Author: Max (Page 1 of 28)

“Vapiano” – Grundhass’ Appell an die Menschlichkeit

Ich will nicht die hässliche Fresse seh’n, die mir mein Essen zubereitet.

Ich will nicht die hässliche Fresse seh’n, die das kocht, was ich wieder ausscheiße.

“Vapiano” von Grundhass

Der Notenblätterwald rauscht gewaltig seit der Nachwuchskünstler Grundhass Akustik-Punkrock mit der kommerziellen Strahlkraft einer Madonna zurückbrachte. Seine sozialkritischen Beobachtungen dringen in ungewohnte Tiefen der menschlichen Psyche und erlauben Hörern aller Bildungsschichten Zugang zu komplett fremden Lebenswelten. Kaum ein Song bringt die nachdenkliche Dichterader des Neuzeitbarden derartig präzise aud den Punkt wie „Vapiano“.

Was Grundhass in wenigen Sekunden und Worten erzählt, pressen gestandene Liedermacher im besten Fall auf einen gesamten Longplayer. Scheinbar mühelos legt Grundhass unsere Oberflächlichkeit gegenüber fremden Kulturen die eigene Vergänglichkeit als Entschuldigung für fehlende Moralität offen. Die „hässliche Fresse“ ist eine Darlegung der Reduktion auf die äußere Erscheinung. Das lyrische Ich verfällt dem Instinkt der sofortigen Kategorisierung des Anderen allein aufgrund der Äußerlichkeiten. Weitere, mögliche Qualitäten und Vorzüge des Gegenüber bleiben allein aufgrund des fehlenden Aussehens außen vor, eine Problematik, die uns auch in modernen Gesellschaften begegnet.

Die Erklärung für dieses amoralische Verhalten begründet Grundhass in der schließenden Zeile „die das kocht, was ich wieder ausscheiße“. Das Kochen ist Synonym für interpersonale Interaktionen, die heutzutage wie Dienstleistungen aufgefasst werden. Wir erwarten uns ein für uns produktives Ergebnis von einer Interaktion mit anderen, wobei die harte Wortwahl „ausscheißen“ die fehlende Wertschätzung der Interaktionen ausdrückt. Gleichzeitig steht das Ausscheißen für die Vergänglichkeit der interpersonalen Interaktionen. Grundhass prangert hiermit die Wegwerfattitüde der Gesellschaft an, die Menschen nach einem Blick abtut und vor lauter Auswahl an Informationen und Mehrwehrt letztlich alles vergisst und nichts wertschätzt.

Die nihilistische Ansicht und der geistlose Konsum materieller und geistiger Güter trifft Hörer des Stücks „Vapiano“ ins Mark und stimmt zum Nachdenken an. Beim nächsten Aufeinandertreffen mit Fremdem und Neuem bleibt zu hoffen, dass Grundhass’ Worte uns mit voller Wucht treffen und uns daran erinnern: hinter jedem Gesicht steckt ein Mensch, der uns unabhängig von Beruf, Hautfarbe, Geschlecht und Idealen im Grunde gänzlich gleich ist.

Featured Image mit Genehmigung von Grundhass via ihm sein Facebook

Aufreger – der Podcast! Wo sind die guten Nachrichten hin?

Schlechte Nachrichten, wohin ihr auch schaut. Flugzeuge stürzen ab, Länder werden bombardiert und Rechte werden entzogen. Die Nachrichten geben uns so manches Mal das Gefühl, dass alles schlecht ist. Wir suchen in unserer ersten Folge des Aufreger-Podcasts nach guten Nachrichten und warum sie hinten anstehen.

Wir geben keine feststehenden Antworten, sondern geben unsere Ansichten aus unserem Studium und unseren Berufen wieder. Wir möchten euch einen Einblick in ein paar Themen geben, ohne euch “Richtig” und “Falsch” vorzuschreiben. Im Bestfall tretet ihr mit uns in Kontakt oder kommt auf neue Themen, die ihr noch nicht auf dem Radar hattet. Also:

Good news, everyone!

Der Titelsong ist übrigens “Proof” von Glory of Joann, die uns freundlicherweise ihre Musik nutzen lassen.

Full Disclosure: Der Podcast wurde ursprünglich am 10.04.2017 aufgenommen. Nur falls sich jemand fragt, warum wir die Beispiele wie den Anschlag in Schweden nehmen.

