Category: Mythen des Antifeminismus (Page 1 of 3)

DARTH MAUL – Apprentice: Fanfilm-Verzweiflung

Ein deutscher Fanmade Film macht zur Zeit die Runde. Das besondere sind nicht nur die gut sechs Millionen Clicks, die der Film zurzeit auf Youtube hat, sondern auch die positive Presse, die er in Deutschland und anderen Teilen der Welt bekommt. Hier ziehen international Menschen ihren Hut, was vor allem dem fast schon professionellen Look des Films zuzuschreiben ist.

Und ja, vorweg möchte ich festhalten: Der Film ist visuell und technisch beeindruckend. Das Make-Up, die Stunts und die Visual Effects – obwohl es sich dabei um das Projekt eines Filmstudenten handelt, gibt es nur wenige Momente, in denen direkt auffällt, dass es sich nicht um einen professionellen Film handelt (klammert man* die Qualität des Schauspiels einmal aus). Um zu verdeutlichen wie schwer das ist, muss man* nur die Zahl der Leute erwähnen, die (in der Mehrheit ohne Bezahlung) ihre Energie in das Projekt gesteckt haben. Es sind um die 70.

Die Story des Kurzfilms ist schnell erzählt. Hauptsächlich handelt es sich um eine lange Actionszene auf einem Waldplaneten. Mehrere Jedi kämpfen mit dem Sith Darth Maul und sind heillos überfordert. Und hier zeigen sich sofort die Schwächen des Films. Letztendlich ist es nur die Schönheit der Bilder, die lobenswert ist. Geht man* auf die inhaltliche Ebene, sieht es ganz anders aus.

Stunts, Stunts, Stunts und mittelgutes Schauspiel

Die gezeigten Figuren sind eine einzige Ansammlung von Stereotypen. Der alte weise Jedi-Meister (Mathis Landwehr aka der Obi-Wan-Kenobi-Gedächtnis-Cast), die junge unerfahrene Padawan (Svenja Jung), drei Jedi, die hauptsächlich da sind, um cool zu kämpfen und eine Togruta, deren einzige Funktion es ist, ihr tolles Kostüm zu zeigen. Kein Wunder also, dass sie als erste stirbt. In so einem Cosplay-Kostüm lässt es sich schließlich nur schwer kämpfen.

Auch Darth Maul, der eigentliche (Anti-)Held des Films (wenn man dem Titel des Filmes folgt), macht keine Charakterentwicklung durch, die sich irgendwie nachvollziehen lässt. Hauptsächlich sieht er gut aus (im Sinne eines tollen Kostüms), guckt böse und kämpft viel.

Image by Sam-Cat

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Natürlich werden auch viele Lichtschwerter geschwungen.

Blendet man die schicken Effekte und das tolle Make-Up aus, dann bleibt am Ende eine furchtbar langweilige Geschichte übrig, die wir schon tausend Mal gesehen haben: Der*die überforderte und eingeschüchterte Schüler*in, die am Ende seine*ihre Angst überwindet. Das Problem ist  nur, dass diese Geschichte nur dann funktioniert, wenn die Figur am Ende ihren Mut zeigen kann. Leider funktioniert das aber nicht, wenn sie für ein paar Minuten kämpft, um dann einfach zu sterben. Der Story hilft zusätzlich nicht, dass die Kämpfe zwar toll aussehen, die schauspielerische Leistung aber zu wünschen übrig lässt.

Sicherlich ist das zum einen dem Genre des Kurzfilms zuzuschreiben, das generell weniger Zeit hat, Charaktere zu entwickeln. Zum anderen muss man* aber auch ganz eindeutig sagen, dass das Typecasting (z.B. bei Mathis Landwehr) es nicht besser macht. Die einzigen zwei Figuren, die der Film Protagonist*inn*en nennen kann, sind der Jedi-Meister und seine Padawan. Und die sind, ähnlich wie Konzeption der Actionszenen in erster Linie ziemlich 0815. Ich betone noch einmal, dass sie dennoch visuell schön umgesetzt und technisch aufwendig gestaltet sind, aber auf der inhaltlichen Ebene fehlt einiges, um dem Film wirklich “Größe” zu verleihen.

Ein Problem folgt dem anderen

Gerade bei der Figur der Padawan ergeben sich aber noch weitere Probleme. Denn auch wenn sie in erster Linie, dem schon genannten ängstlichen Held oder Heldinnen (gepaart mit dem Lehrlingsaspekt) entspricht, verbindet sich dieses noch mit negativen Erzähltraditionen von Frauenfiguren. Denn sie erfüllt alle Klischees, die es für weibliche Charaktere im (Action)film gibt. Sie ist diejenige, die den Kampf plötzlich unterbricht um Mitgefühl zu zeigen. Sie  muss mehrmals gerettet werden. Und die meiste Zeit ist sie einfach nur hilflos und überfordert. Ihre Schläge und Attacken gehen oft ins Leere. Sie wird oft zurückgeworfen und ist dann mehrere Momente gar nicht Teil des Kampfes. Viele diese Momente könnten durch eine Story erklärt werden, aber diese fehlt leider und dadurch werden sie zu bloßen Tropes.

In Ergänzung dazu werden auch visuelle Stereotype wiederholt, zum Beispiel sehen wir nur bei den Männern die tödlichen Wunden durch die sie sterben (wenn auch nicht bei allen). Das mag dem Budget des Films geschuldet sein – immerhin braucht man für den Tod durch Lichtschwert visuelle Nachbearbeitung – fügt sich aber leider in die Tendenz des Filmes ein.

Image by DAVID HOLT

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In Deadpool wird das Thema Gewalt gegen Frauen (in Kampfszenen) ebenfalls thematisiert. Doch obwohl es explizit angesprochen wird, findet auch dieser Film keine ideale Lösung.

Auch wenn es sich bei der Figur um die Darstellung eines Padawan handelt, ist das keine Entschuldigung sie so inkompetent darzustellen, dass man* sich fragt, warum sie es überhaupt so weit geschafft hat. Im Gegensatz zu ihren Mitstreitern (die andere weibliche Figur ist durch ihren frühen Tod nicht wirklich nennenswert) wird sie eindeutig anders behandelt. Von Anfang an ist es klar, dass sie die Schutzbedürftige ist. Sie soll nah beim Meister bleiben und wird aufgefordert wegzurennen. Fairerweise muss gesagt werden, dass dies auch mit ihrer Funktion innerhalb der Jedi-Hirachie zu tun hat, aber Filme wie dieser verdeutlichen, dass es eben einen Unterschied macht, wenn es von Frauen oder Männern dargestellt wird. Das wird auch dann deutlich, wenn Darth Maul ihr eine Ohrfeige gibt (Minute 6:39, und wie die coolen Kids sagen: BITCH SLAP!). Auch wenn das nur ein minimales Detail darstellt, fügt es sich ein in die Tradition, in der mit Frauen anderes als mit Männern gekämpft wird.

Guter Grundgedanke, falsche Umsetzung?

Ich will Shawn Bu, dem Macher des Films, überhaupt nicht unterstellen, dass er einen schlechten Frauencharakter schreiben wollte. Aber ich werfe hier eine fehlende Tiefe der Story und eine mangelnde Sensibilität bei der Charakterentwicklung vor. Vielleicht war hier sogar die Intention eine starke Frauenfigur zu zeigen. Aber wie bereits erwähnt, funktioniert das nur, wenn man* der Figur die Möglichkeit zu wachsen gibt und sie nicht eine gefühlte Minute nach dem Beginn des entscheidenden Kampfes sterben lässt.

Am Rande sei außerdem erwähnt, dass die Darstellerin Sevenja Jung die einzige war, die Schwertunterricht nehmen musste. Was man ihrem Schauspiel leider ansieht. An dieser Stelle wäre es interessant gewesen zu wissen, ob es nicht eine weibliche Stuntfrau gegeben hätte, die diese Rolle besser besetzen hätte können. Denn mit Mathis Landwehr als Jedi sind auch durchaus bekanntere deutsche Stuntmänner in dem Film vertreten. Auch wenn das schauspielerische Niveau bei allen ungefähr gleich ist, ist es letztendlich der Qualitätsunterschied in den Kampfszenen, der die kritisierten negativen Aspekte unterstützt.

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Ich könnte mich den ganzen Tag nur durch Fanart und -filme klicken.

All das zu sehen macht mich traurig. Traurig, weil ich als Star-Wars-Fan nichts lieber als gut gemachtes Fanmaterial sehe. Aber ich hab von langweiligen Aneinanderreihungen von Stereotypen so die Schnauze voll. Das alles haben wir schon hundert mal gesehen. Noch mehr gehen mir aber solche Frauenfiguren auf den Geist, die nur leere Hüllen und Trägerinnen billiger Emotionen sind. Dabei hat Star Wars VII gezeigt, wie man* es richtig machen kann.

Dennoch ist der Film visuell wirklich gut gemacht. Und wer ihn dafür loben möchte, dem werde ich keinen Vorwurf machen. Und auch ich ziehe den Hut vor so viel Engagement und Einsatz und dem technisch einwandfreien Endergebnis. Aber ich finde es wichtig das Medium Film immer als Ganzes zu bewerten. Denn es sind eben nicht nur bewegte Bilder. Es sind Bilder, die Geschichten erzählen wollen und sollen. Und als Filmfan bleibt mir deshalb nichts anderes übrig als auf dieser Ebene Kritik zu üben.

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Das ‘Versagen’ des Feminismus

Es gibt eine bestimmte Art von Artikel, die mir besonders aufstößt und das sind Artikel, die mir erklären wollen, warum der Feminismus versagt hat und nicht mehr zeitgemäß ist. Texte dieser Art erscheinen in beängstigender Regelmäßigkeit. Die Autor*inn*en sind Männer* oder Frauen*, Feminist*inn*en und Antifeminist*inn*en. Die Kritik bleibt stets die gleiche: Der moderne Feminismus ist so sehr mit sich selbst und unwichtigen Themen, wie geschlechtergerechter Sprache, beschäftigt, dass er die wichtigen Themen, wie sexuelle Gewalt, vergisst.

