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Hundertachtzig: die Bild, #TakeAKnee und Nationalismus

Racesplaining. Ist das ein vorhandener Begriff? Ich bin nicht der erste, der diese Frage stellt. Nachdem Julian Reichelt in der BILD ein paar jammernde Zeilen ohne Inhalt gegen Hertha BSC verfasst hat, dachte ich mir: Schwamm drüber, da ärgerst du dich nur drüber, weil due Hertha-Fan bist, Max. Als Julian Reichelt dann auf Twitter unter anderem Hans Sarpei widersprach, dass das Zeichen Herthas und in Verlängerung dem der angesprochenen NFL-Mitglieder nicht “gelungen” sei. Der ganze Thread dazu lohnt, da sich Julian Reichelt mit ausbleibender Rhetorik selbst demaskiert.

Ich selbst empfand das Knien der Profimannschaft samt Trainerteam und Verantwortlichen vor dem Spiel gegen Schalke 04 am 14.Oktober etwas befremdlich und unfertig eingepflegt. Diese Aktion dann wie Julian Reichelt zu nutzen, um im Stile Donald Trumps die Fakten komplett zu verzerren, ist dagegen einfach nur ein trauriges Beispiel dafür, was bei BILD seit jeher vor sich geht.

Reichelt redet in seinem Mini-Kommentar und bei Twitter von “Respektlosigkeit” gegenüber der US-Flagge und jenen, die für die Werte dieser Flagge gekämpft hätten. Was diese Werte abseits von “Freiheit” sein sollen und was das für all die Verbrechen, die unter einer Landesflagge geschehen sind, bedeutet, das erwähnt Julian Reichelt natürlich nicht. Dafür müsste er in seinem Kommentar schließlich differenzieren oder tatsächlich in die Tiefe gehen.

So wirft er mit Worten wie “dumm” und “unangebracht” in Umlauf und wirft den Spielern von Hertha BSC Ignoranz vor. Es geht mir nicht darum Hertha BSC zu verteidigen, sondern darauf hinzuweisen, dass Julian Reichelt mit seinen Aussagen eine Entschuldigung für unreflektierten Nationalismus bietet. Und wenn er das gar nicht so gemeint hat? Dann sollte er besser recherchieren und schreiben. Ich habe gehört, dass er damit sein Geld verdient.

Vielleicht hat Herr Reichelt ein bisschen mehr als drei Minuten Zeit für mich. Ich hoffe, ihr nehmt euch die Zeit und sagt uns, was ihr zu solchen Aussagen denkt. Und auch an die BILD-Verächter: die traurige Wahrheit ist, dass wir uns und unsere Mitmenschen jeden Tag daran erinnern müssen, was dieses Blatt uns bewusst und unterbewusst antut.

Nachhilfe-Material:

  1. Der erste Zusatzartikel der Verfassung der USA
  2. Kniefall und Schulterschluss sind als Zeichen gedacht, die unter der US-Flagge ausgeübt werden. Wenn überhaupt sollten Einwürfe wie Reichelts darauf abzielen, dass es Menschen gibt, die unter der US-Flagge Ungleichheit und Ungerechtigkeit ausüben.

Hundertachtzig: Heimat

Ja, scheinbar reden immer noch ein paar über das Thema “Heimat” und wie dieser Begriff politisch zu verstehen sei. Verrückte Idee: vielleicht ist das Wort “Heimat” in vielerlei Hinsicht ziemlich unpolitisch, sondern beschreibt unsere ganz persönlichen Orte der Geborgenheit. Heimat ist kein allgemein anwendbarer Begriff, egal, ob man inklusiv oder exklusiv denkt, ist Heimat auch immer ein persönliches Empfinden. Ich will nicht politisch werden, wenn ich sage, wo ich mich daheim fühle.

Ob wir in derselben Heimat leben, hängt natürlich auch davon ab, wie wir miteinander klar kommen. Das ist die Grundlage jedes Zusammenlebens. Es geht nicht darum, dass wir alle die gleiche Idee von “Heimat” haben, sondern dass wir alle ein Verständnis dafür haben, was für uns “Heimat” ist. Und das ist weder links noch rechts.

Was meint ihr?

Ein paar Anstöße zum Thema von den findigen Leuten der BpB (Bundeszentrale für politische Bildung):

http://www.bpb.de/lernen/grafstat/projekt-integration/134586/info-03-05-was-ist-heimat-definitionen

http://www.bpb.de/shop/lernen/themenblaetter/36762/heimat-ist-wo-ich-mich-wohlfuehle

Hundertachtzig: die totale Inklusion

Anschreien, empören, entgegenstellen. Klare Kante zeigen und in die Fresse. Wir schmeißen mit gewaltiger Sprache und drohenden Gebärden um uns. Aber selten habe ich das Gefühl, dass das Gute verteidigt wird, sondern nur, dass das Böse bekämpft werden muss. Die Sorge ist, dass wir den Blick fürs Gute verlieren. Wenn uns die Ablehnung eint, was passiert, wenn der Gegner weg ist.

