Von den ewigen Weiten des Pop

Bringt eure Töne raus! Bringt eure Töne raus! Schmeißt alles raus, was sowieso nicht mehr besprochen werden muss. David Garrett? Bah! Natürlich weiß der Mann was er macht! Aber wenn er zum gefühlt zehnten Mal die Pop-Hits der letzten Jahre seinem Geigenspiel anpasst, dann verliert es seinen Reiz darüber zu berichten.
Auch wird es für mich langweilig, wenn Placebo zum ebenfalls ungezählten Mal ihren stark elektronisierten Rock auspacken. Ja, die neue Vorzeige-Single „B3“ klingt wieder mehr wie früher (“Sleeping With Ghosts”) und nicht so unsagbar enttäuschend wie „Battle For The Sun“. Aber hier stellt sich die Frage, ob Placebo noch mal irgendetwas neu in ihrer Karriere machen werden. Wenn nicht, dann muss man sich auch nicht groß umdrehen. Die Aktien stehen klar. Mögt ihr Placebo, dann sollte die neue Richtung auch den meisten Alt-Fans wieder schmecken. Ansonsten lasst mich bitte mit dieser nasalen Stimme in Frieden.


Aus erlesenen Quellen weiß ich, dass Placebo immer noch nicht so gut wie auf “Black Market Music” klingen

Und Lena (Meyer-Landrut)… äääääh… ja. Ja, sie klingt nicht mehr wie auf ihren ersten beiden Alben. Vielleicht macht sie diesmal auch kluge Bögen um Stefan Raab und Til Schweiger, um nicht bloß das kleine Anhängsel zu sein. Nur zu dumm, dass die junge Frau (wie viele Sängerinnen zur Zeit) auf den Adele-Zug aufspringen wollen, die mit „Skyfall“ die Traditionen von bestenfalls durchschnittlichen Auftragsarbeiten ebenfalls fortgesetzt hat.
Und nein, es ist nicht so, als würde ich die Musik von Adele und auch Amy Winehouse verteufeln. Es ist nur so, dass der gute, alte Kopierkapitalismus dieses Genre einfach wieder bis zum erbrechen ausgereizt hat. A Fine Frenzy ist zudem ein name, den ihr euch ins Gedächtnis Kurzzeittätowieren solltet, wenn ihr solche Musik trotzdem noch mögt und nach Ausreißern nach oben Ausschau haltet. Die junge Frau gibt sich auf „Pines“ wirklich Mühe noch die ein oder andere Neuerung einzubringen, klingt am Ende aber auch nicht viel anders als besagte Damen… was ja nichts partout Schlechtes ist.


Bok-Bok! It’s Alive! Seth Green’s Robot Chicken gucken und verstehen!

Der Ton der Alternative

Den sichersten Abstand zu den souligen Damen dürfte ein echter Klassiker herstellen. Fool’s Garden sind zurück und pfeifen (scheinbar) auf ihren One-Hit-Status. Im Ernst, kennt jemand noch ein zweites Lied nach „Lemon Tree“, das einem im Kopf hätte bleiben müssen? Ohne großartige Formel kehren zwei der vier Originalmitglieder mit neuer Verstärkung und als Fools Garden (ohne Apostroph) zurück.
Dabei geht es nicht darum den Überhit von 1995 wieder neu zu erfinden, sondern einfach nur der Liebe zur Musik zu huldigen. Ihrem Alter entsprechend geben sich Fools Garden jetzt mehr langsame, akustische Töne. Das Gros auf „Who Is Jo King?“ sind Balladen, die den Hörer sanft an den Tisch oder noch besser aufs Sofa bitten und zu angenehmem unaufgeregtem Hören einladen.

Wer lieber dem heutigen Mainstream huldigt, der darf sich „The Script“ notieren. Inzwischen sollte man The Script kennen, die mit ihrer – für viele Menschen unsäglichen – Mischung aus Soul/Hip-Hop und sanftem Pop/Rock ihr kleines Nest im seichten Sektor erobert haben. Zwischen Coldplay, Keane und den amerikanischen Pendants machen es sich The Script auch mit „#3“ wieder äußerst bequem da ihr unorthodoxer Ansatz oftmals frischer wirkt, als die oft eingespielten Hymnen der großen Bands. Und wer Pop-Musik mag, der muss sich (leider) eingestehen, dass die neue Platte einfach nur verdammt eingängig ist. Jetzt muss man nur noch diese Mischung aus Soft und Pop/Rock mögen. Vielleicht werden The Script ja noch zur Antwort für manche Jimmy Eat World-Fans.


Einmal das ganze Menü zum Antesten, bitte

Für die ganz harten (Pop-Fans) gibt es dann noch Sea+Air, die auf „My Heart’s Sick Chord“ bittersüß Folklore und Pop-Musik der letzten Jahrzehnte verbinden. Vom Glockenspiel bis zum verwegenen Streicher kommt hier alles zusammen und wird mal majestätisch orchestral, dann intim im Stil der Kammermusik oder eben mit Wave-Sounds verbunden und dargeboten. Das liest sich super und stolpert überraschenderweise auch gar nicht so sehr, wie man vielleicht erwarten würde.
Und ja, ich weiß. König-Pop regiert diesen Beitrag ziemlich. Das liegt an meinen Quellen und teilweise auch an meinen Hörvorlieben, aber insgesamt ist es ein breites Spektrum… (Ja, an Schrott, du Mongo!)
Ach, wem machen wir was vor. Wer aus der letzten Woche frischen Pop will, der liest den neuen Ton. Alle anderen fragen ihren Arzt und Apotheker.


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3 Comments

  1. Die neue von A Fine Frenzy ist groß. Wie du angedeutet hast, mit dem neuen Album gibt es einen sehr eleganten Stilwechsel im Vergleich zu den Vorgängern, der aber nicht zu sehr auffällt. Tolles Teil. Mal in die anderen Präsentationen hier reinhören.

  2. Thomas N.

    Hallo!

    Zitat: “Adele-Zug aufspringen wollen, die mit ‘Skyfall’ die Traditionen von bestenfalls durchschnittlichen Auftragsarbeiten ebenfalls fortgesetzt hat.”
    Wir reden hier doch von http://www.youtube.com/watch?v=7HKoqNJtMTQ , oder? Wenn ja, dann glaube ich, dass Max taub ist. Unter “bestenfalls durchschnittlich” stell’ ich mir was anderes, was deutlich schlechteres vor.

    Noch ein Zitat: “Und nein, es ist nicht so, als würde ich die Musik von Adele und auch Amy Winehouse verteufeln. Es ist nur so, dass der gute, alte Kopierkapitalismus dieses Genre einfach wieder bis zum erbrechen ausgereizt hat.”
    Was soll das heißen? Was ist denn “Kopierkapitalismus”? Max schmeißt hier ein paar sprachliche Brocken hin – in der Hoffnung, dass der Leser diese halbwegs verdauen kann. Ich finde, da fehlt einfach die sprachliche Genauigkeit: Wenn ich als Leser nicht weiß, was Max mir sagen will, dann dient dieser Text nur einem – Max. Aber nicht dem Leser.
    Adele in diesem Zusammenhang zu erwähnen, finde ich hanebüchen: Mit ihrer Stimme kann man ihr weiß Gott nicht vorwerfen, dass sie andere einfach nur kopiere.. Ebenso unpassend finde ich es, Amy Winehouse aufzuführen: vor über einem Jahr gestorben, ihr letztes Album 2006 veröffentlicht – und dann ist Amy Winehouse für Max ein Beispiel dafür, dass “wieder” der “Kopierkapitalismus” zugeschlagen habe. Das passt zeitlich nicht zusammen – Amy Winehouse mit einem sechs Jahre alten Album kann meines Erachtens kein Beispiel für aktuelle Tendenzen in der Musikbrnache sein.

    • Max

      Guter, verständlicher Kommentar. Ich bemerke beim zweiten Lesen selbst, dass meine Wortwahl harscher rüberkommt, als das gedacht war. Dass ich taub bin, muss allerdings zumindest auf einem Ohr stimmen, da ich zu der Aussage stehe, dass Adeles “Skyfall” ein FÜR SIE durchschnittliches Lied ist. Im Vergleich zu ihrem Album gehen alle ihre Markenzeichen flöten und herausgekommen ist ein… joa… ein Bond-Song halt. Da kann man auch wieder “Goldfinger” trällern. DAS sollte die Spitze in Richtung Adele sein.

      Und auch wird nicht Adele und Winehouse vorgeworfen, dass sie kopieren, sondern dass sie artig von Damen à la Meyer-Landrut artig kopiert werden. Zudem MUSS Winehouse genannt werden, da sie 2006 DAS Vorzeige-Album für salonfähigen Soul-Pop auf den Markt geworfen hat.
      Es ist auch weiterhin “In” den Soul-Pop auf Menschen loszulassen. U.a. Duffy und Emeli Sandé haben in den letzten Jahren klar von der Verlagerung auf diesen Zweig profitiert und irgendwann sind es alles nur noch schöne Stimmchen, die einen konstruierten, aber nicht eigenen Stil vortragen.

      Gleichzeitig könnte man das natürlich auch von der positiven Seite begutachten, da wir nun so Zauberstimmen wie Adele und Sandé hören dürfen. Dass dann aber so ein Schwall an liebloser Kopien (Lena) unsere Gehörgänge überschwemmt, macht mich nun einmal traurig.

      Mit pazifistischen Grüßen und Danke nochmal für den Kommentar,
      Max

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