Featured image via Flickr by Ray Bouknight

Mehr Spieler: Feel The Rush!

Regelmäßigkeit, dein Name ist Mehr Spieler. Wir waren nie weg, richtig?

Frisch, frivol und mit einer Packung Fremdwörter klugscheißen wir uns durch eine knappe halbe Stunde über Erwartungshaltungen an Videospielen. Regiert am Ende das schnöde Geld die virtuelle Welt und wer leidet am meisten unter den unfertigen Release-Versionen zu Beginn?

Mit gekonnter Anmoderation, Trumpcare-Bait und jeder Menge Halbwissen versüßen wir euch unser aller liebstes Hobby.

Informieren leicht gemacht

Nie hätte ich mir erträumt, dass eine Schulweisheit meiner Deutschlehrerin an der Oberstufe einmal ein Credo meines Lebens wird. “Belegen Sie am Text”, ist nicht nur ein Mittel, um gute Noten durch Wischi-Waschi-Aussagen zu verhindern. “Belegen Sie am Text” ist auch im Alltag eine Berufung auf Feststehendes. Nun stellen wir dieser Tage endgültig fest, dass jeder einfach schreiben kann, was er möchte. Deshalb können wir nicht jeden davon überzeugen, dass das Geschriebene Wort stimmt oder frei erfunden ist.

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Mehr Offenheit

Das vor einigen Tagen auferlegte Reiseverbot betrifft Videospielentwickler und deren Angehörige in betroffenen Ländern. Sind das viele, sind das wenige? Geht es nicht viel mehr ums Prinzip? Johannes und ich unterhalten uns darüber und versuchen nicht zu bedrückend zu sein. Ein paar Witze sind drin. Versprochen. Durchhalten, nicht die Augen verschließen und für das Einstehen, was euch wichtig ist. Hoffentlich kommt die Botschaft durch.

Hier noch das im Podcast erwähnte Video von Insomniac Games:

Game Awards 2016 – Mehr Kommerz, weniger Mut

Geoff Keighley macht uns das Leben leicht und schwer zu gleich. Ihn und seine Arbeit als Blödsinn abzutun fällt einfach. Damit nehmen wir gleichzeitig hin, dass Videospiele sich in jeder Hinsicht als Kommerzartikel verkaufen. Die “Game Awards 2016” waren so innovativ wie der Name der Award-Show. Wir preisen jene, die vom Markt bereits gepriesen wurden. Der Circle Jerk (don’t google it) “is a thing”. Wir haben Wut im Bauch und versuchen trotzdem bei der Sache zu bleiben. Nehmt euch eine Viertelstunde Zeit und erlebt eine Achterbahn der Gefühle. Und am Ende ist alles gut, weil wir einen Award bekommen. Und wie alle “Kollegen” sind wir plötzlich ganz kleinlaut, wenn wir im Rampenlicht einer Dauerwerbesendung stehen dürfen.

Fazit: Wir brauchen einen Games-Reich-Ranicki, der sich öffentlich hinstellt und sagt: ICH NEHME DIESEN PREIS NICHT AN!

Mehr Transparenz auf Youtube

EA will, dass Youtuber bei Let’s Plays angeben, wenn sie von EA in diversen Weisen unterstützt sind. Von der Bereitstellung einer Kopie bis zum Eventbesuch inklusive Häppchen (mmmmhhh… Häppchen!) möchte EA ein Stück weit mehr Transparenz. Aus Selbstschutz? Für die Gamer, die sich fragen, ob die Influencer selbst “geinfluenced” wurden? Johannes und ich diskutieren munter, knackig und hoffen, dass Youtube nicht die Mistgabeln auspackt.

Aufreger: Hamilton, Pence und Sprachgefühl

Bestimmt steckt keine böse Absicht hinter der Überschrift der Süddeutschen Zeitung “Broadway-Musical Hamilton Schauspieler belehren Mike Pence”, aber der Effekt ist nicht zu unterschätzen. “Jetzt reg’ dich doch nicht wegen eines kleinen Worts auf, Max”, ist eventuell ein Einwand. Dieser Einwand war schon immer und ist jetzt im Besonderen fahrlässig. In Amerika verfolgen wir eine aktive Spaltung von Bevölkerungsgruppen, die oft in “Arbeiterklasse gegen Elite” ihre Bezeichnung findet. Die Elite weiß alles besser. Die Elite beherrscht. Die Elite unterdrückt. Das ist das Verständnis jener, die nichts mit der Elite anfangen können.