Seit dem 7. März 2016 dürfen wir auch Meike Lobo in diesem Pool von Autor*inn*en begrüßen. In einem ausführlichen Artikel in der Zeit beschreibt sie, warum der moderne Feminismus nur aus Schreihälsen und Mimosen besteht und dass er letztendlich die meisten Frauen und Sympathisanten im Regen stehen lässt. Dabei entlarvt sie (vermeintliche) Einwände wie derailing oder Hinweise auf die Heterogenität des Feminismus als bloße Ignoranz.

Die leidliche Symbolfigur

Ich finde vieles in diesem Artikel interessant. Zum Beispiel wenn die Galionsfiguren des deutschen Feminismus als Beleg für die nicht vorhandene Kritikfähigkeit zitiert werden. Diese sind in erster Linie aber nur medial präsente Feministinnen. Das macht sie natürlich allein ihrer Prominenz wegen für den Feminismus bedeutsam, weil sie sozusagen das Gesicht der Bewegung sind. Aber macht sie das zu den wichtigsten oder inhaltlich bedeutsamsten Feminist*inn*en für die Bewegung? Ich sage: Nein. Auch wenn ich mich über Personen wie Anne Wizorek (der Erfinderin des Hashtags #aufschrei) oder Schauspieler*inn*en freue, die sich positiv zum Feminismus bekennen, so stellen sie nur die Spitze des Eisbergs dar und stehen in den wenigsten Fällen für die Frauen, die den Feminismus inhaltlich weitergebracht haben.

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16348874625_dc7a859141_zEine dieser Schauspielenden ist Emma Watson, aber auch Beyonce gehört zur wachsenden Gruppe an prominenten Frauen, die sich als Feministinnen ‘outen’.

Insbesondere für Schauspielende gilt, dass ihnen oft der theoretische Unterbau fehlt, um sich differenziert mit dem Thema auseinander zu setzten. Nicht etwa weil sie dumm sind, sondern weil sie einen Großteil ihrer Zeit mit ihrem Beruf verbringen: Schauspielen. Da gehört das Lesen von Butler oder bell hooks nicht unbedingt zum Beruf. Wer jetzt dagegen halten will, dass Anne Wizorek keine Schauspielende ist, hat durchaus Recht. Aber #aufschrei hat für die Bewegung selbst nicht zwingend neue Erkenntnisse gebracht (niemand, der*die sich schon mit dem Thema befasst hat, war überrascht über die Menge der beschriebenen Erfahrungen). #Aufschrei war deshalb bedeutend, weil es mediale Präsenz für ein schon lange erkanntes Thema möglich gemacht hat.

Die benannte Spitze des Eisbergs verdeutlicht aber eines: Das Bedürfnis unserer Gesellschaft  nach Leitfiguren oder Anführer*inn*en für politische Bewegungen, die komplizierte Forderungen auf einfache Symbolfiguren reduzieren. Fakt ist aber, dass ‘der’ Feminismus nie eine homogene Bewegung war. Er kämpft zwar seit hundert Jahren konsequent gegen die existenziellen Diskriminierungsprobleme von Frauen, wie sexuelle oder häusliche Gewalt, aber eben auch für das eigentliche Ziel: gesellschaftliche Gleichberechtigung. Und spätestens seit den 1960er Jahren streitet sich die Bewegung leidenschaftlich über den Weg zu diesem Ziel.

Alte Konflikte, neue Probleme

Ein gutes Beispiel für die sich daraus ergebenen Probleme sind der Gleichheits- und Differenzfeminismus. Beide werden als feministisch identifiziert, obwohl sie sich in ihrem theoretischen und politischen Ansatz rudimentär unterscheiden. Der Gleichheitsfeminismus geht in seiner Grundannahme davon aus, dass es keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt. Klassisches Beispiel ist an dieser Stelle Beauvoirs bekanntes Zitat: “Man wird nicht als Frau geboren, man wird zur Frau gemacht.” Dagegen erkennt Differenzfeminismus kulturelle, biologische und historisch geschaffene Differenzen zwischen Mann und Frau an. Der Differenzfeminismus fordert also eine Anerkennung dieser Unterschiede und dennoch eine Gleichberechtigung, während der Gleichheitsfeminismus auf Sozialisationsmechanismen verweist. Spätestens seit Butler wurde dieser Ansatz weiterentwickelt. Mittlerweile werden auch biologische Unterschiede mit dem Verweis auf feministische Wissenschaftskritik in Frage gestellt.

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3902404878_448288eee8_zAuch die Biologie hat nicht immer nur einfache Antworten.

Wer an dieser Stelle jetzt die Absurdität von Butler kommentieren will, den*die werde ich nicht abhalten können. Aber an dieser Stelle sei auch gesagt, dass auch aus der Biologie selbst (schon seit den 1980er Jahren) vehement Wissenschaftskritik an der Biologie geübt wird. Anne Fausto-Sterling gehört hier zu den Koryphäen. Sie und andere zeigten und zeigen auf, wie sehr biologische Studien von unreflektierten Geschlechterstereotypen geprägt werden. Setzt man* sich mit den Forschungsergebnissen dieser Forschenden auseinander, dann wird sehr schnell klar, dass räumliches Vorstellungsvermögen nicht wirklich etwas mit Biologie zu tun hat, sondern mit individueller und gesellschaftlicher Erziehung. Sowieso wirkt dieser Abschnitt von Meike Lobos Artikel fast wie aus der Zeit gefallen. Nicht nur weil der Differenzfeminismus anscheinend doch noch nicht ausgestorben ist, sondern weil dieser Teil so wirkt, als sei er aus Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken abgeschrieben.

Wenn alle Stricke reißen: Männerhass

Wer aber DEN Feminismus kritisiert, weil “die Bewegung” nicht erkennt, wie unterschiedlich Frauen und Männer sind, hat sich offensichtlich nicht wirklich mit dem ‘modernen’ Feminismus auseinander gesetzt. Es erscheint mir fraglich, ob Frau Lobo sich regelmäßig mit feministischen Themen befasst. Denn sie zitiert den alten Mythos des Männerhasses, wenn sie darauf verweist, dass (ausschließlich weibliche) Feministinnen nur Mitstreiterinnen mit Gebärmutter wollen. Verfolgt man aber die Entwicklung (besonders) des Onlinefeminismus, dann wird deutlich, dass der amerikanische, englische, aber auch der deutsche Feminismus schon langer nicht mehr nur aus Frauen besteht, sonder bewusst inkludierender geworden ist. Und ja, dazu gehören auch Männer! Zusätzlich ist schon seit einigen Jahren Trans- und Intersexualität (zusammen mit anderen wichtigen Aspekten wie Rassismus) einer der wichtigen neuen Themenkomplexe. Im Zuge dessen legen viele feministische Strömungen wert darauf inkludierend zu sein und gleichzeitig trotzdem die richtigen Schutzräume zu bieten.

Ich will nicht abstreiten, dass es Feministinnen gibt, die keine Männer wollen und alle Penisträger verteufeln. Ich persönlich finde so etwas nicht hilfreich und weiß um viele andere Feminist*inn*en, die das ähnlich sehen. Aber auch hier gilt: Nur weil man* erkannt hat, dass Frauen diskriminiert werden, macht das eine*n nicht zum besseren Menschen. Nur weil man* ein Unrecht erkennt, hält das eine*n nicht davon ab, in anderen Bereichen unreflektiert zu sein. Für die rassistischen Pauschalisierungen nach Köln gilt das gleiche wie für feministischen Aktivismus. Arschlöcher gibt es überall, egal welche Hautfarbe, welches Geschlecht und welche politische Überzeugung.

Das gute alte Imageproblem

Viele dieser von Meike Lobo formulierten Vorwürfe zeugen von einer leider nur oberflächlichen Auseinandersetzung mit den von ihr kritisierten Themen. Es gibt nur einen Punkt, bei dem ich Meike Lobo zustimme. Der Feminismus hatte und hat immer noch ein Imageproblem. Aber das liegt nicht daran, dass er ab und zu mal wütend ist oder dass er sich mit gegenderter Sprache befasst, sondern dass er keine einfache Antwort auf komplizierte Fragen liefern kann. Natürlich ist ein Hemd mit Bildern von nackten Comicfrauen von einem Wissenschaftler isoliert betrachtet vielleicht nicht wirklich problematisch. Aber in der gesellschaftlichen Realität, in der Frauen auf ihr Äußeres reduziert werden, in denen ihnen permanent Kompetenz für Technik (übrigens auch mit Biologismus) abgesprochen wird, in denen davor gewarnt wird Wissenschaftlerinnen* einzustellen, weil sich ihre Kollegen in sie verlieben könnten oder in denen sie nie wirklicher Nerd, sondern lediglich ein Nerdgirl (wegen ihres Lebenspartners und nicht weil sie sich schon immer selbst dafür interessiert haben) sein können, bekommt so etwas ein anderes Gewicht.

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Und man darf nicht vergessen, wie Frauen in Comics oft dargestellt werden.

Greift man* nur dieses Beispiel heraus um Feminismus zu illustrieren, ist es kein Wunder, dass er als unwichtig oder hysterisch erscheint. Aber es ist eben nur eines von vielen Themen. Kein*e Feminist*in, die*den ich je getroffen habe, setzt sich nur mit einem solchen Thema auseinander, sondern beschäftigt sich auch immer mit anderen Themen. Dazu gehören auch die ernsten Themen wie sexuelle Gewalt. Aber es ist genauso falsch und gefährlich Feminismus nur auf Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe zu reduzieren, denn dann würde man* wichtige Mechanismen ignorieren, die dazu beitragen, dass diese Dinge zum Alltag gehören. Es sind wichtige Errungenschaften des Feminismus, dass wir mittlerweile Mechanismen wie slutshaming, victimblaming oder auch den Überbegriff rape culture kennen. DAS ist Ursachenforschung. Denn diese Mechanismen zusammen mit den Geschlechterbildern aus Werbung, Film und Büchern erzeugt eine Gesellschaft, in der Verbrechen von sexueller Gewalt in hoher Prozentzahl Frauen erleben.