Wer so tut, als gäbe es in seiner Partei, seinem Freundeskreis und seiner Familie immer eine Übereinstimmung von 100%, der lügt sich selbst in die Tasche. Selbst die beste und innigste Beziehung lebt von Kompromissen. Diese Woche deswegen ein Appell FÜR ein beispielloses Vorleben eines integrativen Lebensstils, der so geil ist, dass einfach jeder mitmachen will.

Und wisst ihr, was wir den Leuten ins Gesicht schmettern, wenn sie plötzlich an unserer Community teilhaben möchten? WILLKOMMEN AN BORD!

Das im Beitrag angesprochene Interview der Süddeutschen Zeitung ist auch einen aufmerksamen Blick wert.

Hundertachtzig: Kultur am Arbeitsplatz

… cuz I’ve got Schweden on my mind! Die Ärzte haben schon gewusst, dass Schweden etwas speziell ist. Der Fußballverein Östersunds FK ist ein Paradebeispiel dafür, stellt der Verein doch als einziger Fußballproficlub im europäischen Geschäft einen Kulturcoach. Karin Wahlen kümmert sich um die kulturelle Bildung und Förderung der Spieler. Vom Theaterbesuch bis zur Kulturrevue ist alles dabei und verschafft Spielern einen Zugang zu vielen neuen Perspektiven und Inhalten.

Wie wäre es, wenn Arbeitgeber sich an solchen Beispielen ein Vorbild nehmen und aktiv daran teilnehmen, eine Gesellschaft zu formen, die sich tatsächlich mit kulturellen Werten auseinandersetzt? Es folgt eine durch und durch idealistische Folge Hundertachtzig. Das große Aufpäppeln geht weiter!

Hundertachtzig: Ode an die Freunde

Kein großer Inhalt nach der Bundestagswahl. Oder doch? Ich will allen Freunden und Gleichgesinnten nur sagen: Danke, dass ihr für mich da seid.

Drei Minuten darüber, dass es jetzt okay ist, frustriert und wütend zu sein. Schaltet ab, reagiert euch ab und kommt zur Ruhe. Und dann gehen wir die Sache getrennt und zusammen an. Wer Hilfe oder eine Meinung wünscht, der stößt bei mir immer auf offene Ohren. Aber jetzt gönnt euch erstmal ein paar Tage oder Wochen, um im Kopf wieder zu Kräften zu kommen.

Hundertachtzig: Kurzschlusswahlen

Entscheide dich jetzt! Heute nehme ich keinen Zeitungsartikel zum Anlass der neuen Hundertachtzig-Ausgabe, sondern Hashtags. Ohne Mist. SPD und CDU weisen auf die Zielgerade in Stunden hin. 100 Stunden, 72 Stunden! Das nennt man wohl kurzfristigen Wahlkampf. Viele Bürger entscheiden sich weiterhin erst sehr spät, wen sie wählen. Aber die Rechten gehen ganz sicher wählen! Und du gehst jetzt bitte wählen, damit wir keinen Rechtsruck erleben!

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Hundertachtzig: (K)ein neuer Umgangston

Pro-Tipp aus unserer Texter-Schmiede: wascht euch die Zähne erst nach der Aufnahme eines Texts, der euch dazu bringt die Worte “Zeckenschlampe” und “Volksverräter-Fotze” in den Mund zu nehmen. Aber das finden die Gurlz bestimmt total sexy… So wie mein FDP-Bewerbungsfoto!

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Hundertachtzig: die Partei als stiller Protest

Neue Rubrik, neues Glück. Den Grimmepreis gibt es für unsere Raw-Gedankenergüsse wahrscheinlich nicht, aber das ist auch nicht das Ziel. In unserer ersten hektischen Ausgabe geht es um eine äußerst kritische Sicht der Partei “die Partei” in der taz von Martin Kaul. Kauls Ansicht nach ist das Wählen der Partei “das Letzte”.

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Informieren leicht gemacht

Nie hätte ich mir erträumt, dass eine Schulweisheit meiner Deutschlehrerin an der Oberstufe einmal ein Credo meines Lebens wird. “Belegen Sie am Text”, ist nicht nur ein Mittel, um gute Noten durch Wischi-Waschi-Aussagen zu verhindern. “Belegen Sie am Text” ist auch im Alltag eine Berufung auf Feststehendes. Nun stellen wir dieser Tage endgültig fest, dass jeder einfach schreiben kann, was er möchte. Deshalb können wir nicht jeden davon überzeugen, dass das Geschriebene Wort stimmt oder frei erfunden ist.

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