Von einer “Belehrung” zu sprechen, ist nicht nur inhaltlich mehr als fragwürdig, sondern verstärkt das typische Bild. In den Augen der erzkonservativen Wähler sind die Schauspieler des Musicals natürlich linke Elite. Mit ihrer geschnörkelten Sprache, den hübschen Kostümen und extravaganten Gesten sind sie aufgrund der aktuellen (Fehl-)Kommunikation zwischen den Bevölkerungsteilen eine Personifizierung der linken Elite, der Social Justice Warrior, der Gutmenschen. Und diese Menschen “belehren” den demokratisch gewählten, zukünftigen Vize-Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika? Natürlich geht Menschen da der Hut hoch. Der zukünftige Präsident Donald Trump hat bereits per Twitter verlauten lassen, dass der Cast sich für den respektlosen Umgang mit Mike Pence entschuldigen soll. Wahrscheinlich, weil Donald Trump so wenig Geduld und Auffassungsgabe wie die meisten von uns mitbringt und lediglich Überschriften wie “Broadway-Musical Hamilton Schauspieler belehren Mike Pence” liest.

Das Problem ist, dass die Schauspieler des Hamilton-Musicals Mike Pence in keiner Weise belehren. Hier versammeln sich Künstler, die sich für Diversität einsetzen. Menschen, die anhand der Aussagen von Donald Trump ernsthaft besorgt sind, was die Präsidentschaft dieses Mannes für ihre und die Rechte ihrer Freunde bedeutet. Für Schwule, Lesben, Schwarze, Latinos, Transgenders, Frauen und weitere Bevölkerungsgruppen, die sich vor Trumps Aussagen und angekündigten Policen fürchten. Lest die Aussage selbst, die ich auf die Schnelle transkribiert habe. Wer eine grobe Übersetzung wünscht, guckt das Video beispielsweise bei der Süddeutschen.

You know we had a guest in the audience this evening. Vice-President elect Mike Pence, I see you walking out, but I hope you will hear us just a few more moments. There is nothing to boo here, ladies and gentlemen, nothing to boo. We are all here sharing a story of love. We have a message to you, sir, and we hope that you will hear us out. And I approach everyone to put out your phones and tweet and post so this message is being spread far and wide, okay? Vice-President elect Pence, we welcome you and we truly thank you for joining us here at ‘Hamilton – an American Musical”, we really do. We, sir, we are the diverse America who are alarmed and anxious that your new administration will not protect us, our planet, our children, our parents or defend us and uphold our inalienable rights, sir. But we truly hope our show has inspired you to uphold our American values and work on behalf of all of us, all of us. We thank you truly for [inaudible] this show. This wonderful American Story told by a diverse group of men and women of different colors creeds and orientations…

Habt ihr euch die Zeit genommen, den kompletten Ausschnitt zu lesen? Vielen Dank. Das ist nicht ironisch gemeint. Das ist bitter nötig, denn nur so ist ersichtlich, dass hier eine Gruppe von Menschen den angesprochenen Mike Pence bitten, ihren Lebensweg zu akzeptieren. Mehr als alles andere ist diese Ansprache ein “plea”, eine Bitte. Eine Bitte, zu akzeptieren, dass jeder Mensch ein produktiver und gewinnbringender Teil der Gesellschaft sein kann. Eine Bitte, zu versprechen, dass alle Menschen, die in Amerika leben, den Schutz der Regierung genießen. Die Aussagen Trumps lassen die Schauspieler zweifeln und deswegen bitten sie im Namen ihrer Gleichgesinnten, dass Mike Pence eine weltoffene und progressive Gesellschaft duldet und stärkt.