Das Detail im Kontext

Natürlich kann man* ‘dem’ Feminismus Kleinteiligkeit vorwerfen, aber wenn es um die Veränderung von gesellschaftlichen Bildern und Stereotypen geht, dann reicht es eben nicht nur ein Gesetz zu ändern. Dort sind es eben die vielen kleinen und großen Problemkomplexe, die letztendlich die Gesellschaft schaffen, in der wir uns bewegen. Es reicht nicht, nur sexuelle Übergriffe oder sexualisierte Bilder in der Werbung zu kritisieren. Es geht eben auch um Klischees in Filmen und Serien. Es geht um gewaltvolle Sprache. Es geht um Frauen, die nicht ernst genommen werden und als hysterisch bezeichnet werden, wenn sie über ein Trauma reden. Und ja, es geht auch um den Wissenschaftler, der keine Rücksicht auf den Kontext nimmt, in dem er sich bewegt.

Sind die Reaktionen aller Feminist*inn*en immer angebracht und sachlich genug? Nein, das vielleicht nicht, aber auch hier handelt es sich nur um Menschen. Menschen, die tagtäglich gegen Unterdrückungsmechanismen im Alltag, im Beruf und in der Freizeit kämpfen und gleichzeitig sehr, sehr oft gesagt bekommen: Du bist zu laut, du bist zu wütend. Dass man* sich da mal im Ton vergreift ist verständlich, wenn auch nicht immer zielführend, aber auch solche Momente gehören eben zur politischen Arbeit.

Das Problem des Feminismus ist nicht, dass er zu laut und zu wütend ist. Das Problem ist, dass er unbequeme und komplizierte Antworten auf unangenehme und komplizierte Fragen gibt. Artikel wie der von Meike Lobo lösen das Problem nicht, sondern stellen sich in eine Tradition der Diskreditierung von feministischem Engagement, das auf die Aussagen von einzelnen Akteur*inn*en reduziert wird, ohne den Umfang feministischer Arbeit wirklich zu kennen und zu würdigen.

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Schneewittchen und Popelköpfe

Ich kam neulich wieder in den Genuss (und das ist nicht ironisch gemeint) meine dreijährige Nichte zu sitten. Da meine Nichte außer Toben am liebsten Bücher vorgelesen bekommt und sehr gerne “Kindermusik” (aka Geschichtenlieder) hört, werde ich gerade wieder regelmäßig mit Märchen konfrontiert. Wie jede*r Erwachsene, der*die sich ein bisschen mit den Gebrüdern Grimm und anderen Vertreter*inn*en der Märchenschreibekunst auseinander gesetzt hat, sollten mich die vermittelten Bilder nicht schocken. Wenn Hacken abgeschnitten, Kinder im Wald ausgesetzt und Tiere verschlungen werden, gibt es nicht selten Momente bei denen man* merkt: So ganz zeitgemäß ist das nicht mehr. Aber das ist natürlich alles kein Problem für den modernen Buchhandel. Märchenbücher gibt es in allen Formen und Größen; Für Einjährige und Erstleser genauso wie für Wissenschaftler*inn*en und Sammler*inn*en, die sich lieber mit den Originaltexten auseinandersetzen oder sich an den über die Jahrhunderte entstandenen Illustrationen erfreuen.

Doch auch wenn man* Grausamkeiten in den grimmschen Märchen (und um ein solches soll es heute gehen) zensieren kann, so bleiben traurigerweise viele Kritik würdige Sachen zurück. Als Feministin sind es natürlich vor allem die Geschlechterbilder, die mich sofort anspringen. Schon in den ersten Zeilen von Schneewittchen, wird einem fast übel. Denn hier kommen so ziemlich alle negativen Frauenklischees zusammen. Sei es die Stiefmutter, die ihre Adoptivtochter nicht liebt, sondern sie vielmehr um ihre Jugend beneidet oder das gute alte Prinzip Frauen auf ihre Schönheit zu reduzieren. Auch das Ende erscheint einem fast gruselig, wenn der Prinz zu den Zwergen sagt, dass er ihnen den Sarg abkaufen will (auch wenn die Zwerge das ablehnen). Ein Klassiker bleibt bis heute auch, dass Schneewittchen nur deshalb von den Zwergen aufgenommen wird, weil sie im Gegenzug den Haushalt schmeißt, nähen und kochen kann.

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17163914576_6dd0573dd9_zDie perfekte Frau: schön und begabt im Haushalt (/irony)

Nun ist mein Anliegen nicht Schneewittchen zu verteufeln. Noch weniger, diejenigen, die noch immer zu den Gebrüder Grimm greifen und sie vorlesen. Denn selbst wenn man* sich als Einzelperson dagegen entscheidet, diese Art von Inhalten zu vermitteln, dann merkt man schnell wie fragil die Blase der eigenen politischen Überzeugung ist. Egal ob es Geschenke der Familie sind oder die Büchersammlung der Kita, ab einem gewissen Punkt kann man* sich dem gesellschaftlichen Gedächtnis nicht entziehen. Und was soll man* auch tun, wenn das Kind mit großen Augen vor einem*r steht und sagt: „Bitte vorlesen!“

Altes Format, neuer Inhalt?

Egal ob Prinzessinen- und Piratenbücher oder rosa und blaue Spielsachen – Jede*r, der*die mit Geschlechtersterotypen ein Problem hat, wird in seinem Rahmen das möglichste tun, um einen Gegenpol zu schaffen oder andere Geschlechterbilder anzubieten. Eine Variante ist zum Beispiel neue Geschichten zu erzählen, die diese Bilder vermeiden oder zumindest im Rahmen des Möglichen das Dargestellte zu kontextualisieren. Zum Beispiel eine Prinzessinnengeschichte ohne Glitzer und Rosa.

Einen solchen Versuch hat zum Beispiel Marc-Uwe Kling mit seiner Geschichte Prinzessin Popelkopf gewagt. Seine Kritik richtet sich allerdings nicht primär gegen Geschlechterbilder (obwohl er auch hier einen Beitrag leistet), sondern gegen die Glorifizierung des Adels. Obwohl ich großer Fan des Autors (und insbesondere seiner Känguru-Trilogie) bin, bleibt mir aber nur festzuhalten, dass ihn der Gedanke ehrt, aber die Ausführung verbesserungswürdig ist. Denn liest man* das Buch, dann bekommt man* den Eindruck, dass hauptsächlich die Erwachsenen Spaß mit dem Buch haben, denn es gibt keine wirkliche Identifikationsfigur für die kleinen Zuhörer*inn*en. Prinzessin Popelkopf ist der Inbegriff der dummen Adligen, die mehr auf Stand, Aussehen und Reichtum gibt, als auf innere Werte. Dabei gibt es keine klassische Moral. Am Ende wird sie Königin Grützkopf und es wird ein Bogen zu unserer heutigen Zeit geschlagen, in denen die Grützköpfe noch immer die Welt regieren.

Auch wenn das Buch auf einer Humorebene Kinder ansprechen mag (sie kommen ja alle in die Phase, in der ecklige Worte lustig sind), so fehlt der Geschichte eine wirklicher Ansatzpunkt für Kinder. Prinzessin Popelkopf bekommt keine Möglichkeit sich zu bessern, sondern muss sich einfach ihrem Schicksal ergeben. Am Ende bleiben Pipi-Kacka-Humor und der gehobene politische Zeigefinger. Das ist vor allem traurig, weil der Grundgedanke ein guter war.

Natürlich gibt es bereits verschiedene Projekte, die sich besonders mit Märchen beschäftigen. Aber was tun, wenn das Kind diese vielleicht nicht mag oder nicht so schön findet oder wenn die Mühlen der Geschlechterklischees bereits gut laufen? Für mich sind dies die Momente, in denen mir bewusst wird, was für eine Sisyphosarbeit der Feminismus ist, denn man* kämpft eben nicht gegen einzelne große Themen, sondern gegen ein kompliziertes Geflecht aus sich ineinander greifenden Problemen. An dieser Stelle weiter zu machen ist nicht immer leicht, aber wie eine Freundin von mir vor kurzem so schön gesagt hat: Wenn man einmal das Licht gesehen hat, dann will und kann man nicht mehr in der Dunkelheit leben.

An dieser Stelle also das erste Mal ein Artikel von mir mit offenem Ende: Wie macht ihr das und wie geht ihr mit diesem Problem um?

Featured image by Georgie Pauwels

In den Abgrund geschaut – Das Hässliche im Schönen

Die Jahreszeit der Awardshows hat auf ein Neues begonnen. Die Golden Globes sind schon verliehen, die Oscar Nominierungen sind gerade raus und wieder einmal beschäftigt sich Hollywood damit sich selbst zu feiern.

Wie jedes Jahr gibt es Filme, die zurecht gewürdigt werden und andere, bei denen man* es nicht versteht. Und wie all die Jahre davor fragt man* sich, warum Drama-Kassenschlager auch noch einen Oscar oder Golden Globe ins Maul geschoben bekommen, wenn es doch viele kleine Projekte, mit wenig Budget gab, die einen Preis verdient hätten. Achja und Fincher geht abermals leer aus – Max weint ein bisschen.

Via flickr by Joe Shlabotnik

golden globesOne down, one to go.

Der große Unterschied

Doch neben all diesen Sachen ist es vor allem die Zeit der Preisverleihungen, die uns vor Augen führt, wie  komisch und vor allem heuchlerisch Hollywood oft ist. Denn fast jedes Jahr gibt es ein*n Schauspieler*in, der*die für seine*ihre Rolle vor allem deswegen gefeiert wird, weil er*sie sich hässlich gemacht hat. Vor allem Schauspielerinnen applaudiert man dann für ihren Mut zur Hässlichkeit (man* erinnere sich an Monster mit Charlize Theron, die für diese Rolle schließlich auch den Oscar gewann).

