Category: Kladderadatsch (Page 1 of 24)

Ein langer Aufreger über Millionengehälter

Vorbemerkung: Das Thema “Hohe Gehälter” beschäftigt mich schon lange und ich habe eine sich bietende Gelegenheit genutzt, meine Gedanken dazu nieder zu schreiben. Der Komplexität dieses Themas wird auch mein Text nicht gerecht, aber ich habe versucht in lesbarer Kürze darzulegen, warum Millionengehälter keinen Sinn machen. Gerne können wir in den Kommentaren dazu zivilisiert (unter Betrachtung unserer Nettiquette) diskutieren und noch weitere Argumente für oder gegen hohe Gehälter finden.

Gehalt in Deutschland ist eine seltsame Sache. “Über Geld redet man nicht” und “Bei Geld hört die Freundschaft auf”, so lauten die landläufigen Weisheiten zu diesem Thema. Nicht unüblich sind zudem diverse Klauseln in Arbeitsverträgen, die das Diskutieren des eigenen Gehalts mit dem der Arbeitskolleg*innen verboten wird. Aber darum soll es heute nicht gehen, sondern um die Höhe von Gehältern und die Paradoxien, die sich daraus ergeben.

Read More

Mehr Offenheit

Das vor einigen Tagen auferlegte Reiseverbot betrifft Videospielentwickler und deren Angehörige in betroffenen Ländern. Sind das viele, sind das wenige? Geht es nicht viel mehr ums Prinzip? Johannes und ich unterhalten uns darüber und versuchen nicht zu bedrückend zu sein. Ein paar Witze sind drin. Versprochen. Durchhalten, nicht die Augen verschließen und für das Einstehen, was euch wichtig ist. Hoffentlich kommt die Botschaft durch.

Hier noch das im Podcast erwähnte Video von Insomniac Games:

Aufreger: Hamilton, Pence und Sprachgefühl

Bestimmt steckt keine böse Absicht hinter der Überschrift der Süddeutschen Zeitung “Broadway-Musical Hamilton Schauspieler belehren Mike Pence”, aber der Effekt ist nicht zu unterschätzen. “Jetzt reg’ dich doch nicht wegen eines kleinen Worts auf, Max”, ist eventuell ein Einwand. Dieser Einwand war schon immer und ist jetzt im Besonderen fahrlässig. In Amerika verfolgen wir eine aktive Spaltung von Bevölkerungsgruppen, die oft in “Arbeiterklasse gegen Elite” ihre Bezeichnung findet. Die Elite weiß alles besser. Die Elite beherrscht. Die Elite unterdrückt. Das ist das Verständnis jener, die nichts mit der Elite anfangen können.

Von einer “Belehrung” zu sprechen, ist nicht nur inhaltlich mehr als fragwürdig, sondern verstärkt das typische Bild. In den Augen der erzkonservativen Wähler sind die Schauspieler des Musicals natürlich linke Elite. Mit ihrer geschnörkelten Sprache, den hübschen Kostümen und extravaganten Gesten sind sie aufgrund der aktuellen (Fehl-)Kommunikation zwischen den Bevölkerungsteilen eine Personifizierung der linken Elite, der Social Justice Warrior, der Gutmenschen. Und diese Menschen “belehren” den demokratisch gewählten, zukünftigen Vize-Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika? Natürlich geht Menschen da der Hut hoch. Der zukünftige Präsident Donald Trump hat bereits per Twitter verlauten lassen, dass der Cast sich für den respektlosen Umgang mit Mike Pence entschuldigen soll. Wahrscheinlich, weil Donald Trump so wenig Geduld und Auffassungsgabe wie die meisten von uns mitbringt und lediglich Überschriften wie “Broadway-Musical Hamilton Schauspieler belehren Mike Pence” liest.

Das Problem ist, dass die Schauspieler des Hamilton-Musicals Mike Pence in keiner Weise belehren. Hier versammeln sich Künstler, die sich für Diversität einsetzen. Menschen, die anhand der Aussagen von Donald Trump ernsthaft besorgt sind, was die Präsidentschaft dieses Mannes für ihre und die Rechte ihrer Freunde bedeutet. Für Schwule, Lesben, Schwarze, Latinos, Transgenders, Frauen und weitere Bevölkerungsgruppen, die sich vor Trumps Aussagen und angekündigten Policen fürchten. Lest die Aussage selbst, die ich auf die Schnelle transkribiert habe. Wer eine grobe Übersetzung wünscht, guckt das Video beispielsweise bei der Süddeutschen.