Du musst etwas Anderes tun. Du bist dumm und naiv, wenn du nicht machst, was wir dir sagen. Das sind Belehrungen. Jemanden zu sagen, dass zwei plus zwei vier sind, ist durchaus eine Belehrung, aber diese bezieht sich auf Fakten. Der Streit um Menschenrechte ist in Amerika und in nahezu allen Ländern der Erde aber eine Glaubenssache, weswegen Fakten oft außen vor bleiben. Unsere Bundeskanzlerin “tut sich schwer [mit der rechtlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare bei der Adoption von Kindern]”, weil Sie, aus welchen Gründen auch immer, es nicht für richtig hält. Das sei ein “kontroverses” Thema und ist am Ende ein Themenfeld, das bei Entscheidungen weitestgehend frei von Fakten bleibt. Der Hamilton-Cast belehrt nicht, sondern setzt sich für die Gleichheit gewisser Gruppen ein.

Der Journalismus steht in der besonderen Pflicht, dass Inhalte vernünftig, reflektiert und verständlich wiedergegeben werden. Wir haben in Deutschland genug Blätter, die sich aus offensichtlichen Gründen dagegen wehren. Der kommerzielle Erfolg gibt diesen Verlagen und Blättern recht, auch darüber müssen wir im Bilde sein. Wer glaubt, dass Überschriften wie “Broadway-Musical Hamilton Schauspieler belehren Mike Pence” keine Auswirkung auf die Außendarstellung haben, hat den berüchtigten Schuss nicht gehört. Dass die gebildete und meist als links bezeichnete Elite auf konservative Werte herabschaut, ist ein fest bestehendes Vorurteil. Ein Vorurteil, dass auch die weise gewählten Worte des Hamilton-Casts nicht umkehren, wenn wir schreiben, sie “belehren”.

Ich hingegen stehe dazu, dass ich mit diesem Beitrag belehren möchte. Ich versuche darauf hinzuweisen, dass die Wortwahl durchaus eine Rolle spielt. Ich streite oft und leidenschaftlich über die Entwicklung von Sprache und auch intern im Team herrschen große Differenzen. Das liegt bei mir daran, dass ich das Gefühl habe, dass viele Menschen ihre eigene Muttersprache in den Grundfesten nicht verstehen und unabsichtlich schaden anrichten. Während wir sprechen, passiert das. Uns fehlen die Worte, wir verhaspeln und versprechen uns. Das ist menschlich. Doch wer seine Gedanken in Schriftform zum Ausdruck bringt, hat eine besondere Verpflichtung. Journalisten verdienen ihren Unterhalt mit dem geschriebenen Wort und bei all ihrer Übung ist es wichtig, dass sie ihre Erfahrung mit dem Umgang mit der Sprache Lesern zur Verfügung stellen.

Allein die Überschrift “Broadway-Musical Hamilton Schauspieler belehren Mike Pence” ist eine völlige Verfehlung dieses Qualitätsanspruchs. Wir lesen eine Überschrift, die an eine Falschaussage grenzt. Wir versagen mit solchen Botschaften auf den einfachsten Ebenen der Kommunikation. Wenn der nächste Konservative ruft, dass die vermeintlichen Linken und die vermeintliche Elite und die vermeintlichen Besserwisser, weiß wieder keiner, woran das liegt. Niemand ist perfekt, auch ich hätte mich eloquenter ausdrücken können, hätte effektiver zum Punkt kommen können. Ich möchte das versuchen. Ich möchte meine Fehler minimieren. Die Frage ist, Süddeutsche Zeitung, macht ihr mit? Die Frage ist, Journalisten, macht ihr mit? Die Frage ist, lieber Leser, machst du mit?

Featured Image via Flickr by Tina Saey

 

Red Dead No Homo

Bei dem Titel ist klar, dass es hoch her geht. Im Podcast fallen Schimpfwörter, mit denen wir uns auseinandersetzen. Die Frage ist schließlich: warum all die Beleidigungen unter und zwischen (sogenannten) Fans? Kommen wir auf die Pluralität der Gesellschaft nicht klar? Ist alles schlecht, was nicht genau so ist, wie wir es wollen? Was wollen wir eigentlich? Johannes und ich überlegen viel, sind auf mehreren Spuren und haben am Ende Vorschläge, was besser laufen kann. Ob das die Antwort ist? Keine Ahnung. Ein erster Schritt ist in unseren Augen allerdings überhaupt erst mal reflektiert über das Problem nachzudenken, um es bewältigen zu können.

Mehr Spieler für Liebe und Frieden in Videospielen,

eure Gutmensch Social Justice Warrior

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