Während bei Männern hauptsächlich über den Gewichtverlust oder die Veränderbarkeit eines Schauspielers gesprochen wird, feiern wir Frauen dafür, dass sie sich von ihrer hochstilisierten, aufpolierten und vielleicht auch bearbeiteten Schönheit auf ein ‘normales’ Niveau herablassen oder gar Hässlichkeit darstellen. Ähnliche Lobeshymnen finden wir eigentlich nur dann, wenn ein heterosexueller Mensch einen Homo-, Trans- oder Intersexuellen darstellt.

Dieser erste Impuls des Respekt für eine*n Künstler*in, der*die eine schwierige Rolle darstellt ist verständlich. Denn am Ende des Tages geht es beim Schauspielern um das Verändern. Nicht ohne Grund finden sich auf den diversen Preisverleihungen regelmäßig Künstler*inn*en, die zu Recht für ihr Talent und ihre Wandelbarkeit gefeiert werden, weil es ihnen gelingt jeden Tag aufs Neue in eine andere Rolle zu schlüpfen.

Aber schauen wir uns doch die Realität an. Die traurige Wahrheit ist: Die Mehrheit Hollywoods ist schlank, ‘schön’ (zumindest nach den Idealen, die uns beherrschen) und vor allem weiß. Sicherlich gibt es Ausnahmen und sicherlich befinden wir uns im Zeitalter von Melissa McCarthy, Viola Davis und Adele an einem Punkt an dem sich das vielleicht ändert. Aber der Backlash den dicke Schauspielerinnen noch immer erfahren (aber nicht ihre männlichen Kollegen, vor allem wenn sie Comedy machen), ganz zu Schweigen von den wenigen Rollen die es für nicht-weiße Schauspielende im Mainstreamkino gibt, macht deutlich: Wir haben noch einen weiten Weg zu gehen.

Rollen für Transexuelle?

Ähnlich wie bei der Diskussion um die Besetzung von Jared Leto in Dallas Buyers Club, muss man* sich zurecht fragen, warum gebt ihr die Rolle einer Transexuellen nicht einer der unzähligen transsexuellen Schauspieler*inn*en? Es ist nicht so, als würde das mit dem Verändern auch umgekehrt so super funktionieren. Wann wird schon mal einer transexuelle Frau die Rolle einer heterosexuellen Frau z.B. in einer RomCom geben? Fehlt euch ein Bespiel ein? Jap, mir auch nicht.

Zwar haben wir mit Laverne Cox endlich eine bekannte transexuelle Schauspielerin, die mit ihrem Talent oder auch dem Times Cover letztes Jahr für Sichtbarkeit sorgt, aber das reicht bei weitem nicht. Denn gerade für die Rolle in Dallas Buyers Club hätte es eine große Auswahl an transexuellen Künstler*inn*en gegeben.

Die ‘hässlichen’ Normalen

Es gibt dort draußen talentierte Künstlerinnen* (und ich verwende hier bewusst nur die weibliche Form), die ‘hässlich’ sind. Oder sagen wir: So aussehen wie du und ich. Aber erst wenn diese sich runtergehungert, unters Messer gelegt und/oder rundum aufpoliert haben, haben sie in der Regel die Chance zum Star aufzusteigen. Noch immer können durchschnittliche Männer leichter erfolgreiche (Kino-)Schauspieler werden, genauso wie sie im Schnitt auch noch immer mehr verdienen als ihre weiblichen Kolleginnen.

Via flickr by Greg Hernandez

Monster_movieWenn man* nicht ins weiße, aufpolierte Hollywoodbild passt.

Manchmal gibt es Ausnahmen. Man* denke nur an Precious und die Hauptdarstellerin Gabourey Sidibe, die es bis zu einer Oscarnominierung gebracht hat. Aber auch hier ist die Realität weit trauriger, als sie auf den ersten Blick erscheint. Denn obwohl sich alle einig waren, dass Sidibe hier eine schauspielerische Glanzleistung vollbracht hat, wer wurde ein Jahr später zu Hollywoods Liebling? Lupita Nyong’o. Zwar hat auch diese ohne Zweifel schauspielerisch überzeugt (und den Oscar gewonnen), aber geliebt wurde sie vor allem auch für ihre Schönheit.

Natürlich gibt es rationale Gründe warum am Ende eine Charlize Theron gecastet wird. Das gute alte Geld, Hand in Hand mit Kommerz und Kapitalismus, führt die Menschen hinter der Kamera zu diesen Entscheidungen. Und auch die Schauspieler*inn*en haben Interesse an solchen Rollen. Garantiert doch Häßlichkeit genauso wie Nacktheit in einem einermaßen guten Film gerade Frauen fast den Oscar. Ach, und nicht heterosexuelle Männer zu spielen war auch bei den Männern nie die schlechteste Entscheidung.

Die politische Message ist nicht genug

Es ist toll, das Filme wie Philadelphia oder Milk Preise gewinnen. Und es ist toll, dass Geschichten über normale, komplizierte, furchteinflößende und hässliche Frauen erzählt und gewürdigt werden. Aber das ist eben nur der erste Schritt.

Mehr Diversität heißt eben auch mehr Geschichten über ‘normale’ Menschen zu erzählen,  über Leben und Erfahrungen von Menschen jeder Hautfarbe, über den Alltag von Leuten aller Gewichtsklassen, über das Lieben und Leiden von Partner*inn*en jeder Sexualität und jeden Geschlechts. Vor allem müssen sie von den Menschen erzählt werden, die es erlebt haben. Und es wäre schön dann auch jemanden zu sehen, der nicht in einen Fatsuit gesteckt wurde, um die Geschichte darzustellen. Dünn sein macht niemanden zu einer*m besseren*m Schauspieler*in, genauso wenig wie ein paar Kilos mehr.

In den Abgrund geschaut – Resignation

Wenn ich ganz ehrlich bin, dann muss ich zugeben, dass ich seit Wochen nach einem Thema für meine Kolumne suche. Das ist ziemlich untypisch für mich. Denn normalerweise ist es nicht der Mangel an Themen, der für große Zeitabschnitte zwischen zwei Texten sorgt, sondern die gute alte Faulheit.

Aber die Prokrastination ist es nicht, die für meine spätjährlichen Motivationsprobleme verantwortlich ist, sondern die Resignation. Gerade wenn es um meinen ‘Spezialbereich’, den Feminismus, geht. Es ist nicht so, dass er mich nicht mehr interessiert – ganz im Gegenteil – aber in letzter Zeit machen mich feministische Diskussionen müde. Oder sagen wir nicht eine gute theoretische Diskussion über den Feminismus, sondern die tagespolitischen Themen, die uns in den letzten Monaten um die Ohren fliegen.

Once upon a time in New York…

Zum Beispiel: Auch wenn ich das Video von Hollaback bejubele, das street harassment sichtbar macht, ist es vor allem resignierte Traurigkeit, die zurückbleibt. Traurigkeit darüber, dass die Verantwortlichen offensichtlich nicht ihren eigenen Rassismus reflektiert haben. Traurigkeit über Menschen, die trotz des beeindruckenden Videos immer noch versuchen, das Problem zu marginalisieren. Und schließlich Traurigkeit darüber, dass es den Scheiß immer noch gibt. Das Einzige, worüber man sich freuen kann, ist, dass es einen Diskurs gibt. Verzeiht, wenn mir dennoch nicht nach Party zu Mute ist. Denn zu oft muss man* sich darüber freuen, dass etwas bemerkt wird. Zu selten kann man* sich freuen, dass sich etwas bessert. Welcome to feminism!

Der Funke unterm Scheiterhaufen

Als wenn das alles nicht deprimierend genug wäre, reicht es nicht, dass man gegen das Patriarchat (um mal einen Kampfbegriff einzuwerfen und das Feminismusklischee zu bedienen – vorgeworfen wird es einem*r ja eh) aufbegehrt. Zu oft scheint man* gegen die Menschen in den eigenen Reihen zu kämpfen. Zu sehen ist dieses Problem zur Zeit bei den Diskussionen um Lena Dunham, der Erfinderin von Girls. Diese hat eine Autobiographie verfasst, die auf ihre typische, schonungslose Art ihr Leben beschreibt. Mit der üblichen Schamunempfindlichkeit Dunhams erfahren wir unter anderem davon, dass sie ihrer kleinen Schwester (als sie selbst sieben und die Schwester ein Jahr alt waren) in die Vagina schaut. Auch andere Beispiele sogenannter kindlicher ‘Doktorspiele’ werden beschrieben.

Via flickr, by Wally Gobetz

8416119593_db866ec030_zDie Erfinderin von Girls ist vor allem eines, nicht angepasst.

In typisch amerikanischer Manier war ein Skandal geboren. Konservative fühlten sich veranlasst von Kindesmissbrauch zu reden (und drehten Dunhams Alter ‘fälschlicherweise’ mal eben auf siebzehn hoch). In diesem Zusammenhang wird außerdem ihre Glaubhaftigkeit andere Szenen betreffend in Frage gestellt und überhaupt: Let’s burn the witch. Nichts Neues im Westen, wird jede*r sagen, der*die sich ein bisschen mit amerikanischen Medien auskennt.

Von Vergleichen, die keine sind

Doch warum, frage ich mich, müssen Feminist*inn*en auf diesen Wagen aufspringen? Warum müssen wir Dunham mit R. Kelly oder Bill Cosby vergleichen? Warum müssen wir ein Hashtag (#DropDunham) erfinden? Und warum habe ich bei dieser Diskussion das Gefühl, dass eine gute Portion Schadenfreude zwischen den Zeilen in verschiedenen Artikeln mitschwingt? Es geht hier nicht darum die Kritik an Dunham als Feministin niederzumachen. Es geht auch nicht darum eine Diskussion generell zu verbieten. Es geht darum zu fragen: Was ist die Intention hinter diesen Artikeln? Man* kann Dunham für die Art und Weise, wie sie über diese Ereignisse in ihrer Kindheit spricht, kritisieren. Ich kann das Unbehagen verstehen, das Menschen bei Dunhams Erzählungen empfinden, gerade wenn man* sich den Altersunterschied der beider Geschwister bewusst macht. Aber dennoch, sie war sieben! Ich habe nicht Psychologie studiert, aber es erscheint mir auf den ersten Blick normal, dass Kinder ihren Körper erkunden – allein und zusammen.