You know we had a guest in the audience this evening. Vice-President elect Mike Pence, I see you walking out, but I hope you will hear us just a few more moments. There is nothing to boo here, ladies and gentlemen, nothing to boo. We are all here sharing a story of love. We have a message to you, sir, and we hope that you will hear us out. And I approach everyone to put out your phones and tweet and post so this message is being spread far and wide, okay? Vice-President elect Pence, we welcome you and we truly thank you for joining us here at ‘Hamilton – an American Musical”, we really do. We, sir, we are the diverse America who are alarmed and anxious that your new administration will not protect us, our planet, our children, our parents or defend us and uphold our inalienable rights, sir. But we truly hope our show has inspired you to uphold our American values and work on behalf of all of us, all of us. We thank you truly for [inaudible] this show. This wonderful American Story told by a diverse group of men and women of different colors creeds and orientations…

Habt ihr euch die Zeit genommen, den kompletten Ausschnitt zu lesen? Vielen Dank. Das ist nicht ironisch gemeint. Das ist bitter nötig, denn nur so ist ersichtlich, dass hier eine Gruppe von Menschen den angesprochenen Mike Pence bitten, ihren Lebensweg zu akzeptieren. Mehr als alles andere ist diese Ansprache ein “plea”, eine Bitte. Eine Bitte, zu akzeptieren, dass jeder Mensch ein produktiver und gewinnbringender Teil der Gesellschaft sein kann. Eine Bitte, zu versprechen, dass alle Menschen, die in Amerika leben, den Schutz der Regierung genießen. Die Aussagen Trumps lassen die Schauspieler zweifeln und deswegen bitten sie im Namen ihrer Gleichgesinnten, dass Mike Pence eine weltoffene und progressive Gesellschaft duldet und stärkt.

Du musst etwas Anderes tun. Du bist dumm und naiv, wenn du nicht machst, was wir dir sagen. Das sind Belehrungen. Jemanden zu sagen, dass zwei plus zwei vier sind, ist durchaus eine Belehrung, aber diese bezieht sich auf Fakten. Der Streit um Menschenrechte ist in Amerika und in nahezu allen Ländern der Erde aber eine Glaubenssache, weswegen Fakten oft außen vor bleiben. Unsere Bundeskanzlerin “tut sich schwer [mit der rechtlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare bei der Adoption von Kindern]”, weil Sie, aus welchen Gründen auch immer, es nicht für richtig hält. Das sei ein “kontroverses” Thema und ist am Ende ein Themenfeld, das bei Entscheidungen weitestgehend frei von Fakten bleibt. Der Hamilton-Cast belehrt nicht, sondern setzt sich für die Gleichheit gewisser Gruppen ein.

Der Journalismus steht in der besonderen Pflicht, dass Inhalte vernünftig, reflektiert und verständlich wiedergegeben werden. Wir haben in Deutschland genug Blätter, die sich aus offensichtlichen Gründen dagegen wehren. Der kommerzielle Erfolg gibt diesen Verlagen und Blättern recht, auch darüber müssen wir im Bilde sein. Wer glaubt, dass Überschriften wie “Broadway-Musical Hamilton Schauspieler belehren Mike Pence” keine Auswirkung auf die Außendarstellung haben, hat den berüchtigten Schuss nicht gehört. Dass die gebildete und meist als links bezeichnete Elite auf konservative Werte herabschaut, ist ein fest bestehendes Vorurteil. Ein Vorurteil, dass auch die weise gewählten Worte des Hamilton-Casts nicht umkehren, wenn wir schreiben, sie “belehren”.

