausaufgaben macht und mit der nötigen Kenntnis der Story die Räumlichkeiten des Studios beim Rathaus betritt, der wird unter anderem bei jenen Szenen in denen Tim Olrik Stöneberg   in einer seiner Rollen, als Drogendealer die Bühne betritt, auf seine Kosten kommen. Des Weiteren erobert „Crystal Pete“ (Daniel Kröhnert) die Herzen aller, wenn er beispielsweise nach einem T-Shirt sucht, das er gerade anhat und auch Alina Wolff beeindruckt mit dem starken Wechsel zwischen den drei weiblichen Rollen, in die sie blitzschnell schlüpfen muss. Bei Barbara Ullmann kann ich mich noch nicht so recht entscheiden, ob sie wirklich die Neurologin Dr. Petra Paul oder eher Corinna Harfouch spielt. Aber sie macht´s und es klappt. Michael Ophelders verdient sich einen kleinen Applaus mit seinem Sopran-Solo am Anfang des Stücks und mit seiner Rolle des Vaters von Ickarus wird im Stück ein Kontrastprogramm geschaffen, dass zumindest für einen Teil des Publikums mehr Identifikationsmöglichkeiten birgt als die restlichen Charaktere.

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Zu guter Letzt spreche ich dem Team ganz unverhohlen meinen Respekt dafür aus, dass sie trotz der späten Absage seitens des Metropolis-Teams (das fälschlicherweise in einigen Texten als Forum bezeichnet wird*) das Problem des Bühnenbilds sehr gut gelöst haben. Was zuvor nämlich an drei verschiedenen Orten im Club vorgeführt werden sollte, wird nun anhand eines zweistöckigen Baugerüsts gelöst, in das die verschiedenen Ebenen des Stücks integriert sind.

Die ausverkaufte Premiere findet heute Abend statt, aber es sind noch Tickets für die darauffolgenden Vorstellungen erhältlich.

(*Oder muss man einem Club, den es so noch nicht gibt, überhaupt nen neuen Namen verleihen?)

(Alle Fotos laufen unter folgender Lizenz:  CC BY- NC Michel Thiel)

Auf ein Viez mit Klara Hitler

Die geheime Geheimbasis der DGDWZ-Crew ist unbekannterweise das Simplicissimus am Viehmarkt, den meisten Trierern geläufig als das Simpel oder wie mancher auch gerne verenglischt “Simple”. Bei unserem letzten Besuch machte Anne uns auf etwas Skandalöses aufmerksam. Da sitzen wir unter anderem seit 5 Jahren in dieser Kneipe und haben uns unsere Umgebung nie wirklich bewusst gemacht.

Das Simpel ist mehr als hübsche Kellner, günstige und hervorragende Getränke… ich bekomm’ grad gesagt, dass die uns nichts ausgeben, egal wie sehr ich hier schleime. Also gerade im Simpel steht ziemlich viel Kleinod herum, dass einem gar nicht immer gleich auffällt. Das Klavier hat einem nur die Nerven geraubt, wenn ein Möchtegern-Chopin sich wieder dazu berufen fühlte, sämtliche Gespräche unmöglich zu machen (ach, Max! Mach dich doch nicht lächerlich! In einer Kneipe wird nur herum gesoffen und auf sexueller Ebene heteronormativ geplänkelt!).

Nein, ich rede nicht von der Erkenntnis, dass der alte Holzschrank unserer Nachbarn im Durchgang des Simpels steht, obwohl auch der hübsch, doch leider nicht zum Mitnehmen ist. Nein, es geht mir um die Kunst im Simpel. Auch das ist nur eine Halbwahrheit, denn es geht mir nur um ein bestimmtes Stück. Natürlich nicht die verwaschen gezeichnete Streitsuchtfresse unseres aller Lieblings Klaus Kinski, sondern das Bild zwei weiter rechts. Da guckt ein einfaches Gemüt in ähnlich gehaltenem Stil wie das Kinski-Bild in die Ferne des nicht immer Zug dichten Hinterfensters, welches sonst die Rauchschwaden und Wärme schön in den erhabenen Hallen des Simpels behält.

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Wird im Simpel gerne mit Klara Hitler verwechselt: Franz Kafka. Via Wikicommons

Es handelt sich, wie ich erfahren durfte eben nicht um Franz Kafka, sondern eine Frau, die für die deutsche Geschichte wohl noch auf unabsehbare Zeit von “Importanz” sein wird. Bei dem unscheinbaren Gesicht handelt es sich um niemand Anderen als Klara Hitler, geborene Pölzl. In Geschichtsbüchern findet man sie als Randnotiz als die Erzeugerin des berüchtigten Adolf Hitler, dessen Geschichte wohl nicht weiter erläutert werden muss.

Das ist kein Skandal. Wer jetzt hofft, dass wir das Simpel zumachen wollen oder irgendjemandem eine Gesinnung zu unterstellen versuchen, der ist auf einem sehr morschen Holzweg. Es ist einfach faszinierend, dass hunderte und tausende von Studenten, Schülern, Beamten, Angestellten und Arbeitgebern tagein, tagaus im Simpel zu Gast sind, man aber nie jemand rufen hört: “Ja, küss die Porta! Das ist doch Klara Hitler!”