Fällt Dunham trotzdem aus der Reihe? Vielleicht. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass (1) ein Fachmensch das entscheiden kann (und nicht ich oder jemand anderes ohne den entsprechenden Hintergrund) und (2) es absolut sinnfrei ist von einem Kindesmissbrauch zu reden. Vergleiche mit berühmten Fällen, vor allem solchen wie R. Kelly und Bill Cosby, bringen dem Diskurs rein gar nichts. Denn in erster Linie sorgen sie dafür, dass das von diesen Männern verübte Leid relativiert wird, Leid für das sie zum Teil nicht einmal verurteilt wurden. Bei aller Berechtigung, die eine Diskussion von Dunhams Erzählungen hat, ist es gerade deswegen wichtig, diese beiden Diskurse zu trennen.

Finde ich gut, wie Dunham über ihre Erfahrungen spricht? Nicht wirklich. Genauso gehöre ich auch nicht zu der Gruppe Menschen, die sich als Fan ihrer Arbeit beschreibt. Und ich unterstelle der Frau, dass sie bewusst eine provozierende Sprache wählt, um von diesen Dingen zu sprechen, aber das ändert nichts daran, das sie sieben war als die Dinge passiert sind.

Der Ton macht die Musik

Aber unabhängig von dieser inhaltlichen Auseinandersetzung ist es die Art und Weise, wie hier diskutiert wird, die mir sauer aufstößt. Hier wird eine sich öffentlich dem Feminismus zuordnende Frau von Feminist*inn*en auseinander genommen. Und Dunham ist kein Einzelfall! Emma Watson bekennt sich öffentlich (im Zusammenhang mit He for She) zum Feminismus und appelliert an die Männer? “Sie ist eindimensional, sagt nichts Neues und kennt sich sowieso nicht mit der Theorie aus”. Beyoncé sampled eine feministische Rede und benennt sich selbst als Feministin? “Sie will doch nur Geld machenalles Vermarktung”. Taylor Swift findet Feminismus wichtig und will das der Begriff positiv und nicht negativ gesehen wird? “Wieder ein kleines weißes Mädchen, das keine Ahnung hat”. Und fangen wir gar nicht erst von Männern wie Joss Whedon und Joseph Gorden-Levitt an. “Wieder nur zwei weiße Männer, die sich in das Rampenlicht drängen”.

In jeder dieser Kritik steckt Wahrheit, über die gesprochen werden muss. Und ich persönlich stehe hinter vielen Kritikpunkten, vor allem bei Swift und Whedon. Jede dieser Personen muss sich selbst reflektieren und reflektiert werden. Aber betrachten wir das Gesamtbild. Stehen diese vier Frauen nicht in erster Linie für verschiedene Facetten des Feminismus? Ist es nicht gut, dass sie feministische Themen sichtbar machen? Ist es nicht unterstützenswert, dass sich Männer an die Seite des Feminismus stellen, um gemeinsam für eine bessere Welt zu kämpfen?

The big picture

Natürlich wird Beyoncé niemals eine bell hooks ersetzen. Und es überrascht mich überhaupt nicht, dass Emma Watson sich nicht detailliert mit Judith Butler auseinander gesetzt hat. Denn die Auseinandersetzung mit diesen Theoretiker*inn*en braucht Zeit. Nicht jede*r (vor allem wenn er*sie nicht studiert und sich so nicht ‘beruflich’ mit solchem Themen auseinander setzt) findet diese Zeit. Und nicht jede*r versteht Foucault oder Austin (zwei Wissenschaftler, die wichtige Vorarbeit für Butler geleistet haben) auf Anhieb und/oder ganz allein.

Via flickr, by Melissa Bewer

12395695334_68c73dc23e_zDas klingt für mich arg feministisch!

Das ist aber auch nicht die Aufgabe dieser Menschen. Hier handelt es sich um berühmte Personen, die den Grundgedanken des Feminismus in die Öffentlichkeit tragen. Und dafür bin ich dankbar. Sollten deswegen innerfeministische Debatten aufhören? Stellen sie auf diese Art und Weise den gesamten Feminismus dar? Niemals! Aber sie sind Teil des Feminismus. Will diese antisexistische Bewegung etwas erreichen, dann braucht sie den Mainstream! Denn nur wenn Antisexismus Mainstream wird, wird sich etwas ändern.

Ich möchte hier wie gesagt nicht die Diskussion selbst kritisieren. Ohne Diskussion wären wir jetzt nicht an dem Punkt, an dem wir heute sind. Aber müssen wir jedesmal diese Frauen und Männern verteufeln? Kann es nicht bei gesunder Skepsis bleiben? Können wir ihnen nicht die Möglichkeit geben, Fehler zu machen und aus diesen zu lernen? Müssen vor allem diese Frauen bei dem ersten Fehler oder der ersten unglücklichen Formulierung zerrissen werden?

Am Anfang war das Beginnen

Ich kann mich noch gut an mein erstes Jahr erinnern, in dem ich angefangen habe, mich ‚professionell‘ mit Feminismus auseinander zu setzen. Ich habe viel zugehört. Ich habe jeglichen Input verschlugen. Butler war für mich ein magisches Wunderwesen, das einem Einhorn gleich wunderschön anzusehen war, dass ich aber niemals so richtig fangen oder verstehen konnte. Doch gleichzeitig wurde ich politisch aktiv und habe über Feminismus gesprochen. Die Intention war immer die richtige und dennoch habe ich viel Mist gelabert. Weil ich bestimmtes Wissen noch nicht hatte. Weil ich nicht nur viel inhaltliches, sondern auch viel über Kommunikation(sstrategien) lernen musste. Und weil ich mir erst langsam meinen Privilegien als weiße Frau bewusst geworden bin – ein Thema, bei dem ich auch heute (und den Rest meines Lebens) noch viel Reflektionsarbeit leisten muss.

Via Wikipedia Commons, by Unknown

Annie_Kenney_and_Christabel_PankhurstNur durch Wachstum und Veränderung sind wir von damals bis heute gekommen.

Aus jedem falsch gesagten Wort, aus jeder vorschnellen Meinung und aus jedem Streitgespräch habe ich aber vor allem eines – gelernt. Und die (feministischen) Menschen in meinem Leben haben mir meine Fehler zugestanden. Nur dadurch konnte ich wachsen und für dieses Wachstum bin ich dankbar. Ist es zu viel verlangt, auch Personen der Öffentlichkeit dieses Wachstum zuzugestehen?

Zusammen ist man weniger allein

In einem großartigen Artikel des Time Magazine hat Jessica Bennett auf ein wichtiges Zitat von Ti-Grace Atkinson verwiesen. „Sisterhood is powerful. It kills. Mostly sisters.“ Können wir den Spieß nicht einfach umdrehen? Können wir nicht statt Hasskampagnen gegen Lena Dunham vielleicht wirklich über Kindesmissbrauch reden? Dunham ist wahrlich nicht perfekt! Aber sie ist auch nicht DER Feminismus. Sie ist nicht das Gesicht dieser Bewegung, genauso wenig wie Alice Schwarzer. Sie ist ein Teil dieser Bewegung, der wir uns alle verschrieben haben. Wir müssen alle wachsen und dafür brauchen wir Hilfe. Aber genauso brauche wir Unterstützung. Unterstützung gegen Sexist*inn*en, gegen street harassment und gegen konservative Affen, die Mist erzählen.

Dunham, Swift, Watson und Beyoncé sind vielleicht der Mainstream. Doch für jeden Menschen, der*die sich wegen ihnen für den Feminismus begeistern, bin ich dankbar. Und ich glaube an die Menschen. Ich glaube daran, dass sie sich informieren und so die Vielschichtigkeit dieser Bewegung erkennen. Dann werden sie Butler, hooks und all die großartigen Blogger*inn*en dieser Welt entdecken. Und vielleicht sind wir dann so weit, dass sie nie meine Resignation empfinden müssen.

In den Abgrund geschaut … Antifeminismus

Das Internet ist ein toller Ort. Das ist wahrlich keine neue Behauptung, aber bei all den beunruhigenden Dingen, die in letzter Zeit in Zusammenhang mit Netzneutralität usw. passieren, kann man* das nicht oft genug betonen. Das Internet ist vor allem deshalb so einzigartig, weil es Menschen zusammenbringt. Natürlich ist es in vielerlei Hinsicht vor allem ein Wissensspeicher, aber noch nie war es so einfach, seine ‚Leute‘ zu finden. Egal wofür du dich interessierst, ob du gegen Diskriminierung kämpfst, die etablierten Medien infrage stellst oder dein Hobby teilen willst. Gleichgesinnte sind da draußen und hier kannst du sie finden.

Viel zu oft aber macht eine*n das Internet traurig. Am traurigsten wird es meistens im Zusammenhang mit diesem ‚Finden von Gleichgesinnten‘. Denn nichts zieht eine*n mehr runter, als unreflektierte und oberflächliche Äußerungen zu einem Thema, für das du brennst.

Das Gefühl kennt jede*r! Aber ich stelle an dieser Stelle einfach mal die Behauptung in den Raum, dass Feminist*inn*en besonders vertraut damit sind. Denn es scheint kaum eine Woche zu vergehen, in der nicht eine Person der Meinung ist, dass der Feminismus überflüssig/ bescheuert/ antiquiert/ (sucht euch ein Vorurteil aus) ist.

Via flickr by Southbank Center

13010956634_0fc4fedb08_zUnd dennoch sitzt man* da und denkt, das kann nicht so im Raum stehen bleiben!

Auch die letzte Woche hielt diese ‚freudige Überraschung’ bereit. Das Szenario ist vertraut. Eine Frau schreibt einen Artikel und hält die Fahnen hoch für die moderne emanzipierte Frau, die den männerhassenden Feminismus ablehnt. Den ‘Gutmensch-Feminismus’, der alle (weißen und heterosexuellen) Männer unterdrückt. Es fallen Argumente wie: ich Schminke mich gern und ich mag meinen Papa, ich gucke gern Sex in the City und Alice Schwarzer ist blöd. Und am Ende geht es ja auch um Menschen und nicht nur um Frauen.

Nein, ich verlinke diesen Artikel nicht, denn jeder Klick ist ein Klick zu viel. Wer sich dafür interessiert, kann hier eine Zusammenfassung lesen und dann googlen.

Es sind bereits gute Artikel dazu geschrieben worden und dennoch scheint das Ankämpfen gegen solche Aussagen einer Sysiphosarbeit gleich. Denn die Vorurteile des Männerhasses, des Verbietens von ‚weiblichem‘ Verhalten, des Alice-Schwarzer-Syndroms sind so alt und so wiederkehrend, das jede*r, der*die sich ein bisschen länger mit Feminismus auseinandersetzt, keinen Nerv mehr hat dagegen zu argumentieren. Nicht weil ihnen die Argumente fehlen, wie die Kritiker*inn*en gerne schreien, sondern weil schon unzählige Hände über die Tastaturen geflogen sind. Es gibt viele Artikel da draußen, die sich mit Antifeminismus auseinandersetzen – warum also sollten man* sich wieder die Mühe machen, wo die Argumente doch eigentlich klar sein sollten.

Was mich hier nachhaltig beschäftigt, ist der Fakt, dass viele (eigentlich) intelligente Menschen – Männer und Frauen – immer wieder diese sexistischen (und in anderen Fällen auch rassistischen) Positionen vertreten. Menschen, von denen man eigentlich denken würde, dass sie der Reflexion und des kritischen Denkens fähig sind, die eigentlich diskriminierende Strukturen erkennen sollten, aber sich stattdessen hinter vermeintlich rationalen Argumenten verstecken. Oder der andere Fall, wenn sie feministische Positionen vertreten (denn am Ende des Tages bedeutet gegen Sexismus und für Gleichberechtigung zu sein, Feminismus) und dennoch den Begriff dämonisieren. Natürlich bin ich über jede*n froh, der für Gleichberechtigung kämpft, egal wie er*sie sich nennt, aber so vehement gegen diesen Begriff und alle zu sein, die ihn verwenden, schadet dem Ziel, das die entsprechende Person vermeintlich verfolgt.

Unverständlich bleibt auch: Wie kann man* gegen eine Bewegung sein, die ihnen die Wahlberechtigung, die (‚legale‘) Abtreibung und berufliche (Wahl-)freiheit gebracht hat? Eine Bewegung, die noch heute gegen Vergewaltigung, für gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kämpft oder auch so existenzielle Dinge, wie Verhütung und das Recht auf den eigenen Körper?

Via Wikimedia Commons by Ch. Chusseau-Flaviens

British_suffragette_clippedEs ist schon schön, das Frauen mittlerweile aus müdige und vollwertige Bürger*inn*en gesehen werden, war nicht immer so.

Woher kommt diese Ablehnung? Ist es vielleicht nur die Hipstermentalität, die aus Prinzip dagegen ist? Sind unsere Zeiten wirklich mittlerweile so traurig, dass es zu uncool ist, sich politisch für Gleichberechtigung einzusetzen und stattdessen alle gesellschaftskritischen Äußerungen zu verteufeln? Ich will ehrlich gesagt nicht in einer Welt leben, in der es einfacher ist, gegen alles zu sein, anstatt sich für eine bessere, gerechtere Welt einzusetzen.

Aus dieser Ecke scheinen aber die Argumente zu kommen, wenn es um die Kritik am Feminismus geht. Dann kann man* nämlich auch schreien „ihr setzt euch gar nicht mit unseren Argumenten auseinander“. Für eine Auseinandersetzung muss aber erstmal eine Kritik mit Inhalt erfolgen. „Ich find euch scheiße“ – egal wie toll formuliert – zählt da leider nicht. Am traurigsten ist aber, dass Episoden wie diese uns aufs Neue vor Augen führen, dass es eben nicht um ein ehrliches Interesse am Feminismus oder konstruktiver Kritik am Aktivismus für Gleichberechtigung geht. Es geht mehr um die Konstruktion der eigenen Realität und die Etablierung des eigenen Namens anhand der Abweisung von politischen Ideen, als um eine Debatte oder das propagandierte Ziel Menschen- statt Frauenrechte.

Unabhängig davon, dass es vor allem traurig ist, wenn Frauen solche Positionen vertreten, ist es nahezu beeindruckend, wie Menschen voller Inbrunst behaupten ‚DEN Feminismus‘ durchschaut zu haben. Doch die entsprechenden Artikel zeigen vor allem eins: dass sie gar nichts verstanden haben. Hier wird lediglich auf dem Niveau vom Boulevardjournalismus Feminismus diskutiert und damit (Halb)‘Wissen‘ verwertet, das man* irgendwann mal gehört hat. Auf diesem Niveau möchte ich nicht diskutieren, denn dafür habe ich keine Zeit, wenn ich ernsthaft versuche, eine ungerechte Gesellschaft ein bisschen besser zu machen. Vor allem entstehen so Feindbilder und die haben – das hat leider die Geschichte gezeigt – noch nie jemandem etwas gebracht.

Der Feminismus und Männerrechte

Feminismus wird ja sehr gerne als aggressiv, bevormundend und laut betitelt. Das stimmt sicherlich in manchen Fällen. Immerhin handelt es sich um eine Bewegung, die versucht bestehende Ungleichheiten anzugreifen.

Der Preis für das Kritisieren bestehender Strukturen ist leider, dass man* immer wieder mit den gleichen Kommentaren, ‘Gegenargumenten’ und Beschimpfungen umzugehen hat. Von Vorurteilen gegenüber einer Frauenquote, über das Lächerlichmachen von gegenderter Sprache bis hin zu Vorwürfen das Matriarchat ausrufen zu wollen – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Zu oft droht der*die Feminist*in unter diesem Berg an Sisyphosarbeit seine*ihre Motiavtion zu verlieren, denn letztendlich läuft es daraus hinaus, dass man* immer und immer wieder die gleichen Argumente wiederholt.

Zurück auf Anfang

Letztendlich war dies auch die ursprüngliche Idee für diese Kolumne. Hier sollten Argumente gegen Vorurteile und vermeintliche ‘Fakten’ (der sexitischen Natur) gesammelt werden, um diesen Kampf ein bisschen zu erleichtern. In letzter Zeit ist diese Idee aufgrund von aktuellen Ereignissen, wie der Debatte um die Pille danach oder dem Serienfinale von How I met your mother ein bisschen abhanden gekommen. In diesem Sinne geht es heute wieder zurück zu den Ursprüngen.

Via flickr by abhiomkar

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Soll Männlichkeit wirklich so aussehen wie bei Superman?

Es gibt einen Vorwurf, der bei so ziemlich jedem feministischen Thema aufzukommen scheint, egal ob es um Filme, sexuelle Gewalt oder Rollenbilder geht. Früher oder später (leider eher früher) wird jemand einwerfen: “Aber was ist denn mit den Männern?” Auf einer größeren Ebene manifestiert sich das Grundproblem dieser Aussage in der sogenannten Männerrechtsbewegung, die verzweifelt versucht auf das arme Schicksal der von den Feminist*inn*en unterdrückten Männer aufmerksam zu machen.

Von Ablenkung und Eigeninitiative

Es stimmt, dass diesem Einwurf von vielen Seiten entgegnet werden kann, denn schließlich hängt es vom Kontext ab, ob er angebracht ist oder nicht. Doch in der Regel kommt er dann, wenn es eigentlich um etwas anderes geht. Wird z.B. gerade die sexuelle Gewalt an Frauen* diskutiert, heißt das nicht, dass damit automatisch Gewalt an Männern* marginalisiert wird. Es wurde sich lediglich dafür entschieden dieses Thema zu fokussieren (meist, weil eine viele höhere Prozentzahl von Frauen* betroffen ist). Traurigerweise ist die Reaktion in solchen Fälle aber nicht, sich diesem Thema in einem eigenen Artikel anzunehmen, sondern es werden lieber die Autor*inn*en dafür angeriffen, dass sie sich für besagtes Thema entschieden haben. “Aber was ist mit den Männern” verkommt an dieser Stelle leider zu einem traurigen Derailing-Versuch und bringt damit die Dikussion für Frauen* UND Männer* nicht vorran.

Via flickr by Voluntary Amputation

derail

Nicht vom Weg abbringen. Ablenken ist nie ein Zeichen von guter Argumentation.

Doch dem Einwurf liegt ein noch tieferes Problem zu Grunde. Der Feminismus wird damit verteufelt, dass er sich nicht um Männer* kümmert. Viel zu oft wird ihm damit seine gesellschaftliche Relevanz abgesprochen.

Diese Aussage ist wahr und falsch zu gleich. Ohne Frage legt der Feminismus im ursprünglichen Sinne seiner wörtlichen Bedeutung einen Fokus auf Frauen*. Die gute Nachricht ist aber, dass wir uns nicht mehr in den 80ern des letzten Jahrhunderts befinden. Zum einen war der Feminismus auch damals weit davon entfernt eine homogene Bewegung zu sein. Seit seinen Ursprüngen im 19. Jahrhundert zeichnete er sich durch eine große Vielfältigkeit in seinen Ausrichtungen aus, auch wenn das viele gerne mit Verweis auf Alice Schwarzer verdrängen wollen. Zum anderen haben bedeutende Persönlichkeiten wie bell hooks oder Judith Butler dafür gesorgt, dass sich das Spektrum feministischer Debatten um einiges erweitert hat.

Wann ist ein Mann ein Mann

Sexuelle Identität, Rassismus, unterschiedliche Lebens- und Liebeskonzepte – dies sind nur einige der vielen weitdiskutierten Bereiche feministischer Analysen und Aktionen. All diese Aspekte berühren auch die Lebensrealität von Männern*. Vor allem wenn es darum geht stereotype und heteronormative Geschlechterbilder anzugreifen. Ein flexibleres Frauenbild resultiert letztendlich auch in einem flexiblen Männlickeitsbild. Hinzu kommt, dass nicht wenige Feminist*inn*en sich bewusst mit GESCHLECHTERungleichheit auseinander setzten und damit per Definition Männer* einschließen.

Doch all dies beseite: es gibt sicherlich eine Tendenz, Probleme von Frauendiskriminierung zu fokussieren. Begründen lässt sich das schlicht und ergreifend damit, dass Frauen statistisch gesehen häufiger und öfter die Opfer von (strukturellem) Sexismus sind. Nichtsdestotrotz ist es wichtig ehrlich (und nicht als Angriff) zu fragen: “Aber was ist mit den Männern?”

Dies sollte allerdings nicht unter einem feministischen Artikel zur Diskriminierung von Frauen geschehen! Denn der weiße, heterosexuelle Mann ist in unserer westlichen Welt nur sehr, sehr selten strukturell diskriminiert, da er die Norm darstellt an der alles andere gemessen wird. Das weibliche, nicht-heterosexuelle und/oder nicht-weiße gilt letztendlich immer als das Andere. Dennoch ist es wichtig über Männlichkeiten zu sprechen, über alleinerziehende Väter, über männliche Vergewaltigungsopfer und männliche Gesundheitsprobleme. Diese Themen manifestieren sich vielleicht nicht (immer) in einer greifbaren strukturellen Diskrimierung wie ungleicher Lohn für gleiche Arbeit, aber sie sind dennoch Teil einer ungerechten Gesellschaft.

Das Feindbild zu Hause lassen

All diese Probleme können aber nur gelöst werden, wenn wir zusammenarbeiten. Wenn sich Menschen mit diesen Themen auseinandersetzen ohne dabei auf die Diskriminierung von Frauen herabzuschauen und sie zu negieren. Wir leben in einer Demokratie und diese braucht den Diskurs. Nur mit einem Diskurs über diese Probleme und der Zusammenarbeit mit dem Feminismus, der hier schon viel theoretische Vorarbeit geleistet und vielerlei Hinsicht diese Themen bereits angesprochen hat, kann an dieser Stelle eine Besserung stattfinden.

Via flickr by sultan alghamdi

together

Zusammen erreicht man* immer mehr!

Feindbilder bringen niemandem etwas, das ist die Moral dieser Geschichte. Der Feminismus ist weit davon entfernt Männer zu marginalisieren. Er hat eine Wahl getroffen. Um die Dinge für Frauen zu verbessern, ist es von Bedeutung sich auf bestimmte Aspekte in einer Debatte zu konzentrieren, damit eine Veränderung erzielt werden kann. Bei dieser Prämisse ist es schlicht und ergreifend nicht die Aufgabe des Feminismus sich um Männer zu kümmern. Das heißt aber nicht, dass er kein Interesse hat ihre Situation zu verbessern. Es ist ein einfacher Deal, den viele Feminist*inn*en anbieten: Unterstützt die gleichen Rechte von Frauen* und wir unterstützen euch bei dem Kampf gegen Ungerechtigkeit, die Männer erfahren.

Letztendlich kann nur die betroffene Gruppe Diskriminierungserfahrungen definieren und genau deswegen müssen sich Männer mit dem Problemen heteronormativer Männlichkeiten auseinandersetzen. Deswegen brauchen wir Männer*, die Artikel dazu schreiben, Aktionen planen und die Dinge ändern wollen. Allerdings ohne automatisch alles zu verteufeln, was der Feminismus erreicht hat oder gerade diskutiert, denn am Ende des Tages sitzen wir alle im gleichen Boot. Anstatt also gewollt oder ungewollt mit “Aber was ist ist mit den Männern” zu derailen, schreibt etwas eigenes. Stoßt die Diskussion an, seit Verbündete und verändert die Welt. Zusammen ist man* weniger allein.

How I met your sexism

Leute, die Angst vor Spoilern haben sollten keine analytischen Artikel zu Filmen und Serien lesen. Dankeschön!

Als vor kurzem die finale (Doppel-)Folge von How I met your mother (HImym) über die Bildschirme der USA (und zeitverzögert auch über die Laptops im Rest der Welt) lief, ging ein Aufschrei durch das Internet. Das Wort Enttäuschung mutet fast wie eine Untertreibung an, um die Gefühlsausgüsse der Fans zu beschreiben. Auch wenn die Entwickler der Serie anscheinend von Anfang an das gezeigte Ende geplant hatte, ist es nicht verwunderlich, dass die Fangemeinde nach neun Jahren diese Abwertung an den Tag legt.

Ene mene muh…

Nachdem mehrere Staffel versucht wurde zu erklären warum Ted und Robin niemals ein Paar werden konnten und im Gegenzug überzeugend illustriert wurde warum Barney eine viel bessere Wahl für die Kanadierin darstellte, wurde diese Story- und Charakterentwicklung in der letzten Folge weggeworfen, um einem (billigen) Zirkelschluss Platz zu machen, der nach einer kürzeren Laufzeit der Serie vielleicht Sinn ergeben hätte, aber nach neun Staffeln ein bisschen Fehl am Platz wirkt.

Via flickr by Raychel Mendez

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So oder so ähnlich wird es wohl vor den Bildschirmen ausgesehen haben.

Doch lassen wir Fehlentscheidungen wie diese beiseite. Auch wenn solche durchaus diskutierenswert sind (wobei man* den Nutzen hinterfragen kann, da wir eh nichts mehr ändern können), kommen wir zu einem anderen, unangenehmen Thema. Sexismus.

Von Männern und Frauen

HImym hat sich von Beginn an durch eine sehr ambivalente Einstellung gegenüber sexistischen Stereotypen ausgezeichnet. Denn während wir auf der einen Seite interessante Charakterkonzepte wie das von Lilly und Marshall sehen konnten, die mit ihren charakterlichen Eigenheiten durchaus Geschlechtergrenzen gebrochen haben, existierte daneben eine Figur wie Barney.

Während sich also Barney durch ganz New York vögelte und dabei Frauen zu gesichtslosen Objekten wurden, lernten wir Marshall kennen, der von einer starken Emotionalität geprägt war und in seiner Beziehung zu Lilly regelmäßig typisch ‚weibliche‘ Rollenmuster übernahm. Diese Diversität von unterschiedlichen Männlichkeitskonzepten setzte sich auch in Ted fort, der mit seiner Suche nach der Mutter seiner Kinder eine Rolle ausfüllte, die in Romantic Comedys meist von einer Frau übernommen wird.

Via flickr by gray_um

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Das ‘Gute’ und das ‘Böse’ lassen sich beides in der Serie finden.

Zusätzlich zu diesen Männlichkeitsbildern wurden uns mit Lilly und Robin zwei Frauenfiguren gegeben, die ähnlich wie ihre männlichen Gegenbilder verschiedene weiblich und männlich konnotierte Eigenschaften auf sich vereinten. Damit erweckten sie verschiedene Lebensentwürfe von heutigen Frauen zum Leben. Trotzdem wurde in vielerlei Hinsicht mit Klischees gearbeitet (wie dem der Karrierefrau, die keine Familie will aka Robin), aber hin und wieder gelang es einfühlsam die Konflikte unserer heutigen Zeit zu verarbeiten. Beispielsweise als Lilly verzweifelte, weil sie niemals Künstlerin geworden ist, wie sie sich das immer gewünscht hatte.

Oder auch nicht!

Trotz dieser positiven Aspekte war HImym niemals eine perfekte Serie. Zu Recht wurde sie unter der Kategorie race kritisiert, da es wieder einmal einen rein weißen Cast gab. Zusätzlich gab es Ausfälle wie das yellow facing in der letzten Staffel und schließlich haben Veröffentlichungen wie der BroCode und The Playbook nicht dazu beigetragen, Barneys Sexismus zu kontextualisieren. Auch wenn ich Barney immer als ironische und zynische Karikatur eines Sexisten verstanden habe, hat die Ikonisierung dieses Protagonisten dafür gesorgt, dass diese Grundintention schnell verloren gegangen ist.

Das Schlimmste kommt zum Schluss

Das Problem an der letzten Folge der erfolgreichen Sitcom ist letztendlich, dass sich die Macher in vielerlei Hinsicht (ob bewusst oder unbewusst) für den Sexismus entschieden haben. Zeichnete sich HImym über die ersten acht Staffel durch besagte Ambivalenz aus, so wurde die Waage letztendlich in eine eindeutige Richtung gekippt. Warum ist das so schlimm? Nicht ohne Grund ist der letzte Satz in einer Rede immer der wichtigste, da er am längsten in Erinnerung bleibt.

Es sind drei große Story relevante Faktoren, die für diese Tatsache gesorgt haben. Der Umgang mit dem Tod der Mutter, das Scheitern von Barneys und Robins Ehe und Barneys ‚Läuterung‘. Denn alle drei funktionieren nur durch Sexismus oder werden auf dem Rücken von weiblichen Figuren ausgetragen.

Ganz von Anfang

Der Pilot beginnt damit, dass Future-Ted seinen Kindern erzählen möchte wie dessen Mutter kennengelernt hat. Die erste Reaktion des Sohnes darauf: Are we being punished for something? Die Tocher folgt mit: Is this gonna take awhile?

Man* möge sich ins Gedächtnis rufen, dass dies die selben Kindern sind deren Mutter sechs Jahre zuvor dramatisch an einer Krankheit verstorben ist. Die beiden Teenager, die hier genervt in die Kamera blicken sind Halbwaisen, die offensichtlich kein Interesse daran haben Geschichten über ihre toten Mutter zu hören.

Zusätzlich zu diesem respektlosen Umgang mit der Figur, ist auch das ‚Happy End‘ mit Robin fragwürdig, da die Mutter letztendlich nur ein Platzhalter war, damit Ted seinen Wunsch nach einer Familie verwirklichen konnte. Die Mutter verkommt zu einem bloßen Plotpoint und existiert nur damit die männliche Hauptfigur seine Lebensziele erreicht. Das Glück Teds wird auf dem Rücken der weiblichen Figur entwickelt – ein eigenes Leben wird ihr nicht zugestanden. Sie existiert nur in Abhängigkeit zum Protagonisten.

Der Teufel liegt im Detail

Ähnlich problematisch wird auch mit Barneys und Robins Ehe verfahren. Die Beziehung scheitert an Robins Karriere. Der Erfolg, den sie sich immer gewünscht hat, ist an ständiges Reisen gebunden, das beide als Belastung empfinden. Nachdem dem Paar eine ganze Staffel für ihre Hochzeit gewidmet wurde, um auch jede*n davon zu überzeugen, dass die beiden so gut zueinander passen wie die Faust aufs Augen, vollzieht sich die Trennung in wenigen Minuten.

Ein weiteres Mal wird in der Film- und Fernsehgeschichte eine Frau für ihre beruflichen Ziele mit dem Verlust von Liebe bestraft. Während Ted das gesamte Paket bekommt leidet Robin so sehr, dass sie sich jahrelang von ihren langjährigen Freund*inn*en fernhält, weil dies zu schmerzhaft ist.

Via flickr by vagueonthehow

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Robin (Cobie Smulders) hat auch ihr Happy End verdient und damit meine ich nicht Ted.

Unabhängig davon das von allen Männern dieser Welt, Barney am ehesten derjenige ist, der mit einer Karriere wie Robins gut umgehen würde und die Trennung für beide Charaktere nicht wirklich Sinn ergibt, bin ich es Leid, schon wieder die emotional gescheiterte Karrierefrau zu sehen. Danke für das tolle Rollenbild! (/irony)

Der gebärende Vater

Und schließlich das Klischee schlechthin – der geläuterte Vater. Barney, der König unter den Frauenhelden, erkennt seinen Irrweg durch die Geburt einer Tochter. Plötzlich spricht er Frauen an, um sie davon zu überzeugen, dass sie mehr Respekt verdient haben. Denn die jungen Frauen könnten ja seine Tochter sein. Frauen haben keinen verdient weil sie jemandes Schwester, Frau, Tochter oder Mutter sind. Frauen haben verdammt noch mal Respekt verdient, weil sie Menschen sind. Unabhängig davon soll jede Frau selber entscheiden wie viel Sex sie wann und wo hat.

Als wenn das nicht genug wäre, setzt sich Barneys Geschichte trotz Läuterung wie bisher fort. Die gesichtslosen Frauen werden durch eine gesichtslose Mutter ersetzt. Während Barney darüber stöhnt, dass er keinen Schlaf mehr bekommt, fragt man* sich warum er das Baby hütet, wo er doch keine Beziehung mit der Mutter führt. Das soll nicht heißen, dass es keine alleinerziehenden Väter gibt. Aber weder erfahren wir, wie die Mutter zu der kleinen Tochter steht, noch lassen uns die Macher so nebensächliche Dinge wie ihr Gesicht oder ihren Namen wissen.

Alles hat ein Ende…

HImym war ohne Zweifel (nach Friends) die Sitcom einer Generation. Nicht wenige wollten der*die Sechste am Tisch im MacLaren’s Pub sein. Neun Jahre lang haben wir mit Ted, Robin, Barney, Marshall und Lily gehofft und gelitten, geweint und gelacht. Traurigerweise zeigt die letzte Episode aber, dass HImym letztendlich die Serie einer Generation im Backlash ist. Während Marshall weinen darf und Ted seinen Traum, ein liebender Vater zu werden erfüllt, sind es immer noch die Frauen denen das eigenständige Glück verwehrt wird. Ich kann nur hoffen, dass die nächste Generation die Art Sitcom bekommt, die wir heute dringend benötigen. Vielleicht um ein paar Staffel kürzer, dafür aber um einige Storyplots reicher, die nicht aus Faulheit in die billige Klischeekiste greifen.

T-shirts vs. Scherben

Hochzeiten scheinen zur Zeit wieder in Mode zu sein. Zumindest bekommt man* diesen Eindruck, wenn man* nachts durch die Innenstadt von Trier läuft, denn dort ist es mittlerweile nahezu ein Ding der Unmöglichkeit den umherziehenden Jungesell*inn*en zu entfliehen.

Nun ist die Entscheidung zur Heirat eine persönliche und jedem*r freigestellt. Dennoch gibt es nicht wenige, die Unbehagen bei diesem neuen-alten Trend des Ehelichen empfinden. Das hat in der Regel weniger etwas damit zu tun, dass man* den entsprechenden Menschen nicht das Glück gönnt. Vielmehr haben diese Bedenken politische, historische und bei manch einem*r auch persönliche Gründe. All diese Aspekte sind interessant und zumindest nachdenkenswert. Beispielsweise sollte es zum Nachdenken anregen, dass wir immer noch in Zeiten leben, in denen es nicht-heterosexuellen Menschen nach wie vor verwehrt ist, auf gleiche Art und Weise den Bund fürs Leben einzugehen, wie heterosexuelle Paare. Gleichberechtigung heißt, dass alle die gleiche Möglichkeit haben ihr Leben zu planen, den ‘it isn’t equal if it’s sometimes’! Ob dieser Umstand Personen davon abhält den Bund fürs Leben einzugehen, ist individuell zu klären. Dabei sollte allerdings der alte Spruch „Das Private ist Politisch“ mitbedacht werden, denn das System ändert sich nur, wenn die  Menschen sich ändern.

Via flickr by  Mike Licht, NotionsCapital.com

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Doch neben dieser wichtigen Diskussion und anderen, immer noch spannenden Aspekten um den Bund fürs Leben, wie z.B. die historische Tradition, auf der er fußt, dürfen andere Probleme nicht vergessen werden.

Gerade der wachsende Trend des Jungesellenabschieds (oder des weiblichen Pendants) ist es nämlich, der wirklich auf den Magen schlagen kann. Auch hier geht es nicht darum, die Partywahl Einzelner zu verurteilen, aber dennoch lassen sich bestimmte Muster nicht abstreiten. So greift die binäre Teilung der Geschlechter vor der Hochzeit genau so tief in die Geschlechterklischees, wie die wieder stärker werdenen Farbkodierung von Spielzeugen. Gefolgt von dieser, fast einem Gesetz gleichkommenden Ausgangssituation, kleiden sich die entsprechenden Teilnehmer*inn*en in der Regel in die gleichfarbige T-shirts, wobei wir vor allem bei den Frauen häufiger das altbekannte Pink zu sehen bekommen.

Dabei scheint die im englischen Stag oder Hen Night betitelte voreheliche Aktivität in den letzten Jahren einen früher im deutschsprachigen Raum weitverbreiteten Brauch – den Polterabend – zu verdrängen. Das ist rein objektiv betrachtet erst mal weder schlecht noch gut, sondern eine logische Konsequenz aus unserer immer kleiner werdenden Welt und dem großen Einfluss von englischen und amerikanischen Medien. Dennoch schwingt diesem Text nicht ohne Grund Wehmut bei. Denn im Gegensatz zu besagtem Fest der Geschlechterklischees gelingt es dem Polterabend, eben diese Vertiefung von Rollenbildern zu vermeiden. Traditionell trifft man* sich hier am Abend vor der Hochzeit und feiert mit allen, die kommen möchten. Höhepunkt ist das Zerstören von mitgebrachtem Porzellan oder alter Keramik, denn im Gegensatz zu Glas oder Spiegeln symbolisieren diese Scherben das gewünschte Glück für das Ehepaar. Anstatt die Gemeinschaft zu trennen und ‘das letzte Mal in Freiheit‘ hochzustilisieren, findet sich hier ein Brauch, der sich auf die Gemeinschaft und das kommende Glück des Ehepaars konzentriert. Außerdem nimmt allein die Tatsache, dass beide Partner*inn*en Teil dieser Feier sind, eine Menge potenzieller Verkrampftheit aus der Hochzeit selbst, denn wenn man* genau darüber nachdenkt, scheint es unmöglich, dass die Teilnehmer*innen zu sehr dem Druck der Festlichkeit nachgeben können, wenn die gesamte Hochzeitsgesellschaft verkatert ist. Nicht nur bietet sich so die Möglichkeit, diese ‘Zensur des Lebens’ auf mehrere Tage zu auszudehnen, auch ist es nahezu ein Stimmungsgarant, wenn alle Beteiligten einfacht weiterfeiern und so die Konsequenzen dieser feucht-fröhlichen Festivität – den dicken Schädel und Schlafmagel –  um einen weiteren Tag verschieben können.

Via Wikimedia Commons by Stefan-Xp

ScherbenWobei manch eine*r wahrscheinlich genau wie ich dem schönen alten Geschirr nachtrauert.

In unserem (angeblich) gleichberechtigtem Zeitalter sollte die Ehe eines von vielen Beziehungskonzepten sein. Dass wir weit davon entfernt sind, zeigt nicht nur die bereits thematisierte Problematik um nicht-heterosexuelle Paare, sondern auch die steuerlichen Vorteile, die Ehepartner*inn*en nach wie vor in Deutschland genießen. Die Heirat als Liebesbeweis (ein noch sehr junges Konzept) steht, wenn man* dem Idealismus folgt, für eine gemeinschaftliche und idyllische Verbindung. Leider zeigen die Zahlen, dass auch das gleichberechtigste Paar entweder mit der Eheschließung, aber spätestens mit dem ersten Kind in klassische Rollenmuster verfällt. Abermals soll dies kein Todesargument für die Ehe an sich sein, aber trotzdem verweisen diese Tendenzen auf ein immer noch existierendes Problem. Nur weil wir von Gleichberechtigung sprechen, ist sie noch nicht in den Köpfen aller angekommen. Dass sich Rollenbilder so hartnäckig halten, hat viele Gründe und wird von jeder wissenschaftlichen Disziplin anders begründet. Dass sich wiederholende Stereotype und Glorifizierungen von vermeintlichen Geschlechterunterschieden dazu beitragen ist unabstreitbar. Zu solchen gehört der Jungesell*inn*enabschied. In diesem Sinne gilt es sich zu Fragen, welche Beziehung will ich führen? Wenn die Antwort „Eine gleichberechtigte“ ist, dann ist der Polterabend als Vorbote der Ehe sicherlich eine gute Wahl. Und seinen wir ehrlich, wie kann man* besser einen neuen Lebensabschnitt beginnen, als mit einer wilden Party unter den Liebsten und mit ganz viel Krach.

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