Ich hingegen stehe dazu, dass ich mit diesem Beitrag belehren möchte. Ich versuche darauf hinzuweisen, dass die Wortwahl durchaus eine Rolle spielt. Ich streite oft und leidenschaftlich über die Entwicklung von Sprache und auch intern im Team herrschen große Differenzen. Das liegt bei mir daran, dass ich das Gefühl habe, dass viele Menschen ihre eigene Muttersprache in den Grundfesten nicht verstehen und unabsichtlich schaden anrichten. Während wir sprechen, passiert das. Uns fehlen die Worte, wir verhaspeln und versprechen uns. Das ist menschlich. Doch wer seine Gedanken in Schriftform zum Ausdruck bringt, hat eine besondere Verpflichtung. Journalisten verdienen ihren Unterhalt mit dem geschriebenen Wort und bei all ihrer Übung ist es wichtig, dass sie ihre Erfahrung mit dem Umgang mit der Sprache Lesern zur Verfügung stellen.

Allein die Überschrift “Broadway-Musical Hamilton Schauspieler belehren Mike Pence” ist eine völlige Verfehlung dieses Qualitätsanspruchs. Wir lesen eine Überschrift, die an eine Falschaussage grenzt. Wir versagen mit solchen Botschaften auf den einfachsten Ebenen der Kommunikation. Wenn der nächste Konservative ruft, dass die vermeintlichen Linken und die vermeintliche Elite und die vermeintlichen Besserwisser, weiß wieder keiner, woran das liegt. Niemand ist perfekt, auch ich hätte mich eloquenter ausdrücken können, hätte effektiver zum Punkt kommen können. Ich möchte das versuchen. Ich möchte meine Fehler minimieren. Die Frage ist, Süddeutsche Zeitung, macht ihr mit? Die Frage ist, Journalisten, macht ihr mit? Die Frage ist, lieber Leser, machst du mit?

Featured Image via Flickr by Tina Saey

 

Die besten Questen

Stellt euch vor, ihr habt ein Neugeborenes, dann kommt plötzlich die Apokalypse, ihr könnt euch gerade noch so in einen Bunker retten, seht aus dem Kälteschlaf heraus, wie euer Partner ermordet und das Kind gestohlen wird, wacht auf – und geht dann erstmal in aller Ruhe looten und leveln. Dieses Drecksbalg kann auch alleine klar kommen, denn es gibt schließlich irgendwelche Ödlandsiedlungen von unglaublichen drei oder vier Bewohnern, die unsere Hilfe brauchen. Oder stellt euch vor, ihr bekommt gesagt, ihr seid der*die*das Auserwählte, sollt die Welt vor dem Untergang retten – und säubert zunächst alle Keller der Nachbarschaft von irgendwelchem Gekröse. Als Dank winken einhundert Erfahrungspunkte und fünf Goldstücke.

Read More

Deadlines & Delays: Final Fantasy XV… und JEDES WEITERE SPIEL

Mankind Divided ist gerade erst raus und die halbe Welt hat wieder vergessen, dass es vor einem halben Jahr hätte kommen sollen. WO IST DER AUFSCHREI?!?!?!?!1111ELF!

Wir suhlen uns in Enttäuschung über No Man’s Sky und boykottieren Final Fantasy XV… der Framerates und zwei Monaten Verzögerung wegen. Hauptsache Aufregung, die so schnell aus dem Kopf verschwindet, wie der Plot aus dem letzten Superheldenfilm. Johannes und ich setzen sich damit auseinander, warum wir alle glauben, dass Releasedates für uns gemacht sind. Frust und Hoffnung liegen wie immer nah beieinander, aber wir sind guter Dinge, dass wir mit ein paar Mythen und Fehlauffassungen aufräumen können.

Krieg und Frieden und Schießspiele

Wir starren tief in der Abgrund und der Abgrund starrt zurück. Es ist immer interessant, wenn ein (ungescripteter) Podcast in eine gänzlich andere Richtung geht, als wir vorher gedacht haben. Wir wollten über die Verantwortung von Videospielen reden, weswegen Johannes auch gleich in “Reden Wir Über…”-Stimmung ist. Tatsächlich merken wir beide jedoch, dass wir viel grundsätzlichere Probleme mit Scheinheiligkeit, Doppelmoral, Freiheit von Kunst und der Unterscheidung von Hoffnung und Erwartung haben. Dass ich dabei der weitaus knatschigere Zeitgenosse bin, können sich die meisten Hörer bestimmt denken.