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Trivialwissen vom Feinsten. Prost! Via Wikicommons

Cafe MoMo

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr durch vertraute Städte wandelt und plötzlich fällt euch ein Haus, ein Geschäft oder eine Bar auf, die ihr noch nie vorher wahrgenommen habt? Manchmal waren sie vorher einfach noch nicht da, aber gar nicht so selten war mensch auch einfach nur blind und ist tausendmal daran vorbeigelaufen. RegisTRIERt nimmt sich genau diese Erfahrung zum Anlass, um einen genaueren Blick auf Trier und seine (versteckten) Orte zu werfen, damit Altes wie Neues nicht ungesehen bleibt.

Mitten in Trier Ost direkt an der Buslinie 4 gelegen hat sich ein solcher Ort aufgetan. Der Stadtteil, der bisher für seine schönen alten Häuser oder an den Hängen gelegenen teuren Neubauten bekannt war, hatte lange für den*die Besucher*in von ‚außerhalb‘ nur wenig zu bieten. Doch das hat sich mittlerweile geändert! Vor einem guten halben Jahr hat in der Agritiusstraße 4 ein neuer Laden das Licht der Welt erblickt, der sich sehen lassen kann.

DSC_7889Schon der erste Eindruck macht ordentlich was her! CC BY- NC Anne Schaaf

Das Cafe & Restaurant MoMo füllt dabei so viele Lücken in der Trierer Gastrolandschaft, dass ich gar nicht weiß wo ich anfangen soll die Vorzüge aufzuzählen. Sicherlich ist es die entspannte und erholsame Atmosphäre, die einem*r als erstes auffällt und die durch die liebevolle Einrichtung unterstrichen wird. Gemütliche Sitzgelegenheiten und warme Farben bestimmen das Bild. So manch ein Sofa erinnert dabei an Oma’s oder Opa’s Wohnzimmer ohne aber spießig oder verstaubt zu wirken. Die gemütlichen Sessel laden zum Verweilen ein und auch wenn die Grauen Herren im MoMo vielleicht ein Stück Kuchen bekommen würden, Zeit stehlen werden sie hier nie.

DSC_7743Neben dem Trierischen Volksfreund und der Süddeutschen kann mensch übrigens auch Die Zeit im MoMo lesen. CC BY- NC Anne Schaaf

Bereits nach kurzer Zeit hat sich das MoMo schon zu einem noch kleinen, aber wachsenden Kulturmagneten entwickelt. Die Urban Knitting Gruppe Trier trifft sich hier regelmäßig und verschönert unter anderem Bäume und Laternenpfahle in der Umgebung. Mit dem fairen Biobekleidungsgeschäft Flax ist eine Kleidertauschbörse entstanden (am 7. Mai ist der nächste Termin) und im MoMo selbst gibt es ein Bücherregal, wo nicht nur jede*r alte Bücher abgeben, sondern sich neue aussuchen kann – ganz für umsonst!

DSC_7821Mitnehmen kann mensch Bücher auch dann, wenn er*sie selber keine mitbringt! CC BY- NC Anne Schaaf

Unabhängig davon, dass es dem Laden von Sina Grohs-Weber gelingt selbst zu Mittagshochzeiten noch Cafèstimmung zu verbreiten, sind es aber die angebotenen Speisen selbst, die zum wieder kommen anregen. Hier wird nicht nur saisonal, sondern ausschließlich mit biologischen und/oder regionalen Produkten gekocht. Und auch wenn es lange gedauert hat, mit dem MoMo hat auch Trier endlich ein Restaurant, das seinen kulinarischen Schwerpunkt auf die vegane und vegetarische Küche legt. Jeden Tag gibt es mind. ein veganes Gericht (am Donnerstag ist sogar die ganze Tageskarte vegan). Das soll nicht heißen, dass hier andere Geschmäcker zu kurz kommen, der*die Genießer*in von Fleisch kann sich jeden Mittwoch auf ein ordentliches Fleischgericht mit hochwertigen Grundprodukten von einem regionalen Fleischer freuen und auch an anderen Tagen findet sich nicht selten ein deftiger Eintopf auf der täglich wechselnden Mittagskarte. Für Frühstücksliebende sei abschließend noch der Samstag empfohlen, da gibt es nämlich ein reichhaltiges Frühstücksbüffet mit Sekt und allem was dazugehört.

DSC_7853Und natürlich sitzen auch Menschen auf den Sofas. CC BY- NC Anne Schaaf

Es sind die Details, die dem MoMo seinen Charme verleihen und für die einzigartige Atmosphäre sorgen. Ob die fünfzehn verschiedenen Kaffeekännchen, die auf der Theke aufgereiht sind, die unterschiedlichen Goldrandteller oder die altmodischen Kuchenplatten auf denen der hoffentlich bald so berühmte wie gut schmeckende Schokokuchen angerichtet wird, in jeder Ecke lässt sich eine neue Kleinigkeit entdecken.

DSC_7837Herrlich, oder? CC BY- NC Anne Schaaf

Diese Liebe fürs Detail war es jedenfalls die mich nach wenigen Wochen zu einem immer wiederkehrenden Gast werden ließen. Wirklich verwurzelt hat mich aber die herzliche Art der Chefin, die sich gerne Zeit nimmt um mit ihren Gästen zu reden und Fragen jeder Couleur zu beantworten. Die Idee eine Oase vom stressigen, zeitfressenden Alltag zu sein, die sich hinter dem Namen MoMo verbirgt und nicht durch Zufall auf die Geschichte von Michael Ende anspielt geht auf und lädt zum wieder kommen ein. Umso glücklicher war ich, als mir die Möglichkeit geboten wurde dort hinter der Theke mit anzupacken und so bin ich jetzt schon seit mehreren Monaten beruflich wie privat regelmäßig in meinem Lieblingsladen in Trier Ost.

DSC_7785Wo Gemütlichkeit zu Hause ist, da dürfen Kerzen nicht fehlen! CC BY- NC Anne Schaaf

Meine Meinung hat sich nicht geändert – egal ob vor oder hinter der Theke, das MoMo ist ein kleines Unikat, dass mit jedem Besuch Hunger auf mehr macht.

DSC_7749Der Blick auf Trier Ost ist auch nicht zu verachten. CC BY- NC Anne Schaaf

DSC_7729Für große und kleine Gruppen gibt es im MoMo Platz. CC BY- NC Anne Schaaf

DSC_7880So gehet hin und entspannet euch! Dafür gibt es in Trier keinen besseren Ort! CC BY- NC Anne Schaaf

“Trier ist die Heimat für einen Heimatlosen”

Dirk Mentrop (immer auf der Jagd nach dem einzigartigen Moment)

Trier ist…die Heimat für einen Heimatlosen.
Trier hat …mehr Lebensqualität als es auf den ersten Blick erscheinen mag.
Trier braucht…mehr Mut über den eigenen Schatten zu springen.

Geschenk-Guerilla

Weihnachten ist echt nicht mein Ding.

Die Zeit davor noch weniger.

Vielleicht verstärkt sich meine Abneigung momentan auch dadurch, dass ich mir zum dritten Mal Jo Nesbøs “Schneemann” als Hörbuch reinziehe. In diesem Roman gehen mit dem ersten Schnee immer auch Morde einher. Das passt eigentlich eher zu meiner Stimmung.

Denn bei den Kiddies, die unglaublich schief Geige spielen am Hauptmarkt und aufgrund der Volldeppen, die nachdem sie sich unter der Woche überteuerten Glühwein zugeführt haben, nachts vor meine Haustür ihre gesangliche Talentfreiheit zum besten geben,   bekomm ich Mordgelüste.

Aber wenigstens ist der Zeitpunkt des durchaus Freude bringenden, gegenseitigen Beschenkens, auch in katholischen Käffern, nicht gesetzlich festgehalten.

Und deswegen profitieren wir hier in Trier, am kommenden Sonntag, also dem 9.Dezember davon, dass dem Schenken keine Regeln gesetzt werden können. Jeder soll so feiern und schenken, wie er/sie mag. Und das tun wir.

Wie in 17 anderen Städten deutschlandweit auch, wird nämlich pünktlich um 16:00 Uhr an der Porta flashgewischtelt was das Zeug hält.

Praktisch ist, dass ihr euch richtig schön austoben könnt. Wer gerne andere mit den im vergangenen Jahr erhaltenen, vielleicht doch nicht ganz so passenden Geschenken glücklich machen möchte, kann dies tun. Und wer ohnehin seine Bude ausmisten will, der stößt sicherlich auch auf Dinge, die anderen Freude bringen könnten. Auch selbstgebastelte Werke sind erlaubt, denn Grenzen beim Schenken, gibt es wie gesagt keine.

Das einzige was ihr tun müsst, ist eure Geschenke zu verpacken, zeitig (also kurz vor 16:00 Uhr) am Treffpunkt aufzukreuzen und sie dann in die Mitte unter die Porta zu legen. Um 16:00 geben wir dann den Startschuss und jeder darf in der Folge ein Geschenk erhaschen. Es versteht sich von selbst, dass die anwesenden kleinen Stinker den Vortritt haben, aber danach könnt auch ihr euch dem kurzen Geschenkabenteuer hingeben.

Wer danach Heißhunger auf Musik und Kekse bekommt und dieses Verlangen aber in einem ruhigeren, angenehmeren Kontext als dem überfüllten Weihnachtsmarkt stillen möchte, der ist ab 16:30 in der Jugendherberge an der Mosel willkommen. Das Team von Sonne 191 macht nämlich keinen Winterschlaf.

Auch wenn ich definitiv nie einen Weihnachts(mann)-Fetisch entwickeln werde, freu ich mich auf die Aktion und vor allem auf euch.

Wichtel Flashmob Deutschland // 09.12.2012 from Flat Monkee on Vimeo.

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