 

 

Mehr Spieler – … und die Kurzsichtigkeit des Spielejournalismus

Max und ich verstehen uns ja auch ein klitzekleines bisschen als Journalisten. Für Videospiele. Die über andere Journalistinnen und Journalisten reden. Die wiederum über Videospiele reden. Max und ich verstehen uns seit fast vier Jahren so gut, dass ich es nicht länger aushielt und ich mich mit ihm streiten wollte. Über Journalisten, die über Videospiele reden und schreiben. Denn Max hat zuletzt in unserem Podcast zum Ende von Gametrailers angedeutet, dass er den aktuellen Spielejournalismus nicht für völlig voll nimmt. Und ich frage mich warum. Deshalb habt ihr jetzt die ganz exklusive Gelegenheit, unserer angeregten Diskussion zu lauschen. Spoiler: Am Ende haben wir uns wieder lieb.

Viel Spaß bei unserer neuen Folge des Mehr-Spieler-Podcasts!

Am Abgrund Links – Landtagswahlen, Deadpool und Charleys Tante

Huch? Ist etwa schon wieder eine Woche rum? Das geht ja schnell dieses Jahr – wie jedes Jahr. Damit ihr nicht den Überblick verliert, findet ihr unsere Links für die letzte Februarwoche!

Anni

  • Auch wenn der Artikel schon etwas älter ist (im Universum des Internets bedeutet das ein paar Wochen), hat er für mich noch nichts an seiner Brisanz verloren. In Zeiten von Clausnitz, von rassitischen Spekulationen um Köln und brennenden Flüchtlingsheimen, kann man* nicht oft genug auf unsere Menschlichkeit verweisen. Dafür sind Vergleiche ein gutes Mittel. Zum Beispiel, wenn man* sieht das Anne Frank heute eine nette Dame in Amerika sein könnte, hätten die USA dem Antrag ihres Vaters auf Asyl stattgegeben hätte.
  • Als Pornodarsteller*in ist man* vielen Vorurteilen ausgesetzt. Eines der schlimmsten ist, dass man* sie gar nicht vergewaltigen kann. Mit dieser schrecklichen Relativierung ihres Leids sieht sich zur Zeit Stoya konfrontiert (Triggerwarnung). Die Situation verschärft sich dadurch, dass der Vergewaltiger jenseits der Branche einen fast schon feministischen Ruf hat, da er nicht den Aussehensstereotypen der Szene entspricht.
  • Wie so viele zurzeit bin auch ich dem Hype um Deadpool verfallen. Die Gründe reichen von der Ästhetik des Films bishin zu einem humorvollen, aber dennoch nich-relativierenden Umgang mit schwierigen Themen wie Traumata in der Vergangenheit der Charaktere. Interessante Gedanken zum homoerotischen Subtext bei Deadpool, der positive und negative Folgen haben kann, findet ihr bei The Mary Sue.
  • Und zum Abschluss noch etwas für die Geschichts- und Sprachinteressierten. Im Guardian hat sich Gedanken über sexitische Wurzeln in der englischen Sprache gemacht. An acht Worten kann man nachvollziehen, wie sich die Bedeutungen ins Negative verschoben haben. Ich finde sowas ja sehr spannend.

Johannes

  • Das Topos “Mann verkleidet sich als Frau” wurde schon einige Male im Film behandelt, beispielsweise mit “Charleys Tante” schon 1915 als Stummfilm mit Heinz Rühmann in der deutscehn Verfilmung von 1956. Immer waren diese Filme, entsprechend der dramatischen Vorlage, als Komödie angelegt. So auch “Tootsie” von 1982, mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle. Für den Schauspieler war dieser Film nie wirklich als Komödie angelegt, wie er in einem bewegenden Interview preisgibt. Viel eher ist er sich dann der unfairen Erwartungen an Frauen in unserer Gesellschaft klargeworden.
  • Polygon hat vor ein paar Wochen zwei wunderbare Features veröffentlicht. Zum einen ein Blick auf die wachsende Spieleindustrie in Südafrika (dem Staat). Das ist insofern ziemlich interessant, da Videospiele entweder vom asiatischen oder westlichen Kulturkreis (vereinfacht: Japan oder den USA) dominiert sind. Deswegen ist es auch ganz spannend zu sehen, ob es so etwas wie “afrikanische” Videospiele geben kann. Viele Personen, die in der Reportage vorkommen, wollen ihren spezifischen, kulturellen Hintergrund nämlich verarbeiten. Im Prinzip kann dies erstmal nur eine Bereicherung für die Spieleindustrie sein.
    Das andere Feature dreht sich um die (tragische) Geschichte von Segas Maskottchen, Sonic. Einst eine ziemlich populäre Figur, litt sie in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht nur unter Segas Rückzug aus dem Konsolenmarkt, sondern auch unter eher durchwachsenen Spielen. So ist Sonic mittlerweile eher eine Randerscheinung für Videospielenostalgiker*innen, statt eine ähnlich populäre Figur wie Nathan Drake, Lara Croft oder der Master Chief. Obwohl Sonic nun wesentlich mehr Charakter besaß.
  • Und auch was aktuelles (leider): Clausnitz hat die Bundesrepublik mal wieder mit leicht offenem Mund dastehen lassen – und die anschließende Rechtfertigung von Sachsen Innenminister und des Polizeichef hat das Kinn der einen oder des anderen noch weiter Richtung Boden sinken lassen. Es ist zu befürchten, dass diese Form der scheinbar “spontanen” Aktion von besorgten Bürgern Nazis gar nicht so ungeplant war. Die Autorin Liane Bednarz warnt davor, dass sich hier Spuren einer rechten Gegenkultur und organisierten, politischen Aktion finden lassen. Wir müssen uns eingestehen: Deutschland hat ein verdammtes Problem mit seinen “besorgten Bürgern” – nämlich ein Problem mit tief sitzendem Rassismus. Die politische Mitte ist eine Lüge und die Politik muss sich darauf konzentrieren, den Rechtsextremismus nicht kleinzureden, sondern zu bekämpfen!

Max

  • Kann uns bitte endlich jemand erklären, wer die Zielgruppe für VR-Brillen sein soll? HTC lacht mal kurz ganz laut über Facebooks “Oculus Rift” erklärten Preis von 600 US Dollar und erhöht mit “Vive” aller Voraussicht nach auf 800. Bei Sonys VR-Variante wird bisher von 400 bis 500 Dollarn ausgegangen.
  •  “Feel The Bern” ist das derzeitige Flagschiff europäischer Hoffnungen, wenn man sich bei Facebook im Freundeskreis umguckt. Und es ist auf den ersten Blick erstaunlich, dass auch viele (junge) Frauen Sanders einer Frau Clinton vorziehen. Die ersten Vorwahlen wurden fast schon als Siegessturm Sanders dargestellt, doch so mancher Artikel gibt Bernie-Sympathisanten zu denken. Denn am Ende entscheidet nicht das Volk, sondern die Partei, wer zur Wahl aufgestellt wird. Sollte Clinton nicht einen Haufen Niederlagen einstecken, dann sollte allein ihre starke Lobby bei den Demokraten genügen. Nun wurde mir berichtet, dass einige “Superdelegierte” bereit sein zu Bernie zu wechseln, aber Fakt ist, dass die Vorwahlen dieses Mal äußerst wenig Aussagekraft haben. Ein Sanders kann auf Seiten der Demokraten letztlich genau wie ein Trump auf der Gegenseite allein durch die Partei ausgehebelt werden.
  • Einige Landeswahlen stehen wieder an. Wenn ihr schon keinen Bock habt, auf Anhieb die ganzen Parteiprogramme durchzulesen, dann gönnt euch doch eine Runde der beliebten Spiele-App (kein Scheiß, checkt das mal im Google Store) “Wahl-O-Mat” (im Link wird auf die Rheinland-Pfalz-Version verwiesen). Natürlich ist der Wahl-O-Mat nicht wasserdicht, aber zumindest bringt es einige dazu, sich dann doch mal mit den Wahlprogrammen auseinanderzusetzen. Andere wollen einfach nur sehen, wie (hoffentlich) niedrig die Übereinstimmung mit der NPD ist. Viel Spaß und denkt bitte ein wenig über die Ergebnisse nach und recherchiert im Bestfall.

Featured image via Flickr by Phil Roeder

Am Abgrund Links – Abalonia und Männerfeindlichkeit

Ah, Musik und Politik! Zwei doch oft überraschend nah beieinander liegende Themen. Ob es die Emotionen sind, die beides verbindet? Dabei ist Politik doch als rationale Bühne gedacht. Und Musik nur als Unterhaltungsshow? Max jedenfalls hofft, sein Lieblingsalbum für dieses Jahr schon gefunden zu haben. Und Johannes unterstützt den Feminsmus. Das übliche also, in unseren Links für diese Woche

Johannes

  • Ich musste bei der Überschrift von Selma Mahlknechts Telepolis-Artikel erstmal schlucken: Sexismus zu bekämpfen hieße auch, Männerfeindlichkeit zu bekämpfen. Nun ist Männerfeindlichkeit erstmal ein Kampfbegriff aus dem Maskulismus und hat mich daher ob der Richtung des Artikels verunsichert. Bald nach den ersten Absätzen wird aber klar, worum es geht: Die Männerbilder, die es in unserer Gesellschaften bzw. unseren Gesellschaften gibt, sind oft genug ziemlich steinzeitlich – und damit wenig schmeichelhaft für Männer. Die Rolle des stumpfen Barbaren füllen Männer schon lange nicht mehr aus, viel eher sehen sie sich einer unvereinbaren Vielzahl an Rollenerwartungen verknüpft. Das Männerbild daher auf den saufenden und grölenden Holzkopf zu reduzieren (auch wenn wir jeden Montag in zu vielen Städten das Gegenteil bewiesen bekommen) ist eklatant Androgynistisch, kommt aber meist aus der Männerrechtsbewegung selbst. Am Ende steht die Erkenntnis, dass der Feminismus den Männern durchaus mehr zutraut, als deren selbsternannte Rechtebewahrer.
  • “You are a survivor!” So klang es in den Ohren derjenigen, die vor knapp drei Jahren das Tomb Raider Reboot gespielt haben: Lara Croft gibt nicht einfach auf, die kämpft und überlebt! Das zumindest war die holzhammersensibel vorgebrachte Botschaft des Spiels – nur mit Survival im Spiel-Sinne hatte das wenig zu tun. Rise of the Tomb Raider von Ende 2015/Anfang 2016 hat nun einen DLC spendiert bekommen, indem der Survival-Aspekt wesentlich in den Vordergrund rückt. Dieser DLC ist wohl gut genug, dass Rock, Paper, Shotgun dazu ein eigenes Review veröffentlicht. Beim Lesen der Worte scheint es mir, als wäre diese Ergänzung tatsächlich einmal ein Survival-Spiel (wenn auch kein eigenständiges), dass ich wirklich interessant finden könnte.

Max

  • Zumindest das mit dem “Rot” in Schwarz-Rot-Gold bekommen wir laut SZ schon richtig gut hin. Langsam ist aber auch Fremdscham nicht genug, wenn Politiker anfangen die Gesetze wie heilige Schriften auszulegen, sodass am Ende irgendwie alles okay ist. Der Ausdruck Prantls “politische Obszönität” hat für mich jetzt leider schon Potenzial zum Ausdruck des Jahres, denn ehrlich gesagt ist es mir lieber, dass Zweitklässler das gesamte Fluch-Repertoire eines Oberstufenschülers beherrschen, als dass wir diese Menschen verachtende Grütze hören müssen. Und dabei sorge ich micht nicht nur um die Opfer dieser Rhetorik. Ich möchte nicht jeden Morgen aufstehen und bei jedem zehnten Passanten denken: Aha, wahrscheinlich ein Arschgesicht.
  • Apropos “Arschgesichter”! Dieser Ausdruck ist nur einer von zehn Titeln auf der neuen Turbostaat-Scheibe. Wer ein wenig den Grips anstrengt und zuhört, der merkt auch, dass die Band sich ebenfalls mit den politischen Gegebenheiten auseinandersetzt. Auch abseits davon ist das Album aber richtig klasse geworden. “Alte” Fans werden wahrscheinlich weiter nölen, dass die Band ihnen inzwischen zu soft klingt. Mir gefällt der Ansatz des neuen Albums “Abalonia” richtig gut. Der Trend bleibt bestehen, dass die Jahresanfänge bei mir immer einen Favoriten fürs gesamte Jahr bedeuten.

Featured Image via Flickr by Clemens Vasters

Page 1 of 24

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén